Kenneth Mackenzie

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Kenneth MackenzieWas sie begehren
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Was sie begehren
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 (4)
Erschienen am 28.07.2014
Kenneth MackenzieThe Phonics Handbook (in Print Letters)
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The Phonics Handbook (in Print Letters)
The Phonics Handbook (in Print Letters)
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Erschienen am 21.11.2014

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serendipity3012s avatar

Rezension zu "Was sie begehren" von Kenneth Mackenzie

Verwirrende Adoleszenz
serendipity3012vor 2 Jahren

Verwirrende Adoleszenz 

Mit deutschen Titeln übersetzter Romane bin ich selten zufrieden. Oft sind sie nichtssagend oder schwammig, haben nichts oder wenig mit dem Inhalt des Romans geschweige denn mit dem Originaltitel zu tun oder sie wirken auf mich, als würde man dem deutschen Leser wenig zutrauen, müsse es möglichst leicht lesbar klingen lassen. Sicher gibt es Gründe dafür – schließlich wollen die Verlage Bücher verkaufen und schauen darauf, was die Leser mögen, nur treffen sie damit selten meinen ganz subjektiven Geschmack. Hier ist das anders. „Was sie begehren“, im Original „The young desire it“ trifft den Roman Kenneth Mackenzies meiner Meinung nach sehr gut.

Der Roman, der 2014 bei Hanser Berlin erschien, kam bereits 1937 in Australien heraus, als sein Autor gerade 23 Jahre alt war. Ein Alter, das man dem Roman nicht anmerkt. Mackenzies Hauptfigur Charles Fox ist zwar erst 15 Jahre alt, dem Autor gelingt es aber nicht nur, ihn, sondern auch die anderen, älteren Figuren seines Romans realistisch zu zeichnen.

Charles’ Leben ändert sich grundlegend, als er auf ein Jungeninternat geschickt wird. Er hatte eine ruhige Kindheit, kaum Kontakte, stets war er ein Einzelgänger. Im Internat nun gibt es viele Regeln, geschriebene und ungeschriebene. Charles ist ein hübscher, sehr empfindsamer Junge, und die anderen, älteren Jungs entdecken schnell, dass er ein gefundenes Opfer für ihre Demütigungen ist. Charles hasst sein neues Zu Hause, findet in dem noch recht jungen, britischen Lehrer Penworth aber jemanden, der sich um ihn kümmert und sich für ihn interessiert, wenn Charles auch lange nicht versteht, dass das Interesse Penworth’ an ihm alles andere als angebracht ist, wenn es um eine Lehrer-Schüler-Beziehung geht.

„Was sie begehren“ also. Und was begehren sie? Penworth jedenfalls begehrt, was bzw. wen er nicht begehren darf. Charles wiederum hat in seinen ersten Ferien während der Internatszeit eine Begegnung mit einem Mädchen, die ihn völlig erschüttert – womöglich so, wie man nur von seiner ersten Liebe erschüttert wird. Allerdings lässt sich das Begehren auf weitere Figuren des Romans übertragen, wenn es dort auch allgemeiner gefasst werden muss, als bei Charles und seinem Lehrer.

Der Erzähler des Romans ist einer, der jeder seiner Figuren in den Kopf und ins Herz schauen kann, so dass der Leser das Innenleben aller Protagonisten kennt – soweit es ihm der Erzähler mitteilen möchte. Seine Beobachtungen sind dabei scharfsinnig und treffen ins Schwarze. Auch in die Zukunft wird da manchmal geschaut, wenn das dann Vergangene mit Distanz betrachtet und eingeordnet werden kann. Mackenzie ist ein Autor, der die Abgründe seiner Figuren genau kennt, ihre Erfahrungen, Wünsche, ihr Begehren und diese dem Leser vermittelt. Vor allem das, was Charles durchmacht, eine Phase, in der alles neu ist, ihm Angst macht, in der er sich selbst und seine Sexualität entdeckt, erwachsen wird, ist stark erzählt. Ob die Gespräche, die Charles mit Penworth und mit dem Mädchen führt, das ihn so fasziniert, nun realistisch sind, sei dahingestellt, oft kam ihre unverblümte Direktheit etwas unvermittelt. Doch gerade Penworth in seiner Not, im Kampf gegen seine verbotenen Gefühle, auch er noch sehr jung und fern der englischen Heimat im so heißen Australien, wird treffend charakterisiert.

An einigen Stellen wurden mir Mackenzies blumige Beschreibungen zu lang, war mir sein Stil zu schwülstig. Manchmal hielten diese Ausschweifungen die Geschichte auf, machten ungeduldig. Gerade im letzten Drittel wurde mir das zu viel. Seine verschachtelten Sätze, seine bildreiche Sprache nutzte sich ab. So war ich immer wieder abwechselnd gefesselt und gelangweilt – eine ungewöhnliche Leseerfahrung.

Insgesamt aber hat mir „Was sie begehren“ gefallen, gerade aufgrund der so treffenden Darstellung von vor allem Penworth und Charles in seiner Phase der Adoleszenz. Mackenzie wurde mit seinem Roman berühmt, konnte aber, so der Klappentext, später nicht mehr an seinen ersten Erfolg anknüpfen und ertrank 1955 mit nur 41 Jahren beim Schwimmen in einem Fluss.

Kommentare: 3
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Nespavanjes avatar

Rezension zu "Was sie begehren" von Kenneth Mackenzie

Klassische australische Literatur
Nespavanjevor 4 Jahren

Als ich das erste Mal, das Cover von „Was sie begehren“ gesehen habe, hatte ich ein Déjà-vu. Das Titelbild ist von Paul Cadmus, diesen Umstand wusste ich bis dahin aber noch nicht. Einen Reim auf dieses Wiedererkennen, konnte ich mir erst machen, weil ich ständig neue Ordnungssysteme für mein Bücherregal ausprobiere und schicksalshaft „Das Sandkorn“ von Poschenrieder, gleich neben diesen wunderbaren Roman gelandet ist. Beide Bücher haben dasselbe Titelbild, und das hat mir wiederrum ein bisschen zu denken gegeben: „Wähle ich Romane tatsächlich nur nach dem was darin steht aus, oder lasse ich mich doch zu sehr von gut gestalteten Cover verleiten ein Buch zu lesen?“ Bei diesem Roman ist es mir geglückt auf ein schönes Äußeres, auch auf ein schönes Inneres zu stoßen und man kann dem Verlag nur gratulieren, dieses literarische Kleinod ausgegraben zu haben und gut 77 Jahre nachdem es im englischen Original erschienen ist, es  auch auf Deutsch der eifrigen Leserschaft zu präsentieren.

Held dieser Geschichte ist der 15 jährige Charles Fox, der gerade frisch an einem Internat eintrifft. Bisweilen wurde er zu Hause von seiner Mutter unterrichtet, seine Freiheiten büßt er im Internat schnell ein. Den Drangsalierungen seiner Mitschüler ausgesetzt, in der ersten Nacht wird er von seinen Klassenkameraden in einen Korb mit stinkender Dreckwäsche gesteckt, findet Charles kaum Anschluss und bleibt relativ einsam. Ausgerechnet bei dem Lehrer, der im vor weiteren Torturen rettet, findet Charles einen Freund. Es ist der Beginn einer Freundschaft, bei der die Grenze zwischen Zuneigung und Zudringlichkeit, von Seiten des Lehrers überschritten wird. Penworth fühlt sich erotisch von seinem Schüler angezogen und als in den ersten Ferien Charles ein junges Mädchen kennenlernt, verliebt er sich augenblicklich in sie.

„Was sie begehren“ ist ein literarisch-atmosphärisch dichter Adoleszenzroman, dessen wahres Alter man aber gerade beim Lesen nicht vergessen sollte. Die „Schicklichkeit“ hat es im Jahr 1937 wohl nicht erlaubt bestimmte Szenen zu lange und im Detail zu beschreiben. Oder merkt man ihm die biographischen Züge an, die diesem Roman innewohnen, sodass er die Misshandlungen und für ihn seltsam anmutenden Internatsrituale kurz angedeutet lässt um realen Personen nicht zu schaden, oder öffentlich zu diskreditieren? Kurz gesagt, ich weiß es nicht, vielleicht gibt es aber auch einen anderen Grund, der sich aber meiner Kenntnis entzieht. An diesen Stellen hat mich die etwas zu blumige Ausdrucksweise dann dazu dirigiert, bestimmte Absätze aufmerksam zu lesen, die im schlimmsten Fall mir ein bisschen unverständlich blieben. Die Intensität die Charles allerdings zu Margret verspürt ist wunderbar klar beschrieben, man erinnert sich sogleich an die eigene große Liebe. Wie ein Damoklesschwert hängt allerdings die verkehrte Freundschaft zwischen Lehrer und Schüler, über den autobiographischen Roman und wenngleich er ohne großartigen Spannungsbogen auskommt, will man unbedingt wissen, ob es zu einer großen Tragödie kommt oder nicht. Kenneth Mackenzies Leben selbst, endete dramatisch: Er ertrank bei einem Badeunfall und zeitlebens konnte er an den Erfolg, den er mit seinem Debütroman hatte, nicht mehr anknüpfen.

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