Donnergrollen im Land der grünen Wasser

von Kerstin Groeper und Andrew Jr Knez
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Donnergrollen im Land der grünen Wasser
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Inhaltsangabe zu "Donnergrollen im Land der grünen Wasser"

Maisblüte, ein junges Mädchen der Choctaw-Indianer am Alabama-Fluss, wächst wohlbehütet im Dorf ihres Vaters auf. Ihr Häuptling Tuscalusa ist ein mächtiger Mann, der von den Nachbarvölkern gefürchtet wird. Gleichzeitig bereitet sich im hohen Norden der Schildkröteninsel ein junger Mann der Menominee namens Machwao auf seine erste große Handelsreise in den Süden vor. Ihre beiden Leben nehmen eine dramatische Wendung, als Männer aus einem fernen Land mit seltsamen Helmen und auf bedrohlichen vierbeinigen Monstern mordend und brennend durch das Land ziehen. Die Spanier zerstören auf ihrer Suche nach Gold alles, was sich auf ihrem Weg befindet; doch die schlimmste Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist unsichtbar: Krankheiten dezimieren die Urbevölkerung und zerstören dabei blühende Kulturen. Auch Maisblüte gerät als Sklavin in die Fänge der spanischen Conquistadores, die auf ihrem Weg nach Norden auch bald für Machwao zur Bedrohung werden. Die Schicksale dieser beiden Menschen verknüpfen sich auf abenteuerliche Weise.
Ein historischer Roman über eine fast unbekannte Zeit:
Die Ankunft der Spanier um das Jahr 1540 in Nordamerika

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783941485556
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:640 Seiten
Verlag:TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG
Erscheinungsdatum:07.11.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    SiColliers avatar
    SiColliervor 5 Monaten
    „Noch leben wir und solange wir atmen, gibt es auch Hoffnung.“

    Ganze Völker waren verschwunden und niemand mehr da, der ihre Lieder singen oder ihre Gebete sprechen konnte. Sie hatte es gesehen und konnte doch nicht das ganze Ausmaß begreifen. Es war einfach zu schrecklich. (Seite 576)

    Meine Meinung

    Von der Autorin habe ich schon einige Bücher gelesen, die meist im 19. Jahrhundert angesiedelt waren. So war ich gespannt, wie ein Roman, dessen Handlung einige Jahrhunderte früher spielt, sein würde. Um es gleich vorwegzunehmen - wie auch ihre anderen: hervorragend.

    Etwas getrübt wurde der Lesegenuß allerdings durch die zu geringe Opazität des Papiers, wodurch der Druck der jeweiligen Rückseite durchschimmerte. Ansonsten ist das Buch sehr ordentlich verarbeitet, auch nach dem Lesen (obwohl ich nicht sonderlich aufgepaßt habe) keinerlei Falten oder Knicke im Rücken und der Buchblock nach wie vor gerade - so sollte es sein.

    Wie in ihren anderen Büchern verwendet die Autorin für die meisten der Figuren deren indianische Namen (z. B. Awässeh-neskas, Kämenaw Nuki oder Nanih Waiya), hier empfand ich diese jedoch als dermaßen fremd, daß das durch das ganze Buch hindurch für eine gewisse Distanz sorgte und nicht, wie die Autorin vermutlich im Sinne hatte, mir die Figuren oder deren Völker näher brachte. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn hier durchgehend deutsche Namen Verwendung gefunden hätten (wenn die Indianer im Buch sprechen, steht das ja auch auf Deutsch da und nicht in deren Sprache mit Übersetzung).

    Inwieweit man bei diesem Inhalt natürlich von „Lesegenuß“ sprechen kann, ist eine ganz andere Angelegenheit. Interessant war es für mich, da ich diese Zeit - um 1540 - bereits aus den ersten Bänden der „Spanish Bit Saga“ von Don Coldsmith kenne, die ebenfalls mit der Ankunft der Spanier in Nordamerika beginnt, allerdings die Eroberer rasch verläßt und nur noch unter dem „Volk“ spielt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, da die Spanier nochmals auftauchen. Das ist hier anders.

    Über einen großen Teil der Erzählung verläuft der eine Handlungsstrang bei den spanischen Eroberern. Auch wenn die Autorin vieles recht zurückhaltend beschreibt, ist das dennoch nichts für schwache Nerven. Denn die Conquistadores gingen mit einer Brutalität vor, die in der Geschichte kaum ihresgleichen hat. Was und wer sich ihnen in den Weg stellte, wurde gnadenlos ermordet, gefoltert oder - so noch am Leben - versklavt. Ganze Siedlungen und Völker wurden ausgelöscht. Man vermag sich nur schwer vorzustellen, was dabei auch an kulturellen Werten für alle Zeiten verloren gegangen ist. Wer dem direkten „Zugriff“ der Spanier entkam - oder Gegenden, in welche diese nicht hingelangten - war dennoch seines Lebens nicht mehr sicher. Denn den von den Europäern eingeschleppten Seuchen hatten die indigenen Völker nichts an Abwehrkräften entgegenzusetzen. Man nimmt heute an, daß seinerzeit rund 90 Prozent (!) der Bevölkerung ausgelöscht wurden (vgl. Nachwort S. 662).

    Dies ist der Rahmen, innerhalb dessen sich die Figuren dieses Romans bewegen müssen. Während Maisblüte recht bald auf die Spanier trifft, erhält Machwao (vom Stamm der Menominee), je weiter er nach Süden kommt, immer mehr Warnungen. Aber wer vermag sich etwas so Furchtbares, wie ihm zu Ohren kommt, schon vorzustellen oder zu glauben? Es sind übrigens die Menominee, deren Stamm und Gebräuche auf einheimischer Seite im Mittelpunkt stehen und deren Lebensweise beschrieben wird.

    Der Einbruch der europäischen „Zivilisation“ wurde aus Sicht der Indios (wie sie von den Spaniern genannt wurden) geschildert. Ich bin nicht sicher, ob die Autorin die Bücher von Don Coldsmith kennt, jedoch werden dort wie hier die Pferde, welche den Indianern bis dato völlig unbekannt waren, als „große Hunde“ beschrieben. Die völlige Überraschung und Fassungslosigkeit durch etwas nie zuvor Gesehenes wird für uns heutige nachvollziehbar und verständlich. Unverständlich ist mir allerdings, wie ich leider zugeben muß, die Sicht- und Handlungsweise der ach so christlichen Spanier geblieben. Die „Wilden“, als welche man die Indios ansah, wurden noch schlechter als Tiere behandelt, denn es waren ja keine Menschen, und Gefühle hatten die schon gar keine. Es steht zu befürchten, daß die Autorin nur wenig bis gar keine Phantasie bzw. Ausschmückung für diese Szenen brauchte.

    Wie gesagt, es ist harter Lesestoff, der über weite Strecken gewißlich nicht als „Lesegenuß“ bezeichnet werden kann, aber eine Zeit lebendig werden läßt, die heute kaum noch im Gedächtnis oder gar Fokus des Interesses ist. Wie das Leben vor Ankunft der Spanier (vermutlich) war, wird im Handlungsstrang um Machwao deutlich, und damit um so klarer, was durch die Eroberung des Kontinents im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen ist. Ganz zu schweigen davon, daß so manche der indigenen Völker den Eindringlingen moralisch und - je nach Sichtweise - auch kulturell überlegen waren. Nur daß die Spanier grausamer waren und die wirkungsvolleren Waffen besaßen.

    Als der Roman nach über sechshundertfünfzig Seiten begann auszuklingen, hatte ich das Gefühl, eine weite Reise über eine lange Zeitspanne hinweg getan zu haben. Vor meinem inneren Auge war eine längst entschwundene Zeit erstanden, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Trotz des ruhigen und versöhnlichen Ausklangs bleibt eine Melancholie ob des für immer Verlorenen zurück. Und eine gewisse Traurigkeit darüber, daß die Menschen noch immer nicht imstande sind, friedlich miteinander auszukommen. Machwao, dem der Frieden so viel bedeutete, stünde heute vor ähnlich großen Problemen und Herausforderungen wie damals. Das ist das eigentlich Bedrückende.


    Mein Fazit

    Ein wahres „Donnergrollen“ zog mit den Spaniern über das Land und nichts war mehr, wie vorher. Mit großem Verständnis, viel Wissen und vor allem Einfühlungsvermögen schildert die Autorin die Katastrophe, die über die „Indios“ mit Ankunft der Conquistadores hereinbrach. Wer sich für die Geschichte Nordamerikas und speziell der Indianer interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen.


    Anm.: Überschrift vgl. S. 560

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    T
    Thunderdreamervor 6 Monaten

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