Du stirbst nicht

von Kathrin Schmidt 
3,6 Sterne bei94 Bewertungen
Du stirbst nicht
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (55):
LeseBlicks avatar

Allein schon, weil die Autorin den gleichen Namen wie meine Schwester trägt, war es ein Muss. Und die Story hat mich total umgehauen.

Kritisch (16):
LadyRilkes avatar

Das Thema ist nicht uninteressant. Trotzdem konnte mich das Buch, der Schreibstil, nicht fesseln.

Alle 94 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Du stirbst nicht"

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis
Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war, einer Ehe, die kurz vor dem Ende stand, und Kindern, die schon eigene Wege gehen wollten und nun bestürzt innehalten. Ein Erinnerungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns überzeugt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442741137
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:362 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:08.12.2010
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.02.2010 bei Audiobuch erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,6 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne25
  • 4 Sterne30
  • 3 Sterne23
  • 2 Sterne12
  • 1 Stern4
  • Sortieren:
    Gelindes avatar
    Gelindevor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Das Buch hat sehr interessant begonnen, aber dann hat es sich für mich sehr gezogen und ich war froh als ich es beenden konnte.
    Du stirbst nicht

    Du stirbst nicht, von Kathrin Schmidt

    Cover:
    Nichtsagend.

    Inhalt:
    Helene wacht im Krankenhaus auf, ohne Kontrolle über ihren Körper.
    Stück für Stück kämpft sie sich ins Leben zurück und füllt ihre Erinnerungslücken.
    Und sie erkennt, dass ihre Ehe nicht immer geradlinig verlaufen ist, vor allem in letzter Zeit.

    Meine Meinung:
    Der Einstieg war sehr intensiv und erschütternd.
    Aber irgendetwas fehlt mir, um so richtig emotional mitzugehen zu können, für mich wird es bald zäh und langatmig.
    Der Schreibstil ist mir zu aufgeplustert, zu blumig (ich kann mir vorstellen dass viele hier sagen würden poetisch). Mir sind es zu viele Umschreibungen und komplizierte Saztverschachtelungen um etwas auszudrücken. Für mich sind das zu viel gewollte Wortspiele und Wortklaubereien, die mir oft zu „Oberlehrerhaft“ rüberkommen.
    Die Gedanken huschen umher wie ein Autoskooter, aber es wird nicht erzählt wie sich Helene fühlt – bei mir kommt jedenfalls nichts an- nur ab und zu ein : sie ist verärgert, Wut steigt auf, das ist mir zu wenig für ihre Situation.
    In der „Erinnerung“ werden mir zu viele Nebenschauplätze aufgemacht.
    Den Gedanken (und auch den Personen und Handlungen in den Gedanken) kann ich nicht immer folgen und kann ihre Stellung nicht einschätzen.
    Hier noch einige Zitate weshalb ich es übertrieben finde oder Sätze wo ich mich frage: was soll ich damit anfangen.
    --An das Auspusten von Eiern muss sie dabei denken: das Wissende platscht womöglich wie Dotter, mit Eiweiß gemischt, einfach hinab! Da zieht sie es aber lieber schnell wieder zurück, das Wissende, und tut so, als könne ihr Blick kein Wässerchen trüben.
    --Ihrer betörenden Unschärfe, die eine nicht weniger betörende Klarheit im Schlepptau hatte.
    --Raphaels Augen, sonst Asyle unendlicher Müdigkeit, zeigen heute einen versunkenen Glanz, den man nicht sofort wahrnimmt, der sich aber offenbart, wenn sein Blick umschwenkt.

    Mein Fazit:
    Das Buch hat sehr interessant begonnen, aber dann hat es sich für mich sehr gezogen und ich war froh als ich es beenden konnte.
    Für die interessante Idee und den guten Beginn gerade noch 3 Stern.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor einem Jahr
    Kathrin Schmidt | DU STIRBST NICHT

    INHALT: Helene Wesendahl erwacht in einem Krankenhaus ohne Erinnerung, unfähig zu sprechen oder sich zu bewegen. Ein Hirnschlag hat sie aus ihren Leben gerissen und in diese Welt der Ohnmacht getragen, in der sie alles neu erlernen muss, angefangen von den einfachsten Bewegungsabläufen, über den Einsatz der Sprache bis hin zum Erkennen und Zuordnen der Menschen, die sie täglich besuchen. Mit der Zeit kommen auch die Erinnerungen wieder: Matthes und die Kinder, ihre Freunde und Bekannten, ihre Berufung als Dichterin und Auftragsautorin. Aber auch scheinbar verschüttete Abgründe tun sich wieder auf. Die Beziehung zu Matthes war vor dem Schnitt schon lange nicht mehr so hingebungsvoll, wie sie sich jetzt zeigt. Und wie mit dem Brecheisen zwängt sich auch die Erinnerung an Viola in ihr Bewusstsein, eine Frau, für die sie alles aufgegeben hätte, wäre da nicht der Hirnschlag gekommen…

    FORM: Die größte Leistung dieses Romans ist ohne Frage die Entwicklung der Figur Helenes. Im ersten Drittel, wenn alles noch löchrig und nebulös ist, sind die Gedanken noch Fetzen, verwirrende Bewusstseinsströme, die im Nichts enden. Später werden die Kapitel länger, die Gedanken verständlicher und ihre Ziele klarer. Alles wird regelmäßig unterbrochen von Kapiteln, die die Rehabilitation Helenes zum Gegenstand haben, ihren Kampf aus der Sprach- und Bewegungslosigkeit heraus in ein möglichst würdevolles Leben.

    FAZIT: Besonders das stilistisch sehr starke erste Drittel hat mich unglaublich begeistert. Eine so intensive Beschreibung eines Innenlebens hab ich lange nicht gelesen. Danach flaute die Geschichte für meinen Geschmack etwas ab, nicht zuletzt, weil mir die Hauptperson mit jedem Aufdecken eines Geheimnisses immer unsympathischer wurde. Als sie noch nicht zu ihrer alten Art und Stärke zurück gelangt war, war mir Helene irgendwie lieber. Die literarische Qualität des Textes will ich damit aber nicht abwerten und vergebe vier Sterne.

    Wer sich im Buchladen einfach mal von der besagten Qualität überzeugen will, empfehle das Kapitel über das Familienessen auf den Seiten 271 und 272; dieses kann meiner Meinung nach stellvertretend für den Ton stehen, der in DU STIRBST NICHT angeschlagen wird.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    gsts avatar
    gstvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: „Gefühlschaos ist ihr neu. So neu wie übereinander herfallende Gedanken, deren Anfänge und Enden sie jeweils gar nicht bemerkt: Sie sind au
    Kampf zurück ins Leben

    Kathrin Schmidts Roman lässt mich etwas konfus zurück. Wohl ebenso konfus, wie sich Helene, die Protagonistin dieses Buches, gefühlt haben muss, als sie nach einer Hirnaneurysma-Blutung den Weg ins Leben zurück suchte. Als Leser erleben wir alles aus ihrer Sicht: Wie sie sich nach der Operation, halbseitig gelähmt, nach und nach ihre Vergangenheit zusammenpuzzelt. Wie sie das Sprechen wieder lernt. Anfangs kann sie nur Wimpernschläge lang wach bleiben – ebenso kurz sind die Sätze im Buch. So, wie Kathrin Schmidt es 2002 selbst erlebt hat, werden die Abschnitte nach und nach länger. Erinnerungen tauchen auf.

    Zum Beispiel wird in den Nachrichten über das „Jahrhunderthochwasser“ in Dresden berichtet. Eine Episode, die mir sehr nahe ging, da ich das Buch drei Wochen nach der Flut 2013 las und vieles gerade unmittelbar selbst erlebt hatte. Helene, die vor ihrer Erkrankung als Schriftstellerin arbeitete, wurde beim Wort Wasser unruhig. Sie durchsuchte in ihrem Laptop alte Dateien und fand zum Thema eine selbstgeschriebene Geschichte, die sie sich gar nicht zugetraut hätte.

    Später erfährt der Leser auf Seite 81: „Gefühlschaos ist ihr neu. So neu wie übereinander herfallende Gedanken, deren Anfänge und Enden sie jeweils gar nicht bemerkt: Sie sind auf einmal da und schon wieder weg.“ Ebenso wie die Protagonistin kam auch ich als Leserin immer wieder an die Grenzen des Verstehens. Dabei genoss ich die Erinnerungen an die „Vorwendezeit“ in der DDR, die ich als aus dem Westen Eingereiste so nicht kenne, die mir aber helfen, die häufig noch vorhandenen Mauern in den Köpfen der Menschen besser zu verstehen.

    Als es Helene körperlich besser geht, merkt sie ihre Unzulänglichkeiten deutlich und schämt sich für ihre Hilflosigkeit. Diesen Abschnitt sollten in meinen Augen alle Pflegenden lesen, um Patienten besser verstehen zu können und nicht zu viel zu helfen.

    Im Laufe des Romans analysiert Helene ihre Ehe, die vor der Erkrankung kurz vor dem Aus stand. Unter anderem deckt sie eigene Fehler auf und weiß wieder, was sie an ihrem Lebensgefährten hat.

    Das Buch streift viele Aspekte des Lebens, manchmal vielleicht sogar zu viele. Kathrin Schmidt, die sprachmächtige Autorin mit überbordender Fantasie hat sich in einem Interview selbst gewundert, dass dieser fiktive Roman (nur der Beginn ist authentisch) von ihren Kritikern als ihr bester bezeichnet wird. Wenn ich ihn jetzt bewerten soll, dann fällt mir das sehr schwer. Einzelne Abschnitte sind mir sehr nahe gegangen, andere wiederum hätten mich die Lektüre beinahe aufgeben lassen. Deshalb kann ich nur drei Sternchen verschenken.

    Kommentieren0
    14
    Teilen
    evileins avatar
    evileinvor 6 Jahren
    Rezension zu "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt

    Ich habe lange überlegt ob ich dieses Buch lesen soll. Es ist für mich mehr als "eine Geschichte" , denn ich habe diese Situation ebenfalls erlebt. Alles was in Helene vorgeht, kann ich nachvollziehen, das Suchen nach einer verschwundenen Vergangenheit, die Versuche sich zu erinnern, sich zu bewegen, sich zu artikulieren. So beiläufige Dinge wie das Gefühl, beim Haarewaschen die Haare in den Händen zu fühlen, nicht aber die Berührung des Kopfes dabei.
    Die Angst für immer ein Pflegefall zu sein, Erinnerungsbruchstücke die nicht zusammenpassen wollen, all das hat Kathrin Schmidt zu einem packenden Bericht über das "Zurückkommen ins Leben" zusammengefasst. Absolut Lesenswert!

    Kommentieren0
    16
    Teilen
    G
    gert_korndorrfervor 6 Jahren
    Rezension zu "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt

    Schlaganfall, Lebensgefahr, 5 fassungslose Kinder, Ehekrise - ja das könnte der Aufmacher eines Fortsetzungsromans in einer der vielen hirnlosen Buntblätter sein. Ist es aber nicht. Die Buchpreisträgerin Schmidt hat zu Recht 2009 gewonnen.
    Sie, im Buch ist es Helene, schreibt sich ihr Leben von der Seele, beginnend mit bedrückend realistischer Darstellung ihrer Sprachlosigkeit, im wahrsten Sinne des Wortes und meisterlich in Worte umgesetzt. Dann die langsame Wiederkehr ihres psychischen und physischen Menschseins. Gewürzt wird das alles mit teilweise tiefschwarzem Humor und in einer Art und Weise, die deutlich Selbsterlebtes der Schriftstellerin preisgibt.
    Wer selbst schon mal die Tortur eines Krankenhausaufenthaltes mitmachen musste, fühlt sich sofort d'accord mit Helene und ist baff erstaunt, wie sich die Bilder, egal, in welchem Krankenhaus, gleichen. Routine im Krankenhaus kann so verletzend, aber eben auch wohltuend sein. Es gibt sie noch, die Ärzte und Schwestern, die wissen, dass das Erleben totaler Hilflosig- und Abhängigkeit für den Betreffenden alles andere als Routine ist.
    Aber allein die Geschichte ihrer Krankheit wird nicht präsendiert. Helene zieht Bilanz, lässt uns teilhaben an ihrem vergangenen und heutigen Leben, an Ehekrise, homoerotischen Beziehungen, Vor- und Nachwendezeiten, das alles ohne Verklärung oder schulmeisterliche Wertung.
    So hat mich das Buch bis zum Ende gefesselt, auch wenn ich am Ende noch etwas mehr erfahren hätte.
    Klares Votum von mir - Lesen.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt

    "Du stirbst nicht, sagt er ruhig." - So endet Kathrin Schmidts Roman, welches gleichzeitig den Anfang des Buches wieder aufgreift. Helene wacht aus einem Koma auf und hat Schwierigkeiten ihre Gedanken zu sortieren, alles ganz durcheinander und nicht zusammen passend.

    Was ist mir ihr geschehen? Wie lange liegt sie schon hier - im Krankenhaus? Immerhin weiß sie noch, wer sie ist. Worte wollen aber noch nicht aus ihr heraus kommen. Alles stolpert vor sich hin. Arme und Beine lassen sich nicht gezielt bewegen und wer alles zu ihr kommt, kann sie noch nicht einordnen.

    Helene leidet an Aphasie aufgrund eines Hirnschlags. Aber langsam und allmählich kommen ihre Erinnerungen und ihr Sprachvermögen wieder. Oft noch für Außenstehende schwierig zu verstehen, aber schrittweise besser.

    Und mit den Erinnerungen erobert sich Helene ihr altes Leben zurück. Dabei stößt sie auf Ungereimtheiten: warum kümmert sich ihr Mann Matthes so rührend um sie, obwohl ihre Ehe kurz vor dem Aus stand vor der Krankheit? Wer war Viola, genannt Maljutka Malysch, die sich erst spät in Ihrer Erinnerung manifestiert. Und warum besucht sie Viola nicht, zu der sie sich mehr als hingezogen fühlte?

    Dieser Roman ist autobiographisch geprägt. Schmidt versucht Helenes Kampf zurück ins Leben mit stakkatoartigen Sätzen zu erzählen, die sich kunstvoll verwirren und Worte manchmal außer Kontrolle geraten lassen. Der Versuch, den Wirrwarr im Kopf zu beschreiben, indem der Wirrwarr in die Sprache findet, ist gewagt und auch nur teilweise gelungen. Oft waren mir die Wortkonstrukte zu konstruiert.

    Hinzu kam die Aufarbeitung von DDR-Vergangenheit, immer wieder eingestreut - wie war es damals und was haben wir heute. Nicht wertend, aber den Lesefluss oft störend. Zuviel des Guten erst recht, wenn noch weitere philiosphische Einstreuungen über die Lage der Nation, der Umwelt und der Welt im Ganzen Einzug halten.

    Wieder einmal ein Preisträger des Deutschen Buchpreises, der mich nicht vollständig überzeugen konnte. Gute Ansätze, aber leider auch gekünstelt.

    Kommentieren0
    7
    Teilen
    ninchen1809s avatar
    ninchen1809vor 8 Jahren
    Rezension zu "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt

    Kathrin Schmidt hat für dieses teilweise autobiographische Werk den Deutschen Buchpreis 2009 erhalten und verarbeitet darin ihre Erlebnisse eines Schlaganfalls.

    Die Protagonistin Helene Wesendahl wacht eines Morgens auf der Intensivstation und hat keinerlei Kontrolle mehr über ihren Körper, kann nicht sprechen und erinnert sich nicht mal an die grundlegendsten Dingen, wie bspw. Ihren Namen. Ihre Ehe stand kurz vor dem Zusammenbruch und ihre Kinder sind auf dem Weg ihr eigenes Leben zu führen. Helene muss zuerst sich selbst wieder finden und in ihre Leben zurückkehren. Dem Leser werden der Krankheitsprozess und die langsame Rückkehr ins Leben dargeboten.

    Kathrin Schmidt gelingt es in diesem Werk dem Leser die Erlebnisse und Gefühle eines Schlaganfallsopfers näher zu bringen und ihn für dieses Thema zu sensibilisieren. Einfach großartig werden Stimmungen eingefangen und innere Zustände dargestellt.
    Ihr Schreibstil steht im Einklang mit den Empfindungen, der Verzweiflung und der Wut.
    Ich habe vorab nicht gewusst, dass Kathrin Schmidt aus ihren eigenen Erfahrungen erzählt, aber nach Recherchen hat sich mein Verdacht bestätigt. Es kann jemand so gut darüber schreiben, der das auch erlebt hat.

    Hochachtung zu einem wirklich außerordentlich guten Werk.

    Kommentieren0
    16
    Teilen
    Kuriles avatar
    Kurilevor 8 Jahren
    Rezension zu "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt

    Das Buch ist wunderbar, das Ende ist groß.

    Kommentare: 1
    9
    Teilen
    Claris avatar
    Clarivor 8 Jahren
    Rezension zu "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt

    Schicksalsschläge!

    Ganz Ungeheuerliches passiert der Heldin in diesem Roman:
    zwischen Wachen und Träumen, zwischen Wahn und Wirklichkeit erlebt Helene einen Alptraum. Sie öffnet die Augen, versteht nicht, wer da ist, was da passiert, wer redet und schweigt, und wo sie sich überhaupt befindet. Liegt sie hier oder jemand anderer?
    Die 44 jährige Schriftstellerin Helene hatte eine Hirnblutung erlitten und liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie hat fünf Kinder und lebt in der ehemaligen DDR mit den vielen Seen und herrlichen Landschaften. Die Wende liegt schon Jahre zurück, und auch der 11. September in New York hat das Gesicht der Welt inzwischen verändert.

    Helenes Mann Matthes erscheint bei ihr, die Kinder tauchen auf,--sie jedoch kann nichts richtig einordnen.

    In unglaublich eindrucksvollen Bildern beschreibt die Autorin Kathrin Schmidt Erlebnisse, die jedem passieren könnten. Sie sind an Schrecknissen in ihrer Ohnmacht kaum zu überbieten. Die unmittelbaren Erfahrungen muten wie authentische Ereignisse an. Aus Sicht der Betroffenen erlebt man mit, wie hilflos sich Helene in ihrem Zwischenreich fühlt. Sie kann kaum begreifen, was um sie her geschieht. Bilderfetzen kommen und gehen, Menschen erscheinen und betätigen sich an ihr, ohne dass sie auch nur die mindeste Mitsprache hätte. Selbst die Ansprüche ihres Körpers liefern sie der Hilfe anderer aus, indem sie sich in den intimsten Bereichen ihrer Autonomie beraubt sieht. Der Leser erfährt unmittelbar, als sei er selbst betroffen, wie absolut kreatürlich schwach man ist, wenn man sich nicht mehr artikulieren kann.

    In langen Rückblicken erinnert sich Helene ihrer vergangenen Jahre: das Leben mit den Kindern, Umzüge Schwangerschaften, Zwietracht, Missverständnisse und Entfremdungen, die ihre Ehe mit Matthes zu zerstören drohten. Es sind Gedanken, die sich einstellen und vergehen. Immer aus der Perspektive der Protagonistin erleben wir den Widerhall eines Lebens, dass von Unwägbarkeiten und Unruhe gekennzeichnet war. Mit Spannung folgt man ihrem Krankheitsprozess und der langsamen Rückkehr ins Leben.

    In diesem Buch wird das Schicksal eines Menschen beschrieben, der von einem Tag auf den anderen aus allen Bezügen geworfen wurde. Da war keine Möglichkeit, Ungeordnetes zu ordnen und den Lebenszyklus ins Reine zu bringen. Großartig werden Stimmungen eingefangen und innere Zustände registriert. Dramatisch sind die Einschübe verloren gegangener Erinnerungen, die als Assoziationen aus der Tiefe des Vergessens auftauchen.
    Als Leser fühlt man sich in den Sog des Geschehens hineingezogen und spürt die Ohnmacht nach dem Verlust von Sprache und Bewegungskoordination.
    Einfühlsam, reflektiert in Ausdruck und Gedanken entwirft Kathrin Schmidt das Vollbild einer Krankheit, bei der Psyche, Geist und Körper als Einheit verloren gegangen sind. Einem Puzzlespiel gleich wird Vergangenheit und Zukunft in sporadischen Bildern zusammengefügt. Kafkaeske Zustände entstehen, und in der höchst sensiblen Erzählung zeigt die Autorin unser fragiles Gleichgewicht und die möglichen Bedrohungen für unsere leibliche Existenz.
    Eine ausgezeichnete Schriftstellerin gilt es mit Kathrin Schmidt zu entdecken!

    Kommentieren0
    23
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt

    Du stirbst nicht.
    Helene Wesendahl wacht im Krankenhaus auf und hat keinerlei Kontrolle mehr über ihren Körper. Sie hat schwere Erinnerungslücken und kann auch nicht sprechen.
    Obwohl Ihre Ehe kurz vor dem aus stand und ihre Kinder auf dem Weg in ihr eigenes Leben,
    muss Helene sich selbst wieder finden und in Ihr Leben zurück kehren. Du stirbst nicht, hat mich noch lange nach dem lesen beschäftigt.
    Katrin Schmidt versteht es gekonnt den Leser in die Protagonistin Helene Wesendahl hinein zu versetzen und ihn in Helenes Gedankensprünge mit zu nehmen.
    Der Roman ist so deutlich und detailliert geschrieben dass es mir leicht fiel für Helene mit zu empfinden, ihrem Leben zu folgen und ihre Entwicklung sowie Rückschläge neu zu entdecken.
    Gnadenlos wird beschrieben wie es sein muss wenn man sich nicht mit der Sprache äußern kann und Menschen um einen herum ständig herumwirbeln und nicht wirklich wissen was man selber möchte.
    Oft konnte ich die Verzweiflung und hilflose Wut nach empfinden.
    Und dennoch hat dieser Roman ab und an sogar Komik das man lachen muss über die kleinen Pannen des Lebens.
    Du stirbst nicht ist in Helenes Gedankensprüngen aufgeteilt, der Lesefluss ist recht leicht geschrieben wobei ich immer wieder mal das Buch aus der Hand legen musste um den Gedanken und der Entwicklung zu folgen.
    Denn die Protagonisten Helene konfrontiert sich selbst mit der Vergangenheit und der Gegenwart.
    Dabei nimmt sie den Leser mit in ihr Leben, dem alten und dem neuen.
    So wird dieser Entwicklungsroman oben drauf auch noch spannend,
    denn man möchte ja wissen wie sich am Ende alles zusammenfügt oder auch nicht.

    Kommentieren0
    34
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    Jashrins avatar
    Hallo zusammen!

    Ich habe angefangen mein Bücherregal auszusortieren und dachte, ich stelle das ein oder andere hier ein, vielleicht findet sich ja Jemand, der sich darüber freuen würde. Dieses Mal ist es wieder ein ganz anderes Thema. "Du stirbst nicht" wurde mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Das Buch ist einmal gelesen und in gutem Zustand. Es handelt sich um ein Hardcover (siehe angehängtes Bild).

    Hinterlasst hier einfach bis zum 26.02.14 einen Kommentar, wenn ihr das Buch gerne hättet. Meldet sich mehr als eine(r), wird selbstverständlich ausgelost.

    Liebe Grüße,
    Jashrin
    Letzter Beitrag von  Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Herzlichen Glückwunsch Gelinde. Viel Spaß beim Lesen.
    Zur Buchverlosung

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks