Super, und dir?

von Kathrin Weßling 
4,1 Sterne bei46 Bewertungen
Super, und dir?
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TNiemitz82s avatar

Ein spaßiger Trip!

sabineps avatar

Zum schluss verwirrend und azch ziemlich ploetzlich zu ende.die frage wo sich stellt: lebt sie nich?

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Inhaltsangabe zu "Super, und dir?"

'Ich glaube, Kathrin Weßling hat den Roman ihrer Generation geschrieben.' ZEITmagazin Newsletter, Christoph Amend

Marlene Beckmann ist 31 Jahre alt und lebt das Leben, das sie sich gewünscht hat. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie meistens: 'Super, und dir?' Marlene hat sich äußerlich im Griff. Bis sie ihren ersten richtigen Job als Social Media Managerin in einem multinationalen Unternehmen antritt. Bis sie vor lauter Überstunden kein Privatleben mehr hat. Bis der Druck schließlich zu groß wird.Mit emotionaler Wucht beschreibt Kathrin Weßling eine gnadenlose Welt, in der Ersetzbarkeit, fehlende Perspektiven und der Zwang zur Selbstoptimierung eine ganze Generation unter Druck setzen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783961010103
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Ullstein fünf
Erscheinungsdatum:06.04.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 3 Monaten
    Immer das Beste geben - bis man umfällt

    Der Anfang: »Heute ist mein Geburtstag. Ich bin einunddreißig Jahre alt, mein Körper wohl eher einhundertfünf – zumindest fühlt er sich so an.«

    Marlene Beckmann will immer die Beste sein. Sie möchte, dass ihre Eltern stolz auf sie sind. Immer fleißig, Einser-Abitur, guter Studienabschluss und dann der erste Job. Na klar: Volontärin für Marketing, eine Arbeit auf Zeit, ein Job der Bewährung. Maja heißt die andere Volontärin. Die erscheint Marlene leblos, unscheinbar, nicht fleißig genug. Nach einem Jahr wird sich entscheiden, wer von beiden den festen Vertrag bekommt und Marlene will ihn. Marlene ist perfekt, das bekommt sie von Maja auch mal um die Ohren gehauen, immer makellos gestylt, immer überpünktlich und zu Überstunden bereit und immer fleißig, perfekte Präsentationen, immer ein Lob vom Chef.

    »In dieser Branche und in diesem Job unterscheiden wir nicht zwischen Privat und Arbeit. Es gibt nur das Unternehmen.«

    Der Chef macht klar: Privat ist ab heute gleich Job! Doch was ist der Preis für Überstunden? 70 Stunden die Woche im Büro, Nacharbeiten am Wochenende zu Hause, wie übersteht man das? Ritalin, eine Prise Speed, eine Line Koks, in der Nacht Schlafmittel, um wieder herunterzukommen. Marlene erzählt rückblickend kurz von Kindheit und Jugend, dann geht es rasend schnell um das letzte Jahr. «Alles super», sagt sie jedem, postet auf Facebook und Instagram aus ihrem Super-Leben Super-Selfies, es geht ihr bestens, super Job. Sie arbeitet in einem angesagten multinationalen Unternehmen, sie hat 532 Freunde auf Facebook, ihr Freund liebt sie, die beiden wollen zusammenziehen, ein gemeinsamer Urlaub auf Teneriffa steht an.

    »Dabei sah es gar nicht so schlecht aus, dieses Leben. Es sah sogar ziemlich vielversprechend aus. Mein Leben. Bis es auseinanderfiel und damit auch alle Versprechen brach, die es mir und allen anderen gegeben hatte.«

    Marlene wird immer dünner, isst kaum etwas, zieht immer mehr Lines durch die Nase, haut immer mehr Tabletten hinein. Sie braucht immer mehr, um sich wach zu halten. Die wenige Zeit, die ihr bleibt, verbringt sie im Fitnesscenter, man muss ja auf seine Gesundheit achten, sie kauft gesund ein, man will ja kein Gift essen, wer gesund lebt, ist leistungsfähig. Abends im Club zieht sie Koks rein, machen ja alle. Im Sauseschritt läuft Marlene auf den Zusammenbruch zu, auf ihren einunddreißigsten Geburtstag. Irgendwann hilft auch kein Make-up mehr, um ihr ausgemergeltes Gesicht zu verstecken, Haare fallen aus, die Nase blutet.

    »Nein, fair wäre, wenn du mich jetzt in Ruhe lässt. Oder wenn du nackt zur Party gehst, ziehe ich an, was du willst. Deal?«

    Marlene ist eine unsichere Frau, für sie ist wichtig, was andere von ihr denken. Gute Zeugnisse, gute Bewertungen, viele Likes. Sie muss perfekt sein, perfekt aussehen, ihre wirklichen Bedürfnisse steckt sie zurück. Was ihr noch fehlt, ist eine Beziehung, eine perfekte. Sie trifft auf Jakob, in einem schlechten Augenblick, völlig verhuscht, durchgeregnet, die Wimperntusche verschmiert vom Regen. Er verliebt sich in das aufgeweichte »Pandamädchen«, das so gar nicht perfekt aussieht. Und es ist Jakob, der ihr immer wieder zeigt, wie unwichtig es ist, das zu tun, was andere verlangen. Aber auch Jakob schaut letztendlich weg.
    »Du kapierst natürlich nicht, warum ich so viel arbeite und warum mir das so wichtig ist. Dir wurde ja auch alles immer in den Arsch geschoben. Ha, was sage ich: Wurde? Das ist ja noch immer so.«

    Kathrin Weßling beschreibt den Weg eines Selbstbetrugs. Ich muss super sein, damit die Welt mich mag! Und dafür gebe ich alles! Keine Fehler machen, immer drauf achten, dass andere mich positiv sehen. Für Marlene ist es sogar wichtig, dass Jakob, als sie ihn das erste Mal auf einer Party den Freundinnen vorführt, so aussieht, wie es die anderen wohl erwarten: perfekt, gestylt, einfach himmlisch. Jakob macht nicht mit – er ist Jakob! Marlene ist nach außen gerichtet, blendet das Innere aus. Von klein auf ist sie auf Leistung getrimmt, auf das Funktionieren. In höllischem Tempo rast die Icherzählerin durch das Buch. Der Leser nimmt teil an ihren Gefühlen, Gedanken, an ihrem Selbstbetrug, an ihrem Zerfall. Stress, Kopfschmerzen und Übermüdung, Depressionen Angstzustände, Herzrasen, Aufputschen durch Drogen, Herunterkommen durch Schlaftabletten, der Körper wird ausgepresst wie eine Zitrone. Marlene ist ein Extrembeispiel, bei anderen Menschen nimmt es einen schleichenden Weg, das Ergebnis ist am Ende gleich: schwere Depression, körperlicher Verfall. Ist Marlene selbst schuld? Sicher nicht allein. Schon in ihrer Kindheit ist sie auf Hochleistung getrimmt, der Arbeitgeber verlangt die Selbstaufgabe, lässt sie offen ins Messer rennen. Als auch noch der ersehnte Urlaub gestrichen wird, weil es wichtiges zu tun gibt, ist der Stecker herausgezogen. Marlene bricht zusammen. Der Chef ist enttäuscht, er hätte mehr erwartet. Der Freund stellt immer wieder fest, sie sei nur noch Haut und Knochen, sie arbeite zu viel. Aber den heimlichen Gebrauch von Drogen bekommt er nicht mit. Will er es nicht sehen?

    Der Roman beginnt und endet mit dem Zusammenbruch. Schnell, gnadenlos, eine schnörkellose Sprache, Kathrin Weßling nimmt uns mit auf einen Höllenritt. Der Text schockiert, er ist heftig durch seine Ehrlichkeit. Rückblickend, fragt sich Marlene, wie alles zusammenhängt, wo der Anfang der Geschichte liegt, an welcher Stelle sie etwas falsch gemacht hat. Zu welchem Zeitpunkt hätte sie auf die Bremse steigen müssen? Liebe Marlene, die Stelle liegt ganz weit zurück. Aber das ist ein anderes Thema. Das Berufsleben, das sie beschreibt, ist grausam. Ein netter, smarter Chef, der sie fordert, lobt, ihr zeigt, dass sie besser ist als die andere. Die Banane an der Angel, der beneidenswerte Job. Die Affen auf dem Fahrrad, die Volontäre. Das Geld, das lockt, die Unabhängigkeit, den anderen zeigen: Ich habe es geschafft! »Super, und dir? »
    Bringen wir unseren Kindern früh bei, »Nein!« zu sagen, sich zu distanzieren, bringen wir ihnen Selbstbewusstsein bei, negative Gefühle zuzulassen. »Wie gehts?« – »Voll beschissen, und dir?«

    Die Journalistin Kathrin Weßling weiß, wovon sie schreibt. Ihr Roman ist ehrlich und hat auch sicher autobiographische Züge. Sie sagte in einem Interview mit »Die Zeit«: »Meine Erwartung war, dass ich 120 Prozent gebe, am besten nine to nine, und krass Karriere mache. … Meine Kündigung war tatsächlich meine Rettung. Vorher hatte ich extreme Probleme, ich war dauernd krank.“ Sie habe einen Monat nur geschlafen, sagt sie, so ausgepowert sei sie gewesen, habe ihre Arbeitseinstellung überdacht und sich neu orientiert. „Freitags habe ich mich oft allein betrunken und dann das Wochenende in einer Art Koma verbracht. … Ich konnte mich einfach nicht noch mit Leuten unterhalten.“ Wie ihre Protagonistin ist sie an ihrem Geburtstag nicht ans Telefon gegangen, ihre Freunde seien sozusagen in ihre Wohnung eingebrochen. Heute ist Kathrin Weßling selbstständig, sie berät Redaktionen, Verlage und Autoren, zur Optimierung ihrer Social-Media-Aktivitäten. Bisher sind zwei Bücher von ihr erschienen: Drüberleben, 2012 und Morgen ist es vorbei, 2015. Außerdem schreibt sie Texte für Spiegel Online, Stern, Zeit online, Neon, Jetzt, SZ.

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    TNiemitz82s avatar
    TNiemitz82vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein spaßiger Trip!
    Ein spaßiger Trip!

    Einfach toll und lebhaft geschrieben. Schöne Unterhaltung!

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    Steffi0703s avatar
    Steffi0703vor 4 Monaten
    Wahnsinnig gut!

    Inhalt (Klappentext): Marlene Beckmann, Anfang dreißig, Social Media Managerin in einem multinationalen Unternehmen, hat es geschafft: Sie hat 532 Freunde auf Facebook, einen Freund, der sie liebt, und einen Job, den alle haben wollten. Und wenn sie noch weniger schläft, noch produktiver ist, fröhliche Selfies postet und dabei in ihre Chakren atmet, wird das Leben noch besser.
    Um dem ständigen Druck standhalten zu können und den eigenen Erwartungen gerecht zu werden, ruft Marlene jedoch immer öfter ihren Dealer Ronny an. Bis ihr die Kontrolle schließlich ganz entgleitet und sie in einen Strudel aus Abhängigkeit und Selbstzerstörung gerät.

    Meine Meinung: Kathrin Weßling widmet sich in diesem Buch den Problemen der sogenannten Generation Y. Es geht um die Angst vor der Ersetzbarkeit im Job, um fehlende Perspektiven und die Überforderung, die bei vielen jungen Menschen heutzutage schon in der Schulzeit oder während des Studiums beginnt. Immer wieder wird einem eingeredet, dass man nur dann etwas erreichen kann, wenn man beste Leistungen bringt und dass man nur dann etwas wert ist. Schwächen sind nicht erwünscht.
    Die Protagonistin Marlene Beckmann zerbricht schließlich an diesem Druck, denn bereits in ihrer Jugend hat sie gelernt zu funktionieren, ihre Probleme in sich hineinzufressen und niemanden daran teilhaben zu lassen. Sie arbeitet wie eine Verrückte, hat eigentlich alles erreicht, was sie wollte, aber für welchen Preis? Sie vernachlässigt ihr Privatleben, ihre Freunde, ihre Beziehung, ihre Hobbys und lebt nur noch für die Arbeit, die ihr nicht einmal Spaß macht und die ihr alles abverlangt. Das Leben ist für Marlene ohne Drogen gar nicht mehr zu schaffen und zu ertragen. Lange Zeit kann sie den Schein wahren, keiner merkt etwas von ihrer Sucht, aber letztendlich verliert sie doch die Kontrolle. Ich konnte ihre Gedanken und ihr Verhalten gut nachvollziehen, was zweifelsohne an Kathrin Weßlings grandiosem Schreibstil liegt. Sie kann Ängste, Sorgen, Zweifel, insgesamt Gefühle unglaublich eindrücklich in Worte fassen, sodass man keine Probleme hat, sich in die Protagonistin hineinzuversetzen.
    Einzig der Schluss kam mir ein wenig zu plötzlich und hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen. Trotzdem fand ich das Buch unglaublich gut und kann es nur jedem empfehlen - jungen Menschen, die sich darin bestimmt ab und zu wiederfinden können und auch der älteren Generation, die leider oft nicht richtig nachvollziehen kann, wie sich das Arbeits- und Studentenleben heutzutage anfühlt und wie die digitale Vernetzung zusätzlich einen großen Druck ausübt.

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    robbylesegernvor 4 Monaten
    Gänsehaut


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    KaraMellis avatar
    KaraMellivor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Emotionale Rutschpartie auf der Abwärtsspirale
    now the drugs don´t work...

    Einer der stärksten Einstiege per Zitat überhaupt:
    The devil whispered in my ear, "You´re not strong enough to withstand the storm."
    Today I whispered in the Devil´s ear. "I am the storm."
     
    Take a walk on the wild side: dieses Buch übte eine dermaßen furchtbare Faszination auf mich aus, daß ich es in kürzester Zeit durchgelesen hatte.
    Man begleitet die 30-jährige Marlene während ihrer Volontariatszeit.
    In Rückblenden erfährt der Leser von Schlüsselerlebnissen ihrer Existenz und beobachtet ihren fortwährenden Kampf gegen das Scheitern in ihren Lebenskrisen.
    Damit sie ihren eigenen Ansprüchen und denen anderer gerecht werden kann, muß sie eine übermenschliche Energie aufbringen.
    Um das zu bewerkstelligen, greift sie immer öfter zu Drogen. Die Kontrolle über sich und ihr Leben entgleiten ihr dabei immer mehr.
    Trotzdem erlaubt sie sich keine Anzeichen von Schwäche.
    Als der Druck zu groß wird und nicht mehr kompensiert werden kann, bittet sie Ihren alten Hausarzt, der sie schon als Kind kannte, um Hilfe.
    Doch er sieht die Wahrheit und ihre Not nicht. Marlenes jahrelange perfektionierte Inszenierungen lassen es nicht zu, daß er und die ihr Nahestehenden sie als hilfsbedürftig erkennen.
    Es wäre leicht, ihr allein die Schuld zu geben. Ich finde, Ihr Umfeld macht es sich zu einfach, trägt entscheidend zur ihrer Talfahrt bei.
    Alle sehen und hören nur das, was sie wahrnehmen wollen.
    Marlenes nach außen dargestellte Perfektion isoliert sie. Es gelingt ihr nicht, sich aus der Einzelkämpfersituation zu befreien.
    Als Leserin empfand ich das unerträglich grausam.
    Wieviel hält sie aus? Was muß noch passieren? Wie lange geht das gut? Wie soll das enden? Die letzte Frage wird nicht beantwortet, das Ende ist offen und damit entsetzlich.
    Die Zukunft Marlenes kann in alle erdenklichen Richtungen weitergesponnen werden. Aufgrund des offenen Endes habe ich mich der Protagonistin verbunden gefühlt: alleingelassen, perspektivlos.
    Das Cover fand ich sehr passend: eine ordenlich gekleidete Frau, liegend auf einer Parkbank. Matt, müde, entkräftet? Und hinter der Bank ein schwarzes Nichts, düster, bedrohlich. Die Bank hält sie, steht zwischen ihr und dem Nichts, eine Art Anker.
    Absolut bezeichnend sind für mich zwei Sätze:
    "Etwas zu erreichen, auf das man lange gewartet hat, kann schön wie auch furchtbar sein."
    "Es ist das Lächeln von jemandem, der selbst noch lacht, wenn das Haus brennt, in dem er steht."
    Beide bringen sowohl Marlenes Wesen wie auch das daraus resultierende Dilemma auf den Punkt.
    Ihre Geschichte hat mich sehr berührt und war eine einzige emotionale Rutschpartie auf der Abwärtsspirale.

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    skiaddict7s avatar
    skiaddict7vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: unbedingt lesen!
    Wer kennt das nicht?

    Marlene ist einunddreißig, hat einen tollen Freund, war Klassenbeste, hat studiert, nun ihren ersten Job bei ihrer Traumfirma und zahlreiche Followers auf diversen Social Media Kanälen. Wer wäre da nicht glücklich? Dass sie mindestens 70 Stunden pro Woche arbeitet, zahlreiche unbezahlte Überstunden macht, immer müder wird und es schließlich nur noch mit Hilfe von diversen Drogen durch den Tag schafft ist nebensächlich. Die anderen schaffen es auch, so schwer kann es nicht sein, oder? Man darf nicht zeigen, dass man es nicht leicht findet, oder? Immerhin war das doch ihr großes Ziel und Marlene hat sehr, sehr viel aufgegeben um dahin zu kommen. Nur fühlt es sich ganz und gar nicht an wie sie es sich erhofft hatte.


    Ich habe schon vor dem Lesen sehr viel (Positives) über das Buch gehört und wollte mich selbst davon überzeugen. Nun, ich bin absolut überzeugt! Kathrin Weßling schreibt ehrlich und mit einem gewissen Sarkasmus und schafft es damit, uns vorzuzeigen, wie falsch das eigentlich alles läuft in unserer Gesellschaft: junge Menschen (ich will mal sagen die Generation der „Millenials“) studieren, dann kommen haufenweise unbezahlte Praktika, dann kriegt man endlich den ersten Job, wo man meist nach Strich und Faden ausgenutzt wird. Tonnenweise unbezahlte Überstunden. Wer sich nicht beugt wird ersetzt. Der Urlaub wird nicht genehmigt und man wird schliesslich zu irgendeiner unbeliebten Urlaubszeit gezwungen, diesen zu nehmen, weil „Sie wollen ja nicht den Urlaub anhäufen“ (habe ich selbst so erlebt). Wenn man versucht, sich wegen Überstunden zu wehren, wird gleich gesagt, man sei halt ineffizient und habe deshalb so viele. All das Lob der vergangenen Wochen und Monate ist da sofort vergessen. Dann wird unsere Generation auch sofort als frech dargestellt, weil wir uns eine Work-Life Balance erhoffen. Privatleben, Kinder, all das sollen wir vorerst vergessen und uns totarbeiten – aber wo führt das hin? In Marlenes Fall bis in die Drogensucht, die dann aber sogar ihr Arzt abstreitet. Nein, Leute wie wir die werden nicht süchtig. Das passiert uns doch nicht. Ist doch alles super!


    Am Ende lernt Marlene, dass Karriere nicht glücklich macht und dass es im Job immer noch mehr und mehr Projekte geben wird. Das „danach“ wo man dann mal mehr Zeit hat um sich seinen Freunden oder der Familie zu widmen, das gibt es nicht. Und Marlene fragt sich endlich, wozu sie nur so viel anderes aufgegeben hat.


    Kathrin Weßling ist mit diesem Buch ein sehr wichtiger, emotionaler Roman gelungen, der uns die Augen öffnen sollte und uns hoffentlich zum nachdenken bringt. Ich habe sehr viele Situationen, die Weßling beschreibt, selbst erlebt und wünschte, ich hätte das Buch schon früher gelesen.

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    EvyHearts avatar
    EvyHeartvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Im Hamsterrad der Selbstzerstörung
    Im Hamsterrad der Selbstzerstörung (Rezi-Ex.)

    Dieses Buch knallt. Es war stellenweise so wuchtig in seiner negativen Energie, dass ich pausieren musste. Es ist sehr gut in dem, was es tut - zweifelnden Menschen den Spiegel vorhalten, das Paradoxon aus dem Kontrollverlust und dem Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Und der Frage, wann jemand die Selbstzerstörung beendet.

    Mit mehr Distanz ist es ein Text, der Stilmittel sehr wirkungsvoll einsetzt. Aber auch ein Text, der thematisch nichts Neues erzählt. Wäre das Buch vor zehn Jahren erschienen, wäre es wohl zum Inbegriff der Generation Y geworden.

    Worum geht es?


    Marlene Beckmann arbeitet in einem Unternehmen, das sinnlose Waren verkauft und muss dafür Kampagnen ausarbeiten. Gemeinsam mit Konkurrentin / Leidensgefährtin Maya kämpft sie darum, nach dem Praktikum übernommen zu werden. Außerdem hat sie einen Freund. Immer dabei: Drogen und Alkohol. Und der Spruch "Wie geht's dir?" - "Gut, und dir?"

    Die Hauptfigur


    Marlene war eine gute Schülerin und versucht auch als Studentin und später als Praktikantin erfolgreich zu sein. Einen Bruch erlitt ihr Leben, als ihre Eltern sich trennten und die Mutter es ablehnte, das mit Marlene aufzuarbeiten. Ganz im Gegenteil: Die Mutter wurde alkoholkrank und schärfte ihrer Tochter ein, niemandem etwas zu erzählen. Es macht mich traurig, dass der Mutter der Gesichtsverlust wichtiger ist als die eigene Tochter. Auch von ihrem Vater bekommt Marlene, außer Geld, nur wenig Unterstützung - als sie beim Abiball aufbegehrt, wird sie nicht wahrgenommen, sondern angeschrieen. "Gut sein", "erfolgreich sein" stellt Zuneigung in Aussicht, die Marlene auch später nicht bekommt. Das Verhältnis zur Mutter bessert sich, aber vertraut wirken die beiden nur selten.

    Marlene benötigt ihren Freund als Stütze, aber ich hatte das Gefühl, dass sie ihn unbewusst ausnutzt. Denn auch ihr Freund erkennt den Ernst der Lage nicht.

    Mit Freunden (?), Bekannten und Dealern hat sie sich ein Umfeld geschaffen, das freundlich und gefährlich ist. Keiner hasst Marlene, aber keiner hält sie auf. Jeder denkt, dass Marlene das schafft.

    Marlene reflektiert stark über ihre Sucht und das trügerische Gefühl, die Kontrolle zu haben. Das ist es, was den Text so lebensnah macht - dass die Hauptfigur klug und erfahren genug ist, es besser zu wissen.

    Gestaltung


    Die Autorin schafft es gut, die Figur (vielleicht?) ins Verderben zu treiben und dem Leser ständig Ausfahrten zu zeigen, an denen er hofft, dass Marlene den Absprung schafft.

    [Spoiler]Das Ende des Praktikums. Eine Abtreibung. Den Urlaub, den ihr Freund allein macht, weil sie nicht hart genug gekämpft hat. Einen Seitensprung. Einen zwei-tägigen Rausch, an dessen Ende Marlene nichtmehr runterkommt und von Panikattacken geschüttelt wird.[/Spoiler]

    Der Text ist konzentriert auf das Wesentliche und spart klischeehafte Nebenhandlungen aus z.B. nervige Kollegen.

    Der Schluss wirkt wie ein Tusch am Ende eines Musikstücks, weil er zeigt, welche Rolle jede Figur Marlene zuschreibt.

    Ich empfand die Kapitel als kurz, aber insgesamt fühlt sich der Text land und mächtig an. Umso krasser ist es, die Danksagung zu lesen, denn plötzlich ist alles gut.

    Was nehme ich aus dem Buch mit?


    Die Gefahr sind nicht die Drogen. Es ist nicht die Gesellschaft und es ist nicht der Chef, der erwartet, dass man für den Job lebt. Die Gefahr sind wir selbst. Ist unser Kopf, der ständig neue Möglichkeiten kreiert, die uns glücklich machen könnten. Anstatt zu verstehen, dass die Gleichung immer dasselbe Ergebnis zeigt.

    Ich habe gelesen, dass Menschen, die glauben, sie seien nicht manipulierbar, besonders gut manipulierbar sind. Vielleicht sind auch wir besonders empfänglich für Kontrollverlust, weil wir glauben, alles unter Kontrolle zu haben. Und weil es uns tatsächlich sehr lange gelingt, auf dem Drahtseil zu balanchieren.

    Fazit


    Für manche Leser ist "Super, und dir?" ein Buch über eine weitere Drogensüchtige und das ist verständlich. Aber für mich war es sehr beeindruckend. Schmerzhaft, warnend. Ein sehr kluges Buch.

    Dennoch bleibt der bittere Beigeschmack, dass etwas fehlt.

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    Lannavor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Geschichte, die traurig und wütend macht.
    Wirklich heftig

    Die Geschichte beginnt mit dem Leben der Protagonistin Marlene, die ziemlich abgestürzt ist. Sie hatte sich das Leben, jedoch so nie vorstellt und weiß selbst nicht wie es soweit kommen konnte. Sie wollte doch nur schnellstmöglich ihr Studium beenden und einen Job finden. In Rückblenden erfahren wir, wie sie zu dem Menschen geworden ist, der sie heute ist und was zu dieser großen Katastrophe, das sich nun ihr Leben, mit 31 Jahren nennt, geführt hat.

    Marlene ist ein eigentlich eine sehr starke Persönlichkeit und hat in der Vergangenheit ihren Schicksalsschlägen, so gut es eben ging, getrotzt und ist ihren weg gegangen. Sie hat von ihrer Jugend an funktionieren müssen, dies hat sich durch ihr ganzes Leben gezogen. Bis sie in einem Job landet, in dem der Leistungsdruck sehr hoch ist.

    Der Leistungsdruck kommt jedoch nicht nur von ihrem Arbeitgeber. Sie macht sich diesen auch selbst, in dem Sie ihr ganzes Leben, in Sozial Media Kanälen präsentiert. Dort muss jeder schließlich immer perfekt sein. Sie schafft sich ihre eigenen Sozial Media Lügen. :“Ich habe einen neuen Job also was muss ich sein? Glücklich“!. Dafür gibt es Daumen hoch ! Das zwingt sie diesen Zustand auch selbst zu glauben, oder bestmögliches es sich selbst einzureden.

    Die Beschreibung einer gegenwärtigen Situation ist sehr einnehmend. Kathrin Weßling beschreibt ehrlich, mit wenigen aber den richtigen Worten, dass einem selbst so unbehaglich zumute wird, als würde man selbst in der Haut der Protagonistin stecken.

    Ich fand es faszinierend wie viele Gedankengänge sie hatte, die überhaupt nicht die gegenwärtige Situation passen. Sie aber doch irgendwie auftauchen, ob es hilft die Situation zu überstehen, oder einfach durch eine Nervosität entstehen sei dahin gestellt. Dadurch findet mich sich in vielen Situationen, die Marlene erlebt und ihre Reaktion darauf, wieder.

    Ich habe mir so wünscht, dass sie es schafft und dieses Chaos das sich ihr Leben nennt, teils selbst und teils unverschuldet, wieder in den Griff bekommt. Ich wollte sie so oft gerne schütteln und ihr sagen: „Hör auf damit“. Letztendlich durchlebt Marlene nichts, was nicht viele andere auch durchstehen müssen. Vielleicht ist das auch der Grund wieso, die Geschichte von Marlene, so echt rüberkommt.

    Dieser Zitat beschreibt ganz gut weshalb der Titel des Buches „Super, und dir“ heißt.

    „…, alles kann in sich zusammenfallen, aber das hier nicht: die Maske, der Tarnanzug aus Funktionalität.“

    Zitat : Seite unbekannt ( Ebook Version )

    Das verrückte ist, dass Marlene anstatt sich wirklich von der Arbeit zu erholen, oder diesen einfach hinzuwerfen, sich Tipps holt, wie sie sich besser konzentrieren kann, oder was sie tun kann um mehr Leistung zu bringen. Das führt jedoch zu noch mehr Stress: „Morgens eine halbe Stunde Meditieren, dann noch am besten ein wenig Yoga, ach und Laufen soll ja auch Wunder bewirken“. Danach ist sie zwar erschöpft, ihr ist schlecht aber sie ist sehr stolz auf sich.

    „Denn wenn eigentlich alles gut läuft, dann ist das Leben eine Art Schuldschein. Die Schuld ist: es zu erhalten. Es zu schützen. Weiterzumachen. Nicht zu jammern. Um Himmels willen nicht zu jammern.“

    Zitat: Seite unbekannt ( Ebook Version )

    Ich kann nicht sagen, ich habe diese Buch verschlungen. Es ist sehr bedrückend, ich habe mich so oft geärgert, aber so oft mitgefühlt. Ich habe mir so sehr ein happy end für Marlene gewünscht.

    Fazit:

    Diese Buch ist für jeden geeignet, vor allem für alles Sozial Media Nutzer, denn die behandelnde Themen sind sehr präsent. Man sollte sich aber auf ein hartes Stück Brot gefasst machen.

    Die Autorin Kathrin Weßling, arbeitet selbst als Online-Redakteurin und Sozial-Media-Spezialistin.

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    AnnieHalls avatar
    AnnieHallvor 6 Monaten
    Ein schonungslos ehrlicher Roman

    Super und dir? ist ein Roman von Kathrin Weßling und 2018 bei Ullstein erschienen.

    Marlene Beckmann geht es super, sie hat einen tollen Job und ist glücklich mit ihrem Freund. Marlene ist nicht überfordert, in einer Beziehungskrise oder hat ein Drogenproblem, denn wenn sie nur oft genug sagt, dass es ihr gut geht, glaubt sie es irgendwann selbst. Bis ihr Freund alleine nach Teneriffa fliegt, da ihr Urlaub nicht genehmigt wurde und ihre Fassade zu bröckeln beginnt...

    Schonungslos ehrlich erzählt Kathrin Weßling die Geschichte einer Frau, der das eigene Leben entgleitet und die krampfhaft versucht, den Schein zu wahren. Marlene ist überfordert, leidet unter Panikattacken und betäubt die innere Leere mit Drogen. Ihre Angst und Verzweiflung, die unter der Oberfläche brodeln, sind spürbar und zuweilen schmerzhaft. Man möchte sie wahlweise schütteln, umarmen und ihre Drogen das Klo runterspülen.

    Ein bewegender Roman, der einen ungeschönten Blick auf die moderne Arbeitswelt wirft, in der Mitarbeiter zu Höchstleistungen angetrieben werden und fernab jeglicher work-life-balance nur noch fremdbestimmt funktionieren.

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    once-upon-a-times avatar
    once-upon-a-timevor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Etwas verwirrend, aber auf unheimliche Weise packend und bewegend. Vielleicht ein erschreckend akkurates Bild einer Gesellschaftsschicht?
    Schmerzhaft und packend

    „Man sieht nicht, wie das Mädchen ertrinkt, ganz im Gegenteil.“ (S. 17/S. 168)

    Marlene lebt am Ort ihrer Träume, sie hat den Job ihrer Träume und den Freund ihrer Träume. Trotzdem – oder deswegen? – rutscht sie langsam aber sicher ab, immer weiter, und verliert zunehmend den Halt. Wo landet jemand wie sie, wenn alles um sie herum zerbrochen ist?

    Alles an diesem Buch ist ziemlich verworren, was das sich durchziehende Thema der Drogenabhängigkeit wirklich fühlbar macht. Das macht es zwischendurch etwas anstrengend zu lesen, sorgte aber zumindest bei mir für ein überwältigendes Gefühl der Beklemmung, während Marlene verzweifelt versucht, sich an irgendetwas festzuhalten. Beinahe hat man selbst das Gefühl, zu fallen und zu ertrinken.

    Nicht sicher war ich mir jedoch bis zum Schluss, was ich von Marlene selbst halten sollte. Irgendwie tat sie mir unheimlich leid, aber irgendwie fand ich sie auch furchtbar anstrengend. Ja, meine Güte, das Leben ist halt manchmal ätzend, aber dann sollte man versuchen, etwas daran zu ändern, und nicht auf irgendwelche Substanzen zurück zu greifen, die einen den Mist ertragen lassen.
    Und doch: Gerade damit schafft es dieses Buch vielleicht, einem ein kleines Bisschen die Augen zu öffnen.

    „Etwas funktioniert nicht mehr, und dieses Etwas bin ich.“ (S. 110)
    „Und in das Loch „Niemand liebt mich“ passt „Eine bunte gemischte Tüte für 4 Euro“ nicht rein, egal, wie doll man drückt und schiebt.“ (S. 116)


    Ich glaube, dass viele Situationen und Gefühle, die in „Super, und dir?“ geschildert werden, Gefühle dieser Generation sind. Der Leistungsdruck, alles scheint sich der Kontrolle zu entziehen, und dann versucht man das einzige zu kontrollieren, was noch bleibt: Den eigenen Körper. Spannend, wie sehr mich das schon beim Lesen mitgerissen hat – und das trotz der teils wirklich verwirrenden Zeitsprünge.

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