Katja Scholtz

 4,5 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor*in von Mein Buch.

Lebenslauf

Katja Scholtz, geboren 1971, studierte englische und deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft in Freiburg, Aberdeen und Bonn. Sie lebt und arbeitet in Hamburg und übertrug u.a. Werke von Gabriel Josipovici, Mary Lavin und Julie Otsuka ins Deutsche.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Katja Scholtz

Cover des Buches Wovon wir träumten (ISBN: 9783442479689)

Wovon wir träumten

 (162)
Erschienen am 17.03.2014
Cover des Buches Mein Buch (ISBN: 9783453285453)

Mein Buch

 (23)
Erschienen am 25.09.2017
Cover des Buches El Greco und ich (ISBN: 9783866482791)

El Greco und ich

 (21)
Erschienen am 14.08.2018
Cover des Buches Fehler machen (ISBN: 9783458358626)

Fehler machen

 (0)
Erschienen am 13.08.2012
Cover des Buches Solange wir schwimmen (ISBN: 9783866486911)

Solange wir schwimmen

 (9)
Erschienen am 08.08.2023

Neue Rezensionen zu Katja Scholtz

Cover des Buches Solange wir schwimmen (ISBN: 9783866486911)
A

Rezension zu "Solange wir schwimmen" von Julie Otsuka

Über die Härte und die Herausforderungen der Demenz
aktionskuenstlervor 7 Tagen

Ausgangspunkt des Buchs ist ein Schwimmbad. In diesem Schwimmbad wird aus der »Wir«-Perspektive von einer Gemeinschaft erzählt, die sich dort dadurch herausbildet, dass jahrelang immer die gleichen Leute zur gleichen Zeit dorthinkommen. Das Schwimmbad ist für sie wie eine Parallelwelt, in der die Sorgen aus der echten Welt verschwinden. Eine der Gästinnen ist Alice, die an Demenz erkrankt, was sie jedoch nicht vom Schwimmen abhält.

Eines Tages taucht dann im Schwimmbecken ein Riss auf. Das Rätselraten ist groß, manche Besucher:innen kehren dem Schwimmbad aus Angst den Rücken. Unzählige Experten begutachten das Becken, an dem jedoch außer des optischen Risses keine Mängel festzustellen sind. Sie kommen nicht dahinter. Irgendwann verschwindet der Riss. Doch es kommmen neue Risse an anderen Stellen auf. Sie werden mehr. Zwischendurch kehren manche der Besucher:innen wieder zurück, andere sieht man nie wieder. Was es mit den Rissen auf sich hat, kann nicht geklärt werden. Sie führen schließlich zur Schließung des Schwimmbads. Die Schwimmgemeinschaft ist enttäuscht, sie würden gerne bleiben.

Ab diesem Punkt wechselt die Handlung, wir begegnen Alice erneut. Doch nun wird sie in ein Heim eingewiesen, das uns ausführlich geschildert wird. Wir bekommen ihren dortigen Alltag mit, humorvoll wird von der Struktur des profitorientierten und durchkapitalisierten Heims berichtet. Die Demenz wird schlimmer. Wir lernen die Tochter genauer kennen, ihre Bindung zu ihrer Mutter war nie besonders eng.

Julie Otsuka verhandelt in ihrem Roman das traurige Thema Demenz mit Humor, sie nimmt Alice nicht die Lebensfreude, sie schildert sie als zutiefst menschlich, eine Menschlichkeit, die ihr keine Krankheit nehmen kann. Doch so richtig abholen konnte mich der Roman nicht. Die Schwimmbad-Metapher zu Beginn fand ich grandios, doch alles was danach kam blieb platt, erwartbar, ohne großes Interesse. So fing die Geschichte sehr gut an, blieb dann aber deutlich unter seinem Potential. Schade!


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Cover des Buches Solange wir schwimmen (ISBN: 9783866486911)
dracomas avatar

Rezension zu "Solange wir schwimmen" von Julie Otsuka

Familie und Verantwortung
dracomavor einem Monat

Mein Hör-Eindruck:

„Solange wir schwimmen“, ist die Welt in Ordnung. In einem unterirdischen Schwimmbad treffen die unterschiedlichsten Menschen zusammen, die aus unterschiedlichsten Gründen hier ihre Bahnen ziehen. Jeder hat seine feste Bahn, und es gibt Rituale und feste Regeln für das Miteinander. Im Tageslicht dagegen, oberhalb des Schwimmbads, erkennen sie einander oft nicht. Im Tageslicht wirken die Menschen oft ungelenk, teilweise übergewichtig, das Alter zeigt sich in Krähenfüßen im Gesicht – unten aber, im Schwimmbad, kommt ihr jugendliches Selbst wieder zum Vorschein. Sie sind beweglich, geschmeidig und anmutig. Sie fühlen sich in der geordneten Welt des Schwimmbads sicher und geborgen.

Ein Riss im Boden des Schwimmbads bringt die Gemeinschaft zum Nachdenken, und letzten Endes ist es dieser Riss, der auch für die Erzählung einen Riss bedeutet: das Schwimmbad muss saniert werden, die Schwimmgemeinschaft bricht auseinander und zwingt die Schwimmer aufs Land. Der Riss im Boden ist zugleich ein Riss im Kopf der Alice. Ihre beginnende Demenz führt dazu, dass sie innerhalb der Familie nicht mehr betreut werden kann.

Das Besondere an diesem Roman ist weniger das Thema Demenz, sondern die Art und Weise, wie die Autorin es erzählt. Wie in ihrem ersten Roman wählt sie wieder das chorische Sprechen, und zwar einmal für die Schwimmenden, und dann für die Betreuer im Heim, die sich in Form einer Hausordnung an Alice wenden. Die Heimordnung ist streng, und es wird deutlich: Alice hat keine Zukunft mehr.

Im 3. Teil kommt die Tochter zu Wort. Sie sucht nach Ursachen der Demenz-Erkrankung in der Lebensführung der Mutter und erinnert sich an erste Gedächtnisausfälle und andere Merkwürdigkeiten, wie z. B. das stereotype Wiederholen ein- und derselben Geschichte. Dazu kommen Vorwürfe wegen eigener Versäumnisse. In diesem Teil verschwindet das chorische Sprechen, aber nach wie vor ist das Erzählen stark rhythmisiert. Mit vielen Anaphern wie „Sie weiß noch“ und dann „Sie weiß nicht mehr“ macht die Erzählerin den Fortgang der Krankheit klar, bis ihre Mutter schließlich in Sprachlosigkeit und Apathie versinkt.

Das rhythmisierte Sprechen führt zu einer nüchternen und klaren Sprache, in der kein Wort zuviel gesprochen wird. Umso eindringlicher wirken kleine Szenen der liebevollen Zuwendung zwischen Mutter und Tochter, und am Schluss meint man als Leser einen hoffnungsvollen Augenblick lang, dass diese Liebe die Krankheit überwinden kann.

Ein berührender Roman über Familie und Verantwortung.

Das ungekürzte Hörbuch wurde eingelesen von Sascha Icks, die mit ihrer kultivierten Stimme, die besondere bedrängende Wirkung des chorischen Sprechens perfekt wiedergibt und der Mutter eine eigene Stimme verleiht, ohne gekünstelt oder aufgesetzt zu wirken.

 

 

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Cover des Buches Solange wir schwimmen (ISBN: 9783866486911)
Dominikuss avatar

Rezension zu "Solange wir schwimmen" von Julie Otsuka

Alice verabschiedet sich
Dominikusvor 2 Monaten



Die amerikanische Schriftstellerin

Julie Otsuka hat japanische Wurzeln.


Solange wir schwimmen zeigt das Vergessen der Alice.

Der Roman wird in einer eigenartigen Art geschrieben, in die ich mich lange hineinlesen musste. Im ersten Teil wurde die Szene im Schwimmbad in wirform gesetzt. Dann wurde es etwas stereotypiere und unpersönlich in Aufzählungen über die Krankheitszeichen gehalten. 

Erst später konnte ich mich mit diesem Stil anfreunden. Da wurden die Besuche der Tochter und des Mannes beschrieben und es wurde etwas persönlicher.


Alles in allem war es dann ein ganz gut gestalteter Roman.



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