Ken Saro-Wiwa Sozaboy

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Inhaltsangabe zu „Sozaboy“ von Ken Saro-Wiwa

Sozaboy nennen sie ihn - den Jungen, der unbedingt in den Krieg will. Auch wenn keiner so genau weiß, gegen wen man kämpft und wo geschweige denn, warum. Die Uniform ist es, die ihn lockt - so kann er Eindruck machen im Dorf und bei seiner Frau Agnes. Sozaboy erlebt Dinge, die sein Fassungsvermögen übersteigen, schreckliche, unbegreifliche oder einfach nur verwirrende Dinge. Sein Schicksal in der Armee ist kein glückliches, es führt immer weiter abwärts: Langeweile, Aufbegehren, Bestrafung, Kampf und Gefangennahme. Am Ende ist sein Leben fast ruiniert, sein Dorf zerstört, seine Familie getötet, seine Chancen gering. Doch trotz aller Rückschläge, Scham und Demütigung, verlassen ihn seine Lebenslust, seine naive Energie nie ganz.

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  • Beeindruckende Literatur aus Westafrika

    Sozaboy

    Makollatur

    08. March 2016 um 14:55

    Zwischen 1967 und 1970 tobte in Nigeria einer jener Kriege, die die logische Folge der Unruhen und Wirren des Postkolonialismus waren: Kämpfe um Rohstoffe, um die Vorherrschaft einer bestimmten Ethnie über eine andere, um blanke Macht oder einfach um die Vernichtung alter Feinde. Im Nigeria der 60er Jahre, als sich ein großer Teil der afrikanischen Staaten von ihren Fremdherrschaften lösten und häufig den Weg in die Autokratie oder Diktatur gingen, war es freilich nicht anders. Süden und Norden gerieten in kriegerische Auseinandersetzungen, die beispielloses Leid und immense Not über die Zivilbevölkerung brachte. Während die Menschen des Landes zum Spielball der Interessen der Kriegsparteien wurden, vernichtete der Kampf um Land und Macht die Existenzen ungezählter Familien und Individuen. Inmitten dieses Chaos lebt der junge Mene, ein unbescholtener und einfacher Charakter, dessen Ziele im Leben so weit reichen wie der Horizont im nigerianischen Buschland. Er möchte unbedingt seinen Führerschein fertig machen, er möchte eine schöne junge Frau und seiner Mutter keinen Kummer bereiten. Mit kindlich-naiver Begeisterung reagiert Mene auf das plötzliche Auftauchen von Sozas, der Pigden-Ausdruck für das englische Wort Soldier. Als er schließlich noch Agnes kennenlernt, eine Schönheit mit offenem und einnehmenden Wesen, und diese ihn drängt, Soza zu werden, damit er sie immer beschützen kann, ist es mit die Entscheidung gefallen. Die Uniformen, die Lieder, das ganze Wesen des Militärs beeindrucken den jungen Mann, der darüber hinaus den Grund oder den Charakter des Krieges nicht hinterfragt und somit völlig unvorbereitet in das Kampfgeschehen geworfen wird. Plötzlich fallen Schüsse, Kanonen donnern und Bomben, die aus Flugzeugen fallen, töten ohne Unterschied sämtliche Sozas, die eben noch Menes Freunde waren. Er selber schafft es unter Aufbringung all seiner Lebens- und Überlebenskräfte gerade so, unbescholten und einigermaßen lebendig zu bleiben. Erst als Fahrer, dann als Fahnenflüchtiger und Kriegsgefangener macht Mene Erfahrungen, die aus dem naiven Jungen einen reflexiven und kritischen Mann machen. Stets auf der Suche nach seiner Mutter und Agnes, geht er seinen eigenen Weg, dessen Ziel ebenso fern und schwer erreichbar scheint, wie im gleichen Zug der Krieg jeden Sinn und Verstand verliert. Dieser Text kann getrost als Bildungsroman bezeichnet werden, bei dem der Protagonist erst als weltfremder Idealist auftritt und später zum Realisten und Kritiker seiner Umwelt wird. Mene flieht aus der Welt des Krieges und des gegenseitigen Tötens, aber auch aus der Welt der Korruption und der Schattenwirtschaft. Geschrieben ist das Buch in einem einfachen Deutsch, das den niedrigen Bildungsstand des Helden widerspiegelt. Gleichzeitig sind verschiedene Begriffe aus dem nigerianischen Pidgen-Dialekt eingestreut, sodass das Leseerlebnis äußerst flüssig und authentisch wird. Mene spricht, wie junge Menschen sprechen, er steht exemplarisch für die Jugend des Landes, die ohne Not geopfert wird, um die Interessen einiger Oligarchen zu bedienen. Das Buch schildert auf beeindruckende Weise den Lebens- und Leidensweg einer verlorenen Generation, deren Träume und Wünsche im Kampf Jeder-gegen-Jeden nachhaltig zerstört werden und die lange daran zu kämpfen hat, wieder ein normales Leben zu führen. Afrikanische Stimmen dieser Art sind heute nicht mehr so selten zu vernehmen, wie es zur Zeit der Veröffentlichung von Sozaboy der Fall war. Dennoch kann dieser Text als Wegbereiter der modernen Anti-Kriegs-Literatur betrachtet werden, der nichts von seiner Aktualität und Brisanz eingebüßt hat.

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  • Rezension zu "Sozaboy" von Ken Saro-Wiwa

    Sozaboy

    Karen Lohse

    02. May 2010 um 20:12

    Ein Kontinent verliert seine Unschuld und stellvertretend mit ihm der junge Mene. Aufgewachsen in einem kleinen afrikanischen Dorf, besitzt er eine beispielslose Naivität. Die Welt und die Ereignisse, die in ihr stattfinden, betrachtet er mit großen, staunenden Augen. In der scheinbar heilen Welt des Dorfes gerät er eines Tages zwischen die Mahlsteine einer machoistischen Gedankenwelt: Was ist ein Mann? Was macht einen Mann aus? Für die Männer wie für die Frauen des Dorfes steht wider besseren Wissens fest: Ein richtiger Mann kann Familie und Dorfgemeinschaft im Streitfall beschützen. Diese Anforderung kristallisiert sich in der Gestalt des Sozaboys – der Soldatenjunge. Mene beugt sich, wird Soza und geht seiner persönlichen Hölle entgegen. Er kann sich nicht vorstellen, was „Krieg“ bedeutet und der Einzige, der es ihm erklären könnte, schweigt aus Scham. Zaza, ein schwer traumatisierter Kriegsveteran ermutigt Mene genau wie die anderen, sich als Soza zu melden. Die Schrecken, die Sozaboy in diesem namenlos bleibenden Krieg erlebt, sieht er ebenfalls aus der Perspektive eines Unwissenden. In diesem Punkt erinnert Ken Saro-Wiwas Roman eindrücklich an Imre Kertesz’ s „Roman eine Schicksalslosen“. Das Entsetzen vor Gewalt und Diktatur sind an keine Zeit und keinen Ort gebunden, sondern offenbar die ewige Wiederholung des Immergleichen. Dabei spricht Ken Saro-Wiwa ein reelles Ereignis an: den nigerianischen Bürgerkrieg von 1967-1970, der einer der ersten schweren militärischen Konflikte im nachkolonialen Afrika war. Er kostete etwa einer Million Menschen das Leben. „Sozaboy“ verstört, macht traurig und betroffen. Aber Ken Saro-Wiwa hat mit Mene eine ungemein sympathische Hauptfigur geschaffen, über dessen naive Weltsicht man oft schmunzeln kann, manchmal sogar herzhaft lachen. Lachen und Weinen liegen in diesem Buch sehr nah beieinander – wie im richtigen Leben auch.

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