Kerstin Decker Die Schwester

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Inhaltsangabe zu „Die Schwester“ von Kerstin Decker

Elisabeth und Friedrich Nietzsche. Ihr frühes Bündnis gegen die Zumutungen des Daseins schien unkündbar zu sein. Sie gab sich keine Mühe, einen Mann zu finden. Er gab sich keine Mühe, eine Frau zu finden. Bis doch eine zwischen sie trat, Elisabeth ihren Bruder verstieß und Friedrich Nietzsche die eigene Schwester zu seiner Fernsten erklärte. Zur Strafe heiratet sie: einen Antisemiten. »Du entkommst mir nicht!«, weiß Elisabeth, nachdem ihr Bruder in Turin verhaltensauffällig wird: Er hatte ein geprügeltes Droschkenpferd umarmt. Aber sein Ruhm wächst. Friedrich Nietzsche gilt noch immer als der beliebteste, meistgelesene und meistzitierte Philosoph weltweit. Dass erhalten ist, was er schrieb, ist nicht zuletzt Elisabeths Verdienst. Drei Mal wird sie für den Nobelpreis vorgeschlagen, gar zur »ersten Frau Europas« erklärt. Friedrich Nietzsche hat seiner kleinen Schwester vieles zugetraut, aber auf den Gedanken, dass sie einmal seine Wirkungsgeschichte mitbestimmen würde, wäre er nie gekommen. In aller Beiläufigkeit widerlegt sie sein Frauenbild.

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  • Philosophische Zeitgeschichte und andersartiges „Beziehungsleben“

    Die Schwester
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    07. November 2016 um 12:51

    Philosophische Zeitgeschichte und andersartiges „Beziehungsleben“Das war schon ein sehr besonders, symbiotisches Verhältnis zunächst, zwischen Elisabeth und ihrem Bruder Friedrich. So eng, fast anrüchig, dass, als sich der „Frauenverächter“ Nietzsche in jungen Jahren Hals- über Kopf in die Ehe stürzte, für Elisabeth solche Momente tiefster Kränkung, Eifersucht, Trauer und eines allgemeinen „Nicht mehr aushalten können“ im Raume standen, die man ansonsten nur bei Trennungen von „echten Paaren“ vermuten würde.Wie eine verschmähte Geliebte wirft Elisabeth ihren Bruder hinaus aus der „Liebeshütte“ und sieht sich außerstanden, für eine Weile, sich überhaupt in irgendeine Richtung noch hin in Bewegung zu setzten.Aber im Gegensatz zu den meisten alltäglichen Erfahrungen, dass sich solches wieder legt, man irgendwann sich lösen kann vom Objekt des Schmerzes, diese Elisabeth hat, auf ihre ganz eigene und sehr später auch „eingreifende“ Weise sich mit dem Leben des Bruders bis zum Ende hin unlösbar verbunden.Vor allem als dieser, der Verfechter des „gefährlichen Lebens“, der anerkannte philosophische Genius seiner Zeit mit den aufrührerischen, aufwühlenden Schriften und der metaphorischen, immer auch für Deutungen offenen Sprache, psychisch Erkrankte.Zunächst aber zeichnen die grabenkämpfe lange Zeiten der beiden Biographien. Elisabeth heiratet ebenfalls, einen ausgesprochenen und offensiven Antisemiten, dabei aber, und das arbeitet Decker hinaus, durchaus einem Zeitgeist folgend.Hin- und her wankt es mit dem Bruder und das nicht zuletzt wegen der stark abfälligen Reden über Juden.Nietzsche selbst aber fällt es immer schwerere, das „Nichtverstanden werden“ hinzunehmen.„Meine Schwester! Nachdem ich deinen Brief empfangen habe, sehe ich mich in die ernste Notwendigkeit versetzt, von dir Abschied zu nehmen“. Wieder einmal, dann nicht das erste Mal, wechselseitig, kehren die Geschwister einander den Rücken.Und dennoch, was in jungen Jahren bis über die Pubertät hinaus an intensiver Enge vorhanden war, lässt sich nicht so leicht lösen, eher eine Art Hassliebe ist es, ein gegeneinander, das aber vielleicht auch stark den Impuls trug, dass der andere sich eben doch mit einem beschäftigen muss, immer wieder sich zu versichern, dass Bruder und Schwester einander nicht kalt lassen.Krankheit und Tod warten auf den Philosophen, auf Elisabeth Förster-Nitzsche aber ganz anderes. Sich nicht nur vom Bruder zu emanzipieren, indem sie wohl redigierend in seine Texte eingreift (und so, z.B., das eher verächtliche Bild der Frauen“ Nietzsches kühl ändert), sondern selbst eine „eigenständige Person“ zu werden. Durch den Bruder und sein Werk.„Eine Frau ist sie nie selbst, sie ist immer die Frau oder eben die Witwe von irgendjemand anders oder eben die Schwester“.„Hauptsache, sie weiß, wer sie ist“.Und das weiß sie. Und „neigt in fast allen Lebenslagen zur Furchtlosigkeit und wird es in der weiblichen Disziplin des „Ohne-Stützen-Gehens“ erstaunlich weit bringen.Soweit, dass spätere Generationen bis in die Gegenwart hinein nicht einig sind, ob die Schwester Nitzsches Grundanliegen durch geschicktes Redigieren dem Nationalsozialismus „gangbar“ machte (dem sie selbst zutiefst überzeugt folgte, auch wenn sie sich lange Zeit abgrenzend als „nur deutschnational“ bezeichnete) oder doch eher den „wahren Kern“ der Gedanken des Bruders herausgestellt hat? Denn auch massiv reaktionäres Gedankengut war dem Philosophen durchaus eigen. So bezieht sich Mussolini schon früh auf Nitzsches Werk.Da niemand Zugang zum Archiv besaß, konnte Elisabeth mit allem, was nicht bereits vor dieser Zeit veröffentlicht war, recht frei verfahren, bis hin dazu, „Der Wille zur Macht“ in Eigenregie zusammenzustellen und herauszugeben.Eines aber ist klar, sie ist die „Herrscherin“ über die Gedanken und das Werk ihres Bruders, an ihr (und ihrer Deutung), kommt niemand vorbei, der an Nietzsche partizipieren will.Das Auf und Ab der Beziehung, die Entfaltung der „Elisabeth Nitzsche“ zur „Eli Förster“ und dann zum „Vormund“ des Geisteswerkes ihres Bruders, die vielfachen Prozesse, das nicht lockerlassen, in den eigenen Interessen sehr geschickt vorgehend, werden dabei von Decker ebenso sorgfältig aufgeführt, wie sie (in den Grundzügen) die Hauptgedanken der Werke Nietzsches mit einfließen lässt.Und die Frage letztlich öffnet (ohne sie einfach und konkret beantworten zu können und dies wohlweislich auch nicht tut): „Fälscherin Elisabeth“ oder eine „Vorbereiterin der historisch-kritischen Ausgabe“ der Werke. Subjektiv zwar, aber doch im Blick auf die Berge dahingeworfener Notizen, Briefe und Entwürfe eher redlich?Ein spannendes Buch mit neuen Perspektiven auf Elisabeth Nitzsche, aber auch auf die Entfaltungen der Zeit selbst in versuchter, „epischer Überhöhung“ einiger seiner Kunstschaffenden?Eine anspruchsvolle, aber sehr lohnenswerte Lektüre über ein Lebensverhältnis, aber auch über ein bis heute fremdartiges, überwältigendes Gedankengebäude.

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