Kerstin Ehmer

 4.2 Sterne bei 33 Bewertungen
Autor von Der weiße Affe, Die Schule der Trunkenheit und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Kerstin Ehmer

Der weiße Affe

Der weiße Affe

 (32)
Erschienen am 30.08.2017
Die Schule der Trunkenheit

Die Schule der Trunkenheit

 (1)
Erschienen am 09.09.2013
Die Schule der Trunkenheit

Die Schule der Trunkenheit

 (0)
Erschienen am 30.04.2018

Neue Rezensionen zu Kerstin Ehmer

Neu
Schurkenblogs avatar

Rezension zu "Der weiße Affe" von Kerstin Ehmer

Ein Krimi mit dem gewissen Etwas für anspruchsvollere Leser
Schurkenblogvor einem Monat

"Der weiße Affe" entführt den Leser in eine andere Welt nach Berlin in die 1920er Jahre. Authentisch, detailstark, sprachlich ein Genuss!

Ariel Spiro kommt aus der Provinz nach Berlin, wo er sogleich als Kriminalkommissar mit einem Mord konfrontiert wird. Schnell wird er mit dem bunten, verruchten Stadtleben vertraut, denn in den Gassen Berlins tummeln sich nicht nur Pferdedroschken und Einbeinige von Bar zu Bar, sondern auch Männer, die Männer lieben, und Männer, die Kinder kaufen, und Männer, die in Frauenkleidern stecken. Und Frauen, die sich von Männern weiße Affen schenken lassen.
So eine ist das Fräulein Hilde, eine Tänzerin. Ihr Geliebter, ein Bankier, wird erschlagen vor ihrer Wohnungstür gefunden. Der erste Hauptverdächtige ist schnell gefunden, der Freund von Fräulein Hilde. Aber auch die Familie des Getöteten hätte Motive, besonders der Sohn. Und in die Tochter verguckt sich unser ehemalige Provinzpolizist auch noch. Ganz schön viel für den Herrn Spiro, der sich von der Stadt verführen lässt und so langsam seinen Anfangsbonus bei seinem Vorgesetzten verspielt.
Zwischendurch verwirren ein paar wahnsinnige Fantasietexte den Leser. Von Königinnen mit bösen Mündern ist da die Rede, dann wieder ist der Text klar verfasst, ein Junge, der in einer Schule gemobbt wird und nur schwer Anschluss findet. Wie im Drogenwahn wirken die Texte, die sich erst gegen Ende erklären.

Sprachlich ist der Text ein Genuss. Mit Berliner Dialekt wird da zwischendrin aufgepeppt und ist überraschenderweise gut zu lesen und macht die Geschichte noch authentischer. Überhaupt beleben die vielen kleinen, eingeflochtenen Details die Zeit der 1920er und das Stadtleben Berlins, das von Künstlern bevölkert wird, aber auch von hungernden Kindern, "Kriegerwitwen" und Einbeinigen. Schranken werden übergangen, aufgehoben, denn die sexuelle Befreiung ist spürbar, sie wird gelebt in den verruchten Bars und in den Zeilen.

Die Figuren sind nicht überladen, so ist Spiro derjenige, der sich wie der Leser auf in unbekanntes Terrain begebt. Derjenige, der dieses Stadtleben erst kennenlernen muss, der lernen muss, damit zurecht zu kommen. Denn eigentlich ist er ein einfacher, geradliniger Mann aus Wittenberge.
Sein Kollege Bohlke hat den Krieg, in dem er war, nie hinter sich gelassen. Auch die Zeit nach dem Krieg ist in dem Roman spürbar, die Probleme, die diese Zeit mitbringt. Die Folgen. Aber ebenso sind diese schillernden Figuren, die ihre Sexualität ausleben wollen, ein Zeichen der Änderung, das durch sie erst lebendig wird.
Und zu guter Letzt gibt es einen Krimiplot mit vielen Verdächtigen, so dass bis zum Schluss gerätselt werden darf, wer war es und was hat es mit diesen rauschhaften Zwischenstücken auf sich.

"Der weiße Affe" entführt den Leser in die 1920er Jahre Berlins, in all der geräuschvollen, verruchten Pracht, in die Bars, die Theaterszene, den sexuellen Aufbruch. Das Buch ist ein Krimi mit dem gewissen Etwas. Sprachlich ein Genuss, aber aufgrund der Zwischenkapitel, die man anfangs schwer einordnen kann, wohl eher für anspruchsvolle Leser geeignet. Aber die werden dieses Buch genießen.

Kommentieren0
2
Teilen
ManuelaBes avatar

Rezension zu "Der weiße Affe" von Kerstin Ehmer

Berliner Luft
ManuelaBevor 8 Monaten

Der weiße Affe ist ein Kriminalroman der Autorin Kerstin Ehmer. Sie fängt darin das Flair und die Szenerie von Berlin in den zwanziger Jahren ein. Der junge Kommissar Ariel Spiro ist kaum in Berlin eingetroffen als er sich um die Ermordung eines jüdischen Bankiers kümmern muss. Seine Ermittlungen führen in quer durch Berlin und alle Schichten. Er lernt zwielichtige Lokale kennen, gerät in die Homosexuellen Szene und erlebt das rauschende Berliner Nachtleben.


Die Autorin erzeugt ein schillerndes Bild der damaligen Zeit und des herrschenden Zeitgeistes, teilweise gerät die eigentlich Kriminalgeschichte in den Hintergrund und die Auflösung des Falles ist alles andere als spektakulär. Gerade erst aufkommende Ermittlungsmethoden werden angerissen und gut in die Geschichte eingebettet. Die Charaktere sind in Teilen recht flach und als Leser dringt man nur knapp unter die Oberfläche. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven wobei der Hauptfokus auf Ariel Spiro liegt, der es als Neuling in der Abteilung nicht immer einfach hat. Wer Geschichten mag die in den Zwanziger Jahren spielt, wird das Buch interessant finden, wer sich eher einen spannenden Krimi wünscht kommt nicht so ganz auf seine Kosten.

Kommentieren0
1
Teilen
Patnos avatar

Rezension zu "Der weiße Affe" von Kerstin Ehmer

Zeitreise in die wilden Zwanziger
Patnovor 9 Monaten

Das Cover zog mich magisch an und nachdem die ersten Leserstimmen vielversprechend klangen, war meine Neugier auf den historischen Krimi von Kerstin Ehmer, welcher im August 2017 beim Pendragon Verlag erschienen ist, geweckt.


Ungewöhnlich auch der Buchtitel „Der weiße Affe“, der sofort mein Kopfkino in Bewegung versetzte. 


Kommissar Ariel Spiro kommt aus Wittenberge nach Berlin, ist voller Tatendrang und ehe er es sich heimelig machen kann, landet er bereits in seinem ersten Mordfall. Eduard Fromm, ein jüdischer Bankier, wird im Hausflur seiner Geliebten erschlagen aufgefunden. 
Ein politisches Motiv käme genauso in Betracht, wie eine Beziehungstat innerhalb seiner exzentrischen Familie. Verdächtige gibt es mehr als genug. Trotzdem tappt Spiro im Dunkeln und wird schon bald in den Strudel des rauschenden Berliner Nachtlebens gerissen. Auch von seinen Kollegen bekommt er heftig Gegenwind. Zu allem Übel fühlt er sich von der Tochter des toten Bankiers angezogen. Benebelt das seine Sinne, entgleiten ihm dabei die Ermittlungen und muss er erfolglos in die Provinz zurückkehren?


Die Atmosphäre des Buches ist einzigartig. Kerstin Ehmer passt ihren poetisch-literarischen Schreibstil perfekt dem Puls der damaligen Zeit an. Sie entführt den Leser in die Goldenen Zwanziger und beschreibt die Metropole Berlin detailgetreu und facettenreich. Es ist die Zeit der sexuellen Freiheit, der schillernden Bars, aber auch die Zeit des beginnenden Antisemetismus. Ehmers Beschreibungen wirken so lebendig, dass man meint, in einer Zeitmaschine zu sitzen und direkt in die Zwanziger Jahre zu fliegen. Nur selten habe ich ein solche Symbiose aus Schreibstil und Zeitgeschehen gelesen. Beeindruckend! Besonders gefallen hat mir der unterschwellige, staubtrockene Humor, der die Geschichte zwischendurch auflockerte. 
Mysteriös-gruslig empfand ich die Kapitel in denen „Er- der Junge“ zu Wort kam und dem Leser häppchenweise sein Martyrium offenbarte. 
Nur der eigentliche Mordfall und die Ausführungen am Ende konnten mich nicht ganz zufriedenstellen. Aber das ist oft eine Frage des persönlichen Geschmacks. 


„Der weiße Affe“ ist ungewöhnlicher und beeindruckender Kriminalroman, der nachklingt. Ein wunderbar bebilderter Spaziergang durch das Berlin der Weimarer Republik. Lesenswert!

Kommentieren0
3
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
PendragonVerlags avatar

Ihr Lieben!

Wir vom Pendragon Verlag möchten euch gerne zu einer Leserunde einladen. Und zwar zu einem Buch, dass euch in das schillernde Berlin der 20er Jahre entführen wird: „Der weiße Affe“ von Kerstin Ehmer.

Der Krimi ist gerade in der zweiten Auflage erschienen und wir verlosen 15 Exemplare. Um an der Verlosung teilzunehmen, beantwortet uns einfach kurz folgende Frage:

Warum möchtet ihr gerne an der Leserunde teilnehmen/was interessiert euch an dem Kriminalroman besonders?


Die Bewerbungsfrist endet am 22.01.2018 und danach losen wir bei mehr als 15 BewerberInnen aus.

Die Leserunde wird von Fiona und Julia vom Pendragon Verlag betreut. Wir beantworten euch gerne alle Fragen rund um den Arbeitsprozess an diesem Roman und natürlich auch alle weiteren, die ihr vielleicht zu unserem Verlag habt.

Aber worum geht es nun eigentlich in „Der weiße Affe“?

Berlin in den Goldenen Zwanzigern. Ein jüdischer Bankier wird erschlagen im Hausflur seiner Geliebten gefunden. Kommissar Ariel Spiro ist gerade aus der Provinz nach Berlin gezogen und übernimmt direkt seinen ersten Fall. Zunächst deuten die Ermittlungen auf ein politisches Motiv hin. Doch auch die wohlhabende und exzentrische Familie des Toten zieht Spiros Aufmerksamkeit auf sich. Der junge Kommissar ist getrieben vom schnellen Rhythmus der Stadt und mitgerissen vom rauschenden Berliner Nachleben. Als auch noch die faszinierende Tochter des Toten seine Nähe sucht, muss Spiro aufpassen, dass ihm der Fall nicht entgleitet.

Nach und nach fallen die Masken und nicht jeder ist das, was er vorgibt zu sein.

Kerstin Ehmer zeigt das Berlin der 20er Jahre in all seinen Facetten. Schillernde Bars und sexuelle Befreiung charakterisieren die Hauptstadt der Weimarer Republik genauso wie Antisemitismus und die schwelenden Boten des Nationalsozialismus.


Wir freuen uns auf den Dialog mit euch und sind gespannt auf eure Bewerbungen.

Ganz herzlich
Fiona & Julia

Zur Leserunde

Community-Statistik

in 49 Bibliotheken

auf 7 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks