Ken Mogi

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Ikigai.

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Ikigai
Ikigai
 (2)
Erschienen am 20.08.2018

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Rezension zu "Ikigai" von Ken Mogi

Japanische Lebenskunst und Wahrnehmungsverzerrungen
R_Mantheyvor 8 Tagen

"Japaner trachten danach, ihr ikigai zu finden und zu leben." Das steht im Klappentext, und da haben wir sie auch gleich, die Wahrnehmungsverzerrung. Es mag sein, dass dies tatsächlich viele Japaner machen, aber mit Sicherheit nicht alle. Wenn man dieses Buch dann liest, dann kann man bei ausreichender Naivität den Eindruck gewinnen, man müsse sich die Japaner gleich einmal zum Vorbild nehmen. Es ist einfach alles toll in Japan, weil die Menschen dort ihr Ikigai suchen und bereits die Suche danach dem Leben einen Sinn verleiht. Wenn man sich etwas intensiver mit diesem Land, seiner Geschichte und Kultur beschäftigt, dann sieht man die Sache etwas anders.

Wahr ist, dass es in der japanischen Kultur wirklich vieles gibt, dass sehr hilfreich und nachahmenswert ist, wenn es gelingt dies in die eigene Welt zu integrieren. Beispielsweise den Zen-Buddhismus oder Kampfkunst- oder Kampfsportarten. Auch gewisse Denk- und Herangehensweisen, die sich in der japanischen Kultur entwickelt haben. Ein Teil davon ist tatsächlich das Suchen nach dem ganz persönlichen Ikigai, also das Streben nach einer ganz individuellen Antwort auf die Frage, wofür ich brenne, was ich gerne machen möchte oder worin ich gerne aufgehen möchte.

Im Buch findet man das Beispiel eines 92-jährigen Drei-Sterne-Kochs, der jeden Tag sehr früh aufsteht und auf den Markt geht. Er lebt für seine Produkte, sein Restaurant. Das ist seine – europäisch ausgedrückt – Selbstverwirklichung. Die fünf Säulen dieser Art der Selbstfindung und -verwirklichung beschreibt der Autor so: (1) Klein anfangen, (2) Loslassen lernen, (3) Harmonie und Nachhaltigkeit leben, (4) die Freude an kleinen Dingen entdecken und (5) im Hier und Jetzt leben.

Ken Mogi diskutiert diese Säulen dann recht ausführlich und bringt jede Menge Beispiele in diesem Sinne erfolgreicher Menschen. Das klingt auf den ersten Blick alles ganz vorzüglich. Nur wenn man darüber etwas intensiver nachdenkt und sich fragt, wie man denn die fünf Säulen praktisch in sich aufbaut, dann kommen mit Sicherheit die ersten Fragezeichen. In jedem Selbsthilfebuch der Neuzeit findet man garantiert die Aufforderung, doch bitte sehr im Hier und Jetzt zu leben. Nur wie man das machen soll, wird nur spärlich erklärt. Das ist leider auch in diesem Buch nicht anders. Oder loslassen – auch so eine Forderung. Wie kriegt man das hin? Es ist doch nicht so, dass man irgendwo einen Schalter hat, den man nur umlegen muss. Vielmehr sind unsere Angewohnheiten, uns zu verbeißen oder stets an die nächste Forderung oder irgendwelche Ereignisse aus der Vergangenheit zu denken, in uns tief verwurzelt. Wer etwas daran ändern will, dem muss es erst einmal gelingen, bis in diese Wurzeln vorzustoßen.

Auf solche praktischen Fragen geht das Buch nicht ein, will es auch eigentlich nicht, weil es mehr ein kultureller Abriss und eine Einführung in das japanische Ikigai sein will. Deutlich wird das zum Beispiel, wenn man als Leser eine Einführung ins Sumo-Ringen oder besser in die Verhältnisse um diese für Europäer eher seltsame Sportart bekommt. Ohne Zweifel kann das ganz reizvoll sein. Einen praktischen Wert besitzt es nicht.

Leider schießt der Autor, nicht ganz untypisch für bestimmte Japaner, an einigen Stellen völlig übers Ziel hinaus. Auf Seite 130 steht Folgendes: "Wenn wir die Künste betrachten, werden wir entdecken, dass man paradoxerweise das eigene ikigai sogar im erfolgreichen Abwurf einer Atombombe finden kann, der das Ende der Welt bedeuten würde." Ken Mogi beruft sich dabei auf einen Film von Stanley Kubrick aus dem Jahre 1964. Man kann alles ins Absurde treiben, denn auch hier sind die fünf Säulen vorhanden. Das war dann allerdings der Punkt, wo mein Verstand aussetzte und die Frage aufwarf, ob der gute Ken Mogi noch alle Tassen im Schrank hat.

Um es kurz zu machen: Das Buch ist ganz gut bis die Erklärung der fünf Säulen zu ihrem Ende gelangt ist. Wer sein sich selbst ohne einen Egotrip verwirklichen möchte, findet dort ganz brauchbare Hinweise, die es nicht ganz bis zu praktischen Ratschlägen schaffen. Ansonsten taugt dieses Buch auch dafür, etwas Spezielles über die gelegentlich seltsam anmutende japanische Kultur zu erfahren.

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