Der Dieb in der Nacht

von Katharina Hartwell 
3,8 Sterne bei72 Bewertungen
Der Dieb in der Nacht
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Positiv (51):
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Beklemmend und unheimlich mit einer tollen Atmosphäre

Kritisch (9):
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Der Klappentext hörte sich so spannend an! Doch die Geschichte blieb handlungslos... Schade!

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Inhaltsangabe zu "Der Dieb in der Nacht"

Eines flirrend heißen Nachmittags verschwindet der 19-jährige Felix spurlos. Zurück bleiben seine Mutter, seine Schwester und sein bester Freund Paul. Jeder hat eine eigene Version von diesem Tag, nach dem nichts mehr so ist wie zuvor. Zehn Jahre später taucht Felix plötzlich wieder auf. Aber ist der Mann, der der sich Ira Blixen nennt, wirklich der Vermisste? Ein packendes Vexierspiel um Realität, Identität und Sehnsucht und um die Frage, wie sich über die Leerstelle sprechen lässt, die das Verschwinden eines Menschen in die Leben seiner Nächsten sprengt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783833310836
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Berlin Verlag Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.03.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 31.08.2015 bei OSTERWOLDaudio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    FrauSchafskis avatar
    FrauSchafskivor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Beklemmend und unheimlich mit einer tollen Atmosphäre
    Vexierspiel zwischen Verlust und Hoffnung

    Wenn ein geliebter Mensch einfach verschwindet, ohne jeden Grund, ohne jeden Hinweis, ist das für die Hinterbliebenen eine Qual. Denn sie werden immer zwischen dem Verlust und der Hoffnung schwanken, dass die Person wieder auftaucht. Und so glaubt Paul zehn Jahre nach dem Verschwinden seines besten Freundes Felix, ihn in Prag wiedergefunden zu haben. Er ist so davon überzeugt, in Blixen, wie der Fremde heißt, Felix zuerkennen, dass er ihn bittet, nach Berlin zu kommen, in der Hoffnung, dass Blixen dort seine Erinnerung wiedererlangen wird.

     

    Nun könnte man meinen, dass die weitere Handlung sich mit der Rückkehr Felix’ beschäftigt, aber so einfach macht die Autorin es uns nicht. Ganz im Gegenteil werden die Erzähler plötzlich unzuverlässig, es geschehen merkwürdige Dinge, man weiß nicht mehr so richtig wem man trauen kann und wem nicht. Hinzu kommt, dass die Autorin eine Atmosphäre kreiert, die jedem Gruselfilm gerecht würde, allerdings viel unterschwelliger. Den Leser beschleicht ein Unbehagen, obwohl er nicht genau greifen kann, woher es kommt. Fest steht nur, dass die Figuren dieses Unbehagen auch spüren können. Und das ist einer der Gründe, der den Roman von anderen unterscheiden und leise schillernd aus der Masse hervorhebt. Hinzu kommt, dass der Verlust und die Hoffnung der Protagonisten spürbar werden. Sie sind tongebend für die Gesamte Geschichte und schwingen in jedem Satz, jeder Handlung der Figuren mit. Schließlich endet dieses Buch still und leise, ein Schatten wie Nebelschwaden auf dem Wasser, was es in meinen Augen nicht weniger eindrucksvoll macht.

     

    Fazit: Ungewöhnlich, atmosphärisch, etwas eigenwillig, so kann man den Roman gut zusammenfassen. Die Autorin hat einen tollen, poetisch angehauchten Schreibstil, der Suchtpotenzial entwickelt. Bei allem Lob ist da noch etwas Luft nach oben, weswegen ich „nur“ 4 Sterne vergebe. Aber ich freue mich schon auf weitere Bücher von Katharina Hartwell.

     

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    Gwendolyn22s avatar
    Gwendolyn22vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wunderbar poetisches Buch mit viel Melancholie. Ich liebe Hartwells Erzählkunst.
    Poetisch & melancholisch

    Felix verschwindet. Was für eine Lücke das reißen kann, erzählt Katharina Hartwell hier berührend in „Der Dieb in der Nacht“.


    Inhalt:

    Felix ist vor zehn Jahren verschwunden. Seine Schwester, sein bester Freund und seine Mutter bleiben zurück. Dann begegnet Paul in Prag plötzlich in einer Kneipe einem Mann. Paul glaubt, Felix gefunden zu haben. Doch wer ist der Fremde, Ira Blixen, wirklich?


    Meine Meinung:

    Ich liebe Katharina Hartwells poetische und eigenwillige Sprache. Sie hat so einen starken Ausdruck, dass man problemlos ihre Sätze mehrfach lesen kann und immer wieder neue Schattierungen, neue Zwischenzeilen findet. Das ist bewegend, melancholisch, berührend.

    Das Szenario, welches sie entwirft, ist gekonnt – zu erklären, was der Verlust eines Menschen mit seinem Umfeld, mit den verschiedenen Persönlichkeiten macht. Und diese sind sehr vielschichtig und interessant.

    Die vermeintliche „Auflösung“ am Ende ist recht vorhersehbar, aber passend eingebunden.


    Ein nachdenkliches, kluges Buch mit sehr melancholischen Zügen, das streckenweise düster ist.

    Es trifft bis ins Mark.


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    Eternitys avatar
    Eternityvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Der Klappentext hörte sich so spannend an! Doch die Geschichte blieb handlungslos... Schade!
    Der Klappentext hörte sich so spannend an! Doch die Geschichte blieb handlungslos... Schade!

    Gefühlt ist in dieser Geschichte nichts passiert! Null. Nada. Niente. 

    Der Klappentext klang spannend und vielversprechend, das Cover (ja, auch wenn man nicht nach dem Äußeren gehen soll) ansprechend und herrlich duster. 
    Und auch wenn die Sprache zwischendurch durchaus poetisch anklingt, so ist die Geschichte und Handlung einfach langweilig. Denn die Charaktere stapfen die ganze Zeit auf einer Stelle. Kein Fluss, keine Bewegung, kein Fortkommen. Sie drehen sich die ganze Zeit im Kreis und frönen ihr eigenes Hängenbleiben. Und zwischendurch noch immer die Frage: Realität oder Phantasie? Eine Antwort wird nicht wirklich gegeben...
    Echt nicht toll... Schade!

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    SitataTirulalas avatar
    SitataTirulalavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: "Katharina Hartwell kann zaubern", verspricht Clemens J. Setz. Er hat vollkommen recht. Ein Buch, das man fühlen kann.
    Fremder oder verlorener Freund?

    Dieser Mann ist Felix. Paul weiß es. In der einen Sekunde zumindest. Die Gewissheit brandet auf und ebbt ab, wie beschleunigte Gezeiten, die seinen Körper erfassen, ihn schwemmen, sich zurückziehen: Er weiß es, er weiß es nicht, er weiß es.

    Felix ist verschwunden, spurlos. Seit jenem heißen Sommernachmittag vor so vielen Jahren hat niemand mehr etwas von ihm gesehen oder gehört. Für seine Familie und auch für seinen besten Freund Paul geht das Leben weiter - es muss weitergehen. Doch ganz ist Felix nie aus diesem Leben verschwunden. Und so ist sich Paul absolut sicher, dass dieser Fremde, den er in einer Prager Bar trifft, Felix sein muss. Er sieht ihm nicht ähnlich, aber Paul spürt eine Vertrautheit in der Art, wie Ira Blixen sich bewegt. Wie er ihn ansieht. Der Künstler hat vor Jahren sein Gedächtnis verloren. Es passt. Kann dieser Mann wirklich Felix sein?

    Was müssen das für unvorstellbare Dinge sein, die man durchmacht wenn ein geliebter Mensch, ein Sohn, ein Bruder, der beste Freund einfach spurlos verschwindet? Allein die Thematik hat mich ein bisschen schlucken lassen, aber ich war neugierig wie Katharina Hartwell dieses Trauma aufarbeitet und wie die Figuren in ihrem Buch damit umgehen.
    Paul arbeitet für eine Weile in Prag und fühlt sich in der Stadt alles andere als wohl. Erst kurz vor seiner Abreise zurück nach Deutschland passiert das Unglaubliche: er trifft diesen Fremden in einer Bar, der sich unter seinem Künstlernamen Ira Blixen vorstellt, und ist ganz instinktiv davon überzeugt, dass es sich bei ihm um seinen vor Jahren verschwundenen besten Freund Felix handelt. Er lädt Blixen zu sich nach Deutschland ein, damit er sich die Orte von Felix Kindheit und Jugend ansehen und so vielleicht die Erinnerung zurück bringen kann. Aber die ganze Zeit waren weder Paul noch ich uns sicher: sind die Indizien, an denen er Felix Identität festmacht, echt oder ist es einfach der immense Wunsch, Felix wieder gefunden zu haben, der ihn sich die Realität zurecht biegen lässt? Dasselbe gilt für Louise, Felix Schwester, mit der Paul noch immer in engem Kontakt steht. Zuerst glaubt sie Paul will sie auf den Arm nehmen. Aber dann wird der Wunsch, dass es vielleicht doch Felix ist, so übermächtig, dass auch sie beginnt die kleinen Details wahrzunehmen, die doch ganz eindeutig auf ihren Bruder hindeuten. Es entsteht eine ganz merkwürdige Dynamik zwischen den Dreien, sowohl Paul als auch Louise buhlen regelrecht um Blixens Aufmerksamkeit, während dieser einfach die Nischen zu nutzen scheint, die die beiden ihm bieten. Ich habe mich das ganze Buch über gefragt, was Blixen eigentlich dort zu suchen hat, rein aus seiner Sicht betrachtet. Er bleibt für mich ein Mysterium. Katharina Hartwell ist es also gelungen den Eindruck aufrecht zu erhalten, dass Ira Blixen alles und jeder sein könnte. Ein leeres, menschliches Gefäß, das man mit seinen Erwartungen füllen kann.
    Dabei beschreibt sie Louises und Pauls Gefühle so eindringlich, so tiefgehend, dass es mir beim Lesen eine richtige Gänsehaut gemacht hat. Ich hab knietief in diesem Buch gesteckt, gefühlt, was Paul gefühlt hat, wenn er Blixen angesehen hat, und ihm und auch Louise von Herzen gewünscht, dass alles sich aufklärt und gut wird. In jedem Fall hat sie hier ein Buch geschaffen, auf das man sich in Ruhe einlassen muss - einfach mal so zwischen Tür und Angel runter lesen wird ihm nicht gerecht.

    Sprachlich wunderschön und emotional sehr tiefgehend. "Der Dieb in der Nacht" hat mich gleich nach den ersten paar Seiten mitgenommen und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Dafür bekommt Katharina Hartwell fünf Blümchen von mir!
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    http://licentiapoeticae.blogspot.de/2016/03/br-katharina-hartwell-der-dieb-in-der.html

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    Lesemietzes avatar
    Lesemietzevor 3 Jahren
    War leider nicht so mein Fall gewesen

    Kann man jemanden wieder kennen nach 10 Jahren?
    Diese Frage stellt sich Paul, der in Prag meint Felix seinen Jugendfreund vor sich zu haben. Doch er nennt sich anders und sieht auch irgendwie anders aus aber seine Körpersprache kommt Paul so vertraut vor das er hoffen zu wagt endlich Felix vor sich zu haben.

    Vom Klapptext her habe ich mir die Geschichte ein wenig interessanter vorgestellt auch hat mir der Schreibstil etwas zu schaffen gemacht. Irgendwie kam er mir meist bedrückend vor aber vielleicht war auch das genau beabsichtigt.
    Bei den Figuren wird mit ihren Hoffnungen, Ängsten und Sehnsüchten gespielt. Auch wenn mir die Geschichte nicht gut gefallen hat so waren doch die Charaktere sehr gut beschrieben und haben mich mit ihren Wesen mich ein wenig gefangen genommen.
    Leider sind zum Ende mehr Fragen offen als beantwortet und so ist man doch recht frustriert. Es bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück.

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    Leseratte87s avatar
    Leseratte87vor 3 Jahren
    Wer ist Ira Blixen?

    An einem heißen Sommertag im August verschwindet der 19- jährige Felix Heller plötzlich spurlos. Sämtliche Ermittlungen laufen ins Leere und niemand kann etwas über die Geschehnisse dieses Tages sagen.
    Zurück bleiben seine Mutter Agnes, seine Schwester Louise und sein bester Freund Paul, die lange darauf hoffen, Felix irgendwann wieder zusehen und diese Hoffnung auch nie ganz aufgeben, Vor allem Louise und Paul nicht. Und dann trifft Paul in Prag plötzlich auf einen Mann, der in seinem Gebärden so stark an Felix erinnert, dass Paul sich sicher ist, nach 10 Jahren endlich seinen besten Freund wiedergefunden zu haben. Doch wer ist der mysteriöse Künstler wirklich, der sich Ira Blixen nennt und keine Erinnerung an seine Jugend hat?

    "Der Dieb in der Nacht" ist das erste Buch von Katharina Hartwell, das ich gelesen habe und ich bin mit gemischten Gefühlen an die Sache rangegangen. Vor der Lektüre habe ich mir noch ein paar Rezensionen durchgelesen und die fielen alle sehr unterschiedlich aus. Die Zweifel, die ich hinsichtlich des Buches hatte, wurden aber alle beseitigt, den dieser Roman ist einfach unglaublich genial geschrieben!

    Die Sprache hat mich sofort fasziniert. Hartwells Stil gefällt mir unheimlich gut. Sie schafft es, mit Sprache Bilder zu zeichnen und Stimmungen zu erschaffen, die man spüren kann. Sie zeichnet die Protagonisten so genau, dass man schon bald alles über sie zu wissen meint. Und ja, die Geschichte an sich zieht sich an der einen oder anderen Stelle vielleicht ein bisschen und ja, vom Ende war ich tatsächlich ein wenig enttäuscht, aber die Sprachgewalt der Autorin hat das alles wettgemacht.



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    Schneekatzes avatar
    Schneekatzevor 3 Jahren
    Absolut lesenswert!

    Ein Junge verschwindet und taucht scheinbar als Erwachsener in einer anderen Umgebung als fremder Mensch wieder auf. Tonfall, Gesten und Bewegungen deuten zumindest daraufhin. Aus Zufall läuft ihm Paul, sein damaliger bester Freund, über den Weg, der davon überzeugt ist, dass es sich um Felix handelt.

    Das, was ich bereits in Hartwells Debütroman „Das Fremde Meer“ bewundert habe, hat mir auch in diesem wieder sehr gut gefallen: Ihr Schreibstil, sehr bildlich und metaphorisch, mit vielen Vergleichen. Auch Märchen und Fabeln, von denen in Dialogen berichtet wird, deuten eine tiefere Ebene an. Der Erzählton besteht aus einer Mischung von Erinnerungen, gegenwärtigen Ereignissen und Gedanken der Ich-Erzähler. Vor allem auch Pauls Sicht auf die Welt hat mir gefallen, seine Art, die Dinge auszudrücken. Bereits am Anfang auf seiner Reise nach Prag beschreibt er nicht die Schönheit der Stadt, sondern die Schattenseiten; so, wie er sie sieht: Unheimlich und hässlich.
    Auch gibt es Passagen, die aus der Sicht von Felix‘ Schwester, Louise, geschrieben sind.

    Im Vordergrund steht die Veränderung der Hauptprotagonisten, nachdem sie in Blixen ihren verschwundenen Freund und Bruder wiederentdeckten. Aber ist er es wirklich? Beide verlieren den Blick für die Wirklichkeit, für den Alltag. Was anfangs noch positiv wirkte, fast wie ein Wunder, bekommt im Laufe der Geschichte eine düstere und teils sogar unheimliche Wendung. Und gleichsam wie Louise und Paul wird auch der Leser in den Abgrund mit hineingezogen. Während die beiden den Halt verlieren und ihr Leben durcheinander gerät, wird auch der Stil kryptischer. Nicht immer versteht man als Leser, um was es wirklich geht. Es ist also nicht nur die Frage, ob es sich bei Blixen wirklich um Felix handeln würde oder nicht, sondern auch – oder viel mehr – inwiefern dieser einen Einfluss auf Paul und Louises Leben hat und welchen unverarbeiteten Verlust er in ihnen füllen kann.

    Fazit: 5/5 Absolut lesenswert! Und man müsste den Roman mehr als einmal lesen, um alles zu entdecken, was in und zwischen den Zeilen verborgen liegt.

     

     Einige Lieblingszitate:

    »Geheimnisse – man trägt sie weniger in sich als um sich herum, wie eine Mauer, wie einen unsichtbaren Wall, der sich stückweise selbst errichtet.« (S. 100)

    »Ihr Bruder war vor sechs Jahren verschwunden. Nach seinem Verschwinden war kein einziger Tag mehr richtig gewesen, das spürte sie schon beim Aufwachen, spürte es in den Lungen, wenn sie die falsche Luft einatmete, und in den Knochen, die sie durch die falsche Welt trug.« (S. 136)

    »Etwas war in mir wie ein Schatten oder etwas Lebendes – ich weiß nicht, wie ich darüber sprechen soll -, aber ich wurde abgedrängt, aus dem Leben oder aus mir selbst, daran erinnere ich mich sehr deutlich: In meiner Haut war kein Platz mehr für mich.« (S. 268)

    »Damals, nachdem Felix verschwunden war, glaubte Agnes verstanden zu haben, dass sich die Menschheit in zwei Gruppen aufteilen ließe, jene, die nichts von dem Entsetzlichen wussten, und jene, die sahen, dass man bloß durch eine Folie, einen dünnen Film von dem Entsetzlichen getrennt war; dass es sich teerig glitzernd durch die Ritzen und die Risse in das Leben schob. [...] Es gibt eine dritte Gruppe, jene auf der anderen Seite der Folie, jene, die in den Ritzen hocken, die aus der Dunkelheit in die Welt hineinstarren.« (S. 275)

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein faszinierend-spezieller Roman, der eine eigentümliche, leicht gruselige Lesestimmung mit Gänsehautfeeling heraufbeschwört.
    Der Mann mit dem Spinnenbaum

    Felix Heller verschwindet mit 19 Jahren mitten am Tag, keiner hat ihn seitdem mehr gesehen, es gibt keine Leiche und Lösegeldforderungen bleiben aus – fast scheint es so, als hätte er sich in Luft aufgelöst. Doch sein ehemals bester Freund Paul entdeckt den optisch vollkommen veränderten Felix viele Jahre später in einem Prager Café. Tatsächlich fehlen diesem Fremden sämtliche Erinnerungen an seine Vergangenheit, denn er wurde aus der Moldau gerettet und kann sich an sein Leben vor dem Unfall nicht mehr entsinnen. Paul nimmt den Mann, der sich nun Ira Blixen nennt und als Künstler abstrakter Skulpturen sein Geld verdient, mit nach Hause und stellt ihn dort seiner vermeintlichen Schwester Louise vor, die ebenfalls Pauls Freundin ist. Aber die freudige Stimmung kippt schon bald, denn Ira erschleicht sich die Freundschaft der beiden und belastet durch Lügen, Diebstahl und zweifelhaftes Verhalten die Stimmung in der Wohngemeinschaft. Blixens Anwesenheit löst erst Unbehagen aus, steigert sich dann mehr und mehr zur subtilen Bedrohung. Paul und Louise ersinnen einen Plan, wie sie Ira wieder loswerden können, denn eines steht fest, freiwillig wird er nicht gehen …

    Dieser mysteriöse, psychologisch tiefschürfende Roman erzeugt eine immer stärker werdende gruselige Lesestimmung, die mich mitfiebern und bangen ließ. Ein dramatisches Katz- und Maus-Spiel, welches auf einer einfachen Verwechslung basiert, nimmt seinen fatalen Verlauf. Die Autorin geht nicht nur virtuos mit der Sprache um, sondern webt ein engmaschiges Netz um falsche Identitäten, traurige Verluste und dunkle Zweifel. Was ist wahr? Was ist Fiktion? Und wer oder was ist Ira Blixen wirklich?

    Die Erzählung hebt sich sehr positiv hervor, sowohl vom Schreibstil als auch von der Romanidee – sie ist einmal etwas ganz anderes, nimmt unerwartete Wendungen und bleibt stellenweise schwer greifbar. Aber gerade deswegen hat mir dieses Werk sehr gut gefallen, denn meine Erwartungen wurden hier auf verschiedenen Ebenen erfüllt.

    Fazit: Ich vergebe 4 Sterne für einen besonderen, eigenwilligen Roman, der mich nicht nur unterhalten hat sondern darüber hinaus ganz ohne Horror ein Gänsehautfeeling erzeugen konnte. Kleines Manko: Das Ende! In der Schlussszene hätte ich mir eine andere, aussagekräftigere Version gewünscht, ein echtes, kein fiktives Ende – ansonsten lesenswert.

     

    Kommentare: 10
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    SharonBakers avatar
    SharonBakervor 3 Jahren
    Bewegend & Berührend

    Paul sitzt in einer Prager Kellerbar und traut seinen Augen nicht, der Mann ihm gegenüber, erinnert ihn an seinen seit zehn Jahren verschwundenen besten Freund Felix. Im ersten Moment ist er geschockt, im Zweiten nicht mehr sicher und im Dritten sieht er Felix gar nicht ähnlich. Aber trotzdem ist Paul angefixt und spricht den Fremden an. Sie verabreden sich und Paul erfährt, dass dieser Mann Ira Blixen heißt und sich an seine ersten 20 Lebensjahre nicht erinnern kann. Ist es dann Zufall, dass Paul ihm begegnet ist? Und warum erinnert er ihn so sehr an Felix? Wie er sich bewegt, spricht und er hat sogar sein Muttermal an der gleichen Stelle. Könnte es Felix sein? Und wenn nicht, warum begleitet Blixen Paul nach Deutschland? Ein Rätselspiel beginnt um Sehnsucht, Angst, Identität und immer der gleichen Frage, wo ist Felix?
    Als Erstes ist mir bei diesem Buch die tolle Covergestaltung ins Auge gesprungen, sie ist ein bisschen gruselig, düster und trotzdem anziehend. Wahrscheinlich ist es der Pinke Blickfang und dann der Name, der Dieb in der Nacht, dieser Titel hat mich einfach magisch angezogen, vielleicht weil er auch eine Überschrift für ein Märchen hätte sein können, außerdem stellte man sich direkt die Frage, was möchte der Dieb denn besitzen, entwenden, oder haben. Diese ganzen Punkte waren schon ein klares Ja für dieses Buch und dann erst las ich den Klappentext und war fasziniert. Was für ein schweres Thema, der ungewisse Verbleib, nein, Verlust eines Freundes, Bruders und Sohnes. Wie geht man damit um? Kann man sein Leben irgendwie weiterführen? Wie schließt man diese Lücke? Und kann man mit den unbeantworteten Warum‘s irgendwie lernen umzugehen?

    Dann begann ich den Roman zu lesen und stellte nach den ersten Seiten fest, dass diese Autorin eine unglaubliche Sprachgestaltung gewählt hat und diese im ganzen Buch beibehält. Sie beschwört eine düstere, nebelige, undurchdringliche Atmosphäre herauf und schafft so eine ganz besondere Stimmung. Dabei drückt sie sich sprachgewandt, bildhaft, kraftvoll und doch auch so poetisch aus. Ihre Figuren sind stark gezeichnet, mit Ecken und Kanten, die mit ihrem Verlust nicht umgehen können und ihr Leben so in Stand-by Modus behalten. Überhaupt hat es mir gut gefallen, das sie aus so einer einfachen Geschichte, so etwas Besonderes geschaffen hat, denn es geht in ihrem Werk ganz klar um die zurück gelassenen und nicht um den Verschwundenen. Sie nimmt sich wirklich dem schweren Thema an, denn in den seltensten Fällen bekommt nämlich die Familie, das Umfeld Antworten über den Verbleib des geliebten Menschen.

    Als erstes wird die Geschichte von Paul, dem besten Freund von Felix erzählt, dieser findet ja auch Blixen. Zuerst hatte ich Mitleid mit Paul, er leidet sehr unter den Verlust seines besten Freundes, aber auch er hat eine zweite Seite, die einen nochmals darüber nachdenken lässt. Denn Paul ist auch ein Freund, der gern alles von Felix gehabt hätte, die Familie, die Unbeschwertheit, seinen Erfolg und überhaupt alles. Er klammerte sich an ihn dran und hat alles genommen, was er bekommen konnte.

    Dann gibt es da Louise, die kleine Schwester, die immer etwas lauter, tollpatschiger und sturer war, als ihr großer Bruder. Sie hat sich immer nur als Anhängsel gesehen und konnte nie an Felix heranreichen. Nach dem Verschwinden von ihrem Bruder wurde es noch schlimmer, weil Louise nicht zurück ins Leben findet und den Kampf um Anerkennung und Liebe, in nichts tun umgewandelt hat.

    Diese beiden treffen zuerst auf Blixen, und obwohl Louise am Anfang skeptisch war, wandelt es sich bald um und wird ein Kampf um Aufmerksamkeit, Besitz und Einforderungen. Es ist wirklich schön dargestellt wie Paul und Louise versuchen Blixen für sich allein zu haben, um ihre Lücke zuschließen. Erst später merken sie, dass sie Wirklichkeit und Wahrheit nicht mehr auseinanderhalten können und sich in etwas hinein verstricken, wo sie langsam aber sicher die Kontrolle darüber verlieren.

    Agnes, Felix Mutter hingegen, ist zurück im Leben, sie unterrichtet wieder, hat einen neuen Partner und versucht für die zwei Kinder (sie sieht Paul auch als ihres an) da zu sein. Aber auch wenn sie nach außen hin gefasst, ja schon fast kalt wirkt, sieht es innen doch anderes aus, Schuld und falsches Handeln wirft sie sich vor und ist trotzdem machtlos dem ganz Gegenüber. Sie ist die Einzige, für die Blixen ein Schauspieler ist und doch ist sie von seiner Kunst beeindruckt und muss selber aufpassen, dass sie nicht auf seine Art reinfällt.

    Die ganze Chemie in diesem Buch ist stimmig und dieses Verwirrspiel um Blixen wirklich toll in Szene gesetzt. Als Leser spürt man die schwere Stimmung und fühlt die Düsternis im Leben von jedem einzelnen Charakter, dazu noch die Beklemmung und immer wieder die Bedrohung den Verstand zu verlieren, aber auch die Hoffnung endlich wieder Leben zu können. Katharina Hartwell hat mit ihrer, nicht immer einfachen, Geschichte was ganz Besonderes geschaffen und durch ihre drei Hauptcharaktere gibt sie uns auch einen ganz ausgezeichneten Umblick auf alles und wir fragen uns immer ist es wahr oder doch nur Wunschgedanke. Ein wirklich tolles Buch mit viel Tiefgang und einem perfektem Ende.

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    Tialdas avatar
    Tialdavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Vom Stil her richtig gut, doch die Geschichte könnte kaum enttäuschender sein.
    Stil: Top - Story: Flop

    Rezension:

    Da mir Katharina Hartwells Debütroman „Das Fremde Meer“ sehr gefiel, war ich dementsprechend gespannt auf ihr neues Werk “ Der Dieb in der Nacht“. Der Klappentext und das düstere, aber verspielte Cover sprachen mich sofort an, also: auf in die Geschichte.

    Der Einstieg in die Story fällt leicht. Zu Anfang bringt die Autorin in Form einer Vermisstenanzeige die Sache auf den Punkt und erwähnt im Anschluss recht zügig die weiteren Hauptpersonen – Luise, die Schwester des Vermissten, Paul, der beste Freund und nach einiger Zeit auch Agnes – die Mutter. Der Schreibstil ist angenehm, nämlich leicht zu lesen, aber trotzdem anspruchsvoll. Aufgeteilt ist das Buch in mehrere Teile (und darunter in Kapitel), welche zwar alle in der dritten Person verfasst wurden, aber den Augenmerk immer auf eine der Hauptpersonen legt.

    So erfährt der Leser nach und nach, wie die jeweilige Hauptperson den Tag von Felix‘ Verschwinden erlebte, wie sie zu Felix stand und wie sich die Zeit davor gestaltete. Vor allem über Paul erfährt der Leser so einiges – entwickelte er, als er Felix als Kind kennenlernte, beinahe eine Besessenheit gegenüber dem belesenen, beliebten Jungen und seiner Familie.

    Diese Besessenheit scheint kurzzeitig wieder aufzuflammen, als Paul beruflich Zeit in Prag verbringt und dort durch Zufall auf einen Mann trifft, in dem er Felix wiederzuerkennen meint. Der Verdacht, dass es sich um den verschollenen Freund handeln könnte, verhärtet sich, als er erfährt, dass der Mann, der sich Ira Blixen nennt, mit Gedächtnisverlust aus der Moldau gefischt wurde und sich in Prag als Künstler ein neues Leben aufbaute.

    Soweit, so gut. Eigentlich stellt dies eine gute Ausgangssituation für eine spannende Geschichte dar. Doch wie sich diese dann fortsetzt, sagte mir absolut nicht zu. Blixen taucht nach Pauls Rückreise in Berlin auf und nistet sich vorübergehend in dessen Wohnung ein. Doch ab diesem Zeitpunkt passiert irgendwie nichts mehr, das mich fesseln konnte. Blixen treibt irgendein Spiel – soviel steht fest. Doch was genau er vor hat, hat sich mir auch nach Ende des Buches nicht erschlossen. Er kommt neben Paul auch mit Luise und Agnes in Kontakt, zieht eine etwas gruselige Show ab und … das wars.

    Es gibt sicher Leute, die mehr mit der Geschichte anfangen können – wer allerdings eine Lektüre erwartet, die einen mitreißt und mitfiebern lässt, sollte von „Der Dieb in der Nacht“ besser die Finger lassen.

    Fazit:

    Vom Stil her richtig gut, doch die Geschichte könnte kaum enttäuschender sein.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Berlin_Verlags avatar


    »Katharina Hartwell kann zaubern« Clemens J. Setz

    Zehn Jahre nachdem Felix verschwunden ist, sitzt Paul in einer Prager Kellerbar plötzlich seinem besten Freund gegenüber. Zumindest ist Paul im einen Moment sicher, ihn vor sich zu haben, im nächsten sieht der Mann Felix nicht einmal mehr ähnlich. Paul gerät in den Bann jenes Mannes, der sich Ira Blixen nennt, sich bewegt wie Felix, ihn anschaut wie Felix und ein Muttermal an der gleichen Stelle am Handgelenk hat. Kann es Zufall sein, dass Blixen vor Jahren bewusstlos aus dem Fluss gezogen wurde und keine Erinnerung an seine ersten 20 Lebensjahre besitzt? Blixen folgt Paul nach Deutschland, und es entwickelt sich ein Vexierspiel um Verlust, Identität und Sehnsucht, um Angst, Definitionen von Wirklichkeit und die Frage, wie sich über die Leerstelle sprechen lässt, die das Verschwinden eines Menschen in die Leben seiner Nächsten sprengt.

    DER DIEB IN DER NACHT, der zweite Roman von Katharina Hartwell, erscheint in wenigen Wochen und ihr seid herzlich eingeladen, bei der Leserunde dabei zu sein. Dafür stellen wir 20 Freiexemplare zur Verfügung.

    Um zu gewinnen, schreibt uns doch bitte bis zum 29. Juli unten in den Kommentaren, was euch an dem Roman reizt und wie die Atmosphäre des Romananfangs auf euch wirkt!

    Viel Vergnügen und auf Wiederlesen!

    Euer Berlin Verlag

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