Alles, was wir geben mussten

von Kazuo Ishiguro 
4,0 Sterne bei488 Bewertungen
Alles, was wir geben mussten
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (341):
Lesias avatar

Packende Idee. Erzählreihenfolge eher durcheinander, insgesamt sehr bedrückend.

Kritisch (27):
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Wo bleiben die Emotionen? Das war nix für mich ...

Alle 488 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Alles, was wir geben mussten"

Vom Autor des Bestsellers „Was vom Tage übrigblieb“, mit Anthony Hopkins und Emma Thompson erfolgreich verfilmt.

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen …

Der neue große Roman von Ishiguro erstmals im Taschenbuch.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442736102
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:06.11.2006
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.08.2017 bei Verlag Hörkultur erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    CocuriRubys avatar
    CocuriRubyvor 24 Tagen
    Gutes Buch

    Es ist ein ruhiges Buch und punktet mit seiner Atmosphäre, die sich immer weiter verdichtet und dem Erzählstil.

    Die Protagonistin ist Kathy und sie erzählt uns ihre Geschichte rückblickend. Das ist sehr charmant gemacht – es hat genau das richtige Maß von gut erzählter Handlung und kleinen Abschweifungen – das macht es recht authentisch.


    Es geht auch sofort los: man wird direkt rein geworfen, ohne große Erklärung oder Kontext. So weiß man, dass die Erzählerin eine „Betreuerin“ ist und mit „Spendern“ zu tun hat, aber was das wirklich bedeutet, erfährt man erst im Laufe.


    Das zieht sich durch das ganze Buch: die große Frage ist, was mit dieser Welt bzw. Gesellschaft ist und was mit den Charakteren passiert bzw. was das für sie bedeutet – man entwickelt schnell Theorien und setzt dann die Informationsstückchen zusammen die einen gegeben werden – einiges erschließt sich recht schneller, anderes nicht.

    Das sorgte aber bei mir für ein gewisses „Erfolgserlebnis“, wenn sich das was ich mir schon dachte bestätigte, anderes überraschte einen.


    Zuerst springt die Erzählung in die Vergangenheit, in die Kind- und Jugendzeit auf dem Internat und was dort passiert war, wie das Leben ablief – das ist Teil eins des Buches.

    Im zweiten Teil erfahren wir dann nach und nach von dem Leben außerhalb auf dem Cottages – eine Art Zwischenzeit. Und im dritten Teil erfahren wir von ihrem Leben als Betreuer.


    Auch wenn es für die Geschichte selbst keinen Abbruch getan hat, muss ich sagen, dass ich mit den Figuren nicht wirklich warm geworden bin – es ist aber auch nicht so, dass ich eine Abneigung gegen sie gehabt hätte.

    Die Protagonistin ist eine Person, die eher zurückhaltend und still ist. Sie sucht die Schuld tendenziell eher bei sich, entschuldigt viel von dem Fehlverhalten der anderen – insbesondere von Ruth. Das fand ich manchmal etwas anstrengend. Sie blieb in ihrem Charakter aber stimmig. Sie beobachtet auch viel und ist einfühlsam.

    Ruth ist eine Person die auf Loyalität Wert legt und sich selbst immer etwas aufspielt und sich über andere erhebt – ich fand sie etwas schwierig.

    Tommy ist der drittwichtigste Charakter, aber außer, dass er ein netter Kerl ist, gibt es nicht viel zu sagen.


    Worauf die Freundschaft basierte (sowohl zwischen den dreien als Gruppe, als auch speziell die zwischen Kathy und Ruth) war mir manchmal etwas schleierhaft – vermutlich schlicht daraus, dass sie schon ewig währte und Ruth von der Protagonistin schlicht nie in Frage gestellt wurde (oder von einer anderen).


    Generell sind die Figuren durchaus authentisch und man hat das Gefühl sie zu kennen, aber eigentlich erfährt man über die meisten nicht sonderlich viel. Es sind kleine Momente, die mit ihnen geschildert werden, die einen trotzdem am Ball halten und die Figur einen irgendwie vertraut erscheinen lassen.

    Allerdings gab es zwei, drei Momente in der Beziehung der drei Figuren, bei denen irgendwas angedeutet wurde, was anscheint eine größere Bedeutung hatte, es jedoch nicht zu mir vorgedrungen ist. Ich wusste einfach nicht, was mir diese Szene jetzt sagen sollte.


    Japanische Bücher stehen für mich in erster Linie für melancholische, tragische (Liebes-)Geschichten. Obwohl man dieses vielleicht nicht als klassisches „japanisches Buch“ zählen kann, ist es hier auch so.

    Generell haftet dem Buch die ganze Zeit etwas unterschwelliges melancholisches, tragisches an. Dort ist gerade der dritte Teil zu nenne, der mich diesbezüglich am meisten gekriegt und berührt hat. Wenn auch nicht immer durchgängig im positiven Sinne.


    Es sei auch gesagt, dass ich die ein oder andere Passage schon etwas lang fand – nicht jedes Wort in dem Buch wäre unbedingt notwendig gewesen. Manches war sogar etwas redundant.


    Das richtige Konzept des Buches erfährt man natürlich erst auf den letzten paar Seiten, die ich sehr stark fand. Dort wurden dann tatsächlich auch endlich ein paar sich aufdrängende Fragen beantwortet. Auch wenn ich sagen muss, dass gewisse Erklärungen auf den zweiten Blick etwas dünn waren oder letztlich doch nicht sonderlich viel erklärten. Es bildet den Rahmen für dieses Gedankenspiel – mehr will es gar nicht und lässt damit eben auch viel Platz für die eigenen Gedanken. Etwas mehr Input hätte ich mir an mancher Stelle aber schon gewünscht. Verstehe aber, warum das nicht gemacht wurde.


    Auch fand ich es unglaubwürdig, dass sich keiner gegen sein Schicksal gestellt hat, das nie jemand versucht hat, dagegen zu rebellieren – aber vielleicht ist das ja passiert, nur eben nicht in dem Blickfeld der Protagonistin.

    Ich verstehe schon, warum das keine Rolle spielen sollte – aber irgendwie hat mir dadurch trotzdem was gefehlt.


    Allerdings ist das Letztlich auch nicht wirklich tragisch. Die Aussage des Buches und die Emotionen, die es in einem weckt, überstrahlen das ganz gut.


    Fazit

    Ich bin doch recht beeindruckt von dem Buch. Es gab durchaus ein paar Dinge die mir aufgefallen sind und mir auch nicht alle gelegen haben - aber Rückblickend war es gut konzipiert.

    Das Buch bewirkt etwas beim Leser – es entlässt einen anders, als man es angefangen hat.

    Was will man mehr?

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    Aischas avatar
    Aischavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: keine leichte Kost, sehr gelungene Gesellschaftskritik
    Wann ist der Mensch ein Mensch?

    Die Geschichte beginnt wie eine typische Internatsgeschichte: Protagonistin Kathy, inzwischen 30jährig, erinnert sich an ihre Zeit im Landschulheim Hailsham in der englischen Provinz. Der Leser bekommt Einblick in den Schulalltag, wir erfahren, wer mit wem befreundet ist, wer gehänselt wird, und dass die Direktorin ein ziemlich strenges Regiment führt.

    Und doch ist von Anfang an etwas anders, zwischen den Zeilen entsteht eine merkwürdig bedrückende Stimmung. Kazuo Ishiguro erweist sich auch hier für mich wieder einmal als Meister der leisen Töne. Vieles wird nur angedeutet, manches ist erst dadurch seltsam, dass es fehlt, etwa Besuche von Eltern oder Ausflüge der Schüler.
    Mit der Zeit wird klar, dass die Erziehung in Hailsham nicht in erster Linie der Wissensvermittlung dient. Denn die Aufgaben, die die Absolventen erwarten, sind bereits bei Schuleintritt festgelegt, und so geht es im Internat eher darum, wichtige Regeln zur Lebensführung und moralische Richtlinien zu verinnerlichen. 

    ACHTUNG, SPOILER!!!
    Die Schüler sind allesamt menschliche Klone, lediglich am Leben, um als menschliche Ersatzteillager zu dienen. Nachdem sie das Internat verlassen, kommen sie in abgeschiedene Wohnheime, die sie nur zu ihren Organspenden verlassen. Es gibt eine Alternative zum Beruf des "Spenders", nämlich den des Betreuers, der dafür sorgt, dass die Spender möglichst  viele Organentnahmen überleben. Allerdings wird erwartet, dass man nach einigen Jahren als Betreuer zur wirklichen Bestimmung findet und dann auch selbst Spender wird.

    Ishiguro hat es geschafft, dass ich mich stundenlang gegruselt habe. Und das ohne dass er explizit schreckliche Szenen beschrieben hat, sondern einzig und allein dadurch, dass ich beim Lesen immer und immer wieder den Gedanken hatte: "Ja, das könnte auch in unserer Gesellschaft so entstehen. Und zwar schon jetzt."
    Die Vorstellung, dass Kinder es als ihre Bestimmung sehen, als junge Erwachsene als Organspender zu fungieren, wenn sie es nur früh und oft genug hören ist für mich gleichermaßen erschreckend wie realistisch. Was kann ein Mensch ertragen, wenn ihm von klein auf eingeimpft wird, dass sein Weg vorgezeichnet ist? Wieso begehren die Schüler nicht auf?
    Der vorliegende Roman zeigt für mich, wie wichtig es ist, dass wir als Gesellschaft diskutieren, was von den vielen Möglichkeiten, die Gentechnologie, Klonen etc. bieten, wir auch wirklich wollen. Und diese Diskussion muss breit erfolgen und darf nicht spezialisierten Wissenschaftlern in exklusiven Ethikgremien vorbehalten bleiben.

    Für mich ein hervorragendes Buch, das wichtige, grundlegende Themen des Menschseins behandelt.

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    wortkulisses avatar
    wortkulissevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ishiguro kratzt nur an der Oberfläche der Gentechnik und verschenkt damit das große Potenzial, das in der Thematik des Roman steckt...
    Über die Grenzen des Menschlichen | "Alles, was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro

    Als Kazuo Ishiguro 2017 den Literaturnobelpreis gewann, hatte ich noch kein Buch von dem Autor gelesen. Ich habe mir „Alles, was wir geben musste“ gekauft und es beim Lesen wirklich gemocht. Dennoch habe ich ein großes Problem mit dem Roman.


    Kathy, die Ich-Erzählerin des Romans, arbeitet als Betreuerin für Spender. Sie ist häufig unterwegs, um ihre Spender in den jeweiligen Erholungszentren zu besuchen, und so hat sie viel Zeit über ihre Vergangenheit nachzudenken und immer wieder flüchtig nach dem Ort Ausschau zu halten, an dem sie aufgewachsen ist. Manchmal ist es ein Tal, manchmal ein Herrenhaus, das zwischen den Bäumen zu erahnen ist, oder der Anblick von Pappeln, der in ihr das Gefühl aufkommen lässt, Hailsham, das Internat in dem sie aufwuchs, wiedergefunden zu haben. Doch jedes Mal ist es ein Irrtum.
    Beinahe wehmütig erinnert sich Kathy an ihre Kindheit in Hailsham zurück. Auf den ersten Blick führten Kathy, Ruth und Tommy ebenso wie ihre Kollegiaten damals ein ganz gewöhnliches Leben. Sie hatten Unterricht, trafen sich auf dem Sportplatz, hörten Musik und wurden Stück für Stück erwachsen. Doch einige Dinge waren anders: Ihre Lehrer, die sie Aufseher nannten, achteten penibel auf die Gesundheit der Kollegiaten. Das Rauchen war strengstens verboten. Die Kollegiaten hatten keinen Kontakt zur Außenwelt. Und die Bilder, die sie im Kunstunterricht anfertigten, wurden in regelmäßigen Abständen von einer „Madame“ abgeholt, die panische Angst vor den Kindern zu haben schien. Stück für Stück lässt Kazuo Ishiguro Kathy ihre Erinnerungen freilegen, bis offensichtlich wird, was Kathy, Tommy, Ruth und alle Kollegiaten sind: Sie sind Klone. Ihre Lebensaufgabe: Organspende.

    „IHR WISST JA BESCHEID. IHR SEID KOLLEGIATEN. IHR SEID … ETWAS BESONDERES. FÜR EUCH, FÜR JEDEN UND JEDE EINZELNE VON EUCH, IST ES NOCH VIEL WICHTIGER ALS FÜR MICH, DASS IHR EUCH GESUND ERHALTET, DASS IHR NICHTS TUT, WAS EUREN ORGANEN SCHADEN KÖNNTE.“ – S. 88

    Als sie sechzehn Jahre alt sind, verlassen die Kollegiaten Hailsham und ziehen in die sogenannten Cottages. Dort treffen sie auf Kollegiaten anderer Einrichtungen. Kathy, Ruth und Tommy bleiben zusammen, doch es wird bald deutlich, dass mit dem Ende der Zeit, die sie Hailsham verbrachten, auch ihre Freundschaft Risse bekommt. Während Ruth und Tommy ein Paar werden, entfernt sich Kathy zunehmend von ihren Freunden. Ein gemeinsamer Ausflug, auf dem sie einer Frau folgen, die Ruths „Mögliche“ – also die Frau, von der sie geklont worden ist – sein könnte, treibt einen noch tieferen Graben zwischen die Freunde. Nach der Zeit in den Cottages verlieren sie den Kontakt zueinander – bis Kathy sieben Jahre später die Betreuerin von Ruth wird.

    „RUTH“, UNTERBRACH ICH SIE BESTIMMT, „RUTH, NICHT!“
    SIE IGNORIERTE MICH. „WIR WISSEN ES ALLE. UNSERE MODELLE SIND ABSCHAUM: JUNKIES, PROSTITUIERTE, ALKIS, OBDACHLOSE. HÄFTLINGE VIELLEICHT AUCH, SO LANGE ES KEINE IRREN SIND. VON DENEN STAMMEN WIR AB […]. WENN IHR NACH MÖGLICHEN SCHAUEN WOLLT, WENN IHR’S WIRKLICH WISSEN WOLLT, DANN MÜSST IHR IN DER GOSSE SUCHEN. IN DEN MÜLLTONNEN. IN DEN KLOAKEN MÜSST IHR NACHSCHAUEN, DENN DA KOMMEN WIR NÄMLICH HER. – S. 202-203

    Kazuo Ishiguro greift mit seinem Roman „Alles, was wir geben mussten“ das Thema der Gentechnik auf, das spätestens seit der erfolgreichen Klonung des Schafes Dolly 1996/7 in die Öffentlichkeit gelangt ist. Es mag wohl also auch kein Zufall sein, dass Kazuo Ishiguro die Handlung seines Romans am Ende des 20. Jahrhunderts spielen lässt. Gleichzeitig begründet der Autor die zeitliche Einbettung seiner Handlung nicht, genauso wenig geht Kazuo Ishiguro auf die technischen und medizinischen Möglichkeit des Klonens und der Genmanipulation ein. Das ist auch gar nicht möglich, da der*die Leser*in allein das erfährt, was Kathy erlebt, weiß und denkt. Dadurch hätte der Autor die großartige Möglichkeit gehabt, zu zeigen, dass Klone im Herzen auch Menschen sind, dass sie denken und fühlen und lieben, und damit aus einem anderen Ansatz heraus Kritik an der Gentechnik üben. Doch das macht Kazuo Ishiguro jedoch so, wie er die Charaktere gestaltet, zunichte. Sie wirken sonderbar gefühlskalt und desinteressiert. Denn obwohl sie genau wissen, was ihnen die Zukunft bringen wird, stellen sie dies an keiner Stelle des Buches infrage. Ihre Sexualität hat schon fast animalische Züge und obgleich des Todes anderer Spender verhalten sie sich beinahe gleichgültig. Die Charaktere wirkten auf mich schon fast dumm, weil sie keine eigene Meinung zu ihrem Leben und ihrem Schicksal hatten.
    Es gab einige Schlüsselstellen – etwa, die weinende „Madame“, die Kathy beobachtet, wie sie ihr Kissen in den Armen wiegend tanzt, oder die Fahrt nach Norfolk, wo sie sich auf die Suche nach Ruths „Möglicher“ begeben -, in denen das schriftstellerische Können Kazuo Ishiguros zu erkennen ist. Aber im Großen und Ganzen fehlte dem Roman ein Spannungsbogen, der mich an die Handlung fesseln konnte. Ich hatte bis zum Ende des Romans die Hoffnung, dass Kazuo Ishiguro den Roman auf die Metaebene hebt und Kathy etwas passiert, was ihr Denken grundlegend ändert. Leider vergebens. Aber vielleicht war das auch genau das, was der Autor beabsichtigt hatte.


    Der Roman „Alles, was wir geben mussten“ von Kazuo Ishiguro konnte mich leider nicht vollkommen überzeugen. Die Charaktere wirkten auf mich gefühlskalt und gleichgültig obgleich ihres schrecklichen Schicksals, dem sie als Klone entgegenblicken. Kazuo Ishiguro kratzt nur verhalten, kaum sichtbar an den wissenschaftlichen und moralischen Grundfragen der Gentechnik und verschwendet in meinen Augen das große Potenzial, das in der Thematik des Romans steckt.

    Weitere Rezensionen und Buchtipps von mir findest du auf wortkulisse.net.

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    nini_pagavor 3 Monaten
    Tief berührt

    Wow! Was für ein Buch. Ich habe es gebingeread, also in 2 Tagen durchgelesen. Immer, wenn ich nicht lesen konnte, habe ich nur an den Moment gedacht, an dem ich endlich weiterlesen kann. Dieses Buch hat mich bedrückt und traurig gemacht und gleichzeitig fasziniert, weil es einen so subtil-wahren Klang hat. DIe Protagonisten kennen ihr Schicksal von Kindheit an. Das hat etwas sehr erleichtendes, auch wenn es ein "schweres" Schicksal ist, denn sie werden nicht vor all die Entscheidungen gestellt, und können dann später eine "falsche" Entscheidung verantwortlich für ihr Unglück machen. Das habe ich schrecklicherweise beneidet. Andererseits kennen sie ihr Schicksal und tun nichts dagegen. Sie nehmen es hin. Es gibt zwar kleine Träumerein über ein anderes Leben, aber es wird nie auch nur angedacht, dem Vorgegenem wirklich zu entfliehen. Es gibt nur einen einzigen kleinen Versuch etwas daran zu ändern (als Kathy und Tommy Madame aufsuchen, zwecks der Bitte um Aufschub). Und auch bis sie diesen kleinen Schritt endlich gehen, brauchen sie sehr lange. Das Bedrückende daran für mich war, dass das ein Zustand ist, in welchem sich so viele Menschen befinden. Sich zufrieden geben mit dem unausweichlichen Schicksal, dass einem entgegen kommt. Das hat etwas trauriges, aber auch äußerst realistisches. Und ohne diesen "Stillhalte-Reflex", würde unsere Gesellschaft da überhaupt funktionieren?

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    reisendebuechers avatar
    reisendebuechervor 9 Monaten
    Sehr empfehlenswert!

    Na, da beginnt doch 2018 ganz gut. Insgesamt 4.5 Sterne. 
    Ich gebe zu, dass ich zu dem Buch griff, da ich wissen wollte, was sich hinter dem Literatur-Nobelpreisträger steckt und von diesem Buch hatte ich bisher am meisten gehört. Vor allem Ishiguros Schreibstil ist richtig gut und atmosphärisch. Es zieht einen in den Bann und doch ist es sehr subtil. Das finde ich sehr überzeugend und passt hervorragend zur Geschichte. Auch die Geschichte ist äußerst spannend, nein spannend ist das falsche Wort: einnehmend passt besser. Ohne große Action wird eine beengende Geschichte um Kath, Ruth und Tommy erzählt. Durch die Ich-Perspektive von Kath erfahren wir die Geschichte, aus ihren Erinnerungen heraus. Das macht es sehr authentisch, aber andererseits sind einige Szenen etwas willkürlich und aneinandergereiht aber nicht immer chronologisch erzählt. Für mich als Leser war dies nicht immer sinnvoll zum Folgen, jedoch ergibt es Sinn, da ja einem Erinnerungen auch nicht immer chronologisch kommen.
    Es hat mir wirklich gefallen und ich werde bestimmt noch einen Ishiguro lesen. Sehr empfehlenswert!

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    BrittaRoeders avatar
    BrittaRoedervor 9 Monaten
    Die Grausamkeit der Gleichgültigkeit

    Ich heiße Kathy ...“ So beginnt der britische Nobelpreisträger Ishiguro seinen in der Ich-Perspektive erzählten Roman ‚Alles was wir geben mussten‘. Da seine Protagonistin nur eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Zusammenhänge hat, wird der Leser zum Zeugen ihres mühsamen Versuchs das bisher Geschehene zu verstehen.

     

    Elternlos wächst Kathy mit anderen Kindern in einem internatsähnlichen Heim namens Hailsham auf. Die anfängliche Schul-Idylle trügt, denn schon recht früh wird die schockierende Wahrheit sichtbar: Alle Kinder in Hailsham sind Klone und wurden gezüchtet, um als junge Erwachsene der Gesellschaft als Organspender zur Verfügung zu stehen. Ihr Schicksal ist vorbestimmt, ihre Lebenserwartung sehr begrenzt. Bis zu vier Spenden verkraftet ein solcher Körper maximal, um dann nur noch so lange am Leben erhalten zu werden bis er völlig ausgeschlachtet ist.

    Doch was auf den Leser fast noch verstörender wirkt als diese unfassbar grausame Wahrheit, ist die Reaktion, die sie hervorruft.

    Es gibt keine!

    Niemand begehrt gegen das Unrechtssystem auf. Befremdend ruhig, stellenweise fast emotionslos, berichtet die junge Frau über ihre Bestimmung. Es gibt keinen Widerstand, keine Fluchtversuche seitens der Betroffenen noch ist eine Öffentlichkeit erkennbar, in der dieser Skandal zur Sprache kommt. Ishiguro zeigt uns eine Gesellschaft, in der jeder irgendwie Bescheid weiß, aber niemand handelt. Man nimmt hin, was eben so ist wie es ist. Der Gipfel der Entmenschlichung ist erreicht.

     

    Dass Ishiguro dabei ganz auf die eingeschränkte Ich-Perspektive eines Opfers setzt, lässt den Roman noch anrührender erscheinen. Die Hilflosigkeit, das Fehlen jeglicher Perspektive, all das gibt Kathy und ihren Leidensgenossen noch nicht einmal den Raum, um die Emotionen zu entwickeln, die angemessen wären. Sie sind Opfer im doppelten Sinne, da man sie nicht nur früh und unschuldig zum Tode verurteilt, sondern ihnen auch zu Lebzeiten keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben gewährt.

     

    Eigentlich ist ‚Alles was wir geben mussten‘ eine Dystopie, ein Zukunftsroman, in dem das Klonen von Menschen nicht nur Selbstverständlichkeit sondern auch traurige Zweckmäßigkeit geworden ist. Doch anders als genreüblich verwendet Ishiguro keine futuristischen Details. Technische Termini findet man ebenso wenig wie den klassischen Entwurf eines totalitären Systems. Für solchen Schnickschnack interessiert er sich nicht. Stattdessen zeichnet er das Bild einer westlichen Wohlstandsgesellschaft wie sie der unseren nicht ähnlicher sein könnte: hoher Lebensstandard, reibungsloser Alltag inklusive. Ein Spiegel, in dem alles genauso ist wie man es kennt. Man könnte den Ort der Handlung auch als eine Art parallele Realität bezeichnen. Oder sich der Frage stellen, ob diese „fiktive“ Zukunft nicht schon lange  Einzug gehalten hat.

    Kommentare: 5
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    Miri1135s avatar
    Miri1135vor 10 Monaten
    Ziemlich misslungenes Werk

    Ich hatte mir sehr viel von dem Buch erhofft, weil es an sich so eine unglaubliche Geschichte ist (und dann auch noch von einem Nobelpreisträger), aber dieses Buch ist ein einziges Schlafmittel.
    Ich habe die Hälfte gelesen und mich dann dazu entschlossen, dass der Rest wahrscheinlich auch nur Zeitverschwendung ist und mich einem anderen Buch gewidmet.
    Es geht die ganze Zeit nur um irgendwelche kindlichen/kindischen Probleme, die unsere eigenen Kinder wahrscheinlich auch haben und auf eine Art und Weise erzählt, die keine einzige Regung in einem hervorrufen.
    Auf den 167 Seiten, die ich gelesen habe, wurde ich nicht einmal berührt.
    Die Dinge, die mit der "Hauptgeschichte" zu tun haben sollen, wurden so langweilig und belanglos erzählt, dass sie völlig untergingen.
    Eine Aneinanderreihung von wirklich langweiligen Erinnerungen, im Marathon erzählt von einer Frau, zu der man keine Bindung in diesem Buch aufbauen kann.


    Das hätte eine wirklich schockierende und gefühlvolle Geschichte werden können, aber ganz bestimmt nicht so.

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    Hellomymedias avatar
    Hellomymediavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das Szenario ist großartig, die Figuren ebenfalls, der Roman regt zweifelsohne zum Nachdenken an, der Schreibstil hat mir nicht gefallen.
    Tiefgründiger Roman mit tollem Szenario, der jedoch durch den Schreibstil nicht ganz mitreißen kann!

    Das Buch hat mich schon eher gefesselt, als ich es angefangen habe zu lesen. Das liegt daran, dass ich Teilnehmer eines Philosophie-Enrichment-Kurses war, in welchem wir auch mehrere Filme nach Moral und Ethik und sonstigen philosophischen Werten analysiert haben. „Alles, was wir geben mussten“ war einer dieser Filme. Diesen Streifen habe ich jedoch nur zur Hälfte gesehen, welche mich aber sehr begeistern konnte, und als ich gesehen habe, dass im Heyne-Verlag eine Neuauflage zu diesem Buch erscheinen würde, habe ich mir natürlich ein Rezensionsexemplar gesichert, um endlich diese Geschichte zu Ende verfolgen zu können. Ob das Buch dem Film gerecht wird und wie es mich überzeugen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

    Was mich vollständig überzeugen kann – sowohl in Buch als auch Film, logischerweise – ist das packende und erschreckend realistische Szenario. Es wirkt jederzeit glaubhaft und man fragt sich tatsächlich die ganze Zeit, ob und wenn ja, wann die Menschheit diesen nächsten schrecklichen Schritt tun wird. Dabei wird das Szenario aus der Sicht der Probanden erzählt, die die Umstände nicht hinterfragen oder sich dagegen wehren, weil sie nach diesem Schema erzogen wurden. Dem muss man sich bewusst sein, denn eine Rebellion, wie es den heutigen Buchtrends entsprechen würde, findet hier in keiner Weise statt.

    Daher wirkt das Buch zwar kraftvoll, aber auch hoffnungs- und ausweglos. Hier hätte man die Hintergrundgedanken sämtlicher Figuren stärker beleuchten müssen. Das liegt an dem Schreibstil, der mir leider an der Romanvorlage nicht gefallen hat. Er wirkt sehr distanziert, auch indem er die Leser in Höflichkeitsrede ab und an direkt anspricht. Es ist, als würde in einer Metaebene über das Geschehen berichtet werden und man beobachtet alles von oben. Daher bekommt man keinen lebendigen Einblick in die Figuren, was meiner Meinung nach nötig gewesen wäre. Das hat mir am Film, der die Figuren nah und lebensecht darstellt, wesentlich besser gefallen.

    In diesem Buch ist die große Handlung die Entwicklung der Dreiecksbeziehung zwischen den Protagonisten Kathy, Ruth und Tommy, und natürlich erwartet man keine spannungsgeladenen und unvorhergesehenen Wendungen. Dies bekommt man auch nicht. Man bekommt eine Lebensgeschichte dreier Personen, deren Leben von bestimmten Umständen geprägt ist. Schade dabei ist, dass man sich nicht in die Figuren hineinversetzen kann, sondern auch beim nachträglichen Revuepassieren wie in der Vogelperspektive das Geschehen vor Augen hat. Manch ein Leser wird diesen distanzierten Schreibstil begrüßen, aber mich hat er hier sehr gestört. Dennoch lässt sich sagen, dass die Figuren mir im Laufe des Buches ans Herz gewachsen sind und sie eine unglaubliche, aber glaubhafte Charakterentwicklung durchmachen.


    „Alles, was wir geben mussten“ ist ein sehr nachdenklich stimmendes Buch mit einem großartigen Szenario und guten Figuren, das jedoch unter einem zu distanzierten Schreibstil zu leiden hat und dem Leser dadurch emotionale Verbundenheit mit den Protagonisten verwehrt bleibt, was ich sehr schade finde. Dennoch kann ich jedem, der sich nach dem Klappentext angesprochen fühlt, eine Leseempfehlung aussprechen. 

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    page394s avatar
    page394vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Meisterwerk, aber sicher Geschmackssache. Die Erzählweise ist sehr ruhig und ohne wirkliche Spannung, die aber auch gar nicht nötig ist.
    Ein Meisterwerk

    Wäre ich nicht so ein großer Fan von Keira Knightley und hätte mir aus allein diesem Grund den Film zu Alles, was wir geben mussten (der übrigens ebenfalls sehr gelungen ist) angesehen, wäre ich sicher nicht auf das Buch gestoßen, in diesem Sinne: Danke, Keira.

    Worum geht es? Im Großen und Ganzen dreht sich die Geschichte um Hailsham, ein Internat. Dort leben allerdings keine normalen Kinder, sondern Klone, die lediglich dazu dienen, im frühen Erwachsenenalter ihre Organe zu spenden und dann zu sterben. Unter ihnen sind auch Kathy, Ruth und Tommy. Die drei lernen sich in Hailsham kennen und verbringen ihr ganzes Leben mehr oder weniger miteinander.

    Das Buch besteht aus drei Teilen: 
    Teil 1 beschreibt die Kindheit und frühe Jugend der drei in Hailsham. Hier gibt es viel Internat-Flair, aber auch schon einige bedrückende Szenen. In Teil 2 leben sie in den Cottages, wo sie mit anderen Kollegiaten aus verschiedenen Heimen darauf warten, eine Ausbildung zum Betreuer für Spender zu machen oder eben selbst Spender zu werden. Und ebendies tritt in Teil 3 ein.

    Die Geschichte wird aus Kathys Sicht erzählt und arbeitet viel mit Rückblenden, was aber nie verwirrend wird. Viele haben bemängelt, dass das Buch keine Spannung aufweise. Ich würde sagen, das stimmt, allerdings ist es nicht schlimm. Das Erzähltempo ist sehr langsam, ruhig, immer mit einer gewissen unterschwelligen Traurigkeit und Melancholie. Kazuo Ishiguro schafft es dabei, die kleinen Situationen und Beobachtungen des Alltags und Soziallebens, die wir kaum bewusst wahrnehmen, in Worte zu fassen, sodass ich mir beim Lesen häufig dachte: "Ja, genau, so ist das. Unglaublich, das kenne ich auch und konnte es nie beschreiben."  Diese Momente haben Alles, was wir geben mussten für mich unter anderem so lesenswert gemacht. Ishiguro fasst die wichtigen Momente des Erwachsenwerdens so gut zusammen, scheut sich dabei auch nicht, Sexualität offen und vollkommen nüchtern zu betrachten. Es braucht keine Erzählmaus wie in der Grundschule, mit einem Buckel als Spannungshöhepunkt. Die Konflikte zwischen Kathy, Ruth und Tommy, die einem so vertraut und normal vorkommen und doch vor ganz anderen Hintergründen stattfinden als wir es gewohnt sind – nämlich denen der Organspende und des frühen Sterbens – reichen völlig aus. Jeder noch so unbedeutend erscheinende Nebencharakter hat einen so realistischen, niemals auch nur annähernd perfekten Charakter, dass man sie allein schon aus dem Grund mögen muss, dass sie auch die eigenen Lehrer oder Mitschüler sein könnten. Und auch, wenn Ruth mal wieder gemein ist, Kathy nicht sagt was sie sagen will oder Tommy sich irgendwie doof benimmt – ich mochte sie trotzdem immer alle drei, könnte niemandem böse sein. Umso trauriger ist es, dass sie sich immer wieder missverstehen, in Konflikte geraten, und doch ist es so menschlich. In diesem Buch wird jeder sich wiederfinden, auf die ein oder andere Weise.



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    dominonas avatar
    dominonavor einem Jahr
    Guter Grundgedanke, aber...

    Wie fühlt man sich, wenn man anders ist und weiß, was einen am Ende des Lebens erwartet? Das Ganze wirkt wie eine Internatsgeschichte, aber schon am Anfang weiß man, dass hier keine Hanni und Nanni Geschichte kommt. 
    Am Ende fand ich die Geschichte zu emotionslos erzählt. Da wäre eindeutig mehr drin gewesen und auch vieles wiederholt sich, sodass ich mich manchmal gelangweilt habe.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Apfelgruens avatar
    Anlässlich der Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Kazuo Ishiguro haben sich einige Interessierte zusammengefunden, um gemeinsam einen Roman von ihm zu lesen.

    Wir haben uns für "Alles, was wir geben mussten" entschieden.

    Klappentext:
    Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen.

    Die Leserunde beginnt am 5.11. und wir freuen uns über jeden, der mit uns liest!
    BrittaRoeders avatar
    Letzter Beitrag von  BrittaRoedervor 9 Monaten
    https://www.lovelybooks.de/autor/Kazuo-Ishiguro/Alles-was-wir-geben-mussten-60478303-w/rezension/1512927925/ Meine Rezension ist fertig. Obwohl die Lektüre jetzt einige Tage zurückliegt, wirkt das Buch noch immer bei mir nach - und gewinnt je länger ich darüber nachdenke. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
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    Bin gerade auf den Film "Alles, was wir geben mussten" aufmerksam geworden. Der Film basiert auf einem Buch von Kazuo Ishiguro. Es erscheint mir als eine düstere Gesellschaftsvision und ich hätte große Lust es vor dem Film zu lesen. Durch die alternative Gesellschaftsvision gibt es bestimmt jede Menge Diskussionsstoff und ich würde mich freuen, wenn möglichst viele mitlesen. Ich werde es als eBook in Englisch lesen. Deshalb werde ich die Diskussion nach Teilen und nicht nach Seiten unterteilen, damit möglichst viele mitmachen können. Die Leserunde startet, sobald sich fünf Teilnehmer finden. Perpsektivisch frühestens nächstes Wochenende (04.02.2012). Hier eine kurze Inhaltsangabe: Ein Speisesaal, ein Sportplatz und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so freundlich und engagiert sie auch sind, heißen hier »Wächter« und lassen die Kinder früh spüren, dass ihnen ein besonderes Schicksal auferlegt worden ist. Diese Gewissheit verbindet Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe – bis für zwei von ihnen das Ende naht. Ein anrührendes und ungewöhnlich spannendes Meisterwerk über Menschen, deren Leben auf beklemmende Weise vorherbestimmt ist. Kathy ist einunddreißig Jahre alt und arbeitet als Betreuerin. Wann immer sie durch England fährt und hinter Pappeln ein halb verborgenes Herrenhaus sieht, muss sie an Hailsham denken, das Internat, in dem sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Unwillkürlich steigen dann in ihr Erinnerungen an Tommy auf, der sich mit trotzigen Wutanfällen gegen die Ausgrenzung durch die Mitschüler wehrte, denen er nicht kreativ genug war. Seine geheimsten Ängste und Wünsche vertraute Tommy immer ihr, Kathy, an, aber eine Liebesbeziehung ging er zunächst mit ihrer besten Freundin ein, mit Ruth. Sie alle waren damals in Hailsham gut behütet, aber auch vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Die Lehrer erzählten den Kindern, dass sie später »spenden« oder »betreuen« würden, aber was sich hinter diesen Begriffen verbarg, verriet ihnen niemand. Im Unterricht fertigten die Schüler Bilder und Gedichte an, und zweimal im Jahr kam eine Respekt erheischende Dame und sammelte die besten davon für eine Galerie ein, die aber keiner der Schüler je zu Gesicht bekam. Tommy hatte den Verdacht, dass die Aufseher anhand dieser Artefakte entscheiden wollten, ob zwei Menschen wirklich zueinander passten. Denn nur wirkliche Liebespaare, so hieß es in Hailsham, konnten noch einen Aufschub erhalten, bevor sie »Spender« wurden.
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    Letzter Beitrag von  Lilasanvor 7 Jahren
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