Kate Summerscale

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Frau-Aragorns avatar

Rezension zu "Der Verdacht des Mr Whicher" von Kate Summerscale

Ein Sachbuch über die Entwicklung englischer Kriminalliteratur
Frau-Aragornvor einem Jahr

Dieses Buch ist ein rein an realen Begebenheiten gehaltenes Sachbuch über die Entwicklung englischer Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts. Anhand des Beispiels eines 1860 verübten Mordes und des damaligen Ermittlers Jack Whicher verdeutlicht Autorin Kate Summerscale die Einflüsse der Realität auf die Fiktion. Tatsächlich diente die Person des Jack Whicher als Vorlage für viele Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. 


Das Buch ist natürlich voll gestopft mit Informationen und durch ein umfangreiches Quellenverzeichnis im rückwärtigen Teil des Buches belegt. Dennoch ist es spannend und kurzweilig geschrieben. Die Darstellungen der damaligen Verhältnisse sind sehr authentisch, die Abläufe sehr gut strukturiert und geordnet. 


Ein Buch, das man jedem empfehlen kann, der sich für englische Literatur interessiert. Ich empfehle allerdings viel Zeit und gutes Licht, da die gedrungene Schreibweise und die langen, voll mit Information gestopften Sätze, die zusätzlich auch fast bewusstseinsstromartig von Thema zu Thema gleiten, das Lesen zu einer Herausforderung mit höchster Konzentration macht. 
Wer es allerdings schaffe sich durchzubeißen, wird mit viel Hintergrundwissen belohnt. 

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JoBerlins avatar

Rezension zu "Der Verdacht des Mr Whicher" von Kate Summerscale

Der Mord von Road Hill House
JoBerlinvor 4 Jahren

Mehr Sachbuch als viktorianischer Krimi - aber sehr gut. Kate Summerscale zeigt anhand eines historischen Mordfalls die Entstehung der kriminalistischen Ermittlung mit einer eigenständigen Polizei in England Mitte des 19. Jahrhunderts und belegt außerdem Einflüsse des "Mord von Road Hill" auf namhafte Autoren wie Wilkie Collins, Charles Dickens, Mary Elizabeth Braddon, Conan Doyle.

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brudervomwebers avatar

Rezension zu "The Suspicions of Mr. Whicher" von Kate Summerscale

Das Verbrechen im Zeitalter seiner analytischen Rekonstruierbarkeit
brudervomwebervor 5 Jahren

Kate Summerscales Buch über einen wahren Mordfall aus dem Jahr 1860 und dessen Auswirkungen auf die damalige englische Gesellschaft ist vieles: eine Dokumentation, eine spannende Rekonstruktion eines Mordfalls und insbesondere eine kenntnisreiche und kreative Studie über die Faszination am Verbrechen und die gesellschaftliche Funktion des Detektivs in der Viktorianischen Epoche.

Der Stil des Buches ist beizeiten dröge, die Sprache durch viele Zitate aus Büchern, Presseberichten und polizeilichen Akten mitunter gestelzt, weil eben alt, aber gerade dieser Tonfall macht den Reiz aus, den das Buch hat. Summerscale jongliert mit den Fakten, sie reibt Theorien über den brutalen Mord an dem dreijährigen Francis Saville Kent, die öffentliche und sensationslüsterne Berichtserstattung und das Echo, welches der Fall insbesondere in der damals knospenden Detektiv-Literatur fand, experimentierfreudig aneinander und kreiert dadurch ein lärmendes, überzeugendes Panorama jener rastlosen Wochen und Monate, in denen Heerscharen von wohlmeinenden, aber allzu unfähigen Ermittlern, Nachbarn und Freunden durch das Haus der Kents in Road liefen und die schreckliche, die Volksseele Englands verunsichernde Tat zu erhellen versuchten.

Inmitten dieses Durcheinanders platziert Summerscale ihren Titelhelden, Jack Whicher, jenen nach ihrer Interpretation ersten großen Detective von Scotland Yard, einen Mann, in dem sich Wagemut, Scharfsinn und Instinkt zu einer formidablen Mischung verbanden und der doch von dem Hype, den der Mord an dem Kent-Jungen und seinem "unanständigen" Verdacht, der ebenfalls den Titel des Buches ziert, fast zugrunde gerichtet wurde.

Der Bericht Summerscales neigt gelegentlich zur Wiederholung bereits präsentierter Fakten, die Fülle der in die Angelegenheit als mögliche Täter, als Zeugen, Ermittler, Strafverfolger, selbsternannte Meinungsführer und anderweitig von dem Fall faszinierte Zeitgenossen verstrickten Personen lässt zudem mitunter den Kopf schwirren, aber letztlich tritt nur eine Handvoll von Figuren im Auge dieses hyperventilierenden Orkans öffentlicher Meinungen zusammen. Der Detektiv und die Hausgemeinschaft der Kents, aus der - wie bald klar wird - der Mörder stammen muss.

In der Conclusio ihres Buches stellt Kate Summerscale fest, dass der literarische Detektiv die gesellschaftliche Funktion erfüllt, uns von der Anwesenheit des Todes zu erlösen. Er nimmt die unerträgliche Last der Ungewissheit von uns. Diesen Gefallen tun Summerscale und Whicher dem Leser des Buches nicht - am Ende steht ein starker Verdacht, dass die letztlich aufgedeckte Wahrheit nicht die ganze Wahrheit gewesen sein mochte, dass es Geheimnisse gibt, die im jenem abgeschlossenen Raum des Privaten verblieben sein könnten, dessen Veröffentlichung im Zuge der Ermittlungen die eigentlich skandalöse Tat jener Detektive von Scotland Yard war, über welche sich die englische Gesellschaft empörte.

In ihrem kurzen Nachwort kehrt Summerscale noch einmal zum Opfer jenes Mordes zurück, zu dem kleinen, dreijährigen Jungen, der - so die Auslegung eines Mediziners, der die Leiche nach deren Fund untersuchte - seine Mörder gesehen und die gegen ihn geführte Klinge abzuwehren versucht haben musste. Summerscale räumt ein, dass erst die Lektüre dieses den Augenblick des Todes heraufbeschwörenden Berichts sie aus ihrem analytischen Gedankengebäude in die Wirklichkeit zurückholte: "I was reminded, with a jolt, that the boy lived. In unravelling the story of his murder, I had forgotten him."

Mit ihrem Buch, das mich bei aller dokumentarischen Sorgfalt und kenntnisreicher Verknüpfung von gesellschaftlichen Phänomenen des neunzehnten Jahrhunderts insbesondere im letzten Drittel stellenweise an den Rand des Tränenvergießens gebracht hat, hat sie diesem Vergessen nachhaltig die Stirn geboten. THE SUSPICIONS OF MISTER WHICHER ist eines der ergreifendsten Bücher, die ich gelesen habe. Das darf man als eine Empfehlung werten.

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