Kerstin Ehmer Der weiße Affe

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Inhaltsangabe zu „Der weiße Affe“ von Kerstin Ehmer

Berlin in den Goldenen Zwanzigern

Ein jüdischer Bankier wird erschlagen im Hausflur seiner Geliebten aufgefunden. Kommissar Ariel Spiro ist gerade aus der Provinz nach Berlin gezogen und übernimmt direkt seinen ersten Fall. Zunächst deuten die Ermittlungen auf ein politisches Motiv hin. Doch auch die wohlhabende und exzentrische Familie des Toten gibt Spiro Rätsel auf.
Schon bald gerät der junge Kommissar in den Sog der Metropole, getrieben vom schnellen Rhythmus und mitgerissen vom rauschenden Berliner Nacht­leben. Als er sich von der faszinierenden Tochter des Toten magisch angezogen fühlt, muss Spiro aufpassen, dass ihm der Fall nicht entgleitet.

Kerstin Ehmer zeigt das Berlin der Weimarer Republik in all seinen Facetten. Schillernde Bars und sexuelle Freiheit charakterisieren die Großstadt genauso wie Antisemitismus und die schwelenden Vorboten des Nationalsozialismus.
Der Autorin gelingt es auf überzeugende Weise, die brodelnde Atmosphäre dieser widersprüchlichen Zeit spürbar zu machen. Dabei bedient sie sich einer Sprache, deren Schönheit das Flair der Goldenen Zwanziger lebendig einfängt und gleichzeitig modern daherkommt.

Ein etwas anderer Krimi, der durch seine Sprache und das hervorragend dargestellte Sittengemälde der damaligen Zeit in Berlin, glänzt

— tinstamp

Sehr gut getroffene Stimmung der fiebrigen Zwanziger in Berlin mit interessanten Charakteren.

— Bibliomarie

Atmosphärischer Krimi im Stile der 20er

— Diana182

Berlin in den goldenen 20zigern - kein leichter dafür aber interessantspannender Krimistoff

— dreamlady66

Beim Plot gibt es noch Luft nach oben, aber das starke Setting und die überzeugende Hauptfigur macht das mehr als wett.

— Gulan

Spannender Krimi in 20er-Jahre-Atmosphäre. Manchmal ein bisschen zu viel Zeitgeist.

— thelauraverse

Ein Roman, der viele Facetten der 20er Jahre, verpackt in einem Kriminalfall, zu fesseln vermag.

— dicketilla

Ein ungewöhnlicher und spannender historischer Krimi im Berlin der Zwanziger Jahre mit einem sehr interessanten Ermittler! Leseempfehlung!

— clary999

Spannender Ausflug ins Berlin der zwanziger Jahre

— Langeweile

Kriminalistische Zeitreise ins Berlin der Goldenen Zwanziger

— katikatharinenhof

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  • Zeitreise in die wilden Zwanziger

    Der weiße Affe

    Patno

    21. February 2018 um 22:01

    Das Cover zog mich magisch an und nachdem die ersten Leserstimmen vielversprechend klangen, war meine Neugier auf den historischen Krimi von Kerstin Ehmer, welcher im August 2017 beim Pendragon Verlag erschienen ist, geweckt.Ungewöhnlich auch der Buchtitel „Der weiße Affe“, der sofort mein Kopfkino in Bewegung versetzte. Kommissar Ariel Spiro kommt aus Wittenberge nach Berlin, ist voller Tatendrang und ehe er es sich heimelig machen kann, landet er bereits in seinem ersten Mordfall. Eduard Fromm, ein jüdischer Bankier, wird im Hausflur seiner Geliebten erschlagen aufgefunden. Ein politisches Motiv käme genauso in Betracht, wie eine Beziehungstat innerhalb seiner exzentrischen Familie. Verdächtige gibt es mehr als genug. Trotzdem tappt Spiro im Dunkeln und wird schon bald in den Strudel des rauschenden Berliner Nachtlebens gerissen. Auch von seinen Kollegen bekommt er heftig Gegenwind. Zu allem Übel fühlt er sich von der Tochter des toten Bankiers angezogen. Benebelt das seine Sinne, entgleiten ihm dabei die Ermittlungen und muss er erfolglos in die Provinz zurückkehren?Die Atmosphäre des Buches ist einzigartig. Kerstin Ehmer passt ihren poetisch-literarischen Schreibstil perfekt dem Puls der damaligen Zeit an. Sie entführt den Leser in die Goldenen Zwanziger und beschreibt die Metropole Berlin detailgetreu und facettenreich. Es ist die Zeit der sexuellen Freiheit, der schillernden Bars, aber auch die Zeit des beginnenden Antisemetismus. Ehmers Beschreibungen wirken so lebendig, dass man meint, in einer Zeitmaschine zu sitzen und direkt in die Zwanziger Jahre zu fliegen. Nur selten habe ich ein solche Symbiose aus Schreibstil und Zeitgeschehen gelesen. Beeindruckend! Besonders gefallen hat mir der unterschwellige, staubtrockene Humor, der die Geschichte zwischendurch auflockerte. Mysteriös-gruslig empfand ich die Kapitel in denen „Er- der Junge“ zu Wort kam und dem Leser häppchenweise sein Martyrium offenbarte. Nur der eigentliche Mordfall und die Ausführungen am Ende konnten mich nicht ganz zufriedenstellen. Aber das ist oft eine Frage des persönlichen Geschmacks. „Der weiße Affe“ ist ungewöhnlicher und beeindruckender Kriminalroman, der nachklingt. Ein wunderbar bebilderter Spaziergang durch das Berlin der Weimarer Republik. Lesenswert!

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  • Nicht immer leicht zu lesen, aber empfehlenswert!

    Der weiße Affe

    tinstamp

    18. February 2018 um 10:35

    Der historische Krimi "Der weiße Affe" hat mein Interesse geweckt, als ich auf einigen Blogs sehr positive Bewertungen gesehen habe. Als es vor kurzem eine Leserunde bei Lovelybooks dazu gab, habe ich mich beworben und hatte Glück.Berlin in den Goldenen Zwanzigern. Als der junge Kommissar Ariel Spiro von Wittenberg in die Metropole Berlin kommt, wird er sofort zu seinem ersten Mordfall gerufen. Der jüdische Bankier Eduard Fromm wird erstochen im Hausflur eines Wohnhaues entdeckt. In einer der Wohnungen lebt seine Geliebte, eine deutsche Walküre, namens Hildegard Müller. Fromm hat sich bei ihr ein typisches deutsches Biedermayerleben eingerichtet. Hat das Doppelleben, das er führte, ihm den Tod gebracht?Gemeinsam mit seinem Kollegen Ewald Bohlke versucht Spiro seinen guten Ruf gerecht zu werden und den Fall so schnell wiemöglich zu lösen. War der Mord politisch angesiedelt? Oder geschah er aus Eifersucht? Schließlich hat das Fräulein Hilde auch noch einen Verlobten....Aber auch die wohlhabende Familie des Toten gibt einige Rätsel auf. Fürchtete der Sohn Ambros, der nicht das beste Verhältnis zum Vater hatte, um sein Erbe? Oder hat die schöne Tochter Nike, die auch Spiro den Kopf verdreht, ein Geheimnis? Aber auch zwichen Fromm und seinen Stellvetreter in der Bank, Moses Silberstein, kam es erst vor kurzem zu Unstimmigkeiten...An Verdächtigen mangelt es also nicht wirklich. Kommissar Ariel Spiro, der vom Land in die Metropole Berlin kommt, stürzt sich bei seinen Ermittlungen eher unbewusst in das wilde Berliner Nachtleben. Von seinen neuen Kollegen wird er deshalb skeptisch beäugt. Hat Spiro etwas zu verbergen? Ist er Jude oder keiner? Ist er homosexuell, weil er in der "Zauberflöte", einem Bund für Männer, gesehen wurde? Spiro ist ein sympathischer junger Mann, der sich bei seinen Ermittlungen durch nichts aufhalten lässt. Er ist intelligent, aber auch chaotisch. Das Stadtleben ist ihm noch fremd und so tritt er auch des Öfteren von einem Fettnäpfchen ins nächste. Als ein weiterer Mord passiert, ahnen Spiro und Bohle nicht, dass die beiden Mordfälle zusammenhängen...Neben dem Kriminalfall steht das lebenslustige Berlin der 20iger Jahre im Mittelpunkt. Die aufgekratzte Stimmung nach dem Ende des ersten Weltkrieges wird von Kerstin Ehmer wunderbar eingefangen. Auf der einen Seite haben die Menschen das Gefühl ihr Leben nach dem großen Krieg einfach genießen zu wollen. Das Vergnügen und das Ausleben der Sexualität steht bei den gehoben Schichten an erster Stelle. Hier scheint es kaum Grenzen zu geben. Auf der anderen Seite steht die Armut der Kriegsverlierer und Invaliden, der Waisen und Witwen. Kerstin Ehmer gelingt es ein äußerst authentisches Bild dieser Zeit zu vermitteln.Auch der Berliner Dialekt, den die Autorin immer wieder einstreut, bringt noch mehr Lokalkolorit in die Geschichte und macht sie identisch.Dazwischen gibt es immer wieder verwirrende Passagen, die in kursiver Schrift geschrieben sind. Diese Abschnitte erzählen von einem Jungen und einer grauen Königin, wilden Geistern und Affen, jungen Kriegern auf einer Südseeinsel... Immer wieder fragt man sich als Leser, was diese Passagen mit dem Rest des Krimis zu haben soll. Erst nach und nach erkennt man wohin diese Abschnitte führen und wie sie sich langsam, Puzzlestück um Puzzlestück, zueinanderfügen.Im Allgemeinen dauerte es ebenfalls eine Weile bis ich in die Geschichte fand. Danach empfand ich aber das Konstrukt, das die Autorin hier aufgebaut hat, wirklich beeindruckend. Schreibstil:Der Schreibstil von Kerstin Ehmers ist poetisch und der Zeit angepasst. Trotzdem hatte ich anfangs ein bisschen Probleme damit. Das typische Berlinerische war für mich als Österreicherin manchmal schwer zu verstehen. Das lag aber weniger an die im Dialekt geschrieben Dialoge, sondern eher an den Gesamtbild, dem Lokalkolorit.Fazit:Ein etwas anderer historischer Krimi, der durch seine Sprache und das hervorragend dargestellte Sittengemälde der damaligen Zeit in Berlin, glänzt. Nicht immer leicht zu lesen, aber empfehlenswert.

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  • Die Berliner Luft.

    Der weiße Affe

    Gulan

    17. February 2018 um 18:02

    „So sehr hast du versucht ein echter Deutscher zu sein, Shylock“, flüstert sie. „Ich könnt's nicht glauben, würd ich's nicht sehn. Dein Traum vom Deutschsein, das ist das hier, das alles. Deutscher, nicht Jude, nicht staatenlos herumgejagt durch die Jahrhunderte, sondern Ordnung, Anstand, Frieden, Ruhe, Heimat, Herkunft, Scholle, das haste dich was kosten lassen.“ Sie sinkt auf einen Sessel. „Ich wusste, dass er den Mut hatte für solche Träume. Und ich wusste nicht, dass wir ihm so gar nicht ausreichten, dass er sich wegstehlen musste in sein Privattheater.“ Sie weint jetzt haltlos, als könne sie nie wieder aufhören. „Es ist, als hätte ich ihn gar nicht gekannt. Plötzlich ist mein Vater ein Fremder und wird es immer bleiben, denn er ist ja tot und kann nichts mehr erklären.“ (S.76) Berlin in den Goldenen Zwanzigern: Kommissar Ariel Spiro aus dem beschaulichen Wittenberge tritt seinen neuen Job bei der Kripo an. Auf seinen ersten Fall muss er nicht lange warten. In einem Mietshaus wird die Leiche des jüdischen Bankiers Fromm gefunden. Offenbar führte Fromm ein Doppelleben mit einer Geliebten in einer Wohnung im Haus. Spiro ermittelt sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld des Toten und wird dabei vom Großstadtleben gehörig mitgenommen. Seine Ermittlungen führen den jungen Kommissar nicht nur in dunkle Hinterhöfe, Schwulenbars und Bankiersvillen, sondern auch zur Tochter des Toten, Nike Fromm, die Spiro prompt den Kopf verdreht und seine Ermittlungsarbeit deutlich erschwert. Hierbei ergeben sich verschiedene Ansätze. Verdächtig sind vor allem Ambros Fromm, der Sohn, der seine Homosexualität sehr zum Verdruss des Vaters ausschweifend auslebt, und Moses Silberstein, Vizedirektor der Bank, der sich offenbar in Anlagefragen mit Fromm uneinig war. Doch dem Leser wird noch ein zweiter Handlungsstrang dargeboten. Dieser beleuchtet die Perspektive des 14jährigen Alexander, der von seiner Mutter, einer exzentrischen Kostümschneiderin, von der Außenwelt abgeschirmt wird. Er darf nicht zur Schule, wird tagelang eingesperrt. Ein Besuch auf einem progressiven Internat wird von der Mutter schnell wieder abgebrochen, so verliert der Junge seinen einzigen Freund aus den Augen. Alexander flüchtet sich mehr und mehr in Fantasien, in denen er im Mittelpunkt von Initiationsriten eines Eingeborenstammes in Neuguinea steht. Man ahnt bereits, dass es irgendwann zur Katastrophe kommen muss. Diese Absätze sind deutlich kürzer gehalten, kursiv geschrieben und ihre Bedeutung ergibt sich erst nach und nach. Auch stilistisch ergibt sich ein deutlicher Bruch zu den übrigen Abschnitten, kaum Dialog, bildhafte Beschreibungen, ein enger Blickwinkel eines zunehmend in den Wahn abgleitenden Jungen. Irgendwie konnten mich diese Abschnitte nicht völlig überzeugen. Anfangs war ich sogar geneigt, sie zu überfliegen, da ich den Bruch zur übrigen Geschichte als zu deutlich und störend empfand, was sich nur teilweise besserte. Am Ende werden die zwei Stränge zusammengeführt. Wie befürchtet geschieht dies aber eher nach dem Zufallsprinzip, was in der Realität vielleicht sogar nicht abwägig wäre, aber hier als Krimiplot mich nicht ganz zufriedenstellt. Dass ich am Ende dennoch zu einem ziemlich positiven Eindruck komme, liegt vor allem an zwei Faktoren. Zum einen ist da die Atmosphäre im Berlin der Zwanziger Jahre. Spiro ermittelt an vielen verschiedenen Ecken der brodelnden Hauptstadt und dies wird hervorragend transportiert. Sei es die Arbeiterkneipe, das ostjüdische Leben im Scheunenviertel oder die Schwulen-Tanzbar „Zauberflöte“. Außerdem lässt die Autorin Kerstin Ehmke so einige Einheimische berlinern, verwendet zeitgenössische Begriffe und bringt auch humorvolle Momente unter. Sehr interessant und mir bis dato unbekannt war das Institut für Sexualwissenschaft von Dr. Magnus Hirschfeld, das prominenten Raum im Buch einnimmt. Auch wenn die Ermittlungen nicht unbedingt in die politische Richtung gehen, schwingen die gesellschaftlichen Verhältnisse und zukünftige bedrohliche Entwicklungen im Hintergrund immer ein wenig mit. Gerade die Identitätsfrage der deutschen Juden spielt eine nicht unerhebliche Rolle im Roman. Dies deutet auch der Titel an, handelt es sich bei dem weißen Affen doch um ein vermeintliches Stück „Judenporzellan“. Insgesamt also ein wirklich überzeugendes Setting. Zum anderen ist Ariel Spiro eine sehr gelungene Hauptfigur. Sein Vorname sorgt für allerlei Aufsehen, wird er doch direkt für einen Juden gehalten, obwohl sein Name der Figur aus einem Shakespeare-Drama entliehen ist. Der junge Mann kommt zwar vom Lande, doch völlig ahnungslos ist er nicht. Er hat sich in Wittenberge an der Elbe bereits als Kommissar bewiesen, zeigt auch in Berlin direkt großen Einsatz. Dennoch ist Berlin ein anderes Kaliber, das muss er sehr schnell feststellen. Er verliert sich ein wenig im Großstadtdschungel – und in den grünen Augen von Nike Fromm. Spiro ist intelligent, ehrgeizig und ein wenig verbissen, aber fehlbar und gerade dadurch eine sympathische Figur. Ich weiß zwar nicht, ob die Autorin weitere Bücher mit ihm geplant hat, aber Ariel Spiro taugt als Protagonist durchaus für mehrere Bände. Autorin Kerstin Ehmer hat jahrelang als Fotografin gearbeitet und betreibt inzwischen seit zehn Jahren eine Bar in Berlin. „Der weiße Affe“ ist ihr erster Kriminalroman und wurde auch für den Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie „Debüt“ nominiert.

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    • 9
  • Großstadtdschungel

    Der weiße Affe

    Bibliomarie

    16. February 2018 um 14:04

    Ariel Spiro kommt aus der tiefsten Provinz nach Berlin in die „Burg“. Er hat bereits einen gewissen Ruf und möchte nun in der Hauptstadt als Kommissar reüssieren. Aber sein Einstand wird nicht ganz so einfach. Ein jüdischer Bankier wird im Treppenhaus vor der Wohnung seiner Mätresse erschlagen. Seine Familie ist über die Enthüllungen nicht grade glücklich, aber so ganz koscher scheinen auch die familiären Verhältnisse nicht zu sein. Seine Tochter ist eine kapriziöse junge Frau, die an Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft arbeitet, der Sohn, seinem eigenen Geschlecht zugeneigt und die Ehefrau liebt nicht nur das Klavier, sondern auch die Pianisten. Spiro scheint fast unter die Räder zu kommen, wenn er in Berlins Nachleben recherchiert. Bars, Herrentanzclubs, Alkohol und Rauschgift und nicht zuletzt Nike, sorgen dafür, dass er fast den Boden unter den Füssen verliert. Der Roman schlägt ein hohes Tempo an. Kurze lakonische Sätze, manchmal Berliner Jargon und eine tolle Beschreibung der fiebrigen Atmosphäre der Zwanziger Jahre in Berlin haben mir auf Anhieb gefallen. Das Bild dieser Zeit ist toll getroffen und hat in mir sofort ein Kopfkino ausgelöst. Ich bin richtig in das zügellose Nachtleben eingetaucht – in Büchern gibt es ja keine Nebenwirkungen – und gleich danach von der grauen, kalten Wirklichkeit eingeholt worden. Mietskasernen, dunkle Hinterhöfe, unterernährte, verschorfte Kinder, neben späten Nachtschwärmern in Frack oder Smoking. Immer wieder musste ich an Zilles Milieustudien denken. Ein spannender Krimi, mit einem facettenreich skizziertem Ermittler, einem sehr genau gezeichnetem Zeit- und Sittenbild und bis in die Nebenfiguren detailliert und stimmig ausgearbeiteten Charakteren. Empfehlenswert.

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  • Der weiße Affe - Berlin in den 20ern...

    Der weiße Affe

    Diana182

    16. February 2018 um 11:37

    Das Cover zeigt eine Frau im kurzen Kleid, welche die Beine nach oben an die Wand lehnt. Es wird deutlich, dass es sich um einen Roman aus längst vergangenen Zeiten handeln muss, denn die Kleider der Dame sind im Stile der 20er einzuordnen. Darüber ist der Titel des Buches vermerkt. Ich gebe zu, dass ich mit diesem Gesamtbild auf Anhieb nicht direkt etwas anfangen konnte. Davon neugierig geworden, wollte ich die enthaltene Geschichte natürlich schnell erkunden. Der Einstig gelingt recht schnell. Der Schreibstil ist flüssig, detailliert, teils anspruchsvoll und entführt den Leser in das frühere Berlin. Hier hatte ich mitunter wirklich das Gefühl, in die Zeit zurück versetzt worden zu sein- dazu noch an den Schauplatz eines Mordfalles. Die Autorin facht hier schnell eine Spannung an, welche gekonnt durch die Geschichte führt. In mehreren Strängen erfahren wir hier, wie sich alles entwickelt und erst auf den letzten Seiten ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Ich habe sehr lange im Dunkeln getappt und hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wer hier als Täter infrage kommen könnte. So war die letztendliche Überraschung sehr gelungen. Mein Fazit:Ein wunderbar atmosphärischer Roman, welcher die damalige Zeit gekonnt einfängt. Hier fühlte ich mich wirklich mitten im Geschehen und konnte mir die damaligen Geschehnisse sehr gut vorstellen. Für Fans historischer Krimis ein pures Lesevergnügen!

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  • Überzeugendes Krimidebüt

    Der weiße Affe

    bookloving

    13. February 2018 um 22:58

    INHALTBerlin in den Goldenen Zwanzigern. Der junge Kommissar Ariel Spiro frisch aus dem Provinznest Wittenberge zur Kriminalpolizei nach Berlin gewechselt. Gleich sein erster Fall gibt viele Rätsel auf. In einem ziemlich runtergekommenen Wohnviertel wurde der jüdische Bankier Eduard Fromm mit eingeschlagenem Schädel vor der Wohnung seiner blonden Geliebten aufgefunden. Verdächtige gibt es einige, so der Verlobte mit seinem zwielichtigen Kumpel, der Stellvertreter im Bankhaus bis hin zu den etwas exzentrischen Mitgliedern der gutsituierten Familie des Mordopfers, der Ehefrau Charlotte und den erwachsenen Kindern Nike und Ambros. Auch ein politisches Motiv ist zunächst nicht auszuschließen. Während der junge Spiro schon bald Bekanntschaft mit dem wilden, zügellosen Berliner Nachtleben macht, scheinen seine Ermittlungen immer mehr auf der Stelle zu treten. Wird ihm der Fall nach einer großen Blamage endgültig entgleiten?MEINE MEINUNGDer fesselnde, historische Kriminalroman »Der weiße Affe« ist das äußerst gelungene Debüt der deutschen Autorin Kerstin Ehmer.Hierin entführt sie uns ins Berlin der Goldenen 1920er Jahre, eine pulsierende Metropole im Wandel der Zeiten und voller Kontraste zwischen Luxus, Reichtum, Existenzkampf, Kriminalität und Armut. Gekonnt und atmosphärisch dicht portraitiert Ehmer das facettenreiche Alltagsleben in der damaligen Hauptstadt der Weimarer Republik. Sie lässt uns am Schicksal der Menschen teilhaben, vermittelt ein sehr stimmiges, authentisches Bild der damaligen Zeit und gibt uns sogar Einblick in die kriminalistische Ermittlungsarbeit. Der Krimi lebt neben den unglaublich lebendig geschilderten Schauplätzen vor allem von seinen interessanten, vielschichtig angelegten Figuren. Hervorragend gefallen hat mir der sympathische „Neuling“ Spiro als Protagonist, der sehr gebildet und eloquent ist, manchmal gerne mit verdeckten Karten spielt, aber in einigen Situationen auch sehr unbedarft wirkt. Gemeinsam mit dem aus der Provinz ganz frisch nach Berlin gekommenen Kommissar Ariel Spiro tauchen wir ein in diese faszinierende Welt und begleiten ihn bei seiner rastlosen Ermittlungsarbeit zu seinem komplizierten Mordfall, bei dem sich trotz zahlreicher Verdächtiger keine heiße Spur auftun will. Mit ihm lernen wir das schillernde, dekadente Nachtleben kennen, in dem die Reichen sich amüsieren und nach Alkohol- und Drogenkonsum ungehemmt ihre sexuellen Neigungen ausleben. Doch Spiros Ermittlungen führen uns auch zu den vielen dunklen Seiten der Gesellschaft, dorthin wo Elend, Armut, Alkoholismus und Verbrechen allgegenwärtig sind, lassen uns bei Gesprächen den aufkommenden Antisemitismus spüren und konfrontieren uns schließlich bei der Aufklärung des Falls mit den Abgründen der menschlichen Existenz. Zunächst verwirrend, aber sehr spannend sind die eingeschobenen, kursiv gedruckten Passagen, die uns einen zweiten Handlungsstrang aus einer völlig anderen, eindringlichen und recht bizarren Perspektive erleben lassen. Erst allmählich wird die Bedeutung dieser verstörenden Passagen immer klarer, wodurch die Geschichte eine besonders fesselnde Note und überraschende Wendung erhält.Sehr gelungen ist auch Ehmers außergewöhnlicher und zugleich anspruchsvoller Erzählstil, der eine ganz eigenwillige, pointiert eingesetzte Sprache verwendet, wodurch man sich auch sprachlich in die damalige Zeit zurückversetzt fühlt.Ich würde mich sehr freuen, wenn es bald einen neuen Fall für Kommissar Spiro gäbe.FAZITEin fesselnder, atmosphärisch dichter historischer Kriminalroman mit interessanten Charakteren, der uns gekonnt ins quirlige Berlin der 1920er Jahre abtauchen lässt. Sehr lesenswert!

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  • Berlin in den goldenen 20zigern - kein leichter dafür aber interessantspannender Krimistoff

    Der weiße Affe

    dreamlady66

    11. February 2018 um 22:43

    (Inhalt, übernommen)Berlin in den Goldenen Zwanzigern Ein jüdischer Bankier wird erschlagen im Hausflur seiner Geliebten aufgefunden. Kommissar Ariel Spiro ist gerade aus der Provinz nach Berlin gezogen und übernimmt direkt seinen ersten Fall. Zunächst deuten die Ermittlungen auf ein politisches Motiv hin. Doch auch die wohlhabende und exzentrische Familie des Toten gibt Spiro Rätsel auf. Schon bald gerät der junge Kommissar in den Sog der Metropole, getrieben vom schnellen Rhythmus und mitgerissen vom rauschenden Berliner Nacht­leben. Als er sich von der faszinierenden Tochter des Toten magisch angezogen fühlt, muss Spiro aufpassen, dass ihm der Fall nicht entgleitet. Kerstin Ehmer zeigt das Berlin der Weimarer Republik in all seinen Facetten. Schillernde Bars und sexuelle Freiheit charakterisieren die Großstadt genauso wie Antisemitismus und die schwelenden Vorboten des Nationalsozialismus. Der Autorin gelingt es auf überzeugende Weise, die brodelnde Atmosphäre dieser widersprüchlichen Zeit spürbar zu machen. Dabei bedient sie sich einer Sprache, deren Schönheit das Flair der Goldenen Zwanziger lebendig einfängt und gleichzeitig modern daherkommt.Zur Autorin:Kerstin Ehmer arbeitete viele Jahre als Mode- und Porträtfotografin. Seit 16 Jahren betreibt sie mit ihrem Mann die legendäre Victoria Bar in Berlin.Sie verfasste das Buch "Die Schule der Trunkenheit", das sich zu einem Longseller entwickelte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. "Der weiße Affe" ist ihr erster Kriminalroman.Schreibstil/Fazit:DANKE an den Pendragon-Verlag für Eure Zusage und schnelle Belieferung dieses aussergewöhnlichen Krimis im einprägsamen Glanzlook bei 279 Seiten und 12 Kapiteln.Ich freute mich, in das goldene Berlin der Zwanziger Jahre ein-, gar ab- aber auch untertauchen zu können und wurde keinesfalls enttäuscht.Der Schreibstil ist besonders, direkt aber auch herausfordernd. Ich fühlte mich sogleich mittendrin im vielschichtigen Geschehen, in dessen Mittelpunkt uneingeschränkt der junge und sehr akribische Provinzkommissar stand - eine schillernde Persönlichkeit mit Ecken und Kanten in einer rauschenden Großstadt voller Reize und Überflüsse. Hier wurde es schwer, noch einen klaren Kopf zu behalten...Der Plot ist spannend und skurril, mehrschichtig, düster, abgrundtief abstossend aber macht neugierig und ich habe ihn Seite um Seite eingesogen und genossen. Auch mein Ermittlerinstikt war hier gefordert und sehr gefragt.Begleitet in Kursivschrift die Inputs des Mörders, was einfach herausforderte.Überzeugt Euch gerne selbst...denn, worin liegt das Geheimnis des "weissen Affens"?

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  • Mordermittlung in den Goldenen Zwanzigern

    Der weiße Affe

    thelauraverse

    10. February 2018 um 13:05

    Der Schauplatz: Berlin in den 1920er-Jahren. Besonders momentan, in Zeiten von Serien wie „Babylon Berlin“ und dessen literarischer Vorlage, dem Kriminalroman „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher, hat sich fast schon ein regelrechter Hype um die „Goldenen Zwanziger“ und den damit zusammenhängenden Zeitgeist entwickelt. In diesem Kontext passt Kerstin Ehmers Kriminalroman „Der weiße Affe“, der 2017 im auf Krimis spezialisierten Pendragon Verlag erschienen ist, wie die Faust aufs Auge.Und in genau diesem Duktus geht die Erzählung auch schon los: Der Kommissar Ariel Spiro, der gerade erst aus der Provinz in die Großstadt gekommen ist, wird gleich in seiner ersten Woche in Berlin nicht nur in Kneipenschlägereien, sondern auch in einen ungewöhnlichen Mordfall verwickelt. Der jüdische Bankier Eduard Fromm wird erschlagen in einem eher ärmlichen Mehrparteienhaus aufgefunden. Auf der Suche nach dem Mörder stößt Spiro, der seinen Vornamen, wie er seinen Zeitgenossen gegenüber mehrmals betonen muss nicht etwaigen jüdischen Vorfahren, sondern einem Shakespeare-Stück verdankt, auf zahlreiche Verdächtige: Die Geliebte des Mordopfers, die in einer von eben diesem bezahlten konservativ-deutsch eingerichteten Wohnung lebt und ihm mehrmals in der Woche eindeutig nicht-koschere Wurst serviert hat, der Sohn, dessen Hauptbeschäftigung im Ausgeben des väterlichen Vermögens zu bestehen scheint, sowie der neidische Bankier, der im Bankgeschäft Karriere machen will. Die Liste scheint endlos, was Spiro neben der Tatsache, dass er seine ländlich geprägten Wertvorstellungen in zwielichtigen Nachtlokalen gleich mehrere Male über den Haufen werfen muss, ganz schön zu schaffen macht.Parallel zu den Ermittlungen im Berliner Nachtleben wird auch noch ein zweiter Handlungsstrang erzählt, der durch eine kursive Schrifttype von Spiros Geschichte abgetrennt ist. Es ist eine tragische Erzählung von einem Jungen, der von der eigenen Mutter sowohl emotional als auch körperlich gequält und misshandelt wird. Seine Mutter empfängt zudem in seinem Beisein nahezu täglich Männerbesuch und scheint immer wieder auch leicht inzestuöse Züge zu zeigen. Als Außenstehende endlich eingreifen und dem Jungen einen Platz an einer Schule außerhalb von Berlin verschaffen, scheint sich alles zum Guten zu wenden…So viel zur Handlung. Natürlich „lebt“ der Roman zweifellos von der Atmosphäre der „Goldenen Zwanzigerjahre“ in Berlin und ihren Facetten. Die Konfrontation mit verschiedenen Arten von Sexualität und alkoholgeschwängerten Nächten lässt nicht nur den unbedarft wirkenden Kommissar, sondern auch den Leser manchmal ein wenig ratlos zurück. Manchmal war mir die Beschreibung der ausschweifenden Nächte doch manchmal ein wenig zu viel, insbesondere dann, wenn sie einen sensationslüsternen, voyeuristischen Beigeschmack bekamen. Auch die bewusste Verwendung von für uns ungewohnten, zeitgenössischen Ausdrücken war für mich hin und wieder zu viel Lokalkolorit und Zeitgeist.Nichtsdestoweniger ein sehr kurzweiliger Kriminalroman, der sowohl Spannung als auch geschichtlich interessante Einblicke in eine Zeit bieten kann, die mittlerweile nahezu hundert Jahre zurückliegt. Alles scheint sehr durchdacht und recherchiert. (Lediglich einmal, als Gerhart Hauptmann mit einem „d“ geschrieben wurde, schmerzte das Germanistenherz ein wenig…).Dennoch: Für jeden, der entweder die bereits genannte Serie, Literatur oder Ähnliches gefeiert hat, oder der sich für historische Krimis interessiert, mit Sicherheit ein Garant für eine unterhaltsame Lektüre!

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  • Leserunde zu "Der weiße Affe" von Kerstin Ehmer

    Der weiße Affe

    PendragonVerlag

    Ihr Lieben! Wir vom Pendragon Verlag möchten euch gerne zu einer Leserunde einladen. Und zwar zu einem Buch, dass euch in das schillernde Berlin der 20er Jahre entführen wird: „Der weiße Affe“ von Kerstin Ehmer. Der Krimi ist gerade in der zweiten Auflage erschienen und wir verlosen 15 Exemplare. Um an der Verlosung teilzunehmen, beantwortet uns einfach kurz folgende Frage: Warum möchtet ihr gerne an der Leserunde teilnehmen/was interessiert euch an dem Kriminalroman besonders? Die Bewerbungsfrist endet am 22.01.2018 und danach losen wir bei mehr als 15 BewerberInnen aus. Die Leserunde wird von Fiona und Julia vom Pendragon Verlag betreut. Wir beantworten euch gerne alle Fragen rund um den Arbeitsprozess an diesem Roman und natürlich auch alle weiteren, die ihr vielleicht zu unserem Verlag habt. Aber worum geht es nun eigentlich in „Der weiße Affe“? Berlin in den Goldenen Zwanzigern. Ein jüdischer Bankier wird erschlagen im Hausflur seiner Geliebten gefunden. Kommissar Ariel Spiro ist gerade aus der Provinz nach Berlin gezogen und übernimmt direkt seinen ersten Fall. Zunächst deuten die Ermittlungen auf ein politisches Motiv hin. Doch auch die wohlhabende und exzentrische Familie des Toten zieht Spiros Aufmerksamkeit auf sich. Der junge Kommissar ist getrieben vom schnellen Rhythmus der Stadt und mitgerissen vom rauschenden Berliner Nachleben. Als auch noch die faszinierende Tochter des Toten seine Nähe sucht, muss Spiro aufpassen, dass ihm der Fall nicht entgleitet. Nach und nach fallen die Masken und nicht jeder ist das, was er vorgibt zu sein. Kerstin Ehmer zeigt das Berlin der 20er Jahre in all seinen Facetten. Schillernde Bars und sexuelle Befreiung charakterisieren die Hauptstadt der Weimarer Republik genauso wie Antisemitismus und die schwelenden Boten des Nationalsozialismus. Wir freuen uns auf den Dialog mit euch und sind gespannt auf eure Bewerbungen. Ganz herzlich Fiona & Julia

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    • 253

    thelauraverse

    09. February 2018 um 19:24
    bookloving schreibt Wird der Fall nun doch noch politisch? Dieses geheime Treffen Schwarze Reichswehr hat zum Ende hin einen sehr „nationaldeutschen“ Touch bekommen..

    Die besagte Szene war zwar in historischer Hinsicht spannend, da ja sehr wohl bekannt ist, wie sich die beschriebenen Ideen in den folgenden Jahrzehnten verbreiten und was sie alles auslösen. ...

  • Im Strudel der Großstadt lebt es sich gefährlich ...

    Der weiße Affe

    engineerwife

    09. February 2018 um 15:03

    Genauso rasant wie der Klappentext, ist auch das Buch geschrieben. Man bewegt sich als Leser in zwei verschiedenen Lesesträngen. Als sei er nicht von dieser Welt, erzählt ein zunächst namenloser Junge seine Geschichte. Nein, das wäre falsch ausgedrückt … in wirren Gedankengängen, scheinbar wie im Rausch, lässt er uns an seinem gequälten Leben teilhaben. Im wahren Leben dagegen merkt der junge Kommissar Spiro sehr schnell, dass sein verschlafenes Wittenberge weit von Berlin entfernt ist und das nicht nur in Kilometern! Man kann nur hoffen, dass das Abenteuer ihm nicht zum Verhängnis wird …Der Autorin Kerstin Ehmer gelingt mit diesem Debutroman ein toller Einstieg in die düstere weite Krimiwelt. Sie schildert uns ihr Berlin in den schillerndsten Farben aber auch in den miesesten Abgründen. Sie zeigt uns Glitz und Glamour, scheut aber auch nicht davor zurück auch noch den letzten Schuppen und Hinterhof auszuleuchten. Ihr Schreibstil ist zunächst gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich eingelesen hat, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Ein paar Bemerkungen am Ende lassen auf eine Fortsetzung hoffen, ich bin gespannt. 

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  • Eine Reise in das lasterhafte Berlin der Goldenen Zwanziger

    Der weiße Affe

    Maddinliest

    07. February 2018 um 17:20

    Axel Spiro ist ein noch junger aber auch sehr erfolgreicher Kriminal-Kommissar in Wittenberge. Ihn zieht es nun in das deutlich lebhaftere Berlin, wo er mit großer Neugier empfangen wird. Sein guter Ruf eilt ihm voraus und die damit verbunden Erwartungen sind dementsprechend groß. Kaum angekommen wird er auch gleich zu einem Tatort gerufen. Ein einflussreicher und vermögender Bankier ist ermordet worden. Schnell finden die Ermittler heraus, dass der Tote ein unmoralisches Doppelleben geführt hat. Liegt hier das Motiv für die Tat? Axel Spiro stellt bei seinen Ermittlungen schnell fest, dass das Leben in Berlin anders verläuft als in seinem heimatlichen Wittenberge... Kerstin Ehmer hat mit "Der weiße Affe" ihren ersten Kriminalroman geschrieben. Vor der historischen Kulisse der Zwanzigerjahre erlebt der Leser das lasterhafte und turbulente Leben Berlins. Die Autorin erzählt die Geschichte um den aufstrebenden und engagierten Ermittler Axel Spiro in einer ansprechenden und aus meiner Sicht sehr passenden Schreibweise. So wirkte das Buch teilweise schon etwas poetisch, was sich im Zusammenhang mit einem Kriminalroman sehr überraschend, aber auch sehr interessant darstellte. Des weiteren bedient sich die Autorin eines zweiten Erzählstrangs, der zunächst auf mich verwirrend wirkte, aber im Verlaufe des Buches sich immer mehr mit der eigentlichen Handlung verwebte und so für den Leser klarer wurde. Die historischen Hintergründe wirken gut recherchiert und ich fühlte mich gut in die damalige Zeit versetzt. Die Ermittlungen und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten der damaligen Zeit bildeten den spannenden Rahmen für die Geschichte und konnten mich an das Buch fesseln. Das über-raschende Finale rundete für mich ein sehr gelungenes Leseereignis positiv ab. "Der weiße Affe" ist für mich ein sehr überzeugendes Krimidebüt von Kerstin Ehmer, welches mich auf Nachfolger hoffen lässt. Vor allem der ungewohnte und teilweise durchaus anspruchsvolle Erzählstil gab dem Buch seinen besonderen Charme. Ich empfehle das Buch gerne als lesenswert weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.

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    • 3
  • Der Tod des Bankiers

    Der weiße Affe

    dicketilla

    06. February 2018 um 17:35

    Von Wittenberge nach Berlin. Das ist schon ein enormer Karrieresprung für Kriminalkommissar Ariel Spiro. Allerdings ist er nach seinem letzten Fall froh das Revier zu wechseln, nach dem Misstrauen, dass ihm nach einem gelösten Fall entgegengebracht wurde.Schon bei seiner Ankunft am Lehrter Bahnhof, stolpert er über die Hektik und das Stimmengewirr.6 Monate Probezeit warten auf ihn, und sein Chef Kriminaloberkommissar Heinrich Schwenkow, ist nach dem Erscheinungsbild Spiros, überzeugt, dass dieser nach Berlin passe.Diese Meinung wird er zwar öfter mal bezweifeln, nachdem er ihn nur noch Wittenberger nennt, von deren selbststädigen Ermittlungen weniger begeistert ist. Spiro durchlebt einen Crashkurs, wobei er in die freizügigsten  Etablissements gelangt, die ihm nicht nur Vergnügen bereiten.Aber es gilt den Mörder des jüdischen Bankiers zu finden, der ein Doppelleben führte, und seine schöne, freizügige Tochter Nike, läßt ihn öfter den kriminalistischen Boden unter den Füßen  verlieren.Spiro zur Seite steht Bohlke, der durch eine Kriegsverletzung im Gesicht entstellt, nach 7 Jahren noch immer mit seinen Dämonen kämpft.Dem gegenüber erfährt der Leser, durch eine andere Schriftform gewählt, von einem Jungen, der anfangs namenlos ist. Wie ein Tier in einem Verschlag gehalten, von seiner Mutter, die er Königin nennt, durch Morphium, immer wieder in eine Welt voller Geister und Götzen gelangt. Endlich, wo er meint einen Freund gefunden zu haben, ihm dieser auch schon entrissen wird.Die Handlung spielt in den 20er Jahren, einer Zeit, in der man nicht nur das Korsett ablegte, sondern frei seiner sexuellen Neigung nachging. Berlin Weltstadt des Varietes, der Künste wurde.Aber auch, in der sich Großmäulige ein Gehör verschaffen, anfangs belächelt, eine Rassenpolitik zur Veredlung des arischen Geschlechts angestrebt wird. Die Autorin zeigt ein gutes Gespür für diese Zeit, wodurch sich ihre gute Recherche auszeichnet.Namen bedeutender Künstler dieser Zeit unterstützen dieses Bild. Ihre Charaktere sind ihrer Zeit, ihrer Sprache angepasst. Auch wählt sie den Berliner Dialekt bedacht, den Situationen entsprechend geschult.Die beiden unterschiedlichen Erzählungen zeichnen sich durch eine ihr angepassten Sprache aus. Während die Handlung um Spiro dem Alltagsleben entspricht, sind die wirren Gedanken des Jungen fast schon einer mystischen Welt entsprungen. Für mich ist dieser Teil der Handlung der sprachgewaltigste, spannendste Teil der Geschichte. Führt er doch am Ende Alles zusammen.Der Titel des Buches läßt sich durch das Gesamtbild der Handlung deuten, was sicher nicht leicht verständlich für jeden Leser sein wird.Über eine Zeit, in der man glaubte sich seiner Identität zu entledigen, erste Anzeichen von Antisemitismus sichtbar werden.Kerstin Ehmer hat einen für mich sehr lesenswerten Roman geschrieben. Ich hoffe sie findet den angebrochenen Faden, um die Geschichte um Ariel Spiro weiter zu spinnen.Es würde mich freuen.

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    • 3
  • Der weiße Affe...

    Der weiße Affe

    clary999

    03. February 2018 um 19:25

    Berlin in den Goldenen Zwanzigern… Zum Inhalt: Der jüdische Bankier Eduard Fromm wird leblos im Hausflur seiner Geliebten von einem Kind entdeckt. Er wurde von einem Unbekannten erschlagen. Für Kommissar Ariel Spiro ist es sein erster Kriminalfall in Berlin. Er kommt aus Wittenberge. Sein Ruf eilt ihm voraus. Die Ermittlungen deuten auf ein politisches Motiv, aber scheinen sich dann im Nichts zu verlieren. Oder? Mitglieder der wohlhabenden Familie des Toten wirken ebenfalls suspekt! Die Tochter des Toten fasziniert Spiro… Ihr Bruder Ambros scheint ein Geheimnis zu haben. Vielleicht doch ein persönliches Mordmotiv?... Wer könnte der Mörder sein? …  Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin Kerstin Ehmer ist fließend! Der Berliner Dialekt wurde aus meiner Sicht genau richtig eingesetzt. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Die Geschichte spielt in der Mitte der 1920-er Jahre in Berlin. Von Anfang an ist die Atmosphäre der Zwanziger zu spüren. Man fühlt sich in diese Zeit zurückversetzt. Auf der einen Seite die Freizügigkeit und der neue Reichtum, auf der anderen Seite die Armut und die Nachwirkungen des Krieges. Der kulturelle, gesellschaftliche, wissenschaftliche und wirtschaftliche Aufschwung in der Weimarer Republik, aber auch Antisemitismus und die ersten Vorzeichen des Nationalsozialismus. „…Diese Stadt ist ein Sumpf. Wo immer Sie hier hintreten, Spiro, da ist Modder. Am Tauentziehn fahren Damen im offenen Wagen ihre Pelze spazieren, während hier oder in Neukölln oder im Wedding sogar die Kartoffelschalen aus dem Abfall geklaut werden. Sie werden Ihr nettes Elbstädchen noch vermissen.““ Zitat aus dem Buch, Seite 34 „…Er muss Entsetzliches erlebt haben. Danach war er ein Anderer.>Jede Aufrüstung führt früher oder später zu einem neuen Krieg<, hat er gesagt, >und der wird das Ende dieser Republik besiegeln, unser aller Ende.< … „Es ist ein Dilemma. Ein Land ohne Heer ist schwach, ein Land mit Heer gefährlich.““ Zitat aus dem Buch, Seite 151 Die Personen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten konnte ich mir vom Aussehen und Auftreten sehr gut vorstellen! Der junge Kriminalkommissar Ariel Spiro aus Wittenberge wirkte auf mich sympathisch. Als Neuer bei der Berliner Kriminalpolizei hat er es nicht leicht. Die Berliner misstrauen ihm. Ein Provinzler mit abgeschlossenem Jurastudium, ungewöhnliche Herkunft und Name… Er ist ehrgeizig, aber zeigt auch Verständnis für Außenseiter, egal ob Jude, Homosexuelle, kleine Diebe… Gemeinsam mit Kommissar Ewald Bohlke soll Spiro den Mord aufklären. Bohlke ist ein Kriegsveteran, der noch heute Albträume hat. Der Krieg hat ihn verändert. Bohlke ist zunächst auch misstrauisch, aber legt schon bald zumindest einige seiner Vorurteile ab. Kriminaloberkommissar Heinrich Schwenkow ist hingegen ein typischer Polizist aus der damaligen Zeit. Nike Fromm, die Tochter des Toten, ist freizügig und unbeschwert. Sie genießt das Leben in vollen Zügen, der Tod ihres Vaters scheint ihr aber sehr nah gegangen zu sein. Trotzdem muss Spiro aufpassen, dass er sich nicht von ihr einwickeln lässt. Ob es ihm gelingt? … Könnte die Walküre Hilde, die Geliebte des Mordopfers, mehr wissen?... Wer der Mörder sein könnte, war mir lange ein Rätsel! Die Geschichte war sehr spannend und rätselhaft! Die Suche nach dem Mörder führte Spiro an Orte, die er sonst wahrscheinlich nicht besucht hätte. Schwulen-Bars, Tanzlokale, das Institut der Sexualwissenschaft… Interessante Einblicke, die mich sehr beeindruckt und gut unterhalten haben! Für Spiro wird es manchmal „unbeabsichtigt“ humorvoll. Auch die politischen und wirtschaftlichen Themen wurden aufgegriffen. Trotz der vielen sehr gut recherchierten Unterthemen fand ich es nie Überladen. „Der Pianist haut in die Tasten, die Frau steht breitbeinig und singt mit tiefer Stimme: „Zieh Dich aus, Petronella, zieh Dich aus! Denn du darfst nicht ennuyant sein, und nur so wirst du bekannt sein; und es jubelt voller Lust das ganze Haus "Zieh Dich aus, Petronella, zieh Dich aus!" Nicht bei Lulu nur oder Wedekind ist der Platz für Deine Reize, denn je nackter Deine Schultern sind, je mehr sagt man: "Det kleid se!"…“ Zitat aus dem Buch, Seite 110 (aus einem „Dirnenlied“ von Kurt Tucholsky) Zwischendurch gab es kursiv geschriebene Passagen, in denen es um einen 14-jährigen Jungen geht. Die Erzählweise war ganz anders, daran musste ich mich erst gewöhnen. Tragisch, erdrückend und irritierend. Fantasiert oder träumt der Junge vielleicht? Eine Verbindung zum Mord ist zunächst nicht zu erkennen. Und wie passt nun der Buchtitel „Der weiße Affe“ in die Geschichte? Dazu sollte sich jeder Leser sein eigenes Bild machen ;) Ein ungewöhnlicher und spannender historischer Krimi im Berlin der Zwanziger Jahre mit einem sehr interessanten Ermittler! Leseempfehlung! 4,5 Sterne (5)

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    • 10
  • Ein schwieriger Fall für Kommissar Spiro

    Der weiße Affe

    Langeweile

    02. February 2018 um 19:51

    Aus dem etwas beschaulichen Wittenberge an der Elbe wird Kommissar Spiro nach Berlin versetzt. Unmittelbar nach seiner Ankunft geschieht ein Mord , ein jüdischer Bankier wird im Hausflur seiner Geliebten tot aufgefunden. Der junge Kommissar stürzt sich voller Eifer in die Ermittlungen, an seiner Seite der alteingesessene Kollege Bohlke. Zuerst richtet sich der Fokus auf die exzentrische Familie des Ermordeten, dann jedoch gibt es noch verschiedene andere Spuren.Dass er sich in Nike, die Tochter des Bankiers verliebt hat, erleichtert seine Arbeit nicht. Außerdem drängt sein Chef auf eine schnelle Aufklärung, weil dieser von der Presse unter Druck gesetzt wird. Neben seiner Arbeit stürzt sich der Kommissar das ein oder andere Mal in das schillernde Nachtleben der Metropole, was auch das Missfallen seines Chefs erregt. Meine Meinung : Dank des sehr schönen Schreibstils konnte ich sofort in die Atmosphäre der zwanziger Jahre eintauchen. Besonders gut gefiel es mir dabei, dass auch der typische Berliner Dialekt in die Erzählung einfloss. Alle Personen waren sehr gut beschrieben, mein Kopfkino lief sofort an. Den vielen kleinen Details, welche in die Geschichte eingearbeitet wurden, merkt man die ausführliche Recherchearbeit an. Fazit: Eine Geschichte,die mich bis auf wenige Kleinigkeiten, sehr gut unterhalten hat. Ich spreche eine Leseempfehlung aus und vergebe vier Sterne.

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    • 2
  • 4,5 Sterne für eine authentische Reise ins Berlin der Zwanziger Jahre

    Der weiße Affe

    Antek

    02. February 2018 um 18:25

    Kaum dem Zug aus Wittenberge entstiegen und ins laute, stinkende und schnelle Berlin geschubst, muss sich Ariel Spiro auch schon um seinen ersten Mordfall kümmern. „Ein jüdischer Bankier, der sich an Schweinefleisch bis zum Erbrechen überfrisst, der sich ein urdeutsches Idyll mit blondgelockter Walküre dazu gekauft hat und wie im Zoo zu regelmäßigen Zeiten besucht.“ wird erstochen auf der Treppe im Wohnhaus seiner Geliebten gefunden. Wer hat ein Motiv, ein anderer Liebhaber, die gehörnte Ehefrau, der Sohn, dem er den Geldhahn zugedreht hat, sein Stellvertreter in der Bank oder war es gar ein politisch motivierter Mord? Wird es dem Jungspund vom Lande, den sowieso alle argwöhnisch beobachten, gelingen einen Täter ausfindig zu machen oder verliert er sich gar in der großen ungewohnten Freiheit der Hauptstadt? Die Autorin spielt mit zwei verschiedenen Handlungssträngen. Zum einen begleitet man Spiro, zeitweise auch gemeinsam mit seinem Kollegen Gehrke bei deren Ermittlungen. Man kann rätseln,  vermuten und bekommt einige Tatverdächtige präsentiert, was mir gut gefallen hat. Zum anderen bekommt man in kursiven Abschnitten Berichte aus dem Leben eines unbekannten Jungen geboten. Diese waren teilweise schockierend und haben mich daher betroffen gemacht, stellenweise aber auch verwirrend und unklar. Deshalb wären mir hier etwas weniger lieber gewesen, zumal diese auf andere Art und Weise erzählt werden und mich beim Lesen eher ausgebremst haben. Der Schreibstil der Autorin war für mich nach einer kleinen Eingewöhnungsphase an die blumig, poetisch beschreibende Art und die zeittypischen Begriffe, geläufig zu lesen. „In seinem Kopf halten sich Verstand und romantische Aufregung in eiserner Umklammerung“ oder  „und dieser untergeschobene Arm sendet Wellen durch seinen Körper wie ein vorwurfsvolles Echolot auf der Suche nach den Untiefen seines Herzens.“,  sind nur zwei Beispiele für die teilweise poetische Sprache.  Stellenweise haben mich aber die kursiven Abschnitte auch später noch etwas irritiert. Ich konnte viel schmunzeln, was mir gut gefallen hat. Es ist einiges an Situationskomik geboten, so kommt Spiro z.B. im Laufe seiner Ermittlungen auch zum Ruf homosexuell zu sein, Anmachversuche in der betreffenden Lokalität natürlich inbegriffen. Auch schmunzeln musste ich, als der junge Kommissar zu tief ins Glas schaut, die Gepflogenheiten noch längst nicht kennt und sich tatsächlich den Dienstausweis klauen lässt. „Ich hab en Fromm nich jesehn, nich lebendig jedenfalls“. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass es ab und an einen Satz in Dialekt gibt und auch die Ausdrucksweise sehr gut zu der Zeit passt. Die Charaktere sind gelungen gezeichnet. Der junge Kommissar Ariel Spiro war mir mit seinen Ecken und Kanten, mit seinen Schwächen recht sympathisch. Er ist belesen, gewitzt, zeigt Einsatz und mich wundert nicht, dass er es, so jung, schon so weit gebracht hat. Sein Kollege Bohlke ist ein rauer Ermittler, der auch zu härteren Bandagen greift um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Er hat mir vor allem wegen seiner Verletzung aus dem ersten Weltkrieg und dem dazugehörigen Trauma sehr leid getan. Nike, der Spiro so verfällt war mir nicht so sympathisch, auf mich hat sie eher den Eindruck gemacht, wie wenn sie großen Spaß daran hätte, Männern den Kopf zu verdrehen. Die Nebendarsteller sind ebenfalls gelungen und authentisch ausgewählt, bei Spiros Mitbewohner James, der mich mit seiner Art oft zum Schmunzeln gebracht hat, bis hin zu Günther, der dem Jungen aus den kursiven Abschnitten eine wichtige Stütze war. „Nach und nach hat er ihr erzählt, von den Gräben voller Schlamm, dem Hunger und den Leichen. Von den Körpern, die im Stacheldraht hingen, von den Ratten, die an ihnen fraßen, von dem ohrenbetäubenden Lärm der Schützen, den Explosionen der Granaten, von den Schreien“. Und wenn er ihr das nicht hätte erzählen können „hätten ihn seine Gespenster erstickt und er hätte sich totgesoffen.“ sind z.B. Gedanken von Bohlke, einem vieler stark traumatisiertet Soldaten so kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Dies ist nur eine Facette. Die Autorin fängt den Zeitgeist extrem gut ein, sexuelle Freizügigkeit z.B. beim FKK Picknick, Antisemitismus oder erste Vorboten des Nationalsozialismus sind weitere Beispiele, die hier angesprochen werden. Zudem merkt man an zahlreichen Ortsbeschreibungen und auch Aussprüchen in Dialekt zu jeder Zeit, dass man sich in Berlin aufhält. Alles in allem hatte ich, auch wenn ich nicht mit allem und jedem bis ins Detail glücklich war, eine wirklich tolle Reise ins Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre und kann „Der weiße Affe“ jedem Krimileser, der gerne authentisch in vergangen Zeit reisen möchte empfehlen. 4,5 Sterne wären hier mal wieder optimal, für fünf genügt es nicht ganz.

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