Kersten Knipp

 4.3 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Die Kommune der Faschisten, Paris unterm Hakenkreuz und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Kersten Knipp

Dr. Kersten Knipp, geb. 1966, ist Publizist und Journalist. Er ist freier Politik-Redakteur bei der Deutschen Welle, arbeitet für den Deutschlandfunk und andere Sender der ARD und ist Autor u. a. für die Neue Zürcher Zeitung. Seine Schwerpunkte sind die Zeitgeschichte sowie Politik in Nahost und der arabischen Welt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Kersten Knipp

Cover des Buches Die Kommune der Faschisten (ISBN: 9783806239140)

Die Kommune der Faschisten

 (9)
Erschienen am 01.03.2019
Cover des Buches Paris unterm Hakenkreuz (ISBN: 9783806241099)

Paris unterm Hakenkreuz

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Erschienen am 01.03.2020
Cover des Buches Im Taumel (ISBN: 9783806236651)

Im Taumel

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Erschienen am 01.02.2018
Cover des Buches Nervöser Orient (ISBN: 9783806233674)

Nervöser Orient

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Erschienen am 01.09.2016
Cover des Buches Flamenco (ISBN: 9783518458242)

Flamenco

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Erschienen am 27.11.2006
Cover des Buches Das ewige Versprechen (ISBN: 9783518464489)

Das ewige Versprechen

 (0)
Erschienen am 19.08.2013

Neue Rezensionen zu Kersten Knipp

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Rezension zu "Paris unterm Hakenkreuz" von Kersten Knipp

Wer das Buch gelesen hat, kann die Deutsch-Französische Freundschaft nicht hoch genug schätzen!!
wschvor 3 Monaten

Im ersten Teil beschreibt Kersten Knipp an vielen Beispielen aus dem französischen Alltag der späten 1930er Jahre sehr bildhaft und somit nachvollziehbar die Stimmung in Frankreich. Die dort nach den riesigen Verlusten an Menschenleben während des Ersten Weltkrieges gebrachten Opfer in so gut wie allen Familien Frankreichs. Die leider vergeblichen Versuche, die wahnwitzigen Vorstellungen der Nazis auf diplomatischem Weg einzudämmen.

Die absolute Verkennung des französischen Militärs, sich mittels der Maginot-Linie gegen einen Überfall der Nazis und deren Wehrmacht schützen zu können.

Der Autor beschreibt an Hand von Zitaten aus Briefen, Tagebüchern und stellenweise philosophischer Literatur (z. B. Werken von J.-P. Sartre), anhand von  in deutscher Gründlichkeit geführten Listen der aus Frankreich deportierten Menschen jüdischen Glaubens, der Anzahl der Opfer von Massakern, die die SS und die Wehrmacht in Frankreich verübt haben, die Zustände in Frankreich. In der Zeit vor dem Überfall durch das Dritte Reich. In der Zeit der deutschen Besetzung mit der von Philippe Pétain geführten Marionetten-Regierung in Vichy für etwa die nördliche Hälfte des französischen Staatsgebietes. Bei diesen Themen und Zeiten lässt der Autor auch die willfährige 'Zuarbeit' vieler Franzosen bei der Jagd nach Juden und Zusammenstellung der Deportationszüge in die Vernichtungslager der Nazis im Osten Europas aussen vor. Eine latente Aversion gegen Menschen jüdischen Glaubens war im damaligen Frankreich auch ohne Beeinflussung durch die Nazis vorhanden.

Dass der Widerstand durch die Résistance, deren Mitglieder teils sehr gegensätzliche politische Vorstellungen und Zielsetzungen hatten, dass die Wirkung des vom Exil in London aus agierenden Géneral Charles de Gaulle mit vielen Fakten vom Autoren geschildert wird, steht bei dem Buch ausser Frage.

In einem eigenen Kapitel wird das im Endeffekt dann doch erfolgreiche Bemühen der Nazi-Jäger Serge und Beate Klarsfeld, den 'Schlächter von Lyon" SS-Obersturmführer und Chef der Gestapo in Lyon Klaus Barbie geschildert. 


In diesem Zusammenhang ein längeres Zitat von Seite 253:

"Seine Verurteilung brauchte Klaus Barbie lange Zeit nicht zu fürchten. Die ersten Jahre nach der Niederlage Nazi-Deutschlands hatte sich der Kriegsverbrecher in der Heimat versteckt, bis er sich 1954 mit Hilfe des US-amerikanischen Geheimdienstes nach Bolivien absetzte. Unter neuem Namen - »Klaus Altmann« - und als Vertrauter der das Land regierenden Diktatoren führte er in der Hauptstadt La Paz ein sorgenfreies Leben.

Ungemütlich wurde es für Barbie im Jahr 1971, als die Nazi-Jäger Serge und Beate Klarsfeld auf ihn aufmerksam wurden. In jenem Jahr hatte die Münchner Staatsanwaltschaft eine nicht publik gemachte Einstellungsverfügung im Fall Barbie beschlossen. Der »Schlächter von Lyon«, wie Barbie genannt wurde, wäre durch diesen Beschluss vollständig rehabilitiert worden, trotz dreier 1947, 1952 und 1954 gegen ihn erlassenen Todesurteile der französischen Justiz."

Nur durch den Einsatz der Nazi-Jäger war es möglich, Klaus Barbie der französischen Justiz übergeben zu lassen. Er wurde 1987 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt und starb 1991 in einem Gefängnis in Lyon an Krebs...

Alles in Allem ein unbedingt zu lesendes Buch, um die wahrhaft historische Bedeutung folgender Daten zu verstehen. Deren Wert für das grundsätzlich friedliche Zusammenleben in Europa nicht hoch genug gehalten werden kann:


8. Juli 1962: Konrad Adenauer und Charles de Gaulle besuchen gemeinsam eine Versöhnungsmesse in der Kathedrale von Reims.


9. September 1962: Charles de Gaulle hält in Ludwigsburg eine Rede an die deutsche Jugend in deutscher Sprache.


22. Januar 1963: Konrad Adenauer und Charles de Gaulle umarmen sich anlässlich der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages.


22. September 1984: Helmut Kohl und François Mitterrand Hand in Hand vor dem Beinhaus von Douaumont bei Verdun anlässlich einer großen Zeremonie zur Erinnerung an die Opfer der Kriege zwischen Frankreich und Deutschland.


6. Juni 2004: Gerhard Schröder und Jacques Chirac umarmen sich bei einer Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie, bei der zum ersten Mal ein deutscher Kanzler eingeladen ist.


4. September 2013: Bundespräsident Joachim Gauck und Staatspräsident François Hollande besuchen Oradour, wo am 10. Juni 1944 SS-Soldaten das Massaker von Oradour verübt und 548 von 642 Bewohnern getötet hatten.


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Rezension zu "Die Kommune der Faschisten" von Kersten Knipp

Schwer zu lesen, aber interessant
Streiflichtvor einem Jahr

Auf dieses Buch war ich sehr neugierig, weil ich von Fiume noch nie gehört hatte und nach einer kleinen Recherche im Internet wirklich gespannt darauf war. Ist es doch eine wahre, aber wirklich kuriose Randnotiz der Geschichte Europas. Das Buch ist geschichtlich sehr spannend und interessant und man kann für Gegenwart und Zukunft viel aus den damaligen Ereignissen lernen. Waren doch schon damals faschistische Tendenzen deutlich erkennbar bzw. die Anfänge von Mussolinis Faschismus sichtbar. Auch kann man hier lernen, wie Propaganda funktioniert.

Leider war das Buch für mich sehr schwer zu lesen. Ich bin zwar geschichtsbegeistert und ich habe auch gemerkt, dass der Autor Kersten Knipp sich intensiv mit diesem Thema befasst und recherchiert hat, aber es war zu viel für mich. Das Buch ist sehr dicht geschrieben und unglaublich informativ, aber gewiss nicht leicht zu lesen. Meiner Meinung nach ist es für Laien eher ungeeignet, weil es oft viel zu wissenschaftlich ist. Auch werden viele Fremdwörter und Fachbegriffe verwendet.

Gut gefallen haben mir die Fotos aus der Zeit, die das Geschrieben verdeutlichen und besser greifbar machen. Auch die vielen Quellenangaben sind es wert, dass man sie sich genauer anschaut.

Insgesamt hatte ich mir mehr Alltägliches über die Republik von Fiume erhofft. D`Annunzio ist eine schillernde und sicherlich interessante Figur, war mir aber hier zu präsent. Für Geschichtsliebhaber ein tolles Buch, bei Laien ist ein gewisses Durchhaltevermögen nötig.

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Rezension zu "Die Kommune der Faschisten" von Kersten Knipp

D`Annunzio: Philosoph, Demagoge, Selbstdarsteller
Aischavor einem Jahr

Politik-Journalist Kersten Knipp hat ein informatives, komplexes und wirklich lesenswertes Buch über Gabriele D`Annunzio und die von ihm ausgerufene Republik von Fiume verfasst.

Im September 1919 errichtete der italienische Dichter und Kriegsheld D`Annunzio in der kroatischen Küstenstadt Fiume (das heutige Rijeka) eine rückblickend sehr skurril anmutende Gemeinschaft. Autor Knipp schildert nachvollziehbar, welche demagogische Macht als Mann des Wortes, als "Zauberer der Sprache" dabei zukam. Der Poet wird als Egozentriker beschrieben, der stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und der die Massen durch populistische Reden für seine Zwecke zu gewinnen weiß. Er macht einen erstaunlichen Wandel vom Dandy zum Kriegshelden durch, der von Knipp nachvollziehbar geschildert wird.

Schlussendlich schlägt Knipp noch die Brücke von D`Annunzio zu aktuellen italienischen Populisten wie Silvio Berlusconi und "Beppe" Grillo und dem Movimento 5 Stelle, von den alten "Wutbürgern" Fiumes zu den derzeitigen, die übers Internet zahllose Gleichgesinnte finden. Gemein ist ihnen allen ein verschobener Wahrheitsbegriff: Wahr ist, was gefühlt, was für wahr gehalten wird. Auch auf Parteiebene wiederholt sich die Geschichte: Hier setzt man statt auf Ideen und Inhalte vermehrt auf Personenkult.
Fazit: Das Buch ist sehr anspruchsvoll, und gerade wenn man - wie ich - kein umfangreiches Wissen in der italienischen Geschichte mitbringt, muss man viel nachschlagen, um alle Zusammenhänge zu verstehen. "Die Kommune der Faschisten" ist ein Sachbuch, das oft an der Grenze zum Fachbuch ist. Doch die Lektüre ist unbedingt lohnenswert. Ich habe viel über Massenpsychologie gelernt, und Knipp hat mir außerdem viel über Faschismus und Demagogie beigebracht, das auch zum Verständnis aktueller politischer Entwicklungen beiträgt.

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