Ken Bruen Kaliber: Kriminalroman

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Inhaltsangabe zu „Kaliber: Kriminalroman“ von Ken Bruen

Der Südosten Londons wird vom "Manners Killer“ heimgesucht, der seinen Opfern eine Lektion in Anstand beibringen will. Sein Pech, dass die Ermittlungen ausgerechnet Inspector Brant übernimmt, der gerade einen Kriminalroman schreibt und in bester "The Killer Inside Me“-Manier von Jim Thompson der Meinung ist, dass, wenn schon jemand in seinem Revier ungestraft mit einem Mord davonkommt, er das doch bitteschön selbst ist. "Now here is a serial killer for modern times.“ Und ein Inspector der alten Schule. Mit einem Vorwort von Robert Brack

Ganz schön herber Krimi. Böse, zynisch und schwarz wie die Nacht.

— Gulan
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  • Schwarz wie die Nacht.

    Kaliber: Kriminalroman

    Gulan

    HUUUIIIII, es tut mir leid, dass ich so lange weg war. Leute umbringen kostet Zeit. Echt, damit möchte ich nicht meinen Lebensunterhalt verdienen müssen, wie ätzend wäre das denn! Zum Glück ist es nur Freizeitspaß. (S.77) Im Londoner Südosten treibt ein Serienkiller sein Unwesen. Im seinem Visier sind allgemein unbeliebte, unangenehme Mitbürger. In einem Brief an den zuständigen Superintendent enthüllt er seine Motivation: „Die Mission, die ich auf mich genommen habe, ist es, den Bewohnern unseres Fleckens Erde eine Lektion zu erteilen. Eine Lektion in puncto Manieren.“ Doch der „Manners Killer“ hat nicht damit gerechnet, dass das zuständige Polizeirevier ebenfalls eine beträchtliche Zahl Gestörter beherbergt, allen voran Detective Sergeant Brant. Direkt zu Beginn erhält der Leser in Form eines Tagebucheintrags einen Einblick in die Gedankenwelt des „Manners Killer“. Spöttisch macht er sich über das typische Profiling über sich lustig (Weiß (stimmt), […] isoliert (nee, nee), […] narzisstisch (gut, das lass ich durchgehen), […] Single (wieder daneben), S.14). Er nennt sich selbst Ford, nach dem psychopathischen Deputy in Jim Thompsons „Der Mörder in mir“ (welches ich leider bislang noch nicht gelesen habe). Die Tagebucheinträge wechseln mit den Kapiteln, in dem die verschiedenen Polizisten des Revier begleitet werden. Die vermeintlichen Hüter des Gesetzes stellen sich ein Haufen Egomanen, Desorientierte und Asoziale heraus. Unabhängig vom Dienstgrad ist Detective Sergeant Brant der König des Reviers. Ein eiskalter, berechnender, aggressiver, manipulativer Rohling und Zyniker. Die Herausforderung durch den „Manners Killer“ nimmt er nur allzu gerne an. Autor Ken Bruen ist vielen vor allem durch seine Jack-Taylor-Romane bekannt. „Kaliber“ hingegen ist der sechste (und erste auf Deutsch erschienene) Roman der Serie um Detective Sergeant Tom Brant und Chief Inspector James Roberts. Wo Bruen draufsteht, ist natürlich Noir drin, aber das Buch hier, holla, ist schon richtig dunkel und schwarz wie die Nacht. Eine wahrer Fundus an Destruktivität, Zynismus, Sarkasmus und Ironie, äußerst lesenswert und amüsant verpackt. Sehr interessant bringt Bruen das übergeordnete Thema „Kriminalliteratur“ in den Roman ein. „Kaliber“ ist nämlich nicht nur der Romantitel, sondern auch der Titel des noch zu schreibenden Krimis von Brant. In seiner Selbstüberschätzung und als Kenner der Ed McBain-Krimis übers 87.Polizeirevier glaubt er, so schwierig kann das mit dem Krimischreiben doch nicht sein. Natürlich weit gefehlt, aber Brant wäre nicht Brant, wenn ihm da nichts einfallen würde. Gleichzeitig ist der „Manners Killer“ ein wahrer Krimi-Junkie und lässt den Leser vielfach an seinen Vorlieben teilhaben: Das ganze Zeug von Jonathan Franzen, Salman Rushdie und so in euren Regalen, all die Möchtegern-Booker-Prize-Anwärter, die nur Staub ansetzen, der ganze ernsthafte Mist: IN DIE TONNE. Kommt schon. Wenn ihr wissen wollt, wie die Welt tickt, holt euch Andrew Vachss. Nicht intellektuell genug? Holt euch James Sallis, da brennen euch die Synapsen durch. Oder, fürs wahrhaft Metaphysische, Paul Auster. Krimis, Bro, sind der neue Rock 'n' Roll. (S.31) Wer will solchen Worten ernsthaft widersprechen? Ich jedenfalls nicht. Ken Bruen hat hier einen bitterbösen, grotesken Noir geschrieben, der aufs Beste unterhält und nebenbei noch über seine Antihelden gute Ratschläge über die wahre Perlen der Literatur verteilen lässt. Mir ist vor allem des Killers Statement über „Der Mörder in mir“ noch im Kopf geblieben: LEST DAS GOTTVERDAMMTE BUCH. (S.145) – Aye, wird gemacht!

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    • 11

    SalanderLisbeth

    23. September 2015 um 10:06
  • Bei schlechten Manieren - Tod

    Kaliber: Kriminalroman

    Duffy

    03. July 2015 um 10:20

    Im Süden Londons geht ein Killer um, der seine Opfer bestraft, weil sie keine Manieren haben. So will er London ein Stück weit lebenswerter machen. Er kommt an Inspector Brant, genau der Richtige für diese Ermitllungen, will heißen, das Ausbund an schlechten Manieren und Methoden, die sich nicht unbedingt im Rahmen der Gesetze bewegen, bzw. nur den Regeln folgen, die der Polizist selbst aufstellt. Ken Bruen, hierzulande bekannt geworden durch seine verfilmte Jack Taylor Reihe, ist einer der intensivsten Noir-Autoren Europas. Schonungslos und mit kurzem, prägnanten Stil führt er den Leser durch die Schauplätze menschlicher Bösartigkeiten. Auch hier fährt er wieder harte Geschütze auf, beschreibt die Abgründe der Kriminalität und genauso die Unzulänglichkeiten der Polizei. Dass dies in diesem Roman nicht ganz so intensiv geschieht wie bei den Taylor-Büchern liegt vielleicht am reichlichen Output des Autors, denn auch Inspector Brant ist eine Reihe, die allerdings noch nicht auf deutsch vorliegt. Vielleicht liegt es aber auch ein wenig an der Übersetzung, denn die Taylor-Reihe wurde seinerzeit vom genialen Harry Rowohlt bearbeitet. Wie dem auch sei, wieder ein gelungenes Werk des Vielschreibers und wir hoffen alle, dass es eine komplette Veröffentlichung dieser Reihe auch bei uns geben wird.

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  • Noir-Krimi mit schwarzem Humor.

    Kaliber: Kriminalroman

    Andreas_M_Sturm

    19. June 2015 um 10:52

    Haben Sie denn keine Manieren? Diese harmlose Frage wird zum Richterspruch, der in einem Todesurteil mündet. Und das Urteil wird sofort vollstreckt, denn ein Serienmörder tötet alle Menschen, die sich seiner Meinung nach einer Höflichkeitsverletzung schuldig gemacht haben. Ungestört kann der Killer in London seinem unheilvollen Hobby nachgehen, denn die Polizisten, die sich auf seine Fährte heften, sind mit ihren eigenen Karrieren und privaten Problemen vollends ausgelastet. Stilsicher und ohne Ausschweifungen skizziert Ken Bruen in seinem Noir-Thriller die Charaktere der Protagonisten: den brillanten und zynischen Inspector Brant, der gern selbst gegen das Gesetz verstößt, und seinen Gegenspieler, den wahnsinnigen aber ebenso cleveren Killer. Verblüffend ist, wie es Ken Bruen trotz der bedrückenden Atmosphäre seines Romans gelingt, dem Leser ein Lachen zu entlocken. Liebhaber der Noir-Literatur werden voll auf ihre Kosten kommen und einem Satz aus diesem Buch kann ich uneingeschränkt zustimmen: Krimis, Bro, sind der neue Rock ‘n’ Roll.

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  • Ken Bruen teilt aus - auf die typisch irische Art!

    Kaliber: Kriminalroman

    Havers

    16. June 2015 um 18:22

    Von Ken Bruen gibt es zwei Thrillerreihen mit verschiedenen Handlungsorten und Protagonisten. Da wäre zum einen Jack Taylor, dem trinkfeste Privatdetektiv aus Galway, zum anderen das Team der Metropolitan Police im Südosten Londons. Und genau dieses Team steht im Mittelpunkt der Neuerscheinung aus der Noir-Reihe des Polar Verlags „Kaliber“ (im Original bereits 2006 erschienen), der sechste Band der Reihe. Angeführt werden die Mets von Tom Brant, einem Polizisten mit hervorragenden Instinkten, aber auch ein total durchgeknallter Kerl,  der es mit dem Polizeikodex nicht so genau nimmt. Ob er nun von beschlagnahmten Drogen etwas für sich abzweigt, Gefälligkeiten von Prostituierten einfordert, unbefugt Privateigentum betritt, Zeugen mit brachialer Gewalt einschüchtert – sein Verhalten ähnelt eher dem eines Kriminellen als dem eines Cops. Interessanterweise hat er literarische Ambitionen, angelehnt an die Klassiker Ed McBains über das 87. Revier beabsichtigt Brant, einen Krimi zu schreiben – wenn er denn eine Idee für das Exposé hätte. Weitere Teammitglieder sind sein Vorgesetzter, Chief Inspector Roberts, der mehr mit seinem äußeren Erscheinungsbild als mit der Ermittlungsarbeit beschäftigt ist, Porter Nash, gutmütig und unauffällig, Constable McDonald, ein unangenehmer, feiger  Zeitgenosse, der seine Aggressionen nicht unter Kontrolle hat und Constable Falls, die Frau im Team, bei einem früheren Fall degradiert, jetzt aber wieder auf dem Weg nach oben. Wie bereits hieraus ersichtlich, verzahnt der Autor die Historie seiner Personen mit der Story, die durch diese persönlichen Aspekte stark gewinnt. Aktuell treibt in London ein Killer sein Unwesen, der es auf Menschen mit schlechten Manieren abgesehen hat. Sein erstes Opfer ist der Mann, der im Restaurant eine junge Frau zum Weinen bringt, und das mit dem Leben bezahlen muss. Es gibt weitere Tote und die dazugehörigen Bekennerbriefe. Wird es Brant schaffen, dem Täter das Handwerk zu legen, oder steht er gar selbst auf der Abschussliste? Ken Bruen kommt aus Galway, und wie bei so vielen seiner irischen Autorenkollegen zeichnen sich seine Thriller durch beißende Ironie und schwarzen Humor aus. Die Nähe zu amerikanischen Noir-Autoren kann er ebenfalls nicht verleugnen, wobei aber Bruens Dialoge wesentlich spritziger sind. „Kaliber“ bietet intelligente und spannende Unterhaltung auf höchstem Niveau mit sehr vielen bissigen Anspielungen das Genre betreffend. Mir ist es jedenfalls bisher höchst selten passiert, dass ich bei einem Thriller leise kichern und lauthals loslachen musste. Eine letzte Bemerkung für Freunde der bewegten Bilder: der vierte Band „Blitz“ wurde unter dem gleichnamigen Titel mit Jason Statham verfilmt.

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