Kathrine Kressmann Taylor So träumen die Frauen

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Inhaltsangabe zu „So träumen die Frauen“ von Kathrine Kressmann Taylor

Kathrine Kressmann Taylor, deren Buch "Adressat unbekannt" ein weltweiter Longseller ist, hat Zeit ihres Lebens wunderbare Erzählungen geschrieben, die nun zum ersten Mal auf Deutsch erscheinen. - Zwischen Sehnsucht und Angst, Hoffnung und Wehmut, zwischen Glücksgefühlen und gebrochenen Herzen, dem Wunsch, dazuzugehören, und dem Drang, alles hinter sich zu lassen: Auf höchst einfühlsame Weise porträtiert die Autorin vier Frauen und einen Mann an Wendepunkten ihres Lebens. Sie erkundet die Abgründe des menschlichen Herzens und erzählt bewegend von der Schwierigkeit, zu lieben und geliebt zu werden. - Die Erzählungen erinnern in ihrem pointierten, poetischen Stil an Carson McCullers oder Katherine Mansfield. Ein ergreifendes Leseerlebnis.

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    So träumen die Frauen
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    13. August 2017 um 15:47

    Katherine Kressmann Taylor, geboren 1903, veröffentlichte ihren Briefroman „Adressat unbekannt“ erstmals 1938 in einer US-amerikanischen Zeitschrift. Die Geschichte zweier deutsch-amerikanischer Freunde, die durch die Übersiedelung des einen 1932 nach Deutschland und seine zunehmende Sympathie für den Nationalsozialismus zerbrach (der Zurückbleibende war jüdischer Abstammung) weckte bei Erscheinen einiges an Aufmerksamkeit und entfachte in den USA eine lebhafte Diskussion. Zum großen, weltweiten Erfolg, der das kleine Buch zu einem modernen Klassiker machte, gelangte es aber erst Jahrzehnte später.Katherine Kressmann Taylor, der geraten wurde angesichts des brisanten politischen Themas, lieber den geschlechtsneutralen Autorennamen Kressmann Taylor zu wählen (1938!), schrieb davor und danach einige Kurzgeschichten, von den fünf nun in einem sehr schön ausgestatteten kleinen Leinenbändchen erschienen sind. Sie sind zwischen 1935 und 1958 entstanden.Allen gemeinsam sind die Frauengestalten, die in ihrem Mittelpunkt stehen. Auch wenn nur eine davon in „Todesglocken“ wahrhaftig träumt – einen verstörenden, bedrohlichen Traum übrigens -, wirken sie doch alle ein wenig wie Träumerinnen. Sie sind voller Überschwang, angefüllt mit Gefühlen, Plänen, im Kopf entweder in einer ersehnten Zukunft oder einer schmerzlich vermissten Vergangenheit – je nach Alter, denn das variiert von sehr jung bis sehr alt. Gemeinsam ist ihnen auch ihr – wohl zeittypisches - Verhalten Männern gegenüber. Diese gelten für sie als Ankerpunkt, als Bewunderungs- und Liebesobjekt, ein wenig wie die Ritter in der strahlenden Rüstung. Zumindest ordnen sie alle mehr oder weniger ihnen ihr Leben und ihre eigenen Träume unter. Und auch Kressmann Taylor, wie wir im Nachwort ihres Sohnes erfahren, reihte sich im echten Leben dieser Frauenschar ein. Während ihr Mann ungestört seiner Karriere als Herausgeber eines Magazins nachgehen konnte, kümmerte sie sich um Haus, Farm und Kinder, unter teilweise ärmlichen Verhältnissen und musste sich diesem Alltag mühsam ihre Schreibstunden abtrotzen. Dennoch war es wohl sie, die mit dem Erfolg von „Adressat unbekannt“ einen Großteil des Familienvermögens erwirtschaftete. Nicht zufällig entstanden die meisten hier versammelten Erzählungen nach 1953, dem Todesjahr ihres ersten Mannes. Eine zweite Heirat im Jahr 1967 bedeutete eine erneute Schreibpause bis zum Tod auch dieses Partners 1974 (!). Von den später entstandenen Werken ist bisher noch keines auf Deutsch veröffentlicht. Lediglich der 1942 erschienen Roman „Day of no return“, der erneut Nazideutschland zum Thema hatte, erschien 2002, ist mittlerweile aber auch nur noch antiquarisch zu haben (vielleicht komplettiert der Hoffmann & Campe Verlag ja die schöne Reihe noch mit diesem Werk?!).Auch wenn in keiner der Geschichten deutlich angesprochen, ist die Klage über diese selbstgewählte Abhängigkeit der Frauen, das Bedauern über die aufgegebenen Pläne und Chancen und die Gefahren die darin liegen, doch klar, wenn auch subtil zu spüren.Da ist die junge Frau, die ein eigenes Leben und eine Karriere in der Stadt sausen lässt, als sie ihre alte Liebe, einen kernigen Landmann, widertrifft. Da ist das junge Mädchen, dass den sie anbetenden Freund verschmäht, nur um einem arroganten Schnösel hinterherzulaufen, der sie absichtlich schlecht behandelt. Da ist eine Witwe, die ihren verstorbenen Mann betrauert, aber auch in dieser Situation nicht der sozialen Kontrolle entfliehen kann.„Doch dann fiel ihr Blick auf all die vertrauten, nassen Dächer der kleinen Stadt und die Fenster, hinter denen aufmerksame Augen wachten. Und sie wusste, dass sie es nicht tun würde.“Sie ist eng, die Welt, in der die Frauen leben (und gegebenenfalls träumen). Noch beklemmender wird dies deutlich in den beiden Erzählungen, in denen alte Frauen eine Rolle spielen.Es sind Frauen, die einst durchaus erfolgreich und ambitioniert, voller Talente und Träume, irgendwann auf der Strecke geblieben sind und verarmten. Soziale Absicherung, Vermögenssicherung, das war für Frauen in der Nachkriegszeit ohne Männer wohl immer noch schwierig. Manche opfern eine durchaus aussichtsreiche Karriere allerdings auch für diese auf. So in der für mich besten, auch der längsten der Geschichten, „Die sterbende Rose“. Wie hier der Niedergang eines Ehepaars an den verfehlten Ambitionen, dem falschen Stolz und der unbedingten Ergebenheit der Frau geschildert wird, ist aufwühlend und literarisch sehr beeindruckend. Schon lange hat mich keine Kurzgeschichte mehr derart berührt, wie gerade diese.Ich muss zugeben, dass mir Katherine Kressmann Taylor bislang nicht bekannt war. Die Lektüre ihres Romans „Adressat unbekannt“ ist nun für mich Pflicht. 

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