Katrin Reuter

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Rezension zu "Ökologische Tugenden und gutes Leben" von Katrin Reuter

Ein „gutes Leben“ im Rahmen der Biodiversität
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

Ein „gutes Leben“  im Rahmen der Biodiversität

Auf der Basis ihrer Dissertation legt Karin Reuter nun, leicht verändert und bearbeitet, ihr Erkenntnisse in diesem Buch dar. Der Frage nachgehend, inwieweit biodiverses Handeln und eine biodiverse Ausrichtung nicht nur notwendige Dinge angesichts ökologischer Belastungen des Planeten sind (materielle Gründe), sondern darüberhinausgehend, inwiefern Biodiversität dem Menschen auch innerlich für ein subjektiv „gutes Leben“ zu Gute kommt.

In sehr klarer und strukturierter Form, sprachlich allerdings nicht immer einfach zu verstehen, legt Reuter dar, das Biodiversität auch einen nicht zu unterschätzenden „intrinsischen oder Eigenwart“ in sich trägt.

Biodiversität im Blick auf „Wohl und Wohlergehen als gutes menschliches Leben“ geht über die Erfüllung materieller Bedürfnisse oder vernünftiger Einsichten hinaus. Das ist die von Reuter untersuchte Hypothese und das belegt sie breit argumentiert und einsichtig.

Sowohl also der intrinsische Wert der Biodiversität einerseits als auch die „Frage nach ihrem Beitrag zu menschlichem Wohl und gutem Leben über instrumentelle Bedürfnisse hinaus“ liegen dieser Arbeit zugrunde und werden in zwei zunächst getrennten Themenbereichen im Buch intensiv untersucht und historisch aufgearbeitet. Eine Bearbeitung, in deren Verlauf zunächst die Begrifflichkeiten geklärt werden und dem Leser so deutlich wird, was unter einem intrinsischen oder Eigenwert der Biodiversität überhaupt zu verstehen ist.

Technisch gesehen stellt Reuter im ersten Themenbereich überzeugend fest, dass „Lebewesen als Instanzen biologischer Vielfalt intrinsische Werte darstellen“. Eine Erkenntnis, die für sich genommen, auch wohlbegründet, allerdings noch keine klaren Handlungsforderungen nach sich ziehen würde außer einem allgemeinen Wertbewusstsein „allen Lebens“ gegenüber.

Interessant wird es daher vor allem im zweiten Teil des Buches. Wo Reuter die Kategorie der „Moral“ hinzuzieht und Reuter nicht nur postuliert, sondern ebenso wohl begründet aufweist, dass Moral ein notwendiger Teil eines „guten Lebens“ ist, somit ebenfalls nicht als schwankende Übereinkunft je nach kultureller Orientierung zu verstehen ist, sondern ebenso als „Eigenwert“ in Verbindung mit der Wertschätzung der Biodiversität als „Bedingung guten Lebens“ zu verstehen ist, nicht als „Inhalt“ eines solchen alleine.

Daher führt die Argumentationskette Reuters, gut vorbereitet, zu einem Plädoyer für „ökologische Tugenden“. Nicht nur als „materielles Muss“ zur Erhaltung der eigenen Ressourcen (wobei dies als „äußerer Grund“ durchaus weiterhin gilt), sondern vor allem im aristotelischen Sinne als „Bestandteil der menschlichen Lebensform“ in der inneren Entfaltung eines „guten Lebens“ verstanden.

Somit erstellt Reuter letztendlich eine Tugendethik ganzheitlicher Ausrichtung, deren Motivation für den Menschen nicht instrumentell zu verstehen ist, sondern ihm innerlich notwendig für ein „gutes Leben“ einsichtig vorgestellt wird.
Wobei die entsprechenden „Tugenden“ mit bedingt werden von der vorfindlichen Konstitution der Welt, sich also nicht in rein subjektiven „Vorlieben“ oder subjektiven „Einsichten“ erschöpfen können.

Was die „Konstitution der Welt“ mit auf den Weg gibt, wie das herzuleiten ist, was die konkreten Folgen daraus für das einzelne Leben sind, all dies findet sich sorgfältig herausgearbeitet und begründet im Buch wieder.

Insgesamt erstellt Reuter einen ganzheitlichen Blick auf die Vielfalt des Lebens, dem nicht rein instrumentell-inhaltliche Elemente zugrunde liegen, sondern auf einer tieferen Ebene der Wert der Biodiversität und die Anlage zur Moral als Bedingungen für ein sich entfaltendes gutes Leben entfaltet werden.

Eine sehr interessante, nachvollziehbar strukturierte und gründlich bearbeitete Lektüre, die wichtige intrinsische Motivationen zu einem wertschätzenden und schützenden Umgang mit der Vielfalt des Lebens setzen, um ein eigenes „gutes Leben“ entwickeln zu können, statt sich in Form von Kurzfristbefriedigungen auf Dauer in dieser Hinsicht selber zu schaden.

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