Katharina Münk Westermann und Fräulein Gabriele

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Inhaltsangabe zu „Westermann und Fräulein Gabriele“ von Katharina Münk

Ein Mann und seine Schreibmaschine Richard Westermann, IT-Vorstand mit einer Schwäche für Friedhöfe, verguckt sich bei der Beisetzung des Schriftstellers Höfer in dessen Schreibmaschine. Kurz darauf zieht das Modell »Gabriele« ein in sein Leben. Als man Westermann dann einen jungen Kollegen als Vorstand »Data« vor die Nase setzt, holt er zum Gegenschlag aus und tauscht seinen Rechner gegen »Gabriele«. Sein betriebliches Umfeld hält das für ein geniales Ablenkungsmanöver von seinem eigentlichen Auftrag: der Entwicklung einer ausspähsicheren Krypto-Box. Im Nu stellen Westermann und »Gabriele« den Konzernalltag auf den Kopf. Während Westermann in die entschleunigte analoge Welt eintaucht, geht seine 80-jährige Mutter den umgekehrten Weg: online.

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  • Leserunde zu "Bücherwürmer und Leseratten" von Bettina Mähler

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    ChattysBuecherblog

    ChattysBuecherblog

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  • Der Anarchist mit der Schreibmaschine

    Westermann und Fräulein Gabriele
    Igelmanu66

    Igelmanu66

    10. June 2016 um 16:54

    »Frau Marelli, können Sie eigentlich Schreibmaschine schreiben?« Er sah sie nicht, stellte sich aber vor, wie ihre rechte Hand bewegungslos auf der Maus verharrte und sie nachdachte. … »Was soll die Frage?«, rief sie herüber. … »Ich donnere hier mit vierhundert Anschlägen durch das System, und Sie fragen mich, ob ich Schreibmaschine schreiben kann?« Westermann … trat wieder in ihr Büro. »Ich meine so eine Maschine mit Wagen, der beim Tippen so lange nach links fährt, bis es klingelt und Sie dann den Rückführhebel nach rechts betätigen müssen, um das Teil wieder herüberzuschieben. Da knallt per Tastendruck der Typenhebel mit der Type auf die Walze, und Sie schreiben direkt mittels Druckerschwärze auf Papier! … Klack, klackklack, klack. Verstehen Sie?« »Nein«, sagte sie. »Diesen alten Film mit Jerry Lewis kennen Sie nicht, oder?« Er bewegte nun alle zehn Finger in der Luft, sagte irgendwann »Ping« und imitierte anschließend mit der linken Hand den Wagenanschub. »Soll ich Ihnen eine Tablette auflösen?« Als Richard Westermann zur Trauerfeier für den bedeutenden Autoren Rupertus Höfer geht, ahnt er noch nicht, dass diese Feier sein ganzes Leben verändern wird. Doch was die alte mechanische Schreibmaschine, die auf Höfers Sarg steht, in ihm auslöst, kann man nur mit „Liebe auf den ersten Blick“ beschreiben. Westermann, IT-Vorstand und bislang fest etabliert in der digitalen Welt, betritt eine ganz andere – eine analoge, entschleunigte und zudem ausspähsichere… Dieses Buch hat mir richtig Spaß gemacht! Das Szenario selber ist schon herrlich – und mal ehrlich: Die analoge Welt wirkt zwar heute umständlich und veraltet, hatte aber auch ihre Vorteile. Westermann betritt diese für ihn neue (alte) Welt und ist Willens, genau diese Vorteile für sich zu entdecken. Zunächst einmal heißt es aber sich zu orientieren, sein Leben umzustellen und vor allem, reichlich Widerständen zu trotzen und sich in der Öffentlichkeit mutig zu behaupten. Wie es aussieht, wenn ein IT-Vorstand bei einer Pressekonferenz mit einer mechanischen Schreibmaschine auftaucht, kann man sich vorstellen! Zu der einfallsreichen Handlung gesellt sich mit Westermann ein Charakter, der ein wirklicher Sympathieträger ist. Ein bisschen eigen, ein wenig schräg, mit einer ungewöhnlichen Vorliebe für Beerdigungen und dem seit früher Kindheit gelebten Vorsatz, „einmal am Tag etwas zu tun, vor dem man Angst hat“. Auch bei den weiteren Charakteren sind einige sehr interessante dabei und bei jedem davon kann der Leser gespannt sein, wie er wohl auf die gute „Gabriele“ reagieren wird… »Hörst du dieses fette Klackern? Oder ist das mehr ein Schnalzen? Und der Wagenrücklauf – es ist, als würde sie ganz kurz Luft holen, bevor sie einrastet. Da ist so eine Spannkraft im Ton, total dynamisch.« Das Handlungsspektrum umfasst (abgesehen von Schreibmaschinen und Beerdigungen) sowohl die berufliche Welt unseres Protagonisten mit diversem, was es in der IT-Branche an Themen geben kann, als auch sein Privatleben, in dem es um seinen Sohn, die Nachbarin und seine über achtzigjährige Mutter Yolanda geht, die ausgerechnet jetzt beginnt, bei „Tracebook zu schetten“ und das „Internetz“ zu erobern. Fazit: Ein rundum gelungenes Lesevergnügen! »Sein Blick ging … unwillkürlich zur Tür zwischen Küche und Flur hinüber, wie um sich zu vergewissern oder vielmehr um sich ultimativ anzufreunden mit dem, was er da vorhatte an diesem Tag: die Maschine mitzunehmen. Er hatte sie bereits aus der Waffenkammer geholt und griffbereit in den Türrahmen gestellt. Jeden Tag etwas tun, wovor man Angst hatte – und dies würde etwas für die ganz Harten werden. Eine Meditation für Fortgeschrittene unter völliger Ausschaltung des gesunden Menschenverstands und jeglicher Planung. Schön bekloppt eigentlich. Westermann kam sich jetzt schon vor wie ein Anarchist.«

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  • Sind wir nicht alle ein bisschen Westermann?

    Westermann und Fräulein Gabriele
    JoJansen

    JoJansen

    Was wäre wenn ... so beginnen oft die interessantesten Gedankenexperimente. Könnten wir ohne Computer und Internet überhaupt noch leben und unseren Alltag meistern? Katharina Münk ist dieser Frage nachgegangen und schickt dafür ihren Helden aus der digitalen Totalvernetzung in die analoge Wüste. Diese befindet sich nicht etwa auf einer einsamen Insel oder Berghütte, sondern mitten in der Vorstandsetage eines IT-Großkonzerns. Richard Westermann, 52 Jahre alt, alleinlebend mit 17 jährigem Sohn, Vorstandsmitglied des Konzerns IBT, hat ein seltsames Hobby: Er geht auf Beerdigungen ihm unbekannter Menschen. Das ist seine Art der Entschleunigung, hier schaltet er sein Smartphone auf Flugmodus - um nach der Beerdigung durch zig neue Nachrichten zu scrollen. Ein Zufall führt Westermann auf die Beerdigung Höfers, eines berühmten Schriftstellers, und sein Wunsch, dessen Schreibmaschine zu besitzen, erwacht. Von da an tauchen immer mehr Schreibmaschinen in der Geschichte auf, das tack, tack, tack, tack, pling ... scheint, ähnlich wie Westermanns Tinnitus, allgegenwärtig. Fräulein Gabriele ist natürlich, wie das Cover des Buches bereits verrät, ebenfalls eine dieser Schreibmaschinen. Was mir an diesem Buch so ausnehmend gut gefallen hat, ist der feine Humor zwischen den Zeilen. Situationen sind allein dadurch witzig, dass sie den gängigen Klischees widersprechen - wie zum Beispiel das Meeting auf der nach Hund stinkenden karierten Picknickdecke. Die Autorin nimmt viele unserer liebgewordenen Alltagsgewohnheiten aufs Korn. Westermanns neue Art der Entschleunigung hält uns einen Spiegel vor die Nase - müssen wir wirklich immer und überall erreichbar sein, unser Leben in Dateien quetschen und diese auf ewig (?) irgendwo sichern? Die Story lebt von den Widersprüchen zwischen den Figuren. Yolanda, Westermanns Mutter, entdeckt mit 82 Jahren das "Internetz" für sich, freut sich über jede digitale Spur, die sie hinterlässt, während Höfers Sohn zeitgleich daran verzweifelt, dass sein verstorbener Vater auf ewig im Netz weiterleben wird. Witzig sind auch die Wortschöpfungen, mit denen die Autorin vermeidet, "Schleichwerbung" für allgemein bekannte Marken zu betreiben. In der Geschichte wird "gestroogelt", man benutzt Happs und Westermann selbst sitzt im Vorstand von IBT, dem Konzern, der im knallharten Wettbewerb mit Happle steht. Am Anfang hatte ich ein wenig Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzukommen. Warum, kann ich gar nicht erklären. Auf jeden Fall hat sich das Weiterlesen sehr gelohnt. Ich habe mich lange nicht mehr so amüsiert, aber auch oft nachdenklich mit meinem Leben verglichen. Schade eigentlich, dass meine mechanische Schreibmaschine längst beim Trödler gelandet ist. Richard Westermann ist mir in seiner Widersprüchlichkeit und seinem Drang zur Rebellion sehr sympathisch. Auch und gerade weil er nicht immer alles richtig macht. Ich glaube, wenn ich ein Mann wäre, wäre ich gern wie Westermann. 😊 Eine außergewöhnliche Geschichte, präsentiert in einem schönen Buch. Der Titel und die Kapitelüberschriften sehen aus, wie mit Schreibmaschine geschrieben und geben dem Buch dadurch noch mehr Authentizität. Zusammenfassend fallen mir lauter plakative Sätze ein wie: "Die Welt braucht mehr Westermanns!", "Entdecke den Westermann in Dir!" oder "Sind wir nicht alle ein bisschen Westermann?" Fazit: 5***** und unbedingte Leseempfehlung!

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  • Leserunde zu "Westermann und Fräulein Gabriele" von Katharina Münk

    Westermann und Fräulein Gabriele
    KatharinaMuenk

    KatharinaMuenk

    Liebe Lovelybooks-Gemeinde, nun stelle ich nachträglich als Autorin meine "Westermann-Leserunde" ein. Die Bücher wurden ja bereits vor einigen Wochen über dtv verlost. Leserunden-Start am Freitag, den 11. Dezember 15. Das kommt vielleicht den meisten von Euch am ehesten entgegen? Und ich bin gespannt auf Eure Eindrücke! Da ich immer mal wieder so ganz analog auf Lesereise bin und auch sonst gerne mal "offline", wundert Euch bitte nicht, wenn ich vielleicht nur zwei oder drei Mal die Woche vorbei schaue! Aber ich freue mich sehr darauf, mit Euch direkt das Buch zu diskutieren. Völlig neu für mich.... Also auf ins Netz bzw. in die Buchseiten.

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    • 68
  • Buchverlosung zu "Westermann und Fräulein Gabriele" von Katharina Münk

    Westermann und Fräulein Gabriele
    dtv_Verlag

    dtv_Verlag

    Ein Mann und seine Schreibmaschine Richard Westermann, IT-Vorstand mit einer Schwäche für Friedhöfe, verguckt sich bei der Beisetzung des Schriftstellers Höfer in dessen Schreibmaschine. Kurz darauf zieht das Modell »Gabriele« ein in sein Leben. Als man Westermann dann einen jungen Kollegen als Vorstand »Data« vor die Nase setzt, holt er zum Gegenschlag aus und tauscht seinen Rechner gegen »Gabriele«. Sein betriebliches Umfeld hält das für ein geniales Ablenkungsmanöver von seinem eigentlichen Auftrag: der Entwicklung einer ausspähsicheren Krypto-Box. Im Nu stellen Westermann und »Gabriele« den Konzernalltag auf den Kopf. Während Westermann in die entschleunigte analoge Welt eintaucht, geht seine 80-jährige Mutter den umgekehrten Weg: online. Uns interessiert, an welchem analogen Gerät ihr noch besonders hängt – ob Walkman, Schreibmaschine oder Kamera. Erzählt es uns und/oder zeigt es uns in Bildern!

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    • 151
  • Hommage an die gute alte Schreibmaschine

    Westermann und Fräulein Gabriele
    uli123

    uli123

    10. February 2016 um 19:22

    Richard Westermann ist IT-Vorstand eines Computerunternehmens und arbeitet an der Entwicklung eines ausspähsicheren Verschlüsselungsgerätes, das Daten vor Hackerangriffen sichern soll. Ruhe vor seinem betriebsamen Arbeitsleben findet er auf Friedhöfen. Bei der Beerdigung eines bekannten Schriftstellers sieht er dessen Schreibmaschine Olympia auf dem Sarg. Westermann setzt begierig List und Tücke ein, um in ihren Besitz zu gelangen. Bis dahin nimmt er das Modell Gabriele als Ersatzmaschine. Als ihm ein junger, ambitionierter Kollege vor die Nase gesetzt wird, ersetzt er im Büro seinen Computer eben durch Gabriele. Was in der Computerfirma für ein Durcheinander sorgt, lässt Westermann immer entspannter werden, ja er verliebt sich sogar …   Katharina Münk ist bekannt dafür, die Arbeitswelt in ihren Romanen zu thematisieren. Als ehemalige Sekretärin und Personal Coach für Fach- und Führungskräfte ist sie hierfür auch prädestiniert. Hieran knüpft auch das vorliegende Buch gut an. Es ist eine gelungene Satire auf die digital geprägte Welt, die unser aller Leben zunehmend beherrscht. Im schönen Gegensatz dazu werden liebevolle Erinnerungen an die gute alte Schreibmaschine eingepflegt. Für Leser, die im IT-Bereich nicht so sehr zu Hause sind, ist die Geschichte nicht immer einfach zu lesen. Doch vermutlich ist gerade das volle Absicht, um den Wahnwitz dieses speziellen Business herauszustellen. Amüsant sind Verballhornungen aus der Computersprache wie „tracebook“, „I-Mehls“, „stroodeln“.   Ein gut unterhaltender Roman.

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  • So viel Liebreiz und Humor zwischen zwei Buchdeckeln. Nostalgisch, voller witz und ganz offline!

    Westermann und Fräulein Gabriele
    Floh

    Floh

    Die ambitionierte und vielseitige Autorin und Personal Coach Katharina Münk, die bereits mit ihrem Bestseller- Werk "Die Insassen" eine Steilvorlage der Wirtschaftsparodie und Satire präsentiert hat, bietet nun auch mit "Westermann und Fräulein Gabriele" einen weiteren herzhaft, amüsanten, seelen-durchfluteten und chaotisch anmutenden Roman voller Pleiten, Pech und Pannen und Protagonisten und Schreibgeräten, an die man sich wirklich erst einmal (wieder) gewöhnen muss, oder die man schon längst aus unserem Zeitalter verbannt hat. Katharina Münks zweites Werk um die ungewollte Entschleunigung und einem medialen Rückschritt, der die Welt voran bringt. „Westermann und Fräulein Gabriele“ ist jedoch mein persönliches erstes Werk der humorigen und sympathischen Autorin mit Tief-(See-)Gang. Erschienen im dtv Verlag (http://www.dtv.de/) Inhalt: "Ein Mann und seine Schreibmaschine – Richard Westermann, IT-Vorstand mit einer Schwäche für Friedhöfe, verguckt sich bei der Beisetzung des Schriftstellers Höfer in dessen Schreibmaschine. Kurz darauf zieht das Modell »Gabriele« ein in sein Leben. Als man Westermann dann einen jungen Kollegen als Vorstand »Data« vor die Nase setzt, holt er zum Gegenschlag aus und tauscht seinen Rechner gegen »Gabriele«. Sein betriebliches Umfeld hält das für ein geniales Ablenkungsmanöver von seinem eigentlichen Auftrag: der Entwicklung einer ausspähsicheren Krypto-Box. Im Nu stellen Westermann und »Gabriele« den Konzernalltag auf den Kopf. Während Westermann in die entschleunigte analoge Welt eintaucht, geht seine 80-jährige Mutter den umgekehrten Weg: online." Schreibstil: Bestsellerautorin Katharina Münk schwingt wirklich eine ganz besondere Feder, oder sollte man besser sagen, sie haut ganz besondere Tasten? Zwar musste mir die Inhalte des vielversprechenden Klapptextes und dem eigentlichen Beginn des Buches erst einmal neu sortieren und platzieren, aber dann erblüht schon nach wenigen Seiten ein herzhafter, aberwitziger, sympathischer und fettnäpfchenreicher Unterhaltungsroman, der die Bauchmuskeln zucken lässt und die Mundwinkel nach oben richten lässt. Wunderbar! Richard Westermann muss man erst zu nehmen wissen, er hat einige besondere Merkmale, die ich schon als Skurril und Schrullig deuten würde, die mir aber wunderbar sympathisch sind. Hat man ihn, also Westermann, als Nuss geknackt, so gibt es Vitamine und Eiweiß pur. Ganz fantastisch. Und wenn man die zahlreichen Lobeshymnen zu Katharina Münks bisherigen Veröffentlichungen und Auszeichnungen hört, so kann man sich sicher sein, dass Leser, die hier Katharina Münks erstes Werk so wie ich auch noch nicht kennen, unstillbare Neugier auch auf ihren ersten Bestseller hegen. Der Schreibstil ist unter anderem dass, was das Buch zu dieser Besonderheit macht. Denn wir lesen diesen sehr besonderen Roman aus den Gedanken und den unglaublichen Zügen des Psychogrammes des sonderbaren Protagonisten und IT Vorstandes Richard Westermann, der sich offline und mit alten Medien vertraut machen muss. Was für ein Desaster in der heutigen Zeit, doch eine überraschende Innigkeit zu einer eingestaubten Schreibmaschine der analogen Art erweckt. Die sympathische Autorin Katharina Münk hat hier einen Stil geschaffen, den ich so noch nie gelesen habe. Das Lesen gestaltete sich so zu einer ganz neuen und anderen Art des Lesens, anfangs zwar etwas befremdlich, aber im Verlaufe entpuppte sich dieser Plot und dieser lobenswert angenehm sympathische und verdrehte Charakter Westermann und seine Fräulein Gabriele zu einer einmaligen, bewegenden und sehr anmutenden Geschichte, die zum Nachdenken anregt und noch lange nach Beenden des Buches nachhallt. Sehr schön. Eine weitere Besonderheit ist das weitreichende Spektrum an Bildern, Sinnvorstellungen und nahezu unbeholfener Verzweiflung des Charakters Richard Westermann, der erst im Laufe der Handlung eine ganz neue und sehr interessante Seite nach außen trägt. Was so ein technischer Rückschritt doch alles für Potential zu Tage fördern kann… Die ganze ungefilterte Gefühlswelt aus den Augen der Darsteller, ohne aufgesetzt oder überladen zu wirken. Herzerfrischend wird dieser glorreiche Roman dadurch, dass zu jedem Alltäglichen und Normalen eine Anekdote, ein Nähkästchenplausch oder eine Weisheit, eine These oder einen Fakt aus dem Gedankengut der Charaktere in dem Buch stammt. Zudem gibt es viel Witz, Humor, Schenkelkracher und Salven. Durch seine enorme Tiefe und Emotionsgeballtheit, aber auch Humor und Frische schreibt die Autorin K. Münk klar, überzeugt, selbstbewusst und lässt durch Vielseitigkeit und Unglaublichkeit und den sehr authentischen Gedanken des Richard Westermann so einzigartig werden. Alles andere als Mainstream, wunderbare Unterhaltung! Charaktere: Was wäre dieses Buch ohne seine Protagonisten? Mit Gold nicht aufzuwiegen sind die besonders gestalteten Charaktere hier in dieser Story. Hier schöpft die Autorin Katharina Münk aus den Vollen und hat eine Welt aus tiefsten Einblicken, herzlichen Momenten, hoffnungsvollen Ausblicken und eine Wendung geboten, die das Herz berührt und den Arbeitsalltag und Hierarchien und Konzernwelt entschleunigt und andere Blicke auf sich wirft. Dieses Buch mit seinen ganz besonderen Charakteren und Zügen, legt man nicht einfach weg, man nimmt es auf und gibt es nicht wieder aus dem Herzen frei. Einer raffinierten Auswahl an Protagonisten und Charakteren begegnen wir durch die nahen Beschreibungen der Handlungen und Entwicklungen in diesem Buch. Man ist dazu verleitet, nachzuempfinden, ob diese Emotionen und Gefühle gerechtfertigt sind? Darf man so fühlen? Darf man so denken? Sind diese Wege die richtigen? Was ist Gut und was wäre fatal? Was bedeute ich mir selbst? Und vor allem: wie komme ich in einer analogen Welt ohne Internet, Vernetzung und Kommunikation noch zurecht? K. Münk hat so viele bedeutsame Charaktere und Schreibgeräte erschaffen, die in diesem Buch als Gesamtheit eine wunderbare Geschichte beschreiben, die absolut filmreif wirkt und für herzlichste Lacher sorgt und den Bauchmuskeltrainer arbeitslos werden lässt. Meinung: Irgendwie habe ich dieses Buch, diese Geschichte und die seichte Botschaft daraus sehr ins Herz geschlossen. Ich mag es sehr. Manchmal lechzt es mich förmlich danach, solch ein Seelenfutter und solche abstrakten Charaktere innerhalb meiner Buchdeckel kennenzulernen. Die ideale Abwechslung, die ideale Brise und der beste und liebreizendste Humor. Herrlich! Dieser für mich anfänglich schwer zu deutende Roman war für mich eine ganz besonders intensive Lesekost. Ich brauchte eine Weile, bis ich mich in das Buch eingelesen habe. Den Klapptext muss man zunächst etwas in den Schatten rücken und erst nach und nach aufnehmen und ausblättern. Aber das macht die Autorin zwischen den Zeilen wirklich gut. Hier werden wir Leser durch die einmaligen verschrobenen Charaktere speziell durch Westermann und Fräulein Gabriele und dem Konzernwahnsinn, mit Grundsatzfragen aufgewühlt, die sich im Verlaufe der Handlung immer wieder manifestieren und so ein tolles und rundes Bild all der skurrilen Problematik schaffen. Man das Gefühl Richard immer intensiver kennenzulernen, und seine Stellung und seinen Platz im Buche einzunehmen. Dieser Roman ist keine leicht anzunehmende Kost, da gerade der Anfang sehr surreal, dann doch verblüffend realitätsnah wirkt. Später wird dieses Werk jedoch unglaublich gesellschaftlich anspruchsvoll und ist geballt mit Alltagswissen und enormen Besonderheiten in Bezug auf das Leben, der Liebe und sich selbst. Ich war von Beginn an motiviert und später regelrecht gefesselt, war euphorisch, traurig und fasziniert sogleich. "Westermann und Fräulein Gabriele" bietet Besonderheiten, die einem Seelenritt gleichen. Und der Leser sucht sich aus, in welche Richtung seine Seele baumelt. Schön. Ich bewundere und lobe diese Einzigartigkeit und den unbeschreiblichen Humor auf meiner Wellenlänge der Autorin. Gibt es dieses Buch eigentlich auch als eBook? Aber wieso? Papier ist geduldig und einfach altmodisch schön. Daher unbedingt die papiergedruckte Fassung lesen! Es ist doch zu schön nostalgisch, gell? Pressestimme (Quelle: dtv Verlagshomepage): „Die Lektüre hat großen Spaß gemacht. Wie sich Spleene verselbständigen, wie der Held aus der Defensive heraus beginnt, sich zu wehren, den Widerständen trotzt..., sehr sympathisch und sehr humorvoll hat Katharina Münk der Zeit auf die Finger geschaut." (Zitat: Valentin Holch, Filmproduzent) Cover / Buch: Das Buch ist absolut hochwertig und sehr schön verarbeitet. Das Schriftbild ist sehr angenehm, die Kapitel nicht allzu lang. Das Cover baumelt sich in die Herzen der neugierigen Leser. Rundum gelungen und stimmig! Die alte Schreibmaschine hat natürlich hier einen ganz intensiven Wert. Die Autorin: "Katharina Münk ist neben ihrer Autorentätigkeit Personal Coach für Fach- und Führungskräfte und lebt mit ihrem Mann in Hamburg. Ihr erster Roman ›Die Insassen‹ (2009) wurde ein Bestseller. Ihr Name ist ein Pseudonym." Fazit: Kein Mainstream, aber dennoch absolut filmreif, ein ganz besonderer Roman mit allen erdenklichen Facetten und Gefühlen und Sinnesfragen mit Witz, Charme, Mut und Hoffnung! Und einem Charakter mit der Karte zum Leserherz! Herr Westermann und seine Gabriele!!! Eines versteht sich von selbst: Hier gehört das herkömmliche Printexemplar gelesen! 5 mehr als herzhafte Sterne. Ein Buch zum Liebhaben!

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    • 12
  • Westermann & Fräulein Gabriele

    Westermann und Fräulein Gabriele
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Richard Westermann, IT-Vorstand mit einer Schwäche für Friedhöfe, verguckt sich bei der Beisetzung des Schriftstellers Höfer in dessen Schreibmaschine – kurz darauf zieht das Modell › Gabriele ‹ ein in sein Leben. Als man Westermann dann einen jungen Kollegen als ›Vorstand Data‹ vor die Nase setzt, holt er zum Gegenschlag aus. Er tauscht seinen Rechner gegen Gabriele. Sein betriebliches Umfeld hält das für ein Ablenkungsmanöver von seinem eigentlichen Auftrag: der Entwicklung einer ausspähsicheren Krypto-Box. Im Nu stellen Westermann und ›Gabriele‹ den Konzernalltag auf den Kopf. Während Westermann in die entschleunigte analoge Welt eintaucht, geht seine 80-jährige Mutter den umgekehrten Weg: online. Westermann ist IT-Vorstand und sieht auf einer Beerdigung die Schreibmaschine, die auf dem Sarg des Verstorbenen steht. Er ist sofort fasziniert von ihr, will sie unbedingt haben. Doch der Sohn des Verstorbenen lässt sich nicht darauf ein und verweigert sie ihm. Doch Westermann ist der Typ, der immer das Original haben muss. Diesmal vergebens. Er macht sich auf die Suche nach einer gleichwertigen Maschine und findet „Gabriele". Als ein junger Kollege, der zum Lernen in Amerika war, zurückkommt und ihm sozusagen vor die Nase gesetzt wird, überlegt er sich eine besondere Strategie. Herrlich fand ich besonders seine über 80-jährige Mutter Yolande, die in ihrem hohen Alter online geht. Wie sie ihm immer SMS oder Emails schreibt und er versucht, sie zu ignorieren. Seiner Mutter aber doch bei Problemen mit dem Anschluss und dem WLAN helfen will. Sein Sohn Paul hat gar kein Verständnis dafür, dass Westermann das frisch entdeckte Onlineleben seiner Mutter nicht akzeptieren will. Paul sammelt Geräusche aller Art und ist von Gabriele, als Westermann sie mit nach Hause bringt, begeistert. Katharina Münk hat mit „Westermann und Fräulein Gabriele" einen humorvollen und zum großen Teil so treffenden Roman für die heutige Online-Gesellschaft geschrieben. Auf die Schippe nehmend und doch sehr präzise im Umgang mit Daten-Ausdrücken um sich werfend zielt dieser Roman genau dahin, wo er hinsoll. Zu den Internet- und Online-Verrückten, die kein Verständnis für einen Mann haben, der auf einer alten Schreibmaschine namens „Gabriele" schreibt und mit ihr glücklich ist. Dieser Roman hat mich herrlich unterhalten, lustig und gleichzeitig treffend formuliert Katharina Münk ein Phänomen in der heutigen Zeit: Die Schreibmaschine.

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    • 2
  • Herz erfrischender Roman über die Entschleunigung in der digitalen Welt.

    Westermann und Fräulein Gabriele
    Gelsche

    Gelsche

    Inhalt: Westermann, IT-Vorstand, wird durch eine Verwechslung auf die Beerdigung eines Schriftstellers eingeladen. Dort entdeckt er dessen Schreibmaschine und den Drang diese zu besitzen. Er erwirbt dann das Modell "Gabriele". Zeitgleich wird ihm auf der Arbeit ein junger Kollege vor die Nase gesetzt. Westermanns Revolte besteht darin, dass er von multimedia auf entschleunigt analog umschaltet. Er, der eine Kryptobox entwickeln sollte, schreibt jetzt nur noch auf Gabriele. In der Firma glaubt man mehr und mehr, dies sei ein genialer Schachzug. Die Dinge nehmen ihren Lauf...... Seine Mutter hingegen, schafft sich im hohen Alter ihren ersten PC an und ist begeistert davon "online" zu sein. Meinung: Das Buch ist lustig und gleichzeitig führt es uns unser immer schnelleres, jüngereres, erfolgreicheres, Multimediasystem vor Augen. Herrlich beschrieben ist diese Körperlichkeit der mechanischen Schreibmaschine . Dieses Tippen, als man die Tasten noch fest drücken musste, die Maschine, die einem die Fehler nicht von allein korrigierte und das Wechseln des Farbbandes. Und, definitiv, konnte keiner die Daten "hacken". (Ich habe mich sehr an die Zeit erinnert, in der noch mit der Schreibmaschine geschrieben wurde, als es noch eine Wählscheibe gab und als Telefonzellen noch zum Straßenbild zählten.) Da keiner sich vorstellen kann, dass dies von einem IT-Vorstand nur ein Zufallsfund ist, beginnen die Umstände immer kurioser zu werden, sie nehmen ihren Lauf. "Das Kanzleramt hat zwanzig Schreibmaschinen bestellt.".... "Das System ist instabil! Ich habe es immer gewusst, das ist unsere Chance." Das Buch ist auch eine Persiflage auf unseren "immensen" Fortschritt und darauf wie leicht verführbar und beeinflussbar wir Menschen sind. Zuerst ist die Geschichte eher kurios, "wirkt etwas durchgeknallt", wird aber nachdem ich mich eingelesen habe, immer realistisch vorstellbarer. Westermann ist kein lauter extrovertierter Mensch. Er macht oder spricht nicht so viel. Dadurch wirkt er im außen oft geheimnisvoll, als ob er den großen Plan in der Tasche hätte. Die Qualität dieses Buches ist auch, dass es nicht zu viele Wörter gibt, genau passend zu den Protagonisten und der Thematik. Die Sprache und die Gedanken sind klar und direkt. Gleichzeitig steckt viel Warmherzigkeit in diesem Buch. Vor allem als Westermann, auch durch Gabriele", die Liebe wiederentdeckt. Mir hat die Schreibweise, das Thema und die daraus folgende Geschichte, sehr gut gefallen. Von dieser Autorin werde ich sicherlich auch gerne andere Bücher lesen. "Gottseidank" gab es dieses Buch nicht als e-book, dass hätte nicht gepasst. :-)

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    • 2
  • Herrlich ironischer Blick auf unser digitales Leben

    Westermann und Fräulein Gabriele
    FrolleinJott

    FrolleinJott

    Inhalt / Klappentext: Ein Mann und seine Schreibmaschine Richard Westermann, IT-Vorstand mit einer Schwäche für Friedhöfe, verguckt sich bei der Beisetzung des Schriftstellers Höfer in dessen Schreibmaschine. Kurz darauf zieht das Modell »Gabriele« ein in sein Leben. Als man Westermann dann einen jungen Kollegen als Vorstand »Data« vor die Nase setzt, holt er zum Gegenschlag aus und tauscht seinen Rechner gegen »Gabriele«. Sein betriebliches Umfeld hält das für ein geniales Ablenkungsmanöver von seinem eigentlichen Auftrag: der Entwicklung einer ausspähsicheren Krypto-Box. Im Nu stellen Westermann und »Gabriele« den Konzernalltag auf den Kopf. Während Westermann in die entschleunigte analoge Welt eintaucht, geht seine 80-jährige Mutter den umgekehrten Weg: online. Meine Meinung: Mit großem Vergnügen habe ich dieses sehr ironische Buch gelesen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass ich selber viele Jahre in der IT-Branche gearbeitet habe, die hier ganz wunderbar aufs Korn genommen wird. Daher kann ich auch nur bestätigen, dass einiges, was hier so scheinbar maßlos übertrieben scheint, wirklich den Tatsachen entspricht, insbesondere die verwendete Firmenterminologie, die vielen englischen Fachbegriffe, die kaum ein Außenstehender versteht. Dennoch ist die Story des Herrn Westermann, der den Bereich "Big Data" in der Firma leitet und plötzlich seine Leidenschaft für Schreibmaschinen entdeckt, was schließlich sogar dazu führt, dass die Firmenleitung dies zum neuen Trend "No Data" erklärt, maßlos überzogen. Man könnte dies zwar als total unrealistisch empfinden, aber gerade dieses "auf die Spitze treiben" führt uns deutlich den aktuellen Zeitgeist, um nicht zu sagen, den ganzen Wahnsinn des Digitalen Lebens und den verzweifelten Versuch der Herstellung von Datensicherheit vor Augen, führt ihn somit ad absurdum. Beeindruckend fand ich, wie Westermann das Tippen mit der Schreibmaschine empfindet, wie ihm das langsamere Schreiben mehr zum Denken anregt und es zum kreativen, ja geradezu zum sinnlichen Erlebnis für ihn wird. In heutigen Zeiten muss alles nur noch schnell gehen, möglichst viel zu schaffen in kurzer Zeit ist angesagt. Die jüngere Generation kennt es ja gar nicht mehr anders, stellt diese Dinge auch nur selten in Frage (wenn überhaupt). Da ich noch die früheren Zeiten kenne, wo es noch keine E-Mails, sondern Schriftstücke gab, die getippt und mit der Hauspost verschickt wurden (was dann Tage dauerte!), sehe ich diese Entwicklungen noch mit anderen Augen und daher viel kritischer. Deshalb gefallen mir auch solche Sätze im Buch besonders gut wie "Manchmal wunderte er sich, dass sich die Menschen nicht mehr wunderten.". Man kann in diesem Buch über die Ereignisse und die Marotten des Protagonisten Westermann schmunzeln. Manche Personen sind mir etwas arg überdreht, wie der Schriftstellersohn Höfer. Westermanns Mutter wird mir etwas zu klischeehaft dargestellt, als sie sich mit über 80 Jahren einen PC anschafft und noch das "Internetz" kennenlernen möchte. Witzig fand ich allerdings, als sie ihrem Router, der nicht so recht in Gang kommen will, eine Reiki-Behandlung verpaßt. Die Story ist flott geschrieben und angenehm zu lesen, da sie keine unnötigen Längen hat. Für mich trifft dieses Buch wirklich sehr gut den "digitalen Zeitgeist" und es hält sowohl der IT-Branche als auch dem Leser sehr schön und augenzwinkernd den Spiegel vor.

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    • 2
  • Wer ist hier verrückt?

    Die Insassen
    parden

    parden

    WER IST HIER VERRÜCKT? Drei Insassen der Nervenklinik St. Ägidius bringen ihre Anstalt zunächst auf Kurs und anschließend an die Börse. Schließlich sind sie vom Fach - handelt es sich doch um drei ehemalige Topmanager. Ohnehin ist Exfinanzvorstand Dr. Wilhelm Löhring überzeugt, die Klinik sei seine eigene Firma und forciert eisern den Börsengang von Station 4. Die als Chefsekretärin angeheuerte Patientin, traumatisiert von ebendiesem Beruf, rutscht sofort wieder in ihre alte Rolle. Oder? Dass das Finanzgewerbe stressig ist und die Topmanager fast ständig unter Anspannung stehen, macht Katharina Münk hier auf eine ganz eigene Weise deutlich. In der Nervenklinik St. Ägidius treffen drei von ihnen aufeinander - jeder aus einem anderen Grund dort, doch alle letztlich geschafft von den hohen Anforderungen des Berufs. Keith Winter fühlt sich durch das ständige Reisen, die zahllosen Meetings, das ununterbrochene Auswerten von Zahlen und Daten zunehmend von Reizen überflutet und entkommt ihnen nur noch durch Hilfsmittel wie Sonnenbrille oder eine künstlich stilisierte Arroganz, doch die Energie, die diese Versuche der Reizflucht kostet, wird zunehmend höher. So reicht letztlich ein unvorhergesehener Stau und ein dysfunktionales Navigationsgerät, das sinnfrei auf Winter einzuplappern beginnt, um ihn schließlich an den Seitenstreifen heranfahren, aussteigen, und vollkommen außer sich auf das Gerät eintreten zu lassen. Danach setzt er sich ohne Schuhe an den Seitenstreifen und wartet einfach ab. Endstation: St. Ägidius. Seine Verlegung ins Einbett-Privatzimmer tangierte ihn kaum, denn er war schon lange vorher völlig allein mit sich gewesen - privater ging's nicht mehr. Aber eines tat er dann doch: Er nahm sein Blackberry, öffnete es, entnahm die SIM-Karte und schluckte sie mit einem großen Schluck Wasser hinunter. Hunderte von Daten strömten durch seine Kehle. Er ließ sich wieder auf das Kissen fallen, in der Gewissheit, seine Ruhe zu haben. (S. 28) Dr. Wilhelm Löhring reagiert sehr irritiert und zunehmend ungehalten, als er eines Morgens seinen Schreibtisch leer vorfindet, seine Sekretärin ihm seinen Morgenkaffee nicht bringt und Arbeitsgeräte wie der PC verschwunden sind. Weder im Guten noch im Bösen vermag er etwas an der Situation zu ändern, und als ihm eröffnet wird, dass er am Vortag schließlich verabschiedet worden sei, argwöhnt Löhring ein übles Komplott. Erst seiner Frau gelingt es, ihn halbwegs zu beruhigen und ihn an eine neue 'Wirkungsstätte' zu bringen: St. Ägidius. "Ach, Lore, sollen wir es nicht auch noch einmal miteinander versuchen?" --- "Nein, Wilhelm, ich glaube nicht. Siehst du, du hast schon vor Jahren die Zeit verloren, dann die Nerven, bald darauf ganz langsam die Liebe und nun eben auch den Verstand. Du musst erst einmal nur an dich denken." (S. 24) Hubert Wienkamp ist dagegen nicht zum ersten Mal in der Nervenheilanstalt. Der frühere Personalchef eines großen Beratungsunternehmens hat vor lauter Stress, Eheproblemen und Alkohol ein amnestisches Syndrom entwickelt. Zwanzig Jahre seines Lebens sind ihm nicht erinnerlich, und auch im Alltag vergisst er schon mal das ein oder andere... "Der wirkt aber gar nicht wie ein Topmanager. Hat was Nettes an sich." --- "Kein Wunder. Er hat einfach alle unerfreulichen Daten von seiner Festplatte gelöscht und einen Gutmenschen aus sich gemacht, hat sich neu erfunden (...) Du kannst davon ausgehen, dass Wienkamp früher so schrecklich war, wie er jetzt vorgibt, gut zu sein." (S. 51) Diese drei ehemaligen Topmanager treffen in St. Ägidius zwangsläufig aufeinander, und angestoßen durch den unermüdlichen Löhring, der nur noch für das Finanzwesen zu leben scheint und dessen Verdrängung der Realität umwerfend gut funktioniert, beschließen sie schließlich, jeder aus einer anderen Motivation heraus, die Angelegenheiten der Klinik selbst in die Hand zu nehmen und gar an die Börse zu gehen. Zur Hand geht ihnen dabei eine an Burnout leidende Chefsekretärin, die für die Unterlagen und die Regelung der Abläufe zuständig ist. Ein wahnsinniges Unterfangen? Katharina Münk ist das Pseudonym einer ehemaligen Chefsekretärin, die international orientiert für Dax-Unternehmen, Kreativschmieden und mittelständische Unternehmen gearbeitet hat. Dass ihr die fachlichen Begrifflichkeiten geläufig sind, stellt sie hier eindrucksvoll unter Beweis. Abgesehen davon bot ihr das Schreiben dieses Romans wohl die Möglichkeit, auf humorvoll-satirische Art und Weise mit den Erlebnissen im Büro sowie dem egomanen Gehabe manchem Chefs abzurechnen - und darzulegen, wie nahe Normalität und Wahnsinn doch zusammenligen. Die selbstgefällige Managermentalität nimmt hier einen breiten Raum ein, und deutlich wird, wie leicht es zu sein scheint, mit ausreichend Selbstbewusstsein, dem passenden Vokabular, den richtigen Beziehungen und einigen kleinen zusätzlichen Kniffen einen vollkommen aus der Luft gegriffenen Bösengang zu initiiieren. Und alle spielen mit. Wer also ist hier verrückt? Wenn Löhrings Böersenpläne hier und jetzt funktionierten, hinter verschlossenen Türen und mit dieser völlig irren Ménage à trois, seine Person eingeschlossen, dann würde er endgültig wissen, wie bekoppt die Welt war, in der er bisher gelebt hatte. Und wenn sein Verdacht sich bestätigte, dann wollte er lieber hierbleiben, als dorthin zurückkehren. (S. 132) Schwarzhumorig, satirisch, unterhaltsam - so habe ich das Buch empfunden. Die Charaktere waren sehr klischeehaft, etwas anderes hätte hier m.E. aber auch nicht gepasst. Der Schreibstil war flüssig und sehr eingängig. Manche Szenen brachten mich zum Lachen, andere sah ich nahezu bildlich vor mir und ich fragte mich... Und tatsächlich: das Buch wurde auch verfilmt und hatte im September 2015 TV-Premiere. Ist natürlich wieder vollkommen an mir vorbeigegangen. Aber nun werde ich sicher nach dem Film Ausschau halten. Empfehlenswert für alle, die schwarzem Humor und Satiren gegenüber nicht abgeneigt sind. © Parden

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  • Back to the Roots

    Westermann und Fräulein Gabriele
    hasirasi2

    hasirasi2

    25. December 2015 um 22:54

    Inhaltsangabe: Richard Westermann, IT-Vorstand mit einer Schwäche für Friedhöfe, verguckt sich bei der Beisetzung des Schriftstellers Höfer in dessen Schreibmaschine – kurz darauf zieht das Modell › Gabriele ‹ ein in sein Leben. Als man Westermann dann einen jungen Kollegen als ›Vorstand Data‹ vor die Nase setzt, holt er zum Gegenschlag aus. Er tauscht seinen Rechner gegen Gabriele. Sein betriebliches Umfeld hält das für ein Ablenkungsmanöver von seinem eigentlichen Auftrag: der Entwicklung einer ausspähsicheren Krypto-Box. Im Nu stellen Westermann und ›Gabriele‹ den Konzernalltag auf den Kopf. Während Westermann in die entschleunigte analoge Welt eintaucht, geht seine 80-jährige Mutter den umgekehrten Weg: online. Obwohl ich das Buch an sich gut fand, ließ es sich schwer lesen. Mich störte der Wechsel zwischen der Langsamkeit (Westermanns Privatleben und wenn er an Gabriele schreibt) und der Stresssituationen in seiner Firma. Generelle fehlte mir einfach Spannung, aber ich denke, dass wollte die Autorin genau so erreichen. Dafür glänzt das Buch durch tiefgründigen, hintersinnigen Humor, Wortwitz und sehr intelligent Wortspiele („Such, Maschine“). Vor allem die Personen haben mir sehr gut gefallen. Sie sind sehr lebendig und skurril und durch sie / von ihnen lebt der Roman. Westermann ist Vorstand in einer IT-Firma und arbeitet gerade an einem Projekt, dass eine sicher Cloud für Benutzer entwickeln will, scheint aber selber an einer „Netzphobie“ zu leiden. Das geht so weit, dass er sich eine super-abschirmende Handytasche angeschafft hat und privat nie ins Netz geht. Als er bei einer Beerdigung eine Schreibmaschine entdeckt ist ihm sofort klar: das ist die Lösung für sein Problem. Seine Mutter Yolande entdeckt hingegen mit 82 endlich das Internet für sich (was hat sie schon noch zu verlieren). Sie will endlich im Hier- und Jetzt ankommen und kämpft mit dem Computer im Allgemeinen und ihrem Internetanbieter im Besonderen. Sie versucht auch schon mal, WLan-Probleme mit Reiki zu lösen. Westermanns Sohn Paul ist nicht der typische Jugendliche – er sammelt Geräusche, die langsam aus dem Alltag verschwinden und hat sogar eine Website dazu eingerichtet. Er ist von Gabrieles Handhabung ganz fasziniert: „Weißt Du, dass ist wie durch Schlamm zu stapfen beim Schreiben. Herrlich.“ Als Westermanns erste Sekretärin kündigt, weil sie keine Schreibmaschinen-Seiten kopieren und austragen will („Sie tun ja gerade so, als hätte ich sie aufgefordert, mit einer Ladung Schriftrollen ins nächste Fürstentum zu reiten!“), kommt Erika ins Spiel - also eine echte Frau, keine Schreibmaschine. Sie ist noch vom alten Schlag und gibt ihm ganz schön Kontra, fordert und unterstütz ihn: „Für das gelebte Leben gibt es weder Korrekturband noch Escape-Taste ...“. Sie ist ein wunderbarer Gegenpart zu ihm, der von seiner eigenen Idee mehr oder weniger überholt wurde und sich der Konsequenzen immer erst hinterher bewusst wird. Ein weiteres Unikat ist sein neuer junger Vorgesetzter. Er war natürlich lange beim Marktführer in Amerika, will alles umstrukturieren und predigt Open Space. Also schlägt Westermann ihn also mit seinen eigenen Waffen und verlegt die Meetings gemeinsamen auf eine Picknickdecke unter einen Baum. Er sagt ihm auch recht klar, was er von ihm hält: „LSD. Lesen, Schreiben, Denken. Sollten sie auch mal ausprobieren ...“ Genial fand ich auch den Schreibmaschinenverkäufer. Ein Berliner Original mit Berliner Schnauze. „Gabriele“. „36 cm und 17 Kilo – Herzlichen Glückwunsch“. Fazit: Ich kann das Buch nicht wirklich einordnen. Es war mir nicht fesselnd genug. Die Sprache und die Wortspiele und Sprüche fand ich aber sehr gut. Ein weiteres Highlight ist die immer wieder auftauchende Schreibmaschinenschrift.

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  • Katharina Münk - Westermann und Fräulein Gabriele

    Westermann und Fräulein Gabriele
    StSchWHV

    StSchWHV

    20. December 2015 um 11:02

    5-Sterne für einen einzigartigen Charakter, einen absolut aktuellen Plot, große Schreibkunst und ein fabelhaftes Lese-Erlebnis. Der IT-Vorstand Richard Westermann zieht den Stecker. Auch aus beruflichen Gründen! Denn es hat sich herausgestellt, das manche Projekte so geheim und gleichzeitig von der Konkurrenz begehrt sind, das man sie nur noch einer Schreibmaschine anvertrauen kann. Die ist nämlich ausspähsicher. Einen derartigen digitalen Ausstieg kann aber nur jemand wie Westermann auf die Beine stellen. Kauzig und selbstbestimmt, schlendert er von einer skurrilen Alltagssituation in die nächste und lässt sich ungern beirren. Ist dabei unglaublich unterhaltsam und - ja - nicht selten erkennt man sich in seinen schrulligen Marotten wieder! Westermann ist eine echte Lese-Empfehlung! Und zwar für alle, die sich hin und wieder selbst schon mal fragen, was die Welt alles so über einen weiß, nachdem man bei Amazon geshoppt und kurz darauf Werbung zu genau dem richtigen Produkt eingeblendet bekommen hat. Und mit einem Schlag ist Gabriele, die Schreibmaschine, mehr als eine Schreibmaschine. Sie ist "Freiheit", um mal auf eine von Westermanns Ideen zurückzugreifen! Überdies empfehle ich die gedruckte Version des Buches! Versteht sich von selbst, nicht wahr?

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