Hörbuchrezension / The Warm Hands of Ghosts
Der Erster Weltkrieg. Ein Soldat namens Freddie wird mit seinem Feind in einem Bunker verschüttet. Seine Schwester Laura erhält später die Uniform des Bruders und hält ihn für tot. Auf der Suche nach der Wahrheit reist sie nach Flandern und stößt auf Gerüchte über Geister, verruchte Orte und einen geheimnisvollen Mann, der die Erinnerungen an das Grauen auslöschen kann.
Manchmal reicht ein Titel, um mich sofort zu für sich zu gewinnen. „The Warm Hands of Ghosts“ von Katherine Arden ist so ein Fall gewesen. Zusammen mit dem Klappentext war ich eigentlich sofort verloren
Die mythischen Elemente schleichen sich zunächst ganz leise in die Handlung ein. Besonders spannend fand ich, dass hier weniger klassische Märchen oder antike Mythen im Mittelpunkt stehen, sondern eher christlich-apokalyptische Motive. Man muss keines dieser Werke kennen, um die Geschichte voll genießen zu können. Gerade für einen Roman über den Ersten Weltkrieg passt diese Art von Mythologie erstaunlich gut.
Die Hauptfigur Laura hat mich überzeugt. Sie ist pragmatisch, schroff und irgendwie zäh, kein Wunder, schließlich war sie jahrelang Kriegskrankenschwester. Überhaupt sind alle Figuren vom Krieg gezeichnet, aber nie auf ihre Traumata reduziert. Sie dürfen müde, gereizt, widersprüchlich und menschlich sein. Genau das macht sie so glaubwürdig.
Ardens Sprache ist poetisch, ohne je überladen zu wirken. Sie lässt den Ersten Weltkrieg erschreckend lebendig werden, erzählt von Trauma, Liebe und Verlust, ohne dabei hoffnungslos oder deprimierend zu werden. Besonders beeindruckend fand ich, wie deutlich sie zeigt, dass der Krieg die Welt unwiderruflich verändert hat, und dass für die Menschen, die ihn erlebt haben, eine klare Grenze zwischen dem „Davor“ und dem „Danach“ existiert.
Ein schönes, bewegendes Buch, das mir als Hörbuch sehr gefallen hat, durch die Stimmen gab es hier eine ganz andere Verbindung zu den Protagonist*en. Daher von mir eine klare Empfehlung.
























