Kathrin Groß-Striffler

 4.1 Sterne bei 36 Bewertungen
Autorin von Zum Meer, Die Hütte und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Gott zürnt

Neu erschienen am 01.10.2018 als Buch bei Muery Salzmann.

Alle Bücher von Kathrin Groß-Striffler

Sortieren:
Buchformat:
Zum Meer

Zum Meer

 (25)
Erschienen am 18.07.2014
Gestern noch

Gestern noch

 (4)
Erschienen am 01.02.2007
Die Hütte

Die Hütte

 (5)
Erschienen am 01.01.2003
Mutters Fest

Mutters Fest

 (1)
Erschienen am 01.09.2016
Das Gut

Das Gut

 (1)
Eine Tasse Tee

Eine Tasse Tee

 (0)
Erschienen am 01.06.2017
Gott zürnt

Gott zürnt

 (0)
Erschienen am 01.10.2018

Neue Rezensionen zu Kathrin Groß-Striffler

Neu
Terpentines avatar

Rezension zu "Zum Meer" von Kathrin Groß-Striffler

Beeindruckender Roman
Terpentinevor 4 Jahren

Saskia ist Mutter und doch noch ein junges Mädchen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben.
Verliebt in Brasilien und verloren in Deutschland lässt sie ihr Kind zurück in ihrer WG. Sie weiß, dass es dort sicherer ist als bei ihr. Denn im Moment ist sie überfordert damit, ihrem Kind gerecht zu werden.
Kathrin Gross-Striffler lässt und teilnehmen am Leben einer sehr jungen und von außen gesehen unreifen Mutter, die ständig an ihre Grenzen stößt. Während sie innerlich gegen ihre eigenen Zweifel, Wünsche und Bedürfnisse ankämpft, muss sie von außen mit ständigen Vorurteilen, Hindernissen und Konventionen zurecht kommen.
Das Hin und Her von Liebe zu ihrem Kind und Panik davor, das Kind nicht gut genug versorgen zu können, ist so real, so eindringlich geschrieben, dass wir die psychische Labilität als Leser nachempfinden können.

Das Buch hat mich von Anfang bis zum Ende gefesselt und beeindruckt.

Kommentieren0
3
Teilen
sommerleses avatar

Rezension zu "Zum Meer" von Kathrin Groß-Striffler

Antiheldin par Excellance führt ein Leben ohne Verantwortung
sommerlesevor 4 Jahren

Der Roman der Autorin "*Kathrin Groß-Stiffler*" trägt den Titel "*Zum Meer*". Das Buch erscheint im "*Aufbau Verlag*". 


Es geht um die 20jährige Saskia, die in ihrem Urlaub in Brasilien nach einer turbulenten Partyzeit schwanger wird, nach Deutschland zurückkehrt und ihre Tochter Mia-Sophie zur Welt bringt. Als Kellnerin arbeitet sie und leidet unter ihrem eintönigen, sie beengenden Leben mit ihrer Tochter. Bis sie eines Tages das Kind einfach in ihrer WG den Mitbewohnern überlässt und alleine an die Ostsee abhaut.


Diese Geschichte macht mich tief betroffen! Einerseits sehe ich wie die junge alleinerziehende Mutter mit der Rolle völlig überfordert ist und anderseits nicht bereit ist Verantwortung zu tragen und sich Hilfe zu suchen, die an staatliche Auflagen gebunden ist.

Die Autorin hat die Geschichte aus der Sicht von Saskia geschrieben und dadurch wird man als Leser eindrücklich in Saskias Gedankenwelt eingeführt. Man glaubt, mit ihren Augen die Welt zu sehen, obwohl man ihren Lebenswandel eigentlich ablehnt. Denn Saskia ist ein problematischer Charakter. Sie ist unreif, ichbezogen, bequem, schnell genervt, empfindet für andere Menschen, die ihr helfen keine Empathie und ist voll von Selbstmitleid. Es fällt ihr schwer, Verantwortung für ihre Tochter zu übernehmen und ihr eigenes Leben verantwortungsvoll zu planen. Da steht man als Leser kopfschüttelnd da und sieht zwar die Probleme, versteht aber nicht die Unfähigkeit Saskias, sich zu ändern oder sich mit der Situation zu arrangieren und Hilfe anzunehmen. Sie stösst Menschen, die ihr helfen wollen einfach vor den Kopf, indem sie weiter Drogen nimmt, eifersüchtig den Tagesmüttern das Kind wieder entzieht und den eigenen Vater nur als finanziellen Rettungsanker missbraucht. Ratschläge schlägt sie einfach in den Wind und fordert für sich den größtmöglichen Nutzen von ihren Mitmenschen. Ihr Kind liebt sie zwar, aber auf eine spezielle Weise und nur kurz dauern die Phasen eines schönen Miteinanders. Schnell ist sie gefrustet von dem Quängeln oder Schreien und sieht sich dann nicht in der Lage, ohne Frustration die Situation zu beenden. Eigentlich ist die Tochter das Mittel, um den Kindsvater Raffael wieder an sich zu binden. 

Diese Gefühle und Gedanken werden gut dargestellt. Auch die Sprache ist dem Charakter und der Altersklasse entsprechend gut gelungen. So wie sich die Protagonistin fühlt, so ist auch in der Sprache die Unruhe, innere Gereiztheit und das Wunschdenken Saskias zu spüren. Die Autorin hat hier einen eindeutigen Charakter geschaffen, der allerdings eher die Rolle einer Antiheldin inne hat.

Schnell habe ich mich innerlich gegen die junge Frau eingestellt und an das Wohl der Tochter gedacht. Doch Saskia ist nicht lernfähig, sie gibt sogar die Verantwortung für ihr Kind ganz ab. Sicherlich hat sie ebenfalls eine Persönlichkeitsstörung, die im Buch aber nicht aufgedeckt wurde.  

Gerne hätte ich noch gelesen, wie Saskia ihr Leben in den Griff bekommen  oder zumindest aus ihren Fehlern gelernt hätte. Doch der Leser wird mit der Schilderung dieser Problematik aus dem Buch entlassen. Eine Reflektion Saskias gibt es nicht! Schade, vielleicht wären solche Anreize für Menschen in ähnlichen Situationen hilfreich gewesen. So ist es nur das Aufzeigen von Problemen in unserer Gesellschaft. Daher auch nur 3 Sterne.

 

Kommentieren0
127
Teilen
leseleas avatar

Rezension zu "Zum Meer" von Kathrin Groß-Striffler

"Ich wollte allen zeigen, dass Träume dazu da sind, dass man sie verwirklicht." (S. 171)
leseleavor 4 Jahren

Mama, sagt sie, was für ein Wort, schwer von Verantwortung, schwer von Plackerei, Mama, die für alles Zuständige, Mama gleich Pflicht (S. 229)

Saskia ist 20 Jahre alt. Saskia hat die Schule abgebrochen, fürs Leben lernt man nämlich eh am besten unter Menschen, auf Reisen. Saskia kifft, wenn sie nicht einschlafen kann, was eigentlich jeden Abend der Fall ist. Saskia hat Mia-Sophie, ihr kleine Tochter. Sie liebt ihre Tochter, doch manchmal könnte sie sie an die Wand klatschen – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie will raus aus diesem Gefängnis namens Leben, raus aus Deutschland, zurück nach Brasilien zu ihrer großen Liebe Raffael, dem koksnehmenden, sich prostituierenden Raffael, dem Vater von Mia. Saskia versucht es: Versucht eine gute Mutter zu sein, versucht zu entfliehen, doch sie schafft es nicht raus aus diesem Teufelskreis und trifft deswegen eine Entscheidung…

Ich gelobe, ihr von jetzt an eine gute Mutter zu sein, ich gelobe, mich total zurückzustellen, Federn aus meiner Brust zu reißen und das Nest damit auszupolstern, ich gelobe, ihr jeden Tag ein Bilderbuch vorzulesen, sie gesund zu ernähren, egal, was es kostet, ich gelobe, mit ihr in eine Mutter-Kind-Gruppe zu gehen, damit sie mit anderen Kindern spielen kann, ich gelobe und gelobe und gelobe und weiß doch, dass ich das alles nie schaffen werde (S. 201f.)

Kathrin Groß-Striffler erzählt in Zum Meer das Leben einer jungen Mutter, die eigentlich keine sein will. Ein außergewöhnliches Thema, über das wenig gesprochen oder geschrieben wird, denn tief innendrinne sind wir doch der Überzeugung, Mutter und Kind, das ist eine besondere Beziehung, eine von der Natur gewollte Beziehung, die MUSS es geben, alles andere ist falsch.

Saskia ist so eine Person, bei der alles falsch vorkommt: Zu jung, zu verantwortungslos, zu freiheitsliebend, zu egozentrisch. Leider ist Saskia wohl auch eine Person, die nah an der Realität ist. Mutter sein ist anstrengend, Mutter sein kann einen überfordern und man kann darin versinken, wenn man sich keine Hilfe sucht.

Und trotzdem ist es nicht so, dass man Saskia nur ablehnend gegenübersteht. Sie ist zwar die Antiheldin, aber auch mit der Antiheldin leidet man. War ich im ersten Teil noch bemüht, irgendwie Verständnis zu entwickeln (es muss doch einen Grund geben, dass sie so ist?), habe ich im zweiten Teil mit ihr gehofft, dass sie ihr ganz individuelles Glück finden kann (Mama – Papa – Kind in Brasilien). Im dritten Teil nimmt das Unheil seinen Lauf und ich wollte Saskia nur noch schütteln. Keine sympathische Protagonistin, nein, aber eine, die alle Emotionen aus einem herausholt.

Es ist wie ein Stich ins Herz, dieser kurze Moment. Als wäre was möglich. Als wäre alles möglich. (S. 53)

Der Inhalt ist unkonventionell, fast provokant. Aber was das Buch zu einem 5-Sterne-Buch macht ist die Sprache. Katrin Groß-Striffler lässt Saskia ihr Leben selber erzählen, als inneren Monolog, in dem die Gedanken nur so rasen, in dem die Schimpfwörter immer zur Stelle sind, in denen Sonne auf Regen folgt und auf Regen Sonne. In irgendeiner Rezension habe ich gelesen, dass man in Saskias Kopf gefangen ist: Das stimmt! Sie zwängt einem all ihren furchtbaren Gedanken auf, man kann sich ihr nicht entziehen und indem man liest, wie sie denkt, weiß man auch, dass sich nichts ändern wird. Dieser Schreibstil geht an die Nieren, ist aber in meinen Augen auch genial.

Ein Buch, das einem mit seinem Inhalt und seiner Sprache überrollt. Ein Buch, zu dem ich eine meiner längsten Rezensionen geschrieben habe (und über die ich besonders lang nachgedacht habe), nur um am Ende festzustellen, dass ich eigentlich nicht die passenden Worte gefunden habe. Deswegen meine Empfehlung: Selber lesen!

Kommentare: 5
37
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
aufbauverlags avatar
»Ich will nicht zufrieden, ich will glücklich sein.« 

Saskia hat keine Lust auf ein geordnetes »Scheißleben«. Sie ist wie eine Nomadin, die ein Kind hat, das sie liebt und verwünscht. Je unausweichlicher das deutsche Novembertief Saskia einholt, desto mehr verklärt sie die Erinnerung an Brasilien, an Sonne, Meer, Unbeschwertheit - und an Raffael. Sie will ihr »Milchkaffeebaby« allein großziehen, will so gern eine perfekte Mutter sein. Aber wie entrinnt man der eigenen Unbeherrschtheit bei Schlafmangel, Eintönigkeit und Einsamkeit, wenn man noch so jung ist und noch so viel erleben will? In diesem Teufelskreis aus Lebensgier und Überforderung trifft Saskia eine verstörende, radikale Entscheidung.

Der neue Roman der Döblin-Preisträgerin Kathrin Groß-Striffler erzählt vom größten Frevel, den eine Mutter begehen kann: ihr Kind zu verlassen. Mit einer meisterhaften Sprache entwirft die Autorin die vibrierende Innenwelt einer jungen Frau, die nicht angepasst leben will. 

Hier gehts zur Leseprobe.

Zur Autorin: Kathrin Groß-Striffler, geboren 1955 in Würzburg, studierte Anglistik und Romanistik in Deutschland, Frankreich und den USA, sie lebt in Jena. Für den Roman »Die Hütte« erhielt sie den Alfred-Döblin-Preis, für Kurzgeschichten den Marburger Literaturpreis, außerdem veröffentlichte sie die Romane »Das Gut« und »Gestern noch«. 


Wer jetzt neugierig geworden ist und gemeinsam mit uns und der Autorin »Zum Meer« lesen und besprechen möchte, der kann sich bis einschließlich 18. August für eines von 20 Freiexemplaren bewerben. Kathrin Groß-Striffler wird sich hin und wieder auch zu Wort melden und Eure Fragen beantworten. Solltet Ihr zu den Mitlesenden zählen, setzen wir eine Teilnahme am Austausch in den Leseabschnitten und eine abschließende Rezension voraus. 

Wir freuen uns auf diese Leserunde!

Liebe Grüße 
Brit vom Aufbau Verlag
Zur Leserunde

Community-Statistik

in 72 Bibliotheken

auf 21 Wunschlisten

von 2 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks