Katja Schneidt Kopftuchland

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Inhaltsangabe zu „Kopftuchland“ von Katja Schneidt

Es ist das Jahr 2017. Die islamische Partei Deutschland (kurz IPD) hat bei der letzten Bundestagswahl die absolute Mehrheit erreicht, Bundeskanzler ist nun der türkischstämmige Mesut Gültekin. Ab sofort gelten in Deutschland ausschließlich islamische Gesetze. Alle Frauen und Mädchen ab zwölf Jahren müssen ihre Haare mit einem Kopftuch verhüllen, Schweinefleisch ist ebenso wie Alkohol und Glückspiel strengstens verboten, der Moscheebesuch zum Freitagsgebet soll Pflicht werden. Was von den Islamkritikern immer befürchtet wurde, ist nun eingetreten: Deutschland ist ein islamischer Staat geworden. Für die 36-jährige Julia und ihre Familie bricht nun, wie für alle anderen Deutschen, eine völlig neue Zeit an. Nach einer Weile müssen sie sich allerdings eingestehen, dass die neue Regierung durchaus auch ihre guten Seiten hat. Familienzusammenhalt wird ab sofort großgeschrieben, das Lohnniveau für sogenannte .Männerberufe. wird deutlich angehoben, sodass ihr Mann Stefan genügend Geld verdient und Julia ihren ungeliebten Halbtagsjob als Verkäuferin endlich an den Nagel hängen kann, und selbst die pubertierende Lara kann der Situation plötzlich etwas Gutes abgewinnen. Kopftuchland begleitet Julia und ihr Umfeld durch ihren Alltag, in einem völlig veränderten Deutschland, in dem nun der Islam regiert.

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    Kopftuchland
    ZiskaLuraf

    ZiskaLuraf

    26. March 2017 um 16:48

    Die Autorin versucht sich an einer nicht allzufernen fiktiven Zukunft. Eine konservativ-islamische Partei hat die absolute Mehrheit bei einer Bundestagswahl erhalten und setzt nun konsequent ihr Wahlprogramm um. Dieses enthält Elemente aus dem politischen Islam im Iran und in der Türkei. Das Gedankenexperiment ist auf den ersten Blick nicht uninteressant, fällt auf den zweiten Blick jedoch enttäuschend bis ärgerlich aus. - Der Roman ist stilistisch und strukturell schlicht. Für die Recherche wurde wenig Aufwand getrieben und die einzelnen Protagonist*innen sind nicht tiefgehend entwickelt. Sie gleichen eher Schachfiguren, die ihre jeweilige Rolle verkörpern, aber darüber hinaus keine Charakterentwicklung, innere Widersprüche, Konflikte… aufweisen. Auch ein gründliches Lektorat hätte nicht geschadet, um dem Plot mehr Spannung zu verleihen und lähmende Dialoge zu pointieren. Anspruch kann man hier nicht erwarten – aber die Autorin ist sonst auch eher als Schnellschreiberin von Chicklit aufgefallen. Insofern verwundert es nicht, dass das Buch weder im Erzählverlauf, noch durch die äußerst schematischen Dialoge zu fesseln weiß. - Desweiten stören eine ganze Reihe Widersprüche und inhaltliche Fehler die Lektüre. Sie wären durch eine engagiertere Recherche auszuräumen gewesen. Der hier propagierte politische Islam ist in dieser Form nirgends vorhanden und wäre auch in Deutschland keineswegs verfassungsrechtlich durchsetzbar. Die Art und Weise, wie der Islam dargestellt ist, ist äußerst vorurteilsbehaftet und pauschalisierend. So wird nicht zwischen Islam und Islamismus, Dschihadismus… unterschieden, auch nicht zwischen sunnitischen und shiitischen Traditionen. Auch auf islamische Rechtssysteme wird nicht differenziert eingegangen und dass es jahrhundertealte Traditionen des islamischen Feminismus gibt, erst recht nicht. Was hier als "Islam" vorgestellt wird, ist lediglich ein Klischee, das vor Vorurteilen nur so strotzt. Und ja – würde jemand über das Christentum oder Judentum so schreiben, würde mich das vergleichbar verärgern. - Drittens verärgert das Buch durch seine latenten politischen Aussagen, die letzten Endes auf ein Zündeln am rechten Rand hinauslaufen. Dies geschieht durch geschickte Manipulation von Realität und Fiktion. Reale Tatsachen – Koranverteilung in Innenstädten, das Vorhandensein islamischer  Kleinparteien und Kulturvereine, Aussagen wie die von Christian Wulff werden als Vorzeichen einer schleichenden Islamisierung Deutschlands gedeutet. Es wird suggeriert, dass eine "Machtübernahme" durch eine konservativ-islamische Partei nur eine Frage der Zeit sei und dass die "besorgten Bürger" (aka Pegidisten, AfD-Fans) mit ihrer Sorge Recht gehabt hätten. Das ist populistischer Käse. Wir können feststellen, dass die Mehrzahl der Menschen mit muslimischem Hintergrund sehr säkular lebt und westliche mit muslimischen Traditionen kombiniert. Wir können auch feststellen, dass die Mehrzahl der Zuwanderer mit westlichen Werten sehr viel anfangen kann (http://www.iab.de/161115 ). Wir können auch feststellen, dass die Kriminalitätsstatistik 2015/2016 insgesamt keinen Anstieg an Straftaten aufweist. Deutschland ist schon seit dem späten 19. Jahrhundert eine Einwanderungsgesellschaft und wird dies hoffentlich auch bleiben. Ja klar – wir haben Moscheen, schon seit den 50er Jahren, wir haben Bahai-Tempel, Gurdwaras, buddhistische Tempel – so what? Wir sind ein säkularer Staat mit Raum für viele Religionen. Sätze wie "Einzig die Menschen mit Migrationshintergrund scheinen sich geradezu die Hände zu reiben" am Ende des Buches deuten  in Form eines zynischen Fazits an, worum es der Autorin geht: plumpe Stimmungsmache gegen alle die, die keinen Ariernachweis haben und gleichzeitig der Versuch, die scheinbar nur ganz unschuldig Besorgten in ihren Gefühlen zu bestätigen und die Abneigung gegenüber allem was nicht urdeutsch ist, zu bestärken. In Zeiten, in denen fast jeden Tag ein Flüchtlingsheim von Rechten angesteckt wird und ein extremer Ansteig rechtsextremistischer Gewalttaten zu verzeichnen ist, in Zeiten, in denen gleich 3 rechtsextremistische Gruppierungen wegen Terrorverdachts vor Gericht stehen, weist dieses Buch aber genau in die falsche Richtung und legitimiert postfaktische Hetze, wo Verständigung notwendig wäre. Insgesamt bleibt so ein äußerst schaler Eindruck zurück (der freilich nicht verwundert, wenn man die sonstigen Aktivitäten der Autorin in Augenschein nimmt). Die Idee war gar nicht schlecht – dafür vergebe ich auch gerne einen klitzekleinen Stern – aber die Durchführung scheitert an mangelnder Handwerkskunst, an hemdsärmeliger Recherche und ideologischer Verblendung.

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  • "Toleranz ist ... nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit und unendlicher Naivität"

    Kopftuchland
    R_Manthey

    R_Manthey

    20. March 2017 um 15:43

    So schließt dieser Roman, der ein Albtraum ist, aus dem Julia glücklicherweise noch erwacht ist. In ihm hatte die Islamische Partei Deutschlands die Bundestagswahl 2017 mit absoluter Mehrheit gewonnen, was anschließend Deutschland zum Kopftuchland machte. Vermutlich kommen einige gleich auf die Idee, dass das billige Propaganda wäre. Doch was Katja Schneidt als Albtraum beschreibt, ist in den meisten islamisch geprägten Ländern mehr oder weniger Realität. Man muss nur etwas deutlicher hinsehen, dann wird man leicht feststellen, dass es die Vorstellung einer multikulturellen Gesellschaft nur in den Köpfen westlicher Intellektueller gibt, aber nirgendwo sonst. Und schon gar nicht in islamischen Ländern. Vielleicht meint die Autorin das mit "unendlicher Naivität". Schließlich weiß sie genau, wovon sie schreibt. Sie konvertierte einst zum Islam als sie einen Türken heiratete und lernte danach die islamische Variante von Toleranz am eigenen Leib kennen. Zuletzt war sie Flüchtlingshelferin und schrieb ein aufrüttelndes Buch über ihre Erfahrungen mit der weitverbreiteten Anspruchshaltung dieser Menschen, die nicht gekommen sind, um sich hier zu "integrieren". Sie wollen dieses Land vielmehr grundlegend in ihrem Sinne verändern. Etwas anderes zu erwarten, entspricht nicht ihrer Kultur. Ob dieser Roman nun große Literatur ist, mag ich nicht beurteilen. In jedem Fall aber beschreibt er recht harmlos Zustände, die man in den meisten islamischen Ländern findet. Sicher werden viele Leser ihre Schwierigkeiten damit haben, die Grundannahme dieses Buches als realistisch anzusehen. Selbstverständlich nicht für 2017, vielleicht müssen noch zwei Generationen heranwachsen. Nichts ist für ewig, und nichts ist oder bleibt für immer selbstverständlich, auch wenn sich dies gegenwärtig noch außerhalb der eigenen Vorstellungskraft befinden sollte. Die Geschichte kennt zahlreiche Beispiele für den Untergang ganzer Zivilisationen. Insofern lohnt ein Blick in eine monokulturelle Vision, die so unrealistisch für die Zukunft Deutschlands und Europas nicht ist. 

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