Katharina Höftmann Ciobotaru

 4,2 Sterne bei 51 Bewertungen
Autor*in von Alef, Guten Morgen, Tel Aviv! und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Katharina Höftmann Ciobotaru wurde 1984 in Rostock geboren. Sie studierte Psychologie und deutsch-jüdische Geschichte in Berlin, ist Autorin und freie Journalistin und hat bereits mehrere Kriminalromane und Sachbücher veröffentlicht, darunter »Guten Morgen, Tel Aviv!«. Seit 2010 lebt sie mit ihrer Familie in Tel Aviv. 2021 erschien ihr Roman »Alef«, eine Liebesgeschichte zwischen Deutschland und Israel, über mehrere Generationen hinweg.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Katharina Höftmann Ciobotaru

Cover des Buches Alef (ISBN: 9783365000854)

Alef

(33)
Erschienen am 21.02.2023
Cover des Buches Guten Morgen, Tel Aviv! (ISBN: 9783453602090)

Guten Morgen, Tel Aviv!

(11)
Erschienen am 09.11.2011
Cover des Buches Frei (ISBN: 9783312013166)

Frei

(5)
Erschienen am 21.05.2024
Cover des Buches Die Nespresso-Jahre (ISBN: 9783641167967)

Die Nespresso-Jahre

(1)
Erschienen am 18.12.2014

Neue Rezensionen zu Katharina Höftmann Ciobotaru

Cover des Buches Alef (ISBN: 9783753000008)
Ana80s avatar

Rezension zu "Alef" von Katharina Höftmann Ciobotaru

Ana80
Konflikte

Dieses Buch stand lange im Regal und irgendwie war der Zeitpunkt für mich nie passend. Umso passender war er jetzt, wo Israel aufgrund seiner Politik momentan wieder brandaktuell ist. Es erzählt die Geschichte von Maja, die in Ostdeutschland aufwächst und Eitan, der durch und durch Israeli ist und dessen Großmutter Theresienstadt überlebt hat, ihr geliebtes Berlin, ihr Deutschsein und vor allem ihren vermissten Bruder jedoch nie ablegen bzw. vergessen konnte. Als diese beiden sich begegnen, begegnen sich zwei Menschen, deren Welten so unterschiedlich und gegensätzlich sind und die sich trotzdem  für ihre Liebe entscheiden.

Ich war sehr schnell in dem Buch und der Geschichte drin und mochte den Schreibstil sehr gerne. Diese konfliktbelastete Geschichte hat mich total gefesselt, weil es nicht nur Konflikte in der Liebe gab, sondern auch in den Familien, dem Zusammentreffen, dem Alltagsleben usw. und es viel um die Lösung oder Überwindung der Konflikte ging. Die Geschichte, bis die beiden sich treffen, baut sich langsam auf. Die beiden entscheiden sich dann für einen komplizierten Weg, nämlich für ihre Liebe, trotz der Probleme durch Herkunft und Glaube. Ich habe viel über Israel und das Judentum, sowie mögliche Ansichten von Israelis durch dieses Buch gelernt. Gleichzeitig war es schwierig für mich, aufgrund der aktuellen Lage Verständnis für den jüdischen Staat aufzubringen.
Hochinteressantes Buch, nicht einfach nur eine Liebesgeschichte! Absolut empfehlenswert! 

Lebendiger und lesenswerter Briefroman

Sohrab kommentierte eines ihrer Instagram-Postings. Es dauerte nicht lange, bis sie begriff, dass er ihr aus dem Iran auf ihren Account #gutenmorgentelaviv schrieb. Zwischen ihnen lagen knapp zweitausend Kilometer. Es machte sie stutzig, dass er sich so freundlich aus Teheran meldete. Israel online zu unterstützen galt in Iran als Verbrechen. 

Nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2024 (finanziert und militärisch ausgerüstet durch den Iran) ist Sohrab einer der wenigen, die ihr echtes Mitgefühl schenken. Sie vermisst das bei ihren weltweiten, aber vor allem deutschen Freunden. Die Deutschen, die sie nicht frontal angreifen und ihre Nachtruhe rauben, halten sich einfach zurück. Sie hat Muskelschmerzen, eigentlich 7. Oktober-Schmerzen. Ihre Physiotherapeutin sagt, dass die Faszien, die Muskeln und Bindegewebe umhüllen, emotionalen Stress speichern und ermüden. Mit diesem Phänomen kämen jetzt viele zu ihr. 

Sie schreiben sich E-Mails, weil das für Sohrab sicherer ist. Er schreibt von seiner Depression und seinem Wunsch zu sterben, weil er die Zustände in seinem Land nicht mehr erträgt. Seit dem Angriff des IR (Islamische Republik Iran) auf das US-Militär in Jordanien und Syrien ist der US-Dollar sprunghaft angestiegen. Die Preise seien in den letzten Jahren um das 12-15-fache gestiegen. Alle haben Angst. Es ist gefährlich, in der Öffentlichkeit über die Mullahs zu reden. Die Unberechenbarkeit des Systems bereitet ihm Panikattacken. Trotz der Women-Life-Freedom-Bewegung ist es immer noch brandgefährlich, ohne Hidschab auf die Straße zu gehen. Zur Zeit verbiete man Frauen ohne Kopfbedeckung das Autofahren. 

Fazit: Die Autorin Katharina Höftmann Ciobotaru wurde in Rostock geboren, konvertierte zum Judentum und zog mit ihrem Mann nach Tel Aviv. Der Autor Sohrab Shahname (Pseudonym) wurde im Iran geboren und lebt in Teheran. Beide tauschten sich über sechs Monate per E-Mail aus und es entstand eine Freundschaft, die auf gegenseitigem Verständnis, der Sorge um die/den andere*n und tiefem Mitgefühl für die jeweilige Lebenssituation. Katharina erzählt über ihre Zerrissenheit in einem Land zu leben, das eine so andere Kultur lebt als ihre Deutsche. Sie liebt Tel Aviv und ihre Freiheit, die Menschen, die trotz aller traumatischer Erfahrungen ihr Leben feiern, als wäre es der letzte Tag. Sie lebt in einem freien Land, das täglich angegriffen werden kann. Sohrab lebt in einer Diktatur, in der noch immer Menschen gesteinigt werden. Durch Katharina kann ich den Schmerz, die Verzweiflung und die tiefe Trauer verstehen, die der Hamasangriff am 7. Okt. hinterließ. Eine perfidere öffentliche Zurschaustellung, (gefilmte Massenvergewaltigung, Abtrennung von Gliedmaßen) von Hass hat die Welt zuvor noch nicht gesehen. Ebenso schwer wird mein Herz, wenn ich mir Sohrab in einem Land vorstelle, in dem er für die Korrespondenz mit Israel getötet werden würde, erführen es die richtigen. Diese Zustände sind alle en détail gezeigt. Doch nicht nur das. Ich erfahre ganz viel über beide Kulturen, über Musik, Essen, Filme und Architektur. Sohrab schreibt auch viel über die Politik in seinem Land und die geschichtlichen Ereignisse. Und genau da liegt für mich die Krux. Es ist nicht zu leugnen, dass Iran seit Jahrzehnten extremen Machtmissbrauch am Volk begeht, beherrscht von irren Allmachtsfantasien und Größenwahn. Sohrab kritisiert die Herrscher seines Landes und riskiert dafür verschleppt oder getötet zu werden. Von der Autorin hätte ich mir auch etwas mehr Kritik an der eigenen Regierung gewünscht. Zum Beispiel über die Siedlungspolitik auf palästinensischem Gebiet wurde kein Wort verloren. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch absolut lesenswert und lebendig erzählt. 

Cover des Buches Alef (ISBN: 9783365000854)
Jana_hat_buechers avatar

Rezension zu "Alef" von Katharina Höftmann Ciobotaru

Jana_hat_buecher
Gesellschaft in a nutshell

Maja und Eitan lernen sich im Urlaub in Indien kennen und verlieben sich sofort ineinander. Sie halten trotz der Entfernung zwischen Israel und Deutschland Kontakt und schließlich zieht Eitan nach Berlin, um mit Maja gemeinsam leben zu können. Doch was sie anfangs noch auf die leichte Schulter genommen haben, dass die Vergangenheit auch noch Bedeutung für ihr jetziges Leben hat, wird immer mehr zur Belastungsprobe.


Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Am Anfang war ich aufgrund der vielen Personen und Erzählsträngen noch etwa verwirrt, aber das liegt sich Seite um Seite. Mühelos bringt die Autorin Gegenwart und Vergangenheit unter einen Hut. Man bekommt als Leser ein geschichtliches Verständnis für die Gründung des Staates Israels, die Zuwanderung von Juden aus verschiedenen Teilen der Welt. Wie sich Antisemitismus noch bis heute bei manchen Personen hält bzw. was ihre "Gründe" dafür sind,  welche Bedeutung Religion hat und wie sehr Liebe auf die Probe gestellt werden kann, nur weil man eine unterschiedliche Nationalität oder Auffassung von Religion hat. Ein sehr vielschichtiger Roman, den ich jedem empfehlen kann, der sich nur ein kleines bisschen für gesellschaftspolitische Themen interessiert. 

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