Kettly Mars

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Die zwielichtige Stunde, Wilde Zeiten und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Die zwielichtige Stunde
 (1)
Neu erschienen am 01.09.2018 als Taschenbuch bei litradukt Literatureditionen.

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Kettly MarsFado
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Fado
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Erschienen am 04.10.2010
Kettly MarsDie zwielichtige Stunde
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Die zwielichtige Stunde
Die zwielichtige Stunde
 (1)
Erschienen am 01.09.2018
Kettly MarsWilde Zeiten
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Wilde Zeiten
Wilde Zeiten
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Erschienen am 27.01.2012
Kettly MarsIch bin am Leben
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Ich bin am Leben
Ich bin am Leben
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Erschienen am 14.10.2015
Kettly MarsVor dem Verdursten
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Vor dem Verdursten
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Erschienen am 30.05.2013

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Rezension zu "Die zwielichtige Stunde" von Kettly Mars

Glück muss man haben
aus-erlesenvor 2 Monaten

Zu faul, zu ungebildet (im Sinne von fehlenden Qualifikationen und Zertifikaten), zu schön, um in der Anonymität der Großstadt unterzugehen. Jean-Françoise Eric L’Hermitte hat es nicht leicht. Der Ärmste. Und so verdient sich Rico, wie er sich selbst nennt, seinen Lebensunterhalt mit dem, was er am besten kann: Als Gigolo. 
Ausgestattet mit einer Waisenrente stürzt er sich ins Leben. Kaum volljährig, denn sobald er vor dem Gesetz Mann ist, erlischt der Anspruch auf die relativ üppige Rente, ist er mit einer Freundin Protégé eines Obersts. Der vergnügt sich mit ihr und ihm. Rico ist das einerlei. Ihm geht es gut. Er lebt sein Leben in Martissant, einer Ortschaft mit etwas mehr als zwanzigtausend Einwohnern, in der man nicht viel tun kann, als zu arbeiten oder zu leben. Er hat sich für Letztes entschieden. Kein großer Luxus, wenn man materielle Güter als Luxus bezeichnen will. Sein Luxus ist das Leben an sich. 
Élise ist sein zweiter Luxus. Die recht betagte (gut betuchte) Dame ist die direkte Nachfolgerin vom Oberst. Sie lauscht den Geschichten Ricos. Da er schon in jungen Jahren gelernt hat Geschichten aus Büchern abzuspeichern, ist er zu einem exzellenten Erzähler gereift. Doch Èlise will nicht nur zuhören…
Ob nun Hildegarde, ihr Neffe Patrice oder andere, die Ricos Weg kreuzen, sie alle können ihm nicht die Poesie, die er für das Leben empfindet, nehmen. Wie im Rausch nimmt er Gerüche, Geräusche, Farbenspiele in sich auf. Maler und Poet zugleich besprüht er sich und seine Umgebung mit seinen Eindrücken. 
Seine Fischgründe sind das Ibo Lélé. Hier trifft sich wer Vergnügen sucht. Hier findet, wer sucht. Hier ist Rico der Fischer mit dem dichtesten Netz. Charme und Poesie setzt er auch hier ein. Doch aus einem anderen Grund. Er muss arbeiten. Immer wieder. Und immer mit einem Lächeln.
Kettly Mars lässt Jean-Françoise Eric L’Hermitte, genannt Rico, nicht am Leben (ver-)zweifeln. Dafür hat er keine Zeit. Das Leben ist zu kostbar, und vor allem zu kurz als dass man sich pausenlos Gedanken oder gar Sorgen machen sollte. Es ist wie es ist, und man kann es nur in Nuancen ein wenig dehnen. Umkehren kann man es nicht. Es sind die leisen Töne, die dieses Buch zu einem Leuchtstrahl im Dunkel des Schicksals der Insel Haïti machen. Kein Wort des Schwermuts, kein Wort des Bereuens stört die friedliche Atmosphäre, die sich Rico selbst geschaffen hat. Und wenn am Abend Félix, der Angestellte einer Pension pünktlich wie jeden Tag am Sender seines Transistorradios dreht, um den Nachrichten zu folgen, ist für Rico die Welt in Ordnung.

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Eselsohren-Werners avatar

Rezension zu "Wilde Zeiten" von Kettly Mars

Rezension zu "Wilde Zeiten" von Kettly Mars
Eselsohren-Wernervor 6 Jahren

Inhalt:

Haiti zu Beginn der Sechzigerjahre: Um ihrem inhaftierten Mann zu helfen, lässt die schöne Mulattin Nirvah sich auf eine Affäre mit dem Staatssekretär Raoul Vincent ein. Nach und nach ergreift der Emporkömmling Besitz von ihr und ihren Kindern und wird zur Metapher für die Herrschaft der Duvalier Diktatur über ein gelähmtes Land. Eine intimistische Schilderung von Situationen, in denen Gewissheiten und die Begriffe von Gut und Böse zerfallen, und zugleich ein spannender Politthriller.

Meine Meinung:

Dies ist quasi ein Insider-Bericht, auch wenn „Wilde Zeiten“ nicht autobiografisch ist. Mit „Wilde Zeiten“ hat Kettly Mars jedenfalls einen packenden Roman über das Leben in einer Diktatur geschrieben.

Mars holt uns gleich zu Beginn mitten ins Geschehen in Haiti zu Beginn der Sechzigerjahre: Nirvahs Ehemann Daniel ist als Journalist gegen Papa Doc aufgetreten und wurde verhaftet. Sie weiß nicht, ob er noch am Leben ist. In ihrer Verzweiflung sucht sie den Staatssekretär Raoul Vincent auf. Der verspricht ihr zu helfen, weil er sie begehrenswert findet.

Er hält sie mit spärlichen Informationen über Daniel hin, während er die staubige Straße, in der sie wohnt, asphaltieren lässt und ihr teure Geschenke macht. Während sie seine Geliebte wird, findet Nirvah ein Tagebuch Daniels und erfährt so, dass er auch im Widerstand tätig gewesen ist.

Bald glaubt sie nicht mehr daran, dass sie Daniel jemals wiedersehen wird. Und als sie dahinter kommt, dass der Staatssekretär sowohl ihre Tochter als auch ihren Sohn verführt hat, beschließt sie mit ihren Kindern zu fliehen.

Dies wird abwechselnd aus der Sicht von Nirvah und des Staatssekretärs erzählt, eingeschoben sind Auszüge aus Daniels Tagebuch. Auch indem Mars den Focus stark auf die sexuelle Komponente der Macht legt, gelingt es ihr, das anormale Leben in einer Gewaltherrschaft aus unterschiedlichen Perspektiven einzufangen.

Ein beeindruckendes und aufwühlendes Buch.

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