Keating

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Rezension zu "Crime and Mystery: The 100 Best Books: The Best 100 Books" von Keating

Die 100 besten Kriminalromane der Welt.
TheRavenkingvor 3 Jahren

Der Krimiautor H. R. F. Keating präsentiert seine eigene Auswahl der 100 wichtigsten Kriminalromane.

In seinem Vorwort geht Keating kurz auf die Auswahlkriterien ein. Er konzentriert sich hier auf pure Krimis, was Thriller, Spionagegeschichten und Horrorromane und damit Autoren wie Stephen King, Daphne Du Maurier oder John Le Carré ausschließt. Außerdem lässt er Bücher, in denen Verbrechen zwar eine zentrale Rolle spielt, die sich aber mehr mit den psychologischen Auswirkungen der Tat auseinandersetzen außen vor. Als Beispiel erwähnt Keating hier Dostojewskijs Verbrechen und Strafe. Er bezeichnet solche Bücher als „proper literature“. Diese Unterscheidung ist mehr als problematisch. Was genau ist denn nun richtige Literatur? Stehen Kriminalromane zwangsläufig auf einer niedrigeren literarischen Stufe? Müssen sie unbedingt schlechter geschrieben sein und weniger Wert auf Charakterentwicklung oder intellektuelle Tiefe legen? Viele werden ihm hier wohl widersprechen, schließlich verletzt Keating selbst diese Regeln im Laufe des Buches mehrfach. Wie kommt es z. B., dass er Dickens aufnimmt, der ja ein hochgeschätzter Klassiker ist und in seinen Büchern keineswegs nur vordergründigen Thrill im Sinn hatte?

Es ist ein sehr kurzes Buch. Die Liste ist chronologisch geordnet. Sie beginnt mit E. A. Poe und endet mit P. D. James. Es finden sich hier nicht nur Romane, sondern auch Sammlungen von Kurzgeschichten. Keating bespricht jeden Beitrag auf gerade mal zwei Seiten. Das reicht für eine kurze Inhaltsangabe, Informationen über den Autor und Rezeption und Bedeutung des Werkes, schließt aber eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Text logischerweise aus.

Ich könnte jetzt all die Bücher und Autoren aufzählen, die ich hier vermisst habe. Aber wie bei den meisten Büchern dieser Art ist es besser man erfreut sich an dem, was vorhanden ist anstatt zu bemängeln was fehlt. Eine perfekte Liste gibt es nicht. Selbst wenn wir sie selbst erstellen würden, wären wir uns bei manchen Büchern wohl nicht sicher, ob wir sie aufnehmen sollen oder nicht. Eine solche Kompilation ist immer ein Kompromiss. Keating weiß dies aber durchaus, beim Autor Nicholas Freeling schreibt er sogar, dass er dessen Romane gar nicht besonders mag, aber dennoch der Meinung ist, dass Freeling einen Platz auf der Liste verdient.

Ich schätze Keating bietet einen guten Überblick über die Detektivliteratur von den Anfängen bis in die 1980-er Jahre. Sofern man sich mit der sehr anglozentrischen Ausrichtung anfreunden kann. Es finden sich hier ausschließlich zwei nicht-englischsprachige Autoren, Georges Simenon ist gleich dreimal vertreten, während die Altskandinavier Sjöwall und Wahlöö mit einem Buch dabei sind.

Das ist ein einfach zu lesendes, trotz des geringen Umfangs informatives Buch. Keating schreibt unterhaltsam und legt anschaulich dar, was das Besondere an den ausgewählten Büchern ist. Aber nur selten hatte ich das Gefühl das jeweilige Buch unbedingt lesen zu müssen. Diese mitreißende Begeisterung, die einen wirklich guten Rezensenten auszeichnet, fehlt Keating.

Ich habe 32 der hier vorgestellten Bücher gelesen, einige der restlichen stehen bei mir zu Hause im Regal und ich habe auch ein paar gefunden, die mein Interesse geweckt haben, aber etwa die Hälfte der Werke gehört für mich in die Kategorie: uninteressant bzw. nicht mein Geschmack, und diese werde ich wohl auch in Zukunft nicht anrühren.

Fazit: Kein schlechtes Buch für Einsteiger, aber mittlerweile etwas überholt und eine tiefere Analyse der Werke wäre auch wünschenswert gewesen.

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