In einem anderen Licht

von Katrin Burseg 
4,2 Sterne bei57 Bewertungen
In einem anderen Licht
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Ein ruhiger und zutiefst aufrüttelnder Roman über ein Stück deutscher Geschichte, der sich gekonnt mit den Themen Schuld, Trauer und Mut aus

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Dunkle Schatten der Vergangenheit fallen auf Dorothea Sartorius

Alle 57 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "In einem anderen Licht"

„Fragen Sie Dorothea nach Marguerite.“ Miriam bekommt anonyme Briefe mit nur diesem Satz geschickt. Dorothea Sartorius ist die charismatische Witwe eines Reeders und eine große Mäzenin in Hamburg. Gemeinsam mit ihr bereitet Miriam gerade die Verleihung des Sartorius-Preises für Zivilcourage vor. Dorothea beantwortet Miriams Frage nicht, ermuntert sie aber, nach dem Absender der Briefe zu suchen. In einem Beginenhof an der Schlei findet Miriam eine alte Bewohnerin und Antworten, die ihr Weltbild ins Wanken bringen. Dorothea war in den 70er Jahren Mitglied in einer linksextremen Terrorgruppe. Die frühere Freundin und politische Weggefährtin von Dorothea erhebt schwere Anklage: „Sie hat uns verraten. Sie hat alles verraten, was ihr heilig war.“

Katrin Burseg erzählt von Liebe und Verrat, von Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Und von der Herausforderung, authentisch zu leben. "In einm anderen Licht" ist ein lebendiges Porträt einer Frau vor dem historischen Hintergrund des deutschen Herbstes.

„Ein ungewöhnlicher und spannender Roman, an dem mir vieles gefallen hat“ Rainer Moritz, Literaturhaus Hamburg

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783471351406
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:List Verlag
Erscheinungsdatum:08.09.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Das_Lesedings avatar
    Das_Lesedingvor 3 Monaten
    eher schlecht

    Inhalt:
    Miriam sowie ihr Mann arbeiteten beide als Journalisten für das selbe Magazin. Als Miriams Mann bei einer Reportage stirbt, wechselt sie den Herausgeber und arbeitet stattdessen für eine Frauenzeitschrift. Für ihren aktuellen Artikel erhält sie anonyme Briefe und entscheidet sich, diesen nachzugehen …

    Schreibstil:
    Der Stil ist durchwachsen. Mit Trauerbewältigung, RAF-Terror, Liebe, allein erziehende Mutter und einem vertuschten Mord hätte ich mehr erwartet als eine extrem konstruierte Handlung, welche dann auch noch mit Klischees behaftet ist. Vielleicht waren es aber auch zu viele Themen, welche ja alle untergebracht werden müssen und daher dieses konfuse durcheinander, was so unrealistisch erscheint, dass die ganze Geschichte zunichte macht.

    Charaktere:
    Miriam trauert sehr viel um ihren Mann – verständlich – und sie versucht ihre Trauer durch geschickte Handlungen in den Griff zu bekommen. auch stilistisch hat die Autorin gut nachgeholfen, dennoch wirkt das ganze einfach nicht, wenn sie sich dann Bo an den Hals wirft.

    Bo hingegen, taucht auf und ihm wird sofort Miriams Sohn anvertraut. Logisch, würde ja jede Mutter so machen *da kann man nur mit dem Kopf schütteln

    Auch die anderen Charaktere sind einfach immer zur richtigen Stelle da oder sterben dann ganz schnell, damit sie nicht mehr antworten müssen – wie praktisch!

    Cover:
    Das Cover ist sehr schön und hat mich zum Lesen verleitet.

    Fazit:
    Eine von vorne bis hinten konstruierte Geschichte, welche einfach nur unglaubwürdig ist! Von mir gibt es keine Leseempfehlung und nur 2 Sterne.

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    M
    miiraavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Lesenswert. Liest sich sehr gut und ist mitreißend.
    mitreißend


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    E
    echidnavor 10 Monaten
    Ist Wahrheit eine Frage der Perspektive?

              Miriam hat ihren Mann und kurz darauf ihr Baby verloren und lebt nun mit ihrem Sohn alleine in Hamburg. Die Stiftung von Dorothea Sartorius hat ihr bei der Trauerbewältigung sehr geholfen. Sie fühlt sich ihr verbunden. Nun möchte sie ihr etwas zurück geben und bereitet mit ihr die Verleihung des Sartorius-Preises für Zivilcourage vor.
    Dorothea Sartorius vermittelt das Bild einer mitfühlenden, herzlichen Witwe. Doch als Miriam für ein Porträt intensiv recherchiert, findet sie Unglaubliches heraus. Plötzlich erscheint das so edle und selbstlose Leben der Sartorius in einem ganz anderen Licht. Miriam weiß nicht mehr, was sie glauben soll und was Wahrheit wirklich bedeutet. Gibt es überhaupt so etwas wie eine absolute Wahrheit oder ist sie eine Frage der Perspektive?
    Die Geschichte ist unheimlich gefühlvoll geschrieben. Die Darstellung der Trauer, die Miriam empfindet, als einen Raben, der immer wieder aufflattert, finde ich sehr passend. Man kann nicht anders als mit Miriam mitzufühlen, die Trauer, doch auch die schönen Gefühle, die langsam wieder in ihr aufkeimen und die sie lernt wieder zuzulassen.Natürlich taucht auch irgendwann wieder ein Mann in ihrem Leben auf. Doch dies ist keine plumpe Liebesgeschichte. Die Gefühle sind sehr zart und entwickeln sich in ihrer eigenen Geschwindigkeit im Hintergrund, was ich sehr schön und auch realistisch fand.
    Mittelpunkt des Buches bleibt jedoch die Geschichte der Sartorius und die Suche nach der Wahrheit. Es geht zurück in die 70er Jahre, als der RAF-Terror Deutschland in Angst versetzte. Ein Autounfall, bei dem drei junge Leute ums Leben kommen. Anscheinend ein tragischer Unfall, doch ein zweiter Blick enthüllt eine ganz andere Geschichte. Was hat der Unfall in der Idylle eines norddeutschen Ortes mit dem linksextremen Terror zu tun? Frau Sartorius kennt beide Seiten, die des rebellischen Mädchens, das in eine linksextreme Terrorgruppe rutscht, doch auch die der liebenden Frau, die an den vermögenden Reeder Sartorius ihr Herz verloren hat. Was ist nun die Wahrheit und was verbirgt sie?
    Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen. Es spricht die ganze Bandbreite der Emotionen an. Und hinzu kommt die Spannung nach der Frage, ob Miriam die endgültige Wahrheit je herausfinden wird.

            

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    Fortis avatar
    Fortivor 10 Monaten
    Nicht-deprimierender Roman über Trauer

    Katrin Burseg erzählt die Geschichte der Hamburger Journalistin Miriam ruhig und unaufgeregt. Die zwei Ebenen der Geschichte - Miriams Recherchen einerseits und ihr Privatleben andererseits - werden gekonnt miteinander verbunden und parallel erzählt. Noch vor den genannten Themen Liebe und Verrat, Wahrheit und Wahrhaftigkeit sehe ich Trauer und den Umgang mit Trauer als bestimmende Motive, die sich durch das Buch ziehen und immer wieder spürbar sind. Ich hatte vorher etwas Bedenken, dass es gefühlsdusselig, kitschig oder deprimierend wird, aber so ist es glücklicherweise nicht  -  bei "In einem anderen Licht" handelt es sich um solide, gut erzählte Literatur, die ich sehr gerne gelesen habe. 

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    LillianMcCarthys avatar
    LillianMcCarthyvor 10 Monaten
    Berührendes Ende

    Mich hat das Buch zu dem Zeitpunkt voll und ganz angesprochen, als ich gelesen habe, dass das Buch mit der historischen Thematik de RAF-Terrors verknüpft ist. Ich finde diesen Zeitabschnitt sehr spannend und dennoch zu wenig vertreten in Medien oder der Betrachtung in der Schule. Mit dem Buch begonnen musste ich jedoch erst einmal feststellen, dass das sich Buch zunächst überhaupt nicht mit dem RAF-Terror beschäftigt. Vielmehr erfahren wir den Roman aus der Sicht von Miriam, die mit dem Tod ihres Mannes kämpft und neben ihrem Job bei einer Zeitschrift versucht, ihren Sohn alleine großzuziehen. Durch eine Preisverleihung stößt sie auf de Vergangenheit, der Preisinitiatorin, die eng mit der RAF zusammenhängt.

    Die Geschichte fesselte, ganz ohne viel Action oder Spannung. Obwohl Miriam für mich durch ihr Alter keine Identifikationsfigur darstellte und sich in einem anderen Lebensabschnitt befindet, war es doch sehr spannend, ihre Entwicklung zu verfolgen. Trauerbewältigung und das Eingestehen von Schuld nahm das gesamte Buch über jedoch einen sehr viel größeren Raum ein, als der im Klappentext angekündigte Terror. Obwohl ich davon zunächst sehr enttäuscht war, empfand ich die Themen jedoch auch sehr schön umgesetzt und aufgearbeitet. Auch Miriam war in ihrem Handeln und ihren Gedanken sehr verständlich und man konnte sehr gut mit ihr mitfühlen.

    Bezüglich des RAF Terrors sollte man bereits vor dem Lesen des Titels einiges an Wissen angehäuft haben. Es wird nicht noch einmal genauer auf die Hintergründe und Motivationen eingegangen und das Buch erklärt zu wenig, um einen Einstieg in das Thema zu finden. Ich für meinen Teil weiß zwar schon sehr viel und hatte viele Details im Kopf, ohne dass ich mir vorher noch einmal etwas durchgelesen hatte, dennoch hatte ich gehofft, mehr zu erfahren und neue Verknüpfen herstellen zu können.

    Besonders zum Ende hin nimmt das Buch eine sehr schöne, wenn auch teilweise tragische Wendung. War ich mittendrin doch etwas enttäuscht, konnte mich die Geschichte an diesem Punkt wieder voll und ganz abholen und wenn ihr nah am Wasser gebaut seid, solltet ihr euch auch einige Taschentücher bereitlegen.

    Fazit: In einem anderen Licht entsprach nicht ganz meinen Erwartungen, da der RAF Terror neben Themen wie Trauerbewältigung und Schuldeingestehung sehr zurückgetreten ist. Trotz dieser kleinen Enttäuschung begeisterte mich die Geschichte dann jedoch genauso, wie sie war und präsentiert den Lesern letztendlich sogar ein Ende, dass es in sich hat.

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    grashuepfer56vor 10 Monaten
    zwei Seiten der Wahrheit

              Das wunderschöne Cover zu Katrin Bursegs neuen Roman zeigt zwei junge Frauen, die scheinbar einträchtig nebeneinander stehen. Es könnten Freundinnen sein. Doch der Titel „In einem anderen Licht“ vermittelt schon eine Ahnung, dass es auch noch eine andere Seite der Medaille gibt.
    Die Hauptfigur Miriam Raven verliert durch einen tragischen Unglücksfall ihren geliebten Ehemann. Danach ist nichts mehr wie es war. Sie wechselt innerhalb ihres Verlages vom aktuellen Tagesgeschehen in die Redaktion  einer beliebten Frauen-Zeitschrift. Durch ihre Arbeit lernt sie die große Mäzenin Dorothea Satorius kennen. Doch diese birgt ein dunkles Geheimnis. Anonyme Briefe führen Miriam auf ihre Spur. Sie recherchiert auf eigene Faust. Als sie an einem Osterwochenende den Drachenbauer und Lebenskünstler Bo kennenlernt, ahnt sie noch nicht, dass er der Schlüsel sein könnte.
    Immer wieder muss sie dabei ihren Anspruch auf Wahrhaftigkeit in frage stellen und erkennen, dass Wahrheit manchmal auch eine Frage der Perspektive sein kann.
    Doch in Katrin Bursegs Roman geht es nicht nur um die geheimnisvolle Senatoren-Witwe und ihre terroristische Vergangenheit, sondern auch um Miriams persönliche Entwicklung, um ihre Trauerbewältigung und neue Gefühle.
    Die Charaktere sind klar gezeichnet, mit Tiefen und Persönlichkeit. Es gibt keine Figuren, die blass und unscheinbar bleiben. Besonders sympatisch wirkt dabei die Hauptprotagonistin Miriam Raven. Liebevolle Mutter, verantwortungsbewusste Journalistin und absolut authentisch. Insgesamt ist dieses Werk ein wunderbar zu lesender Roman. Der Leser wird gepackt und mitgezogen, man lacht und leidet mit und mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
           

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    AnnieHalls avatar
    AnnieHallvor 10 Monaten
    Schatten der Vergangenheit

    In einem anderen Licht ist ein Roman von Katrin Burseg, erschienen 2017 im List Verlag.

    Die Hamburger Journalistin Miriam trauert um ihren Ehemann, der bei einem Auslandseinsatz getötet wurde, dabei unterstützt sie eine Selbsthilfegruppe, die von der Reederin Dorothea Sartorius gegründet wurde. Während der Recherche für die Verleihung des renommierten Sartorius-Preises für Zivilcourage, erhält sie mehrere anonyme Briefe mit der rätselhaften Botschaft: "Fragen Sie Dorothea nach Marguerite". Miriams journalistische Neugierde ist geweckt, doch Dorothea Sartorius weicht ihren Fragen aus. Als Miriam nach dem Absender der Briefe sucht, stößt sie auf Spuren, die ihr Weltbild ins Wanken bringen...

    Katrin Burseg erzählt eine spannende und einfühlsame Geschichte über Schuld und Gewissen. Dabei verknüpft sie geschichtliche Begebenheiten mit dem Leben zweier unterschiedlicher Frauen. Journalistin Miriam ist in ihrer Trauer versunken und versucht mit ihrem Sohn Max ein neues Leben zu beginnen. Dorothea Sartorius tritt zu Beginn als großzügige Stifterin auf, erscheint im weiteren Verlauf der Geschichte durch ihre fragwürdige Vergangenheit jedoch in einem anderen Licht. Die Geschichte lebt vom Zusammenspiel dieser gegensätzlichen Hauptfiguren, die facettenreich und glaubwürdig dargestellt sind. Mitunter wirkt die Handlung jedoch arg konstruiert und baut zu sehr auf Zufällen auf.
    Der Schreibstil ist ansprechend und gefühlvoll. Katrin Burseg klagt niemanden an, sondern zeigt die Lage und den Gewissenskonklikt ihrer Figuren wertfrei auf, wodurch der Leser sich selbst ein Urteil über die handelnden Personen bilden kann.

    Fazit: Ein spannender und berührender Roman über Schuld und Vergebung.

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    AnTheiavor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein ruhiger und zutiefst aufrüttelnder Roman über ein Stück deutscher Geschichte, der sich gekonnt mit den Themen Schuld, Trauer und Mut aus
    Eine Frage der Schuld

    Miriam arbeitet als Journalistin und steckt gerade mitten in der Vorbereitung des renommierten Sartorius-Preises für Zivilcourage, als ihr mehrere anonyme Briefe mit einer rätselhaften Botschaft ins Haus flattern: "Fragen Sie Dorothea nach Marguerite". Worauf weist der anonyme Absender hin? Die charismatische Witwe des Reeders und Stifterin des Preises, Dorothea Sartorius, reagiert nur ausweichend auf Miriam's Fragen, deren journalistischer Spürsinn sofort geweckt wird. Die Spuren führen in die mysteriöse Vergangenheit der Witwe, in die 70er Jahre, als linksextreme Terrorgruppen Deutschland in Angst und Unruhe versetzt hatten. Miriam begibt sich auf die Suche an die Schlei und versucht dort die Wahrheit über Dorothea Sartorius herauszufinden. Dabei gerät sie nicht nur selbst in schwere Gewissenskonflikte, sondern muss sich auch zwischen ihrem journalistischen Ehrgefühl, und dem Mann entscheiden, der ihr und ihrem Sohn Max wieder neue Hoffnung auf ein neues Lebensglück gibt.

    Katrin Burseg ist ein ungewöhnlich ruhiger Roman über ein sehr spannendes und vielfältig diskutiertes Thema der deutschen Geschichte gelungen: den Deutschen Herbst. Dabei verknüpft sie aus meiner Sicht gekonnt geschichtliche Fragen nach Schuld und Unschuld, mit Trauer und Trauerbewältigung, und dem Mut sich der Vergangenheit und der Zukunft zu stellen. Im Zentrum steht die Hamburger Journalistin Miriam, die nach einem tragischen Unglücksfall ihren Mann bei einem journalistischen Auslandseinsatz verliert. Mit ihrem kleinen fünfjährigen Sohn Max versucht sie ein neues Leben zu beginnen, das ihr natürlich nicht immer leicht fällt. Dabei geholfen hat ihr eine Selbsthilfegruppe, die von der Reederin Dorothea Sartorius selbst ins Leben gerufen hatte. Für mich war Miriam von Anfang an sehr sympathisch und in ihrer Trauerbewältigung auch nachvollziehbar beschrieben. Rührend versucht sie sich um ihren kleinen Sohn Max zu kümmern und es ist gut nachvollziehbar, mit welchen Gewissensbissen sie zu kämpfen hat, als sie während ihrer Recherchen an der Schlei einen Mann kennenlernt, der für sie und ihren Sohn eine neue Chance auf ein neues Lebensglück bietet. Spannend und mysteriös zugleich erzählt, war für mich die Figur der Mäzenin Dorothea Sartorius, die als großzügige Stifterin anfangs in einem extrem positiven Licht erscheint und durch ihre Vergangenheit zunehmend zu einem Rätsel für den Leser wird - eben in einem anderen Licht erscheint. Ich persönlich hätte gern noch viel mehr Hintergründe aus der Vergangenheit der Sartorius erfahren. Bietet doch allein die Geschichte um die RAF schon genug Stoff, um hier eine äußerst spannende Geschichte zu erzählen. So bleibt dem Leser nur ein kleiner, wenn auch trotzdem nicht unspannender Einblick in die Vergangenheit der Sartorius, die auch für die Mäzenin im Zuge der Recherchen von Miriam zu einem Gewissenskonflikt wird: die Wahrheit zu sagen oder weiter eine Lüge zu leben. Insofern erscheint mir der Roman äußerst facettenreich wie die Handlung und ihre Charaktere.

    Katrin Burseg hat einen sehr angenehmen und ruhigen Schreibstil. Ich mag ihre unbewertende Art zu schreiben und man durchaus den Eindruck, dass sie sich mit den historischen Fakten, wenn auch nicht so tiefgründig, befasst hat. Als Leser bekomme ich durchaus die Chance mir selbst ein Urteil über die handelnden Personen zu bilden. Das machte für mich das Lesen dieses Romans zu einem sehr angenehmen Lesevergnügen.

    Mein Fazit: Ein ruhiger und zutiefst aufrüttelnder Roman über ein Stück deutscher Geschichte, der sich gekonnt mit den Themen Schuld, Trauer und Mut auseinandersetzt.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Dunkle Schatten der Vergangenheit fallen auf Dorothea Sartorius
    Wie hoch ist der Preis für Zivilcourage?

    Journalistin Miriam Raven recherchiert für die bevorstehende Verleihung des “Preises für Zivilcourage”, der von der Sartorius-Stiftung ausgelobt wurde.
    Während sie sich mit dem Leben der Stifterin beschäftigt, erhält sie mehrere anonyme Briefe, in denen sie aufgefordert wird, Dorothea Sartorius nach “Marguerite” zu fragen.
    Miriam entdeckt, dass Dorothea in ihrer Jugend Mitglied einer Splittergruppe der RAF war, die Peter Sartorius entführen und damit inhaftierte Mitglieder der Baader-Meinhof-Bande freipressen sollte. Dass es anders kam, und sich die potentielle Täterin in ihr Opfer verlieben würde, wurde einfach totgeschwiegen.

    Diese “andere Licht” stürzt Miriam in einen tiefen Gewissenskonflikt. Und sie hat niemanden, mit dem sie sich austauschen kann, ist doch ihr Ehemann Gregor bei einer Reportage einem Querschläger zum Opfer gefallen.

    Was wird Miriam nun tun? Wird sie Dorothea bloßstellen oder weiter schweigen?

    Meine Meinung:

    Normalerweise bin ich nicht so ein großer Fan von sogenannten “Frauenromanen”, doch dieser hat mich so gefesselt, dass ich ihn in einer Nacht durchgelesen habe.

    Die Autorin spinnt eine tolle mehrschichtige Geschichte rund um die Journalistin Miriam, die obwohl der sinnlose Tod ihres Mannes schon zwei Jahre her ist, nach wie vor in tiefer Trauer gefangen ist. Denn sie hat nicht nur Gregor sondern auch das ungeborene Geschwisterchen für ihren Sohn Max verloren.

    Ein zweiter, dramatischer Erzählstrang ist Dortheas Biographie. Heute schwerreiche Erbin und Mäzenin, war sie in ihrer Jugend ein typisches Kind der 1968er. Einem kurzen Beziehung mit Brian Jones von den Rolling Stones, soll ihr Sohn entsprungen sein, den sie zur Adoption freigegeben hat.
    Die Hinwendung zu den RAF-Terroristen ist zwar frei erfunden, doch gibt dies die Situation in den 1970er wieder. Ich kann mich noch gut erinnern, dass auf jedem Postamt, jeder Wachstube oder in den Gemeindeämtern die Steckbriefe der Baader-Meinhof-Bande ausgehängt waren. In Wien gab es 1977 einen echten Entführungsfall: Der Textilindustrielle Walter Palmers wurde von drei Studenten entführt und gegen Zahlung eines hohen Lösegelds nach Tagen wieder freigelassen. Das Geld diente zur Finanzierung des linken Terrors und ist nie wieder aufgetaucht.

    Die Erkenntnisse, die Miriam aus Interviews mit Dorothea und der letzten anderen Überlebenden gewinnt, lässt sie an ihrem Beruf zweifeln. Schweigen oder Aufdecken? Zivilcourage zeigen?
    In der Gestalt von Miriam wird der Konflikt, den auch der eine oder andere Leser (wenn vielleicht auch nur im Kleinen) führen kann, gut herausgearbeitet und authentisch dargestellt. Das einzige, das mir nicht passend erscheint, ist die Sprache und der Umgang mit dem fünfjährigen Max. Bestimmt ist Max durch den Tod seines Vaters reifer als andere Kid in seinem Alter, doch sein Verhalten wirkt in wenig unnatürlich auf mich.

    Dennoch finden die unterschiedlichen Handlungsstränge am Ende zu einer beinahe harmonischen Verknüpfung.

    Bei der Gala zur Verleihung des Preises zur Zivilcourage sieht die versammelte Festgesellschaft die Mäzenin in “einem anderen Licht”.

    Fazit:

    Ein vielschichtiger Roman, der hochpolitisch ist. Man muss nur die Botschaft der Terroristen austauschen. Gerne gebe ich fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

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    Svanvithes avatar
    Svanvithevor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein leises Buch, das gelesen werden sollte...
    Das Echo der Zeit

    Vor zwei Jahren verändert ein Querschläger aus der Kalaschnikow eines Dschihad-Kämpfers das Leben von Miriam. Er trifft nicht sie, sondern ihren Mann Gregor, zweiundvierzig Jahre alt, Fotojournalist aus Hamburg, kriegserfahren und trotzdem nicht gleichgültig. Mitten ins Herz. Es ist ein irrwitziger Zufall, Gregor ist einmal am falschen Ort zur falschen Zeit.


    Seitdem begleitet Miriam die Trauer. Wie ein Rabe sitzt sie in ihrer Brust und regiert sie, mal zurückhaltend und mahnend, mal fordernd und laut, aber immer ist sie da. Dank der Liebe zu ihrem Sohn Max und einer Therapie hat sie zumindest die Kraft gefunden, weiterzuleben und wieder zu arbeiten. Miriam ist ebenfalls Journalistin, hat inzwischen das Ressort gewechselt. Für ihre Frauenzeitschrift recherchiert Miriam in Vorbereitung der Verleihung eines Preises für Zivilcourage die Lebensgeschichte von deren Stifterin Dorothea Sartorius. Dies gestaltet sich schwierig, denn Dorothea lebt sehr zurückgezogen. Als es dann zu einem Treffen kommt, thematisiert Miriam auch die anonymen Aufforderungen „Fragen Sie Dorothea nach Marguerite“, die sie erhalten hat. Dorothea reagiert verhalten, weist Miriam jedoch einen Weg.


    Während eines Aufenthaltes an der Schlei – Miriam hat für sich und Max einen Kurs gebucht, bei dem sie das Drachenbauen erlernen können – stößt sie auf Spuren, die nochmals jene Zeit des RAF- Terrorismus des Jahres 1972 auf den Plan rufen.


    Doch was hat die integre Wohltäterin Dorothea Sartorius damit tun?


    Miriam bietet sich die Gelegenheit, in die Vergangenheit zurückzugehen – sie lernt die Briefeschreiberin Elisabeth kennen, eine alte Frau, die in einem Kloster lebt und die Härte, Kompromisslosigkeit und Hass umgibt. Miriam nimmt Gegenwärtiges wahr. Denn da ist Bo, der Gaukler, der Drachenbauer, der nicht nur für Max zur Vaterfigur wird, sondern bei dem sich auch Miriam wohlfühlt. Sie muss also Zukünftiges bedenken, eine Balance finden, zwischen allem abzuwägen.


    „Mensch sein… Gerade stehen, sich nicht einschüchtern lassen, auch wenn es unbequem ist. Fragen stellen, neue Antworten finden, sich öffnen, auch für das Fremde, das Andere...“, lässt Katrin Burseg Dorothea Sartorius auf die Frage von Miriam, was denn für sie Zivilcourage bedeute, antworten. Und nicht nur Miriam möchte ihr glauben, dass sie genau die unzweifelhafte Mäzenin ist, für die sie alle halten.


    Katrin Burseg erzählt „In einem anderen Licht“ davon, dass einen die Vergangenheit – so verdrängt sie auch ist – eines Tages wieder einholen kann, dass eine Abrechnung immer möglich ist. Es ist eine Geschichte, die nach Wahrheit fragt. Nach Wahrhaftigkeit. Die ein Bild von Liebe zeichnet, sich mit Hass auseinandersetzt und mit Freundschaft und Verrat, sich jedoch mit einer Wertung für Richtig oder Falsch zurückhält.


    Burseg schreibt stringent und glaubhaft, überzeugt mit einem Maß an Weisheit. Sie ist äußerst authentisch und feinsinnig in ihrem Erzählton. Besonders die Trauer von Miriam ist sehr anschaulich. Durch die Manifestierung in einem inneren Raben wird sie für den Leser greif- und spürbar. Hierbei wahrt die Autorin den Rahmen, die Gefühlswelt von Miriam, vor allem ihre Melancholie, ihre ständigen Zweifel werden stimmig geschildert, ohne jemals Sentimentale abzugleiten.


    An Miriams Seite sind es vor allem Frauen, die die Autorin in den Mittelpunkt rückt. Und obwohl die männlichen Figuren eher in der zweiten Reihe agieren, fügen sie sich harmonisch in die Handlung ein und runden diese ab.


    So ist "In einem anderen Licht" einerseits ein leises Buch, andererseits eines, das etwas zu sagen hat und darum gelesen werden sollte.

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