Kerstin Decker Paula Modersohn-Becker

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Inhaltsangabe zu „Paula Modersohn-Becker“ von Kerstin Decker

Die Malerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907) war eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus in Deutschland. Im Rahmen der berühmten Künstlerkolonie Worpswede und bei mehreren Aufenthalten in Paris entwickelte sie einen ganz eigenen, ausdrucksstarken Stil, der an Cézanne, Gauguin und den frühen Picasso erinnert. Die Publizistin Kerstin Decker zeigt in diesem liebevollen, hinreißend geschriebenen Porträt, wie modern Paula Modersohn-Becker nicht nur als Künstlerin, sondern auch als emanzipierte Frau gewesen ist.

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  • Rezension zu "Paula Modersohn-Becker" von Kerstin Decker

    Paula Modersohn-Becker

    HeikeG

    14. August 2008 um 17:16

    Einfachheit im Großen: eine Werklebensgeschichte "Leben! Leben! Leben!" war der Sinnspruch der Malerin Paula Modersohn-Becker, die in dem vorliegenden Buch grandios von Kerstin Decker porträtiert wird. "Paula Modersohn-Becker (geboren am 8. Februar 1876 in Dresden; gestorben am 21. November 1907 in Worpswede) war eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus. In den knapp vierzehn Jahren, in denen sie künstlerisch tätig war, schuf sie 750 Gemälde, etwa 1.000 Zeichnungen und 13 Radierungen, die die bedeutendsten Aspekte der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in sich vereinen." So nüchtern kann man es bei "Wikipedia" lesen. Aber was für ein Mensch verbarg sich hinter dieser großartigen Künstlerin? Welchem inneren Antrieb folgte sie mit ihrem künstlerischen Schaffen? Die Autorin Kerstin Decker, die bereits mit ihrer ambitionierten und viel besprochenen Heinrich-Heine-Biografie ein Achtungszeichen gesetzt hat, begibt sich nun ganz tief in die Seele dieser Frau. Kerstin Decker beginnt ihre Biografie im Frühjahr 1906: "Sie ist im Begriff, eine Revolution zu beginnen, und weiß es nicht. Am Ende dieses Tages wird die Revolution vollbracht sein. Aber man sieht ihr die Aufrührerin nicht an (...) Jetzt, am 25. Mai 1906 in der Avenue du Maine in Paris, malt - wohl zum allerersten Mal - eine Frau sich selbst: hüllenlos. Der erste weibliche Selbstakt entsteht." Und in gewissem Sinne ist es sogar eine "doppelte Bild-Revolution". Denn Paula Modersohn-Decker malt sich nackt und schwanger. Schwanger ist sie zu diesem Zeitpunkt nicht, "höchstens schwanger von sich. Sie ist eine selbst Befruchtende - wie Künstler es sind. Sie ist ihr eigener Rausch." Von ihrem Mann Paul Modersohn wurde ihr Wirken einmal als "Löffel-und-Kolben-Malen" bezeichnet: Hände wie Löffel, Nasen wie Kolben. "Paula ist die Malerin des Runden unter den Bedingungen der Modernität." Sie malt geteilte Räume, Rundräume, die sich selbst genug sind. Bereits die Griechen erkannten in der Kugel das vollkommene Sein. Im Jahr 1899 hatte sie das erste Mal in der Bremer Kunsthalle ausgestellt und vernichtende Kritiken erfahren. Ihre Studien - Menschen aus den Worpsweder Armenhäusern - gefielen nicht. Niemand wollte diese "Hängebäuche" sehen, diesen Mut zur Farbe. Aber es sollte trotzdem ihr Jahrhundert werden. Denn genau zu dieser Zeit malt bereits ein Anderer fast so wie sie. Und bald schon wird die Welt diese Art zu malen unter dem Namen Kubismus kennen. Damals kennt ihn kein Mensch. "Er hat gerade hinter sich, was andere bald seine 'rosa Periode' nennen werden. Es ist Pablo Picasso." Sprechend werden am Anderen Doch nicht ihn stellt Kerstin Decker Paula Modersohn-Becker an die Seite. Sondern einen Mann, der zu Beginn der literarischen Moderne in Deutschland ebenfalls ganz für sich allein stand: Rainer Maria Rilke. Sie waren eng befreundet. Ihm fühlte sich Paula seelenverwandt. Rilke begleitet den Leser dieser Biografie nicht als "Neben-Mensch", sondern er tritt als "Haupt-Mensch" auf. Große Teile werden ausführlich ihm gewidmet. "Vor allem, weil eine Künstlerbiografie schließlich die Lebensgeschichte des Werks erzählt, die Werklebensgeschichte." Paula Modersohn-Becker und Rainer Maria Rilke vollzogen in ihrem Werk die gleichen Bewegungen. Sie wagten sich in Bereiche vor, "in denen es nichts Festes mehr gibt, in denen alles flüssig wird, nach ganz innen. In die wahren Intimräume, in seelisches Magma." Leben! Leben! Leben! (Worpswede, den 24. Juli 1897) Einen weiteren großen Schwerpunkt in dieser Biografie - die vor allem intensiv und tiefgreifend die Jahre 1900 bis 1906 beleuchtet - nehmen das Leben in der Künstlerkolonie Worpswede, aber auch ihre künstlerischen Schaffensreisen nach Paris ein. Kunstvoll verwebt Decker Nietzsches Zarathustra - den Paula gelesen und mit dem sie sich tief verbunden fühlte - mit der Handlung. Dessen Einsamkeiten waren auch die der Künstlerin. Sie war die "Jüngerin Zarathustras". Zarathustra war ihr Alter Ego. Und dann gab es noch ihre "Schwesterseele": eine tiefe Freundschaft verband Paula mit der Bildhauerin und späteren Frau Rilkes - Clara Westhoff. Zwei Freiheitsberauschte Aber immer wieder fließen die elegischen Worte Rilkes ein. Beiden Künstlern der Avantgarde hat Kerstin Decker in diesem Buch ein Denkmal gesetzt. Diese Biografie scheint aus der Feder Rilkes geschrieben. Die Autorin trifft dessen hohen Ton veritabel, übernimmt dessen "Schwung der Rede", ohne ihn oberflächlich zu kopieren. Anhand eingeflochtener Gedichte Rilkes und inniger Briefwechsel der beiden verschmilzt der Leser kongenial mit dieser außergewöhnlichen Frau. Ein zartes Klingen und Vibrieren durchzieht die Zeilen, erzeugt ein feines Tremolo beim Lesen. Diese Biografie liest man physisch, fühlt sie in allen Nerven, in den Handgelenken, den Fingerspitzen, den Lippen: lyrische Prosa für die Augen. Gleichzeitig legt die Autorin sehr gut recherchiertes Werk vor und bringt alles in einen kohärenten Zusammenhang. Gedanken und Gefühlen der Personen, die nicht auf tatsächliche Zeitzeugnisse zurückzuführen sind, nähert sich Decker behutsam an, wägt ab, variiert. Nie zwingt sie ihre Interpretation auf. Sie erzeugt eine Art literarischen Schwebezustand, so dass der Leser sich eigenständig positionieren kann. Jede Kunst braucht ihre Entdecker "Picasso brauchte seine Gertrude Stein. Paula brauchte Hoetger, Rilke, Modersohn und - vor allem Heinrich Vogeler, den Unermüdlichsten ihrer späteren Propagandisten." Die Entdeckerin des Menschen Paula - das ist Kerstin Decker. Ein großartiges Buch und eine wunderbare Erinnerung anlässlich ihres 100. Todestages am 21. November 2007. Dies ist eine Biografie der etwas anderen Art, hier sind keine Daten chronologisch aneinandergereiht. Immer wieder springt die Autorin aus den letzten Jahren der Künstlerin in deren Anfangszeit zurück. Das Buch liest sich tendenziell wie das Tagebuch Paula Modersohn-Beckers, aber lyrisch bearbeitet von Rainer Maria Rilke. So, als würde der Leser wahllos zwischen den Seiten hin- und her blättern, einmal innehalten, dann wieder etwas weiter hinten einsetzen. Dies wirkt jedoch weder desorganisiert noch störend. Der rote Faden geht dabei niemals verloren. Alles fügt sich schlüssig zusammen: eine Seelenoffenbarung zweier seelenverwandter, großartiger Künstler - eine intellektuelle Meisterleistung, ein gelungenes Orchesterwerk mit Paula Modersohn-Becker als "Hauptton" und vielen wunderbaren "Nebentönen". "Ich bin Ich, und hoffe, es immer mehr zu werden. Dies ist wohl das Endziel von allem unsern Ringen" (P.B. 17.02.1906) Fazit: Kerstin Decker schafft einen Klangraum mit vielen Gleichschwingenden, aber jeder ist doch sein ganz eigener Ton darin. Um eine Buchempfehlung mit modifizierten Worten dieser großartigen Malerin zu geben: Lesen! Lesen! Lesen!

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  • Rezension zu "Paula Modersohn-Becker" von Kerstin Decker

    Paula Modersohn-Becker

    Kaivai

    28. September 2007 um 19:43

    "Wer ist die Frau da im Spiegel, die sie malt? Sie kennt sie, und sie kennt sie nicht. Auf ihrem Bild sieht Paula fast aus wie eine der Gaugin'schen Südsee-Schönen: übergroße, fast animalisch-dunkle Augen, die lange Kette über der nackten Brust und die Hände einträchtig auf dem gewölbten Bauch. Bloß nicht nach Worpswede aussehen jetzt. Denn auch vor Worpswede ist sie weggelaufen. Aber Gaugin täuscht, genau wie die Südsee. Denn sie malt ihre Seele. Wie sieht eine Seele aus, ihre Seele? Wie mein Akt, hat sie gedacht. Der Blick dieser Augen ist nur auf den ersten Blick herausfordernd-weiblich und naturhaft-schwarz zugleich, er ist dunkel vor Fragen - an sich, an alle." Die Vermessung der Seele. Das ist im Grunde das was Kunst soll und das ist im Grunde bodenlos. Ohne Boden und ohne Grund ist die Seele und damit so ziemlich kaum faßbar. Wenn ein Mensch sich dieser Unfaßbarkeit aussetzt, dann tanzt er einen Eiertanz. Im letzten Jahrhundert gab es zwei deutsche Dichter, beide in Prag geboren, die mit ihrer Sprache der Seele nahe kamen, wie nur wenige sonst. Der eine war Kafka, der andere Rilke. Kafka zentrierte seine Verschlossenheit und das Schloß war sein Vater. Für Rilke war das Schloß seine Mutter und er zelebrierte seine Verschlossenheit, die Frauen schlossen sich ihm an und er schloss sich ihnen auf und zu und auf und zu. Eine dieser Frauen war Paula Modersohn-Becker. Kerstin Decker erklärt ganz bewußt Rilke zu Paulas "Schwesternseele". Um diese "Schwestern" windet sich das Buch wie eine Schlange. Für Paula war ihre Schwesternseele Clara Westhoff. Die sich von ihr entfremdete, als Rilke sie zur Frau nahm. Vielleicht wurden Rilke und Clara auch ein Paar, weil Paula sich mit Otto Modersohn verheiratete. Eins stößt das andere an. Und solch ein Buch,wie dies von Kerstin Decker, das stößt ganz viel an. Schon der Anfang. Sechs Seiten die vom 25.5.1906 handeln, als sie das Bild malte, das auf dem Titel zu sehen ist. Der erste Selbstakt den je eine Frau gemalt hat. Diesen Anfang mußte ich gleich zweimal lesen, so schön fand ich ihn. Und dann folgt eine Biographie, die sich liest wie ein Film von Alejandro Gonzalez Inarritu. Die zeitlichen Ebenen sind so kunstvoll verwoben, in Vor- und Rückschritten verschränkt, daß ich aus dem heraustrete beim Lesen, aus dem was uns als Zeit erscheint, dem Zeitpfeil und in das hereintrete, was Zeit wirklich ist: eine bodenlose Fläche. Genau dies hat auch Paula Modersohn-Becker gemalt und wer ihr und ihren Bildern nahe kommen möchte,d er sollte nicht nur in die Bremer Kunsthalle gehen, der sollte auch diese Biographie lesen.

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