Katja Lange-Müller Drehtür

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Inhaltsangabe zu „Drehtür“ von Katja Lange-Müller

Was vom Helfen übrig bleibt Asta ist nach 22 Jahren im Dienst internationaler Hilfsorganisationen am Münchner Flughafen gestrandet. Von den Kollegen weggemobbt aus der Krankenstation in Nicaragua, wo sie zuletzt tätig war, steht sie neben einer Drehtür und raucht. Sie wollte eigentlich gar nicht zurück. Aber weil sich ihre Fehlleistungen häuften, bekam sie ein One-Way-Ticket geschenkt. Und nun weiß sie nicht, wie es weitergehen soll. Einigermaßen wohl fühlt sie sich nur, wenn sie gebraucht wird. Und wer könnte sie, die ausgemusterte Krankenschwester, jetzt noch brauchen? Während Asta über sich nachdenkt, beobachtet sie ihre Umgebung – und meint, Menschen wiederzuerkennen, denen sie im Laufe ihres Lebens begegnet ist: den Koch der nordkoreanischen Botschaft, der eines Abends mit geschwollener Wange in einem Berliner Hauseingang hockte, ihre Kollegin Tamara, die ein glühender Fan von Tamara 'Tania' Bunke war, ihren Exfreund Kurt, mit dem sie turbulente Wochen in einer tunesischen Ferienanlage verbrachte, und viele andere mehr. Mit jeder Zigarette taucht Asta tiefer in ihre Vergangenheit ein – und mit jeder Episode variiert die Erzählerin ein höchst aktuelles und existenzielles Thema: das Helfen und seine Risiken. Katja Lange-Müller liefert mit diesem Roman einen weiteren Beweis ihrer großartigen Erzählkunst.

Eher eine Sammlung von Erzählungen als ein Roman. Tolle Sprache, aber der Inhalt hinterlässt nur wenig Nachhall.

— Xirxe

Rausgemobbt wurde Asta und ist nun am Ende - das stellt Katja Lange-Müller auf ihre ganz eigene, lakonische und dabei witzige Art dar.

— TochterAlice

eine Frau, die ihr Arbeitsleben für andere gab steht vor den Scherben des eigenen Lebens.

— Gruenente

vielschichtig, schwarzhumorig, düsterschön

— annehahn

Am Ende eine Lebens, nachsinnend. Sprachlich grandios: Wortspiele, freie Assoziation, Verharren. Darüber hinaus? Mir - zu wenig..

— StefanieFreigericht

Ein bisschen experimentell. Mal mehr, mal weniger interessant.

— wandablue

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  • Helfen - Wille oder Kunst?

    Drehtür

    Bri

    14. March 2017 um 10:51

    " Das Bedürfnis, dem Artgenossen beizustehen, das wir mit vielen Tieren teilen, selbst so niederen und unsympathischen wie Wespen oder Ameisen, nannten und nennen neunmalkluge Schwachköpfe "Helfersyndrom", als sei das eine multiple, entsprechend komplizierte Krankheit, eine Psycho-Seuche, die nur Exemplare unserer Gattung befällt. Warum zum Henker, soll es krank sein, den Mitmenschen gesund sehen zu wollen - oder tot, falls Heilung nicht möglich ist?"Asta ist gestrandet. In München am Flughafen, ohne Gepäck, neben einer Drehtür. Ein One-Way-Ticket in die Heimat haben ihr die KollegInnen geschenkt, damit sie endlich aufhören könne, zu helfen. 20 Jahre war sie im Dienst verschiedener internationaler Hilfsorganisationen in unterschiedlichen Ländern und half. Zuletzt in Nicaragua, wo es die KollegInnen letztendlich nicht mehr aushielten, mit ihr zusammen zu arbeiten. Sicher, im Rentenalter ist sie ... doch was passiert mit ihr, mit ihrem Leben, wenn sie nicht mehr gebraucht wird?Der Platz an der Drehtür ist wie gemacht für sie. Dort ist der Aschenbecher, dort kann sie rauchen. Kette. Und während sie sich eine Zigarette nach der anderen anzündet, lässt sie ihr Leben Revue passieren. Menschen die Menschen ähnlich sehen, die sie einst kannte, lassen Episoden aus ihrem Leben vor ihrem geistigen Auge erstehen. Schwingt die Drehtür, vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit, zwar klar getrennt, dennoch vermischen sie sich und die Leserschaft erhält einen Rundumeinblick in die maßgeblichen Ereignisse eines Lebens, das anfänglich in der DDR von Widerstand und später vom Gefühl des Gebrauchtseinmüssens geprägt ist.Katja Lange-Müller ist eine Meisterin der Sprache. Das zeigt sich schon auf den ersten Seiten ihres im November 2016 erschienenen, sehr fein, klug und trotzdem lässig konzipierten Romans Drehtür. Sprache ist ihr wichtig. Sprachspiele machen Freude - und das Lesen dieser Sprachgewalt ebenso. Doch im Fall von Drehtür ist diese Sprachgewalt noch dazu so erfrischend, manchmal so frech, dass man die inhaltlich nicht leichte Kost einfach nicht aus der Hand legen mag und kann. Hier greift alles großartig mit Leichtigkeit ineinander, so dass die mögliche Schwere des Inhalts zwar nicht vergessen, aber abgemildert wird. Ein Kaleidoskop der Wirklichkeit, bunt gezeichnet und deshalb einladend.Drehtür hat sich vollkommen berechtigt auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 geschwungen, und wer sich davon bisher noch nicht persönlich überzeugen konnte, sollte es alsbald tun. Und zwar auch deshalb, weil Katja Lange-Müller die Freude an der deutschen Sprache und ihren Möglichkeiten so wunderbar unprätentiös wiederbelebt."Gutsleberwurst, denkt Asta amüsiert. Was, Himmel, Arsch und Zwirn ist eine Gutsleber, eine verwurstete? Dabei weiß sie, dass es sich bei der Gutsleberwurst einfach um Leberwurst nach Gutsherrenart handelt, liegt nur schon wieder im Clinch mit ihrer Muttersprache, die sie sehr wohl beherrscht. Wer wen eigentlich? Trotzdem hadert sie weiter mit all diesen Wörtern, von denen sie seit sie ins Land der und des Deutschen zurückgekehrt ist, noch kein einziges über die Lippen gebracht hat. Aber selbst unausgesprochen und sogar unerhört klingen ihr deutsche Wörter immer wieder oder immer noch seltsam fremd in den Ohren, speziell die zusammengesetzten, vielmehr zusammengezurrten, Substantive, aus denen sich in dieser Sprache meterlange Girlanden winden lassen: Gutsleberwursterstkonsumentenbefragungsbögenauswertungsanalyseschlüsselbereitstellungsersuchen ..."

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  • Astas Geschichten

    Drehtür

    Xirxe

    07. March 2017 um 13:41

    Ein Roman soll dieses Buch sein, doch auf mich wirkte 'Drehtür' eher wie ein Erzählband. Zusammengehalten werden die etwas mehr als 200 Seiten durch Asta, die nach vielen Jahrzehnten im Ausland als Krankenschwester wieder in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Am Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen gelandet, gönnt sie sich eine Atempause an einer Drehtür, wo sie sich ihrer Nikotinsucht hingeben kann. Dabei beobachtet sie die sie umgebenden Menschen, von denen manche sie an frühere Bekannte, KollegInnen oder FreundInnen erinnert - oder sind es sie vielleicht sogar? Doch immer wieder verliert sie die Personen aus ihrem Blickfeld, jemand Anderes taucht auf - und eine neue Erinnerung bahnt sich ihren Weg in Astas Gedächtnis, um danach wieder zu verschwinden. Wie die Menschen, die durch die Drehtür gehen.Mir kamen diese Rückblicke, die sehr detailliert geschildert werden, recht wahllos vor. Es geht unter anderem um eine Kollegin, die wiederum den Werdegang einer Möchtegern-Revolutionärin erzählt; ein Aufenthalt in New York, bei dem ein Film das eigentliche Ereignis war; ein Urlaubsaufenthalt mit einem Ex-Freund; eine Begegnung mit einem Nordkoreaner, die vielleicht der Auslöser für ihr eventuelles Helfersyndrom war; ihre einzige wahre Liebe. Es sind mindestens zehn, wenn nicht mehr Geschichten, die häufig wiederum den Rahmen für eine weitere Erzählung bilden. Meist sind es eher alltägliche Begebenheiten, die durch eine bestimmte Wendung zu etwas Außergewöhnlichem werden. Dazwischen hängt Asta ihren eigenen Gedanken nach, beispielsweise über das Helfen an sich oder über die Bedeutung einzelner Worte ihrer Muttersprache, die sie so lange nicht genutzt hat.Es macht Freude, Katja Lange-Müllers Sprache zu folgen, beinahe mehr als dem Roman (der nach meinem Dafürhalten keiner ist). Denn wie sie die Vielfältigkeit der Worte nutzt und mich beim Lesen immer wieder darüber zum Staunen brachte - das ist wirklich beeindruckend. Nur ein kleines Beispiel: "... wirkte Georg, als ob er den Ostler, der er ja war, nur spiele. - Das ist eine Rolle, dachte ich. Aber wickelt er sich in sie hinein oder aus ihr heraus?"Wäre das Ganze jetzt noch ein 'richtiger' Roman; eine Geschichte in der man die Entwicklung einer oder mehrerer Personen mitverfolgen kann - ich wäre sicherlich hin und weg gewesen. So aber wird mir vermutlich nur die wirklich gute Sprache der Autorin in Erinnerung bleiben - der Rest eher nicht.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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  • Am Ende einer Helfer-Karriere

    Drehtür

    Gruenente

    09. November 2016 um 09:33

    Asta hat ihr Leben lang für Hilfsorganisationen im Ausland gearbeitet. Krisengebiete, 3. Welt, zuletzt in Nicaragua. Jetzt ist sie in einem ungewollten Ruhestand und wieder in Deutschland. Sie hat hier keine heimat, keine Freunde, weiss nict wie es weitergehen soll. So bleibt sie erstmal an der Drehtür des Münchner Flughafens stehen, raucht eine Kippe nach der anderen und sinnt über ihr Leben nach. Andere Passanten wecken Erinnerungen an ihre früheren Freunde, oder Menschen die ihr Leben mit bestimmt haben. Sie alle tauchen vor ihrem inneren Auge auf und verschwinden auch wieder. Da ist ein koreanischer Koch, ihr Exfreund, ihre Freundin, eine Katze, ein Schauspieler, die Kollegen, die sie weggemobbt haben. Sehr eindringlich erzählt habe ich Astas Leben gerne verfolgt, wenn sie mir auch nie richtig nahe kam. Sie hat ihr leben anderen geopfert, helfen als Beruf macht einsam und entwurzelt den helfer. Ihr hilft jetzt keiner. Doch das Schicksal hat auch für sie eine Lösung bereit.

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  • Was vom Leben übrig bleibt

    Drehtür

    extremehappy

    08. November 2016 um 10:23

    Ein sehr interessantes Buch, das die Frage stellt: "Was bleibt am Ende übrig von einem Leben der Aufoperung?". Oder allgemein vom Leben? Es geht um eine Krankenschwester, die von ihren Kollegen ein One-Way-Ticket nach Deutschland zurück bekommen hat, damit sie ja nicht mehr im Ausland bei gemeinnützigen Organisationen helfen kann. Angeblich sei ihre Arbeit schlampig. Die Krankenschwester kommt am Flughafen in München an und weiß nichts mit sich anzufangen. Was soll sie nun tun? Sie hat keine Kinder, keinen Mann, keine Familie - und nun auch keinen Job mehr. Und so bleibt sie bei der Drehtür am Flughafen stehen, beobachtet die Menschen um sich herum, kettenrauchend, und erinnert sich an ihr Leben und bestimmte, richtungsweisende Episoden daraus, zurück. Die einzelnen Rückblenden haben was von Kurzgeschichten, kleine Vignetten, die mir sehr gut gefallen haben. Jede hatte ihre ganz eigene Stimmung. Die Sprache in diesem eher kurzen Buch ist stellenweise anspruchsvoll - und gerade zu Beginn auch anstrengend, meiner Meinung nach. Da die Krankenschwester lange kein Deutsch mehr gehört hat, lässt sie sich bestimmte Wörter und Redewendungen gedanklich auf der Zunge zergehen. Mich hat das echt genervt, aber nachvollziehbar ist es schon - und im Laufe des Tages wird dieses Verhalten immer seltener. Wer noch mehr zu meiner Meinung hören möchte, kann das hier tun: buecherreich.net/buecherreich-096-was-ich-gelesen-habe-oktober-2016/#t=14:30

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  • Asta eine ausgemusterte Krankenschwester

    Drehtür

    schokoloko29

    06. November 2016 um 19:45

    Asta ist eine ausgemusterte Krankenschwester, die mit 65 Jahren ausgemustert wird. Sie wird mit einem One-way Ticket von Nicaragua (ihrem Einsatzort) zurück nach Deutschland geschickt. Sie erzählt von ihrem Leben und von den Menschen, denen sie begegnetet ist.Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Der Einstieg fiel mir etwas schwer, doch die Geschichte entwickelt sich. Die Krankenschwester blieb mir etwas blass, doch es ist eher eine Charakterisierung ihrer Mitmenschen und die Begleitumstände, die das Buch in meinen Augen interessant macht.Klare Leseempfehlung!

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  • Terminal – oder: der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert

    Drehtür

    StefanieFreigericht

    17. October 2016 um 19:22

    Eine Frau steht außen vor einer wenig frequentierten Drehtür des Flughafens in München und raucht. Die Frau ist Asta Arnold, ihr Gepäck ist verloren. Der Leser nimmt teil an ihren Gedanken. Davor gibt es kurze Gedanken über den Weg dorthin – danach, ebenso kurz, über den Weg wieder hinein, Terminal. Ja, das ist gerade etwas, was eine Art Hommage sein soll daran, wie die Autorin ihre Hauptfigur durch Wortspiele driften lässt – im Sinne freier Assoziationen, zum Beispiel, Blitzgewitter Blitzartig artiger Blitz. Es passiert – nichts. Asta sinniert über ihr Leben nach, erinnert sich an Stationen – sie ist ausgebildete Krankenschwester, 65 Jahre alt, tätig gewesen für internationale Hilfsorganisationen an den verschiedensten Orten der Welt. Auch darüber sinniert sie, sucht den Sinn „Helfen ist geil und macht geil: machtgeil.“ S. 37 Sonst sind viele, sehr viele Sätze lang, komplex, verlieren sich fast: „Einen wundervoll roten Schopf hatte sie, feine helle Porzellanhaut und flaschenglasgrüne Augen, was allerdings, ihre Mutter muss eine Ignorantin gewesen sein oder Carmen als Neugeborenes komplett kahl, nun gar nicht zu diesem feurigen Rufnamen passte – und mir neidischem Trampel Anlass zum Spott gab, wenigstens zu diesem.“ S. 17 Diese Sätze machen Astas Gedankenwelt (be)greifbar. Weiter im Sinne der freien Assoziation nimmt Asta Blickkontakt auf, erinnert sich anhand derer, die sie sieht, an Menschen aus ihrem Leben – oder sind es gar diese selbst? Projektionen? Ihre Gesundheit? Vergessen, wie so manches? Blickkontakt, dabei bleibt es, etwas zu sagen fällt ihr immer schwerer. „Kaum verliebt, das war ich öfter gewesen.“ S. 138 Asta geht lieber weg. Auch das eine, das erste Mal, das das letzte ist, woran sie den Leser teilnehmen lässt. Ich mag kaum wieder aus dieser Betrachtung hervortreten, die sich fast zwingend dem Stil des Buches unterordnet, dennoch: Der Schreibstil ist wunderschön. Die Sprache grandios. Nichts zu viel. Selbst die kleinen Drehtürsymbole, verstreut über den Text, sind punktgenau gesetzt, leiten jeweils Übergänge ein; ich lade zum Nachspüren ein. Dennoch. Mir fehlt etwas mehr an Handlung, Handeln, nicht nur abgehandelt werden, Behandelnden zusehen.

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  • Drehtür

    Drehtür

    Fornika

    21. September 2016 um 14:41

    Die Mittsechzigerin Asta hat den Großteil ihres Lebens als Krankenschwester in Ländern der Dritten Welt gearbeitet. Nun ist sie etwas unfreiwillig wieder in Deutschland gelandet, steht vor der Drehtür zum Flughafen. Der Blick schweift, die Gedanken auch, so reicht weiß Asta nicht wohin mit sich. Und so beobachtet sie ihre Mitmenschen und meint so manchen wiederzuerkennen.  Lange-Müller erzählt nicht chronologisch, schweift mal in die eine, mal in die andere Richtung ab. Kurze Episoden, z.T. noch nicht einmal große Meilensteine in Astas Leben, bringen diese dem Leser doch nah. Asta ist nicht unbedingt eine Protagonistin zum Mitfühlen. Hinter der rauen Schale verbirgt sich ein rauer Kern, eine zerrissene Seele und eine sehr missmutige Stimmung. Asta ist an diesem Punkt in ihrem Leben gescheitert und so ist auch der Ton, der sich durch die Geschichte zieht eher drückend. Nicht nur über Leben, Land und Leute sinniert Asta, sondern auch immer wieder über die deutsche Sprache, die ihr, nach alle den Jahren im Ausland, immer wieder fremdartig anmutet. Diese Gedankenspiele haben mir sehr gut gefallen, sie schärfen den Blick. Leider hat Lange-Müller es nicht geschafft, den Faden mit dem die Episoden verwoben sind, etwas kräftiger zu gestalten, im Endeffekt reihen sie sich etwas lose aneinander und auch das Ende fand ich etwas enttäuschend.

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  • Randstudie

    Drehtür

    wandablue

    13. September 2016 um 11:19

    Randstudie. Normalerweise benutzt ein Autor eine mehr oder weniger abwechslungsreiche Handlung, um eine Lebensgeschichte darzustellen. Katja Lange-Müller genügt dazu ein Standbild. Protagonistin Asta Arnold verharrt an der Drehtür des Münchner Flughafens. Die Drehtür ist durchaus auch symbolisch zu verstehen, durch eine Drehtür gehen Menschen hinein und hinaus. Und so assoziiert Asta Arnold, Menschen, die in ihr Blickfeld geraten mit denen, die durch die Drehtür ihres Lebens herein gekommen und wieder hinaus gegangen sind. Denn Leben besteht zum größten Teil aus Beziehungen. Dabei lässt die Autorin ihrer Protagonistin freien Lauf, sie kommt vom Höxken aufs Stöcksken, fällt ohne erkennbaren Zweck von der einen Erzählperspektive in die andere und erzeugt damit einen Fluss, einen Erzählstrom, der irgendwie Asta Arnolds Leben abbildet. Dabei bleiben die gängigen Bezugspunkte und Stationen beinahe ganz aussen vor. Nur, wenn man genau liest, merkt man, da ist kein Abitur ... da fehlt auch sonst manches. Und von anderem war zuviel. Obwohl die Autorin scheinbar nur unwichtige Details aus Astas Leben liefert und ebenso unwichtige, austauschbare Begegnungen schildert, konkretisiert der Leser einen Eindruck der Protagonistin. Diese hinterfragt ihren Beruf als Krankenschwester, entlarvt die gängigen Antriebe des Helfens, überhaupt ist sie eine nachdenkliche Person, die über ethische Fragen und Probleme reflektiert. Doch weiter als bis zur Stirn kommen ihre Gedanken nicht. Irgendwie bleibt die Person stecken, genau wie im vorletzten Bild, als Asta in der Drehtür stecken bleibt. Trotz ihres sozialen Berufes bleibt Asta am Rand des gesellschaftlichen Gefüges. Warum, fragt man sich. Und erhält eine Antwort. Die jedoch genau so karg ist wie die sonstige Auskunftsfreudigkeit der Autorin bezüglich ihrer Protagonistin. Was läuft, läuft im eigenen Hirn (des Lesers). Oder auch nicht. Auch, was nicht erzählt wird, hat eine Bedeutung. Die Geschichten der assoziierten Kontakte, die Katja Müller-Langen in Astas Kopf pflanzte, sind mehr oder weniger interessant. Sie sind sogar austauschbar, darauf kommt es nicht so an. Doch die Verknüpfung mit dem, was auf die Protagonistin dadurch zurückfällt, was sie sozusagen als Rückstrahl davon abbildet, das ist Kunst. An die Erzählweise der Autorin muss man sich gewöhnen, die vielen Schachtelsätze stellen zwar das Hin- und Herdenken Astas perfekt ab, es strapaziert den Leser aber doch. Fazit: Asta ist eine Randfigur der Gesellschaft trotz ihres eigentlich sozialen Berufes, und dass sie sozusagen nicht einmal in ihrer eigenen Geschichte, dem Roman „Drehtür“ im Mittelpunkt steht und nur indirekt abgebildet wird, ist Symbol schlechthin und das hat schon was. Kategorie: Anspruchsvolle Literatur Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2016

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    • 3
  • Einundzwanzig Zigaretten für ein Leben

    Drehtür

    Archer

    02. September 2016 um 11:24

    Asta ist kein Schäferhund. Sie ist trotz ihres Namens eine ältere Frau, die einen Großteil ihres erwachsenen Lebens im Ausland verbracht hat, als Krankenschwester in Krisengebieten, Dritte-Welt-Ländern, wohin auch immer das Leben sie getrieben hat. Und getrieben ist das Stichwort, denn das ist sie. Sie steht neben einer Drehtür im Münchner Flughafen; ihr Koffer ist verschwunden, weiß der Geier wohin, sie hat nur ein One-Way-Ticket und keinen Plan, was sie tun soll. Ist sie aus ihrem letzten Beruf gemobbt worden oder hat sie wirklich all die angeprangerten Fehler begangen? Jetzt steht sie hier an der Drehtür, wartend, rauchend, sinnierend. Das Leben oder eher Menschen, die ihr Leben prägten, ziehen an ihr vorbei. Asta beobachtet Leute und wenn ihr jemand bekannt vorkommt, erzählt sie von jemandem, den sie kannte. Das funktioniert ganz gut, darunter sind teilweise skurrile Erzählungen, die sich weniger mit Astas unspektakulärem Leben befassen, sondern mit Menschen darin, doch die Verbindung, die sie mit Asta haben, macht es zwischendurch interessant. Nicht immer, die Katzen- und Kurtgeschichte in Tunesien mit Ausnahme der dicken, verunglückten Frau hätte man sich sparen können. Zumindest wird immer klarer, dass Asta nur durch andere lebt, durch das Helfen, durch die Lebensgeschichten von Bekannten, sie selbst hat schon in der Jugend sämtliche Wurzeln zerschnitten und sich nie wieder neu angepflanzt. Irgendwie eine extrem bedauernswerte Person, diese Asta, dann wieder doch nicht, weil alles immer trübsinnig ist und man sich fragt, warum sie nicht mehr aus sich gemacht hat. Das Ende ist vorhersehbar, als würde nichts mehr einfallen oder die Autorin nicht mutig genug, etwas Neues zu erschaffen, aber es passt zu der depressiven Aufmachung des Deutschen Bücherpreises.

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