Was vom Tage übrig blieb

von Kazuo Ishiguro 
4,1 Sterne bei177 Bewertungen
Was vom Tage übrig blieb
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Positiv (141):
KaterinaFrancescas avatar

Die tragische Liebesgeschichte zweier Bediensteter und die fatale Blindheit der Loyalität.

Kritisch (10):
kerstin71s avatar

Ein gealterter Buttler blickt zurück auf sein Leben. An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen, zum Teil sehr langatmig.

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Inhaltsangabe zu "Was vom Tage übrig blieb"

Der erfolgreichste Roman des Literaturnobelpreisträgers in edler Leinenausstattung

Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person: Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er brüsk zurück. Viele Jahre lang lebt ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt. Das kritische Portrait einer von Klasse und Hierarchien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte, erzählt von einem, der seinen Stand nie hinterfragt und der nie auch nur geahnt hat, dass er liebte.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783896676405
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:Blessing
Erscheinungsdatum:05.03.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 18.12.2017 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    KaterinaFrancescas avatar
    KaterinaFrancescavor einem Monat
    Kurzmeinung: Die tragische Liebesgeschichte zweier Bediensteter und die fatale Blindheit der Loyalität.
    Blinde Loyalität und die Kunst der Selbsttäuschung

    Jahrzehntelang dient Stevens schon als Butler auf Darlington Hall. Seit dem Tod seines Dienstherrn Lord Darlington steht er im Dienst dessen Nachfolgers Mr. Farraday, einem Amerikaner. Als Mr. Farraday ihm vorschlägt, Urlaub zu machen und ihm auch seinen Wagen anbietet, nimmt Stevens das Angebot an. Was folgt ist eine Stevens Reise durch England, um im Cornwall die ehemalige Miss Kenton, frühere Haushälterin von Darlington Hall, zu besuchen und ihr die vakante Stelle anzubieten. Seine Fahrt wird eine Reise zu sich selbst, in der Stevens in  Erinnerungen versinkt und vergangene Überzeugungen infrage gestellt sowie verpasst Chancen erkannt werden.
    Was vom Tage übrig blieb ist eine tragische Geschichte, die mit dem Butler Stevens zeigt, wie fatal sich unbedingte Loyalität auswirken kann. Stevens Selbstbild und seine Überzeugung, dass es die Würde ist, die einen großen Butler ausmacht, wird in seinen Überzeugungen erschüttert, als sich herauskristallisiert, dass Lord Darlington ein Sympathisant der Nazis war. Im Vertrauen auf Lord Darlingtons Integrität und dessen guten Absichten hinter seinen außenpolitschen Interventionen, opfert Stevens sein persönliches Glück, eigentlich sein ganzes Leben, dem Dienst für seinen Herrn. Dabei verdrängt er mit aller Kraft die Hinweise auf Lord Darlingtons Vergehen, die inzwischen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Während seiner gesamten Dienstzeit hat er die Rolle des Butlers nie abgestreift, sogar an jenem Abend weiter bediente, an dem sein eigener Vater in den Mansarden im Sterben lag. Da der Roman aus Stevens' Perspektive geschrieben ist, fällt es auch dem Leser schwer, Lord Darlingtons Schuld anzuerkennen, doch die Brüche und Risse in Stevens' Erinnerungen sind am Ende zu stark, um Stevens Selbtstäuschung zu erliegen.

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    dominonas avatar
    dominonavor 2 Monaten
    Ein Buch wie eine Teezeremonie

    Wer einfach nur eine Geschichte will und mit einem besonderen Schreibstil nichts anfangen kann, greift hier eventuell zum falschen Buch. Ich habe oft die Übersetzung bewundert und für meine Verhältnisse lange gebraucht, weil ich das Buch genossen habe.

    Die Art und Weise der Hauptfigur kann man zurecht als würdevoll bezeichnen und man schmunzelt über ihn und bedauert seine Art manchmal. Für mich war dieses Buch ein Jahreshighlight.

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    B
    Bookishvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Fast keine Handlung, keine tiefgreifenden philosophischen Einsichten - dieses Buch überzeugt mich nicht
    Gesellschaftskritisches "Kammerspiel" in Buchform über ein ungelebtes Leben

    Kazu Ishiguros Roman "Was vom Tage übrigblieb" handelt von den Innenansichten des Butlers Stevens, der in dem herrschaftlichen englischen Anwesen Darlington Hall angestellt ist.

    Der gesamte Roman wird aus der Ich-Perspektive des Butlers erzählt und weist praktisch keine nennenswerte Handlung auf. Die einzige vorgebene Rahmenhandlung ist die Fahrt des Butlers durch England. Diese ist allerdings nicht funktional für die Geschichte, sondern scheint mir eher Stilelement zu sein.

    288 Seiten werden letztlich mit Stevens ziemlich unemotionalen Ansichten und Gefühlen gefüllt. Er erklärt, was einen sehr guten Butler ausmacht ("Würde"), was Würde im Butler'schen Sinne genau heißt, was für verschiedene Sorten von Butlern es gibt und welche mehr oder weniger erfolgreich sind und warum, wie sich ein Butler gegenüber seinen Herrschaften und dem ihm untergeordneten Personal (z. B. Haushälterin) zu verhalten hat usw.
    An dieser Stelle kommt dann auch die vermeintliche "Liebesgeschichte" ins Spiel, die man wirklich nur schwer als solche bezeichnen kann. Die Haushälterin Ms Benn ist nämlich in Stevens verliebt. Allerdings ist sie nicht in der Lage, ihm das zu sagen, sondern zeigt es - aus Butler'scher Perspektive - mit Grenzüberschreitungen (sie stellt Blumen in seine Räume). Aufgrund von Stevens Unemotionalität kann man nie sicher sagen, dass auch er in sie verliebt ist. Er selbst deutet es in den geschilderten Innenansichten allenfalls sehr, sehr zart an.

    Das, was Stevens als "Würde" definiert, ist letztlich nichts anderes als maximaler Gehorsam und maximale Selbstverleugnung. Butlersein ist nicht einfach ein Job, sondern die Person ist der Butler. Das Butlersein kann man also nicht einfach an- oder ablegen wie man will, nein, der Butler ist niemals etwas anderes als ein Butler. Ihm ist weder ein eigenes Leben noch eine eigene Persönlichkeit oder Meinung gestattet. Er lebt für und durch seine Herrschaft. Aufgrund der Tatsache, dass er selbst kein eigenes Leben führen darf, identifiziert er sich natürlich stärker mit dem seiner Herrschaft. Das, was der Herrschaft passiert, passiert auch ihm. Es ist eine kranke, fast schon symbiotische Beziehung.

    Stevens jedoch ist und bleibt stets das angepasste Chamäleon. Auch als sein Vater stirbt, beweist er "Würde". Er besucht ihn nur einmal, als dieser im Sterben liegt und bedient dann die Herrschaften weiter wie wenn nichts wäre. Die persönliche Seite des Butlers darf nicht durchdringen und dass er diese Sorte von "Würde" (Selbstverleugnung) besitzt, beweist er (sich und anderen) in solchen Momenten. Sein Vater ist in diesem Moment selbst recht emotional und will auf ihn bezüglich seines ungelebten Lebens einwirken, das der Vater selbst bereits hinter sich hat und bereut.
    Das ist allerdings ein Aspekt, der fast schon unglaubwürdig ist. Wie kann ein Butler überhaupt Kinder haben? Sicher, Stevens' Vater ist kein first-class Butler wie er, aber auch sein Vater hat ja seine Gefühle und sein Leben verleugnet.
    Wie auch immer, Stevens arbeitet scheinbar gefühllos wie ein Roboter einfach immer weiter, bereit, auf die kleinsten Anzeichen seines Herrn zu reagieren. Eiskalt reagiert Stevens auch, als Mr. Darlington aufgrund seiner Nähe zu Nazi-Deutschland und zu britischen Nazis die zwei jüdischen Hausmädchen entlassen will und dann auch tatsächlich entlässt. Stevens als Vorgesetzter ist für diese Entlassungen verantwortlich und zuckt dabei nicht mal mit der Wimper. Was die Herrschaft will, wird umgesetzt. Es gibt kein Hinterfragen, denn das steht einem Butler nicht zu.

    Seine Fahrt durch England, zu der ihn seiner neuer, US-amerikanischer Herr namens Farraday fast schon drängen muss und die sich Stevens mit dem Aufsuchen von der inzwischen Jahren verheirateten Miss Benn (Miss Kenton) als mögliche Lösung von Personalproblemen begründet, verläuft ebenfalls unspektakulär. Miss Benn rückt dann endlich mal damit raus, was Sache ist und Mr Stevens auch, allerdings bleibt dann alles wie es ist. Ein anderes Ende wäre für eine Figur wie Stevens auch extrem unwahrscheinlich gewesen.

    Der Roman ist interessant für alle, die sich für die Innenansichten eines Butlers interessieren und die sich für England und seine Spleens interessieren (wovon das Butlerwesen sicherlich ein sehr brutaler Spleen ist). Dennoch, und das ist der Grund, warum es nur zwei Sterne gibt, hätte der Autor dieses Buch locker auf die Hälfte eindampfen können, ohne dass inhaltlich etwas verloren gegangen wäre. Zweifelsohne ist das Werk beeindruckend in der Hinsicht, dass der Autor das traurige Leben eines Butlers konsequent festhält und durchhält, dennoch hätte ich hier deutlich mehr erwartet.

    Ein Buch dieser Sorte kann auch ohne Handlung auskommen - wenn es tiefgreifende biographisch-philosophische Einsichten bietet. Das ist bei "Was vom Tage übrigblieb" aber leider nicht der Fall. Letztlich hat das Buch einen stark beschreibenden Charakter (Vgl. Fontanes "Effi Briest", nur dass selbst das noch spannender zu lesen ist), wahrscheinlich, weil der Leser sich selbst seine Meinung bilden soll. Das ist auch in Ordnung, ich denke aber, dass man das auch mit weniger Seiten und mit mehr biographisch-philosophischem Input hinbekommen hätte. Die Thematik selbst hätte man auch nicht minder gesellschaftskritisch in einem Sachbuch behandeln können, dafür hätte der Autor aber stringenter vorgehen müssen - und ich denke, dass genau das auch ein Problem des Autors ist: Stringenz. Daher auch die weitschweifigen Erklärungen, das ziellos wirkende Herumfahren Stevens' etc.

    Unglücklicherweise verfestigt das Buch auch das Klischee, dass anspruchsvolle Literatur oft sehr langweilig zu lesen ist. In einigen Fällen stimmt das sicher, aber längst nicht in allen. Leider gehört dieses Buch zu ersteren Sorte.

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    Perles avatar
    Perlevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein sehr bewundernswerter Autor und sein Schreibstil ist einfach hervorragend und was einmaliges.
    Kazuo Ishiguro - Was vom Tage übrigblieb

    Klappentext:


    Seit mehr als dreißig Jahren dienst Stevens als Butler auf Darlington Hall. Er wacht darüber, daß das Silber stets geputzt und der Portwein richtig temperiert ist, und niemals würde er ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Doch seine Geschichte offenbart mehr, als er erkennt, und so bemerkt der Leser, was dem Butler selbst nicht klar wird: Hier kämpft ein alternder Mann um seine Lebenslüge.

    "Was vom Tage übrigblieb" ist ein formvollendeter gesellschaftskritischer Roman, erzählt von einem gesellschaftskritischer Roman, erzählt von einem, der sich eine solche Kritik nie erlauben würde, und eine wunderschöne, traurige Liebesgeschichte, erzählt von einem, der nie auch nur ahnte, daß er liebte.


    Zum Autor:

    Kazuo Ishiguro, geboren 1954 in Nagasaki, kam im Alter von sechs Jahren nach England. "Seine Romane gehören zum Eindrucksvollsten der neuen englischen Literatur." ("Die Zeit") - Bei rororo erschien außerdem: "Die Ungetrösteten" (rororo 22279).


    Eigene Meinung:

    Habe dieses Buch vor knapp 25 Tagen begonnen und war sofort begeistert. Es war so herrlich zu lesen - man konnte sich angenehm wohl dabei fühlen. Hatte die ersten Seiten schnell durch und hätte es gerne schneller beendet, aber das derzeitige drückende Wetter seit über anderthalb Monate machten mir sehr zu schaffen, deshalb kam ich dann nur alle paar Tage paar Seiten weiter. Trotzdem blieb der gute Leseeindruck weiter bestehen. Habe es mir sogar für das letzte Wochenende ausgeliehen, um es in der Wohnung auszulesen, da wir es am vergangenen Montag im Literaturkreis gemeinsam besprachen. Alle anderen waren auch von dem Buch (Roman) und dem Autor begeistert. So  was super tolles habe ich selten gelesen. Wäre auch an dem ein oder anderen Buch von ihm noch interessiert, in der Stadtbücherei haben sie noch ein weiteres von ihm, welches etwas dickwälziger ist. Bei passender Gelegenheit werde ich das auch bestimmt tun! Und werde auch versuchen "Die Ungetrösteten" von ihm zu bekommen.

    Ein sehr bewundernswerter Autor und sein Schreibstil ist einfach hervorragend und was einmaliges.


    Ich kann und werde es auf jeden Fall weiterempfehlen,

    wer solche Bücher liest, der tut bei diesem Buch in der Erzählform sich was ganz Gutes und wird mir sicher recht geben. Warum sollte ich da lügen oder euch was vormachen!


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    Yolandes avatar
    Yolandevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Literarisch sicherlich wertvoll, für den Leser auf die Dauer leider langweilig :/
    Ereignislos

    Kazuo Ishiguro wurde am 8. November 1954 in Nagasaki, Japan geboren. Im Alter von 5 Jahren zog er mit seiner Familie nach  Großbritannien und wuchs in Surrey auf. Er studierte Englisch und Philosophie und besuchte anschließend einen Studiengang für Kreatives Schreiben an der University of East Anglia in Norwich, wo er 1980 seinen Master in Literatur erwarb. Bereits während dieser Zeit schrieb Ishiguro erste Kurzgeschichten, die allesamt veröffentlicht wurden. Für seinen Roman The Remains of the Day (Was vom Tage übrig blieb) erhielt er 1989 den Booker Preis. Im Jahr 2017 erhielt Kazuo Ishiguro den Nobelpreis für Literatur. Er lebt heute mit seiner Familie in London.


    Inhalt (Klappentext):
    Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person. Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er zurück. Viele Jahre lebt Stevens ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt und er zum ersten Mal ausbricht aus seiner Welt...

    Zu Beginn des Buches war ich sehr angetan. Der Schreibstil von Ishiguro ist flüssig und gut zu lesen und seine Sprache ist wunderschön. Besonders gefiel mir der subtile Humor, der in den Erzählungen des Butlers Stevens mitschwang. Leider blieb die Geschichte durchweg ziemlich ereignislos. Da das Buch in der Ich-Form aus der Sicht des sehr beherrschten und emotionslosen Butlers geschrieben ist, war das literarisch sicherlich richtig, aber für den Leser wurde es leider langweilig. So erlebt man eine Woche im Leben dieses Mannes, während er seine Vergangenheit reflektiert, aber dadurch dass er seine Gefühle überhaupt nicht zulassen kann, wird auch nichts für den Leser transportiert. 

    Fazit: Literarisch gesehen ist dieses Buch sicherlich ein Meisterwerk, für den Leser ist es auf die Dauer leider langweilig. Naja, jetzt habe ich wenigstens auch ein Buch vom aktuellen Nobelpreisträger gelesen.


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    Hortensia13s avatar
    Hortensia13vor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Einblick ins Butlerdasein, keine seichte Literatur
    Butler sein oder nicht sein

    Mr. Stevens lebt seine Berufung Butler zu sein. In Darlington Hall sorgt er für einen reibungslosen Ablauf im Haushalt. Als sein Dienstherr Lord Darlington verstirbt, übernimmt ein Amerikaner das Anwesen und das Personal. Mr. Stevens versucht nun seinen Weg in den neuen Begebenheiten zu finden. Dabei kommt ein Brief der ehemaligen Haushälterin Ms. Kenton gerade recht. Verbunden mit einer Autoreise möchte er sie besuchen und sie wieder überzeugen zurückzukehren. Während der Fahrt sinniert Mr. Stevens über die Vergangenheit und sein Butlerdasein nach. Und fragt sich: Was blieb vom Tage übrig?

    Dieser Roman des britischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Kazuo Ishiguro wurde im Jahre 1989 veröffentlicht. 2015 wurde das Buch zu einem der bedeutendsten britischen Romane gewählt. Und britisch ist es wirklich. Es strahlt eine ruhige und fast kühle Atmosphäre aus. Die Sprache ist mir erhaben und beinahe vornehm erschienen. Dabei ist es nicht einfach den vielen Nebensätzen zu folgen. Am besten beschreibt man die Geschichte sinnbildlich wie folgt: Geplauder eines alten Opas im Alterheim, der über sein Leben philosophiert. So schweift der Erzähler immer wieder ab. Erzählt mal dies, mal jenes, um wieder den Faden aufzunehmen.

    Grundsätzlich ein interessanter Einblick ins Butlerdasein in der Zwanziger- und Dreissigerjahren. Ich würde es aber eher als Hörbuch empfehlen.

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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Es ist keine spannende Geschichte, aber sie wurde in beachtenswertem Schreibstil verfasst - poetisch und sicherlich gewöhnungsbedürftig
    Poetisches Philosophieren über die Würde und das Leben eines englischen Butlers

    Mister Stevens ist ein englischer Butler der alten Schule. Sein Arbeitsleben wird auf den Kopf gestellt, als das Herrenhaus Darlington Hall von einem Amerikaner gekauft wird. Dieser bewegt Stevens schließlich dazu, seine Butlertätigkeit mal für einige Tage zu unterbrechen und eine Reise durch England zu unternehmen - zum ersten Mal im Leben. Stevens weiß nicht so recht, wohin mit sich und der freien Zeit und beschließt, dem Urlaub letztlich doch ein dienstliches Ziel zu geben. Er möchte die ehemalige Hausdame Miss Kenton (die er trotz ihrer Heirat weiterhin so nennt) in Cornwall besuchen und ihr die alte Stelle wieder anbieten, da ihre Briefe aus seiner Sicht Andeutungen zu einer gescheiterten Ehe enthalten.


    Ich brauchte einige Dutzend Seiten, um mich in den sprachlichen Stil einzufinden. Das Buch wird aus Stevens Ich-Perspektive hauptsächlich als eine Art innerer Monolog erzählt. Während seiner Fahrt durch England sinniert er über die letzten Jahrzehnte und den Dienst bei Lord Darlington nach. Die Sprache ist Stevens beruflicher Position und seiner Zeit angepasst (die hauptsächlichen Erinnerungen werden aus der Zeit der beiden Weltkriege erzählt). Besonders an die stark verschachtelten Sätze musste ich mich eine Weile gewöhnen. Die Beschreibungen sind zum Teil sehr detailverliebt.  Im Mittelpunkt steht die Frage, was einen "großen Butler" ausmacht und was die Würde des Berufes bedeutet.  Diese Themen werden immer wieder aufgegriffen, wodurch sich die Geschichte an manchen Stellen in die Länge zog. 
    Stevens Erinnerungen sind verwässert durch seine völlige Hingabe zu Lord Darlington und dem Selbstverbot zur Kritik an seinem ehemaligen Hausherren. Hier entstehen viele Interpretationsspielräume und ich gewann den Eindruck, dass Stevens viele Dinge nicht objektiv wahrgenommen hat bzw. dies auch retrospektiv nicht möchte. Schon allein, weil aus seiner Sicht einen "großen" Butler der Dienst an einem respektablen Herrn mit politischem Einfluss ausmacht. Jegliche Herabwürdigung Lord Darlingtons würde damit auch seine Selbstaufgabe in dessen Dienst in einem anderen Licht erscheinen lassen. 
    Dann ist da noch Miss Kenton - der Klappentext spricht von einer Liebesgeschichte. Wenn überhaupt, dann hat diese nur zaghaft und einseitig stattgefunden. In den Szenen zwischen den beiden kann man sich eine Zuneigung gut vorstellen, nur dass Stevens sich diese aus Pflichtbewusstsein niemals eingestehen könnte. Auch in seinen Erinnerungen kommt er nie zu dem Schluss, romantische Gefühle für Miss Kenton gehegt haben zu können oder eine Chance verpasst zu haben. Bei Miss Kenton hat man schon eher das Gefühl, dass sie auf ein Zeichen von ihm wartet. Auch dies wird dem Leser aber insgesamt zur Interpretation überlassen. Wie die beiden sich am Ende begegnen und ob Miss Kenton sein Stellenangebot annimmt, möchte ich hier nicht verraten.

    Fazit:
    Entgegen des Klappentextes würde ich dieses Buch nicht in erster Linie als Liebesgeschichte bezeichnen. Vielmehr ist es ein Lebensresümee eines englischen Butlers, der gelernt hat, professionell zu sein und seine Gefühle niemals zu zeigen.  Die poetische, aber durch verschachtelte Sätze sehr komplizierte Ausdrucksweise habe ich als authentisch und gleichzeitig mühsam empfunden. Ich brauchte einige Zeit, um mich hineinzufinden. Die Geschichte lebt eher von den Interpretationen, die sie dem Leser überlässt, als von der Erzählung an sich. Dadurch entstehen immer wieder Längen, die mich nicht gerade zum Weiterlesen animierten. Ich habe relativ lange gebraucht, um dieses eigentlich nicht umfangreiche Buch zu beenden. 
    Ich vergebe 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde.

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    tinstamps avatar
    tinstampvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein sehr ruhiger, aber eindringlicher Roman über ein Leben der absoluten Hingabe an den Beruf und der Loyalität gegenüber seinen Hausherren.
    Ein excellenter Butler

    Bewertung: 3 1/2 Sterne

    Kazuo Ishiguro wurde 2017 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Somit war es endlich an der Zeit auch einmal ein Buch des Autors zu lesen. Mit "Was vom Tage übrig blieb" habe ich bereits vor Wochen meinen ersten Ishigura gelesen. Nun habe ich auch meine Rezension fertig...

    Die Roman erzählt die Geschichte des Butlers Stevens in einem englischen Adelhaus. Der Leser begleitet Mister Stevens auf seiner mehrtägigen Reise durch Südengland. Er ist auf dem Weg zur ehemaligen Hausdame Miss Kenton. Der neue Besitzer von Darlington Hall, der Amerikaner Mister Farraday, legt zwar nicht mehr so viel Wert auf gesellschaftliche Anlässe und Festivitäten wie sein Vorgänger, jedoch mangelt es an einer richtigen Hausdame. Für Mister Stevens gibt es keine Alternative zu Miss Kenton, die er gerne nach Darlington Hall zurückholen möchte.
    Wir begleiten Mister Stevens, dessen Vornamen der Leser nie erfährt, auf seinem Weg zu seiner ehemaligen Kollegin, die er sehr geschätzt hat und für die er auch einige Gefühle hegte. Auf der langen Autofahrt begegnen wir interessanten und vielschichtigen Personen. In Rückblenden finden wir mehr über seine Vergangenheit und seinen Arbeitsalltag als Butler, sowie über die Unterschiede zu seinem alten Hausherren Lord Darringotn gegenüber Mister Farraday heraus. Die straffen Benimmregeln und wie ein richtig guter Butler zu arbeiten hat, sind Mister Stevens sehr wichtig. Auch sein Vater war bereits Butler bei Lord Darrington und hat ihm gelehrt, dass Pflichterfüllung und Traditionen das Wichtigste im Leben sind.

    Stevens lebt für seinen Beruf und der Loyalität seinem Lord gegenüber, der viele Gesellschaften gab und politisch sehr interessiert war. Es erfüllt ihn mit Stolz, dass er einige wichtige Politiker auf Darlington Hall empfangen und bedienen durfte. Deutsche und Engländer geben sich genauso die Türklinke in die Hand, wie auch Amerikaner. Stevens ordnet sein Leben völlig seinem "Butler sein" unter, wie er es von seinem Vater gelernt hat. Persönliche Befindlichkeiten und Gefühle spielen dabei keine Rolle. Besonders schmerzlich empfand ich die Sterbeszene mit Stevens Vater, der noch auf Darlington Hall lebt und bis zum Ende nicht einsehen will, dass er seine Aufgaben nicht mehr vollwertig erfüllen kann. So viel Gefühlskälte, wie der Vater seinen Sohn auf dem Sterbebett vermittelt, ist sogar beim Lesen erschreckend. Das ganze Leben machte für Stevens und seinem Vater nur Sinn, wenn man sich wie ein perfekter Butler verhält. Das eigene Leben, die Liebe oder Gefühle werden vollkommen ignoriert. Selbstaufgabe und Verzicht bestimmen seinen Alltag. Doch die Zeiten ändern sich. Mit Wehmut blickt Stevens deswegen auf die Zeit mit seinem alten Dienstherren zurück, denn der Amerikaner, der nun sein neuer Chef ist, vertritt auch den Wandel der Zeit. Butler zu sein erscheint nicht mehr zeitgemäß und Stevens fühlt sich "aus der Zeit gefallen"... Man fragt sich als Leser, was das Leben ausmacht und ob die völlige Aufgabe für seine Arbeit sinnvoll ist.

    Der sehr ruhige Roman hat mich in eine längst vergangene Zeit in England versetzt. Er spiegelt die englische Kultur wider und entführt uns in die Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der einfühlsamen Erzählung gab es für mich einige Längen, die mich das Buch hin und wieder zur Seite legen ließen.

    Schreibstil:
    Der Schreibstil ist sehr poetisch, der erahnen lässt, warum der Autor den Literaturnobelpreis erhalten hat. Es gibt lange verschachtelte Sätze und einige Szenen sind sehr ausschweifend und detailverliebt. Die Einblicke in Stevens Denken und Handeln werden sehr eindrucksvoll erzählt.

    Fazit:
    Ein sehr ruhiger, aber eindringlicher Roman über ein Leben der absoluten Hingabe an den Beruf und der Loyalität gegenüber seinen Hausherren. Für mich trotz der wunderschönen poetischen und detailverliebten Sprache etwas zu langatmig.

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    Literatur-Universums avatar
    Literatur-Universumvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Literaturnobelpreis 2017
    Reflexion eines Lebens

    Wie beginnt man eine Reise, wenn man nie gelernt hat zu reisen? Mit Tipps? Mit einer Reisebegleitung? Der 56-Jährige Stevens versucht es mit einem Buch. Sein neuer Dienstherr Farraday legt ihm ans Herz endlich einmal zu verreisen. Dazu überlässt er ihm sein Auto und übernimmt die Benzinkosten. Für den Butler ist es jedoch eine Reise in seine Vergangenheit. So weit er auch kommt, schwelgt er immer wieder in Erinnerungen an früher. Wer war er? Und was machte ihn als Butler aus? Was ist überhaupt ein perfekter Butler? Zudem berichtet er immer wieder über die Zeit bei seinem alten Dienstherren Darlington, der eine große Persönlichkeit war und viel Einfluss im 2. Weltkrieg hatte.

    Kazuo Ishiguro hat 2017 den Nobelpreis erhalten. Den meistdotierten und bedeutendsten Buchpreis weltweit. Mag sein, dass er mit diesem Buch nicht die größte Geschichte erzählt hat. Er hat aber unter Beweis gestellt, dass man mit einer guten Sprache und Schreibfertigkeit nicht den Stoff einer großen Geschichte benötigt, um einen Leser zu fesseln.

    Die Bildhaftigkeit in der Sprache und die filigrane Beschreibung der Figuren sind so speziell angefertigt worden, dass man sich jede Figur hautnah vorstellen kann. Man gewinnt eine Nähe zu der Geschichte, weil die Sprache und Artikulation der Figuren zu einer wahrhaftigen Melodie werden. Der Ich-Erzähler ist ein Butler in jeder Faser seines Körpers. Man merkt ihm an, wie wichtig ihm seine Arbeit, und alles was sich um seine Arbeit spielt, ist. Jedes Detail, welches aus der Norm springt, interessiert ihn nicht, weil er seinen Blick nur auf das Wesentliche fokussiert. Selten hat man so eine Hingabe für einen Job in der Literatur zu lesen bekommen. Ein raffinierter Schachzug, der ideenlosen Gesellschaft von heute zu zeigen, was in der alltäglichen Arbeitswelt tatsächlich von Bedeutung ist.

    Durch die Erzählung des Ich-Erzählers, der auch erwähnt, dass gewisse Dinge auch anders abgelaufen sein könnten, sie lange zurückliegen und seine Erinnerungen ihn auch täuschen könnten, gewinnt man viel Sympathie zu der starken Persönlichkeit des Erzählers. Außerdem erhält der Leser einen Blick auf eine Liebesgeschichte des Ich-Erzählers, die der Erzähler selbst nie begriffen hat. Diese Raffinesse in der Erzählung zeichnet den großen Meister Ishiguro aus.

    Was auf der Strecke bleibt, ist das Reiseerlebnis. Die Figur ist so sehr von der Vergangenheit ergriffen und gefesselt, dass sie die Dinge, die sich vor ihren Augen bilden und eröffnen nur vage und peripher wahrnimmt. Hier wäre eine Beschäftigung mit der Gegenwart interessant gewesen. Jedoch lässt diese Lücke im Text keinen allzu großen Raum für eine Diskussion, dass der vorliegende Roman ein wahres Meisterstück ist.

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    LaCivettas avatar
    LaCivettavor 8 Monaten
    Schöne Sprache

    Der Butler Stevens begibt sich, nachdem er jahrzehntelang in einem Herrenhaus gedient und dabei sein eigenes Leben komplett zurückgestellt hat, erstmals auf eine Reise durch England. Diese Reise wird zu einem Rückblick auf sein bisheriges Leben und regt Stevens viel zum Nachdenken an, so wird es auch eine Reise zu sich selbst.

    Sprachlich sehr schön geschrieben, gibt der Autor dem Leser einen tiefen Einblick in die Welt seines Protagonisten.
    Es ist ein Buch der eher leisen Töne, aber dennoch lebendig , atmosphärisch, eindrucksvoll und tiefgreifend.
    Die Geschichte stimmt mich nachdenklich und lässt mich auch nach Beendigung des Buches nicht mehr so schnell los.

    Es war mein erstes Buch von Kazuo Ishiguro und sein Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Ich werde auf jeden Fall noch weitere Bücher von ihm lesen!

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