Katrin Nitzschke

 3,8 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor*in von Was die Seele braucht, Die Prager Straße in Dresden und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Katrin Nitzschke, geb. 1955 in Dresden, studierte in Leipzig Bibliothekswesen und Kulturwissenschaften. Sie leitet seit 1984 das Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Veröffentlichungen im Insel-Verlag: 1991 Dresden - ein Reiselesebuch unter Mitarbeit von Reinhardt Eigenwill, 1994 Hrsg. zusammen mit Julia Freifrau Hiller von Gaertringen Was die Seele braucht: Erhart Kästner über Bücher und Autoren, 1999 Hrsg. Die großen Dresdner.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Katrin Nitzschke

Cover des Buches Was die Seele braucht (ISBN: 9783458339687)

Was die Seele braucht

(3)
Erschienen am 23.11.1998
Cover des Buches Die Prager Straße in Dresden (ISBN: 9783942473798)

Die Prager Straße in Dresden

(1)
Erschienen am 21.04.2014
Cover des Buches Die grossen Dresdner (ISBN: 9783458348481)

Die grossen Dresdner

(0)
Erschienen am 01.01.2005

Neue Rezensionen zu Katrin Nitzschke

Cover des Buches Was die Seele braucht (ISBN: 9783458339687)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Was die Seele braucht" von Katrin Nitzschke

Trishen77
"Man soll eigentlich Bücher überhaupt nicht anders beurteilen als danach, wie sie den Leser entlassen."

       -"Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen, wie der alte Herr mir den Eintakter "Finsternisse" diktierte. Unter so vielen dergleichen Stunden sind mir diese in der Erinnerung stehen geblieben wie Inseln, die in der salzigen Lösung anderer vergessener glänzen."-
Kästners Erinnerungen an das Diktat des Stückes durch Gerhard Hauptmann

Erhard Kästner, Literat, Kritiker und Intellektueller, gehört zu den heute eher vergessenen Dichtern und Denkern. In Sachen Literatur hat er natürlich auch wenig vorzuweisen, gerade mal 6 oder 7 Bücher. Warum sollte man ihn trotzdem als einen der wenigen nennen, die noch wichtig sind? Weil er über Literatur schreiben konnte, wie kaum ein zweiter.

-"Wahrheiten müssen nicht nur ihr Wahres enthalten, sondern auch einen anderen Stoff, ein Phlogiston, das dieses wahre zu verbrennen vermag, also Feuer. Also Belebendes, also Verwandlungskraft. Das ist der Grund, weshalb wir lebendigen Wahrheiten seltener in der akademischen Sphäre begegnen als in der freien Literatur, seltener bei den Gelehrten, als bei den Weltleuten."-

Vornehmlich in den Jahren nach dem Krieg hat Kästner sich viel mit der aufkommenden Literatur aus Deutschland und dem Ausland auseinandergesetzt. Später hat er sich für Paul Celan, Günter Eich und Ingeborg Bachmann stark gemacht, hat Uwe Johnson unterstützt und viel über die späteren Werke Ernst Jüngers und Gerhard Nebel geschrieben.
Dieses kleine Büchlein kann natürlich nur einen sehr kleinen Teil des kästnerischen Rezensentenwerkes fassen. Trotzdem scheint es, als sei entweder das besten ausgewählt worden oder man hätte gar nicht falsch auswählen können.
Camus, Sartre, Thomas Mann, Kafka und andere, damals aktuelle, doch oft nicht weniger interessante (und vor allem faszinierend beschriebene und dargestellte) Autoren und Bücher finden sich gemischt hier vor.

-"Für Kästner ausschlaggebend war nicht allein der Rang eines Buches als Kunstleistung, sondern, ob es glückte, sich anhand seiner ein Stück Welt zu eigen zu machen. Denn der "mundus abstrusus", die Erfahrung, dass die Welt immerzu wegrutscht, entgleitet, dass immerwährend Entzug ist und dass es nicht mehr gelingt, sich auf der Welt zu Hause zu fühlen, galt ihm als Grunderfahrung der Moderne. Die Aufgabe der Kunst sah er darin, solche Verlust wettzumachen, Welt zu bewahren oder gar Verlorenes zurückzugewinnen."-
Karin Niezschke im Nachwort

Analysiert Kästner, pauschalsiert er? Ein eindeutiges Nein. Kästners Rezension sind sozusagen "Kunstessays", also in sich selbst eine Art von literarischer Arbeit, die sich mit dem Buch, seinen Themen und dem Künstler gleichermaßen auseinandersetzten, statt sie nur zu loben oder zu kritisieren. Stilistisch und sprachlich immer sehr gewogen und schön, schafft er es so, uns für die Bücher wahrhaft zu begeistern, ohne dass wir schon eine konkrete Vorstellung von dem Inhalt haben. Er schreibt (in den besten Rezensionen) sozusagen seine eigene subjektive Geschichte zu dem Buch, dass er rezensiert. Scharfsinn paart sich hier mit Weisheit.

-"Am Ausgang dieses Jahrhunderts, dessen Leidenschaft Wissensdurst war, steht riesengroße Melancholie. So heißt es denn, die griechische Frage von der Existenz her aufs neue zu stellen."-

Ich würde jedem empfehlen dieses Buch zu lesen, jedem. Es ist wahrhaftig Seelenfutter, es ist ein kunstvolles und nachdenkliches Lesevergnügen. Und es finden sich viele wichtige Ideen und Botschaften darin, so diese hier, eine Abschlussbemerkung Kästners zum Buch von Gheorghiu ( 25 Uhr ), einer scheinbar äußerst destruktiven Dystopie, eine Stelle, die mich Wort für Wort beeindruckt hat:

-"Und hier möchte ich sagen: mir scheint dieser Pessimismus ziemlich flach. In der Reihe der Güter, die Europa verteidigen muss, pflegt man die persönliche Freiheit, den Felsen des römischen Rechts und das Gebot der Achtung vor jedem geborenen Leben zu nennen. Aber es gehört zu diesen Gütern die Hoffnung auch. Es gehört dazu der Glaube an eine mögliche Rettung. Das Wort Luthers: "und wenn ich wüsste, dass morgen Weltuntergang wäre, ich würde dennoch am heutigen Tage Apfelbäume pflanzen!" erscheint mir wie ein in den Himmel ragender Gipfel über Verzweiflungsstätten, in denen mit hunderttausend anderen Gheorghiu wohnt.

Nie hat man ein Recht, in scheinbar verzweifelter Lage zu sagen: zu spät. Auch das gehört zur Achtung vor jedem Leben.-"

Cover des Buches Die Prager Straße in Dresden (ISBN: 9783942473798)
EvyHearts avatar

Rezension zu "Die Prager Straße in Dresden" von Katrin Nitzschke

EvyHeart
Ein Stück Geschichte

Betrachtet man das Buch als reinen Bildband, ist es toll. Die Fotos sind gut gewählt und zeichnen nach, wie sich die Prager Straße verändert hat. Sie sind vielfältig und zeigen Perspektiven, die man oft nicht sieht. Ich habe vieles gelernt und war stellenweise sehr beeindruckt.
In den Texten fehlte mir inhaltlich die Fülle. Besonders in den Abschnitten nach dem Krieg fassen die Autoren gut zusammen, wie sich dei Stadt verändert hat. Aber das Flair für die Straße fehlt, das Spielerische, Positive. Die Prager Straße aus meiner Erinnerung trifft nicht auf Fakten, weil der Zeitraum ausgeklammert und mit Architekturkritik gefüllt wird.
Trotzdem ist das Buch sein Geld wert und ich bin froh, es im Regal stehen zu haben. Ich glaube, für Dresden-Freunde, die sich für einen Teil der Stadt interessieren, ohne mit Fakten überladen zu werden, ist das Buch ziemlich gut.

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