Katja Kettu Wildauge

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Inhaltsangabe zu „Wildauge“ von Katja Kettu

Lappland im Sommer 1944. Johannes Angelhurst ist deutscher Offizier, er soll als Fotograf die finnischen Verbündeten porträtieren. Als er der Hebamme »Wild- auge« begegnet, ist er fasziniert. Ihr Blick ist frei und ungestüm — fast wie der eines wilden Tieres. Auch Wildauge fühlt sich sofort zu dem schweigsamen Mann in seiner schwarzen Uniform hingezogen. Und so lässt sie sich, als er in ein Kriegsgefangenenlager abkommandiert wird, dort als Krankenschwester ein- schleusen. Zwischen beiden entbrennt eine bedingungslose, wilde Leidenschaft. Doch im Lager passieren grauenvolle Dinge. Und der Krieg geht dem Ende zu, Deutsche und Finnen stehen nicht länger auf derselben Seite ...

Auf Tatsachen beruhende Liebesgeschichte im Fjordland Finnlands im Krieg 1944. Intensive, irgendwie urig-natürliche Sprachbilder. Toll!

— Ein LovelyBooks-Nutzer
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  • Besessene Liebe

    Wildauge
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. July 2015 um 09:00

    die ersten Seiten waren beeindruckend. Dann musste ich abbrechen, weder das Thema besessene Liebe, noch die Seelenwelt eines Nazis interessieren mich. Die Schriftstellerin merke ich mir. Vielleicht findet sie ein zeitgemäßeres Thema.

  • Eine unmögliche Liebe....

    Wildauge
    Miamou

    Miamou

    … in einer unmöglichen Zeit. Katja Kettus großer Roman - archaisch, sinnlich, erdig, rau. Lappland im Sommer 1944. Als Johannes Angelhurst ihr zum ersten Mal begegnet, ist sie gerade dabei, der Tochter des Schnapshändlers bei einer schweren Geburt zu helfen. Ihr Blick ist so frei und ungestüm - fast wie der eines wilden Tieres. Sie ist die Hebamme von Petsamo. Die meisten Dorfbewohner finden sie seltsam und begegnen ihr mit zwiespältigen Gefühlen, weil sie zu viel über das Geheimnis von Leben und Tod weiß. Johannes ist deutscher Offizier, er soll als Fotograf die finnischen Verbündeten porträtieren. „Wildauge“ - so sein Spitzname für die Hebamme - fühlt sich sofort zu dem schweigsamen Mann in seiner schwarzen Uniform hingezogen. Sie ist sich sicher: Er ist ihr Mann. Überallhin würde sie ihm folgen, so stark sind Bestimmung und Begehren. Und so lässt sie sich, als er in ein Kriegsgefangenenlager abkommandiert wird, dort als Krankenschwester einschleusen. Zwischen beiden entbrennt eine bedingungslose, wilde Leidenschaft. Doch im Lager passieren grauenvolle Dinge. Keiner darf in die Nähe des Kuhstalls, in den die weiblichen Gefangenen gebracht werden. Und Johannes, der den Auftrag bekommen hat, ein riesiges Bassin auszuheben, schüttet immer größere Mengen einer Droge in sich hinein, die ihn stumpf und brutal macht. Katja Kettu nimmt nicht nur ihre Figuren, sondern auch ihre Leser in die Mangel. Ein kantiges, eigensinniges Buch mit einem überbordenden Reichtum an urwüchsigen Bildern und Wendungen. ******************************************* „Wildauge“ ist Katja Kettus dritter Roman und der erste den ich von ihr gelesen habe. So eine Art von Roman ist mir bis jetzt noch nie untergekommen. Die Figuren in „Wildauge“ sind weit entfernt von Schwarz – und Weiß – Malerei. Vorderhand steht der SS – Offizier Johannes für das Böse. Doch je weiter man liest, umso mehr kommen einem da Zweifel. Nur mithilfe von Drogen erträgt er die Gewalt im Gefangenenlager, er leidet an Wahnvorstellungen und ist kriegstraumatisiert. Man gerät in Gefahr mit ihm zu sympathisieren, wenn da nicht sein sehr stolzes Auftreten wäre und seine Feigheit sich gegen offensichtliche Ungerechtigkeiten einzusetzen. „Wildauge“ schenkt Leben und wird als die Gute gesehen, aber auch dabei muss man vorsichtig sein. Sie macht sich schuldig, indem sie im Gefangenenlager an missbrauchten Frauen Abtreibungen für medizinische Zwecke der Nazis vornimmt. Die Beziehung zwischen den beiden wirkt mal sehr zärtlich, aber dann im nächsten Moment wieder so roh, wie der Krieg selbst. Die Sprache ist sehr derb und ruppig, gleichzeitig aber auch sehr bildgewaltig was das Buch interessanterweise zu etwas Besonderem macht. Ich hatte öfter den Eindruck, dass damit die wirklich schrecklichen Gräuel des Krieges ein wenig überdeckt wurden, weil die Sprache alleine während des Lesens schon erschüttert. Um den Inhalt zu erfassen braucht es sehr große Aufmerksamkeit. Oft gibt es kleine Seitenhiebe oder scheinbar unwichtige Aussagen, die dann im Verlauf der Geschichte wieder vorkommen und dann erst ein Ganzes ergeben. Generell ergibt sich erst nach der ersten Hälfte des Buches eine Klarheit, in welche Richtung die Geschichte läuft. Der Beginn des Buches und auch der weitere Verlauf waren für mich sehr packend. Die letzten Kapitel jedoch fand ich sehr zäh. Die Flucht aus dem Gefangenenlager war mir ein bisschen zu verwirrend und unrealistisch abgehandelt. Auch das Ende selbst erschien mir – obwohl es etwas Romantisch – Intimes hatte – doch eher unwahrscheinlich. Trotzdem ein einmaliges Leseerlebnis….das Buch bekommt von mir eine klare Empfehlung.

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    • 3
  • Sprachlos war ich!

    Wildauge
    Angie*

    Angie*

    So erging es mir nach der Lektüre von *Wildauge* . Die Lebensgeschichte einer mutigen Liebenden Frau in den Zeiten des 2. Weltkrieges. Sie lebt in einem Lager der deutschen Besatzung in Finnland und arbeitet dort als Krankenschwester und Hebamme. Verliebt sich in einen deutschen Lagerleiter, liebt , leidet und lebt in ihrer eigenen Gedankenwelt. Die Autorin hat eine Prosasprache, die mich mitgerissen hat. Ungewöhnlich, umschreibend und doch trifft sie mit prägnanten Sätzen die Situation und die Gefühlswelt der Ich-Protagonistin Wildauge,,,,Spionagetätigkeit, menschliche Schwächen , Leiden, Sterben, Neubeginn, Naturbeschreibungen - dieser Roman trifft all diese Facetten. Unbedingt lesen!!!

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    • 3
  • Gewinnt die Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2014!

    Wurfschatten
    Daniliesing

    Daniliesing

    In diesem Jahr hat das LovelyBooks-Team wieder fleißig gelesen und dabei tolle Bücher entdeckt. Natürlich möchten wir euch auch 2014 nicht vorenthalten, welche Bücher uns am meisten begeistert, berührt und gefesselt haben. Deshalb findet ihr hier nun jeweils das Lieblingsbuch von allen Teammitgliedern aus diesem Jahr. Ein glücklicher Gewinner darf sich später über ein Buchpaket mit allen 12 Büchern freuen und damit eine wunderbare Lesezeit verbringen. Unsere Buchtipps: 1. Jules1988 empfiehlt: "Miss Blackpool" von Nick Hornby Mein Lieblingsbuch 2014 ist Nick Hornbys neuer Roman „Miss Blackpool“. Obwohl es kein typischer Hornby ist, liebe ich das Buch als Fan trotzdem. Hornbys feinsinniger Humor und seine liebevolle und einfühlsame Art, seine Figuren zu beschreiben - sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen - machen diesen Roman so besonders. Man verliert sich in der Geschichte des Teams rund um Barbara, ihre Höhen und Tiefen, Freundschaft und Liebe und hat dabei das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Träumer" von Pam Muñoz Ryan und Peter Sis Für mich war "Der Träumer" eine ganz zufällige Entdeckung beim Büchershopping. Nur selten finde ich noch Bücher, die ich nicht zuvor schon irgendwo gesehen habe, doch hier wurde ich überrascht. Einmal aufgeschlagen und die ersten Sätze gelesen, hatte mich dieses wunderbare Buch aus dem Aladin Verlag sofort verzaubert. Als ich dann die großartigen Illustrationen von Peter Sis entdeckte, war es um mich geschehen: dieses Buch musste mir gehören! Schnell stellte sich heraus, dass ich mit meiner Entscheidung absolut richtig lag. Im Urlaub nahm ich das Buch zur Hand und konnte es gar nicht mehr zur Seite legen. Zwar ist das Buch als Kinderbuch ausgezeichnet, doch mit seinen 380 Seiten und einer wunderbar poetischen Sprache ist es für jeden erwachsenen Buchliebhaber ein wahrer Genuss. Pam Muñoz Ryan erzählt tiefgründig und bewegend die Geschichte des kleinen Neftali, dem der Leser beim Erwachsenwerden zuschauen darf. Der Junge hat keine leichte Kindheit - sein Vater macht es ihm mit hohen Erwartungen schwer, er ist häufig krank und lebt lieber in seiner eigenen Phantasie, statt draußen rumzutollen. Neftali ist ein Träumer! Wie der Junge sich trotz aller Schwierigkeiten durchschlägt und die Lebensgeschichte welches bekannten Dichters sich dahinter verbrigt, das solltet ihr am besten selbst herausfinden. Dieses Buch geht zu Herzen und ist mein persönliches Jahreshighlight! 3. TinaLiest empfiehlt: "Wurfschatten" von Simone Lappert Mich hat dieses Jahr besonders der Debütroman von Simone Lappert begeistern können: „Wurfschatten“ ist nicht nur äußerlich ein wunderschönes Buch, sondern es besticht auch durch die beeindruckende Schreibkunst, die die Autorin an den Tag legt. Sie schafft es, die Ängste, die die Protagonistin Ada beherrschen, beklemmend und dunkel zu beschreiben und die Geschichte doch zart wirken zu lassen, einfühlsam und authentisch. Mit dem kleinen, wenn auch vorhersehbaren Hauch Liebe, der Adas Ängste zurückzudrängen versucht, und der Prise Drama am Ende hat "Wurfschatten" mich dann endgültig abgeholt und den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ich hoffe sehr, dass bald ein zweites Buch von Frau Lappert folgen wird und kann in der Zwischenzeit nur jedem ihr Erstlingswerk empfehlen! 4. JohannaE1988 empfiehlt: "Die hellen Tage" von Zsuzsa Bánk In "Die hellen Tage" erzählt Zsuzsa Bánk auf eine besonders schöne und ruhige Art eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens. Beim Lesen begleitet man die drei Freunde Aja, Seri und Karl von der glückvollen und teils auch tragischen Kindheit bis zum Erwachsenenalter und wünscht sich bei einem der so unbeschwerten Tage im zauberhaften Garten, die die drei so oft erlebten, dabei gewesen zu sein. Alle drei, so unterschiedlich sie auch sind, teilen das Schicksal, mehr oder weniger ohne Vater aufzuwachsen. Neben der Geschichte über eine besondere Freundschaft und der innigen Beziehung zwischen den Kindern und ihren Müttern, hat mich vor allem die unaufgeregte Erzählweise Bánks und ihre einfühlsame und warme Sprache beeindruckt und mich richtig entspannen lassen. Auch bei den Zerreißproben und Schwierigkeiten, die die drei im Laufe der Geschichte durchleben müssen, bangt und hofft man mit und fühlte ich mich oft an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert. 5. aba empfiehlt: "Unterholz" von Jörg Maurer Ich habe sehr gute Bücher gelesen in diesem Jahr. Manche Bücher haben mich tief berührt, andere haben mich nachdenklich gemacht - aber mit Jörg Maurer habe ich auf hohem Niveau gelacht! Für mich kam dieses Buch im richtigen Moment. Es hat mich amüsiert und abgelenkt. "Unterholz" ist der fünfte Band um den oberbayrischen Kommissar Jennerwein, einer meiner literarischen Lieblingsfiguren überhaupt. Krimis gehören nicht zu meiner Lieblingslektüre, aber nachdem ich den ersten Band dieser Serie gelesen habe, konnte ich nicht anders, als ein Fan von Jörg Maurer und vom ganzen Team um Kommissar Jennerwein zu werden! 6. doceten empfiehlt: "Beginners" von Raymond Carver Raymond Carver gilt neben Hemingway als einer der ganz großen Autoren der American Short Story: mit geschliffener und schnörkelloser Sprache auf den Punkt gebracht sind seine Themen Verlust, Einsamkeit und das Scheitern der amerikanischen Mittelschicht. Seine Geschichten deprimieren, erschüttern mit jeder Zeile. Mit Beginners erscheint seine Buch "Wovon wir reden, wenn wir über Liebe sprechen" erstmalig in der Urfassung, ohne die stark kürzenden Eingriffe seines Lektors Gordon Lish. Nicht ganz so lakonisch und brachial, dadurch aber viel berührender. Ein Buch, um dunkle Wintertage noch dunkler zu machen - manchmal braucht man das ja. 7. clickclackboom empfiehlt: "Das Haus des Windes" von Louise Erdrich Auch wenn Lieblingsbücher zu bestimmen mir schwer fällt, da es immer so viele gute Bücher gibt, kann ich sagen, dass „Das Haus des Windes“ eines meiner liebsten Bücher 2014 ist. Es erzählt die Geschichte vom 13-jährigen Joe, der das unaufgeklärte Verbrechen an seiner Mutter rächen möchte und dabei erwachsen werden muss. Die Protagonisten des Romans sind Nachfahren der nordamerikanischen Indianer und so bekommt man interessante Einblicke in das Leben im Reservat, die Stammesgeschichten und die Gesellschaftsverhältnisse in den USA. Obwohl es um ein ernstes, trauriges Thema geht, ist „Das Haus des Windes“ ebenso ein lustiges Buch über das Leben als Teenager und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Louise Erdrich hat Charakter geschaffen, die vielschichtig sind und die einem beim Lesen ans Herz wachsen. 8. kultfigur empfiehlt: "Die Hyperion-Gesänge Band 1-2" von Dan Simmons Dan Simmons erzählt fantastisch, die Bücher entwickeln einen Sog, den ich bisher sehr selten erlebt habe. Jeder, der gerne Science Fiction liest und philosophisch angehauchte Bücher liebt, wird die insgesamt rund 3.000 Seiten nur so verschlingen. Die beiden Bücher sind nicht nur mein persönliches Highlight 2014, sondern ganz weit oben auf der Liste meiner Herzensbücher. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen! 9. Katha_Luko empfiehlt: "Pfaueninsel" von Thomas Hettche Hettches Buch öffnet die Türen zu einer Welt voller Exotik, Groteske und Kuriositäten aber auch zu der komplexen und zerbrechlichen Architektur der menschlichen Seele. Die Hauptfigur ist Marie, die als Kleinwüchsige auf die preußische Lustinsel verfrachtet wird, um dort zum Vergnügen des Königs als Schlossfräulein ihr Dasein zu verbringen. Neben einem Mohr, einem Riesen, wilden Tieren und geheimnisvollen Pflanzen gilt sie als eine von vielen verqueren Launen der Natur. Damit steht sie im krassen Kontrast zu einer damals weit verbreiteten naturphilosophischen Auffassung, die nur das Wohlgeformte und Regelmäßige für schön und wertvoll erklärt – eine Auffassung, die mit ihren Jahren auf der Insel Maries Menschenwürde und Lebensmut beständig abträgt. Hettches „Pfaueninsel“ fängt Atmosphären ein als wäre er selbst Zeuge des merkwürdigen Lebens auf der Insel gewesen, seine Charakterzeichnungen und Schilderungen seelischer Zustände und schließlich seine authentische Zeichnung der historischen Gegebenheiten ziehen den Leser in ihren Bann: Ich war selten so berührt von einem Buch und seiner Hauptfigur! 10. peckomingo empfiehlt: "Cobra" von Deon Meyer Viel Zeit zu lesen hatte ich leider nicht in diesem Jahr, doch bei meiner Südafrika-Reise wurde natürlich ein Deon Meyer-Buch gelesen. Cobra ist nicht nur ein Thriller, sondern gleichzeitig auch eine Mischung aus Politik und psychologischen Betrachtungen. Das Tempo und die Spannung werden durchgehen hoch gehalten. Schauplätze, Eigenheiten und Sitten des Landes werden authentisch vermittelt. 11. Sophia29 empfiehlt: "Rosen, Tulpen, Nelken" von Heike Wanner Zu meinen Lieblingsbüchern 2014 gehört definitiv „Rosen, Tulpen, Nelken“ von Heike Wanner. Ich habe von der Autorin schon mehrere Bücher gelesen, aber dieses hat mir ganz besonders gut gefallen. Es geht darin um Sophie, die ihre Mutter schon in frühen Jahren verloren hat. Zufällig fällt ihr eines Tages das Poesiealbum ihrer Mutter in die Hände und als sie es durchblättert, stellt sie fest, dass sie keinen der darin enthaltenen Namen kennt. Um mehr über das Leben ihrer Mutter und somit auch mehr über sich selbst zu erfahren, macht sie sich mit ihren zwei besten Freundinnen in einem Wohnmobil auf den Weg und versucht die Personen zu finden, die im Leben ihrer Mutter eine Rolle gespielt haben … Heike Wanner ist es in diesem Buch gelungen, zwei Geschichten – die Geschichte von Sophie und die ihrer Mutter – auf spannende Weise miteinander zu verbinden und gleichzeitig zu verdeutlichen, wie unverzichtbar wirklich gute Freunde in unserem Leben sind. Seid ihr neugierig auf unsere 12 Lieblingsbücher 2014 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 7. Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 12 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir immer gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 755
  • Man muss besondere Literatur lieben, und sich fallen lassen, um all die Nuancen aufzuspüren!

    Wildauge
    Floh

    Floh

    Katja Kettu mit ihrem kontrovers und viel diskutierten Werk "Wildauge" hat meine Aufmerksamkeit allein durch das Cover, den Titel und die begeisterten Leserstimmen erhalten. Ich musste dieses Goldstück an Literatur aus Finnland einfach lesen. Und nun kann ich sagen: Ich habe kaum ein Buch gelesen, dass mich so lange gefangen hielt und zwischen Abbruch und Weiterlesen hin und her riss! Meine Erwartungen, nach diesen großen Lobeshymnen und den sehr mitreißenden Leserstimmen auf dem Buchrückennach, waren nun sehr sehr hoch. Aber dieses Buch hat einfach das gewisse ETWAS, was dieses Buch einfach zu etwas ganz Besonderen und sehr selten dagewesenen macht. Auf jeden Fall ist "Wildauge" ein ganz kostbares Stück Literatur, welches mich dennoch sehr in den Bann gezogen hat und mich nun mit allerlei neuen Eindrücken, viel Wissen und Informationen und vor allem mit viel bewegenden Gefühl zurücklässt! Das Weiterlesen hat sich gelohnt und bezahlt gemacht. Erschienen im Galiani Verlag (http://www.galiani.de/) Zunächt hervorgehoben: dieses Buch ist keine leichte Kost! Wer neuartige und noch nie dagewesene Sprachmelodien liebt, der wird hier in "Wildauge" reich beschenkt. Allein die Übersetzerin vom Finnischen ins Deutsche wäre beinahe Wahnsinnig geworden. " ... Katja Kettus sprachliche Kreativität auch nur zu durchschauen ist selbst für Muttersprachler nicht immer leicht. ...Katja Kettus überbordender Reichtum mit all seinen Besonderheiten stellt eine einzige Herausforderung dar, soll doch die Deutsche Fassung wenigsten annähernd den eindruck vermitteln, den das Original bei den finnischen Lesern erzeugt. ..." aus dem Nachwort der Übersetzerin. Wer aber mit Autorin Kettus Sprachbildern und Stil warm geworden ist, wird sich in ihren Bildern, darstellungen und in ihrem Talent verlieren, wer keine anspruchsvollen Lektüren mag, der wird mit diesem Roman kein Glück haben. An die Leser, die nicht genug bekommen können von poetischen Bildern, wortgewandten Dialogen, gehobener Sprache und erstaunlichen Intellekt: bitte greift zu diesem Werk und lasst euch verwöhnen mit schicksalhaften Begegnungen und einer komplexen Handlung inmitten der Gewalt des 2. Weltkriegs. "Ich schenk dir das Leben. Schenk du der Welt dein Lachen!" Seite 16 Inhalt / Beschreibung: "Eine unmögliche Liebe in einer unmöglichen Zeit. Katja Kettus großer Roman – archaisch, sinnlich, erdig, rau. Lappland im Sommer 1944. Als Johannes Angelhurst ihr zum ersten Mal begegnet, ist sie gerade dabei, der Tochter des Schnapshändlers bei einer schweren Geburt zu helfen. Ihr Blick ist so frei und ungestüm – fast wie der eines wilden Tieres. Sie ist die Hebamme von Petsamo. Die meisten Dorfbewohner finden sie seltsam und begegnen ihr mit zwiespältigen Gefühlen, weil sie zu viel über das Geheimnis von Leben und Tod weiß. Johannes ist deutscher Offizier, er soll als Fotograf die finnischen Verbündeten porträtieren. »Wildauge« – so der Spitzname der Hebamme – fühlt sich sofort zu dem schweigsamen Mann in seiner schwarzen Uniform hingezogen. Sie ist sich sicher: Er ist ihr Mann. Überallhin würde sie ihm folgen, so stark sind Bestimmung und Begehren. Und so lässt sie sich, als er in ein Kriegsgefangenenlager abkommandiert wird, dort als Krankenschwester einschleusen. Zwischen beiden entbrennt eine bedingungslose, wilde Leidenschaft. Doch im Lager passieren grauenvolle Dinge. Keiner darf in die Nähe des Kuhstalls, in den die weiblichen Gefangenen gebracht werden. Und Johannes, der den Auftrag bekommen hat, ein riesiges Bassin auszuheben, schüttet immer größere Mengen einer Droge in sich hinein, die ihn stumpf und brutal macht. Katja Kettu nimmt nicht nur ihre Figuren, sondern auch ihre Leser in die Mangel. Ein kantiges, eigensinniges Buch mit einem überbordenden Reichtum an urwüchsigen Bildern und Wendungen." "Dann einen Lidschlag lang, spürte ich, dass sich etwas verändert hatte, und für einen Augenblick war es der Blick eines Rentierbullen, der eine Rentierkuh gewittert hat, der sofort wieder erlosch, aber ich war schon geschmolzen, hatte mich aufgelöst, war irgendwo tief in einem Urmeer versunken, wo Seeungeheuer einem die Fersen lecken und ein feuriger Stern einem das Fleisch versengt. " Seite 35/36 Handlung: Der Roman gliedert sich in sechs Teile mit einem Vorwort und einem Nachwort. Wir lernen zunächst die Hebamme des Ortes kennen, eine gefürchtete und dennoch wichtige und überlebensnotwendige Frau. Beschimpft, beäugt und verspottet. Scheelauge, oder später Wildauge wird diese Hebamme genannt, die mit allerlei Wildkräutern und Planzen für medizinische und sterile Hilfe sorgt. So manchem hat sie schon das Leben geschenkt, aber auch genommen. Sie ist eine Hebamme in Gottes Gnaden. Als Vollwaise wächst Wildauge bei den Näkkäläs auf, dann wird sie der Tochter Lispet zu einem schwarzen unehelichen Kind verhelfen. Beide überleben die Geburt knapp. Fotograf Johannes Angelhulst taucht auf, um Fotos zu machen. Wildauge und er begegnen sich. Ein Feuer entfacht. Aber auch Lispet will Johannes umgarnen. Sie beginnt ein mieses Spiel. Wildauge kann eh keine Kinder bekommen, und Lispet will ein weiteres, eins von Johannes.... Johannes tritt seinen Dienst im Gefangenenlager Titowka an, und leitet Operation Kuhstall. Wildauge, blind vor Liebe will ihm dort hin folgen. Gegen all der guten Ratschläge setzt sie ihren Plan um, und will als Schwester dort im Lager arbeiten, um Johannes nahe zu kommen. Dann gibt es einen Zeitsprung von knapp 3 Monaten und wir Leser erfahren nach und nach, was in diesem Sommer in 1944 vorgefallen ist, dass wir Wildauge so erleben, wie sie nun auf der Hütte am Fjord des Toten Mannes lebt und überlebt. Die Geschehnisse dieses Sommers offenbaren sich dem Leser nur nach und nach, wir erfahren aus Aufzeichnungen und Tagebucheinträgen des Toten Mannes von Kriegshintergründen, erfahren aus gefährlichen Besuchen und Übermittlern, die Wildauge dort am Fjord heimsuchen, wir leiden mit ihr, mit Mascha und Hund Hilma. Wir müssen miterleben, was für Grausamkeiten die geheime Operation Kuhstall birgt, wir erfahren, warum Wildauge kahl geschoren ist, und warum sie bis zum Ende glaubt, ihren Johannes jemals wiederzusehen und ihm ihre Frucht zu schenken.... "Zum Glück gibt es im Haus des Toten Mannes keinen Spiegel, denn ich will mein krankes Bild nicht sehen." Seite 114 Meinung: Wie schon erwähnt, waren meine Erwartungen sehr sehr hoch, aber ich war auch vorgewarnt, dass diese Literatur von besonderer Note ist und die Geister erhitzt. Das tut sie definitiv. Ausnahmeautorin Katja Kettu zeigt Mut, denn sie hat eine Sprache erschaffen, die der Leser so bestimmt noch nie geboten bekommen hat. Dieses Buch hat Intellekt, Anspruch und viele Farben. Das Lesen ist nicht leicht und die Seiten müssen mit Muße verarbeitet und wirken gelassen werden, dieses Niveau muss der Leser erstmal halten können. Sprachlich gekonnt, und sehr beeindruckend. Keine Frage, aber dennoch konnte ich bis fast zur Mitte nicht ausmachen, wohin mich dieses Buch leiten möchte. Der Kern dieses Buches erschließt sich erst recht spät, daher wankte ich zwischendurch mit Abbruch des Buches. Das wäre jedoch fatal gewesen, denn für die Leser, die durchhalten, offenbart der Roman noch einen ganz besonderen und sehr impulsiven und intensiven Lesegenuß. Es breitet sich ein Gefühl aus, als dass man der Handlung nicht mehr entfliehen kann, man fühlt sich als Kriegsgefangener dieser einzigartigen Geschichte weit weg vom Mainstream und der Masse. Eine besondere Kost, die es zu genießen gilt. Der gekonnte Perspektivenwechsel zwischen Johannes Angelhulst, Wildauge und den Aufzeichnungen des Toten Mannes, und die Zeitsprünge zwischen dem Beginn und dem Ende des Sommers 1944 gaben der Lektüre dann immer wieder Klarheiten und Tempo. Zum Glück siegte meine Neugier, denn jetzt bin ich Stolz, dieses Meisterwerk der hohen Schreibkunst und des großen Intellekts gelesen und aber auch genossen zu haben! Trotz der Schwierigkeiten für mich, dem hohen Niveau stand zu halten, bin ich sehr begeistert von dem Buch. Was vor allem an den Beschreibungen und der wortgewandten groben aber auch teils sehr leisen Sprache liegt. Katja Kettu hat eine Poesie in ihrem Schreibstil, welche unvergleichlich und unvergesslich ist. Ich kann verstehen, dass die Übersetzerin an ihre Grenzen gestoßen ist..., Sehr wichtig und für mich auch stark von Gebrauch ist das Glossar am Ende der Lektüre. Hier werden die vielen Fremdworte und Fachbegriffe klar und verständlich erklärt. Auch das Nachwort der Übersetzerin hat mich sehr überrascht und viele Erkenntnisse geliefert. Auch das eigendliche Nachwort und die Literaturhinweise zeugen von viel Recherche, Engagement und Herzblut. Ein Roman mit Mehrwert! "Aber ich spürte schon, wie meine Wangen zu glühen begannen und das Herz in meinem Knochenkerker so heftig pochte, dass dieses Kesselpauken bestimmt bis ans Ende des Fjords zu hören war." Seite 120 Charaktere: Autorin Katja Kettu hat nicht nur die Macht und die Gewalt über die Worte, nein, sie hat auch die Macht, die Eigenschaften und Details der einzelnen Charaktere auszumachen und unglaublich genau einzufangen. Ihre Beweggründe werden dem Leser jedoch erst schrittweise deutlich und klar gemacht. Wildauge: sagenhaft polarisierender und einprägsamer Hauptcharakter, der lange nach Beenden des Buches noch bewegt und im Kopf herumgeistert. Wildauge lässt den Leser einfach nicht mehr los. Eine Hebamme, die scheinbar kinderlos bleiben wird, eine Hebamme die ihren Beruf wie eine Berufung lebt. Eine Frau Gottes Gnaden. Sie hantiert mit Kräutern und allerlei Hilfsmitteln aus der Flora und Fauna. Sehr bemerkenswert. Schön zu lesen für die Leser. Ein Hauch Alchemie. Aber Wildauge ist verliebt, zum ersten mal. Oder ist sie gar besessen? Sie nimmt alles auf sich, um ihren Johannes wiederzu sehen. Eine Liebe, die neben all dem Kriegsleiden das Herz zerreisst. "Als du in mich eindrangst, rann mir mein ganzes frühreres Leben aus meinem Körper wie Wasser aus einem lecken Zuber." Seite 170 Johannes Angelhulst: Er hat schwaches Fleisch, es dauert, bis er seine Gefühle zu Wildauge erschließt. Bevor es so weit ist, erleben wir Johannes in seinem Tun als Fotograf und als traumatisierter Soldat im Gefangenenlager. Die Operation Kuhstall....Johannes hat ein weiches Herz, man spürt, dass seine Vergangenheit und seine aktuelle Pflicht an ihm nagt. Und dann ist da immer wieder die fruchtbare Lispet Näkkälä... Das überzeugende bei Katja Kettus Umsetzung und Darstellung der Protagonisten ist, wie sie einfache kleine Handlungen der Charaktere detailliert beschreibt, bei denen man sich oft selbst ertappt fühlt. So werden diese auf den ersten Blick unbedeutsamen Taten zu großen Schlüsselelementen im Buch. Das ist auch der Grund, wieso das Buch einem so lange im Gedächtnis bleibt und man nach dem "Durchhalten" so stolz und fasziniert ist: Weil man die besonderen Botschaften der Ausnahmeautorin Kettu empfängt und versteht, und ihrer Phantasie folgen kann! Die überschaubaren Rollen und Nebenrollen verkörpern diese menschlichen Züge sehr genau. Der Krieg lässt die Menschen zu Egoisten werden, kalt, skrupellos, von Gier und Lust getrieben... Aber es gibt auch die wenigen, die die Menschlichkeit nie verloren haben. Die Autorin fängt das damalige Leben und die Situationen in den Kriegsjahren so gekonnt ein, dass man glaubt Teil der Handlung zu sein. "Nur ein paar weiße Vögel wiegten sich über dem Meer, als wären sie mit der Schere aus dem Himmel geschnitten" Seite 121 Die Autorin: "Katja Kettu, Jahrgang 1978, gehört zu einer Gruppe junger Autoren in Finnland, die sich der deutschen Besatzungszeit mit einem neuen, freien Blick nähern. Ihr Roman Wildauge beruht auf den Aufzeichnungen ihrer Großmutter. Er wurde hoch gelobt und stand wochenlang auf Platz 1 der finnischen Bestsellerliste. Er wird in 13 weitere Sprachen übersetzt. " Pressestimme: "»Katja Kettu ist eine der großen, international aufkommenden Schriftstellerinnen mit einer sehr eigenen, expressionistischen Sprache. (…) Ein kompromissloser Roman. Das Tabu-Thema des Lappland-Kriegs ist noch nie so urgewaltig und originell wie bei Kettu beschrieben worden .« Emma" Cover: Das Cover mit seinem ROT-Orange lockt. Es wirkt wild, gefährlich, feurig und impulsiv. So ist es auch. Die Frau auf dem Titel könnte Wildauge sein. Die Aufmachung ist sehr gelungen, das Buch ist von hoher Qualität, die Kapiteleinteilung und Länge ist sehr angenehm. Das Schriftbild ermöglicht bequemes Lesen. Die Zitate auf dem Buchrücken lassen einem das Buch an den Händen kleben. Man muss es einfach kaufen. Man sollte sich aber dem Anspruch und der Besonderheit dieses Buches bewusst sein, sonst könnte man falsch verführt worden sein. Meine Erwartungen waren auch etwas zuuuu hoch. Fazit: Es gehört für mich ohne Zweifel zu den größten Werken der Literatur! Voller Poesie und Atmosphäre. Wer hinter die Fassade, blickt und beim Lesen durchhält, wird mit einem kleinen Meisterwerk belohnt! Sicherlich kein Buch für Jedermann, man muss besondere Literatur lieben, und sich fallen lassen, und um all die Nuancen aufzuspüren. 3,5 Sterne, die ich respektvoll aufrunde zu 4 Sternen!

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    • 11
  • "Wildauge ist ein Buch, das man nicht liest, sondern durchlebt ..." (Zitat vom Buchrücken).

    Wildauge
    kvel

    kvel

    Ein intensiver Liebesroman, aber nicht nur. Ein Liebesroman, während der Kriegswirren 1944 in Lappland. Inhalt: "Wildauge" ist der Name einer Hebamme, den ihr Johannes gegeben hat. Johannes ist ihre große Liebe. Sie hat sich auf den ersten Blick unsterblich in ihn verliebt und ist ihm hoffnungslos und bedingungslos verfallen. Johannes ist ein schnieker SS-Offizier. Wildauge ist eine ungelernte Hebamme - aber sie hat das Wissen und die Gabe Leben bei der Geburt zu schenken oder aber auch Abtreibungen durchzuführen. Wildauge ist eine Außenseiterin; nie richtig anerkannt; während ihres ganzen Lebens. Meine Meinung: Themen in dem Roman sind: Krieg, Verrat, Loyalität, Innenleben / innerer Dialog / Gefühlswelt, Leben und Überleben während der Kriegszeit, Vergewaltigung im Lazarett, Leidenschaft und Seelenpein. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Wildauge geschrieben; als einen Brief an ihren Johannes. Jedoch werden auch Kapitel aus der Sicht von Johannes geschrieben, sein Gefühlsleben beleuchtet. Also ehrlich gesagt hatte ich beim Lesen des Romans so meine Probleme: Oft wusste ich beim Lesen von Wörtern nicht, ob dies irgendwelche Begriffe oder Namen sind. Oft fiel es mir auch schwer das Geschriebene in den zeitlichen Rahmen der Geschichte einordnen zu können, so dass ich lange Zeit das Gefühl hatte, dass die Geschichte Lücken hätte. Ich fand dies ein sehr seltsames Buch und wäre so manches Mal beim Lesen froh, wenn es "rum" gewesen wäre. Aber der Roman ist auch irgendwie spannend; dies um so mehr, je länger man an der Geschichte dran war; der Roman entwickelte eine gewisse Sogwirkung. Sehr positiv fand ich, dass man als Leser sehr gut in die Lebensumstände der damaligen Zeit und der Umstände des Krieges eintauchen kann. Ich war begeistert, denn stellenweise wies der Roman eine wunderbare sprachliche Eloquenz auf. Mit einem Nachwort der Übersetzerin, in dem sie ihre Bemühungen beschreibt um zu einer passenden Übersetzung der von der Autorin verwendeten Begriffe, teils verschiedene Dialekte und Wortneuschöpfungen, zu gelangen. Beim Lesen hatte ich mich so ein ums andere Mal gefragt, ob dieser Hype um diesen Roman wirklich so berechtig ist - aber im Nachhinein, mit einigen Tagen Abstand, würde ich sagen: Das ist ganz große Literatur! Aber ich möchte auch gleich eine Warnung aussprechen: Der Roman hat eine sehr "deftige" Wortwahl! Und es kommt viel Gewalt und Brutalität darin vor. Dies ist kein einfaches Buch; es ist verstörend und es ist nicht einfach zu lesen; man braucht Durchhaltevermögen beim Lesen. Mein persönliches Fazit: Dem Zitat vom Buchrücken (siehe Titel) würde ich voll und ganz zustimmen. Hint: Beim Lesen immer wieder hinten im Anhang nachsehen, denn dort wird einiges erklärt, auch wenn die entsprechenden Stellen im Roman nicht als zum Nachschlagen gekennzeichnet sind.

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    • 5
  • Schamanische Bademeisterin

    Wildauge
    jamal_tuschick

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    Katja Kettu liest in Pankow aus „Wildauge“ Mit ein bisschen Phantasie endet der Bürgerpark in seiner Weitläufigkeit da, wo es „die schönsten Bücher aus dem Norden“ gibt – bei Pankebuch in der Pankower Wilhelm-Kuhr-Straße. Früher hätte ich aus der Atmosphäre mit all ihren Anwehungen vom Frühling bis zum Herbst einen Roman gemacht, heute erinnere ich lediglich daran, dass in dieser Gegend die erste Regierung der DDR installiert war. Die finnische Starautorin Katja Kettu ist zu Gast in der Buchhandlung, sie könnte ihrer Titelheldin „Wildauge“ Modell gestanden haben. Wildauge sei „eine Naturgewalt“, heißt es. Sie ist weise, Heilpraktikerin und Hebamme – eine schamanische Bademeisterin „In ihren Handgelenken schäumt die Wut der ewigen Berge." Totem und Tabu - „Denn wer das Leben geben kann, der kann es auch nehmen.“ Der Roman spielt zum Ende einer Zeit deutsch-finnischer Waffenbrüderschaft in Lappland. Die Hebamme verliebt sich in den Untersturmführer Johannes Angelhurst, der zunächst in beinah zivilen Angelegenheiten unterwegs ist. Er begleitet die Truppe als Reporter. Er hat den Befehl, „die Bevölkerung kennenzulernen“. Er nimmt Drogen gegen die Angst. Katja Kettu findet erstaunliche Bilder für Wildauges Empfindungen. An Johannes sei „der Geruch eines zur Brunftzeit getöteten Rentierbullen hängen geblieben.“ Er riecht „qualvoll gut nach Gottes Hemd und schierem Schwanz.“ „Das Weibervolk weicht vor ihm zurück.“ Wildauge bereitet Johannes ein Bad, das einer Kur gleicht, in einem Lager, das die Sturmstaffel unterhält. Im Roman wird nicht zwischen SS-und Wehrmachtsrängen unterschieden, Wildauge liebt einen Leutnant. Der Leutnant ist kein Helmut Schmidt, sondern Untersturmführer. Wenn er eine Grube ausheben lässt, dann weiß er wofür. Er war an dem Massaker von Babyn Jar (Ukraine/1941) beteiligt. Seine Schuld folgt ihm in den Schlaf und macht ihm Albträume. Wildauge wird für ihn zur Täterin. In der Buchhandlung, einem geräumigen Souterrain, erzählt die Autorin, dass sie den Roman auf der Basis großmütterlicher Aufzeichnungen verfasst hat. Die Ahne war dabei, als Finnland an der Seite Deutschlands gegen die Sowjetunion in den Krieg zog. 1944 einigte sich Finnland mit Stalin, der Separatfrieden war an die Bedingung geknüpft, die Wehrmacht aus dem hohen Norden zu kegeln. Aus Freunden wurden Feinde. Das schlug auf Wildauges Liebesleben durch. „Erschreckend schön“ findet Moderatorin Petra Sauerzapf-Poser die Sprache der Finnin. Erfundene Wörter reichern „Wildauge“ an. Drastisch beschreibt Katja Kettu eine Entbindung, das Kind sitzt fest in der Mutter. Es wird „gekalbt“. Nabelschnüre werden ausgespuckt. Ein Neugeborener „gehört in den Sumpf gesteckt“. Ein Säugling fällt Wildauge beim Waschen aus der Hand, „das macht nichts, Schäden werden erst Jahre später festgestellt.“ Verwegen formuliert die raue Hebamme ihren Naturbegriff von der Liebe und dem Leben in tierischen Vergleichen. Die Sinnlichkeit im Text geht trotzdem nicht auf wie Hefe, Wildauges sexueller Rigorismus kommt nie wie mit Pauken und Posaunen. Katja Kettu, „Wildauge“, aus dem Finnischen von Angela Plöger, Galiani, 416 Seiten, 19,99 Euro

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  • Mitreißend

    Wildauge
    michael_lehmann-pape

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    Mitreißend Schon nach den ersten Seiten weiß der Leser, warum dieser dritte Roman von Katja Kettu mit Literaturpreisen versehen worden ist. Eine intensive, mitreißende, bildkräftige, derbe, feine, grobe, differenzierte Sprache, die sich durchgehend im Buch darstellt, die je nach Perspektive und je nach Situation ändert, die in jeder Weise den je dargestellten Umständen und Zuständen unterschiedlich Ausdruck verleiht. Von wie abgerissen wirkenden Stichworten, wenn mühsam nach Vokabeln gesucht wird von solchen, die der finnischen Sprache nicht mächtig sind, von fast poetisch-sinnlich (und doch eher derb und klar), wenn „Wildauge“, die Hebamme, spricht. Umso mehr bildreich und anhimmelnd, wenn sie von „ihrem Johannes“ spricht, der ihr raues Herz bei der ersten Begegnung bereits in Bewegung gesetzt hat. „Und gleich vom ersten Augenblick an war deine Stimme für mich Bernstein und Kienholzrauch“. „Wildauge“ ist der Spitzname der zupackenden Frau mit dem schielenden Auge und der wilden, ungebändigten Ausstrahlung, die den Eindruck erweckt, auch durch Wände zu gehen für das, was ihr wichtig ist (und die das tun wird an anderer Stelle). „Wildauge ist keine Frau, sondern eine Naturgewalt“. Wobei auch jener Johannes auf dem linken Auge schielt, doch „Wildauge“ als Bezeichnung würde auf ihn nicht passen. Zum einen, weil sein Auge nicht durch die Natur, sondern durch das Versehen eines Freundes damals in der Hitlerjugend geschädigt wurde, zum anderen, weil dieser Johannes feiner ist. Gewählter spricht und denkt, zunächst zumindest, sachlicher, reflektierter in diesem Lappland des Jahres 1944 seinen Dienst versieht. Was allerdings nicht so bleiben wird. Denn neben der unbändigen Leidenschaft (was das Verhältnis beider deutlich eher beschreibt als „romantische Liebe“) erzählt Klettu in ihrer ganz eigenen, kraftvollen Sprache einen Teil der Geschichte der Besatzung Finnlands durch Wehrmacht und SS. Die langsame Verrohung der Menschen. Das Lager, in das Johannes abkommandiert wird (und das stellvertretend für so viele Lager steht, allein im Bezirk Lappland gab es 76 solcher Lager). Die teils gedankenlose Brutalität, der „Unwert“ eines Menschenlebens, der Johannes selbst Schritt für Schritt in eine Spirale nach unten zieht. Nicht ohne Verantwortung seines ehemaligen Freundes (der für das kaputte Auge verantwortlich zeichnet), Hermann Gödel. Einer, er ihm nun vor allem das Gefühl von Angst bereitet. Ein Mann, der (nicht nur in Johannes) Angst erzeugt, der „Freund“, der Johannes schnell an Drogen heranführt, um zu vergessen, um die Tage zu überstehen. Tage mit Grausamkeit, die Kettu nicht nur teils klar beschreibt, sondern für die sie ganz eigene Ausdrucksbilder findet, die beim Leser lange nachhallen und vor dem inneren Auge bestehen bleiben. „Ein Blick, der sich in den Gewehrlauf hineinschiebt und sich in der Bleioberfläche der Kugel eingräbt, kurz bevor sie herausfliegt“. Eine intensive Entwicklung im Buch, wie das Geordnete, Klare des ersten Auftretens von Johannes mit einem kleinen Konvoi zur Zerrüttung hin sich entwickeln lassen wird, wie Verrat und Doppelverrat am „Fjord des toten Mannes“ um sich greift, wie abgestumpft wird, aber auch, wie bedingungslos geliebt wird und dabei jedes Hindernis auf lange Zeit hinaus überwunden werden wird. Wie sich einfach alles ändert in jenen Tagen, durch den Krieg und als Finnland aus dem Krieg aussteigt und alles auch an Beziehungen, an klaren „Fronten“ über den Haufen geworfen wird. „Wenn zweihunderttausend Männer losgelassen werden und durch die Gegend rennen, dann kommt dabei nix Gutes heraus. Dann geht das Schlachtvieh genauso flöten wie die Keuschheit der Mädchen“. Ein Roman voller Sprachkraft und bildreich dargestellter Emotionen, der in der intensiven Zeichnung der Personen ebenso zu überzeugen versteht, wie in der inneren und äußeren Darstellung der umwälzenden Ereignisse jener Zeit

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