Katherine Dunn Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

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Inhaltsangabe zu „Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie“ von Katherine Dunn

Wie viele der großen Romane der Moderne erzählt auch dieses Kultbuch die Geschichte einer Familie. Arturo, der Fischjunge, Iphy und Elly, die siamesischen Zwillinge, das Nesthäkchen Chick und Oly, die bucklige Albino-Zwergin: die Binewskis sind die absonderlichste Verwandtschaft, die man sich vorstellen kann. Doch ihre Probleme kennen wir alle. Geschwisterliebe und -konkurrenz, die Anerkennung der Eltern, unsere Vorstellung von „Selbst“ und dem „Anderen“, normal und unnormal. Dann nimmt Artys Größenwahn Überhand und der Caravan der Binewskis steuert auf eine schreckliche Katastrophe zu.

Kein Buch, was ich jedem dringend ans Herz legen würde, aber wenn man gerade Lust auf Absonderlichstes hat, ist man hier bestens bedient.

— sursulapitschi

Schaurig und ekelige Erzählung. Dennoch sehr interessant und faszinierend.

— Ronja-Melina

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  • Bizarre Geschichte mit tiefschwarzem Humor

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    sursulapitschi

    25. August 2017 um 12:05

    „Binewskis, Verfall einer radioaktiven Familie“ ist ein Titel, der vielleicht so verrückt wie dieses Buch ist. Der englische Titel „Geek love“ passt allerdings viel besser. Radioaktiv ist hier gar nichts, unglaublich schräg bis zur Geschmacksgrenze eigentlich alles.Es um Geeks und um die Binewsiks, eine Zirkusfamilie mit Tradition, die stolz darauf ist, anders zu sein. Tatsächlich haben Al und Lil Binewski, unter gezieltem Einsatz von Drogen, Kinder mit speziellen Fähigkeiten gezüchtet. Arty hat Flossen statt Armen und Beinen, die Zwillinge Iphy und Ellie sind siamesische Zwillinge und Olympia ist ein zwergwüchsiger Albino mit Buckel. Olympia erzählt die Geschichte ihrer Familie, die Andersartigkeit für ein Privileg hält, „Normale“ bedauert und es sogar geschafft hat, eine Art religiösen Kult zu gründen, der beinhaltet, dass sich die Anhänger freudig Körperteile amputieren lassen, um auch anders zu sein.Die Idee ist höchst spannend. Wie würde eine Welt aussehen, in der eine Behinderung als Maßstab für gesellschaftliches Ansehen gilt? Je exotischer, desto besser. Die Konsequenz, mit der diese Idee hier durchgespielt wird, hat allerdings einen hohen Ekelfaktor. Die Autorin lässt nichts aus und legt immer noch eine Schippe drauf, in exquisitem Erzählstil, der bisweilen auch bizarr philosophische Züge hat:„Sind Elefantenfürze etwas Großes? Etwas Großes im Hinblick auf die Qualen des Elefanten? Oder im Hinblick auf die Erleichterung, die es dem Elefanten beim Entweichen verschafft? Oder ist es vielleicht nur etwas Großes, wenn es im selben Moment entzündet wird und die daraus resultierende Explosion zum Antrieb einer Turbine genutzt wird? Ist ein Elefantenfurz an und für sich etwas Großes? Oder nur in seiner Wirkung?“Dieses Buch ist anders. Lange fragt man sich, was liest man hier eigentlich? Das Geschehen ist bizarr. Zarte Gemüter können es auch geschmacklos finden. Trotzdem übt es eine seltsame Faszination aus, wenn man sich darauf einlässt. Hier wird man an die Grenzen gebracht. Was ist Schönheit? Ist Schönheit erstrebenswert oder vielleicht eher hinderlich? Auf jeden Fall liegt sie im Auge des Betrachters.Es ist kein Buch, was ich jedem dringend ans Herz legen würde, aber wenn man gerade Lust auf Absonderlichstes hat, ist man hier bestens bedient. Eine irre Geschichte, schrägste Gestalten und allerschwärzester Humor.

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  • Faszinierend. Abgründig. Abstoßend. Wunderbar!

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Code-between-lines

    10. January 2015 um 17:57

    Zum Inhalt: Der Roman „Binewskis: Verfall einer radioaktiven Familie“ erschien im Original bereits im Jahr 1989 in Amerika. Bis Monika Schmalz 2014 endlich mit dem Gerücht – das Werk sei nicht übersetzbar – aufräumte, und uns so Katherine Dunn’s Meisterwerk auch in der deutschen Übersetzung schenkte, erschienen 2014 im Berlin Verlag. Worum geht es? Der Roman erzählt eine Familiengeschichte. Familienoberhaupt Aloysius „Al“ Binewski, nach eigener Auskunft „schönster Mann der Welt“, ist in einem Wanderzirkus aufgewachsen. Als das fahrende Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gerät, überlegen sich Al und seine Frau, die wunderschöne Crystal Lil, eine „wässrig-kühle Bostoner Aristokratin“ mit „sternenfunkelnden Haaren“ eine besondere Lösung: sie experimentieren mit einem wechselnden Cocktail von radioaktiven Substanzen, rezeptpflichtigen Medikamenten, Drogen, Insektiziden und derlei mehr, um sich über die Jahre ihre eigene, genetisch mutierte Freak-Show heranzuzüchten. Als Ergebnis kommen dabei die „Traumkindchen“ der Binewskis heraus: als Erstgeborener Arturo, genannt „Arty“ oder Aqua Boy. Statt Gliedmaßen hat Arty Flossen und ist damit eine ziemliche Attraktion im Zirkus der Binewskis. Es folgen die siamesischen Zwillinge Iphigenia und  Electra, genannt „Iphy“ und „Elly“, der bucklige Albino-Zwerg Olympia, sowie Nesthäkchen Fortunato, der jedoch von allen nur „Chick“ gerufen wird. Chick ist das einzige der Kinder welches, v.a. in den Augen von Al und Lil, erschreckend normal aussieht. Kurz bevor sie ihn deswegen an der nächsten Tankstelle aussetzen, wendet sich das Blatt für Chick und seine Eltern erkennen, dass ihr jüngster Sohn aufgrund einer speziellen Gabe ihr Meisterstück sein könnte. Und nicht alle Experimente der Eltern Binewski glücken – davon zeugen diverse Totgeburten oder Kinder, die nur kurze Zeit gelebt haben und, eingelegt in Formaldehyd-gefüllten Gläsern, in einem separaten Caravan zur Schau gestellt werden. Schon früh lernen die Binewski-Kinder, dass Abweichen von der Norm Trumpf ist – sichert es doch die Anerkennung der Eltern, das Klingeln der Zirkuskassen und eine eigene Fangemeinde im Publikum. So hadert auch Olympia, die außer ihrem Albino-Teint, der Zwergwüchsigkeit und ihrem Buckel nichts vorzuweisen hat, mir ihrem Äußeren: „Ich habe mir gewünscht, ich hätte zwei Köpfe. Oder dass ich unsichtbar wäre. Ich habe mir einen Fischschwanz gewünscht. Ich habe mir gewünscht, besonderer zu sein.“ Kein Wunder also, dass die Binewski-Kinder, allen voran Arty, untereinander um die Gunst der Eltern und des Publikums buhlen. Besonders Arty sichert sich auf höchst grausame und rücksichtslose Art seinen Platz als unangefochtene Nummer 1 unter den Geschwistern, sondern schart mit der Zeit sogar eine eigene Jüngerschaft – die Arturo-Sekte – um sich. Als seine Gefolgschaft immer größer wird, verfällt er dem Größenwahn und die ganze Familie steuert auf einen sich unaufhaltsam nähernden Abhang zu. Erzählt wird die Geschichte auf zwei unterschiedlichen Ebenen von Olympia, dem dritten oder vierten Kind der Binewskis,“ je nachdem, ob man Köpfe oder Hinterteile zählt“. Während sie auf der ersten Erzählebene das Familienleben der Binewskis, das Verhältnis der Geschwister untereinander und ihre eigene, höchst merkwürdige Beziehung zu ihrem Bruder Arturo schildert, liegen die Jahre des Familienlebens im Wanderzirkus auf der zweiten Erzählebene („Jetztzeit-Notizen“) bereits über 20  Jahre zurück. In der Jetztzeit lebt Olympia mit ihrer Mutter Lil, sowie ihrer eigenen Tochter Miranda gemeinsam in einem Haus in Portland. Genauso wenig, wie Lil noch weiß, dass Olympia ihre Tochter ist, ist sich Miranda darüber bewusst, die Tochter von Olympia zu sein. Und Olympia selbst hat gute Gründe, daran nichts zu ändern. Der vorliegende Roman ist der Brief Olympias an ihre Tochter Miranda, in welchem sie ihr schließlich von ihrer Abstammung und der Geschichte ihrer Familie erzählt. Eigene Meinung: Lange war ich ratlos, wie ich die Rezension zu diesem höchst ungewöhnlichen Buch verfassen sollte. Es fällt mir schwer, all die unterschiedlichen Aspekte, die dieses Buch besonders und bemerkenswert machen, und die dabei so unglaublich stimmig zu einem großen Ganzen verwoben sind, hervorzuheben. Das Buch ist Vieles – es ist ein Lesegenuss, es ist aufrüttelnd, es ist ironisch, unterhaltsam, gleichzeitig aber auch abgründig, verstörend, befremdlich, und oftmals auch abstoßend. Alles scheint auf den Kopf gestellt, nicht nur das Schönheitsideal und nicht nur die Definition von Normal und Besonders. Sondern eigentlich alle bürgerlichen Werte, auch der Begriff von elterlicher Fürsorge und Verantwortung. Die Autorin schrieb 17 Jahre an ihrem Werk, und dabei ist ihr eine auf den Punkt komponierte, scharfsinnige und faszinierende Gesellschafts-Kritik gelungen. Zwischen all dem Popcorn und Zirkusflitter geht es um den Wahnsinn, mit dem Menschen sich gegenseitig beurteilen, nach Dingen streben, die sie nicht sind, sich verbiegen, verrenken, im Streben nach Anerkennung und dem  schönen Schein. Indem Katherine Dunn das „Unnormale“, das, was wir gewöhnlich als „krank“ oder hässlich bezeichnen, als das Erstrebenswerte darstellt, indem sie die Anhänger der Arturo-Sekte sich selbst verstümmeln lässt, um ihrem gliedmaßen-losen Idol so nahe wie möglich zu kommen, hält sie der oftmals grenzen- und kopflos nach Äußerlichkeiten und Ansehen strebenden Gesellschaft einen Spiegel vor.  Damit ist ihr Buch sowohl 1989, dem Jahr, in dem es in den USA erschien, als auch in unserer heutigen Gesellschaft, von großer Relevanz. Die Geschichte selbst hat mich fasziniert, wie nur wenige zuvor. Ich habe das Buch in wenigen Tagen verschlungen, und so oft ich gedacht habe, dass es jetzt nicht mehr krasser kommen kann, so oft wurde ich eines besseren belehrt. Dabei betreibt die Autorin keine Effekthascherei , sondern zieht den Leser durch seine skurrilen und oftmals dennoch sehr nachvollziehbare Charaktere, die sich rücksichtslos, tabu-brechend und oftmals grotesk verhalten, immer tiefer in die Welt des Wanderzirkus Binewski. Katherine Dunn gibt ihren Lesern Zuckerbrot und Peitsche, indem sie zum einen sehr stimmungsvoll und teilweise auch melancholisch die wundersame Zirkuswelt beschreibt, in der die Familie Binewski immer zusammen und doch allein ist „Wir waren ein Wanderzirkus und lebten mit dem Gezeitenstrom der Gesichter, die auftauchten, anheuerten, ein paar tausend Meilen blieben und dann eines Tages verschwunden waren. Wir Binewskis blieben unter uns. Nur die Familie war immer gleich.“ Zum anderen stößt sie den Leser immer wieder durch die rücksichtslos geschilderten Szenen und Tabubrüche vor den Kopf, lässt die Lesermoral in nahezu jedem Kapitel tiefe Schrammen bekommen. Dieses Buch bekommt von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung! Es ist intelligent und mitreißend geschrieben, es prangert an, erhebt dabei aber niemals den Zeigefinger, sondern schüttelt den Leser einmal gründlich durch und verändert den eigenen Blick auf  Andersartigkeit und Moral!

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  • Die LovelyBooks Themenchallenge 2015

    Das Schloss der Träumenden Bücher

    Daniliesing

    Ihr lest gern Bücher aus den verschiedensten Genres? Ihr sucht nach einer Leseherausforderung für 2015? Dann seid ihr hier genau richtig! Der Ablauf ist ganz einfach: Bei der Themen-Challenge geht es darum, passend zu 40 vorgegebenen Themen mindestens 20, 30 oder 40 Bücher aus 20, 30 oder 40 unterschiedlichen Themen zu lesen. Ihr könnt euch selbst als Ziel stecken, ob es 20, 30 oder 40 Bücher werden sollen. Bitte gebt dieses Ziel bei der Anmeldung mit an. Bitte sammelt alle eure gelesenen Bücher mit den passenden Themen in einem einzelnen Beitrag, den ich oben in einer Teilnehmerliste bei eurem Namen verlinken werde. Schickt mir dazu eine Nachricht mit dem Link zu eurem Sammelbeitrag! Wenn ihr ein Thema erfüllt habt, schreibt in diesem Sammelbeitrag, mit welchem Buch ihr das geschafft habt und postet einen Link zu eurer Rezension oder aber verfasst eine Kurzmeinung auf der Buchseite und teilt dann den Link zur Lesestatus-Seite, auf der auch die Kurzmeinung zu finden ist, mit uns. Diese Challenge läuft vom 1.1.2015 bis 31.12.2015. Alle Bücher, die in diesem Zeitraum und passend zu den Themen gelesen wurden, zählen. Es zählen Bücher aus allen Genres und mit allen Erscheinungsjahren, sofern sie die Themen erfüllen. Sie dürfen gern vom SuB (= Stapel ungelesener Bücher) oder neu gekauft, geschenkt bekommen oder geliehen sein. Man kann jederzeit noch in die Challenge einsteigen und auch passende Bücher zählen, die man zuvor im Jahr 2015 gelesen hat. Zu diesen Themen wollen wir passende Bücher lesen: Für jedes Thema gibt es ein extra Unterthema, in dem ihr euch über eure gelesenen oder eventuell dazu geplanten Bücher austauschen könnt. Ein Buch, in dem es um Bücher, Literatur und / oder das Lesen geht. Ein Buch, dessen Cover hauptsächlich (am besten ausschließlich) Schwarz und Weiß ist. Ein Buch, dessen Titel aus genau 2 Wörtern besteht. Ein Buch mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3 oder weniger Sternen auf LovelyBooks. (Das Buch muss mindestens 3 Bewertungen haben, es gilt der Zeitpunkt, zu dem du zu lesen beginnst.) Ein Buch von einem Bestsellerautor, von dem du selbst noch nie etwas gelesen hast. Ein Buch, das gedruckt bisher ausschließlich als Hardcover erschienen ist. Ein Buch, das in Asien, Südamerika oder Afrika spielt. Ein Buch mit mehr als 650 Seiten. Ein Buch mit einer jungen und einer älteren Hauptfigur, mindestens 40 Jahre Altersunterschied. Ein Buch, zu dem es auf LovelyBooks noch keine Rezension sowie keine Kurzmeinung gibt. (Es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns.) Ein Buch mit einen elektrischen Gegenstand auf dem Cover. Ein Buch, in dessen Buchtitel gegenteilige Wörter / Dinge genannt werden. Ein Buch von einem Autor, der bisher ausschließlich dieses eine Buch veröffentlicht hat. Ein Buch, das durch seinen Titel & sein Cover auf eine ganz bestimmte Jahreszeit hindeutet. Ein Buch, in dem mindestens 3 unterschiedliche fantastische Wesen vorkommen. Ein Buch das, egal ob im Original oder in der Übersetzung, einen Literaturpreis gewonnen hat. (Bitte den Namen des Preises mit angeben.) Ein kunterbuntes Buch. Ein Buch, dessen Buchtitel eine Aufforderung ist. Ein Buch, bei dem die Initialen des Autors 2 aufeinanderfolgenden Buchstaben im Alphabet entsprechen. Ein Buch, das erstmalig 2015 in dieser Sprache erschienen ist. Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast. (Bitte verrate auch von wem und zu welchem Anlass.) Ein Buch, in dem ein Tier von großer Bedeutung ist. Ein Buch mit Streifen auf dem Cover. Ein Buch, das eine Buchreihe abschließt. Ein Buch, das kein Roman ist. Ein Buch, das in einem Verlag erschienen ist, dessen Verlagsname mit dem selben Buchstaben beginnt oder endet wie dein Vor- oder Nickname. Bitte den Vornamen ggf. mit angeben ;) Ein Buch, in dessen Titel das Wort "Liebe" vorkommt. Eines der 5 Bücher, die schon am längsten ungelesen in deinem Regal stehen. (Falls du es weißt, verrate doch, wie lange du es schon besitzt.) Ein Buch, das für dich ein außergewöhnlich schönes Buchcover hat. Ein Buch, das verfilmt wurde oder sicher verfilmt wird. Ein illustriertes Buch. Es sollten richtige Zeichnungen und nicht nur Verzierungen am Seitenrand sein. Ein Buch, das zuerst auf Deutsch erschienen ist und ins Englische übersetzt wurde. Ein Buch, dessen Autor bereits verstorben ist. Ein Buch, das einen Monat im Buchtitel hat. Bitte lies das Buch auch in dem Monat, der im Titel vorkommt. Ein Buch, in dem es um Musik geht. Ein Buch, von dem du dachtest, du würdest es niemals lesen, weil es z.B. nicht deinen Lieblingsgenres entspricht. Ein Buch mit Blumen / Blüten auf dem Cover. Ein Buch, das eine Krankheit oder Behinderung thematisiert. (Bitte gab auch an welche!) Ein blutiges Buch. Ein Buch, in dessen Titel mindestens ein Wort aus einer anderen Sprache vorkommt. (Es darf nicht im deutschen Duden stehen.) Ich wünsche uns allen ganz viel Spaß & ich bin gespannt, welche Themen sich am leichtesten und welche als am schwierigsten heraustellen! Wer ist dabei? Ein paar zusätzliche Informationen: * Bezieht euch bei der Zuordnung des Buches zu einem der Themen immer auf die Ausgabe des Buches, die ihr selbst besitzt! * Sprache, Format etc. sind egal - auch Hörbücher gelten, außer es ist für das Thema von Bedeutung * Man kann diese Challenge mit anderen kombinieren, also auch Bücher hierfür und gleichzeitig für andere Challenges zählen. * Die Zuordnung der Bücher zu bestimmten Themen kann auch nachträglich noch geändert werden. * Wichtig ist, dass man das Buch 2015 beendet. Wann man es angefangen hat, ist egal. * Falls Bücher, die eine ISBN haben, noch bei LovelyBooks fehlen, geht in eure Bibliothek und sucht es oben unter "Bücher hinzufügen". Dort wählt ihr für deutschsprachige Bücher die Suche bei Amazon.de aus, für fremdsprachige alternativ Amazon.co.uk oder .com Die Challenge wird im Januar 2016 ausgewertet! Wer vorher sein Jahresziel erreicht hat, kann mir eine kurze Nachricht schreiben. Teilnehmer: 0VELVETVOICE0 19angelika63 (1/40) 78sunny (40 / 40) AberRush (30 / 30) Aduja 1(2/20) Aglaya (40 / 40) Agnes13 (40/40) Ajana (14/20) Alchemilla (1/40) Aleida (30 / 30) allegra (20 / 20) Alondria (22 / 20) Amaryllion (13/20) Amelien (19/20) ANATAL (31/30) andymichihelli (40/40) angi_stumpf (40 / 40) Aniday (36 / 30) Annilane (0/30) Anniu (16/30) anra1993 (33/40) Anruba (33/40) anybody (13/40) apfel94 (0/40) Arachn0phobiA (40 / 40) Aria_Buecher (15/40) Arizona (22/20) Ascheflocken (12/40) AuroraBorealis (14/20) Ayda (3/20) baans (8/30) Backfish (7/20) Bambi-Nini (25/20) ban-aislingeach Belicha (2/20) Bella233 (40 / 40) Bellis-Perennis (40 / 40) BethDolores (0/40) BiancaWoe (8/20) Bibliomania (32 / 30) Birgit1985 (20 / 20) black_horse (40 / 40) blauerklaus (24/20) Bluebell2004 (35/20) BlueSunset (36/30) bookgirl (30/40) Bookling (0/20) bookscout (33/30) Bookwormy (3/20) Bosni (21/20) buchfeemelanie (18/30) Buchgeborene (1/40) Buchgespenst (30 / 30) 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    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Buchstabenliebhaberin

      Die Binewskis. Ich kann kaum glauben, dass ich diese völlig durchgeknallte Truppe in mein Herz geschlossen habe. Unbemerkt haben sie sich eingeschlichen. Die Binewskis und Miss Lick haben mein Weltbild erschüttert, auf den Kopf gestellt und wieder gerade gerückt. Der Mensch braucht andere Menschen, braucht Liebe, Empathie, Verständnis. Die schönsten Menschen können einsam und unglücklich sein, ebenso wie die Klugen, die sich mit ihrem Geld keine Freundschaft kaufen können. Und wer dem Beautywahn und Leistungsdenken abschwört und sich von „Normalos“ abgrenzt – bekommt dafür keinen Sonderbonus. Von Gott, dem Schicksal oder wem auch immer.   Ja, die Geschichte ist unglaublich, grotesk, grausam. Ein kreativer Zirkusdirektor lernt eine feine Lady kennen, die sofort seinem Charme und der Magie der Zirkuswelt erliegt. Zusammen kreieren sie mit jedem neuen Baby neue Geschöpfe. Wer kennt sie nicht, die Geschichten der missgebildeten Menschen und Tiere, die es in früheren Zeiten im Zirkus angeblich zu bestaunen gab? Die Show der Superlative, dickste Frau der Welt, über und über behaarte Menschen, Ziegen mit zwei Köpfen?   In diesem Buch geht es ums Leben und Überleben. Zwischen den Zirkussen herrscht ein harter Konkurrenzkampf, die Besucher wollen etwas geboten bekommen. Das wissen die Binewskis, diesen Voyeurismus wollen sie bedienen. Zuerst lernte ich die Erzählerin Olympia Binewski, die Bucklige, kennen. Sie ist schon alt und lebt ein unspektakuläres Leben, weit weg vom Zirkusalltag ihrer Kindheit. Dieser erste Teil war etwas zäh, und ich fragt mich schon, woher der Hype um das Buch kommt.   Doch dann, im zweiten Teil, tauchte ich ab in die skurrile Familienwelt der Binewskis, die Eltern Al und Crystal Lil, die siamesischen Zwillinge Elly und Iphy, Aquaboy Arty, die Erzählerin Oly. Ihr Leben ist nicht ungefährlich, beim Ausflug ins Einkaufszentrum werden sie angeschossen, aus dem Krankenhaus entschwinden sie, bevor die Ärzte auf die Idee kommen, unangenehme Fragen zu den Missbildungen aller Kinder zu stellen. Ein weiteres besonderes Kind, Chic, kommt auf die Welt. Ein Experiment mit einem Pferd stellt die Weichen für die Zukunft der Binewskis.   Im dritten Teil geht es richtig rund! Arty Aquaboy, der Star der Familie, das „Masterbrain“, reißt die Herrschaft an sich. Baut ein Imperium Verstümmelter um sich auf, sorgt dafür, dass seine Schwestern ihn abgöttisch lieben. Die Familie steuert ihrem Höhepunkt und ihrem absoluten Tiefpunkt entgegen.   Im letzten Teil schließt sich der Kreis, wir begleiten Oly, die Zwergin dabei, wie sie sich um ihre verwirrte Mutter kümmert und aus sicherem Abstand über ihre fast normale Tochter wacht. Wir lernen Miss Lick und ihre Welt besser kennen. Sie ist eine abstoßend hässliche Superreiche, die sich ihre Welt nach ihren Vorstellungen gestaltet. Eine unglaublich traurige Gestalt. Die beiden, Oly und Miss Lick, lernen sich kennen. Doch eine Freundschaft? Unvorstellbar.   Die Begegnung zwischen Miss Lick und Oly hat mich sehr berührt. Hier offenbarte sich für mich dann auch die Quintessenz der Geschichte. Zwei Menschen, die anders sind als der große Rest der Menschheit. Die beide nie eine echte Freundschaft erlebt hatten. Bis sie sich kennenlernen. Beide genießen die Gegenwart der anderen, die Fürsorge und Aufmerksamkeit. Aber beide können nicht aus ihrer Haut, ein Happy End gibt es für die beiden nicht. Das hätte ich mir so sehr gewünscht. Aber ich verstehe, warum das nicht sein sollte.  Mein Fazit: Ich hatte leichte Startschwierigkeiten mit diesem Buch, doch dann ergriff es mich. Und wie. Dieses Buch macht etwas mit mir. Es bewegt mich, ich werde wohl noch eine Weile darüber nachdenken. „Aber ich hasste mich für diese Häme. Die Freude entsetzte mich. Wenn ich nun wirklich ein Ungeheuer war? Wenn sie nun wirklich sturzunglücklich waren und ich nicht mein Bestes tat, um zu helfen? Was würde das über mich aussagen?“ (Oly, S. 376) 4 von 5 Sternen, weil der Einstieg zäh war, und die Geschichte nicht unbedingt etwas für zarte Gemüter ist. Wobei das Buch vom mir eine absolute Leseempfehlung bekommt!

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  • Verfall ohne Sinn

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Maggi

    Der Anspruch, den dieses in den USA längst den Status eines Kultbuchs innehabende Werk an sich selbst stellt, die Vorerwartung die die Vermarktung und Gestaltung dieses Werkes weckt, ist innovativ. Es sollen gängige Denk- und Erzählmuster, die dem regelmäßigen Leser vertraute Charakterzeichnung durchbrochen werden und etwas Neues, noch nie dagewesenes geboten werden. Das Kultbuch aus den USA ist mit Jahrzehnten Verspätung, nun endlich ins Deutsche übertragen worden. All das sogt für gesteigerte Erwartungen, die ich an das Buch stellte. Was ich dann lesend entdecken konnte, ja oft musste, wurde diesen hohen Ansprüchen nicht gerecht. Ich möchte hier gar nicht viel zum Inhalt sagen, viel mehr, als die Kurzinformation vom Verlag muss man gar nicht wissen, um die Handlung zu skizzieren, wer dringend Details in Erfahrung bringen möchte, der möge sich eine der zahlreichen anderen Lesermeinungen, viele davon viel positiver als meine, zu Gemüte führen. Ich hatte viele Gedanken zu diesem Buch, aber es fällt mir schwer, diese sinnvoll zusammen zu fassen, sie zu sortieren und einzuordnen. Daher gebe ich in meiner Rezension mein Lesegefühl wieder, das ist mir bei einem so polarisierenden Werk auch wichtiger. Das Buch ist durchweg schockierend, absurd und grotesk. Soweit, so gut: Das wusste ich schon vorher, hatte mir gar eine intelligente, gekonnte Umsetzung erhofft, die durch diese Stilmittel etwas im Leser bewegt. Es bewegt sich auch etwas, ziemlich viel sogar, aber leider erheben sich diese Reaktionen nie über bloßen Ekel, bloßes Abgestoßen sein und das Gefühl, dass hier durchweg maßlos und wenig elegant übertrieben wird, hervor. Das Buch weicht ab vom Lesealltag, das könnte erfrischend sein, das hatte ich mir erhofft. Auch Schock ist in der Literatur zulässig. Ich will diese meine Meinung nicht unnötig hoch aufhängen und einen auf Moralapostel machen, indem ich darauf hinweise, dass der Schock doch auch zu etwas gut sein sollte. Aber das sollte er. Kunst, ergo auch die Literatur, kann durchaus für sich selbst stehen. Das soll so sein, muss so sein. Aber bei aller Freiheit der Kunst, muss doch auch am Ende etwas zurück bleiben! Über weite strecken des Buches habe ich darauf gewartet, dass es auch so kommt, ich habe es ernsthaft gehofft und das Buch bis zum bitteren Ende durchgezogen. Ich wurde auch immer wieder aus einer gewissen Lese-Lethargie heraus gerissen, das schafft das Buch. Mich hat das Buch immer wieder abwechselnd angezogen und abgestoßen, das war schon eine interessante Leseerfahrung, am Ende überwiegt das Abgestoßensein aber bei Weitem! Aber am Ende bleibt eben absolut nichts, als ein fahler, abgestandener Geschmack im Mund und die Enttäuschung, dass hier offenbar mehr Schein als Sein ist. Die Handlung schockiert immer wieder, jedoch bleibt am Ende das Gefühl, dass all die Provokationen zu absolut Nichts geführt haben, es gibt keine Moral, keinen Sinn hinter dieser Geschichte und ich konnte für mich nichts daraus ziehen. Es muss nicht immer die klassische Moral von der Geschicht sein, die ich erwarte, aber mehr als Leere sollte ein Buch bei mir hinterlassen, um mir zu gefallen. Nachdem ich die Geschichte zur Genüge habe sacken lassen und gründlich über meine Sternvergabe nachgesonnen habe, gebe ich insgesamt zwei Sterne für ein nicht schlecht geschriebenes Buch, das am Ende seinem Anspruch einfach nicht gerecht wird.

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    schokoloko29

    04. October 2014 um 08:02
  • Ein Roman, der gereift ist... Dieses Buch besitzt nicht nur Kultstatus, dieses Buch besitzt Mehrwert

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Floh

    Autorin Katherine Dunn hat sich bereits vor knapp 25 Jahren mit Ihrem Roman "Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie" , Originaltitel "Geek Love", in Amerika einen stark diskutierten Namen gemacht. Nun endlich dürfen sich auch deutsche Leser über eine Übersetzung in dem Verlegen im BerlinVerlag freuen. Katherine Dunn begibt sich mit "Binewskis" in die kranke und perfide Welt einer Familie, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Abnormalitäten zu Reichtum zu kommen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein überaus perfides Geschäftsmodell als Erfolgsgarant umzusetzen. Mit weitreichenden Folgen. Vielen intensiven Botschaften und man hofft, dass diese Abstrusitäten und Absonderlichkeiten niemals nie im echten Leben nur einen Gedanken wert sind. Erfolgt umzusetzen, koste es was es wolle... Starke Psychopathen und Soziopathen gibt es in fast jedem Thriller oder Buch, aber ich kann versichern, dass es in keinem so stark dominierende, besessene und verkorkste schon fast geniale Protagonisten gibt! Inhalt: "Arturo, der Fischjunge, ist der Star des Familienzirkus. Sein rhetorisches Talent begeistert die Zuschauer so sehr, dass sie ihn wie einen Gott verehren und alles geben würden, um zu werden wie er. Am meisten aber liebt ihn seine Schwester Olympia, sie steht auch dann noch zu ihm, als er die siamesischen Zwillinge gegeneinander aufbringt, als er skrupellos die magischen Fähigkeiten des Nesthäkchens Chick für seine Zwecke missbraucht. Es ist Olympia, die buckelige Albino-Zwergin, die uns von ihrer Familie erzählt, von ihren Eltern, die sich durch unfassbare Experimente eine genetisch mutierte Freakshow heranzüchten. Sie berichtet von Geschwisterliebe und -konkurrenz, vom Kampf um Anerkennung in einer Welt des Über-Besonderen. Als Arturo in seinem Größenwahn kaum mehr zu halten ist, entwickelt sich ein dramatisches Spiel zwischen fanatischer Hingabe und mörderischer Abscheu. Katherine Dunn hat einen die Grenzen sprengenden Roman geschrieben, der unseren Blick auf uns und unsere Gesellschaft verändert. Dutzende wunderlich-bezaubernde Figuren hinterfragen unsere Vorstellung von „Selbst“ und „dem Anderen“, normal und unnormal, Perfektion und Deformation. Was ist Schönheit? Und was ist die moderne Familie wert? Wie viele der großen Romane der Moderne erzählt auch dieses Buch die Geschichte einer Familie. Doch die Binewskis sind die absonderlichste Verwandtschaft, die man sich vorstellen kann – und sie stellen sich, nachdem dieser kühne Roman jahrzehntelang als unübersetzbar galt, nun endlich dem deutschsprachigen Publikum vor." Handlung: Alles fängt ganz unverfänglich an, mit Erzählungen einer der Zirkustöchter, Olympia. Olympia beginnt den Verfall der Familie Binewskis zu erzählen und schildert die weitreichenden Folgen von vor knapp 30 Jahren. Olympia , die Albino-Zwergin, stellt sich ihren Lesern vor und beginnt ihre Geschichte zu erzählen, wie das Schicksal ihrer Familie ihren Lauf nahm und was heute aus den Folgen geschehen ist. Diese Familiensaga sprengt einfach so jeden Rahmen. Unfassbares bekommt der Leser hier berichtet und kann gar nicht anders, als das Verhalten, die Aktionen und Hintergründe der einzelnen Mitglieder und Protagonisten zu durchdenken und zu beurteilen. Das Lesen stellt den Leser vor ungeahnten Aufgaben. Ein Buch der Superlative. Eine Autorin mit Hang zum Bizarren, mit unheimlich viel Mut und mit überragender Aussagekraft. Es geht hier um eine Zirkusfamilie, um den Star der Auftritte Arturo (Arty), der Fischjunge, der versuchte, wie seine Eltern mit unglaublichen Mitteln alles dafür zu tun, um sich in Erfolg zu rühmen. Aus dem Grundstein, den die Eltern durch ihre Manipulationen an den ungeborenen und geborenen Kindern vornahmen, entstand ein Gedanke, der sich zu einem wahren Geschäftsmodell entwickelte...mit fatalen Folgen, die bis ins Jetzt reichen. Schreibstil: Der Schreibstil ist unter anderem dass, was das Buch zu dieser Besonderheit macht. Die Autorin Katherine Dunn hat hier einen Stil geschaffen, den ich so noch nie gelesen habe. Das Lesen gestaltete sich so zu einer ganz neuen und anderen Art des Lesens. Katherine Dunn berichtet aus Sicht der betroffenen Olympia, eines von vielen Zirkusmitgliedern der Großfamilie Binewski. Sie spricht die Leser direkt an, und nimmt ihnen Fragen und Gedankengänge vorweg. So ist der Leser direkt im Dialog mit dem psychisch kranken Protagonisten, der Familie Binewski. Eine weitere Besonderheit ist das weitreichende Spektrum an bizarrer Absurdität und Abnormalität. Hier herrscht das Unfassbare und ich kann noch immer nicht glauben, das eine Autorin hier ihre Gedanken für ein Buch zu Papier gebracht hat. Zu all dem Bestialischem, gibt die Autorin jedoch eine witzige Anekdote, ein Nähkästchenplausch oder eine Weisheit, eine These oder einen skuril witzigen Dialog und fast unerlaubtem Humor mit auf dem Weg. Sagenhaft! Die Spannung und der Nervenkitzel sind eher flach und fließend. Hier dominieren in Sachen Thrill und Unterhaltungswert nicht ausschließlich atemberaubende Hochspannung, sondern eher groteske Genialität und unglaubhafte Vorgehensweise mit höchstem Mehrwert in Sachen wichtiger Botschaften für die eigene Weltanschauung. Durch ihr Knowhow schreibt die Autorin Dunn klar, überzeugt, selbstbewusst und lässt durch Vielseitigkeit und Unglaublichkeit diesen besonderen Roman so einzigartig werden. Alles andere als Mainstream. Charaktere: Was wäre dieses Buch ohne seine Protagonisten? Mit Gold nicht aufzuwiegen sind die besonders gestalteten Charaktere hier in dieser Story. Hier schöpft die Autorin aus den Vollen und hat eine Welt aus tiefsten Abgründen, kranken Seelen, Soziopathen, Psychopathen, Sektenanhängern, Egoisten, Fanatikern und den machtlosen Opfern all dieser abartigen Erfolgspläne dieser Familie erschaffen. Wenn ich ehrlich bin, so möchte ich niemandem aus dem Buch in der Realität begegnen. Wenn man denkt, schlimmer geht´s nicht mehr, dann irrt man, denn es gibt immer noch jemandem oder etwas in der Story aus dem Hintergrund, der noch viel ausgebuffter, oder was noch viel abartiger ist...Eine raffinierte Auswahl an Protagonisten und Charakteren begegnen wir durch die Erzählungen von Protagonistin Olympia. Grausam, wenn man sich vor Augen führt, dass dies mal eine Familie war.... Katherine Dunn hat so viele Charaktere erschaffen, die so sonderbar sind, wie keine anderen. Hier gibt es nicht nur ein Spiel mit der Sprache, hier gibt es auch ein perfides Spiel mit kranken Psychen und deren Opfer und Folgen. Schauplätze: Das Damals und Heute. Der Zirkus und der Verfall der Familie. Die Autorin Dunn lässt dem Leser viel Raum für Spekulationen und Fantasie. So auch bei den Schauplätzen. Sie beschreibt Orte, die jeder meint zu kennen und schafft somit Nähe. Jeder war gewiss schon mal in einem Zirkus, hier kann der Leser aber nun mal genauer hinter die Kulissen schauen. Ob er will oder nicht, Autorin Katherine Dunn holt ihre Leser an die Schauplätze und lässt diesen den Alltag der Familie erleben. Hier nutzt sie gern Details und kleine Alltäglichkeiten. Bizarre Orte, tiefe Abgründe, neue Welten, entsetzliche Kulissen, aber auch die gute biedere Gemütlichkeit und Geborgenheit einer fast heilen und normalen Familie kommen nicht zu kurz, wenn nicht diese abnormen Pläne in den Hirnen geistern würden. Die Autorin Katherine Dunn bietet dem Leser einen Blick in die Welt der häuslichen Abnormalität, Gewalt, Grenzenlosigkeit, Verstümmelung und Erfolgszwang, Neid, Missgunst und Fanatismus. Das Leben der Binewskis und des Zirkus. Meinung: Dieser Roman ist keine leichte Kost, liest sich anspruchsvoll und ist geballt mit Alltagswissen und enormen Besonderheiten. Ich war von Beginn an gefesselt, war entsetzt und fasziniert sogleich. Die Autorin hat mich durch den Erzählstil gleich auf ihre Seite geholt und mich ans Buch gefesselt. Ich bewundere und lobe diese Einzigartigkeit und Ideenreichtum der Autorin, auch wenn ich ständig vor Ungläubigkeit mit dem Kopf schütteln muss. Ein geniales Spiel mit dem Wort und ein genialer Dialog mit den Lesern. Ganz besonders großartig. Die Handlung gefällt mir gut, auch wenn mir die Botschaften, die dieses Buch ohne Frage vermitteln, sehr ans Herz gingen. Trotz all dem Sarkasmus, Witz und Ironie und Zynismus, hat dieses Buch eine sehr tiefe Mitteilung an all die Leser und man ist gezwungen über die Botschaften noch lang zu Sinnieren. Mir gefallen die beiden Handlungsstränge aus Damals und Heute, die auf so sonderbare Weise zu einander finden und überraschen. Verdiente 5 Sterne, da sich das Buch abhebt, neuartig und mutig ist! Zudem hat es mich gut unterhalten und mit Werten gefüttert. Cover / Buch: Das Buch ist absolut hochwertig und sehr schön verarbeitet. Das Schriftbild ist angenehm, die Kapitel nicht allzu lang. Das Cover gefällt mir mehr als gut, es ist so irr und wirr wie die ganze Konstellation und die ganze Familie. Wunderbar. Die Autorin: "Katherine Dunn, geboren 1945 in Kansas City, ist Romanautorin und Journalistin für die L.A. Times und unzählige weitere Zeitungen und Magazine. Außerdem arbeitet sie als Radiomoderatorin und Kritikerin und ist eine der führenden Box-Reporterinnen der USA. Sie selbst steigt heute nicht mehr in den Ring, trainiert aber noch am Sandsack. Katherine Dunn hat 17 Jahre an »Binewskis« geschrieben und arbeitet seit 24 Jahren an ihrem nächsten Roman." Fazit: Kein Mainstream, ein ganz besonderer Plot, der gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung bekommt!

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  • Verstrahlt fantastische Geschichte!

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    GOOMPI

    Die Lektüre dreht sich ausschließlich um die Zirkusfamilie Binewski. Der lateinische Ursprung des Wortes “Zirkus”, heißt so viel wie “Kreis”, genau das ist die Macht des Buches. Die Gedanken drehen sich und man kommt auf keinen wirklichen Nenner, da man die Themengebiete des Buches, moralisch wie ethisch, nicht wirklich fassen kann. Olympia “Oly” Binewski, ein Albino-Zwerg mit Buckel, erzählt in dem Buch die Geschichte ihrer weltfremden Familie. Olys Erzählung beginnt mit der Kontaktaufnahme der Eltern und der widernatürlichen Entstehung von Olys Geschwistern. Die Mutter, Lilian “Crystal Lil”, wird vom Vater Aloysius “Al” mit Drogen, Medikamenten und sogar Radium versorgt, um so Zirkusattraktionen zu erschaffen. Da wären etwa Arturo “Arty”, der Fischjunge, Electra “Elly” und Iphigenia “Iphy”, die siamesischen Zwillinge, sowie das jüngste Familienmitglied Fortunato “Chick”. Im Großen und Ganzen erfährt man wie die Familie den Zirkusalltag übersteht. Allerdings wird die Darlegung des Zirkusfamilienlebens, von Oly aus der Zukunft geschildert. Die geht nämlich auf die vierzig zu und arbeitet in einer Radioanstalt. Arty liest ununterbrochen, wird dadurch sehr schlau und eloquent. Er mausert sich im laufe der Geschichte als zunehmend machiavellistisch und tyrannisiert geschickt seine Familie. Auch die anderen Charaktere (es tauchen ständig neue auf) werden in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt beleuchtet, was dem Buch eine gewisse Authentizität verleiht. Die Schreibweise eines Buches hat für mich einen höheren Stellenwert als die Geschichte selbst, darum hatte ich ganz großen Spaß beim lesen, da die Autorin wunderbar die Sätze metaphorisch verpackt und Simile an genau der richtigen Stelle setzt. Dadurch gewinnt die Narration an Plastizität und man hat ein genaues Bild des Geschehens und der Örtlichkeit vor Augen. Wahrscheinlich musste ich deshalb auch häufig an bestimmte Filme denken. Überhaupt ist die Fantasie von Katherine Dunn grenzenlos, verquer und oft schockierend und pervers, aber dennoch faszinierend. Mit jedem Kapitel wird man vor den Kopf gestoßen, da immer etwas neues und unvorhergesehenes passiert. Die Kapitelüberschriften und die Namen der Protagonisten sind genauso mystisch, oft bizarr und findig gewählt, wie die Geschichte selbst. Auf jeder Seite passiert so viel, dass man pausieren muss um über das eben gelesene nachzudenken. Oft wird es Zeit für eine Denkpause, wenn Arty eine kluge Phrase von sich gibt und eloquent, philosophische Überlegungen über das Leben, die Welt und das Verhalten von Menschen (gerade gegenüber körperlich eingeschränkten) anstellt. Eine gewisse Portion Humor schwingt von Anfang an mit und dennoch ist das Buch teilweise verstörend. Andererseits fragt man sich auch, warum man an manchen Stellen indigniert ist. Schon das pittoresk gestaltete Buch (die ZERO Werbeagentur erstellt eigentlich alle Umschläge mit viel Liebe), ein mit schwarz sich windenden Linien verzierter Umschlag, auf dem nach genauerem hinsehen das Schema eines Totenkopfes zu erkennen ist, lässt eine morbide und verschroben kuriose Geschichte erahnen. Der Titel ist auf einen Magentafarbenen Kreis gedruckt, was möglicherweise die radioaktive Komponente der Aufmachung ist. Der Roman ist zweifellos lesenswert. Es gibt nur ein Faktum der mich störte und dieser ist subjektiv. Die Geschichte gibt einen von vorn bis hinten das Gefühl, sie könnte wirklich passiert sein oder noch passieren, da die Autorin alle Sachverhalte stimmig in Szene setzt und durchaus überzeugend auftritt. Doch eine Person entspringt eher einem Fantasyroman, was dem realen und vorstellbarem Charakter der Narration einen Dämpfer versetzt. Dennoch kann man sich mit diesem Protagonisten arrangieren und fragt sich zudem, weshalb die Autorin einen offensichtlich der stimmigen Handlung brechenden Charakter wählt. Ein musikalisches Synonym zu finden, welches dem verwirrenden Roman gerecht wird, ist gar nicht so leicht. Vielleicht “Sick” von Chelsea Wolfe, oder doch lieber “Rubbles” von Moddi, oder “Undying Need To Scream” von Dillon, oder “The Intruder” von Greg Haines, oder “Center Of The Sun” von Eprom, oder ...

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  • Leserunde zu "Binewskis: Verfall einer radioaktiven Familie" von Katherine Dunn

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Berlin_Verlag

    »BINEWSKIS hat eine ganze Generation von verrückten Genies und Rebellen inspiriert… Katherine Dunn ist die Heldin des abgründigen Amerika.«  Chuck Palahniuk, Autor von FIGHT CLUB Wer hat Lust mit uns gemeinsam ein Buch zu lesen, das schon Kurt Cobain und viele andere begeisterte, als es vor 25 Jahren in den USA erschien? Katherine Dunns GEEK LOVE ist in den USA bis heute ein Kultbuch geblieben, und nun ist es endlich auf Deutsch erhältlich:  BINEWSKIS: VERFALL EINER RADIOAKTIVEN FAMILIE Arturo, der Fischjunge, ist der Star des Familienzirkus. Sein rhetorisches Talent begeistert die Zuschauer so sehr, dass sie ihn wie einen Gott verehren und alles geben würden, um zu werden wie er. Am meisten aber liebt ihn seine Schwester Olympia, sie steht auch dann noch zu ihm, als er die siamesischen Zwillinge gegeneinander aufbringt, als er skrupellos die magischen Fähigkeiten des Nesthäkchens Chick für seine Zwecke missbraucht. Es ist Olympia, die buckelige Albino-Zwergin, die uns von ihrer Familie erzählt, von ihren Eltern, die sich durch unfassbare Experimente eine genetisch mutierte Freakshow heranzüchten. Sie berichtet von Geschwisterliebe und -konkurrenz, vom Kampf um Anerkennung in einer Welt des Über-Besonderen. Als Arturo in seinem Größenwahn kaum mehr zu halten ist, entwickelt sich ein dramatisches Spiel zwischen fanatischer Hingabe und mörderischer Abscheu. Dutzende wunderlich-bezaubernde Figuren hinterfragen unsere Vorstellung von „Selbst“ und dem „Anderen“, normal und unnormal, Perfektion und Deformation. Was ist Schönheit? Und was ist die moderne Familie wert?  Wie viele der großen Romane der Moderne erzählt auch dieses Buch die Geschichte einer Familie. Doch die Binewskis sind die absonderlichste Verwandtschaft, die man sich vorstellen kann. Ein Roman, der Grenzen sprengt, und unseren Blick auf uns und unsere Gesellschaft verändert.  Überzeugt? Dann lest die LESEPROBE, kommentiert hier kurz und schon seid ihr im Lostopf. Viel Glück!

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  • Eine skurrile Familie und ein wirklich tolles Buch

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Scheherazade

    02. July 2014 um 00:32

     Die Familie Binewski lebt im Zirkus und ihr Konzept ist es bloß nicht normal zu sein. Al und Chrystal Lil züchten sich durch Drogencocktails in der Schwangerschaft ihre eigene Freakshow heran. Arty ist der Fischjunge, „Aquaboy“ genannt, der statt Arme und Beine Flossen hat. Die siamesischen Zwillinge haben eigenständige Oberkörper und ein Paar gemeinsamer Hüften. Arty und die Zwillinge sind die Stars des Zirkus. Das am wenigsten auffällige Kind Olympia erzählt die Familiengeschichte und wie die radioaktive Familie langsam auseinander fällt. Die Geschichte wird größtenteils von der Ich-Erzählerin Olympia Binewski erzählt. Dabei gibt es die Jetztzeitnotizen, da ist die Familie schon auseinander gefallen und dann erzählt Oly in Rückblicken als die Familie noch zusammen im Zirkus lebte. Diese Teile sind größtenteils chronologisch geordnete Ereignisse, die nach und nach alle Besonderheiten der Familie enthüllen. Dabei kommt wirklich ein Schocker nach dem anderen, wenn man dachte: „Das war jetzt das Skurrilste“, dann kommt es gewiss noch besser.  Alle Wertvorstellungen des Lesers werden hier auf die Probe gestellt. Die Welt in der die Familie lebt und ihre Vorstellungen sind so außergewöhnlich, dass es wirklich spannend ist, sie nachzuvollziehen. Die Protagonisten sind alle sehr unterschiedlich und ihre Charaktere werden hier sehr schön herausgearbeitet. Dabei sind einem natürlich nicht alle sympathisch und durch ihre Ansichten kann man manchmal Entscheidungen vielleicht nicht nachvollziehen, aber sie passen immer zum jeweiligen Charakter. Der Schreibstil ist einfach große Klasse. Da ist jedes Wort und jeder Satz durchdacht und der Familie und dem Thema angepasst. Es ist kein Wort zu viel und mir hat es sehr großen Spaß gemacht dieses Buch zu lesen. Ein kurzes Zitat zur Beschreibung der Ich-Erzählerin Olympia: „Enttäuschend alltägliche Entstellung: Albinismus der handelsüblichen Sorte mit rosa Augen, ihr Buckel hebt sich zwar deutlich hervor, ist aber weder im Hinblick auf Größe noch auf Form besonders bemerkenswert. Der ab dem dritten Geburtstag unverkennbare Zwergenwuchs war eine angenehme Überraschung.“  Man merkt hier wirklich sehr gut, dass die Autorin 17 Jahre gebraucht hat, denn so eine Präzision sieht man wirklich selten. Noch kurz ein Wort zu dieser Ausgabe. Sie ist wirklich sehr hochwertig und die Gestaltung hat mir sehr gut gefallen. Trotz Lesebändchen gibt es ein Lesezeichen, auf dem Zitate zu allen Familienmitgliedern stehen, welches ich besonders schön finde. So werden mich die Binewskis noch eine ganze Weile begleiten. Insgesamt ein tolles Buch das Sprachlich sehr überzeugt und den Leser in eine komplett andere Welt eintauchen lässt. Ich kann es jedem empfehlen, der hochwertige Romane schätzt. Am liebsten würde ich mehr als 5 Sterne vergeben, aber das geht leider nicht.

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  • Binewskis erstürmen wieder Herzen

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Laupez

    Die Binewski-Kinder sind aufgrund ihrer erzwungenen Andersartigkeit das große Kapital ihrer Zirkusfamilie. Wer ein Star werden will, braucht das nötige Potenzial. Ist ja immer so. Papa Binewski ist selbsternannter Freizeitarzt, immerhin kennt er sich gut genug mit allen möglichen Substanzen aus, die gerade eben so lebendige Babies aus dem Leib seiner Frau hervorkommen lassen (jedoch auch nicht immer). Schönerweise entspringen ihr keine lästigen Normalos, denn gesetzt wird auf möglichst überraschende Gliedmaßenzahl, am liebsten deren vollkommene Abstinenz. Wenn aber ein Frischling keinerlei Besonderheiten aufweist als einen Buckel und Albinismus, ist das schon einigermaßen enttäuschend. Jenes trifft auf die Erzählerin zu, Olympia, die wenigstens eine angenehme Stimme hat, mit der sie die Nummern ihrer Geschwister-Sternchen anmoderieren kann. Ihre ganz persönliche Geschichte ist die Geschichte der Binewskis, ähnlich jener der Buddenbrooks, eine Erzählung von Aufstieg und Zusammenbruch. Ich verwechselte den Nachnamen unserer einzigartigen Protagonisten mit Aldous Huxleys Bokanovsky-Geburten, wobei Parallelen nicht wegzudenken sind. Immerhin handelt es sich bei dem Nachwuchs um absolute Wunschkinder, mal mehr, mal weniger. Ab und zu nicht freakig genug, trotz augenfälliger Besonderheiten. Katherine Dunn entwickelt den Begriff der Schönheit neu in seiner ganzen Abstraktion und Widerwärtigkeit. Die Autorin lässt hinterfragen, was im Grunde schon immer hinterfragt worden ist, und doch auf eine ganz neue Weise, allen voran Moral, Schönheit, Selbstwert. Und was es sonst noch gibt. Ich habe keine Vorstellung davon, welche Bereiche mit dieser überwältigenden Geschichte insgesamt angesprochen werden. Ebenso bin ich mir sicher, dass es zu subjektiv würde, fühlte ich mich doch so direkt angesprochen und bei der Schulter gefasst, als wäre dieser Roman nur für mich. Womöglich ist er für jeden anders. Pervers, widerlich, genial, kurios, bunt, trist, milchig, säuerlich. Wie auch immer. Für meine Version trifft alles zu. Die Originalausgabe wurde vor einer halben Ewigkeit bereits mit grandiosem Erfolg veröffentlicht, galt jedoch bisher als unübersetzbar. Ich will gar nicht erst wissen, wie viel durch die Dolmetscherei verloren gegangen ist, ich bin einfach froh über dieses Werk und die Möglichkeit, es auch auf Deutsch lesen zu können. Es handelt sich ganz offensichtlich um eines der ungewöhnlichen Sorte, aber nicht nur, weil möglichst viele schräge Anomalien hineingespritzt worden sind, sondern, weil trotz überwältigender Andersheit ganz sensibel an der Leserwahrnehmung herumgespielt wird. Hinter einfacher Sprache steckt komplizierte Komposition. Zeitwechsel zwischen Glanz und Abfall erfrischen die Atmosphäre, paradoxerweise, und erwecken den Eindruck eines großen Geheimnisses, an welches Schritt für Schrittchen herangeführt wird. Der Leser weiß schon, was in etwa passiert sein muss, jedenfalls im Großen und Ganzen, aber er wird feinfühlig verunsichert, um am Ende mit der Nase ans wirklich Große gestoßen zu werden. Und dieses wirklich Große ist wie ein fünfköpfiger Drache mit Eselsohren und Rollschuhen an jeder Kralle, der seine Mäuler aufreißt, Wasserfontänen spritzen lässt und im Kanon brüllt: Du hast es eben nicht gewusst.

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  • Verfall einer radioaktiven Familie

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Sophie333

    Die Binewskis - eine Zirkusfamilie - aber keine normale! Sie reisen mit ihrem Zirkus durch Amerika und haben ein ganz eigenes Konzept auf die Beine gestellt. Denn ihre Kinder sind nicht einfach Artisten oder ähnliches, nein, sie sind etwas ganz besonderes und wurden liebevoll von ihren Eltern "herangezüchtet". Jedes Kind hat seine Eigenarten. Ob es eine buckelige Albinokleinwüchsige, Siamesiche Zwillinge oder der Fischjunge ist. Jeder ist etwas Besonderes. Mehr bleibt da eigentlich auch gar nicht zu sagen, außer: Willkommen im absonderlichsten Zirkus der Welt! Mit fällt es immer noch etwas schwer, meine Meinung und Gefühle über dieses Buch zum Ausdruck zu bringen. Fakt jedoch ist, es ist das absonderlichste, schrecklichste aber auch genialste was ich je gelesen habe!  Das Buch ist aus der Sicht von Olympia geschrieben. Eines der herangezüchteten Kinder. Die Kapitel wechseln zwischen Gegenwart - in der Oly eine erwachsene Frau ist - und der Vergangenheit, in der die Zirkusfamilie noch in Takt ist. Man erfährt sowohl etwas über die "Züchtung" der Kinder, das Zirkusleben und andererseits wie es Oly momentan geht. Augenscheinlich nach dem Verfall der Familie. Man ist sozusagen von Anfang bis Ende dabei.  Mir persönlich haben sogar die Szenen aus der Vergangenheit besser gefallen. Man ist bei der Entwicklung der Charaktere hautnah dabei, bekommt ihre Handlungen mit und doch ist vieles nicht nachvollziehbar. Man schwankt beim Lesen zwischen Faszination, Ekel, Mitleid und Wut. Eigentlich sind sogar fast alle Gefühlsregungen dabei. Es sollte vielleicht noch gesagt werden, dass man sich auf diese Geschichte einlassen muss. Die radioaktive Familie ist wörtlich gemeint und auch die Charaktere sind nicht nur vom Äußerlichen etwas Besonderes, sondern haben auch alle ihre ganz speziellen "Eigenarten". Welche mich das ein oder andere Mal fassungslos zurück gelassen haben.  Es ist alles andere als einfach dieses Buch zu beschreiben. Es ist faszinierend - klar- es ist aber auch eklig. Aber hinter dieser ganzes "Schockfassade" steckt noch viel mehr. Mit einem grandiosen Schreibstil entführt uns die Autorin in die menschlichen Abgründe die man so noch nicht gesehen/gelesen hat. Ein Buch in dem man neben den Offensichtlichen auch zwischen den Zeilen lesen muss. Eine Leseempfehlung für alle, die etwas Außergewöhnliches lesen möchten. Wenn man sich auf all die unterschiedlichen Gefühle die dieses Buch hervorruft einlässt, hat man mit den "Biinewskis" das perfekte Buch gefunden, welches einen auch nach dem Lesen noch lange beschäftigen wird! 

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  • Ein faszinierendes Buch über Schönheit und Normalität

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Alexandra_Luchs

    30. June 2014 um 18:46

    Der Wanderzirkus Binewski läuft nicht mehr so gut, als Vater Binewski auf die Idee kommt, sich eine eigene Freakshow zu züchten. Gesagt getan: er und seine Frau Lil beeinflussen ihre Schwangerschaften mit radioaktiven Substanzen, Pestiziden und Drogen. Immer in der Hoffnung echte Freaks zu bekommen. Die Ergebnisse sind nicht zu verachten. Da haben wir Arturo („Arty“), den sogenannten „Aqua Boy“, der ohne Arme und Beine dafür mit vier kräftigen Flossen zur Welt kam. Die siamesischen Zwillinge Electra („Elly“) und Iphigenia („Iphy“), der telekinetisch begabte Fortunato („Chick“) und die Erzählerin der Geschichte: Olympia („Oly“), eine bucklige Kleinwüchsige mit Albinomutation. Olympia ist es schließlich auch, die die Geschichte vom Auf- und Untergang des Wanderzirkus Binewski erzählt, von den großen Erfolgen zu den menschlichen Dramen. „Binewskis“ ist kein Roman in den man mal so einfach nebenbei starten kann, dafür ist er am Anfang doch ein wenig störrisch. Aber keine Angst: mehr als 20 - 30 Seiten braucht es nicht, bis man endgültig in der Geschichte steckt. Sobald ich mit den Charakteren und der Erzählsituation einigermaßen vertraut war, lief die Geschichte wie ein Film vor mir ab. Olympia erzählt die Geschichte ihrer Familie im Nachhinein, verwebt dabei geschickt ihr gegenwärtiges Leben mit den Erinnerungen an die glorreiche Zeit der Familie. Toll ist, dass beide Zeitebenen sich parallel spannend entwickeln und nicht wie in anderen Büchern ein Handlungsstrang störend oder uninteressant wirkt. Die Themen „Normalität“ und „Schönheit“ (bzw. Schönheitswahn) verbinden beide Erzählebenen und treten offen oder zum Teil versteckt immer wieder im Roman auf. Ich habe mich häufig in der witzigen, absurden Handlung verloren, ohne viel zu hinterfragen, was dahinter steckt. Meist kommt dann unvermittelt doch wieder ein Moment, der einem die Wahrheit hinter dem Spaß vor Augen führt. Manchmal schleichen sich kleine Erkenntnisse mitten ins Herz, manchmal springt einen die große Botschaft geradezu an. Wirklich beeindruckend. Die Momente in denen ich „Ja, genau so ist das.“ gedacht habe, konnte ich nicht wirklich zählen. Neben all dem Spaß und Witz sind es dabei einfach immer wieder die traurigen und dramatischen Szenen gewesen, die mich die Protagonisten (allen voran die Erzählerin Oly) sehr ins Herz haben schließen lassen. Wie die Umwelt z.T. auf die Binewskis reagiert, hat mich unfassbar traurig gemacht, die Liebe die aber innerhalb der Familie immer wieder durchscheint war einfach anrührend. Neben all der erzählerischen Qualität: Erzählweise, Charaktere, Spannung, Herz, Witz(!) hat mich auch die sprachliche Qualität des Buches schwer beeindruckt. Die Sätze wirken manchmal verwinkelt, manchmal kurz und drängend, immer passend zum Handlungsverlauf. Und schon durch die gewählte Sprache wirkt das Buch einfach wertvoll und macht keine billige Freakshow aus der Handlung. Ich finde es unfassbar schwierig (und sitze jetzt seit ungefähr 3 Stunden an dieser kleinen Rezension) alle Facetten des Buches irgendwie in einem Text zu erfassen. Deswegen schreibe ich heute auch etwas freier von der Leber weg, kann weniger „analysieren“ oder erklären, als ich das sonst versuche. „Binewskis“ ist für mich ein Buch, das man gelesen haben muss, um diese Faszination zu verstehen. Vorher klang es für mich einfach nach einer schrägen Geschichte, vielleicht sogar etwas zu hochtrabend geschrieben. Ich habe mich geirrt. Und jetzt, nach der Lektüre, ist es mir auch kein so großes Rätsel mehr, warum das Buch in Amerika, zum ursprünglichen Erscheinen, so einen Hype auslöste. 1989 erschienen, hat das Thema auch heute nichts von seiner Aktualität verloren, im Gegenteil: Schönheitswahn und der Kampf der „Unnormalen“ in einer auf Äußerlichkeiten ausgerichteten Gesellschaft sind heute so allgegenwärtig wie nie zuvor. Dieses Buch zu bewerten ist (für mich) nahezu unmöglich. Rein objektiv müsste ich vielleicht für den schweren Start und den etwas hölzernen ersten Eindruck einen „Punkt“ abziehen. Allein, das kann ich nicht. „Binewskis“ hat mich überzeugt und bewegt, zum Grübeln gebracht und mir nebenbei noch Spaß gemacht.

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  • Ein familieneigenes Kuriositätenkabinett

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    TochterAlice

    28. June 2014 um 10:02

    haben sich die Binewskis im wahrsten Sinne des Wortes herangezüchtet: akribisch und mithilfe diverser Mittelchen haben sie an bestimmten Merkmalen und Eigenschaften ihrer Kinder gearbeitet - vor deren Geburt, versteht sich. Heraus kam nicht immer das, was erwartet wurde: allerdings einiges an festen Größen für den hauseigenen Zirkus, die es sonst nirgendwo zu sehen gibt. Aus der Sicht von Olympia, einer der Töchter, entwickelt die Autorin Katherine Dunn ihren bereits 1980 erschienenen Roman, der in den Staaten durchaus polarisierte. Eine Darstellung, in der in scheinbar alltäglicher, harmloser, ja, allerdings auch gekonnter Art und Weise Unglaubliches geschildert wird - was absurd erscheint, wird selbstverständlich, was Ekel und Unbehagen hervorruft, wird als ansprechend, ja, als begehrenswert identifiziert. Normalität wird bestensfalls abgewertet, schlimmstenfalls - nun, sehen Sie selbst! Ein Buch, das man entweder mögen oder ablehnen muss - ich kann mir eigentlich nur wenig dazwischen vorstellen, obwohl es bei mir selbst tatsächlich eher  die Mitte trifft: der Stil, die Ideen der Autorin sind faszinierend und bewundernswert, anspruchsvoll und ideenreich geschildert. Doch die Schilderungen selbst rufen in mir eindeutig Unbehagen hervor, es entsteht der Verdacht, dass hier eigentlich etwas ganz anderes gesagt, Hintergründiges zutage gefördert werden soll.  Ziel erreicht: so lautet das Fazit, blickt man auf die Arbeit der Autorin. Empfehlen würde ich es denjenigen Lesern, die sich auf neue Wege begeben wollen und Abgründe sowie Schockierendes und Tabuisiertes nicht scheuen.

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  • Normal ist langweilig?

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    alasca

    Normal ist langweilig?! Ich muss gestehen, ich begann die Lektüre dieses Romans mit Skepsis. All das enthusiastische Lob, das Etikett „Kult“ und so weiter weckten eher meinen Widerspruchsgeist. Aber dann hatte Katherine Dunn mich doch am Haken … Das Setting ist originell und krude zugleich: Al und Lily Binewski sind Zirkusleute mit den typischen Akrobaten und Tieren plus einer einträglichen Freak-/Monstrositätenshow. Als einige ihrer „Künstler“ sie unvermittelt verlassen, was empfindliche Umsatzeinbußen zur Folge hat, beschließen sie, ihre eigenen Freaks für die Show zu züchten. Denn „Was könnte man seinen Kindern für ein schöneres Geschenk machen, als die ureigene Fähigkeit, ihren Lebensunterhalt nur dadurch zu verdienen, dass sie einfach nur sie selbst sind?“ Durch eine Reihe von Experimenten mit diversen Drogen, Insektiziden und Radioisotopen während Lilys Schwangerschaften entstehen Arturo (Arty), der bein- und armlose Fischjunge, Elly und Iphy, die siamesischen Zwillinge, Olivia (Oly), die bucklige Albino-Zwergin mit Samtstimme, und Fortunato (Chick), der Jüngste, der sich nach anfänglicher Enttäuschung als größter Zuchterfolg seiner Eltern entpuppt. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen aus der Sicht von Oly: Es gibt die „Jetztzeitnotizen“ und die Rückblenden in die Vergangenheit. In der Gegenwart leben nur noch Lily, Oly und Miranda, alle im selben Appartmenthaus; Lily hat vergessen, dass Oly ihre Tochter ist, und Miranda weiß nicht, dass sie Olys Tochter ist. Wie es dazu kam, wird nach und nach in den Rückblenden erzählt, was beträchtliche Spannung erzeugt. In der Jetztzeit verdient Miranda sich ihr Studium durch Strippen in einer Bar, die auf Freaks spezialisiert ist. Mirandas Spezialität: Ihr Rückgrat endet nicht mit dem Steiß, sondern läuft in einem elegant gerollten Schwanz aus … Wem das schon reichlich abseitig vorkommt, der sei gewarnt: Das ist noch gar nichts. Der Roman strotzt nur so vor abstrusen Einfällen. Jedes Mal, wenn ich dachte, DAS ist nun wirklich nicht zu toppen, hat Ms Dunn ganz locker eins draufgesetzt. Ich verspürte bei der Lektüre permanent eine Mischung aus Unbehagen und Faszination und befand mich ständig in einer Art von „trotzdem“. Die Phantasie der Autorin erschien mir ... krank. Oder genial? Sehr bald habe ich gelesen, wie ich manche Horrorfilme gucke: Quasi durch die gespreizte Hand vor meinen Augen ... Sprachlich ist der Roman sehr überzeugend und atmosphärisch und entwickelt auch aus den Figuren heraus beträchtlichen Sog. Dunns Sprache, ihre Bilder sind originell und expressiv und zeichnen die verquere Welt der Binewskis mit sicherem Strich; die Psychologie der Figuren ist glaubwürdig, vor allem die vollkommene Umkehr "normaler" Reaktionen; etwa, dass Lily deprimiert ist, weil ihr neugeborenes Kind normal aussieht, oder Artys Eifersucht auf alle, die ihm als Freak den Rang ablaufen könnten. Das Schicksal von Chick wiederum ist so anrührend, so schrecklich, dass man ihn am liebsten adoptieren würde … Auch die Nebenfiguren sind gelungen. Der zynische Journalist Norval Sanderson zum Beispiel dient Dunn als Stimme für ihre Gesellschaftsanalysen: „Wir schaffen uns einen Anführer, indem wir uns jemanden in der Menge suchen, der steht. (...) Diesem Opfer dichten wir allein dadurch Standfestigkeit an, dass wir uns alle um ihn herum hinsetzen." Und mit dem Beutelmenschen gelingt ihr ein derart böses Porträt des intoleranten Normalbürgers, dass es einem den Magen umdreht. Warum aber hat das Buch mich eigentlich fortlaufend schockiert? War ich nicht immer schon der Meinung „Normal ist langweilig“? Nein, war ich offenbar doch nicht, und Ms Dunn führt mir das klar vor Augen. Ihr Roman verkehrt das gewohnte Wertegefälle. In Dunns Kosmos ist eine Missgeburt nicht bedauernswert, sondern den „Normalen“ haushoch überlegen. Alles scheint auf den Kopf gestellt, nicht nur das Schönheitsideal und nicht nur die Definition von Normal und Besonders. Sondern alle bürgerlichen Werte, auch der Begriff von elterlicher Fürsorge und Verantwortung. Es ist geschmacklos, abstoßend und faszinierend, und es macht mir klar, wie viele Werte und Normen ich offenbar kritiklos internalisiert habe, ohne das auch nur zu bemerken. Das Erschreckende ist: Die Moral der Binewskis ist in sich absolut schlüssig - was zeigt, dass auch unsere nichts als ein Konstrukt ist. Die Botschaft des Romans: Jede Moral ist Willkür. Sie funktioniert nur deshalb, weil alle sie für die einzige halten. Die Geschichte endet in einem doppelten Showdown; einmal in der Vergangenheit, als dramatischer Tusch, und einmal in der erzählerischen Gegenwart, nicht ganz so zirzensisch, aber dafür umso erschütternder. Dieser Roman ist nichts für literarische Warmduscher ... los, trau dich, lass dich schocken! ;-)

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    • 7

    alasca

    25. June 2014 um 21:54
    Bella5 schreibt Man könnte das Ganze ja auch als Persiflage oder als Gesellschaftskritik sehen.

    Hab ich das nicht gerade gesagt? ;-)

  • Raus aus dem Lesetrott!

    Binewskis - Verfall einer radioaktiven Familie

    Bella5

    25. June 2014 um 10:21

    Als Vielleser hat man oft das Gefühl, immer wieder das Gleiche in abgewandelter Form zu lesen. Grenzüberschreitungen gelten oft als Kassengift, und wirkliche Innovation findet man bei wenigen Autoren. Katherine Dunns Roman hat mich wirklich aus meinem Lesetrott gerissen. "Geek Love", wie das Buch im Original heißt, ist verstörend, abstoßend, skurril, aber auch genial,gewitzt, mutig und klug. Alle Lesegewohnheiten werden auf den Kopf gestellt und ich persönlich halte das Ganze auch für eine Art Gesellschaftskritik. Der Roman ist sicher nicht jedermanns Sache, aber genau deshalb auch so gut, denn Figuren & Handlung lassen keinen kalt: "  Arturo, der Fischjunge, ist der Star des Familienzirkus. Sein rhetorisches Talent begeistert die Zuschauer so sehr, dass sie ihn wie einen Gott verehren und alles geben würden, um zu werden wie er. Am meisten aber liebt ihn seine Schwester Olympia, sie steht auch dann noch zu ihm, als er die siamesischen Zwillinge gegeneinander aufbringt, als er skrupellos die magischen Fähigkeiten des Nesthäkchens Chick für seine Zwecke missbraucht. Es ist Olympia, die buckelige Albino-Zwergin, die uns von ihrer Familie erzählt, von ihren Eltern, die sich durch unfassbare Experimente eine genetisch mutierte Freakshow heranzüchten. Sie berichtet von Geschwisterliebe und -konkurrenz, vom Kampf um Anerkennung in einer Welt des Über-Besonderen. Als Arturo in seinem Größenwahn kaum mehr zu halten ist, entwickelt sich ein dramatisches Spiel zwischen fanatischer Hingabe und mörderischer Abscheu. Katherine Dunn hat einen die Grenzen sprengenden Roman geschrieben, der unseren Blick auf uns und unsere Gesellschaft verändert. Dutzende wunderlich-bezaubernde Figuren hinterfragen unsere Vorstellung von „Selbst“ und „dem Anderen“, normal und unnormal, Perfektion und Deformation. Was ist Schönheit? Und was ist die moderne Familie wert? Wie viele der großen Romane der Moderne erzählt auch dieses Buch die Geschichte einer Familie. Doch die Binewskis sind die absonderlichste Verwandtschaft, die man sich vorstellen kann..." Schade, dass dieser Roman nicht schon früher ins Deutsche übersetzt wurde und lange nur einem anglophonen Publikum vorbehalten war. Die Autorin scheint eine Perfektionistin zu sein: Katherine Dunn (Jahrgang 1954) hat 17 Jahre an »Binewskis« geschrieben und arbeitet seit 24 Jahren an ihrem nächsten Roman.

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