Katsu Kokichi Musui's Story

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  • Rezension zu "Musui's Story" von Katsu Kokichi

    Musui's Story
    Angelika_Diem

    Angelika_Diem

    Der Autor dieser Autobiographie namens Katsu Kokichi war keine große Berühmtheit zu Lebzeiten. Aber kaum einer seines Ranges nahm sich die Zeit und Muße sein Leben niederzuschreiben. Er starb mit 48 Jahren, drei Jahre bevor Commodore Perry mit seinen schwarzen Schiffen die Öffnung Japans erzwang. Von niedrigem Rang, niemals reich, aber dennoch kein einfacher Bürger. Musui dokugen – so der original Titel des Buches ist die Lebensgeschichte eines Samurai. Armut ist das Gespenst das sich durch dieses Werk zieht. Schulden machen gehörte offenbar zur Überlebensstrategie vieler, die für ihre Dienste nur wenig Reis zugesprochen bekamen, niemals genug, um das Leben einer Familie mit vier Kindern und den Eltern zu bestreiten und ihre Rüstungen in Schuss zu halten. Gegen Ende der Tokugawa Zeit war aus vielen der stolzen Krieger längst ein Haufen schwächlicher Bürokraten geworden. Bereits im Alter von sechs Jahren wurde er seiner Mutter weggenommen und von der Katsu-Familie adoptiert. Absicht war, dass er einmal die Tochter heiraten sollte, was dann auch geschah. Zuvor jedoch versuchte Katsu zweimal durch Flucht sich seinem Schicksal zu entziehen. Doch ohne Geld war er bald aufs Betteln angewiesen und knapp vor dem Verhungern. Der Grund für seine Flucht war weniger eine Abneigung gegen seine zukünftige Frau Nobuko, wie deren Großmutter, der absolute Schrecken seiner Jugend. Sie war verantwortlich für ihre Enkeltochter, deren Eltern verstorben waren und auch als Katsu im Alter von 17 Jahren Nobuko heiratete, zog sie mit dem jungen Paar ins neue Heim. Katsu tat sein bestes, um seine drei Töchter und seinen einzigen Sohn zu ernähren. Er handelte mit Schwertern, organisierte Wachdienste für Bordelle, betete für Geld – körperlich Arbeiten oder niedere Dienste zu verrichten war nicht sein Ding. Aber seine Muskeln und seinen Rang als Samurai wusste er einzusetzen. Wäre er nur ein armer, aber braver Samurai gewesen, hätte er sich und die seinen über Wasser halten können. Doch Katsu lieh seinen Freunden Geld, verspielte auch viel und investierte in seine Rüstung. Somit waren die Schulden stetig am wachsen. Am Ende des Buches klingt er wenig zerknirscht über die Fehler seines Lebens. Er wusste noch nicht, dass er seine Memoiren nur sechs Jahre überleben würde. Der Himmel hätte ihn noch nicht bestraft, schreibt er. Er wäre gesund und ohne Verletzungen, viele ehrenwertere Freunde von ihm wären längst tot. Er hätte sich stets gut kleiden und sich satt essen können und sich mit so vielen Prostituierten vergnügt wie es ihm passte. Dennoch rät er dem Leser, seinem Beispiel nicht zu folgen. Die Weisheit, so spät sie auch über ihn kam, lässt ihn Warnungen an seinen Nachkommen aussprechen und er dankt seiner Familie, seiner Frau und seinen Kindern für ihre Loyalität. Das Buch ist ein Zeitzeugnis einer Gesellschaftsschicht, die sonst selten zu Wort kommt. Jemand, der gerade noch am Rand der besseren Gesellschaft lebt, kein Gelehrter, kein hochrangiger Beamter, schildert frei heraus, wie es in den Gassen Edos zuging und wie man sich irgendwie über Wasser hielt. Trotz seiner oft weitschweifigen Art ist es unterhaltsam. Zeichnungen und Karten helfen bei der Orientierung, ebenso wie ausführliche Erklärungen der Übersetzer zu Beginn und am Ende des Buches. Der ursprüngliche Text war offenbar noch schwieriger zu verstehen, daher haben die Aufzeichnungen mehr als eine Bearbeitung hinter sich. Es hat sich gelohnt.

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