Kazuo Ishiguro

 3,9 Sterne bei 1.707 Bewertungen

Lebenslauf

Emotional, weise und nah: Kazuo Ishiguro wird 1954 in Nagasaki geboren, kommt aber schon 1960 nach England, wo er Englisch und Philosophie in Canterbury und Norwich studiert. Bereits während seinem Masterstudium schreibt Ishiguro erste Kurzgeschichten, die alle veröffentlicht werden. Er macht ersten Eindruck in der Literaturszene und bekommt einen Vertrag für einen Roman, noch bevor dieser fertiggestellt wird. In seinem Debüt, „Damals in Nagasaki“ von 1982, beschäftigt er sich mit dem japanischen Kriegstrauma aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Buch gewinnt den angesehenen Winfried-Holtby-Award der Royal Society of Literature. Es folgen zahlreiche weitere Preise und Auszeichnungen wie zum Beispiel der Cheltenham Prize. 1989 erhält er für seinen Bestseller "Was vom Tage übrig blieb" den Booker Prize. Mehrere seiner Bücher werden zudem verfilmt. 2017 bekommt Ishiguro mit dem Literatur-Nobelpreis seine wohl bedeutendste Auszeichnung verliehen. Seine Werke werden in etwa dreißig Sprachen übersetzt und sind internationale Bestseller. Während er sich in den 1980er Jahren für soziale Projekte engagiert, findet er zudem das private Glück. Er lernt Lorna MacDougall kennen, die er 1986 heiratet. Mit ihr und der gemeinsamen Tochter Naomi lebt Ishiguro heute in London.

Neue Bücher

Cover des Buches Klara und die Sonne (ISBN: 9783896678447)

Klara und die Sonne

Erscheint am 30.09.2026 als Taschenbuch bei Blessing.

Alle Bücher von Kazuo Ishiguro

Cover des Buches Alles, was wir geben mussten (ISBN: 9783896676962)

Alles, was wir geben mussten

(638)
Erschienen am 15.03.2021
Cover des Buches Was vom Tage übrig blieb (ISBN: 9783896677037)

Was vom Tage übrig blieb

(298)
Erschienen am 17.11.2022
Cover des Buches Klara und die Sonne (ISBN: 9783896677396)

Klara und die Sonne

(127)
Erschienen am 10.08.2022
Cover des Buches Der begrabene Riese (ISBN: 9783896677006)

Der begrabene Riese

(90)
Erschienen am 15.03.2021
Cover des Buches Damals in Nagasaki (ISBN: 9783896676993)

Damals in Nagasaki

(72)
Erschienen am 15.03.2021
Cover des Buches Als wir Waisen waren (ISBN: 9783896676979)

Als wir Waisen waren

(57)
Erschienen am 15.03.2021
Cover des Buches Der Maler der fließenden Welt (ISBN: 9783896677020)

Der Maler der fließenden Welt

(47)
Erschienen am 15.03.2021
Cover des Buches Die Ungetrösteten (ISBN: 9783896677013)

Die Ungetrösteten

(22)
Erschienen am 15.03.2021

Neue Rezensionen zu Kazuo Ishiguro

Cover des Buches Klara und die Sonne (ISBN: 9783896677396)
Aischas avatar

Rezension zu "Klara und die Sonne" von Kazuo Ishiguro

Aischa
Was macht den Menschen aus?

„Klara und die Sonne“ ist der erste Roman, den Kazuo Ishiguro veröffentlicht hat, nachdem er den Literaturnobelpreis erhalten hat. Die Grundannahme dieser Dystopie hat mich von Anfang an gefesselt: In einer nicht näher beschriebenen Zukunft gibt es humanoide Roboter, sogenannte KF (Künstliche Freunde), die der zunehmenden Isolation und Einsamkeit von Jugendlichen entgegenwirken sollen.

Bemerkenswert fand ich, dass Ishiguro der Künstlichen Intelligenz sichtlich offen gegenübersteht. Er zeichnet kein einfaches Schreckensbild einer von Technik beherrschten Zukunft. Problematisch ist in seinem Roman weniger die KI selbst als vielmehr der Leistungsanspruch unserer Gesellschaft und das zunehmend von Algorithmen geprägte Denken der Menschen. Das nur vage skizzierte gesellschaftliche Umfeld lässt eine starke Orientierung an Erfolg und Optimierung erkennen. Besonders deutlich wird dies daran, dass Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder durch Genomeditierung zu verbessern. Diese Kinder werden als „gehobene Kinder“ bezeichnet (im englischen Original: „lifted children“). Die Eingriffe sollen ihnen bessere Bildungs- und Aufstiegschancen ermöglichen, bergen jedoch gleichzeitig erhebliche gesundheitliche Risiken.

Mit der deutschen Übersetzung des Begriffs bin ich allerdings nicht ganz glücklich. Das englische „lifted“ enthält mehrere Bedeutungsebenen: Die Kinder werden im übertragenen Sinn gesellschaftlich „angehoben“ und zugleich durch medizinische Eingriffe verbessert bzw. aufgewertet. „Gehobene Kinder“ wirkt im Deutschen dagegen eher wie eine Bezeichnung für Kinder aus einer höheren sozialen Schicht und vermittelt den Zusammenhang mit genetischer Veränderung weniger direkt. Eine Übersetzung wie „aufgewertete Kinder“ oder „verbesserte Kinder“ würde diese Bedeutung meiner Meinung nach klarer wiedergeben.

Der Roman stellt zentrale Fragen, die heute aktueller erscheinen denn je: In welchem Maß kann Menschlichkeit durch Roboter und KI nachgeahmt werden? Was macht den Menschen aus? Welche Bedeutung haben Beziehungen, Liebe und Fürsorge? Und wodurch erhält ein Leben seinen Sinn? Obwohl der Roman bereits 2021 erschienen ist, wirken diese Themen angesichts der aktuellen Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz besonders relevant.

Erzählt wird die Geschichte konsequent aus Klaras Perspektive. Klara ist eine künstliche Freundin, die der kranken Josie Gesellschaft leisten soll. Ihre Wahrnehmung der Welt ist ungewöhnlich: Einerseits verarbeitet sie Informationen erkennbar digital – so zerlegt sie beispielsweise ihr Sichtfeld in einzelne Kästen. Andererseits interpretiert sie ihre Beobachtungen auf eine sehr menschliche, fast kindlich-naive Weise. Besonders die Sonne erhält für Klara eine beinahe mythologische oder religiöse Bedeutung; sie glaubt an deren heilende Kraft. Dadurch bekommt der Roman stellenweise den Charakter eines modernen Märchens. Dies passt auch dazu, dass Ishiguro den Stoff ursprünglich als Kinderbuch veröffentlichen wollte.

Gerade diese Darstellung Klaras war für mich jedoch auch ein Schwachpunkt. Einerseits erscheint sie wie ein hochentwickeltes technisches System, andererseits besitzt sie Hoffnung, Glauben und Gefühle. Diese Mischung ist interessant, aber nicht immer vollständig überzeugend. Klara – oder besser gesagt ihre Darstellung – hat mich teilweise sogar etwas genervt: Es wird sehr häufig und mit nahezu denselben Formulierungen betont, dass sie sich zurückzieht, um den Menschen Privatsphäre zu lassen. Auch weist der Roman meiner Meinung nach einige Längen auf.

Trotz dieser Kritikpunkte ist „Klara und die Sonne“ eine äußerst lesenswerte Dystopie. Der Roman erreicht für mich nicht ganz die Eindringlichkeit und emotionale Wirkung von Ishiguros früherem Werk „Alles, was wir geben mussten“, beschäftigt sich aber auf sehr anregende Weise mit Fragen nach Menschlichkeit, Einzigartigkeit, Technik und den Bedingungen eines erfüllten Lebens.

Cover des Buches Alles, was wir geben mussten (ISBN: 9783896676962)
dunkelbuchs avatar

Rezension zu "Alles, was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro

dunkelbuch
Ethik und Moral auf Abwegen.

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen. 

Ein Buch, das an das Herz klopft und mit Tränen in den Augen, dieses unglaubliche grausame Szenario mitverfolgt, denn die Kinder sind Klone, die nur geschaffen wurden, um ihre Organe irgendwann zu spenden. 

Die Protagonisten schließt man ins Herz, und man ist betrübt über ihr Schicksal. 

Eine Welt, die hoffentlich in dieser Form niemals wahr wird.

Das Nachwort von "Claire Messud" ist mehr als großartig, ich würde es gerne hier sichtbar machen, aber es zu lang!

Vielleicht finde ich mal die Zeit für einige Passagen.......


Cover des Buches Alles, was wir geben mussten (ISBN: 9783896676962)
HenriLMatoss avatar

Rezension zu "Alles, was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro

HenriLMatos
Keine Dystopie. Eine Diagnose.

Ishiguro schreibt über das Entsetzlichste mit der ruhigsten Stimme der Weltliteratur. Was Never Let Me Go so unerträglich macht, ist nicht das Schicksal der Figuren, es ist ihre Akzeptanz. Kathy, Ruth und Tommy rebellieren nicht, weil sie das Werkzeug der Rebellion nie erhalten haben. Das System hat sie nicht unterdrückt; es hat sie so erzogen, dass Unterwerfung sich wie Normalität anfühlt. Das ist die präziseste literarische Beschreibung struktureller Kontrolle, die ich kenne.

Gespräche aus der Community

Anlässlich der Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Kazuo Ishiguro haben sich einige Interessierte zusammengefunden, um gemeinsam einen Roman von ihm zu lesen.

Wir haben uns für "Alles, was wir geben mussten" entschieden.

Klappentext:
Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen.

Die Leserunde beginnt am 5.11. und wir freuen uns über jeden, der mit uns liest!
145 Beiträge
BrittaRoeders avatar
Letzter Beitrag von  BrittaRoeder
https://www.lovelybooks.de/autor/Kazuo-Ishiguro/Alles-was-wir-geben-mussten-60478303-w/rezension/1512927925/ Meine Rezension ist fertig. Obwohl die Lektüre jetzt einige Tage zurückliegt, wirkt das Buch noch immer bei mir nach - und gewinnt je länger ich darüber nachdenke. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Indeed — why should I not admit it? — in that moment, my heart was breaking

Stevens, the ageing butler of Darlington Hall, takes his first holiday in a long time. Soon what starts as a trip into the English countryside turns into a journey into the past and questions the very core of what Stevens' believes in

The Remains of the Day quietly but with utmost power and depth narrates the story of an ever-changing country, its history and the personal struggles of an ageing butler. Discover Kazuo Ishiguro's BookerPrize winning masterpiece with us! 

Join our  Let's Read in English book club and discuss great novels each month. Usually, there won't be any free books but you are welcome to discuss every book at your own convenience. If you participate actively (around 5 substantial posts), you can also earn a lottery ticket for the raffle at the end of the year! 

More about the book 
In the summer of 1956, Stevens, the ageing butler of Darlington Hall, embarks on a leisurely holiday that will take him deep into the countryside and into the past. During his six-day holiday he takes us into his own unrealized love and on a journey through British history.

More about the author
Kazuo Ishiguro was born in Nagasaki in 1954. In 1960, his family relocated to London where he later studied English and Philosophy.
His first novel "A Pale View of Hills" was honored by the Royal Society of Literature with the Winfried-Holtby-Award.
Many more awards were to follow. In 1989 he received the Booker Prize for "The Remains of the Day". In 1995, he became an OBE.
His works have been translated into 28 languages.

That sounds like a novel you'd enjoy? Great, come and join our book discussion. I'm looking forward to a great book club in April with you! 

You are welcome to discuss the book in English. If you feel more comfortable doing it in German - no problem! Please feel free to use whatever language you are most comfortable with. 

You love to read in English? Perfect! You can now join the Let's Read in English Challenge 2017 to read and discuss books with other readers. Anything English will also be announced there. 
52 Beiträge
Hallo ihr Lieben,

zurzeit habe ich eine Gewinnspielwoche auf meinem Blog.
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Zusätzliche Informationen

Kazuo Ishiguro wurde am 08. November 1954 in Nagasaki (Japan) geboren.

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