Kenzaburô Ôe Eine persönliche Erfahrung

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Inhaltsangabe zu „Eine persönliche Erfahrung“ von Kenzaburô Ôe

Roman. 239 S. 2. A. (Quelle:'Fester Einband/28.10.1994')

Eine wortgewandt erzählte Geschichte über Verantwortung und Selbstvertrauen.

— SgtPepper
SgtPepper

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  • Rezension zu "Eine persönliche Erfahrung" von Kenzaburo Oe

    Eine persönliche Erfahrung
    dzaushang

    dzaushang

    09. May 2010 um 13:01

    Bird, 27 Jahre 4 Monate alt, erwartet die Geburt seines ersten Kindes. Nicht an der Seite seiner Frau sondern im Alltagstrubel der Großstadt und gefangen in seiner sehr Ich-bezogenen Gedankenwelt. So recht erfreuen kann er sich nämlich von Anfang an nicht an den Gedanken, dass er nun bald Vater werden soll. Vor allem sein größter Wunsch, eine Afrikareise, scheint ihm mit der Geburt in unerreichbare Ferne zu entgleiten. Denn ist das Kind erst einmal auf der Welt, bin ich endgültig eingesperrt in den Käfig der Familie, so seine Gedankengänge. Mehr pflichtbewusst denn überzeugt ruft er jeweils zur vollen Stunde im Krankenhaus an, um sich auf den neuesten Stand des Geburtsgeschehens zu bringen. Im letzten dieser Anrufe wird Bird mitgeteilt, dass mit seinem nun geborenen Kind irgendetwas nicht stimme. Er eilt ins Krankenhaus und wird dort von den Ärzten mit den Worten: "Wollen sie das Ding sehen?", empfangen. Das Kind wird mit einer Vorwölbung von Hirnhäuten, sehr wahrscheinlich mit Hirnanteil, am Hinterkopf geboren, die Ärzte wünschen dem frisch gebackenen Vater, seiner Frau und natürlich dem Kind, das es rasch stürbe, das wäre für alle das beste. Das Kind wird dennoch erst mal in eine Spezialklinik gefahren, es läuft der übliche medizinische Apparat an und Bird, der in dem ganzen anlaufendem Trubel nur einen flüchtigen, schreckerfüllten Blick auf sein Kind, das Monster, erhaschen kann, verbleibt in der Erwartung, dass es wohl bald sterben werde. Mit seinen Gedanken, seinen Gefühlen, seiner Wut bleibt er allein, denn die Schwiegereltern schirmen seine Frau, noch ans Krankenbett gebunden, von ihm und der Wahrheit völlig ab. Nach Hause will er nicht, kann er nicht, wie sollte er den Anblick der Wiege ertragen. So flüchtet er zu seiner Freundin Himiko aus Studentenzeiten und vergräbt sich in ihrer dunklen Wohnung. In dieser Höhle, in der ein Sonnenstrahl nur selten den dicken Zigaretten -und Alkoholdunst durchdringen kann verbringt Bird, in sexueller Obsession verhaftet, die nächsten Tage und findet dennoch in Himiko ein kongeniales Gegenüber. Gemeinsam loten sie ihre gedanklichen Untiefen aus, beschließen gemeinsam dem Leben des Kindes müsse ein Ende gesetzt werden und stehen dann doch am Scheideweg als Bird sich seiner persönlichen Verantwortung bewusst wird. Bis in Birds letzte Gehirnwindungen hinein nimmt uns Oe mit auf eine gedankliche Reise die haarsträubender, skurriler und abstruser nicht sein kann. Ist Birds Denken und Handeln ein einziger großer Selbstbetrug? Warum schließt er sich so tatenlos der Einschätzung der Ärzte an und warum kämpft er nicht entschieden für das Leben des Kindes? Was hat das mit seinen egoistischen Wünschen zu tun, was mit dem Wunsch seiner Frau, er möge das Baby nicht im Stich lassen, andernfalls würde sie sich von ihm trennen? Was geschieht eigentlich, wenn das Kind nicht von alleine stirbt, sich im Gegenteil kräftig weiterentwickelt? Sein Zustand wächst sich zu einer massiven Identitätskrise aus, er versucht zu verstehen, warum ausgerechnet ihm so etwas passiert, bis er schließlich nicht mehr weiß, ist er Opfer oder ist er Täter. Kenzaburo Oe hat einen äußerst packenden, ja mitreißenden, leicht lesbaren Roman über die inneren Abgründe des Menschen und die alles entscheidende Frage nach dem, was lebenswertes Leben denn nun ausmacht, geschrieben. Dem Leser wächst, so erstaunlich dies vielleicht so manchem klingen mag, der Protagonist Bird, trotz aller Irrungen, Wirrungen und Obsessionen, in seiner größten Not doch sehr ans eigene Herz. Und wie einfach und doch wahr und klar diese Frage nach dem Leben sich letztlich selbst erklärt, das habe ich so schon lange nirgendwo sonst mehr gelesen. "Eine persönliche Erfahrung" ist ein Lehrstück an Menschenfreundlichkeit und eine Liebeserklärung an das Leben.

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