Katharina Johanna Ferner

 4.1 Sterne bei 8 Bewertungen
Katharina Johanna Ferner

Lebenslauf von Katharina Johanna Ferner

Katharina Johanna Ferner ist Autorin & Rezensentin. Sie wurde 1991 in Salzburg geboren und lebt seit 2009 in Wien. Studien der Slawistik, Skandinavistik und Deutsch als Fremd-/Zweitsprache. Rezensentin für das österreichische Bibliothekswerk. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift &Radieschen. Nach diversen literarischen Veröffentlichungen in Zeitschriften & Anthologien, ist 2015 ihr erster Roman "Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste" im Wiener Verlag Wortreich erschienen. Seit 2016 Mitarbeiterin der Ö.D.A. (Österreichische DialektautorInnen und -archive)

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Oder doch eher die tragikomische Realität des postsowjetischen Alltags? Oder die der Putin-Ära. Wie auch immer, die junge Autorin Katharina Johanna Ferner hat einen höchst unterhaltsamen, wenn auch - zumindest für mich - ausgesprochen verwirrenden Roman über das Leben in Russland, nein: über ein Leben in Russland verfasst, der exemplarisch ist oder auch nicht.

Ausflüge in die Ukraine gibt es auch, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Ich finde, die österreichische Autorin fügt sich aufs Trefflichste in den Stil postsowjetischer Autorin - ich meine es jetzt länderübergreifend und verfalle daher in diese mittlerweile ein wenig veraltete Begrifflichkeit. Der Ukrainer Kurkow fällt mir da ein, vor allen Dingen er, aber auch der flapsige Stil der Krimiautorin Darja Donzowa passt in diese Kategorie. Auf jeden Fall merk man, dass die Autorin den Kulturkreis und auch das Leben dort kennt, Klischees wie massenweise Wodka und Putins nackten Oberkörper gäbe es schließlich nicht ohne Vorlagen aus dem wahren Leben.

Der Held Anatolij Petrowitsch gerät - sehr slawisch, finde ich - ohne eigenes Dazutun in diverse Szenarien, von denen er vorher nie zu träumen gewagt, ja, auf die er noch nicht einmal gekommen wäre. In meinen Augen ist er durchaus ein Schelm, aber einer der östlichen Provinienz, der die Dinge einfach so geschehen lässt und immer aus allem das Beste macht.

Auch die anderen Figuren haben eine Nähe zur slawischen Literatur und mögen von daher für den ein oder anderen westlichen Rezipienten als irritierend erscheinen. Ich kann mich da nicht ganz ausnehmen, bin aber im großen und ganzen durchaus angetan von diesem eigenwilligen, kleinen, sehr zeitgemäßen Stück Literatur. Definitiv nichts für jeden, aber etwas für Flexible, solche, die Spaß an ungewöhnlichem Humor und vor allem an jeder Menge Anspielungen haben.

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Rezension zu "Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste" von Katharina Johanna Ferner

Rezension zu „Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste
Zsadistavor 3 Jahren

Anatolij lebt in Moskau. Seine Tochter bändelt mit einem Schriftsteller an und seine Frau ist schon vor Jahren abgehauen. Dann gewinnt er zwei Karten für die Olympischen Spiele. Mit seinem Freund und Arbeitskollegen Michail fährt er zu den Spielen. Das Wochenende endet mit einem Filmriss von Anatolij. Wieder zu Hause geht ihm alles auf den Geist und er will den ersten Urlaub seit Jahren machen. Kurzerhand überredet er seinen Chef ihn in die Ukraine fahren zu lassen. Und dort nimmt dann alles seine rasante Fahrt auf. Von Verhaftung, Ausweisung, Überwachung bis hin zu neuen Bekanntschaften ist alles zu finden.

„Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste“ ist ein Einzelband, der die Geschichte von Anatolij humorvoll erzählt.

Anatolij ist eine typische Figur, die von einem direkt ins nächste Fettnäpfchen tappt, ohne es zu merken. Die Humorebene hat mich voll erreicht. Oft sind es trockene, dahingeworfene Szenen, bei denen ich einfach Lachen musste. Die Figur selbst ist auch sehr sympathisch gehalten. Eigentlich sind alle Figuren im Buch sympathisch. Ich hatte mit keiner ein Problem.

Die Hintergründe der Geschichte sind ebenfalls sehr interessant. Zwar nicht so vertieft, aber man bekommt schon Einblicke in die politische Lage von Russland und der Ukraine. Ich fand dies sehr informativ und hätte mir vielleicht sogar noch etwas mehr gewünscht.

Von den zwei Punkten sind auch die beiden Sterne die ich vergebe. Dies ist zwar doch ein großes Stück des Buches, allerdings gibt es wirklich Ecken und Kanten, die ich absolut nicht positiv sehen und somit bewerten kann.

Die Ereignisse in dem Buch sind für mich in Kurzform gehalten. Fast jeder Punkt ist angerissen, aber nicht fertig bearbeitet. So ist mir zum Beispiel immer noch nicht klar, wieso und von wem Anatolij die Karten für die Olympiade gewonnen hat. Er hat bei dem Gewinnspiel nicht mitgemacht, wollte dies sogar nicht einmal. Das ist jetzt nur ein Punkt, aber mehr möchte ich nicht verraten, sonst müsste ich zu viel spoilern. Auf jeden Fall war dies für mich sehr unbefriedigend.

Des Weiteren konnte ich mit der Grammatik und Rechtschreibung des Buches nicht viel anfangen. Sätze und Satzbausteine sind verdreht. Dies geht ab und an soweit, dass der Satz an sich schon keinen Sinn mehr ergibt.

Dazu verstehe ich dann auch solche Sachen nicht, dass im Buch ein Name mit C.W. abgekürzt wird, der im Anhang dann erklärt wird. Was spricht dagegen, den ausgeschriebenen Namen im Text zu verwenden?

Im Großen und Ganzen empfand ich die Ausführung des Romans, als wäre es eine Rohfassung auf einem Block, der ohne Lektorat zu einem Buch verfasst wurde.

Auf Anfrage bei der Autorin bekam ich eine, mich nicht zu friedenstellende, Antwort. Eher verwirrt mich diese Antwort und lässt mich an dem Wort Literatur zweifeln. Ich möchte hier dann die Autorin wörtlich zitieren: „Für mich persönlich macht Literatur genau das auch aus, wenn Sätze und Wörter neu konstruiert, erfunden, verschoben und verwendet werden.“

Wenn ich dann noch den Preis von 19,90 Euro zu 150 Buchseiten vergleiche, komme ich leider nur auf zwei Sterne. Ich kann das Werk auch nicht unbedingt weiter empfehlen. Wer allerdings auf sprachliche und grammatikalische Experimente steht, wird mit dem Werk vielleicht zufrieden sein. Eigentlich schade, das Thema, der Humor und die Figuren hatten großes Potential ein super Buch zu werden.  

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Rezension zu "Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste" von Katharina Johanna Ferner

Von einem, der auszog und dabei aus Versehen Revolutionär wurde
leseleavor 3 Jahren

Anatolij Petrowitsch führt ein ruhiges und beschauliches Leben als Angestellter einer Gasfirma und als liebevoller Vater seiner Tochter Elisaweta. Nachdem er durch die Flucht seiner Frau zu Sowjetzeiten mit der Staatsmacht in eher beunruhigenden Kontakt geraten ist, ist er darauf bedacht, ein unspektakuläres und normales Dasein zu fristen. Doch das ändert sich, als er spontan für einige Tage auf die Krim verreist – just in dem Moment, in dem Russland beschließt, die Insel wieder in „den Schoß der Familie“ zu holen. Durch Zufall gerät er in die Hände russischer Soldaten und trifft auf die ukrainische Aktivistin Tatjana. Auch nach seiner Rückkehr nach Moskau lassen ihn die Ereignisse und Tatjana selber nicht mehr los und Anatolij wird plötzlich zum Teil einer Revolution, die sein Leben völlig auf den Kopf stellen wird…

Katharina Johanna Ferner erzählt in ihrem Debütroman mit dem sagenhaften Titel Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste die Geschichte eines sympathischen, aber langweiligen Niemands, der aus Versehen historische Ereignisse in Gang setzt und sein Leben dabei ins Chaos stürzt. Der Held, der keiner sein will, hört auf den Namen Anatolij Petrowitsch und entpuppt sich als kleines, aber wichtiges Puzzleteil in den Wirren der Weltgeschichte, als kippender Dominostein, der eine Kette weiterer Ereignisse auslöst. Situiert in der jüngsten russischen Zeitgeschichte wird Anatolij zum unfreiwilligen Zeugen der Olympiade in Sotchi, der Krimannexion und der zunehmenden Repressalien gegenüber Oppositionellen und Andersdenkenden. Seine Geschichte fungiert somit als Chronik der Ereignisse, die wir westlichen Leser in den letzten Jahren gebannt und mit Schrecken vor dem Fernseher verfolgt haben.

Katharina Johanna Ferner erzählt die Geschichte ihres Antihelden dabei auf skurrile und sympathische Art und Weise. Der Text lädt stetig zum Schmunzeln ein und wartet mit subtilen Anspielungen zu den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Russland auf. Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste ist ein moderner und intelligenter Roman, der das Können seiner Autorin bezeugt.

Warum dann letztlich nur 3 Sterne? Auch ein kluger Roman kann mal am Leser vorbeigehen und genau das ist mir leider passiert. Das liegt zum einen an der Erzählweise: Die Autorin schildert in atemberaubenden Tempo und in extremen Zeitraffern Anatolijs Leben und die Ereignisse, die ihm widerfahren. Dabei blieb für meinen Geschmack zu viel auf der Strecke: Entwicklungen schienen unmotiviert und assoziativ, manche Erzählstränge endeten abrupt. Vor allem fiel es mir so schwer, eine Beziehung zu den Figuren und dem Erzählten aufzubauen. Sicher, Anatolij ist liebenswert gestaltet, aber mehr als eine irgendwie sympathische Figur konnte ich mir nicht vorstellen: Sein Alter, sein Aussehen, seine wesentlichen Charakterzüge, das alles blieb noch nach knappen 150 Seiten schemenhaft und skizziert. Die angesprochene Seitenzahl ist ein weiterer Punkt: In diesem doch schmalen Büchlein taucht eine Vielzahl von Figuren und eine noch größere Zahl an Problemen und Konflikten auf: Eine Verlobung, die es zu verhindern gilt; ein Homosexueller, dessen Outing zu einigen Problemen führt; eine Schwangerschaft, die eigentlich unpassend kommt; die Liebe zu einer Ukrainerin in der Zeit des Krieges; die immer noch drückende Abwesenheit der flüchtigen Exfrau etc. Hier wäre für mich weniger mehr gewesen, so schien mir der Roman für seine geringe Seitenzahl doch zu überfrachtet. Last but not least: Die Sprache. Die Autorin schreibt eigenwillig und nach meinem Empfinden haben sich einfach zu viele „Fehler“ in den Text eingeschlichen: Einige Wendungen und Ausdrücke erklären sich zwar wohl dadurch, dass diese im Österreichischen (Muttersprache der Autorin) durchaus gebräuchlich sind,  andere sind aber wohl – so klärte es sich in der Leserunde auf – auf stilistische Entscheidungen zurückzuführen. Abgesehen davon, dass ich in diesen Abweichungen keine Systematik (und somit auch keinen Stil) erkennen konnte, hätte man dies in einem kurzen Vorwort ansprechen sollen, da nur die wenigsten Leser die Chance besitzen, direkt mit dem Autor eines Textes Rücksprache über diesen zu halten. So hegt der unwissende Rezipient nach einigen Seiten doch eher den Verdacht, dass die Erzählung einfach ungenügend lektoriert wurde. Auch mich ließen diese Wendungen – trotz Aufklärung – immer wieder straucheln; daher und aufgrund der anderen genannten Faktoren blieb mir der Zugang zu Geschichte letztendlich verstellt.

Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste ist ein Debüt mit viel Potenzial, das mich aber nicht voll erreichen konnte. Aufgrund der skurrilen Erzählweise und dem sympathischen Protagonisten wird es jedoch seine Fans finden.

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Gespräche aus der Community

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KatharinaFerners avatar

Liebe LiteraturFreundInnen und InteressentInnen,

ich lade euch hiermit zur Leserunde meines vor Kurzem im Verlag Wortreich erschienenen Romans "Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste" ein.

Unter allen BewerberInnen werden 7 Bücher verlost -
die LeserInnen  (und auch andere InteressentInnen) haben außerdem die Möglichkeit sich während des Lesens mit mir auszutauschen.

Darum geht es:
Wenn Anatolij Petrowitsch gewusst hätte, welche Schwierigkeiten ihm ein kleiner Urlaub beschert, wäre er wohl einfach in Moskau geblieben. So bringt ihn ein fälschlicherweise als Dienstreise ausgewiesener Auslandsaufenthalt ins Visier der russischen Ermittler. Aber da ist ja auch noch Tatjana, die in Ungnade geratene ukrainische Journalistin, die sein Leben nachhaltig verändert, seine Tochter, die einen Nichtsnutz ehelichen will, und Michail, der auch ganz andere Probleme hat. Ein Schulterklopfen von Präsident Putin hilft da nicht viel. Anatolij Petrowitsch, der am liebsten seine Ruhe hätte, sieht sich plötzlich zwischen den Fronten, wird vom Geheimdienst verfolgt, und ist gezwungen, seine eigene Position zwischen Nationalstolz und Regimekritik neu zu definieren.


Hier geht's zur Leseprobe: 
http://verlag-wortreich.at/wp-content/uploads/2015/06/Anatolij-Petrowitsch_Leseprobe_ISBN_978-3-9503991-6-5.pdf
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

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