Katharina Hacker Skip

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Inhaltsangabe zu „Skip“ von Katharina Hacker

In der Mitte seines Lebens macht der israelische Architekt Skip Landau eine Erfahrung, die er mit niemandem teilen kann: Eine innere Stimme ruft ihn an Orte, wo wenig später eine Katastrophe geschieht – ein Zugunglück in Paris, ein Flugzeugabsturz in Amsterdam. Offenbar soll er einzelne Sterbende auf ihrem schwierigen Weg in den Tod begleiten. Aber was soll, was kann er tun? Nicht viel mehr, als da zu sein und ihnen ein wenig Gesellschaft leisten, stellt er ernüchtert fest. Die Aufgabe, die er sich nicht ausgesucht hat, belastet seine Ehe und lässt die Familie in Tel Aviv fast auseinanderbrechen. Spät versteht er, dass er nicht nur die Sterbenden in den Tod, sondern auch seine Söhne ins Leben führen muss – und sich dazu. Katharina Hackers großer und seit langem erwarteter Roman steht nicht in Beziehung zum Figurenkosmos der vorausgegangenen Romane ›Alix, Anton und die anderen‹ und ›Die Erdbeeren von Antons Mutter‹, sondern erschafft eine eigene Welt. Seine Schauplätze sind Paris, Tel Aviv, Amsterdam und Berlin, sein Thema aber ist universal: Wo ist unser Ort auf der Welt, wo ist unser Ort im Leben?

Ich wünsche mir, dass dieser nicht ganz einfache, aber unbedingt lesenswerte Roman etwas mehr ins Blickfeld rückt!

— MarinaB
MarinaB

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  • Ein wichtiges Buch von hoher literarischer Qualität

    Skip
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    Im Jahr 2006 gewann sie mit ihrem Buch „Die Habenichtse“ den Deutschen Buchpreis. Nun legt Katharina Hacker, die von 1990 bis 1996 in Israel gelebt hat, einen neue Roman vor mit dem Titel „Skip“. Skip ist der Nickname des israelischen Architekten Jonathan Landau, ein Mann mit europäischen Wurzeln in der Mitte seines Lebens. Er, der sich bisher als einen soliden Zeitgenossen gesehen hatte, ein Architekt der das Sichtbare mag ("Mein Leben besteht aus Zimmern, aus Mauern, Wänden, Fußböden, Türen. Aus Sachen, die ich anfasse und die ich genau kenne".), ist plötzlich mit Dingen konfrontiert, die nur er wahrnimmt und über die er mit keinem Menschen sprechen kann. Mit einem übersinnlichen Phänomen einer inneren Stimme, die ihn mehrmals innerhalb mehrerer Jahre an Orte ruft, an denen wenig später eine Katastrophe geschieht: ein Zugunglück in Paris, ein Flugzeugabsturz in Amsterdam, ein Attentat auf ein Hotel in Ägyptens Hauptstadt. An jedem der Orte gibt es viele Opfer, darunter stets ein Mensch, dem Skip sich besonders verbunden fühlt. Seiner Seele leistet er solange Gesellschaft, bis sie sich daran gewöhnt hat, tot zu sein. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich Menschen, die mit einem Bein im Grab stehen, Hilfe suchend an Skip wenden. Denn Skip steht mit nur einem Bein im Leben. "Vor allem bin ich nicht", sagt er. Kein richtiger Architekt, weil er keine neuen Häuser entwirft, sondern nur alte Häuser umbaut. Kein richtiger Jude, weil seine Mutter keine Jüdin war. Kein richtiger Mann, weil er unfruchtbar zu sein scheint. Die beiden Söhne, die er mit seiner Frau Shira in Israel großzieht, hat wohl ein anderer Mann gezeugt - mit Skips Einverständnis. Der Gedanke daran quält ihn jahrelang. Skip steckt in einer veritablen Identitätskrise. Dazu gehört, dass er sich immer weiter von seiner Frau entfernt. So nahe ihm die fremden Sterbenden kommen, so hypersensibel er auf ihr Leiden reagiert, so distanziert geht er mit ihr um, als sie unheilbar an Krebs erkrankt. Er spricht kaum mit ihr, nicht über ihre Krankheit und nicht über den Tod. Während sie stirbt, hat er sogar noch eine Affäre. Immer wieder beschreibt Katharina Hacker historische Ereignisse, die in den neunziger Jahre (als sie selbst dort lebte) den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern geprägt haben. Attentate und immer wieder Tote. Der Tod ist in Israel bis auf den heutigen Tag nie abstrakt. Immer wieder denkt Skip über den Tod und seien mystischen Erlebnisse nach, doch mehr noch quält seine Gedanken das Leben: "Ich denke über den Tod nach, um über das Leben nachzudenken", weil es mir noch schwieriger erscheint, über das Leben nachzudenken". "Wir wollen unser Leben, unsere Geschichte wie ein Haus", sagt der Architekt Skip. "Von Zimmer zu Zimmer wollen wir gehen und begreifen, wo die Türen sind, aus den Fenstern wollen wir hinausschauen, um zu sehen, in welcher Stadt das Haus ist und wer vorübergeht". Doch während er durchaus erfolgreich, zuerst in Tel Aviv, später dann in Berlin, Häuser und Wohnungen baut und umbaut, bekommt er die Statik seines eigenen Lebens nicht recht in den Griff. Er ist sich selbst abhandengekommen. "Vielleicht versucht man mit jedem Erzählen überhaupt herauszufinden, was der innere Zusammenhang von Dingen ist", sagt er. Es ist ein Versuch, der scheitert. Mit einem Stil, der dem Leser allerhöchste Konzentration abfordert, dringt Katharina Hacker mitten in den Kern Israels vor. Sie verbindet eine persönliche Geschichte mit selbst erlebter Zeitgeschichte der neunziger Jahre, und ist dennoch aktuell. Denn es hat sich nicht viel verändert in diesem Land. Zusammen mit Sheruya Shalevs „Schmerz“ ist „Skip“ das Buch in diesem Herbst, das die mörderische Gegenwart Israels spiegelt und wie sie den Menschen zu schaffen macht. „Skip“ ist auch meines Wissens der erste Roman einer deutschen Schriftstellerin, der in Israel spielt. Wenn man das Buch lesen würde, ohne die Autorin zu kennen, würde man sicher sein, der Roman stammte von einem israelischen Autor oder Autorin. Ein wichtiges Buch von hoher literarischer Qualität.

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  • Die israelische Seele suchen...

    Skip
    MarinaB

    MarinaB

    13. October 2015 um 17:43

    Skip ist ein seltsamer Roman. Einerseits bin ich fasziniert und gefesselt, andererseits verliere ich mich darin. Die Geschichte von Skip verwirrt mich, lässt mich aber auch nicht los und schon gar nicht kalt. Zweimal legte ich den Roman wieder weg, las zwischendurch anderes, aber nicht zu Ende lesen, ging dann eben doch nicht... zum Glück! "Lange Zeit dachte ich, ich würde von Unglücken verfolgt. Ich wartete sehnsüchtig, dass Shira schwanger würde, aber sie wurde nicht schwanger, nicht von mir. Ich wartete darauf, wieder ein Haus bauen zu können, aber man übertrug mir nur alte Häuser zum Ausbau. Ich hoffte, Shira würde gesund werden, aber sie starb. Der Tod rückte immer näher, und doch habe ich nie darauf geachtet, wie die Tage vergehen, die Tage, an denen nichts Sonderliches geschieht, die glücklichen Tage. Manchmal war mir, als hätte ich das Sterben schon hinter mir." Im Prinzip ist dieser kleine Auszug aus dem Roman bereits eine Inhaltsbeschreibung. Denn es geht um nichts geringeres als die unbestreitbare Präsenz des Todes inmitten des alltäglichen Lebens. Gerade auch in Israel, welches Schauplatz des Romans ist. Skip Landauer lebt mit seiner Familie in Tel Aviv. Als Sohn eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter wuchs er in Paris auf. In Israel fühlt er sich nur "halb" zugehörig. Als Mann fühlt er sich nur "halb", weil seine beiden Söhne nicht seine eigenen sind. Er ist Architekt, renoviert alte Häuser. Zufrieden ist er nicht - Hälfte des Lebens? In dieser Zeit beginnen ihn seltsame Visionen zu plagen. Er scheint auserwählt, die Seelen gerade verstorbener in das Totenreich zu begleiten. Und so wird er immer wieder zu Unfällen, Katastrophen "berufen", sei es ein Flugzeugabsturz in Amsterdam, sei es ein Zugunglück in Paris. Diese Mission wird für ihn zusehends zum Anlass über die vergangene Lebenszeit und die noch zu gestaltende Zukunft, nachzudenken. Von seiner Frau, die an Krebs erkrankt, entfernt er sich immer mehr. Die Liebe verliert sich. Die Söhne bleiben ihm fremd, auch nach dem Tod seiner Frau Shira kommt es nur zeitweise zu wirklichen Annäherungen. Schließlich verlassen ihn beide und gehen zum Studium nach England. Auch er selbst wird das von Anschlägen mehr und mehr erschütterte Land verlassen. Mit einer jungen Frau und einem Sanierungsauftrag für ein Haus im wiedervereinigten Berlin verlässt er Tel Aviv in Richtung Deutschland... Dort schreibt er seine Geschichte auf. Katharina Hackers Roman hat etwas mystisches, geheimnisvolles, so wie auch der Protagonist Skip selbst. Auch die Sprache ist so, traumwandlerisch, Sätze unvollendet, undurchsichtig. So richtig lassen sich Geschichte und Geschehnisse nicht fassen. Auch der Name Skip ist schon ein Hinweis auf das, was die Hauptfigur ausmacht: Er ist ein Springer zwischen den Welten. Skip ist ein Getriebener, ein Selbstzweifler, ein zerrissener Mensch, ein Suchender, ein Einzelgänger, der sich dennoch nach Geborgenheit in der Familie und mit Freunden sehnt. Mir gefällt das. Mir gefiel auch die bildreiche Schilderung Tel Avis, Israels, die Ausflüge Skips ins Bergland Jerusalems, in den Gazastreifen, die Besuche bei Freunden, die offiziell Feinde hätten sein können. Hacker lebte selbst von 1990 bis 1996 in Israel und schildert das Land und die politischen Ereignisse sehr anschaulich. Für mich ein spannender Einblick in eine mir weitestgehend unbekannte Welt. Mich überrascht es, und freut es, dass Katharina Hackers Skip, erschienen im S.Fischer Verlag, im Oktober auf dem 1. Platz der SWR-Bestenliste zu finden ist. 

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