Unterhaltsame Milieustudie, lockerer Schreibstil, witziger Krimiplot mit origineller Lösung
Katrin Kremmler
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Neue Rezensionen zu Katrin Kremmler
Das Unkonventionelle, Grenzüberschreitende war schon immer mein Ding.
Deswegen rennt Kathrin Kremmler bei mir damit offene Türen ein.
Dazu liest sich die Geschichte ungemein flüssig und ist für mich auch ohne Anleihen an den Krimi-Standart interessant genug.
Spannung? Ja, vielleicht ein bisschen. Zum Beispiel, wann kommt denn endlich das Kriminelle? So ganz allmählich schält es sich aus dem Fluss der Ereignisse heraus, sehr kunstvoll, sehr feingliedrig und letztlich dann doch überraschend.
So ist also die Bezeichnung Krimi eigentlich nur die Schüssel, in welcher der Textauflauf serviert wird. Und die kann frau bekanntlich nicht mitessen. Mit Krimierwartung sollte also keine an das Buch herangehen. Das führt garantiert zu einer Enttäuschung. Kremmlerfans kommen jedoch voll auf ihre Kosten, denn gut geschrieben ist es allemal.
Ihr Onkel, seines Zeichens Galeriebesitzer und durchtriebenes Arschloch Achtung [Achtung, flache Charaktere-Warnleuchte] schickt Naomi [leucht] von Amerika nach Budapest, um dort eine Künstlerin ausfindeg zu machen, deren Ausstellung in den Staaten er plane während sie allem Anschein nach untergetaucht ist. Obwohl Naomi ihren Onkel wie die Pest hasst [wir erfahren noch, warum leucht], nimmt sie die Chance wahr, bezahlt in die Stadt ihrer Kindheit zu fliegen und ein wenig Vergangenheitsaufarbeitung/Verwandtenbesuch/Citytouring geschickt mit der Aufbesserung ihres wohl leucht mauen Kontostandes zu verbinden.
Merkwürdiger weise will aber die gesuchte Künstlerin gar nicht gefunden werden, scheint neben Naomi noch halb Ungarn nach der Dame auf der Spur zu sein und finden sich bald erste Anhaltspunkte, dass es sich hier nicht um rein künstlerisches Interesse von Onkel Raffzahn handelt, sondern anciente Hehlerware der eigentliche Hebel der mittlerweilen reichlich ins Spiel gekommenen Bewegung ist: geklauter Kunstschatz, Landesflucht, ein ungeklärter Mord, Familienzerrüttung und allerlei kriminelle Umtriebe gesellen sich zu einem winzigen wenig erotischer Untermalung, da unsere lesbische frisch-Detektivin natürlich eine ganz niedliche ist und ja - das alles ist sehr spannend, denn K.Kremmler hat sich mit den historischen Hintergründen fein auseinandergesetzt und versteht es, immer wieder unerwartete Haken zu schlagen.
Allein, die Tiefe fehlt - in der Charakterzeichnung, in der sprachlichen Schönheit, der tatsächlichen Aueinandersetzung mit den angerissenen Sujets.
Kremmler hat wunderbare Phantasie, aber zur Autorenschaft fehlt ihr m.E. ein gutes Stück erzählerischen Talents bzw- litererischen Handwerkszeugs.
Darum liest sich diese Geschichte eben schnell rein und vergisst sich ebenso schnell wieder, bleibt nicht kleben sondern rutscht auf den wachsenden Stapel akzeptabler aber austauschbarer, redundanter, beliebiger Krimis mit gutem Unterhaltungswert aber mangelnder Tiefe, wie wir das vom Hause Ariadne kennen.







