Kazuo Ishiguro Alles, was wir geben mussten

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Lovelybooks Bewertung

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Inhaltsangabe zu „Alles, was wir geben mussten“ von Kazuo Ishiguro

Vom Autor des Bestsellers „Was vom Tage übrigblieb“, mit Anthony Hopkins und Emma Thompson erfolgreich verfilmt.

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen …

Der neue große Roman von Ishiguro erstmals im Taschenbuch.

Die grausamste Form, das Böse an unserer Gesellschaft zu zeigen. Vielen Dank, Mr. Ishiguro.

— KrisWind

Da muss erst der Nobelpreis kommen, damit ich auf dieses tolle Buch aufmerksam werde. Muss unbedingt noch seine anderen Werke lesen.

— TanyBee

Das Szenario ist großartig, die Figuren ebenfalls, der Roman regt zweifelsohne zum Nachdenken an, der Schreibstil hat mir nicht gefallen.

— _hellomybook_

Ein Meisterwerk, aber sicher Geschmackssache. Die Erzählweise ist sehr ruhig und ohne wirkliche Spannung, die aber auch gar nicht nötig ist.

— page394

Eigentlich ein interessantes Thema und vielfältige Charaktere aber keinen Höhepunkt, verwirrend und es wird viel zu weit ausgeholt

— books_____forever

Eine ruhige, tiefgründige aber auch fesselnde Geschichte.

— libreevet

Wo bleiben die Emotionen? Das war nix für mich ...

— engineerwife

Alles, was die Protagonisten geben mussten - ist viel, sehr viel. Umso mehr raubt die subtile Erzählweise einem den Atem.

— CorinnaSmiles

Sehr schönes Buch. An vielen Stellen allerdings sehr langatmig.

— Kilosa

Leider sehr langatmig, aber dennoch interessant.

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Rezensionen
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  • Sehr empfehlenswert!

    Alles, was wir geben mussten

    reisendebuecher

    01. January 2018 um 16:46

    Na, da beginnt doch 2018 ganz gut. Insgesamt 4.5 Sterne. Ich gebe zu, dass ich zu dem Buch griff, da ich wissen wollte, was sich hinter dem Literatur-Nobelpreisträger steckt und von diesem Buch hatte ich bisher am meisten gehört. Vor allem Ishiguros Schreibstil ist richtig gut und atmosphärisch. Es zieht einen in den Bann und doch ist es sehr subtil. Das finde ich sehr überzeugend und passt hervorragend zur Geschichte. Auch die Geschichte ist äußerst spannend, nein spannend ist das falsche Wort: einnehmend passt besser. Ohne große Action wird eine beengende Geschichte um Kath, Ruth und Tommy erzählt. Durch die Ich-Perspektive von Kath erfahren wir die Geschichte, aus ihren Erinnerungen heraus. Das macht es sehr authentisch, aber andererseits sind einige Szenen etwas willkürlich und aneinandergereiht aber nicht immer chronologisch erzählt. Für mich als Leser war dies nicht immer sinnvoll zum Folgen, jedoch ergibt es Sinn, da ja einem Erinnerungen auch nicht immer chronologisch kommen.Es hat mir wirklich gefallen und ich werde bestimmt noch einen Ishiguro lesen. Sehr empfehlenswert!

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  • Die Grausamkeit der Gleichgültigkeit

    Alles, was wir geben mussten

    BrittaRoeder

    07. December 2017 um 22:28

    Ich heiße Kathy ...“ So beginnt der britische Nobelpreisträger Ishiguro seinen in der Ich-Perspektive erzählten Roman ‚Alles was wir geben mussten‘. Da seine Protagonistin nur eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Zusammenhänge hat, wird der Leser zum Zeugen ihres mühsamen Versuchs das bisher Geschehene zu verstehen.   Elternlos wächst Kathy mit anderen Kindern in einem internatsähnlichen Heim namens Hailsham auf. Die anfängliche Schul-Idylle trügt, denn schon recht früh wird die schockierende Wahrheit sichtbar: Alle Kinder in Hailsham sind Klone und wurden gezüchtet, um als junge Erwachsene der Gesellschaft als Organspender zur Verfügung zu stehen. Ihr Schicksal ist vorbestimmt, ihre Lebenserwartung sehr begrenzt. Bis zu vier Spenden verkraftet ein solcher Körper maximal, um dann nur noch so lange am Leben erhalten zu werden bis er völlig ausgeschlachtet ist. Doch was auf den Leser fast noch verstörender wirkt als diese unfassbar grausame Wahrheit, ist die Reaktion, die sie hervorruft. Es gibt keine! Niemand begehrt gegen das Unrechtssystem auf. Befremdend ruhig, stellenweise fast emotionslos, berichtet die junge Frau über ihre Bestimmung. Es gibt keinen Widerstand, keine Fluchtversuche seitens der Betroffenen noch ist eine Öffentlichkeit erkennbar, in der dieser Skandal zur Sprache kommt. Ishiguro zeigt uns eine Gesellschaft, in der jeder irgendwie Bescheid weiß, aber niemand handelt. Man nimmt hin, was eben so ist wie es ist. Der Gipfel der Entmenschlichung ist erreicht.   Dass Ishiguro dabei ganz auf die eingeschränkte Ich-Perspektive eines Opfers setzt, lässt den Roman noch anrührender erscheinen. Die Hilflosigkeit, das Fehlen jeglicher Perspektive, all das gibt Kathy und ihren Leidensgenossen noch nicht einmal den Raum, um die Emotionen zu entwickeln, die angemessen wären. Sie sind Opfer im doppelten Sinne, da man sie nicht nur früh und unschuldig zum Tode verurteilt, sondern ihnen auch zu Lebzeiten keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben gewährt.   Eigentlich ist ‚Alles was wir geben mussten‘ eine Dystopie, ein Zukunftsroman, in dem das Klonen von Menschen nicht nur Selbstverständlichkeit sondern auch traurige Zweckmäßigkeit geworden ist. Doch anders als genreüblich verwendet Ishiguro keine futuristischen Details. Technische Termini findet man ebenso wenig wie den klassischen Entwurf eines totalitären Systems. Für solchen Schnickschnack interessiert er sich nicht. Stattdessen zeichnet er das Bild einer westlichen Wohlstandsgesellschaft wie sie der unseren nicht ähnlicher sein könnte: hoher Lebensstandard, reibungsloser Alltag inklusive. Ein Spiegel, in dem alles genauso ist wie man es kennt. Man könnte den Ort der Handlung auch als eine Art parallele Realität bezeichnen. Oder sich der Frage stellen, ob diese „fiktive“ Zukunft nicht schon lange  Einzug gehalten hat.

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    • 5
  • Der LovelyBooks Advent - Buchverlosung bis zum 24.12.2017 zu euren Wunschbüchern

    LovelyBooks Spezial

    Marina_Nordbreze

    Süßer die Bücher nie klingen! Die Plätzchen stehen neben dem liebsten Heißgetränk, im Kerzenschein erstrahlt die Leseecke – Und während wir unsere Wohnung winterlich einrichten, sollte das Bücherregal nicht leer ausgehen. Das ruft nach neuen Büchern, oder?Deswegen freuen wir uns, euch beim LovelyBooks Advent buchige Geschenke machen zu können!Vom 01.12. bis zum 24.12. öffnen wir jeden Tag unser Bücherregal für euch und ihr habt die Chance euch selbst zu beschenken.Am 24.12. entscheidet ihr, welches Buch wir verlosen! Und damit ihr genügend Zeit für die Entscheidung habt, könnt ihr euch bereits jetzt dafür bewerben!Ihr habt ein Buch, welches schon viel zu lange auf eurer Wunschliste steht? Dann verratet uns, welches Buch ihr euch wünscht und mit etwas Glück schenken wir euch genau dieses Buch!Ihr braucht Inspiration? Dann guckt doch bei unserem Geschenkefinder vorbei!Bewerbt euch bis einschließlich 24.12.2017 direkt über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und verratet uns euer Wunschbuch! Fünf glückliche Gewinner dürfen sich dann schon bald über Buchpost freuen! Habt ihr eure Wunschbuch über den Geschenkefinder gefunden? Dann freuen wir uns über einen Hinweis dazu in eurem Bewerbungsbeitrag!Mitmachen lohnt sich! Wer an mindestens 10 Verlosungen im LovelyBooks Advent teilnimmt, hat die Chance auf ein riesiges Buchpaket mit allen 24 Büchern aus dem LovelyBooks Advent! Auf der Suche nach Geschenken? Dann guckt direkt bei unserem Geschenkefinder vorbei, um das richtige Geschenk für eure Liebsten zu finden! Bitte beachte vor deine Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen!

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    • 1557
  • Leserunde zu "Alles, was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro

    Alles, was wir geben mussten

    Apfelgruen

    Anlässlich der Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Kazuo Ishiguro haben sich einige Interessierte zusammengefunden, um gemeinsam einen Roman von ihm zu lesen.Wir haben uns für "Alles, was wir geben mussten" entschieden.Klappentext:Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen.Die Leserunde beginnt am 5.11. und wir freuen uns über jeden, der mit uns liest!

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    • 143
  • Ziemlich misslungenes Werk

    Alles, was wir geben mussten

    Miri1135

    27. November 2017 um 23:08

    Ich hatte mir sehr viel von dem Buch erhofft, weil es an sich so eine unglaubliche Geschichte ist (und dann auch noch von einem Nobelpreisträger), aber dieses Buch ist ein einziges Schlafmittel.Ich habe die Hälfte gelesen und mich dann dazu entschlossen, dass der Rest wahrscheinlich auch nur Zeitverschwendung ist und mich einem anderen Buch gewidmet.Es geht die ganze Zeit nur um irgendwelche kindlichen/kindischen Probleme, die unsere eigenen Kinder wahrscheinlich auch haben und auf eine Art und Weise erzählt, die keine einzige Regung in einem hervorrufen.Auf den 167 Seiten, die ich gelesen habe, wurde ich nicht einmal berührt.Die Dinge, die mit der "Hauptgeschichte" zu tun haben sollen, wurden so langweilig und belanglos erzählt, dass sie völlig untergingen.Eine Aneinanderreihung von wirklich langweiligen Erinnerungen, im Marathon erzählt von einer Frau, zu der man keine Bindung in diesem Buch aufbauen kann.Das hätte eine wirklich schockierende und gefühlvolle Geschichte werden können, aber ganz bestimmt nicht so.

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  • Tiefgründiger Roman mit tollem Szenario, der jedoch durch den Schreibstil nicht ganz mitreißen kann!

    Alles, was wir geben mussten

    _hellomybook_

    02. November 2017 um 17:40

    Das Buch hat mich schon eher gefesselt, als ich es angefangen habe zu lesen. Das liegt daran, dass ich Teilnehmer eines Philosophie-Enrichment-Kurses war, in welchem wir auch mehrere Filme nach Moral und Ethik und sonstigen philosophischen Werten analysiert haben. „Alles, was wir geben mussten“ war einer dieser Filme. Diesen Streifen habe ich jedoch nur zur Hälfte gesehen, welche mich aber sehr begeistern konnte, und als ich gesehen habe, dass im Heyne-Verlag eine Neuauflage zu diesem Buch erscheinen würde, habe ich mir natürlich ein Rezensionsexemplar gesichert, um endlich diese Geschichte zu Ende verfolgen zu können. Ob das Buch dem Film gerecht wird und wie es mich überzeugen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Rezension. Was mich vollständig überzeugen kann – sowohl in Buch als auch Film, logischerweise – ist das packende und erschreckend realistische Szenario. Es wirkt jederzeit glaubhaft und man fragt sich tatsächlich die ganze Zeit, ob und wenn ja, wann die Menschheit diesen nächsten schrecklichen Schritt tun wird. Dabei wird das Szenario aus der Sicht der Probanden erzählt, die die Umstände nicht hinterfragen oder sich dagegen wehren, weil sie nach diesem Schema erzogen wurden. Dem muss man sich bewusst sein, denn eine Rebellion, wie es den heutigen Buchtrends entsprechen würde, findet hier in keiner Weise statt. Daher wirkt das Buch zwar kraftvoll, aber auch hoffnungs- und ausweglos. Hier hätte man die Hintergrundgedanken sämtlicher Figuren stärker beleuchten müssen. Das liegt an dem Schreibstil, der mir leider an der Romanvorlage nicht gefallen hat. Er wirkt sehr distanziert, auch indem er die Leser in Höflichkeitsrede ab und an direkt anspricht. Es ist, als würde in einer Metaebene über das Geschehen berichtet werden und man beobachtet alles von oben. Daher bekommt man keinen lebendigen Einblick in die Figuren, was meiner Meinung nach nötig gewesen wäre. Das hat mir am Film, der die Figuren nah und lebensecht darstellt, wesentlich besser gefallen. In diesem Buch ist die große Handlung die Entwicklung der Dreiecksbeziehung zwischen den Protagonisten Kathy, Ruth und Tommy, und natürlich erwartet man keine spannungsgeladenen und unvorhergesehenen Wendungen. Dies bekommt man auch nicht. Man bekommt eine Lebensgeschichte dreier Personen, deren Leben von bestimmten Umständen geprägt ist. Schade dabei ist, dass man sich nicht in die Figuren hineinversetzen kann, sondern auch beim nachträglichen Revuepassieren wie in der Vogelperspektive das Geschehen vor Augen hat. Manch ein Leser wird diesen distanzierten Schreibstil begrüßen, aber mich hat er hier sehr gestört. Dennoch lässt sich sagen, dass die Figuren mir im Laufe des Buches ans Herz gewachsen sind und sie eine unglaubliche, aber glaubhafte Charakterentwicklung durchmachen. „Alles, was wir geben mussten“ ist ein sehr nachdenklich stimmendes Buch mit einem großartigen Szenario und guten Figuren, das jedoch unter einem zu distanzierten Schreibstil zu leiden hat und dem Leser dadurch emotionale Verbundenheit mit den Protagonisten verwehrt bleibt, was ich sehr schade finde. Dennoch kann ich jedem, der sich nach dem Klappentext angesprochen fühlt, eine Leseempfehlung aussprechen. 

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  • Ein Meisterwerk

    Alles, was wir geben mussten

    page394

    03. October 2017 um 14:11

    Wäre ich nicht so ein großer Fan von Keira Knightley und hätte mir aus allein diesem Grund den Film zu Alles, was wir geben mussten (der übrigens ebenfalls sehr gelungen ist) angesehen, wäre ich sicher nicht auf das Buch gestoßen, in diesem Sinne: Danke, Keira.Worum geht es? Im Großen und Ganzen dreht sich die Geschichte um Hailsham, ein Internat. Dort leben allerdings keine normalen Kinder, sondern Klone, die lediglich dazu dienen, im frühen Erwachsenenalter ihre Organe zu spenden und dann zu sterben. Unter ihnen sind auch Kathy, Ruth und Tommy. Die drei lernen sich in Hailsham kennen und verbringen ihr ganzes Leben mehr oder weniger miteinander.Das Buch besteht aus drei Teilen: Teil 1 beschreibt die Kindheit und frühe Jugend der drei in Hailsham. Hier gibt es viel Internat-Flair, aber auch schon einige bedrückende Szenen. In Teil 2 leben sie in den Cottages, wo sie mit anderen Kollegiaten aus verschiedenen Heimen darauf warten, eine Ausbildung zum Betreuer für Spender zu machen oder eben selbst Spender zu werden. Und ebendies tritt in Teil 3 ein.Die Geschichte wird aus Kathys Sicht erzählt und arbeitet viel mit Rückblenden, was aber nie verwirrend wird. Viele haben bemängelt, dass das Buch keine Spannung aufweise. Ich würde sagen, das stimmt, allerdings ist es nicht schlimm. Das Erzähltempo ist sehr langsam, ruhig, immer mit einer gewissen unterschwelligen Traurigkeit und Melancholie. Kazuo Ishiguro schafft es dabei, die kleinen Situationen und Beobachtungen des Alltags und Soziallebens, die wir kaum bewusst wahrnehmen, in Worte zu fassen, sodass ich mir beim Lesen häufig dachte: "Ja, genau, so ist das. Unglaublich, das kenne ich auch und konnte es nie beschreiben."  Diese Momente haben Alles, was wir geben mussten für mich unter anderem so lesenswert gemacht. Ishiguro fasst die wichtigen Momente des Erwachsenwerdens so gut zusammen, scheut sich dabei auch nicht, Sexualität offen und vollkommen nüchtern zu betrachten. Es braucht keine Erzählmaus wie in der Grundschule, mit einem Buckel als Spannungshöhepunkt. Die Konflikte zwischen Kathy, Ruth und Tommy, die einem so vertraut und normal vorkommen und doch vor ganz anderen Hintergründen stattfinden als wir es gewohnt sind – nämlich denen der Organspende und des frühen Sterbens – reichen völlig aus. Jeder noch so unbedeutend erscheinende Nebencharakter hat einen so realistischen, niemals auch nur annähernd perfekten Charakter, dass man sie allein schon aus dem Grund mögen muss, dass sie auch die eigenen Lehrer oder Mitschüler sein könnten. Und auch, wenn Ruth mal wieder gemein ist, Kathy nicht sagt was sie sagen will oder Tommy sich irgendwie doof benimmt – ich mochte sie trotzdem immer alle drei, könnte niemandem böse sein. Umso trauriger ist es, dass sie sich immer wieder missverstehen, in Konflikte geraten, und doch ist es so menschlich. In diesem Buch wird jeder sich wiederfinden, auf die ein oder andere Weise.

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    • 3
  • Guter Grundgedanke, aber...

    Alles, was wir geben mussten

    dominona

    02. September 2017 um 19:46

    Wie fühlt man sich, wenn man anders ist und weiß, was einen am Ende des Lebens erwartet? Das Ganze wirkt wie eine Internatsgeschichte, aber schon am Anfang weiß man, dass hier keine Hanni und Nanni Geschichte kommt. 
    Am Ende fand ich die Geschichte zu emotionslos erzählt. Da wäre eindeutig mehr drin gewesen und auch vieles wiederholt sich, sodass ich mich manchmal gelangweilt habe.

  • Knapp vorbei ist auch daneben ...

    Alles, was wir geben mussten

    engineerwife

    22. August 2017 um 11:22

    Von diesem Buch hatte ich eine spannende Geschichte erwartet, immerhin wird ja ein sehr brisantes Thema behandelt. Die armen Kinder werden ausschließlich für ihre Organe „gezüchtet“ – ohne Chance jemals ein normales Leben leben zu können. Sie werden sogar recht früh darüber informiert, eine Tatsache, die doch Entsetzen auslösen müsste! Das Buch plätschert jedoch nur so vor sich her. Die wichtigen Themen werden am Rande gestreift, das Banale wird blumig ausgeschmückt. Nach einem guten Drittel habe ich für mich entschieden, dass ich nicht mehr bereit war, noch mehr meiner Zeit und Geduld auf die Story zu verschwenden. Schade eigentlich, da hätte man mehr daraus machen können. 

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  • Was bedeutet Humanität?

    Alles, was wir geben mussten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    06. March 2017 um 12:57

    HandlungEin großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen.Meine MeinungIch habe "Alles, was wir geben mussten" vor fünf Jahren zum ersten Mal im Fernsehen gesehen. Das ist mit einer der schlechtesten Filme gewesen, den ich bis jetzt gesehen habe...Ich habe gedacht, dass der Roman vielleicht besser ist. Leider waren der Film und das Buch nicht gerade herausragend.Der Roman, wird aus der Sicht der Hauptprotagonistin Kathy erzählt. Sie erzählt ihre komplette Geschichte. Wie sie und ihre Freunde in Hailsham groß geworden sind, was danach passiert ist und dabei geht sie auf jedes Detail ein, sodass jedes Kapitel in die Länge gezogen wird. Auf einige Details, hätte der Autor auch verzichten können..Hailsham ist ein Heim, indem Kinder groß werden, mit denen experimentiert wird.Es gibt nicht nur Hailsham, sondern auch andere Orte, an denen Kinder auf diese Weise groß werden. Anscheinend, weiß die Gesellschaft über dieses Experiment bescheid. Die Kinder werden im Laufe der Zeit darüber aufgeklärt, was ihre Bestimmung ist. Und das hat mich irgendwie gestört. Sie nehmen ihr Schicksal einfach so hin. Die Kinder werden nicht gechipt oder so. Das heißt, sie könnten locker abhauen. Das passiert aber nicht! Kein einziges Mal!Während ihrer Zeit in Hailsham, müssen Kathy und ihre besten Freunde Ruth und Tommy kreative Arbeiten vorweisen, die dann mit ein wenig Glück in der sogenannten "Galerie" ausgestellt werden.Kathy ist sehr neugierig und hinterfragt sehr viel. Tommy ist ihr bester Freund, aber sie empfindet mehr für ihn. Sie erzählt die Geschichte, wobei mir manche Situationen wirklich to much sind. Sie sieht in Ruth ihre beste Freundin und versucht immer gut mit ihr auszukommen, schreckt aber nicht davor zurück, ihr offen und ehrlich ihre Meinung zu sagen.Tommy ist Kathy´s bester Freund, wobei dieser ebenfalls mehr empfindet. Er ist in einer Beziehung mit Ruth. Manchmal, besonders, als er noch ein Kind war, hatte er öfter Wutanfälle. Erst viel später, hat er sich kreativ an den Arbeiten beteiligt. Kathy und er hinterfragen sehr viel und versuchen auf den Grund ihrer Existenz zu kommen.Ruth ist die beste Freundin von Kathy und die feste Freundin von Tommy. Sie stellt sich immer in den Mittelpunkt und ist eine regelrechte Mitläuferin. Das hat mich echt gestört.. Ihre große Klappe und Klugscheißerei und die Art und Weise, wie sie mit ihren Mitmenschen umgeht. Vorallem mit Tommy, der ihr fester Freund ist. Sie hält mit Absicht Kathy und Tommy voneinander fern...Auch ein Punkt, den ich nicht so ganz verstehe. Kathy und Tommy wissen, dass sie jeweils mehr für den anderen als Freundschaft empfinden, belassen es auch dann dabei. Sie versuchen nicht irgendwie zusammenzukommen. Tommy bleibt bei Ruth, was mir wirklich ein Rätsel ist. Er lässt sich auch noch schlecht von ihr behandeln, ohne etwas dagegen zu machen..Dann werden meiner Meinung nach, die Gefühle nicht richtig rübergebracht. Es passieren so viele Dinge, die einem wirklich sehr nahe gehen, wobei die Gefühle einfach fehlen. So nach dem Motto es passiert etwas, weil es einfach so ist. Wir nehmen unser Schicksal einfach so hin und das wars. Das ging mir sehr gegen den Strich..Ich habe eben erwähnt, dass die Gesellschaft anscheinend über dieses Experiment bescheid weiß. Sonst würde so manch einer bei bestimmten Dingen anders reagieren. Dieses Experiment wird quasi unterstützt. Niemand unternimmt etwas dagegen...Auch nachdem Hailsham geschlossen wird.. Der Schreibstil ist dennoch locker und flüssig. Ein paar Kapitel sind sehr langatmig.. Trotzdem musste ich wissen, wie es weitergeht. Durch diesen Roman, bekommt der Begriff "Humanität" eine andere Bedeutung. Ich finde nicht, dass das was da passiert human ist. Auf keinen Fall! Wir Menschen tun alles, um das zu bekommen, was wir wollen. Wir sind in manchen Situationen extrem egoistisch.. Es ist uns dabei egal, wie es anderen dabei geht. Hauptsache wir bekommen das, was wir wollen. Dieser Gedanke ist furchtbar. Es ist wirklich grausam... Und dieser Gedanke, wird durch diesen Roman rübergebracht.  Am Schluss, musste ich ein paar Tränen unterdrücken. FazitEin Roman, den sich viele Menschen zu herzen nehmen sollten. Sehr interessant und empfehlenswert aber kein Roman, den ich ein zweites Mal lesen werde..

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    • 2
  • Tief berührend

    Alles, was wir geben mussten

    eileen_richie

    27. February 2017 um 12:12

    Dieses Buch ist so unfassbar gut. Genauso wie der dazugehörige Film! Aber lest selbst, was mir so gut gefallen hat. Besucht gern auch meinen Blog: eileensbuecherblog.wordpress.com Meine Meinung:„Alles, was wir geben mussten“ war mein erster richtiger Erwachsenenroman. Ich habe festgestellt, dass dieses Buch sehr viel mehr, emotional und intellektuell, von mir gefordert hat als die Jugendbücher, die ich sonst so lese. Und das war sehr schön.Die Geschichte um Kathy, Ruth und Tommy ging mir durch und durch. Sie war erschreckend und bedauernswert und gleichzeitig so schön.Bevor ich weiter auf die Charaktere und ihre Beziehungen und Handlungen eingehe, muss ich aber dem Autor danken für diese großartige Geschichte. Die Idee ist so realistisch, dass sie einem Angst machen kann. Ich würde nicht darauf wetten, dass dieses schreckliche Szenario niemals in die Wirklichkeit umgesetzt werden würde. Klone zur Organspende. Eine einfache und effektive Lösung. Und so menschenverachtend und grausam.Die Geschichte kommt weitestgehend ohne Spannung aus. Aber die braucht sie meiner Meinung nach auch nicht. Kathy in ihrem Leben zu begleiten ist so interessant und die Dinge, die zwischen den Zeilen stehen so bewegend, dass man immer weiter lesen will. Bis zum Ende ist einem nicht klar, was hier eigentlich passiert. Und warum.Ich war froh, dass ich durch den Film bereits grob wusste, worum es überhaupt geht, denn so konnte ich alles viel besser nachvollziehen und war nicht die ganze Zeit verwirrt oder gelangweilt. Im Buch erfährt man natürlich aber noch viel mehr über das „große Geheimnis“, das hinter allem steckt. Es ist schön, am Ende alles so detailliert zu erfahren.Zur Erzählweise muss ich sagen, dass sie perfekt war, um sich in Kathy hineinversetzen zu können. Man durchlebt mit ihr gemeinsam noch einmal ihr Leben und als Leser versteht man die Dinge meist auch nur aus dem Blickwinkel und mit dem Wissen, das sie selbst zu dem damaligen Zeitpunkt hatte. Man wächst mit ihr auf. Man lernt mit ihr. Man reift mit ihr. Man lebt mit ihr.Kathy ist ein ganz besonderer Mensch. Sie ist mir so sehr ans Herz gewachsen. Ich habe auf den 350 Seiten mit ihr gelacht, verstanden, geweint und gelitten. Sie ist nicht besonders selbstbewusst oder mutig oder lustig. Und doch ist sie so besonders. Ich habe das Gefühl, sie sieht die Dinge einigermaßen klar, auch wenn sie nie aufhört, an diese „Welt“, in der sie aufgewachsen ist, zu glauben.Ruth hingegen hat einen alles andere als klaren Blick. Sie ist gemein und selbstsüchtig. Und Kathy bleibt doch immer ihre Freundin, was man mit Selbstlosigkeit oder Dummheit begründen kann. Ich setze auf ersteres. Sie kann verzeihen. Irgendwie kann ich Ruth auch verstehen, obwohl ich sie die meiste Zeit des Buches hätte schlagen können. Aber wie soll sich ein Kind, das unter solchen Umständen aufwächst, auch zu einem klar denkenden und fairen Menschen entwickeln. Deshalb finde ich es umso bemerkenswerter, dass sie sich am Ende ihres Lebens ihre Fehler eingestehen und über ihren eigenen Schatten springen kann, um Kathy und Tommy die Beziehung zu ermöglichen, die sie immer hätten führen sollen. „[D]ass ich dich und Tommy voneinander ferngehalten habe. […] Das war das Schlimmste, was ich getan habe. […] Ihr beide hättet zusammengehört.“ ~ Ruth, S. 282 Tommy. Oh Tommy. Er ist menschlich und schwach, emotional und intelligent. Und das macht ihn zum allergrößten Opfer dieses Systems. Er hat eine Seele, eine so gute, dass das System ihm wohl das meiste Leid zufügt. Er ergibt sich seinem Schicksal nicht, nimmt die Dinge nicht ungefragt hin, ist kritisch und so liebenswert zu anderen Menschen, dass er selbst ganz auf der Strecke bleibt. Er ist so selbstlos, dass er sich für Ruth entscheidet, ohne sich je wirklich bewusst geworden zu sein, dass er Kathy liebt. Doch er liebt sie. Und sie liebt ihn. Sie sind füreinander gemacht. Sie können einander stützen, sodass das System sie nicht kaputt kriegt. So wie es Ruth kaputt gemacht hat. Und ich bin Ruth so dankbar für die kurze aber wunderschöne Beziehung, die Tommy und Kathy führen konnten.Ich kann gar nicht all die Details, schöne und schreckliche zugleich, aufzählen, die ich an diesem Buch so lieben gelernt habe. Abgesehen vom Inhalt ist auch das Cover wunderschön.Doch eine Sache habe ich ganz fest in mein Herz geschlossen: Never let me go von Judy Bridgewater. Auch wenn das Lied nicht real ist, gibt es den extra für den Film komponierten Song, der sich fast komplett mit den Beschreibungen im Buch deckt. Und ich liebe das Lied. Weil es sehr schön klingt, aber vor allem wegen der Bedeutung, die es für Kathy hat.Und auch Norfolk ist wie für die Hailshamer auch für mich etwas besonderes geworden. Weil es ein so geheimnisvoller Ort ist, aber vor allem weil Tommy und Kathy gemeinsam, nur zu zweit, ganz friedlich, die Judy Bridgewater Kassette dort gefunden haben. „Eines Tages gehe ich nach Norfolk und finde sie dort“ ~ Tommy, S. 206 Das Ende des Buches ist so schön, so tiefsinnig und doch holt der letzte Satz einen in die eiskalte, grausame, unaufhaltsame Wirklichkeit zurück. Das Buch lässt einen verzaubert und in seinem Glauben an die Menschheit erschüttert zurück. …“Wir wussten es und wussten es doch nicht“ ~ S. 104 ……………………………………………………. „Aber für uns ist es unser Leben“ ~ S.323 Fazit:Ein ruhiger aber doch so gewaltiger Roman, der berührt und gleichzeitig verstört. Ein großartiges Werk.

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  • Rezension zu "Alles, was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro

    Alles, was wir geben mussten

    MiniMixi

    08. January 2017 um 17:06

    Der Roman "Alles, was wir geben mussten" wurde von Kazuo Ishiguro geschrieben und erschien als Neuauflage 2016 im Heyne-Verlag. Das Buch hat 349 Seiten und wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Die Geschichte spielt größtenteils in der Vergangenheit.Die Ich-Erzählerin heißt Kathy und erzählt in Rückblenden die Geschichte von sich und ihren 2 besten Freunden Tommy und Ruth.Es geht um Themen wie Freundschaft oder die Bestimmung über das eigene Leben.Tommy, Ruth und Kathy leben seit sie denken können in einem Internat namens Hailsham. Ein Leben vor Hailsham gibt es für sie nicht. Sie halten sich an die Regeln, die für jeden Kollegiaten selbstverständlich sind. Doch mit der Zeit und je älter sie werden kommen immer mehr Fragen auf, die ihnen von den Aufsehern nicht beantwortet werden. Zudem wird um ihre Zukunft ein großes Geheimnis gemacht. Sie wissen nur, dass sie einen Zweck erfüllen müssen und niemals über ihr eigenes Leben bestimmen können werden. Sie kennen diesen Zweck nur als "die Spende" und in ihren Jahren in Hailsham spinnen sie sich so einige Theorien darüber zusammen. Doch sie waren noch Kinder, wie hätten sie wissen sollen, welche grausame Wahrheit wirklich hinter "der Spende" steckt und wie diese ihr ganzes Leben beeinflusst.Wenn ihr erfahren wollt, was hinter diesen ganzen Dingen steckt, müsst ihr das Buch selbst lesen. Empfehlen würde ich das Buch Lesern ab 16 Jahren, da man eine gewisse Reife haben sollte.Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Es ist eine sehr ruhige Geschichte, die nicht mit Spannung fesseslt, aber dafür mit den Bildern die sie erzeugt und den Fragen die sie aufwirft. Die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen. Man erlebt mit, wie sie erwachsen werden, wie sie sich verändern und auch wie sich ihre Beziehung zueinander verändert. Man erlebt mit wie sie auf die unterschiedlichsten Weisen mit ihrem unausweichlichen Schicksal umgehen. Sie entdecken ihre Gefühle, Werte wie Nächstenliebe und Freundschaft und all das macht diese Charaktere so greifbar. Das Ende hat mich schockiert, fasziniert und zum Nachdenken angeregt. Es war einfach großartig. Jeder, der tiefe und greifbare Charaktere mag und den eine ruhige Stimmung nicht stört, sollte dieses Buch lesen. Dieses Buch fesselt nicht durch Spannung und Brutalität, sondern durch seine ernste Geschichte und greifbare, gut ausearbeitete Charaktere, die man einfach ins Herz schließt.Mir hat nicht viel gefehlt, aber dieses kleine gewisse Etwas schon. Deshalb bekommt das Buch von mir 4 Sterne.

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  • Wunderschön und traurig (SPOILER-Rezension)

    Alles, was wir geben mussten

    R_Marie

    13. November 2016 um 13:05

    SpoilerwarnungWir lernen Kathy H. als 31-jährige Pflegekraft kennen, die sehr stolz darauf ist, für ihre Arbeit wertgeschätzt zu werden. Sie reist von Spender zu Spender und hilft ihnen in der schweren Zeit zwischen den Organtransplantationen. Bald wird auch sie zu ihnen gehören – dazu ist sie schließlich bestimmt, wie alle anderen Klone auch. Und sie freut sich sogar darauf, dass Ärzte bald nach und nach ihre Organe entfernen werden, bis sie bei einer letzten Spende sterben wird, weil dann endlich Ruhe in ihrem Leben einkehren wird. Aber darum geht es nicht im Roman. Kathy erzählt uns von dem Leben, das sie hatte, angefangen bei ihrer Kindheit. Zwei Personen begleiten sie von Anfang an: ihre besten Freunde Ruth und Tommy.Das klingt ganz schön krank, stimmt´s? Die meisten Klone denken so wie Kathy und akzeptieren ihr Schicksal. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Da sie von Geburt an dazu erzogen werden, ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Gehirnwäsche so gut anschlägt.So findet man im Buch eine Reihe von Euphemismen, die den Tod betreffen, zum Beispiel Spender (als würden sie freiwillig spenden). Der Widerstand der Klone zeigt sich in ihrem Verhalten. Während Kathy sich alles schönredet, will Ruth jeden kontrollieren, um zu kompensieren, dass sie diejenige ist, die kontrolliert wird. Und Tommy hat mit Wutanfällen zu kämpfen, aufgrund derer er als Kind gehänselt wird. Auch wenn es wegen des Themas so klingen mag; „Alles, was wir geben mussten“ ist keine Dystopie, kein Sci-Fi-Buch. Die wissenschaftlichen Aspekte des Klonens und der Organspende werden komplett übergangen, und die Handlung spielt nicht in der Zukunft, sondern in einer alternativen Wirklichkeit. Es ist ein Buch über Freundschaft und Liebe, das stark auf den ethischen Aspekt des Klonens eingeht.Wenn ich es nicht im Englischunterricht gelesen hätte, wäre ich wohl nie darauf gestoßen (und was wäre ja schrecklich gewesen!). Weil es mein Abiturthema war, habe ich mich sehr eingehend damit beschäftigt, und ich muss sagen: je mehr ich das Buch auseinandergepflückt habe, desto lieber mochte ich es. Die Tragik ist sehr dezent in die Handlung eingewoben, und je intensiver man darüber nachdenkt, desto härter trifft es einen. Was wäre also, wenn es Klone gäbe, die den Menschen als Organlager dienen? Was wäre, wenn wir zu Anfang nichts davon gewusst hätten, dass die Heilung für so viele Leiden, inklusive Krebs, von fühlenden Lebewesen kommt, und wir nun, wo wir all die Vorzüge genießen, nicht mehr auf sie verzichten wollen? Was wäre, wenn wir die Augen verschließen, nichts von ihnen wissen wollen, und uns einreden, dass sie keine Seele haben? Wäre es ein normales (Jugend-)Buch, das sich mit solchen Themen beschäftigt, würde der Roman beinhalten, wie die Klone versuchen zu fliehen, wie sie die Regierung stürzen oder das Programm stoppen. Nicht so in „Alles, was wir geben mussten“. Obwohl es eine fiktive Welt ist, scheint alles unglaublich real. Es gibt keine Helden, keine Rebellion der Klone. Und das macht es noch schlimmer. Ich kann in dieser Rezension gar nicht beschreiben, wie fantastisch dieses Buch ist. Die Charaktere sind wahnsinnig gut ausgearbeitet, der Schreibstil passt perfekt zu Kathys Analyse der Vergangenheit, in der sie kaum Gefühle zulässt. Und die Handlung ist so schön. Am Ende habe ich dann auch geweint …Dass Kathy immer stark sein möchte und alles Schlimme subtil eingebaut wird, macht das Lesen so traurig und bedrückend. Es ist unmöglich, gegen das System anzukommen. Alle Klone werden sterben. Ruth, Tommy und schließlich auch Kathy. Als Leser muss man mittellos zusehen, wie diese Ungerechtigkeiten geschehen und toleriert werden. Letztendlich versteht man Kathys Todeswunsch. Außer ihren Freunden gab es niemanden, der für sie da war. Immer hatten sie nur einander. Und nun sind sie weg und Kathy ist vollkommen alleine, ohne Familie, ohne Hobbys, ohne irgendetwas. Deshalb passt auch der Titel so gut.„Because somewhere underneath, a part of us stayed like that: fearful of the world around us, and – no matter how much we despised ourselves for it – unable quite to let each other go.“Ich gehe dann mal weinen! Die Verfilmung ist übrigens richtig toll und durch die Musik und gestalterischen Elemente um einiges trauriger – da musste ich an einer Stelle ungefähr so weinen wie beim Anfang vom „Oben“.

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  • Geboren um zu sterben

    Alles, was wir geben mussten

    MademoiselleMeow

    11. October 2016 um 14:37

    Für mich ist „Alles, was wir geben mussten“ einer der bewegendsten, traurigsten und gleichzeitig schönsten Filme, die ich kenne. Da war ich gespannt, ob mich das Buch genauso berühren würde. Ich werde jetzt etwas über den Inhalt schreiben, was für mache möglicherweise ein Spoiler ist, aber ich finde, so viel kann man über den Roman wissen.Die Geschichte spielt sich zu einem unbekannten Zeitpunkt in England ab. Man kann aber davon ausgehen, das die Handlung in den vergangenen 70er und 80er Jahren stattfindet. Die Kinder, die in dem Internat Hailsham leben, sind Klone, die dafür leben, eines Tages ihre Organe an ihre älteren Originale zu spenden. Die Originale selbst, kommen nicht vor. Man weiß nur, das die Spender, im Buch Kollegiaten genannt, das von sich hergeben müssen, was beim Original gerade versagt. Kathy und die anderen wissen zwar, das für etwas wichtiges vorgesehen sind und das „spenden“ etwas damit zu tun hat. Sie wissen jedoch nicht, was genau das für sie bedeutet. Über die Jahre bekommen sie häppchenweise gerade mal so viel darüber erzählt, das für sie am Ende kaum eine andere Wahl bleibt, als ihr Schicksal zu akzeptieren. Umso tragischer ist es, davon zu lesen, wie wichtig ihnen die kleinen Dinge im Leben sind. Wie sie versuchen, von einer Zukunft zu träumen, die es für sie nicht geben wird. Und wie wichtig es ihnen ist, wenigstens ein bisschen über den Menschen in Erfahrung zu bringen, für den sie am Ende sterben müssen. Sind diese Menschen genauso wie sie? Haben sie die gleichen Gefühle? Führen sie am Ende vielleicht sogar das Leben, was sie sich für sich selbst gewünscht hätten? Die Kollegiaten klammern sich an diese Fragen, manche mehr, manche weniger. Vielleicht, um ein bisschen Trost in der Vorstellung zu finden, für jemanden zu sterben, der das Leben führt, was man für sich selbst wollte. Aber das wird im Buch nicht ausgesprochen. Es ist das, was man dem Handeln und den Gefühlen entnimmt, von denen man liest.Dazu trägt sich auch die Tatsache bei, das die Erzählperson Kathy den Leser zwischendurch immer mal wieder anspricht und auch als einen Kollegiaten ansieht. So versetzt man sich automatisch in die Lage eines Spenders besser hinein. „Alles, was wir geben mussten“ ist kein Buch mit Happy End. Es hat nicht von dem Film „Die Insel“, der eine ganz ähnliche Thematik hat. Man fragt sich natürlich, warum sie ihr Schicksal einfach so hinnehmen, warum sie nicht versuchen zu fliehen. Aber ich bin sehr froh, das sich de Autor nicht für diesen Weg entschieden hat und wenn man das Buch liest und versteht, weiß man auch, warum die Figuren sich ihrem Schicksal ergeben. Das macht es natürlich zu einer unfassbar traurigen Geschichte und genau wie beim Film, konnte ich mir auch beim Buch ein paar Tränen nicht verkneifen. Für viele sind Buch und Film grundverschieden, aber ich habe viele Gemeinsamkeiten und nur wenig Unterschiede feststellen können. Ja sogar einige Dialoge waren 1:1 die aus dem Film. Natürlich habe ich mir die Personen genau wie die Schauspieler vorgestellt, auch weil ich fand, das diese perfekt ausgewählt waren und die Charakterzüge wunderbar rüber gebracht haben.Die Erzählperson Kathy wirkt oftmals sehr monoton und wenig emotional, Ruth dagegen sehr impulsiv und manchmal richtig zickig. Tommy ist launisch, aber im Grunde lieb und etwas trottelig. Man hat hier drei sehr verschiedene Charakter die miteinander agieren und das macht die Erzählweise sehr dynamisch und interessant. Man ärgert sich mit Kathy über Ruth und fragt sich gleichzeitig, ob das jeweilige Verhalten der anderen, einen bestimmten Grund hat und man es vielleicht auch nachvollziehen kann. Es ist ein außergewöhnlicher Roman, ich habe bisher noch nichts vergleichbares gelesen. Vielleicht, weil man hier ein Thema anschneidet, was zwar in der Vergangenheit spielt, aber seinen Kern in der Zukunft hat. Es wäre natürlich erschreckend zu denken, das es irgendwann wirklich so etwas gibt. Aber wir leben in einer unberechenbaren Welt mit unberechenbaren Menschen. Und da finde ich den Gedanken, das reiche Menschen Klone von sich heranzüchten, die am Ende als Ersatzteillager dienen, gar nicht so abwegig. Gott bewahre!„Alles, was wir geben mussten“ ist ein Roman, der nachdenklich stimmt.Wer den Film gesehen hat und ihn mochte, dem empfehle ich auch das Buch. Das ist natürlich etwas umfassende und man erfährt mehr über die Hintergründe, über das Spenderprogramm und vor allem über Hailsham und seine Galerie. Das wird im Film ja nur angeschnitten und für mich war der Teil sehr interessant und er hat mir auch die gesamte Thematik näher gebracht. Ein Buch, das ich immer wieder lesen würde. Genau wie ich den Film immer wieder gucken.

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    • 2
  • Never let me go

    Alles, was wir geben mussten

    MikkaG

    22. April 2016 um 22:11

    "Alles, was wir geben mussten" ist ein vielfach für Auszeichnungen nominiertes und preisgekröntes Buch. Zu den Nominierungen gehören der renommierte "Booker Price", der "Arthur C. Clarke Award" und der "National Book Critics Circle Award". Gewonnen hat das Buch zum Beispiel den "Salon Book Award for Fiction", "ALA Alex Award" und den "Rooster Award" von "Tournament of Books". BookClubClassics.com listete das Buch in der Kategorie "Pushing the Boundaries of Reality" ("Die Grenzen der Realität ausreizen") als eines der "Best Books for Discussion", und das "Time Magazine" wählte es zum "Best Novel of 2005".Im Jahr 2010 wurde das Buch verfilmt (mit Keira Knightly, Carey Mulligan und Andrew Garfield in den Hauptrollen), und auch der Film wurde von Kritikern positiv aufgenommen. Und dennoch ist es ein Buch, das die Gemüter spaltet. Trotz all der Preise sprachen manche Kritiker sogar von unerträglicher Langeweile und kaum zu überbietender Banalität.Mich hat die Geschichte sehr zum Nachdenken angeregt, und obwohl ich durchaus nachvollziehen kann, warum es für manche Leser einfach nicht "funktioniert", hat es sich eingereiht in meine persönliche Liste der wichtigsten, herausragendsten Bücher unserer Zeit.Auch wenn man das erwarten könnte, ist "Alles, was wir geben mussten" keine Zukunftsvision, sondern in unserer näheren Vergangenheit angesiedelt. (Nach der beschriebenen Technologie zu urteilen, würde ich sagen, die Geschichte beginnt in den 70er- oder 80er-Jahren.) Der Autor hat diese Vergangenheit nur leicht verändert, um wissenschaftliche Erkenntnisse und Verfahren, die wir heute tatsächlich kennen und anwenden, in einem beunruhigenden Szenario auf die Spitze zu treiben und zu fragen: was darf Wissenschaft?Es ist eine ruhige, bedächtige Dystopie. Hier gibt es keine Zombies, und es gibt zwar eine kaltblütig ausgenutzte Minderheit, aber keinen Aufstand, keinen Aufschrei. Ich will noch nicht zu viel verraten, aber das Buch wird erzählt von Kathy, einem Mädchen, das zu dieser Minderheit gehört - und das dennoch ein aktiver Teil dieses menschenverachtenden Systems ist, weil sie glaubt, dass es eben so sein muss und sogar gut und richtig ist.Das ist für mich das wahrhaft Erschreckende an diesem Buch: hier werden Kinder in Internaten herangezüchtet, um klaglos ein schreckliches Schicksal anzunehmen. Das wird ganz perfide so gemacht, indem ihnen, während sie heranwachsen, häppchenweise erzählt wird, was sie erwartet - aber immer in einem Alter, in dem sie das jeweilige Häppchen noch gar nicht wirklich verstehen können. Auf diese Art und Weise haben sie es, wenn sie älter sind und es verstehen können, schon als ganz normal verinnerlicht. Ihnen wurde stets unterschwellig vermittelt, dass es sie zu etwas ganz Besonderen macht, es also sogar ein Grund ist, stolz und glücklich zu sein.Kathy plaudert über Nichtigkeiten: das wunderschöne Federmäppchen, auf das alle Kinder neidisch waren, Teenagerstreitigkeiten, Unsicherheit über Sex und Liebe... Was Kinder und Jugendliche eben so bewegt. Das unvorstellbar Entsetzliche, das die Kinder erwartet, fließt immer nur am Rande mit ein - ganz beiläufig und sogar emotionslos. Für mich machte es das nur umso bestürzender, und ich konnte das Buch kaum weglegen. Hinter der Normalität, der Banalität verbarg sich für mich ein kaltes Grauen, das den Opfern selber aber gänzlich unbewusst ist.Es geht in meinen Augen nicht nur über die Ethik der Wissenschaft, sondern es ist auch ein prägnantes, eindringliches Sinnbild der Sterblichkeit; auf eine gewisse Art und Weise kann man sich wiederfinden in diesen Kindern. Die Art und Weise, wie Kazuo Ishiguro diese Geschichte erzählt - ohne Drama, ohne großartigen Spannungsbogen - war für mich zwar gewöhnungsbedürftig, aber dennoch erstaunlich fesselnd und originell.Die Charaktere wirken merkwürdig gedämpft, und als Leser fragt man sich: wie kann man solch ein Schicksal einfach hinnehmen? Wurden diese Kinder in irgendeiner Form manipuliert, um ihre Emotionen zu bremsen, oder ist hier einfach die eben erwähnte schleichende Konditionierung am Werk? Der Leser weiß nur, was Kathy weiß - und da Kathy sich ihrer eigenen Passivität nicht bewusst ist und daher solche Fragen nicht stellt, bleibt vieles ungeklärt.Auch der Schreibstil ist gedämpft, manchmal beinahe monoton, denn Kathy erzählt  stets mit sanfter Gleichmütigkeit. In diesem Buch muss man sorgfältig zwischen den Zeilen lesen, um einen schwachen Eindruck davon zu gewinnen, wer Kathy und ihre Freunde in einer anderen Gesellschaft hätten sein können. Es ist in gewisser Weise auch ein Buch über die Tragik verpasster Chancen.Fazit:Trotz allem. Trotz allem hat mich das Buch bewegt, beschäftigt, begeistert. Oberflächlich gesehen ist es scheinbar eine Ansammlung von Nichtigkeiten, von Szenen ohne Dramatik oder emotionaler Wucht - aber zwischen den Zeilen verbirgt sich eine dystopische Welt, die in ihrer nüchternen Grausamkeit ihresgleichen sucht. Es geht um Kinder, später Jugendliche, die an einem scheinbar idyllischen Ort eine hervorragende Ausbildung genießen. Ihnen wird gesagt, sie sind außergewöhnlich, etwas ganz Besonderes, auserwählt. Für was sie auserwählt sind, das wird ihnen gesagt - und dennoch nicht gesagt. Kathy, die Erzählerin, beschreibt ihre Kindheit und Jugend und ihr derzeitiges Leben als Betreuerin derjenigen, die kurz vor der "Vollendung" stehen. 

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