Kate Summerscale

 3,3 Sterne bei 50 Bewertungen

Lebenslauf von Kate Summerscale

Kate Summerscale, geboren 1965, wurde für »Kerle wie wir« und »Der Verdacht des Mr Whicher« mit dem Somerset Maugham Award und dem Samuel Johnson Prize ausgezeichnet; beide Bücher standen wochenlang auf der englischen Bestsellerliste. Sie lebt mit ihrem Sohn in London.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Kate Summerscale

Neue Rezensionen zu Kate Summerscale

Cover des Buches Der Verdacht des Mr Whicher (ISBN: 9783833307683)Elisabeth_Rettelbachs avatar

Rezension zu "Der Verdacht des Mr Whicher" von Kate Summerscale

Ein wahrer Mordfall verändert die Polizeiarbeit und beeinflusst die Literatur
Elisabeth_Rettelbachvor 9 Monaten

Dies ist die Geschichte eines wahren Mordfalls in einer englischen Familie, 1860, der seinerzeit extrem viel Publicity bekam und das Land quasi in Hysterie versetzte. Das Opfer war ein kleiner Junge, verdächtig waren Familienmitglieder. Die Autorin rekonstruiert minutiös die Zeit vor, während und nach dem grausigen Mord. Weil der Fall so viel Aufsehen erregte, setzte man einen Polizeistar an die Aufklärung: Jack Whicher. Verdächtig sind die Familienmitglieder, es scheint, alles haben das eine oder andere zu verbergen. Bald konzentriert sich der Verdacht auf die 15-jährige Schwester des kleinen Jungen, die sich seltsam verhält. Mr. Whicher geht jeder Spur genau nach. Interessant ist, dass zu und fast mit und durch diesen Fall auch die Polizeiarbeit revolutioniert wurde. Ganz am Ende hat die Autorin noch einen anonymen, doch vermutlich gut zuzuordnenden Bekennerbrief abgedruckt, der viele Jahrzehnte nach dem Mord an eine Zeitung geschickt wurde und auch Hinweise auf die Hintergründe des Verbrechens gibt. Das Buch ist extrem spannend und zeigt auch, wie dieser wahre Fall die britische Tradition der Detektivgeschichten beeinflusste. Berühmte Autoren wie Wilkie Collins, Arthur Conan Doyle oder Charles Dickens waren wohl von dem Fall bestürzt und nutzen ihn als Inspiration für ihre Werke. Ein tolles Buch, nur ganz vereinzelt etwas langatmig. 

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Cover des Buches Der Verdacht des Mr Whicher (ISBN: 9783827007780)Kapitel94s avatar

Rezension zu "Der Verdacht des Mr Whicher" von Kate Summerscale

Der Mord, der Doyle, Poe & co inspirierte
Kapitel94vor 2 Jahren

Polizist Mr Jonathan „Jack“ Whicher und sieben seiner Kollegen werden 1842 zu den ersten Detektiven Londons ernannt. Im 19. Jahrhundert ist es für Polizisten Vorschrift, die Uniform auch außerhalb des Dienstes zu tragen – nur ein Bändchen am Handgelenk signalisiert, ob sie momentan arbeiten oder nicht. Die Ermittler von Scotland Yard, zu denen Jack Whicher gehört, können somit erstmals „verdeckt“ ermitteln, in dem sie ihre normale Alltagskleidung tragen. Personen von besonderem, polizeilichem Interesse schöpfen dadurch keinen Verdacht und können leichter überführt werden. Zwanzig Jahre lang arbeitet Jack Whicher als Detektiv, überzeugt seine Chefs durch eine schnelle Auffassungsgabe und sein Gespür für kleine, scheinbar unwichtige Details. In Folge dessen wird er 1860 zu einem Mordfall nach Wiltshire geschickt, bei dem er nicht nur sein Können als verdeckter Ermittler sondern auch seine Karriere aufs Spiel setzt.

Der kleine Saville Kent wird am Morgen des 30. Juni 1860 vermisst. Als das Kindermädchen, das mit ihm in einem Zimmer schläft, gegen fünf Uhr morgens aufwacht, findet sie ein leeres Kinderbett vor, macht sich aber zunächst keine ernsthaften Gedanken – vielleicht hat der Junge über Nacht geweint und wurde von seiner Mutter aus dem Zimmer geholt. Zwei Stunden lang kümmert sich Elizabeth Gough um Savilles Geschwister, wäscht und kleidet sie, bis gegen sieben Uhr auch Mrs Kent erwacht. Als Elizabeth die Hausherrin fragt, ob denn die Kinder auch schon wach seien, ist Mrs. Kent verwirrt. „Warum die Kinder?“, fragt sie überrascht, denn es schlafe – wie immer – nur ihre Tochter bei ihr im Schlafzimmer. Als das Kindermädchen ihr erzählt, dass Saville nicht wie gewohnt in seinem Bett liegt, schlägt die Mutter Alarm: Wo ist ihr Sohn? Und wer hat ihn aus dem Bett getragen?

Schnell werden Nachbarn, Bekannte und die Polizei involviert. Das komplette Grundstück rund um Road Hill House wird nach dem kleinen dreijährigen Jungen abgegrast, bis er auf der Außentoilette der Angestellten gefunden wird. Tot. Eingewickelt in seine Decke, unter der er vor einigen Stunden noch ruhig schlief. Die Kehle durchgeschnitten. Alle Beteiligten sind zutiefst schockiert, doch ihre Trauer muss erst einmal hinten anstehen: Am Abend vor Savilles Tod wurden alle Türen und Fenster vom Hausmädchen verriegelt und anschließend von Mr Samuel Kent, dem Hausherren, überprüft. Am Morgen des 30. Juni, nachdem der Körper des kleinen Jungen gefunden wurde, macht die Polizisten eine interessante Entdeckung. Keine der Türen oder Fenster wurde geöffnet oder weist Einbruchspuren auf. Der Mörder oder die Mörderin wohnt also ebenfalls in Road Hill House.

Jack Whicher nimmt sich dem Fall an, interviewt alle Mitglieder der Familie Kent und ihre Hausangestellten. Schnell kommt er zu einem ersten Verdacht, wer den Mord begangen haben könnte, doch ihm fehlen aussagekräftige Beweise. Zum gleichen Zeitpunkt bildet sich die Gesellschaft ihr eigenes Urteil über die Tat und eine ganz andere Person landet im Visier der Polizei. Whicher wird aus dem Fall entlassen, zieht sich aus der Detektivarbeit zurück und gerät größtenteils in Vergessenheit. Erst mehrere Jahre später kommen neue Hinweise ans Licht, die bestätigen, dass Jack Whicher recht gehabt haben muss…

Der Verdacht des Mr Whicher ist in erster Linie ein Sachbuch, liest sich teilweise aber wie Fiktion. Die einzelnen Zitate, die Kate Summerscale aus Zeitungsartikeln, Interviews und medizinischen Berichten gesammelt hat, werden so geschickt in den Text eingebaut, dass man vergisst, reale Fakten vor sich zu haben und vor allem letzteres macht das Buch für mich so spannend: Alles, was man liest, ist tatsächlich passiert. Die Autorin hat nichts hinzugedichtet, nichts ausgelassen, nichts übertrieben dargestellt. Als Leser fühlt man sich beinahe ins Jahr 1860 versetzt, in dem man den Mord und die Ermittlungen noch einmal hautnah miterlebt.

Bei ihrer Recherche hat Kate Summerscale eine unglaubliche Masse an Informationen gesammelt und sie versucht, so viel wie möglich, in ihr Buch mit einzubauen. Dadurch fokussiert sie sich auch manchmal zu sehr auf Nebenhandlungen, geht intensiv auf Themen ein, die mit dem Kriminalfall nicht so viel zu tun haben und bringt die eigentliche Handlung dadurch ein wenig ins Stocken. Hier meine ich vor allem die Hintergrundinfos zu einigen Personen – Was machten sie zwanzig Jahre nach dem Mord? Wo lebten sie? Als was arbeiteten sie? Wie oft waren sie verheiratet? Alles Dinge, die meiner Meinung nach hätten gekürzt werden können.
Was mich als Literaturstudentin jedoch sehr interessiert und wo es nicht genug Einschübe und Hinweise hätte geben können, ist die Verbindung zwischen Mr Whicher und Autoren wie Charles Dickens, Edgar Allen Poe, Arthur Conan Doyle und Wilkie Collins. Immer wieder werden zwischendurch Beispiele genannt, wie sich die Autoren an dem real-life Detektiv orientiert haben: Welche Charakterzüge hat sich Arthur Conan Doyle für Sherlock Holmes bei Jack Whicher abgeguckt? Wie sehr gleicht die Handlung aus Wilkie Collins‘ Roman Der Monddiamant dem Fall von Road Hill House? Zu wissen, dass sich die Meister der Kriminalliteratur an Saville Kents Mord und dem damit verbundenen Ermittler orientierten, machte Der Verdacht des Mr Whicher noch fünfmal spannender für mich. Fans von Sherlock Holmes, Auguste Dupin und Kriminalfällen allgemein sollten sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

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Cover des Buches Der Verdacht des Mr Whicher (ISBN: 9783827007780)Frau-Aragorns avatar

Rezension zu "Der Verdacht des Mr Whicher" von Kate Summerscale

Ein Sachbuch über die Entwicklung englischer Kriminalliteratur
Frau-Aragornvor 4 Jahren

Dieses Buch ist ein rein an realen Begebenheiten gehaltenes Sachbuch über die Entwicklung englischer Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts. Anhand des Beispiels eines 1860 verübten Mordes und des damaligen Ermittlers Jack Whicher verdeutlicht Autorin Kate Summerscale die Einflüsse der Realität auf die Fiktion. Tatsächlich diente die Person des Jack Whicher als Vorlage für viele Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. 


Das Buch ist natürlich voll gestopft mit Informationen und durch ein umfangreiches Quellenverzeichnis im rückwärtigen Teil des Buches belegt. Dennoch ist es spannend und kurzweilig geschrieben. Die Darstellungen der damaligen Verhältnisse sind sehr authentisch, die Abläufe sehr gut strukturiert und geordnet. 


Ein Buch, das man jedem empfehlen kann, der sich für englische Literatur interessiert. Ich empfehle allerdings viel Zeit und gutes Licht, da die gedrungene Schreibweise und die langen, voll mit Information gestopften Sätze, die zusätzlich auch fast bewusstseinsstromartig von Thema zu Thema gleiten, das Lesen zu einer Herausforderung mit höchster Konzentration macht. 
Wer es allerdings schaffe sich durchzubeißen, wird mit viel Hintergrundwissen belohnt. 

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