Kees Beijnum

 3,9 Sterne bei 12 Bewertungen

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Cover des Buches Die Zerbrechlichkeit der Welt (ISBN: 9783570102817)

Die Zerbrechlichkeit der Welt

 (12)
Erschienen am 03.10.2016

Neue Rezensionen zu Kees Beijnum

Cover des Buches Die Zerbrechlichkeit der Welt (ISBN: 9783570102817)Buchperlenblogs avatar

Rezension zu "Die Zerbrechlichkeit der Welt" von Kees Beijnum

Im Würgegriff der Zeit
Buchperlenblogvor 5 Monaten

Inhalt

Tokio, 1946. Der zweite Weltkrieg ist verloren, Japan steht vor den Trümmern der eigenen Existenz. Ein Tribunal aus elf internationalen Richtern soll nun über diejenigen urteilen, die maßgeblich für die Kriegsverbrechen des Landes verantwortlich sind. Einer von diesen Richtern ist der Niederländer Rem Brink. Auf der Suche nach Zerstreuung lernt er zufällig die Sängerin Michiko kennen, eine junge Frau, die den Sturmböen des Lebens trotzig entgegen blickt. Das Zusammentreffen mit Brink wird ihr Leben jedoch in einer Art verändern, wie sie es sich nie hätte vorstellen können.

Im Würgegriff der Zeit

Wer sich die Beschreibung des Romans, sowohl Klappentext als auch meine eigenen Worte zunächst ansieht, dem schwant eine Liebesgeschichte, ergreifend vielleicht, vermutlicher aber voll unglaubwürdiger Wunder, die die junge Michiko schlussendlich einen Traum leben lassen, der ihr ohne den niederländischen Richter Brink wohl verschlossen geblieben wäre. Wenn dem so ist, dann liegt ihr völlig falsch.

Denn das Schicksal, das Michiko und Brink zusammenführt, meint es nicht unbedingt gut mit den beiden. Die zarte Liebe, die sich zwischen ihnen entspinnt, wird getrübt von den äußeren Umständen, die beide Menschen an diesen Punkt ihres Lebens brachten. Michiko verlor während des Krieges ihre Eltern. Mühsam baut sie sich ein neues Leben im Haus der Deutschen Frau Haffner auf, die ihr Gesangstalent erkennt und fördert. Doch das ist vorbei, als die junge Japanerin sich auf den verheirateten Niederländer Brink einlässt. Frau Haffner kündigt die Zusammenarbeit auf, und zu allem Überfluss bekommt Brink Besuch von seiner daheim zurückgelassenen Ehefrau. 

Außerdem schleicht sich leise auf die Seiten des Buches das Leben von dem verwundeten und entstellten Soldaten Hideki, ein Mann ohne jegliche Hoffnung auf ein nützliches Leben nach dem Krieg. Auch er sucht seinen Platz im Leben, kehrt in sein Dorf in den Bergen zurück und muss erkennen, dass auch hier die Welt im Argen liegt. Auch nach dem Krieg bleiben Verbrechen aller Art nicht aus, und Hideki muss mehr oder minder hilflos dabei zuschauen.

So verknüpfen sich die drei so unterschiedlichen Schicksale miteinander, lassen uns teilhaben an der Schwere einzelner Entscheidungen, die ganze Leben für immer beeinflussen werden. Dabei beweist Kees van Beijnum ein unglaubliches Gespür für die aufkommende Melancholie des Ganzen und lässt sie nie ganz verschwinden. Das Buch ist durchsetzt mit Gewalttaten jeglichen Ausmaßes, doch hinterlassen diese eher Trauer denn Wut. Und so wandeln die drei Gestalten auf ihrem Lebensweg, machen Fehler, verhalten sich menschlich. Und ein klassisches Happy End sucht man vergebens.

Ganz nebenbei  erfähr man allerhand Wissenswertes über die Prozesse in Japan, denn wir dürfen über Brinks Schultern EInblick nehmen in Akten, Gedankengänge der verantwortlichen Richter, lernen widersprüchliche Beschlüsse kennen, sind bei der abschließenden Urteilssprechung dabei. 

Fazit

Dieses Buch ist  keine Ode an die Liebe, kein Wunder der Historie, nein. Dieses Buch zeigt uns menschliche Schicksale im Würgegriff ihrer Zeit. Und das auf sehr gefühlvolle Art und Weise.

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Cover des Buches Die Zerbrechlichkeit der Welt (ISBN: 9783570102817)

Rezension zu "Die Zerbrechlichkeit der Welt" von Kees Beijnum

Hoffnungen sind zerbrechlich
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Die Geschichte spielt zur Zeit der Tokioter Prozesse nach dem 2. Weltkrieg und verwebt das Schicksal von drei sehr unterschiedlichen Protagonisten. Darunter den niederländischen Richter Brink, der als einer der 11 Richter in den Prozessen gegen die Verantwortlichen der japanischen Armee und Regierung fungiert, Michiko eine japanische Sängerin, die im Krieg ihre Eltern verlor und nun in den Ruinen ihrer Heimat ums Überleben und eine bessere Zukunft kämpft und zuletzt den versehrten japanischen Kriegsveteran Hideki, den die traumatischen Erlebnisse an der Front stark belasten und der aufgrund seiner Verletzung nur schwer einen Weg zurück ins Leben findet.

Mein Eindruck:
Der Autor fängt die sehr bedrückende Stimmung der Nachkriegszeit hervorragend ein. Tokio ist in weiten Teilen zerstört, viele haben ihre Familien und all ihr Eigentum verloren, sind obdach- und arbeitslos, insbesondere in den Städten leidet die Bevölkerung Hunger. Gleichzeitig ist das Land von den Siegermächten besetzt, die zwar beim Wiederaufbau helfen, ihre Machtposition aber auch oft genug gegenüber der mittellosen Bevölkerung ausnutzen. Insbesondere die Ansichten und Sorgen der Einheimischen konnte mir der Autor verständlich näherbringen. Die Angst, dass der Wideraufbau durch westliche Besatzungsmächte auch einen Verlust an japanischer Kultur zur Folge hat, der große Stolz der Japaner, der es sehr schwer macht, die Niederlage im Krieg überhaupt zu akzeptieren. Wie der Autor so schön sagte befindet sich die Bevölkerung im Krieg, nach dem Krieg, der auf ganz andere Weise grausam ist. Es werden dabei ganz tolle Gedanken zum Krieg im Allgemeinen und zu kulturellen Unterschieden aufgeworfen, sodass ich mir während des Lesens viele Passagen markieren konnte. 

Die Protagonisten waren mir alle drei sehr nah und ich habe ihr Schicksal mit viel Interesse verfolgt und vor allem ihr Leid geteilt. Insbesondere kulturell bedingte Missverständnisse durch Besonderheiten in der Kommunikation oder durch völlig unterschiedliche Wertvorstellungen waren sehr gut herausgearbeitet und die daraus resultierenden Konflikte ließen sich nicht einfach aus der Welt schaffen. Entsprechend empfand ich das Buch als gut recherchiert und erhielt den Eindruck, dass sich der Autor mit der japanischen Kultur auskennt.

Die Erzählweise ist sehr sanft und leise, was das zum Teil unerträgliche Leid der einzelnen Personen für mich noch bedrückender machte und dem Buch insgesamt eine sehr traurige Stimmung gibt, die man mögen muss. Trotz der grausamen Schicksalsschläge wird der Autor in seiner Erzählweise nie dramatisch oder effektheischend, sondern verbleibt in seiner klaren und ruhigen Sprache. Auch das Ende konnte mich überzeugen, weil es die Geschichte zu einem sehr passenden Abschluss bringt und nicht versucht den Leser glücklich zu machen. 

Durch dieses Buch habe ich außerdem etwas über den Japanisch-Chinesischen Krieg und die Tokioter Prozesse gelernt. Ein Thema von dem ich vorher kaum etwas wusste und mit dem ich mich nun weiter beschäftigen möchte. 

Eine Empfehlung an alle, die der Kriegsthematik nicht generell abgeneigt sind, ruhig erzählte Bücher mit einer traurigen Stimmung mögen und sich für die japanische Kultur interessieren. 

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Cover des Buches Die Zerbrechlichkeit der Welt (ISBN: 9783570102817)raven1711s avatar

Rezension zu "Die Zerbrechlichkeit der Welt" von Kees Beijnum

Zart und einfühlsam
raven1711vor 4 Jahren

Klappentext:
Tokio 1946: Der Richter Rem Brink ist vom niederländischen Außenministerium zu den sogenannten Tokioter Prozessen gesandt worden, um mit den Siegermächten die japanischen Kriegsverbrechen aufzuarbeiten. Brink ist sich seiner besonderen Verantwortung bewusst, sucht gleichzeitig aber auch Zerstreuung in einer Liaison mit der jungen Sängerin Michiko. Durch sie lernt er eine ganz andere, faszinierende Seite Japans kennen. Doch als Michiko ihn um einen Gefallen bittet, der seinen politischen und moralischen Grundsätzen widerspricht, wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt …

Meinung:
Im Jahre 1946 ist der 2. Weltkrieg vorbei und die Verlierer des großen Kriegs müssen sich in Prozessen ihren Taten stellen. So auch Japan, das einstige Kaiserreich, das sich nun einem neuen System unterordnen muss. Der Kaiser ist abgesetzt, die Demokratie soll Einzug halten. Unter den vor Ort gastierenden Richtern ist auch der Niederländer Rem Brink. Das fremde Land und seine fehlende Familie setzen dem Mann zu. Japans Kultur und die Wesenszüge der Einheimischen machen die Einsamkeit noch größer. Als er die Sängerin Michiko kennen lernt, erhält er einen Lichtblick am Horizont, der ihm auch den Blickwinkel auf die Ereignisse rund um die Japaner erweitert. Doch Empathie für die Verlierermacht ist nicht gerne gesehen am Richterhof und Brinks Karriere gerät ins Wanken. Aber auch für Michiko ändert sich das Leben radikal, als sie sich mit Brink einlässt.
Im Vordergrund der Geschichte stehen nicht nur Rem Brink und die Japanerin Michiko, sondern auch Michikos Cousin Hideki, der in China als Soldat der japanischen Armee gedient hat und versiert zurückgekehrt ist. Beeindruckend an den Figuren ist, dass sie sehr gut die japanischen Mentalitäten und Verhaltensweisen wiederspiegeln. So ist Michiko zwar eine großartige Sängerin, die unter westlicher Anleitung eine große Karriere anstrebt, auf der anderen Seite aber ist sie ihrer Erziehung und den Werten der japanischen Gesellschaft treu. So wirken die Japaner eher kühl und etwas undurchsichtig im Roman, agieren aber genau nach den ihnen wichtigen Normen und Regeln und sind somit sehr authentisch. Die Figuren polarisieren, stoßen den Leser aus seiner Komfortzone und wirken lange nach.
Auch die Geschichte selber vermittelt den japanischen Geist, ist eher ruhig, legt das Augenmerk auf die Handlung und stellt augenscheinlich die Gefühle zurück. Doch zwischen den Zeilen brodelt die Handlung und berührt mit ihrer Emotionalität. So bleibt der Roman sich treu, kann den japanischen Geist und die Gesellschaft perfekt wiederspiegeln und berührt den Leser. Der einnehmende Erzählstil, hier übersetzt von Hanni Ehlers, macht das Buch zu einem Pageturner und so habe ich mit Spannung den Weg von Brink, Michiko und Hideki verfolgt, habe mitgelitten, gefiebert, gehofft und gebangt. Die Kapitel sind moderat lang, das Buch selber in drei Teile unterteilt. Und neben den Schicksalen der drei Hauptfiguren erhält man hier einen neuen Blickwinkel auf die Ereignisse im 2. Weltkrieg, sowie Einblicke in eine Kultur, die von unserer so verschieden ist.

Fazit:
Die Zerbrechlichkeit der Welt ist ein zart erzählter, im ersten Eindruck eher kühler Roman, der einen spannenden Einblick in eine uns eher fremde Kultur gewährt, dabei doch hochemotional ist und gut recherchiert wurde. Die Schicksale bestürzen und berühren. Und es war überaus interessant und lehrreich, einen anderen Aspekt und Bereich des 2. Weltkriegs kennen zu lernen.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag für das Rezensionsexemplar.

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