"Wie Sankt Nikolaus einen Gehilfen fand" präsentiert sich als neu erzählte Herkunftsgeschichte des Duos Nikolaus und Knecht Ruprecht – doch die Umsetzung wirft einige Fragen auf. Zwar steckt hinter der Illustration ein großer Name: Marcus Pfister, der mit Der Regenbogenfisch einen der bekanntesten Kinderbuchklassiker geschaffen hat. Gerade deshalb überraschen die gestalterischen Entscheidungen in diesem Band umso mehr.
Die Bilder sind überwiegend in dunklen, teils schwer wirkenden Tönen gehalten. Für ein Bilderbuch, das sich an jüngere Kinder richtet und eine warme vorweihnachtliche Atmosphäre erzeugen könnte, wirkt diese visuelle Grundstimmung ungewöhnlich düster. Statt der erwarteten festlichen Stimmung entsteht ein eher schummriges, beinahe trübes Gesamtbild.
Auch die Darstellung des heiligen Nikolaus irritiert. Anstelle der traditionellen Bischofsmitra trägt er eine rot-weiße Weihnachtsmannmütze – ein Bruch mit der historischen Figur und ihrer religiösen Bedeutung. Dadurch verschwimmt einmal mehr die Unterscheidung zwischen dem christlichen Nikolausbrauchtum und der populären Weihnachtsmannfigur, was gerade in einem Kinderbuch eher zur Verwirrung beiträgt als zur Klarheit.
Besonders auffällig ist zudem die Umdeutung der Figur Knecht Ruprecht. In der klassischen Überlieferung tritt er als ernster, strafender Gegenspieler des Nikolaus auf – eine ambivalente, oft auch furchteinflößende Gestalt, die das moralische Spannungsfeld des Nikolausbrauchs mitprägt. Das Buch hingegen verwandelt ihn in einen liebenswerten, fast sanften Helfer, wodurch der traditionelle Charakter stark abgeschwächt wird. Diese Modernisierung mag gut gemeint sein, nimmt der Erzählung aber einen wesentlichen Teil ihrer kulturellen Tiefe und ihres mythologischen Gewichts.
Insgesamt bleibt das Bilderbuch hinter meinen Erwartungen zurück. Die Kombination aus düsterer Bildsprache, ikonografischen Ungenauigkeiten und der Entschärfung zentraler Figuren führt zu einem Buch, das zwar visuell eigenständig, aber inhaltlich wenig überzeugend wirkt – und das dem reichen Nikolausbrauchtum im alpenländischen Raum nicht gerecht wird.






