Katharina Ohana Ich, Rabentochter

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Inhaltsangabe zu „Ich, Rabentochter“ von Katharina Ohana

Der literarisch eindrückliche Lebensbericht einer starken Frau - von den angstvollen Schattenseiten der Seele hin zu einem selbstbestimmten Leben: "Kindheit war schon immer ein gefährlicher Ort, selten verlässt ihn jemand unbeschadet." Wenn Katharina Ohana als Kind von der Schule heimkam, "roch es manchmal nach Essen, manchmal nach Ärger und manchmal nach Depression, denn die Familie wurde von einem schrecklichen Drachen beherrscht, der meistens in einer Höhle schlief und von Zeit zu Zeit anfing, sein Unwesen zu treiben." Mit großer Sprachkraft und eindrucksvollen Bildern beschreibt sie die Befreiung von den Traumata ihrer Familie. Ihr beeindruckendes Fazit lautet: "Es geht nicht um die Frage der Schuld, sondern vielmehr um tiefes Verstehen und die Verantwortung für das eigene Leben."

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  • Der Tod als Medizin

    Ich, Rabentochter

    jamal_tuschick

    06. January 2015 um 11:47

    Katharina Ohana erkennt den Zusammenhang von transgenerationeller Trauma-Weitergabe und Depression  „Beißhemmungen hatten in unserer Familie nur die Hunde.“ Die Mutter hatte ein Flüchtlingsschicksal. Die Katastrophen ihrer Kindheit machten sie zur Katastrophe für ihre Kinder. Ein Turbo der Verdrängung beschleunigte sie. In ihren manischen Phasen bot sie der Fürsorglichkeit ein Muster. Verminderte sich die Verdrängungsenergie, entglitt sie sich. Das Kind Katharina erlebte Symptome einer Krankheit, die nie diagnostiziert wurde. Die Mutter war Borderlinerin, Katharinas Großmutter hatte die Hilflosigkeit eines Flüchtlings in Erziehungskälte verwandelt. Nun erschien sie Katharina als arme Irre, die auf dem Ozean der Depression wie in einer Nussschale schaukelte. Alles konnte sie jederzeit aus der Fassung bringen, mit dieser Anfälligkeit verstörte sie die erzählende Tochter. „Kindheit war schon immer ein gefährlicher Ort“, schreibt Katharina Ohana. „Ich, Rabentochter“ ist ein ungeheuerliches Buch, die Autorin verstößt gegen das Gesetz der Omertà, indem sie die eigene Familie zum Beispiel nimmt. Der Vater floh vor dem Furor seiner Frau in den Wald und gab den Rückzug als Beruf an. Er war Förster im Taunus. Vor diesen Höhen endet die Lieblichkeit der Rheinmainsenke. Katharina fand da einen „Wunschbach“, sie entließ sich in die Fantasie. Mit Krankheiten versuchte sie, den Dämon der Mutter in Schach zu halten. War Katharina krank, konnte sich die Mutter wie eine Gesunde verhalten. Auf ihrer Flucht in die Höhle/Hölle des imaginierten Selbst passierte Katharina die Stationen Kloster- und Karateschule. In diesem doppelten Instanzenzug kristallisierte sich Enttäuschung als zentrale Erfahrung heraus. Der wichtigste Mann im Leben der Heranwachsenden war Karatemeister. Katharina idealisierte ihn, er vergriff sich an ihr. Ein ohnehin beschädigtes Frauenbild fiel aus dem Rahmen und zerbrach. „Amöbenhaft passte sich meine Fantasie meinen Erfahrungen an“. Eine Modelkarriere kürzte Katharina ab. Vom Selbstmord blieben nur die Versuche als Erinnerung. Erst war der Tod „ein flotter Italiener“ (in Katharinas Traumwelt) und dann eine Medizin, die zum Glück nicht wirkte. Eine Therapie in Frankfurt am Main erschloss ihr schließlich die Crux ihrer Existenz. Die Autorin erkannte: „Es war 1945 nicht vorbei.“ An einer Stelle zitiert sie Heine: „Ein Charakter entsteht durch ein System stereotyper Grundsätze. Sind letztere irrig, so wird das ganze Leben desjenigen Menschen, der sie systematisch in seinem Geiste aufstellt, nur ein großer, langer Irrtum sein.“ So ist das, es gibt kein richtiges Leben im falschen. Aber es gibt ein richtiges Leben. Ich-Stärke gewann Katharina, sobald sie begriff, dass in ihr ein Krieg ohne Schlacht stattfand. Dass sie Erfahrungen verarbeiten musste, die sie gar nicht gemacht hatte.     Katharina Ohana, „Ich, Rabentochter“, Nymphenburger, München 2006, 183 Seiten, 10 Euro

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