Kerstin Decker Lou Andreas-Salomé

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Inhaltsangabe zu „Lou Andreas-Salomé“ von Kerstin Decker

'Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!' für Nietzsches wohl bekanntesten Ausspruchist Lou Andreas-Salomé mitverantwortlich. Der von ihr zurückgewiesene Philosoph rettete sich in Verachtung. Wer war diese Frau, die Rilkes frühe Dichtung in den Papierkorb beförderte, mit Nietzsche über Philosophie und mit Freud über Psychoanalyse diskutierte ? Von ihnen allen al sebenbürtig anerkannt? Kerstin Decker wirft einen neuen Blick auf Lou Andreas-Salomé, die wie wenige ihrer Zeit ein ganz und gar eigenständiges Leben führte.

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  • Rezension zu "Lou Andreas-Salomé" von Kerstin Decker

    Lou Andreas-Salomé

    Sokrates

    14. April 2011 um 08:14

    Was die Fakten angeht hat Kerstin Decker in ihrer Biographie nichts Neues präsentiert, da die Person der Lou Andreas-Salomé weitgehend bearbeitet ist und sich selten neue Hinterlassenschaften finden, die eine Neubewertung ermöglichen. Für mich war es auch nicht die erste Biographie über Andreas-Salomé, weswegen ich mich hier vorrangig auf den Stil des Buches beschränken möchte. - Die Autorin hat stellenweise eine recht eigenwillige Sprache. Es finden sich holprige Einschübe oder Abschlüsse einer Passage, die - verbunden mit einer Wertung der Biographin - innere Eindrücke/Einstellungen der Protagonisten widergeben sollen. Manches wirkt ein wenig abgesetzt und müsste nicht sein, um die inneren Beweggründe der Personen wiederzugeben, die Gegenstand der Biographie sind. So fällt das Buch allenfalls ins Prosaische ab, was mir persönlich weniger gefällt, da ich "klassische, klare" Biographien bevorzuge. - Insgesamt hat mich das Buch nur mittelmäßig angesprochen. Der bleibende Eindruck bleibt der von drei Sternen, leider.

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  • Rezension zu "Lou Andreas-Salomé" von Kerstin Decker

    Lou Andreas-Salomé

    HeikeG

    06. March 2011 um 15:51

    Autorin ihres Daseins . "Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!" . Vielleicht wäre die „kleine Wahrheit“ aus dem Kult-Buch "Zarathustra" des Philosophen Friedrich Nietzsche, diese "böse Handlungsanleitung für gekränkte frauenbesuchende Männer nie geschrieben worden, hätte er nicht das Mädchen getroffen, dem er jetzt mit so starken Absichten entgegengeht.", schreibt die auf erstklassige Künstlerbiografien spezialisierte Kerstin Decker. Das Mädchen ist die 21-jährige Lolja Salomé, die dem "Übermenschen", dem "Hochgebirgsdenker" begegnet ist und ihn in einen nahezu magischen Bann zieht. Lou Andreas-Salomé avanciert zu seiner "Glaubensgenossin", seinem "Geschwistergehirn", einer "Inkarnation seines Übermenschenideals". Sie scheint Nietzsches "personifizierte Philosophie" zu sein. Er macht ihr mehrfach einen Heiratsantrag und sie lehnt ihn immer wieder ab. Sie stürzt ihn in tiefste Depressionen, bleibt aber dennoch für sein restliches Leben mehr oder weniger mit ihm verbunden. . Im "Zarathustra" wird Nietzsche der Welt verkünden, dass "das Weib zur Erholung des Soldaten" sei. Doch von "Lou Andreas-Salomé werden sich noch viele zu erholen haben. Diese Frau wird auf Dauer wenig Begabung zeigen für das Rollenfach ihres Geschlechts. Sie steht, im Sinne Nietzsches, jenseits von Gut und Böse, diese Vokabeln erreichen sie nicht.", so die Autorin. Männer waren in ihren Leben stets etwas Höheres, Elementareres als ein Lehrer oder ein Mann je sein könnte. Sie waren ihr Heimat. Und zuweilen gab sie diese auch weiter. Der 21-jährige René Maria Rilke, der Name Rainer wurde ihm von Lou verliehen, fühlte sich ein Leben lang mit der 15 Jahre Älteren seelisch verbunden. Er war auch der erste, der sich körperlich mit ihr vereinen durfte. Ihrem angetrauten Ehemann gelang dies zeitlebens nicht. . Was hatte diese Frau an sich? Ihr überaus starkes Selbstbewusstsein, das sich bereits in frühester Kindheit entwickelte, kann es nicht allein gewesen sein. Welche Faszination ging also noch von dieser mit einem unglaublichen Intellekt gesegneten, russischen Generalstochter aus, die "in fast ärgerlicher Weise schon immer vorweg weiß, was kommt, und worauf es hinaus soll.", wie es ihr langjähriger, nicht minder verzweifelter Freund Paul Reé einmal treffend formulierte. Lou Andreas-Salomé bewohnt nicht wie die meisten Menschen "ebenerdige geistige Ein- bis Dreizimmerapartments; ihr Denken ist platzgreifend...". Vielleicht hat Nietzsche gar nicht so unrecht gehabt mit seinem Theorem von der "vollkommenen, bedingungslosen Hingabe" des Weibes. In Lous Fall, so Kerstin Decker, "hat er nur die entscheidende Konkretion vergessen: unbedingte Hingabe ja, aber an sich selbst, an die eigene Zukunft. (...) Lou von Salomé war der General ihres Lebens." . Kerstin Decker folgt den biografischen Spuren dieser faszinierenden Persönlichkeit. Sie baut "Gedankenschiffe" und umsegelt ganz im Sinne ihrer Protagonisten deren geistige Welt. Eingewobene Romanauszüge der Autorin Lou sowie Gedichte und Briefe ihrer Verehrer bilden einen wertvollen und ergänzenden Teil einer durch und durch feinfühligen, wenn auch nicht leicht zu lesenden, herausfordernden, aber unglaublich bereichernden Biografie auf höchstem Niveau. Gleichzeitig legt die Autorin ein sehr gut recherchiertes Werk vor und bringt alles in einen kohärenten Zusammenhang. Gedanken und Gefühlen der Personen, die nicht auf tatsächliche Zeitzeugnisse zurückzuführen sind, nähert sich Decker behutsam an, wägt ab, variiert.
Nie zwingt sie ihre Interpretation auf, sondern erzeugt eine Art literarischen Schwebezustand, so dass der Leser sich eigenständig positionieren kann. . Entstanden ist eine Biografie, die sich durch Tiefe und Substanz auszeichnet sowie den kompromisslosen Lebensentwurf der exzentrischen "Autorin ihres Daseins" wunderbar nachverfolgen, ihn nahezu selbst erleben lässt. Kerstin Decker arbeitet den Kern Lou Andreas-Salomés feinfühlig heraus. Sie lässt den Leser teilhaben an deren ganz ungewöhnlichem Wesen, "von ganz kindlicher Reinheit und Lauterkeit des Sinns und zugleich wieder von unkindlicher, fast unweiblicher Richtung des Geistes und Selbständigkeit des Willens und in beiden ein Diamant (...) Ein Diamant der funkelt, aber er ist undurchdringlich. Kein Stein ist härter als er." In gewissem Sinne war diese ungewöhnliche Frau die legitime Vorfahrin der Kinder des frühen 21. Jahrhunderts.

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