13 Stufen

von Kazuaki Takano 
4,2 Sterne bei29 Bewertungen
13 Stufen
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (24):
B

Spannend wie immer

Kritisch (2):
KasiaJaeckels avatar

Interessantes Grundthema, die eigentliche Handlung und vor allem die Übersetzung sind allerdings sehr holperig...

Alle 29 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "13 Stufen"

Ein unschuldig wegen Mordes zum Tod Verurteilter soll hingerichtet werden. Der ehemalige Gefängnisaufseher Nangō und der auf Bewährung entlassene Jun'ichi erhalten den Auftrag, den wahren Täter zu finden. Für das ungleiche Ermittlerduo beginnt damit nicht nur ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, sondern beide müssen sich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.
Bestsellerautor Kazuaki Takano erzählt eine fesselnde Geschichte voller unerwarteter Wendungen und falscher Fährten bis hin zum furiosen Showdown. Am Beispiel der in Japan noch angewandten Todesstrafe stellt er die Frage nach Schuld und Reue, nach dem Recht auf Vergeltung. Dabei erzeugt seine vielschichtige Erzählweise eine außergewöhnliche Spannung, die den Leser bis zur letzten Seite nicht loslässt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328101536
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:13.11.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 10.11.2017 bei Der Hörverlag erschienen.

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,2 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne13
  • 4 Sterne11
  • 3 Sterne3
  • 2 Sterne2
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    JasperVormschlags avatar
    JasperVormschlagvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Total guter Thriller mit echt viel Qualität
    Krimi-Thriller mit Qualität

    Derzeit lese ich einen Krimi von dem japanischen Autoren Kazuaki Takano, der durch seinen Thriller „Extinction“ bekannt geworden ist. Um ehrlich zu sein hatte ich bevor ich dieses Buch fand noch nie von Takano gehört, doch durch seine schlichte und für mich ansprechende Aufmachung sprang mir das Buch sofort ins Gesicht.

    Es handelt sich um einen Krimi-Thriller, er spielt in Japan. Es geht um den wegen Mordes verurteilten Jun`ichi, der nach abgesessener Haftstrafe versucht ein neues Leben zu beginnen. Dabei hilft ihm sein ehemaliger Gefängnissaufseher, der ihnen beiden einen neuen Job besorgt: für einen undurchsichtigen Rechtsanwalt sollen sie die Unschuld eines zu Tode verurteilten beweisen. Der Haken ist, dass die Vollstreckung jeden Moment anstehen wird – und trotz mehr als sieben Jahre dauernder Recherche alles gegen den Verurteilten spricht…

    Kazuaki Takano überraschte mich ein wenig mit einem guten, spannenden, aber schlicht gehaltenen Schreibstil. Ohne brutal oder actionreich werden zu müssen, gelingt es Takano den Leser zu fesseln und mitfiebern zu lassen. Mit immer neuen Spuren, immer weiteren Möglichkeiten, Theorien und zwischenmenschlichen Problemen baut er immer weiter auf, bis alles beinahe unerträglich wird, da man auf die Lösung wartet.

    Doch dieses Buch reizt noch mit einer weiteren Seite: auf überlegte Art und Weise stellt der Autor die japanische Gesellschaft, das Rechtssystem sowie die weniger klaren Hirarchien und Höflichkeitsfloskeln vor. Außerdem rechnet er im Laufe des Buches immer mehr mit der Todesstrafe ab, jedoch auf ganz logische und vorsichtige Weise. Er zeigt verschiedene Meinungen und komplett unterschiedliche Persönlichkeiten vor, von denen manche für und manche gegen die Todesstrafe kämpfen. Die Grundeinstellung scheint jedoch zu sein: „Wer nicht bereuen kann, der wird zum Tode verurteilt“. Wer jedoch nicht bereuen kann, ist letztendlich ganz der Willkür des Richters überlassen. Im Fall des Buches handelt es sich um jemanden, der sein Gedächtnis verloren hat und sich nicht an den Mord erinnern kann. Doch kann man ohne Erinnerung bereuen?

    Alles in allem könnte man also sagen, dass es sich auch um ein politisch komplett aktuelles Buch handelt, ist doch zwar in Deutschland und Europa, nicht jedoch in vielen anderen Teilen der Welt die Todesstrafe abgeschafft. Ich kann dieses Buch wirklich nur empfehlen!

    Bei meinem Lieblingsbuchhändler: 13 Stufen

    Folgt gerne meinem Blog!


    Kommentieren0
    0
    Teilen
    michelles-book-worlds avatar
    michelles-book-worldvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr glaubwürdig, sehr erschreckend, sehr nachwirkend.
    13 Stufen..

    Für eine Tat, an die ich mich überhaupt nicht erinnern kann.“ Zitat S. 10
    Anders ergeht es Jun’ichi Mikami, der vorzeitig aus seiner Haft entlassen wird. Aber auch das schildert Takano mit einigen Schauderelementen. Jun’ichi würde man als den netten Jungen von nebenan bezeichnen. Er ist höflich, er fühlt sich verantwortlich, aber insgeheim bereut er seine Tat nicht. Warum, wird erst gegen Ende der Geschichte klar und als Leser wird man mit der Frage konfrontiert, ob manche Morde nicht doch gerecht seien. Erschreckend, oder?
    Vom Gefängniswärter Shōji Nangō wird Jun’ichi angeheuert, die Unschuld Kiharas zu beweisen und ihn dadurch vor dem Galgen zu retten.
    Die Story zeigt einerseits wie ungerecht manche Todesstrafen vollzogen werden, wie erschreckend Bürokratie und Gesetz ausgelegt werden, aber andererseits gibt es auch eine vertrackte Story mit vielen falschen Fährten und Geheimniskrämerei.
    Leser, die Sinn und Tiefe in Geschichten suchen, kommen hier voll in den Genuss. Takano beleuchtet die Todesstrafe von allen Seiten: Von Verurteilten, die zitternd auf den Spruch der Todesboten warten, von Henkern, die das Urteil vollziehen müssen und zwischen Mitleid und dem Gefühl von Ungerechtigkeit und Abscheu und dem Gefühl von Gerechtigkeit hin- und hergerissen sind. Auch die Angehörigen der Opfer werden verschiedenen beleuchtet: Die einen, die trotz der Tat eine Begnadigung für den Täter fordern, und anderen, die unbedingt Rache in Form des Todes möchten.
    Aber auch Leser, die eine gute Unterhaltung suchen, werden mit vielen falschen Fährten und einer Handlung, die sich langsam steigert und schließlich thrillerartig endet, belohnt.
    Der Stil ist an manchen Stellen sehr japanisch. Sehr nüchtern, stellenweise sehr höflich, manchmal aber auch trocken. Der Stil zeigt aber auch, den kulturellen Unterschied zwischen uns und den Japanern. Emotionen werden verborgen, sind zwischen den Zeilen zu finden, ganz anders als bei uns. Anfangs befremdlich zu lesen, doch mit ein paar gelesenen Seiten gewöhnt man sich daran und lässt sich ein, in japanisches Denken und Leben.
    Was Takano hier vorgelegt hat, ist ein Roman, der einen am Ende nicht mehr loslässt. Der die Frage, ob eine Todesstrafe gerecht ist oder nicht, nicht beantwortet. Der aber dazu anregt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, weil es den Leser nicht mehr loslässt.
    So einfach sind Lebens- oder wie in diesem Fall - Todesfragen nicht zu beantworten. Von daher sehr glaubwürdig, sehr erschreckend, sehr nachwirkend. Ohne zu urteilen oder zu bewerten, wird der Leser sich seine Antwort auf die Frage nach der Gerechtigkeit der Todesstrafe selbst suchen müssen.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 5 Monaten
    Tod mit dem Tod sühnen?

    Der erste Satz: »Die Todesboten erscheinen um neun Uhr morgens.«

    Jun’ichi hat seine Strafe abgesessen, er hatte im Streit jemanden getötet. Seine Familie musste dafür bezahlen, hat alles verloren, die Firma vor dem Ruin, der soziale Abstieg in eine kleine Wohnung, in Japan bezahlt man mit Geld und mit Statusverlust: die gesamte Familie. Je höher die Wiedergutmachung an die Opfer ausfällt, umso geringer die Strafe. Er bekommt von dem Justizangestellten Nangō ein Angebot mit guter Bezahlung. Sie sollen die Unschuld von Kihara beweisen, eines Gefangenen aus der Todeszelle, denn der sitzt möglicherweise unschuldig, seine Hinrichtung steht kurz bevor. Er kann sich an nichts mehr erinnern, er war sturzbetrunken an diesem Tag. Wer sich nicht erinnern kann, kann nicht bereuen. Das japanische Strafrecht sieht bei einem Raubmord mit weniger als drei Getöteten nicht unbedingt die Todesstrafe vor. Wichtig ist die Reue, die begnadigen kann. Nangō hat auch getötet, es ist sein Job, eine Sache, die auf seiner Seele liegt.

    »Kihara lauschte angestrengt und versuchte, die einzelnen Geräusche zuzuordnen. Mit Entsetzen hörte er ein leises Keuchen aus dem Lärm heraus. Dann vernahm er das Würgen eines von Todesangst gepeinigten Menschen, der sich krampfhaft erbrach, während er aus der Zelle geführt wurde. Kihara presste sich beide Hände auf den Mund, um den eigenen Brechreiz zu unterdrücken.«

    Das Ermittlerduo muss sich beeilen. Was ist damals wirklich passiert? In diesem Roman geht es um den unnatürlichen Tod. Wann ist eine Tötung ein Mord, wann ein Todschlag, wann ist eine Tötung legal. Ist eine Tötung sühnbar? Wenn ja, in welcher Form? In 13 Stufen verläuft die reglementarische Abwicklung der Todesstrafe. Das japanische Verständnis von Recht ähnelt einerseits dem unseren, aber anderseits ist es völlig anders. Eine zerrissene Gesellschaft, verhangen in Traditionen, dem Abbitten, der sozialen Ausgrenzung, ein Roman, der uns das vor Augen hält. Bei der Recherche stößt das Ermittlerteam immer wieder auf Widersprüche, Ermittlungen landen in Sackgassen.

    »Hör mal, es geht um die Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten. Vor unseren Augen sind beide Kandidaten am Ersaufen. Der eine ist ein zu Unrecht angeklagter Todeskandidat, der andere ein Einbrecher, der einen grausamen Doppelmord auf dem Gewissen hat. Wenn wir nur einen retten können, für welchen sollen wir uns entscheiden? Es besteht immer die Gefahr, dass Gesetze von Seiten der Mächtigen willkürlich ausgelegt werden.«

    An manchen Stellen wirkt die Geschichte sehr sachlich, ist überfrachtet mit Fachinformation, es leidet das erzählerische Moment. Trotz allem lebt die Erzählung von der Auseinandersetzung mit der Todesstrafe, mit dem gesellschaftlichen Problem von Strafgefangenen und ihren Familien. Wendungen und unerwartete Wendungen halten die Spannung bis zum Schluss. Eins ist gewiss, am Ende wird irgendeiner sühnen müssen, sterben. Nur welcher wird es sein?

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    C
    Claudisbuchblogvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ich habe es verschlungen und die ganze zeit mitgefiebert...
    13 Stufen von Kazuaki Takano

    Ich habe als letztes Buch 13 Stufen (Originaltitel: Jūsan kaidan (13階段), veröffentlicht 2001) von Kazuaki Takano beendet. Nachdem ich den Thriller Extinction des japanischen Schriftstellers (geboren 1964) verschlungen hatte, war für mich klar, den Autor behalte ich im Auge.

    Kazuaki Takano schreibt Drehbücher, Krimis und Thriller. 13 Stufen wurde mir freundlicherweise vom PENGUIN VERLAG zur Verfügung gestellt. Ich wollte dieses Buch unbedingt hören oder lesen, egal in welcher Form. Erhalten habe ich das eBook und verschlang es ebenfalls.

    Es gibt das Hörbuch zu 13 Stufen mit einer Dauer von 10:06 Stunden, gelesen von Sascha Rotermund. Als Taschenbuch hat der Roman 400 Seiten.

    Inhalt

    Japan, 2001: Ryō Kihara sitzt seit sieben Jahren wegen zweifachen Mordes in der Todeszelle, Nullbezirk genannt. Er selbst kann sich aufgrund einer Kopfverletzung infolge eines Motorradunfalls nach den Morden an die Ereignisse des Abends vor zehn Jahren nicht erinnern. Aussichtslos versucht er einen Grund für ein Wiederaufnahmeverfahren zu finden. Verzweifelt und voller Todesangst lebt und grübelt Ryō Kihara in Isolationshaft, und wartet auf seinen Tod durch Erhängen.

     Jun’ichi Mikami wird nach zwei Jahren im Gefängnis vorzeitig auf Bewährung entlassen. Bei einer Kneipenschlägerei ist sein Gegner Kyōsuke Samura gestürzt und zu Tode gekommen. Als Teil der Bewährungsauflagen muss sich Jun’ichi persönlich bei dessen Vater Mitsuo Samura entschuldigen. Seine Familie zahlt zusätzlich seit zwei Jahren die Entschädigungssumme von 70 Mio. Yen ab, hat das Haus und alle Wertgegenstände verkauft bzw. verpfändet und ist fast ruiniert. Und natürlich werden sie von der Gesellschaft, Freunden und Bekannten, geächtet und mit verurteilt.

    Der Oberaufseher des Gefängnisses Shōji Nangō sieht in Jun’ichi Mikami viel von sich selbst und möchte ihm bei seiner Resozialisierung helfen. Deswegen macht er Jun’ichi das Angebot, mit ihm zusammen an der Aufklärung des Falls um Ryō Kihara zu arbeiten und im besten Fall dessen Unschuld zu beweisen. Sie werden offiziell als Mitarbeiter der Anwaltskanzlei Sugiura angestellt und sehr gut bezahlt. Der einzige Haken ist, sie müssen sich beeilen; da die Hinrichtung des Todeskandidaten Kihara bevorsteht, haben sie maximal drei Monate zur Aufklärung des Falls.

    Voller Tatendrang beginnt das ungleiche Duo Jun’ichi Makami und Shōji Nangō auf der Halbinsel Bōsō mit der Befragung der Zeugen. Unermüdlich durchforsten sie in der Regenzeit wochenlang ein Waldgebiet um den Tatort herum. Hilfe erhalten sie bei ihrer Suche von Staatsanwalt Nakamori, der einfach nur die Wahrheit erfahren will und vor zehn Jahren für den Fall zuständig war. Es gibt zwei ungewöhnliche Hinweise: Ryō Kihara meint sich zu erinnern, in Todesangst eine Treppe hinaufgerannt zu sein. Traum oder Realität? Am Unfallort befand sich auf der Straße ein blutbehaftetes Stück Stoff mit einer anderen Blutgruppe als der am Mordfall beteiligten.

    Gibt es einen weiteren Täter? Oder war alles ganz anders als es den Anschein hat?

    Fazit

    13 Stufen von Kazuaki Takano ist der Debütroman des Autors und hat mich erneut überzeugt. Die Handlung entwickelt sich ruhig über längere Zeit hin, mit Einschüben vergangener Ereignisse. Und nimmt in der zweiten Hälfte Fahrt auf, wird schneller, je näher der Hinrichtungstermin kommt. Überdies gelingt es Kazuaki Takano mich bis zum Ende zu überraschen. Mit dieser Wendung wird der Krimi schlussendlich zum gelungenen Thriller.

    Der Autor befasst sich mit Teilen des japanischen Rechtssystems: Hinrichtungen müssen von dreizehn Stellen der Justiz unabhängig voneinander beschlossen werden. Die dreizehnte Stelle ist dabei der jeweilige Justizminister. Zusätzlich legt die japanische Justiz nicht nur Wert auf Strafe, sondern hat auch immer die Erziehung zum besseren Menschen im Blick; für mich ein ungewöhnlicher Ansatz. Außerdem ist die Reue des Täters im Rechtssystem fest verankert und für die Resozialisierung unerlässlich.

    Ein äußerst gelungener und spannender Krimi, der den Leser zum Nachdenken über Gerechtigkeit und die eigene Sicht auf die Todesstrafe anregt, dabei wird einem die Entscheidung darüber nicht einfach gemacht. Für interessierte Jugendliche und erwachsene Krimifreunde ein Muss.

    13 Stufen von Kazuaki Takano ist ein absolut empfehlenswerter Roman, der von mir uneingeschränkt fünf Sterne erhält. Und den ich nicht das letzte Mal gelesen haben werde (Autor und Krimi).

     

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    KasiaJaeckels avatar
    KasiaJaeckelvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Interessantes Grundthema, die eigentliche Handlung und vor allem die Übersetzung sind allerdings sehr holperig...
    Künftig keine Bücher mit Klebchen

    Eigentlich hätte es mich schon stutzig machen sollen, wenn auf dem Cover ein Klebchen bappt mit dem Hinweis auf einen angeblich überirdisch erfolgreichen Vorgängerbestseller desselben Autors. Leicht naiv, wie man so im Alltagstrott ist, habe ich dieser Kleinigkeit keine zu hohe Wertung beigemessen. Das Thema laut Klappen- bzw. Rückseitentext hat mich auch eingenommen.

    Das Werk verspricht eine Mischung aus Krimi à la Hercule Poirot und einer Erkundung der japanischen Rechtslage zum Thema Todesstrafe. Zumindest Letzteres ist durchaus gelungen. Ersteres dafür so überhaupt nicht.

    Die Story

    Bevor ich meinem Unmut freien Lauf lasse, noch einige Worte zu den Protagonisten und der eigentlichen Geschichte.

    Für einen grausamen Mord zum Tode verurteilt sitzt Kihara verzweifelt im Todestrakt. Und das seit Jahren. Zu allem Unglück erinnert er sich unfallbedingt noch nicht einmal an die Nacht der Tat. Er ist sich jedoch sicher, niemals ein böses Ansinnen gegenüber seinem damaligen Bewährungshelfer gehegt zu haben. Diesen soll er – samt dessen Ehefrau – auf heimtückische Art und Weise mit einer Axt erschlagen haben. Später wurde ihm vorgeworfen, sei er auf der Flucht verunglückt. Daher die Amnesie.

    Auftritt des ehemaligen Gefängnisaufsehers Nangō. Er und der auf Bewährung entlassene Jun’ichi erhalten über einen Mittelsmann den Auftrag, den wahren Täter zu finden. Für das ungleiche Ermittlerduo beginnt damit nicht nur ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, sondern beide müssen sich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

    Jun’ichi steht im Roman immer wieder im Mittelpunkt. Er war als sehr junger Mann mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Der erste Rechtskonflikt aus Teenagerzeiten brachte bei der zweiten unglückseligen Verurteilung nach einem Kneipenstreit mit Todesfolge das juristische System dazu, ihn wegen Todschlages schuldig zu sprechen. Vielmehr noch segelte er haarscharf selbst an einer Mordanklage vorbei.

    Die Schuldigsprechung bezüglich des Todschlags in der Kneipe erwies sich als katastrophal. Die gesamte Familie von Jun’ichi segelt in ein soziales Abseits und finanzielle Verschuldung, da Reparationszahlungen fällig werden.

    Ein Wort zur Übersetzung

    Da das Japanische der deutschen Sprache wohl nicht weiter entfernt sein könnte in Sachen des Satzbaus und der Sprachfiguren, sollte man wohl etwas Nachsicht üben. Nichtsdestotrotz war ich bereits nach wenigen Seiten reichlich angefressen, was die Übersetzung des Werkes anbetrifft.

    Eine Übersetzung ist für sich allein ein Kunstwerk, welches dem eigentlichen Original ebenbürtig ist. Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, wie klar mir die Komplexität der Augabe ist. Mein Wunsch für die Zukunft wäre es dennoch, dass das aus einer japanisch-deutschen Übersetzung resultierende Deutsch nicht mehr nach japanischem Satzbau und völlig leblosen, steifen und fremden Bildern klingen möge. Da muss es doch bessere Wege geben, den Gehalt eines Satzes rüberzubringen ohne komplett vom Ursprungssatz abzuweichen.

    Im Falle der „13 Stufen“ hat die Übersetzung sehr weit von meinem Wunsch weg gelegen. Die Seiten holperten so vor sich hin. Der Spannungsaufbau holperte mit. Auch ein Gefühl für die Atmosphäre war schwer zu erarbeiten.

    Kulturfremde oder Übersetzungsproblem?

    Auch die Gefühlslage der meisten Protagonisten – vor allem des vorzeitig entlassenen jungen Jun’ichi blieben mir weitgehend fremd.

    Die Begeisterung, mit der er sich weiter in die Dienste des ehemaligen Gefängnisaufsehers stellt, ist mit schleierhaft. Wieso sollte sich ein eindeutig zu unrecht verurteilter Mensch, dessen Familie durch das Urteil einen verheerenden sozialen Niedergang erlebt, weiterhin sich mit Personen aus dem Dunstkreis eines so handelnden Systems umgeben wollen? Seine ständige Unterwürfigkeit ist ausserdem einfach nervig.

    Einleuchtender wurde mir die emotionale Lage von Nangō. Dieser sieht die Ermittlungsarbeit und den Versuch Kihara vor dem Galgen zu retten als Wiedergutmachung für seinen sonst sehr bedrückenden Job.

    „Interessant“ fand ich die quasi automatisch in die Handlung eingebetteten Beschreibungen, wie das japanische System seine Häftlinge in lagergleichen Zuständen hält bzw. welche Denkansätze im juristischen System gegeneinander antreten. Nämlich der „Besserung durch Reue“-Ansatz vs. den „Abstrafungs“-Ansatz. Die einzelnen Auswüchse, die die Umsetzung in den Gefängnissen annehmen, fand ich dennoch nicht gerade 21-stes Jahrhundert.

    Totale Isolation, Kontaktsperren und andere Mittel scheinen hier an der Tagesordnung. Zumindest für die für schwere Verbrechen Verurteilten. Zwischendurch habe ich sogar an der Richtigkeit des Beschriebenen gezweifelt und eine kleine Recherche unternommen. Diese ergab tatsächlich einige kritische Artikel zum Thema. Die Verlinkungen zu den Artikeln finden sich in der Version meiner Rezension auf meinem BLOG... nichtohnemeinbuch.com.

    Aus dieser Perspektive fand ich „13 Stufen“ dann wieder gut. Mutig, ein gesellschaftliches Thema in dieser Form einer kritischen Auseinandersetzung zu unterziehen. Takanos Argumentationsketten werden auch nicht einseitig.

    Literarisches Fazit

    Das literarische Fazit macht dieser gesellschaftspolitische Zugewinn nicht besser. Mit Fortschreiten des Romans – vor allem beim grande finale – kumulieren hahnebüchene emotionale Wendungen und die Auflösung ist so wenig wahrscheinlich, dass ich mit einem Seufzer der Erleichterung die letzte Seite umblätterte.

    Schade.

    Mit Lesegruß in die Runde, Eure Kasia-Buchstabendrechsler

    Kommentieren0
    12
    Teilen
    L
    liberumseculumvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Die Seiten sind einfach dahingeflogen
    Ein guter Thriller mit HIntergrund

    Meine Meinung

     

    Schon am Anfang stößt man auf das Thema des Buches: es geht um das japanisches Recht und vor allem die dort immer noch angewandte Todesstrafe. In dem Buch wird deutlich gemacht, wie ungenau die Grenzen zwischen Todesstrafe und lebenslange Freiheitsstrafe sind und was die Entscheidung der Richter beeinflusst. Für mich persönlich hat er eine neue Seite von Japan offenbart, da Japan für mich bisher nur für ihre Mangas, Anime und ihren Fortschritt in der Technologie gestanden hat. Wusstet ihr, dass es in Japan noch die Todesstrafe gibt? Also ich wusste es definitiv nicht.

     

    Jun´ichi, einer der Protagonisten, kommt am Anfang nach 2 Jahren aus dem Gefängnis frei. Er war dort inhaftiert, weil er einen Mann während eines Streits getötet hat (fahrlässige Tötung). Eben dieses Ereignis, die Tatsache, dass er auf Bewährung ist und dass er vor 10 Jahren einmal mit seiner Freundin ausgerissen ist, prägen ihn sehr und ist gut in seinen Handlungen integriert.

     

    Auch der andere Protagonist, Nangō, besitzt eine schwerwiegende Vergangenheit, doch ich will an der Stelle noch nicht zu viel verraten. Nangō war mir sehr sympathisch, genauso wie Jun´ichi, denn ich konnte jede Handlung nachvollziehen und sie legten sich mächtig ins Zeug, um den Unschuldigen (?) aus dem Gefängnis zu holen.

    Kazuaki Takano hat ja schon vorher ein Buch veröffentlicht, doch „13 Stufen“ ist das erste, was ich von ihm gelesen habe und wahrscheinlich werde ich sein anderes Buch auch noch lesen, weil mir der Schreibstil richtig gut gefallen hat. Die Seiten sind einfach so dahingeflogen und zum Schluss war es so spannend, dass mich überhaupt nichts zu mir durchdringen konnte, da ich wirklich in der Geschichte drin war. Und die Auflösung war auch wirklich gut, auch wenn ich mir am Anfang schon eine Vermutung hatte, wer dafür verantwortlich sein könnte.

     

    Zum Schluss möchte ich noch sagen, wie gut mir die ganze Hintergrundgeschichte zu Jun´ichi und Nangō gefallen hat. Sie hat mir die Charaktere und die Geschichte um so vieles näher gebracht, dass ich mich richtig in sie hineinversetzten konnte.

     

    Fazit:

     

    Kazuaki Takano hat einen sehr guten Thriller kreiert, der auch die Problematik des japanischen Rechts anspricht. Ich konnte mich gut in der Geschichte zurechtfinden und die Spannung war immer zu spüren. Ich kann es wirklich jedem Thriller Fan empfehlen.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 7 Monaten
    ‚Die Japaner denken zwar insgeheim, Verbrecher sollte man hinrichten [...].'

    ‚Die Japaner denken zwar insgeheim, Verbrecher sollte man hinrichten, aber wenn man das laut sagt, wird man schief angesehen. Das ist die finstere Doppelmoral eines Volkes, das seine wahren Gedanken gern hinter einer Fassade verbirgt.‘ (Seite 193f)

    Die Todesstrafe wird von der Mehrheit der Japaner befürwortet und kann in Japan für 17 Delikte verhängt werden. Meist handelt es sich um Mord oder ein Verbrechen mit Todesfolge, und auch Personen, die zur Tatzeit noch nicht volljährig waren, können mit dem Tod bestraft werden. Vollstreckt wird die Todesstrafe durch Hängen, und bisweilen müssen die Verurteilten Jahrzehnte auf ihre Hinrichtung warten.

    Kazuaki Takano gewährt dem Leser mit seinem Roman ‚13 Stufen‘ ungewohnt tiefe Einblicke in das japanische Rechtssystem und damit auch in die Komplexität des Themas Todesstrafe.

    Takano erzählt in seinem Roman von Jun‘ichi Mikami, der nach einer Körperverletzung mit Todesfolge seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Matsuyama abgesessen hat und nun vorzeitig aus der Haft entlassen wird. Jun‘ichi Mikamis Eltern haben sich finanziell ruiniert, weil sie die - sehr hohe - Abfindung an die Eltern des Opfers zahlen müssen, und da kommt es Jun‘ichi Mikami gerade recht, dass der ehemalige Gefängnisaufseher Nangō an ihn herantritt und ihm ein finanziell sehr lukratives Angebot macht: Jun‘ichi Mikami soll drei Monate lang als Aushilfe in einer Anwaltskanzlei tätig sein und zusammen mit Nangō ein Verbrechen untersuchen, für das ein gewisser Ryō Kihara seit sieben Jahren im Todestrakt der Justizvollzugsanstalt Tokyo einsitzt und auf die Vollstreckung seines Todesurteils wartet.

    Ryō Kihara hat angeblich zwei Menschen getötet, leidet jedoch an retrograder Amnesie und kann sich an die Geschehnisse vor und während der vermeintlichen Tat nicht erinnern. Sämtliche Indizien sprechen gegen Ryō Kihara, aber es gibt auch ungelöste Fragen und Unklarheiten, die seit Jahren totgeschwiegen oder vertuscht werden, so dass ein Unbekannter den Fall wieder aufrollen will.

    Um seine verschuldeten Eltern finanziell zu unterstützen und um sein eigenes Ansehen durch die Rettung eines Unschuldigen zu verbessern, lässt sich Jun‘ichi Mikami auf das Angebot ein und beginnt zusammen mit Nangō die Ermittlungen.

    Schon den Einstieg ins Buch fand ich sehr gelungen und fesselnd, denn auf den ersten Seiten befindet sich der Leser mit Ryō Kihara im Todestrakt, spürt dessen Angst und das Grauen, dem er Tag für Tag ausgesetzt ist, und die Unsicherheit und Ungewissheit, ob der heutige Tag der letzte für Ryō Kihara ist.

    Auch im weiteren Verlauf gelingt Takano eine durchweg spannende und raffinierte Geschichte, die sich zudem aufgrund der einfachen Sprache und der sehr überschaubaren Anzahl an Protagonisten schnell und flüssig lesen lässt.

    Sowohl der rätselhafte Mord, der Ryō Kihara zur Last gelegt wird, als auch das ungewöhnliche Ermittlerteam sorgen dafür, dass ‚13 Stufen‘ ein Leseerlebnis ist, das sich von anderen (Kriminal-) Romanen abhebt. Auch die Einblicke in die japanische Rechtsprechung und die Besonderheiten bezüglich des Vollzugs der Todesstrafe empfand ich als sehr gelungen. Dabei gelingt es Takano, die Komplexität des Themas Todesstrafe zu veranschaulichen, indem er verschiedene Personen zu Wort kommen lässt und deren Argumentation vorträgt. So zeigt er, was es bedeutet, wenn ein Land die Todesstrafe anwendet, was es für den Einzelnen bedeutet, welche psychische Belastung das Warten und die Ungewissheit darstellen und dass auch der Henker zum Mörder wird, der sich durch den Vollzug der Todesstrafe eines Verbrechens schuldig macht und sich selbst in eine moralische Zwangslage bringt.

    Letztendlich erlaubt ‚13 Stufen‘ auch einen Blick hinter japanische Gefängnismauern, wo es klare Anweisungen und Gesetze gibt, die jedoch unentwegt gebrochen werden, so dass Strafen und Methoden angewendet werden, die eigentlich verfassungswidrig sind.

    ‚13 Stufen‘ ist ein großartiger Roman über Schuld und Vergebung, Bestrafung und Resozialisierung und die Frage, ob Gleiches mit Gleichem vergolten werden kann und sollte.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    PagesofPaddys avatar
    PagesofPaddyvor 7 Monaten
    Tolles Setting, tolle Figuren, tolles Buch

    „13 Stufen“ von Kazukai Takano ist ein gelungenes Buch mit einer interessanten Thematik. Nämlich die Todesstrafe. Eingebettet in eine grundsolide und über weite Teile gelungene Kriminalgeschichte, gibt Takano immer wieder interessante Einblicke in die Todeszelle bzw. zeigt wie Häftlinge aber auch Henker unter dem enormen Druck zu leiden haben. Das wirklich alles immer und immer wieder passend, kraftvoll, dann unaufdringlich und dennoch sehr bewegend. Die Romanfiguren sind gelungen, ausgearbeitet und haben mich sehr schnell an die Hand genommen. So konnte ich mit fiebern und mitleiden. Takano gelingt es geschickt den Fall zu eröffnen und so weiß der Leser selten mehr als die beiden Protagonisten. Einziger Minuspunkt war das dritte Drittel. Hier war es mir persönlich, wie schon in seinem anderen lesenswerten Roman „Extinction“, einfach ein bisschen zu hektisch und teilweise auch etwas zu wild. Das Ende, an sich, fand ich aber sehr passend und schließt nochmal mit einem starken Moment. Das Buch richtet sich definitiv an sehr viele. Leute die einen guten Kriminalroman lesen wollen sind genauso richtig wie Leser die andere Kulturen entdecken wollen. Das Thema der Todesstrafe ist immer präsent aber verdirbt nie den Spaß am lesen und ist genau passend informativ, so das eben keine Längen aufkommen. Nochmal ein Highlight am Ende des Jahres. Empfehlung! 

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Krimisofa_coms avatar
    Krimisofa_comvor 8 Monaten
    Buch mit starker Aussage

    Einzelbewertung:

    Plot: 3/5
    Atmosphäre: 5/5
    Charaktere: 3/5
    Spannung: 4/5
    Showdown: 3/5
    ---
    Aus Japan kennt man in unseren Breitengraden für gewöhnlich nur verrückte Gameshows, Manga-Comics oder Sushi. Über Dinge wie Strafrecht, Haftbedingungen oder die Todesstrafe bekommt man recht wenig mit. Kazuaki Takano ist mir nicht unbekannt, sein deutsches Debüt „Extinction" habe ich gelesen und es hat Eindruck hinterlassen – auch wenn ich den Originaltitel „Genocide of One" wesentlich epischer finde als den deutschen. „Extinction" war ein Wissenschaftsthriller und mir teilweise zu abstrakt, „13 Stufen" bewegt sich zumindest im wissenschaftsnahen Bereich, ist aber für meine Begriffe mit der oben beschriebenen Themenlage wesentlich näher an der Realität als „Extinction".

    Im Prolog lesen wir über Ryō Kihara, der in Tokyo in der Todeszelle sitzt und sich plötzlich an eine Treppe erinnert, als er aus dem Fenster schaut, denn eigentlich hat er vor zehn Jahren nach einem schweren Unfall einen Gedächtnisverlust erlitten. Nach dem Prolog existiert Kihara nur mehr auf der Meta-Ebene, denn die beiden Protagonisten sind der frisch entlassene Ju‘nichi und sein ehemaliger Gefängniswärter Nangō. Nangō ist für einen Gefängniswärter überraschend freundlich, was vielleicht an seiner Vergangenheit liegt, die dem Leser später erzählt wird. Und Ju‘nichi wirkt verschüchtert und vor allem zu Beginn unsicher – da sich seine Eltern wegen seiner Verurteilung hoch verschuldet haben, muss er den Job, den Nangō ihm anbietet, annehmen. Immerhin winken mehrere Millionen Yen, wenn sie die Unschuld von Kihara beweisen können. Viel Zeit bleibt ihnen dafür allerdings nicht.

    Man merkt von Anfang an, dass „13 Stufen" nur dem Zweck dient, das japanische Strafrecht, die Todesstrafe und die Haftbedingungen anzuprangern – und die Doppelmoral der japanischen Gesellschaft zu Zweiterem. In weiten Teilen dient der Plot nur als Mittel zum Zweck und wird zwischendurch auch gerne zum Statisten degradiert. Wie Takano die teils unmenschlichen Haftbedingungen und die Hinrichtungsstätte beschreibt, geht einem nicht nur nahe, sondern lässt einen erschauern – obwohl Takano es völlig nüchtern und ohne Emotionen tut. In diesen Passagen, die der Autor immer wieder zwischen der Geschichte einstreut, bewegt er sich in Richtung des besagten wissenschaftsnahen Bereiches. Wobei es genau so gut exzellent recherchierte Zeitungsartikel sein könnten – man merkt jedenfalls, dass sich Takano in das Thema hineingefuchst hat und es dem Leser verständlich näherbringt.

    Die Beziehung zwischen Ju‘nichi und Nangō ist freundschaftlich, wobei man doch eine gewisse Hierarchie erkennt, die den Gefängniswärter etwas über den ehemaligen Häftling stellt. Nicht nur das stellt dar, dass ehemalige Häftlinge immer stigmatisiert sein werden, sondern auch der Umstand, dass sich frisch entlassene Häftlinge in Japan nach verbüßter Strafe bei den Hinterbliebenen etwaiger Opfer entschuldigen und stets Reue zeigen müssen. Bei der Geschichte sollte man auf jedes Detail achten, denn bei der Auflösung am Ende ist wirklich alles wichtig; die Konstruktion des Plots hat mir sehr gut gefallen.

    Dadurch dass nicht der Plot, sondern die Message im Vordergrund steht, wirkt die Geschichte teilweise hölzern, was man am ehesten in den Dialogen merkt. Auch ist der Showdown etwas unübersichtlich. Das Ende ist dafür ein einziger Gänsehautmoment und entschädigt für einiges.

    Tl;dr: Kazuaki Takano legt mit „13 Stufen" ein grandioses Buch vor, bei dem die Aussage weit mehr wiegt als die Geschichte. Er erklärt uns nicht nur sehr plastisch die japanische Justiz, er berührt uns auch noch zutiefst damit. Die Geschichte wirkt teilweise zwar hölzern, aber das nimmt man gerne in Kauf.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Seehase1977s avatar
    Seehase1977vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Interessanter und spannender Roman über die Todesstrafe, Schuld, Strafe und Verurteilung. Überraschender Geheimtipp!
    Ein wirklich spannender und toll geschriebener Roman mit Tiefgang

    Der zum Tode verurteilte Ryó Kihara sitzt in einer Todeszelle in einer Vollzugsanstalt in Tokyo Seit sieben Jahren wartet er auf seine Hinrichtung. 13 Beamte müssen seiner Hinrichtung zustimmen und 13 Stufen wird der Verurteilte erklimmen müssen, bevor der Galgen ihn tötet. Doch es gibt jemanden, der von der Unschuld Kiharas überzeugt ist. Aus diesem Grund werden der ehemalige Gefängnisaufseher Nangó und der auf Bewährung entlassene Mörder Jun’ichi damit beauftragt, den wahren Täter zu finden und die Unschuld des Verurteilten zu beweisen. Das ungleiche Duo, zwischen dem sich im Laufe der Ermittlungen fast so etwas wie eine Freundschaft entwickelt, wird auf eine harte Probe gestellt. Nicht nur der Wettlauf gegen die Zeit wird zur Zerreißprobe, die Männer müssen sich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen, jeder auf seine Weise… 

    Meine Meinung:
    Kazuaki Takano hat mit seinem Roman „13 Stufen“ mein Interesse geweckt, weil der Autor in diesem die umstrittene Todesstrafe zum Thema macht. Meine Sorge, ich könnte Schwierigkeiten mit den japanischen Namen oder Ausdrücken haben, war völlig unbegründet. Schnell hat man sich daran gewöhnt und kann in eine spannende und dramatische Geschichte eintauchen, die absolut überzeugt.

    Der Autor beleuchtet das Thema Todesstrafe intensiv. Schauplatz ist unter anderem ein japanisches Gefängnis, in der die Todesstrafe vollzogen wird. Da sind zum einen die zum Tode Verurteilten, die in ihrer fünf Quadratmeter kleinen Zelle auf ihre Hinrichtung warten, Tag um Tag, Stunde um Stunde voller Angst, Panik und völliger Verzweiflung. Da sind aber auch die Vollzugsbeamten, die letztlich das Todesurteil vollstrecken müssen. Auch für sie ist der Job eine harte Belastungsprobe, viele von ihnen empfinden Mitleid mit den Todeskandidaten, andere Abneigung, alle aber haben mit der Tatsache zu kämpfen, dass sie zum Mörder werden.

    Takano gelingt es gut, das Leben in Japan und die japanische Mentalität zu veranschaulichen. Die extreme Höflichkeit die dieses stolze Volk lebt, ja fast schon zelebriert ist teilweise schwer nachzuvollziehen. Die Menschen wirken steif und emotionslos, dennoch haben mir die beiden Hauptprotagonisten Jun’ichi Mikami und der ältere Nangó sehr gut gefallen. 

    Der auf Bewährung freigelassene Mikami ist ein netter und höflicher junger Mann. Einen Mord traut man ihm weiß Gott nicht zu, dennoch hat er ihn begangen. Nangó ist ein Mann, der dem Leben als Gefängniswärter und Henker überdrüssig geworden ist. Seine Ehe hat diese Belastung nicht überlebt. Nun will er zusammen mit dem jungen Mikami die Unschuld eines zum Tode Verurteilten beweisen. Nicht nur eine erschreckende Bürokratie wird zu einem der zahlreichen Stolpersteine, auch mit falschen Fährten und Hinweisen haben die beiden zu kämpfen. Das macht den Roman, der gegen Ende sogar thrillerartige Züge aufweist, spannend und abwechslungsreich.

    Mein Fazit:
    13 Stufen von Kazuaki Takano hat mich positiv überrascht. Der Plot hat Tiefgang, ist spannend und äußerst interessant konstruiert und hat mir aufregende Lesestunden beschert. Außerdem bringt Takano mit seinem Roman die Leser zum Nachdenken und Themen wie Verurteilung, Schuld und Bestrafung aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Ein Buch, das definitiv nachwirkt und von mir eine absolute Leseempfehlung bekommt. 

    Kommentare: 2
    107
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks