Kathrin Schobel

 4 Sterne bei 1 Bewertungen
Autor von Don Sullivan.

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Don Sullivan

Don Sullivan

 (1)
Erschienen am 16.04.2018

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Rezension zu "Don Sullivan" von Kathrin Schobel

Die glorreichen Sieben
Die_Schnurrbliothekvor 5 Monaten

Ich bekenne mich schuldig: Was ich an Western mag, ist das klischeehafte Männerbild. Wortkarg, Kippenstummel im Mundwinkel, Revolver am Gürtel und in der Hose, inklusive 'ner wettergegerbten Visage einige Etagen höher. Als ich auf Kathrin Schobels Debütroman „Don Sullivan“ (erschienen beim Talawah Verlag) aufmerksam wurde, hatte ich natürlich sofort dieses Bild im Kopf. Qualmende Colts und lässige Sprüche, verpackt in einem Fantasy-Setting – ich war hin und weg von der Idee. Warum „Sul“ mich letztlich doch sehr überrascht hat, was ich an dem Roman so unfassbar gut fand (und was weniger) und warum ich all in all immer noch eines bin – nämlich hin und weg – das erfahrt ihr hier. Also, schnappt euch ein kühles Getränk, richtet die Hutkrempe und lasst den Schaukelstuhl knarzen, es geht los!


~ Cover ~

Das Cover ist, dem Setting der Story entsprechend, in gelb-beigen Wüstentönen gehalten. Im Hintergrund erkennt man die Karte der Welt, die von der Autorin erdacht wurde und die man auch nochmal im Innenteil findet. Die Karte ist sehr amüsant, authentisch und einfach cool, wobei nicht alle darauf verzeichneten Orte auch Erwähnung in der Story finden. Ja, das war ein Hinweis, das ich gerne mehr von der Welt erfahren möchte.

Ansonsten springen einem eine dämonische Silouhette des Hauptcharakters, samt zwei gekreuzten Revolvern und Schriftzug ins Auge. Die Schrifttype ist passend gewählt, die Revolver auch. Nur der gute Sullivan ist nicht ganz so dämonisch und böööseee, wie uns das Cover weißmachen will. Aber er hat eben einen Hang zum Übertreiben :)


~ Darum geht's ~

Die Truppe rund um Jaspal's Bounty Service – bestehend aus der resoluten Anführerin Jaspal, dem selbstverliebten Don Sullivan und dem gutmütigen Beast – hat's nicht leicht: Kaum hat Sul bei einem Auftrag ein Bordell geschrottet, kommt auch schon der nächste Ärger in Form eines schwarzen Reiters auf die staubbedeckte Veranda des Kopfgeld-Büros geflattert. Ähm, geritten. Er überreicht dem Trio einen Steckbrief, und damit geht der Ärger erst richtig los. Die Reise führt Jaspal, Beast und Sullivan (ich nenne ihn mit Absicht zuletzt, da ich weiß, wie sehr ihn das ärgert) quer über die Kontinente, über den „Ozean 8“ und wieder zurück. Während sie der Spur der ominösen Steckbriefe folgen und dabei noch ominösere Gestalten kennenlernen, entfaltet sich eine Story rund um die älteste Privatfehde der Welt: Teufel gegen Gott. Während Sullivan aus – sagen wir mal „biologischen Gründen“ – darin verwickelt wird, halten Jaspal und Beast unerschütterlich zu ihm. Sie gewinnen neue Freunde, machen sich Feinde und am Ende steht nicht etwa die Frage „Welche Haarpflege verwendet Sul, um seinem Haar soviel Schwung zu verleihen?“ (wobei die durchaus ihre Berechtigung hat), sondern die Frage nach einer wahrhaft „teuflischen“ Nachfolge. Und nach dem Preis, der dafür zu zahlen ist.

Die Grundidee der Handlung – die sich dem Leser erst relativ spät vollständig erschließt – finde ich grandios. Als Leser muss man erstmal mit einer gewissen Fragezeichen-Flut im Kopf zurechtkommen und das über einen langen Zeitraum, was mich persönlich stellenweise sehr verwirrt hat. Die Erzählung läuft zum Teil nicht-linear ab, was mich an den Stil eines gewissen Regisseurs erinnert (mehr dazu später). Es ist definitiv ein Buch, das weniger vom Plot und mehr von seinen Figuren getragen wird, was sich auch in der Spannung niederschlägt. Für mich war es keine nervenaufreibende, epische Reise, die meine Emotionen durcheinanderwirbelte, sondern vielmehr ein unterhaltsames Abenteuer, das im Großen und Ganzen gemächlich verlief.


~ Die Figuren ~

Ich sprach ja bereits von Western-Männerklischees. Tja, Don Sullivan bricht sie alle. Selbstverliebt, metrosexuell, ein größeres Ego als das des aktuellen US-Präsidenten und meine Güte, der Mann redet einfach zuviel :D Ich bin nicht wirklich warm geworden mit Sul, seine Attitüden waren mir an vielen Stellen einfach 'too much'. Nichtsdestotrotz war er mir auch nicht völlig unsympathisch, aber eben auch nicht so sympathisch wie ein Großteil der anderen Figuren.

Hut ab für alle anderen Charaktere. Jeder einzelne besaß eine individuelle Persönlichkeit, keiner war „nur“ Nebenfigur. Die Autorin hat ein sehr gutes Auge für die Dynamik unter ihren Figuren, ein Händchen für Dialoge und ein Bein für...na, ihr wisst wie ich's meine :) Ein ganz großes Lob für die grandiosen Figuren, die Geschichte jeder einzelnen hätte ein eigenes Buch füllen können. Ich liebe sowas!


~ Sprache & Stil ~

Ganz ehrlich: Schreibtechnisch eines der besten Bücher, die ich in jüngerer Zeit gelesen habe. Für einen Debütroman wirklich bombe. Sehr bildhaft, lebhaft, witzig, aber auch an manchen Stellen ernst und mysteriös und einfach WOW!

Der Stil ist sarkastisch, unterhaltsam, stellenweise blutig. Ich hatte das Gefühl, einen Tarantino-Film zu lesen. A propos Tarantino: Ich hatte den Eindruck, dass viele Begebenheiten im Buch – mehr oder weniger offensichtlich – Anspielungen auf seine Filme darstellen. Ich mag sowas, solange es nicht in Abgekupfere ausartet, was hier nicht der Fall war. Davon abgesehen gab es mal einen Mann, der mit zwei Pistolen gegen Dämonen kämpfte und dessen Vater selbst ein Dämon war. Die Pistolen des Mannes hießen „Ebony & Ivory“. Ich fühlte mich beim Lesen von „Don Sullivan“ zeitweise sehr an ihn erinnert, aber vielleicht war das auch nur Zufall :)

Einen halben Minuspunkt muss ich als alter Pedant dann doch noch abziehen: Es gab einige Korrektoratsfehler. Nichts weltbewegendes, nichts, was mich grob aus der Story herausgerissen hätte, aber stören tut mich sowas trotzdem.


~ Gesamteindruck ~

Meine drei Minuspunkte – der stellenweise verwirrende Handlungsaufbau, den teilweise nervigen Protagonisten (sorry, Sul) und die Korrektoratsfehler – summiere ich auf einen Stern, den ich abziehe. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich bestens unterhalten von „Don Sullivan“, was nicht zuletzt an der erfrischenden Schreibe von Kathrin Schobel und ihrem unglaublichen Talent liegt, Figuren lebendig werden zu lassen. Ein Talent, das ich heutzutage bei vielen Autoren vermisse. Also: Wer wirklich mal was Neues lesen will, zum Lachen nicht in den Keller geht und Unkonventionelles mag, der wird mit diesem Buch nicht enttäuscht. Oder – um es auf den Punkt zu bringen – wer Quentin Tarantinos blutig, sarkastisch-makabaren Humor und seine perfekt ausgearbeiteten Figuren liebt, wird auch „Don Sullivan“ lieben!

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