Das war schon ziemlich "auf die Fresse" - im besten Sinne. 😅
Am Anfang dachte ich noch: Oha. Und ein paar Kapitel später dann: Ja, genau so.
'Sie hat Bock' von Katja Lewina lag viel zu lange auf meinem SuB. Umso schöner, dass ich es jetzt endlich gelesen habe - und enttäuscht wurde ich definitiv nicht.
Das Buch ist ein sehr ehrlicher, ungeschönter Blick auf weibliche Lust, Selbstbestimmung und die gesellschaftlichen Erwartungen, die damit verbunden sind. Dabei bringt Lewina immer wieder eigene Erfahrungen ein, was das Ganze unglaublich persönlich macht. Gerade dadurch schafft sie es, ein Stück der Scham abzubauen, die vielen von uns anerzogen wurde. Das fühlt sich beim Lesen fast befreiend an.
Wer bereits mehrere Bücher zu feministischen Themen oder weiblicher Sexualität gelesen hat, wird vielleicht nicht allzu komplett neue Gedanken entdecken. Aber genau diese persönliche Ebene macht das Buch besonders. Es liest sich ein bisschen so, als würde man mit einer guten Freundin zusammensitzen - vielleicht leicht angeheitert - und endlich mal ganz offen über Dinge sprechen, über die sonst selten so ehrlich geredet wird. Fragen stellen inklusive.
Mit allem konnte ich mich nicht identifizieren, aber das muss man auch gar nicht. Wir sind schließlich alle unterschiedlich - auch wenn wir oft für ähnliche Dinge kämpfen müssen.
Ein gutes, wichtiges Buch, das viele Menschen lesen sollten - besonders jüngere. Und zwar unabhängig vom Geschlecht. Ehrlich, direkt, manchmal witzig - und ohne um den heißen Brei herumzureden. Das muss man schon aushalten können. 😏
Katja Lewina
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Katja Lewina
Sie hat Bock
Ex
Bock
Was ist schon für immer
Wir können doch Freunde bleiben
Was ist schon für immer: Vom Leben mit der Endlichkeit
Neue Rezensionen zu Katja Lewina
Dieses Buch hat mich auf einer sehr persönlichen Ebene getroffen. Ich lebe selbst seit 5 Jahren mit einer schweren Erkrankung mit ungewissem Verlauf und vieles von dem, was hier über Angst, Ungewissheit und dem Umgang mit dem eigenen Ende beschrieben wird, konnte ich sehr gut nachvollziehen.
Für mich gehört zu diesem Thema auch das Recht auf Selbstbestimmung- nicht nur im Leben, sondern auch im Sterben. Wenn wir anerkennen, dass jeder Mensch selbstbestimmt leben darf, dann sollte dieses Recht auch am Lebensende gelten. Dieses Buch regt dazu an, sich mit Fragen zu beschäftigen, die man oft verdrängt: Ob man eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht verfassen möchte, wer im Ernstfall Entscheidungen treffen soll, wer einen auf diesem letzten Weg begleiten darf und auch, welche Form der Bestattung man sich wünscht und wo die letzte Ruhestätte sein soll.
Besonders der Tod ihres Sohnes hat mich tief berührt. Und gleichzeitig zeigt das Buch etwas sehr Wahres: Der Tod ist für die meisten Menschen immer „weit weg". Jeder weiß, dass er kommen wird, aber kaum jemand glaubt, dass es einen selbst betrifft. Bis zu dem Moment, in dem man sich unweigerlich mit dem Thema auseinandersetzen muss. Z.B. wenn ein geliebter Mensch stirbt oder man selbst eine Diagnose erhält, die dieses Thema plötzlich näher rücken lässt.
Mit dieser Ungewissheit nicht jeglichen Lebensmut zu verlieren, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Denn auch hier kommt Trauer in Zyklen. Wie bei einer klassischen Trauer durchläuft man immer wieder spiralförmige Bahnen. Man meint daran zu zerbrechen und doch ist man bereits eine Runde weiter- auf derselben Höhe, aber ein Stück vorangekommen, auch wenn es sich nicht so anfühlen mag.
Wenn man selbst krank wird oder das eigene Kind stirbt, merkt man schnell, wie wenige Menschen einen guten Umgang mit Krankheit und Tod haben. Natürlich ist es schwer die richtigen Worte für solche Situationen zu finden, aber Katja Lewina beschreibt sehr eindrücklich, dass es diese ohnehin nicht gibt und manchmal ein offenes Ohr und eine Schulter viel wichtiger sind als jede Floskel und dass man Betroffenen vor allem Raum geben sollte- für ihre Gefühle und Erzählungen.
Mir hat sie mit diesem Buch sehr aus dem Herzen gesprochen. Ich empfinde großen respekt und Dankbarkeit dafür, dass sie trotz- oder gerade wegen- dieser Schicksalsschläge den Mut gefunden hat, ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Dieses kostbare Buch kann vielen Betroffenen Mut machen und zeigt Wege auf, wie man dieses Thema behutsam ins Gespräch bringt und wie man gemeinsam Wege findet, solange es eben möglich ist, sie zusammen zu gehen. Denn geliebte Menschen, insbesondere die eigenen Kinder, sind immer Teil des Prozesses: Sie erleben das Leben, die Krankheit, die Angst und die Trauer hautnah mit.
Dieses Buch schaut dort hin, wo viele lieber wegsehen- und genau deshalb ist es so wichtig.
Wie gehen wir mit Trennungen um?
So ziemlich jeder von uns hat wohl schon einmal eine Trennung durchgemacht. Die wenigsten sind wohl noch mit ihrer Jugendliebe zusammen (und glücklich damit).
Auch ich erinnere mich noch an die Trennung von meinem ersten Freund und was das mit mir gemacht hat. Vor allem, wenn man nicht damit rechnet und geghostet wird, ohne dass es den Begriff schon gab. Nach 3,5 Jahren Beziehung.
Daher wollte ich das Buch gern lesen. Nicht, um mich an anderen Geschichten zu erfreuen. Sondern um zu wissen, dass man nicht allein damit ist und auch um zu erfahren, wie andere Menschen damit umgehen.
In sechs großen Abschnitten (die mit typischen Sprüchen zum Ende einer Beziehung versehen sind) werden verschiedene Geschichten dazu gesammelt. Sie sind perfekt dazu, immer mal wieder das Buch zur Hand zu nehmen und etwas zu lesen. So habe ich es auch gemacht. Ich habe es nicht am Stück, sondern ab und an gelesen.
Die Sprache ist immer an die Situation angepasst. Mal schmunzelt man, mal schüttelt man den Kopf. Dennoch schafft die Autorin es, die Situationen nie ins Lächerliche zu ziehen und dem Leser ein gutes Gefühl zu geben.
Sollte also jemand eine Person im Umfeld haben, die sich gerade getrennt hat, schenkt ihr dieses Buch. Sie wird sehen, sie ist nicht allein und manchmal ist es eben doch besser nach vorn zu sehen.
ISBN: 978-3755800446
Autorin: Katja Lewina
Verlag: Dumont
Veröffentlicht. 10.10.25
Umfang: 208 Seiten











