Katharina Döbler Die Stille nach dem Gesang

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Inhaltsangabe zu „Die Stille nach dem Gesang“ von Katharina Döbler

Vom langen Schatten der Vergangenheit. Ein glanzvolles literarisches Debüt über eine Frau, die sich in den Schatten eines Mannes begibt und sich nach seinem Tod nicht wieder findet. Falk Margraf ist berühmt, er ist der rebellische Spross einer alten Bayreuther Großbürgerfamilie, der Wagner gegen die Rockmusik eingetauscht hat, vor allem aber hat er das Lied geschrieben, das das Lebensgefühl einer aufsässigen Generation traf und gleichzeitig prägte. Wen wundert es, dass die aus einfachen Verhältnissen stammende junge Sängerin Alex es Anfang der Achtziger für den Glücksfall ihres Lebens hielt, ihn getroffen und ihm offensichtlich ziemlich gut gefallen zu haben. Und wenn auch Falks machtbewusste Schwester Isolde, nach deren Seminar es zu dem Treffen kam, gerade ihren Elevinnen geraten hatte, lieber Intendantinnen zu werden statt Sängerinnen - Alex entschließt sich, den mühsamen Weg der eigenen Karriere gegen ein erheblich unanstrengenderes Leben mit Falk einzutauschen. Siebzehn Jahre später ist sie klüger: Sieben Jahre ist Falk da schon tot und sie sitzt mit zwei unehelichen Kindern und einem handfesten Trauma vereinsamt und ohne wirkliches Ziel in Berlin, Isolde Margraf gibt ihr die Schuld an Falks Tod und schneidet sie, und nur die Mutter Falks, das erratische Oberhaupt des inzwischen stark dezimierten Margraf-Clans, hält noch den Kontakt zu ihr; schließlich ist Alex' Tochter Wanda ihre einzige Enkelin. Katharina Döbler gelingt in ihrem Debütroman Die Stille nach dem Gesang ein kleines Mirakel: Sie erzählt in einem raffiniert gebauten Roman nicht nur das Leben einer Frau, die sich in den Schatten eines Mannes begeben hat, aus dem sie nicht herausfindet, sondern zeichnet auch das Portrait einer ganzen Generation, die unangepasst und rebellisch startete, sich aber in unendlich vielen pragmatischen Kompromissen verlor, und vom Niedergang dessen, was einst unter dem Namen Bildungsbürgertum den kulturellen Ersatzadel Deutschlands darstellte.

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  • Rezension zu "Die Stille nach dem Gesang" von Katharina Döbler

    Die Stille nach dem Gesang
    serendipity3012

    serendipity3012

    18. January 2011 um 10:14

    Wenn das Leben stillsteht 2001, Winter: Alexandras Leben scheint ereignislos. Falk Markgraf, Vater ihrer Tochter Wanda, ist bereits seit sieben Jahren tot. Sieben Jahre, in denen es Alexandra nicht gelungen ist, aus der Starre, die Falks plötzlicher Tod in ihr ausgelöst hat, auszubrechen. Sieben Jahre, in denen ihr Leben stillstand. Falk Markgraf ist einer der Sprösslinge einer reichen Familie aus Wagnerianern. Status und Geld zählen hier viel. Falk und seine Geschwister wurden allesamt als musikalische Wunderkinder gehandelt. Seine Schwester Isolde war eine gefragte Sängerin, Falk war mit der Band „Eckstein“ erfolgreich. Nun sind sie längst erwachsen, und keins der Markgrafkinder hat den hohen Ansprüchen der Eltern genügen können. Ein Bruder Falks ist im Meer ertrunken – nur die Mutter hält stur an dem Glauben fest, dass dies ein Unfall war – ein anderer Bruder ist verschwunden. Katharina Döblers Debütroman wechselt zwischen dem Jahr 2001, in dem Alexandra darum kämpft, dass ihre Tochter Wanda ihr Erbe der Markgrafs erhält, und dem Tag im Jahr 1993, an dem Falk starb. So wechselt gleichzeitig auch die Perspektive auf die Beziehung von Falk und Alexandra. Die junge Alexandra hat Gesang studiert, als der berühmte Falk Markgraf sich ihr annahm und sie alle Karrierepläne aufgab. Trotzdem ist es schwer greifbar, was die beiden verbindet, ist es Liebe? Gewohnheit? Abhängigkeit? Falks Familie freilich nimmt die junge Alexandra nicht ernst. Falks Schwester Isolde, einst großes Vorbild Alexandras, hat nur Verachtung für sie übrig. Döbler hat einen beeindruckenden Roman geschrieben. Sie stellt die Innenwelt Alexandras, ihre Unfähigkeit, ihr Leben weiter zu leben, so gekonnt dar, dass man sich der Melancholie, die über dem Text liegt, kaum entziehen kann. Die Gefühle der Protagonistin greifen auf den Leser über. Ihre Unfähigkeit, zu handeln und ihr Kreisen um die Vergangenheit liegen wie ein Schleier über dem Roman. Ein Buch der leiseren Töne, das ich uneingeschränkt weiter empfehle!

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  • Rezension zu "Die Stille nach dem Gesang" von Katharina Döbler

    Die Stille nach dem Gesang
    Clari

    Clari

    24. August 2010 um 15:09

    Anspruchsvolle Familienstudie. In einem lakonischen und ruhigen Stil beginnt der Roman über eine unmögliche Liebe. Warum sie unmöglich ist, dessen wird man erst allmählich gewahr. Zwischen 1993 und 2001 wechseln Zeit und Schauplätze dieser obskuren Handlung. Die wenig erfolgreiche Sängerin Alexandra war mit dem Popsänger Falk Markgraf liiert und hat mit ihm eine gute Zeit verlebt. Er kam aus einer großbürgerlichen Familie in Bayreuth und ließ das Großbürgertum hinter sich, um lieber im Auflehnung gegen seine Herkunft als Popsänger zu brillieren. Er ließ sich nicht in eine Ehe einbinden, und so kehrt Alex alleine aus Barcelona, wohin sie ihn begleitet hatte, nach Berlin zurück. Geheimnisvoll und vielsagend steht seine Familie und hier besonders die Schwester Isolde zu dem Bruder, der später unerwartet und plötzlich zu Tode kommt. Seine Familie lässt Alexandra fühlen, dass sie mit ihr als Gefährtin für den geliebten Bruder und Sohn nicht einverstanden war. Zu Alex’ Freude und zum Ärger Isoldes gebar Alexandra nach Falks Tod die Tochter Wanda. Isolde bleibt misstrauisch, ob Wanda wirklich Falks Tochter ist. Immerhin lässt man sich in der Familie auf Erbansprüche des Kindes ein. Inzwischen gibt es bei Alexandra noch den Sohn Rafi, Spross einer flüchtigen Beziehung Alexandras mit einem spanischen Geschäftsmann, der vier Jahre nach Wanda geboren wurde. Alexandra schlägt sich schlecht und recht mit den Alimenten des Spaniers durch, der von seiner geliebten Frau niemals lassen wird. Auf ungewöhnliche Weise versteckt Katharina Döbler ihr Familienepos in die Rahmengeschichte einer Mesalliance. Zwar spielt Alexandra die Hauptrolle, doch letztlich geht es um den Niedergang einer Großbürgerfamilie. Der Vater und die etwas dümmliche Mutter von Falk, beide glühende Wagneranhänger und der Vater wohl auch ein ehemaliger Nazi, können keines ihrer Kinder auf die eigene Lebensvorlage einschwören. Ihr Sohn Falk entfernt sich innerlich und äußerlich aus dem Dunstkreis des spießbürgerlichen Elternhauses, und zwei weitere Söhne der Familie tun es ihm gleich. Katharina Döbler berichtet über Familienstile und über veränderte soziale Verhaltensweisen in der Nachkriegszeit; nach der berühmten Wende tastet sich die Autorin an gerade diese Familie heran, indem sie den Lebensweg Alexandras mit dem der Familie sich kreuzen lässt. Atmosphärisch sind die Lokalitäten in Berlin und an Spaniens Küsten gut getroffen. Am Ende bleibt in Buddenbrookscher Manier vom ehemaligen Glanz und Erfolg des ehrgeizigen Unternehmens nicht mehr viel übrig. Die Sängerin Alexandra verbleibt Zeit ihres Lebens im Dunstkreis ihrer Liebhaber. Sie ist unausgeglichen, schwach und zu einer eigenen Lebensplanung nicht fähig. Insofern mischen sich in diesem Roman Züge eines konservativ- traditionellen Unternehmergeistes, den wir aus Thomas Manns Werken kennen, mit den schwachen und sozial unakzeptierten weiblichen Figuren, die Fontane in seinen Romanen durchaus sozialkritisch verewigt hat. Auch heute noch besteht in gewissen Kreisen ein gesellschaftliches Gefälle, das modernen Zeiten nicht gerecht wird. Katharina Döbler hat mit dieser Studie über die Grenzen gesellschaftlicher Freiheit berichtet. Es ist ihr ein nachdenklicher, teilweise ernster und anspruchsvoller Roman gelungen.

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