Ken Kesey One Flew Over the Cuckoo's Nest

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Inhaltsangabe zu „One Flew Over the Cuckoo's Nest“ von Ken Kesey

Uaaah! Endlich mal ein Klassiker, der diesen Namen auch verdient. Ich bin total begeistert. Das versuche ich, bis zum Wochenende fertig zu lesen. Chief Bromden ist einfach der Größte!! Ich bin allerdings auch erstaunt über die diversen Unterschiede zwischen Buch und Film.

— rumble-bee
rumble-bee

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  • Rezension zu "One Flew Over the Cuckoo's Nest" von Ken Kesey

    One Flew Over the Cuckoo's Nest
    rumble-bee

    rumble-bee

    01. May 2011 um 20:13

    Ladies and Gentlemen - darf ich Ihnen vorstellen: den am meisten unterschätzten und vergessenen literarischen Charakter, ja, Erzähler der moderneren englischen Literatur: Chief Bromden. Er hat ein schweres Schicksal durchlebt, seit der Roman in den 60er Jahren zum ersten Mal erschien. Dabei dürfte man ihn eigentlich nur schwerlich vergessen: ein hünenhaft großer Halb- Indianer mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, traumatisiert und bauernschlau. Und genau er ist der Erzähler eines der erfolgreichsten Romane der 60er Jahre. Doch dann kam das Kino, dann kamen Milos Forman und Jack Nicholson. Und das hatte zur Folge, dass Chief Bromden im öffentlichen Bewusstsein an den Rand gedrängt wurde. Kein Wunder, spielte doch Jack Nicholson in seiner Paraderolle als Randle Patrick McMurphy alle an die Wand. Und das ist unglaublich schade, denn gerade der Chief verleiht dem Stoff in der Buch-Fassung eine ganz eigene Note. Er gibt sich große Mühe, das Leben in einer Irrenanstalt im Amerika des mittleren letzten Jahrhunderts aus seiner Sicht zu schildern. Er sitzt direkt an der Quelle, da er sich taubstumm stellt und somit gefahrlos auch dort schnüffeln und mithören kann, wo es niemand vermutet. Er leidet zwar auch selber unter etlichen Symptomen, die, wie der Leser nur vermuten kann, von einem Kriegsveteranen-Trauma her rühren - und dennoch verleiht gerade diese etwas verzerrte Sicht den Geschehnissen eine ganz eigene Dringlichkeit. Für den Chief ist die Welt eine einzige Verschwörung, die er "the combine", zu Deutsch etwa "die Firma" nennt. Und Hauptvertreter dieser allmächtigen Organisation ist die "Big Nurse", Miss Ratched. Sie hat ihre Station eisern in der Hand, keine einzige Abweichung im Verhalten wird toleriert. Geradezu irrwitzig bedohlich werden die Schilderungen des Chief an den Stellen, als er die Gefühle der "Big Nurse" zu deuten und zu beschreiben versucht:er schildert sie in seinem leichten Wahn als manisch angetriebene Puppe, die nur durch Menschenverachtung und Hass befeuert zu werden scheint, und die durch allerlei Drähte und verborgene Mechanismen jeden Einzelnen zu steuern weiß. Das Leben in dieser Irrenanstalt verläuft genau nach Plan. Streng nach der Uhr verteilen sich Schlafen, Frühstücken, Spielen, ja sogar Körperhygiene. Und nicht einmal das Radio oder den Fernseher dürfen die Insassen selber bedienen.Zur Krönung gibt es noch tägliche Gesprächsrunden, die vorgeblich der Therapie dienen sollen, die aber im Endeffekt nur die Macht der "Big Nurse" zementieren, und die Teilnehmer erniedrigen. Mitten in diese scheinbar perfekt geplante Maschinerie platzt eines Tages der spiel- und trunksüchtige Ire Randle Patrick Mc Murphy, der seine Verrücktheit nur vorgetäuscht hat, um dem harten Leben in einer Strafanstalt zu entgehen. Es kommt, wie es kommen muss: Zwei Platzhirsche an einem Ort kann es nun einmal nicht geben, und so entbrennt vom ersten Tag an ein Machtkampf zwischen McMurphy und Miss Ratched - bis hin zum bitteren, und, wie der Chief selber sinniert, vielleicht unausweichlichen Ende. Das soll aus meiner Sicht auch schon alles zum Inhalt gewesen sein. Ich möchte lieber noch etwas Werbung für das Buch machen, und möchte unterstreichen, warum man sich gerade die Buchfassung (auch und gerade die englische) wieder verstärkt gönnen sollte. Denn die Kinofassung hat zwar zu Recht etliche Oscars gewonnen, kann aber bei weitem nicht alles transportieren, was uns der Chief in seiner ganz eigenen Ausdrucksweise und Einsicht bietet. Da ist zum einen die Sprache. Die englische Fassung ist auf alle Fälle vorzuziehen, da ich mir nicht sicher bin, ob die Übersetzung all die Eigenheiten des sehr ländlichen und mündlichen Amerikanisch einfangen kann. Die Sprache des Chief ist sehr unmittelbar, direkt, und doch von Emotionen geprägt. Er fungiert in diesem Buch nahezu wie eine Kamera, aber eben doch eine Kamera, die wertet, aussiebt und deutet. Aus dieser Sprache spricht all die Enttäuschung und Desillusionierung, die ihm in seinem Leben widerfahren sind. Trotz seiner leidvollen Erfahrungen durchschaut er jeden Menschen früher oder später, und teilt uns seine Erkenntnisse mit. Und man merkt auch und gerade an seiner Sprache, wie sehr ihn McMurphy berührt und verändert. Der zweite für mich wichtige Punkt ist die Schilderung von Freundschaften und "Allianzen" im Buch. Es hat mich mitten ins Herz getroffen, wie der Chief dem Leser schildert, dass selbst unter den widrigsten Umständen die Menschen sich zusammentun, um das Beste aus ihrer Situation zu machen. Er beleuchtet zum Beispiel viel deutlicher als der Film die Freundschaft zwischen Sefelt und Frederickson, oder die persönlichen Hintergründe von Harding, Billy Bibbitt oder Benzini ("Ich bin so müde, so schrecklich müde!"). Selbst für den allerletzten "vegetable" (zu Deutsch etwa "Hirni") hat er noch verständnisvolle Gedanken übrig, wie Ellis, oder Taber (im Film dargestellt von Christopher Lloyd, dem späteren Emmett Brown in "Zurück in die Zukunft"). Drittens schafft es das Buch, auch Zweifel an der Figur des McMurphy zuzulassen, was ja im Film nahezu gänzlich unterbleibt. Der Chief filtert in seiner Rolle alle Gedanken, die zu McMurphy im Umlauf sind. Und da entsteht zum Beispiel auch die berechtigte Frage, wo all das Geld bleibt, das McMurphy mit seinen Poker-Wettbewerben gewinnt. Und warum er es überhaupt gewinnen muss. Und es taucht die Vermutung auf, McMurphy helfe immer nur dann jemandem, wenn es auch ihm etwas nutzt. Das ändert sich zwar gegen Ende, als McMurphy begreift, dass es auch für ihn ums Ganze geht. Aber zuvor schwankt der Leser in seiner Beurteilung doch oft ein wenig. Und schließlich wäre da noch der Chief selber. Ich muss wirklich sagen, dass er im Buch für mich McMurphy ausgestochen hat. Nicht nur durch die Tatsache, dass er durchgehend in der ersten Person erzählt. Nein, vor allem durch das, was er verkörpert. Er ist voller unverarbeiteter Emotionen, die durch das Auftauchen von McMurphy freigesetzt werden. Sein Stamm wurde vom eigenen Land vertrieben, sein Vater wurde daraufhin depressiv und alkoholsüchtig. Fast zum Weinen gebracht hat mich die Schilderung des Chief, wie er überhaupt darauf kam, sich taubstumm zu stellen: denn schon von frühester Jugend an hat man ihm die Rechte als eigenes menschliches Wesen abgesprochen, er war ja "nur Indianer". Nie hat man ihn wirklich gesehen oder gehört. Ungeheuer poetisch, ja beinahe surreal sind seine Schilderungen dessen, was während einer Elektroschock-Therapie passiert, oder was die Auswirkungen "danach" sind. Unvergesslich ist mir das Bild mit dem "Nebel", in dem er oft tagelang versinkt. Oder das Fliegen. Oder eben das Abzählen von Kinderreimen - daher auch der Titel des Buches: "One flew east, one flew west / one flew over the cuckoo's nest". [Achtung, wer sich das positive Bild des Chief nicht verderben will, sollte den folgenden Abschnitt besser nicht lesen!] Was mich - natürlich - ein wenig geschockt hat, war die Rolle der Sexualität in diesem Buch. Das kam im Film in dieser Form auch überhaupt nicht vor. Die "Big Nurse" wird vor allem gedeutet als verdrehtes Sex-Objekt, mit riesigen Brüsten und knallrotem Lippenstift. Vielleicht aber auch eine andere Form, die Bedeutung und Übermacht ihrer weiblichen Dominanz zu erklären. Und als hätte ich es geahnt, wird im Buch auch die wahre Natur der Beziehung zwischen Chief Bromden und McMurphy deutlich. Man konnte es sich fast denken, je länger man las. Denn der Chief ist - was er sich selber nie eingestanden hat - in Wahrheit schwul, und schwer in McMurphy verschossen. Und somit entsteht seine letzte, verzweifelte Entscheidung im Buch letztlich wirklich und wahrhaftig aus Liebe! [Entwarnung] Nun bin ich am Ende, zwar nur meiner Rezension, aber nicht meiner Begeisterung für dieses Buch. Dies ist ein vergessener Klassiker, den man endlich wieder lesen sollte. Man wird in die verschiedensten Emotionen hineingeworfen, und muss sich ständig selber entscheiden, zu wem man hält. Und zuletzt hat man eine Menge gelernt: über die Gesellschaft und ihre Mechanismen, über Freundschaft und Liebe - und vor allem über den Wert des einzelnen Lebens.

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