Katrin Rönicke

 4,1 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor*in von Resist! Weich bleiben in harten Zeiten., Sex. 100 Seiten und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Katrin Rönicke, geb. 1982, ist Journalistin, Bloggerin und Buchautorin. 2015 erschien ihr Band Bitte Freimachen. Eine Anleitung zur Emanzipation.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Katrin Rönicke

Cover des Buches Resist! Weich bleiben in harten Zeiten. (ISBN: 9783701183548)

Resist! Weich bleiben in harten Zeiten.

(4)
Erschienen am 09.09.2025
Cover des Buches Sex. 100 Seiten (ISBN: 9783150204429)

Sex. 100 Seiten

(4)
Erschienen am 17.03.2017
Cover des Buches Emanzipation. 100 Seiten (ISBN: 9783150204399)

Emanzipation. 100 Seiten

(3)
Erschienen am 28.09.2018
Cover des Buches Bitte freimachen (ISBN: 9783849303693)

Bitte freimachen

(2)
Erschienen am 17.07.2015
Cover des Buches Beate Uhse (ISBN: 9783701734665)

Beate Uhse

(1)
Erschienen am 27.08.2019

Neue Rezensionen zu Katrin Rönicke

Cover des Buches Emanzipation. 100 Seiten (ISBN: 9783150204399)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Emanzipation. 100 Seiten" von Katrin Rönicke

Trishen77
Gute Einführung

„Ja, das Ende des Mittelalters, die Reformation, der Beginn des Kapitalismus und die Demokratie haben viele äußere Zwänge abgeschafft – aber bei genauerem Hinsehen bringen sowohl die Neuzeit als auch der Kapitalismus und die Demokratie neue Formen von Ungleichheit und Diskriminierung mit sich“

Die Emanzipation rückt das menschliche Individuum und seine individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt und wendet sich gegen die Hoheit und das Diktum einer bestimmten Klasse, Ethnie, eines bestimmten Geschlechtes oder einer bestimmten Weltanschauung.

Emanzipation bedeutet wörtlich die „Entlassung aus der väterlichen Gewalt“, wobei man wohl eher von der „Befreiung aus“ sprechen müsste, denn selten wurden Menschen aus dieser väterlichen Gewalt freiwillig „entlassen“. Egal ob es um Frauen, Sklaven und Sklavinnen, Anhänger*innen von Religionen oder anderen Gruppen von unterdrückten, stigmatisierten und diskriminierten Menschen ging – fast immer war Emanzipation ein Akt, der von ihnen ausging und nicht von einer herrschenden Macht ermöglicht wurde.

Und als eine solche Bewegung, ein solcher Zug zum Ungehorsam und zur Befreiung, wird Emanzipation auch nie aus der Mode kommen; jede Emanzipation, die von herrschenden Kräften vorangetrieben wird, sollte dagegen genauestens darauf abgeklopft werden, ob sie überhaupt emanzipatorisch ist oder nur als Freiheit verkauft werden soll, aber eigentlich im gewissen Sinne versklavt, Unfreiheit und Ungleichheit fördert.

„Menschen ringen nicht nur um die Emanzipation und den Fortschritt, sondern auch um Macht und Privilegien. Das eine kann dem anderen im Weg stehen.“

Katrin Rönicke hat in der 100 Seiten Reihe von Reclam eine wirklich fabelhaft vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema gewagt, zusammengesetzt aus einer Einführung, der anschließenden Konzentration auf verschiedene Schwerpunkte menschlicher Emanzipation in den letzten fünfhundert, vor allem aber den letzten hundert Jahren und außerdem Interviews (das erste mit Matthias von Hellfeld und das zweite mit Sineb El Masrar), biographischen Abrissen, Begriffserläuterungen.

Das Buch zeigt und begreift Emanzipation als Prozess und nicht als einmalige Tat. Es erzählt des Weiteren nicht einfach nur ein Märchen über Fortschritt, Liebe zur Freiheit und großen Errungenschaften, sondern zeigt die Schwierigkeiten in den Emanzipationsprozessen, in der Vergangenheit, der Gegenwart, der Zukunft. Zur Wahrheit gehört zum Beispiel auch, dass über lange Zeit Emanzipationsbewegungen nicht allen Menschen zugutekamen, meist nur den Männern, oft nur weißen Menschen; immer blieb irgendwer von neu erworbenen Privilegien aufgeschlossen. Eben deshalb sind die meisten Emanzipationsprozesse, die in dem Buch genauer in Augenschein genommen werden, noch längst nicht abgeschlossen.

Rönicke legt in ihrem Text Schicht für Schicht das Thema frei, beginnend bei der Historie, über die Befreiungskämpfe von Schwarzen und Frauen, endend bei der Digitalisierung; am Ende hat man eine umfassenden Eindruck davon, wo Emanzipation überall stattfindet – und stattfinden sollte. Zwischendurch geht sie auch sehr gut auf den Backlash-Effekt ein, also restaurative und regressive Prozesse (wie wir sie auch gerade in der politischen und gesellschaftlichen Landschaft erleben).

Überhaupt beschreibt sie vieles überraschend einfühlsam (aber nicht gefühlig), was eine zusätzliche Stärke des Buches ist: einem wird das Thema nicht einfach hingeblättert, sondern nahegebracht.

Fazit: ein solches Thema kann nicht auf 100 Seiten ausgeschöpft werden, aber trotzdem deckt das Buch sehr viel ab, vor allem sehr viel Reflexives; und da hinten sogar einen Liste mit Lektüretipps enthalten ist (die ich ergänzen will um die Bücher von Margarete Stokowski, Ta-Nehisi Coates, Rebecca Solnit und Jessica Crispin), kann man das Buch auch als Ausgangpunkt sehen, als Anstoß. Viel ist schon passiert, aber vieles ist noch zu tun, im Großen, aber auch im Kleinen, wie Rönicke richtig anmerkt:

„wir brauchen noch immer viel Mut, wenn wir das Studium schmeißen, den Vater unserer Kinder verlassen, den Twitteraccount löschen oder den Job an den Nagel hängen wollen.“

Cover des Buches Resist! Weich bleiben in harten Zeiten. (ISBN: 9783701183548)
Eternal-Hopes avatar

Rezension zu "Resist! Weich bleiben in harten Zeiten." von Katrin Rönicke

Eternal-Hope
Fundiertes und selbstreflektiertes Buch über aktuelle feministische Strömungen

Bücher über feministische Themen sind in Mode, allein in diesem Jahr sind so einige erschienen. Nun haben sich drei junge Frauen, Katrin Rönicke, Laura Lucas und Lena Sindermann, die gemeinsam mit anderen den feministischen lila Podcast betreiben, die Aufgabe gestellt, eine persönliche Positionierung zu aktuellen feministischen Strömungen zu schreiben. Herausgekommen ist ein interessantes und gut lesbares Buch, das für alle, die sich neu für das Thema interessieren, eine fundierte Einführung bietet, aber auch denen, die schon länger an dem Thema dran sind, neue Impulse zum Nachdenken liefert. 

Die Autorinnen wechseln sich kapitelweise ab, manche Texte haben sie auch gemeinsam geschrieben. Insgesamt ist dabei ein sehr gut lesbarer, flüssiger Text entstanden, der ein stimmiges Ganzes ergibt und dem man kaum anmerkt, wer welches Kapitel verfasst hat. Das Buch beginnt mit dem Thema Emotionalität, das ja gerne klischeemäßig Frauen zugeschrieben wird, und stellt dieses Klischee gleich auf humorvolle und provokative Art in Frage, während aufgezeigt wird, dass alle Menschen, auch Männer, natürlich auch emotional geprägt sind, und wie Gefühle und Verstand miteinander verbunden sind. 

Leider wird das Klischee der emotionalen, irrationalen Frauen aber oft gegen diese verwendet, wie sich etwa in den unfairen Angriffen Donald Trumps auf das Lachen seiner Rivalin Kamala Harris gezeigt hat, bei der er eine leider historisch tief verwurzelte Fehlverknüpfung von Weiblichkeit und Verrücktheit reaktiviert und für seine Zwecke manipulativ genutzt hat. Dabei kann ein reflektierter Zugang zu den eigenen Emotionen sogar für alle Geschlechter sehr hilfreich sein, um ein glückliches, erfülltes Leben zu führen.

In weiteren Kapiteln geht es um Themen wie gendergerechte Sprache und Sprachpolitik, sexualisierte Gewalt und das einseitige Framing der Vorfälle in der Kölner Silvesternacht (während ähnliche Vorkommnisse leider seit langem bei anderen Veranstaltungen, z.B. beim Münchner Oktoberfest, ebenfalls gang und gäbe sind), Solidarität und die Frage, wie man damit umgehen soll, Männer zu lieben, möglicherweise sogar eine nicht ganz feminismuskonforme Libido am eigenen Körper zu erleben, und dennoch feministisch Position gegen Gewalt und Ungerechtigkeiten zu beziehen. Auch intersektionale Themen wie Klassismus, Rassismus, Ableismus und Antisemitismus sind Teil des Buches.

Dabei legen die Autorinnen großen Wert darauf, eine breite Leserinnenschaft abzuholen: während es im Buch durchaus auch, in gut verständlicher Sprache, um fortgeschrittene feministische Themen geht, findet sich im Anhang ein umfangreiches Glossar wichtiger Begriffe zu dem Thema für die, die noch nicht so viele Berührungspunkte damit hatten. 

Mir persönlich hat besonders gut gefallen, dass deutlich wird, dass die Autorinnen sich wirklich tiefgehend mit den behandelten Themen und ihren eigenen Positionen dazu auseinandergesetzt und diese durchaus auch kritisch hinterfragt haben. Ich muss nicht jede einzelne Position zu 100 % selbst teilen, um für diese Grundlagenarbeit Respekt zu haben. Es wird immer deutlich, wie die gerade erzählende Autorin aufgrund der Beschäftigung mit einschlägiger Literatur, aber auch mit eigener reflektierter Lebenserfahrung, zu ihren jeweiligen Standpunkten gekommen ist.

Insgesamt ist es ein persönliches, angenehm lesbares und sehr unterhaltsames Buch über zeitgenössischen intersektionalen Feminismus, das ich allen, die sich neu für das Thema interessieren, aber auch jenen, die sich schon länger damit beschäftigen, empfehlen kann. 

Cover des Buches Resist! Weich bleiben in harten Zeiten. (ISBN: 9783701183548)
downey_jrs avatar

Rezension zu "Resist! Weich bleiben in harten Zeiten." von Katrin Rönicke

downey_jr
Neue Perspektiven für einen solidarischen, inklusiven Feminismus

"Resist! Weich bleiben in harten Zeiten" ist das erste gemeinsame Buch von Katrin Rönicke, Laura Lucas und Lena Sindermann, den drei Hosts des „Lila Podcasts“, in dem sie die wichtigsten Erkenntnisse ihrer Arbeit teilen, sowohl anhand persönlicher Erfahrungen als auch durch die im Podcast geführten Gespräche.

Das Buch behandelt Fragen zur weiblichen Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Machtverhältnissen sowie viele andere feministische Themen wie die Gleichberechtigung in Beziehungen und das Zeigen von Gefühlen (gerade den Abschnitt über Emotionen fand ich sehr interessant!).

 

Vor allem ist das Buch ein Plädoyer dafür, Unterschiede anzuerkennen; ein Aufruf für einen solidarischen, inklusiven Feminismus. 

Auch wenn Wut ein starker Motor ist und es nicht ganz ohne geht, wenn man etwas verändern will, finde ich den im Untertitel genannten Satz „Weich bleiben in harten Zeiten“ wichtig - Denn gerade im Feminismus sollten wir nicht gegeneinander arbeiten, sondern offen sein für ein Miteinander. Ich wünsche mir Solidarität und Offenheit für unterschiedliche Meinungen und Perspektiven.

 

„Ich verstehe jede Person, die keine Lust mehr auf Nachsicht und Sanftheit hat. Ich verstehe den Ansatz, dass wir für unsere Rechte einstehen müssen und dass uns das Nettsein nicht weiterbringt. Versucht euch jedoch mal für einen Moment vorzustellen, dass alle Menschen mit dieser Idee durch die Welt gehen: verstehen wollen. Dann müsste man ja niemanden mehr überzeugen! Dann müssten wir uns alle gar nicht mehr gegeneinander behaupten. Das bedeutet übrigens jedoch nicht, dass wir immer nett sein müssen. Für mich gehört zu einer feministischen Sprachpraxis auch die selbstbestimmte Entscheidung, wer es überhaupt wert ist, mit mir zu reden. Klingt ein bisschen arrogant, hat aber mehr mit Selbstverantwortung zu tun. Ich entscheide, mit wem ich ins Gespräch gehe. Und ‚Nein‘ ist ein ganzer Satz.“

 

Dabei fand ich vor allem das Wort „Ambiguitätstoleranz“ sehr inspirierend: Das ist „die Fähigkeit, mit Unsicherheit, Mehrdeutigkeit und widersprüchlichen Informationen umzugehen, ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen oder rigide Urteile zu fällen“. Und davon können wir alle nur profitieren, weshalb ich dieses neue Wort gerne in meinen Alltag mitnehmen möchte.

 

Was mir leider nicht so gut gefallen hat, waren die aufgeführten KI-Konversationen - darauf hätte ich gerne verzichten können. 

Sehr gut fand ich dagegen, dass viele kluge Frauen zu Wort kommen, darunter Kübra Gümüşay und Leonie Schöler: „Für mich bedeutet Feminismus eine Perspektive, die es mir als Journalistin ermöglicht, fairer zu berichten. […] Ich glaube, dass es eine Utopie ist, jemals objektiv berichten zu können. Aber man kann versuchen, transparent zu arbeiten: Wie wähle ich Themen aus? Wie wähle ich Stimmen aus?“

 

Das Buch beinhaltet auch ein Glossar mit den wichtigesten feministischen Begriffen, für ein besseres Verständnis (gerade für Neulinge).

 

Für alle, die sich schon tiefergehend mit feministischen Themen beschäftigt haben, bietet das Buch inhaltlich vielleicht nicht viel Neues, aber es kann ein paar neue Denkimpulse und andere Perspektiven eröffnen.

 

Von mir gibt es daher 4 von 5 Sternen.

 

Vielen Dank an den Leykam Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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