Kevin Barry

 3,8 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Dunkle Stadt Bohane, Beatlebone und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Kevin Barry

Kevin Barry, geboren 1969 in Limerick, ist der Autor dreier Romane, "Die dunkle Stadt Bohane", "Nachtfähre nach Tanger" und "Beatlebone" sowie von zwei Bänden mit Kurzgeschichten. Für sein Werk wurde er u.a. mit dem IMPAC-Preis, dem Europäischen Literaturpreis und dem Rooney Prize ausgezeichnet sowie zweimal auf die Shortlist des Irish Book Award gewählt.   

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Kevin Barry

Cover des Buches Dunkle Stadt Bohane (ISBN: 9783608501452)

Dunkle Stadt Bohane

 (11)
Erschienen am 21.02.2015
Cover des Buches Beatlebone (ISBN: 9783498001582)

Beatlebone

 (2)
Erschienen am 15.09.2020
Cover des Buches Dark Lies the Island (ISBN: 9780099575078)

Dark Lies the Island

 (0)
Erschienen am 04.04.2013

Neue Rezensionen zu Kevin Barry

Cover des Buches Beatlebone (ISBN: 9783498001582)miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Beatlebone" von Kevin Barry

Kevin Barry – Beatlebone
miss_mesmerizedvor 8 Monaten

John Lennon begibt sich 1978 auf eine Insel westlich von Irland, um in der Einsamkeit wieder zu sich zu finden, um das, was er in einer Urschreitherapie gelernt hat, umzusetzen und sein künstlerisches Potenzial neu auszuloten. Der nahende 40. Geburtstag hat ihn in eine Sinnkrise versetzt, die ihm lähmt, abgeschieden von der Menschheit will er drei Tage mit innerer Einkehr verbringen. Doch sein Weg zur isolierten Destination ist voller Hürden, doch sein Fahrer Cornelius O‘Grady ist unerschrocken und mit dem notwendigen Stoizismus ausgestattet, das Abenteuer mit dem verzweifelten Beatle auf sich zu nehmen und diesen an sein Ziel zu führen.

 

Dorinish, die Insel, um die sich zunächst alles in dem Roman dreht, hatte John Lennon 1967 tatsächlich für einen lächerlich geringen Preis von 1550 Pfund erworben und ihr auch zwei kurze Stippvisiten abgestattet. Die beschwerliche Reise entwickelt sich als psychologischer Trip in die Tiefen von Lennons Seele, in der gerade viele Themen wüten:

 

„Was geht Ihnen durch den Kopf?

Schwer zu sagen.

Liebe, Blut, Schicksal, Tod, Sex, das Nichts, Mutter, Vater, (...)“

 

Lennons Zustand ist mehr als fragil, wiederholt drängt er darauf, dass er nur auf seine Insel und seine Ruhe haben will. Doch bis er dort ankommt, gilt es so einiges zu erdulden. Sein asketischer Lebensstil schützte ihn weder vor dem Nervenzusammenbruch noch vor der irischen Landbevölkerung. Doch was diese dem Sänger voraus hat, ist, dass sie die Erfahrung von Angst und Paranoia schon kennt. Cornelius ist der perfekte Konterpart, an dem Lennon sich abarbeitet, den er jedoch nicht kleinkriegt.

 

Das Buch hat gewisse Brüche, in einem Kapitel erläutert der Erzähler den Entstehensprozess des Romans, das Ende schildert die Entstehung des Albums „Beatlebone“, das durch Lennons mystische Inselerlebnisse inspiriert wurde, tatsächlich jedoch nie entstanden ist. Die experimentelle Struktur mag nicht jedem Leser gefallen, bei einem Avantgardisten wie Lennon als zentraler Figur, ist dies aber durchaus passend.

 

Kevin Barry ist ein begnadeter Autor, dem ein glaubwürdiger John Lennon kurz vor dem völligen Zusammenbruch überzeugend gelingt. Es benötigt vermutlich gerade diese Nähe zu einem gewissen Wahnsinn, um in dem Maße kreativ zu schaffen, wie es bei dem Beatle der Fall war. Sein Interesse an Esoterik und alternativen Weltsichten, ebenso wie die Experimentierfreude mit Drogen, sind hinlänglich beschrieben worden und lassen daher nicht verwundern, dass ein Mensch ebenso wie die Kunstfigur in einem regelrechten Malstrom von Gedanken gefangen ist und die Flucht aus diesem sucht.

 

Die Dialoge sind sprachlich brillant und oszillieren locker zwischen humorvoll und tiefgründig, ebenso die bisweilen bizarren Episoden im Pub und Hotel, die Lennon über sich ergehen lassen muss. Es ist keine biographische Erzählung, sondern eine fiktive Geschichte, die eines der ganz großen Genies der Musikgeschichte zurück auf den Boden holt, jenen der erbarmungslosen, ungezähmten irischen Küstenregion, die jedoch mit ihren Meeresrauschen und Höhlen ganz eigenes Inspirationspotenzial hat.

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Cover des Buches Dunkle Stadt Bohane (ISBN: 9783608501452)Haverss avatar

Rezension zu "Dunkle Stadt Bohane" von Kevin Barry

Eine außergewöhnliche Lektüre auf höchstem Niveau
Haversvor 6 Jahren

„Dunkle Stadt Bohane“ ist das Debüt des irischen Schriftstellers Kevin Barry und wurde 2013 mit dem International IMPAC Dublin Literary Award ausgezeichnet, und wenn man den Roman gelesen hat, versteht man auch die Gründe dafür.

Handlungsort ist die fiktive Stadt Bohane an der Westküste Irlands, einst eine prosperierende Metropole, die aber im Jahr 2053 im Dunkel versunken ist. Gewalt und Clanstreitigkeiten beherrschen den Alltag, Gesetzlose haben das Sagen. Allen voran Logan Hartnett, der aus dem Elendsviertel Smoketown zusammen mit einer Bande von Jugendlichen, den Fancy-Boys, das Leben in der Stadt kontrolliert. Aber seine Vorherrschaft ist in Gefahr, als sein Erzfeind Gant Broderick, den er vor einem Vierteljahrhundert aus der Gegend vertrieben hat, seine Rückkehr ankündigt. Besondere Brisanz erhält dessen Botschaft auch noch dadurch, dass dieser der ehemalige Liebhaber seiner Frau Macu war. Die Frage ist nun, wer aus diesem Machtkampf als Sieger hervorgehen wird. Hartnett oder Broderick – oder steht am Ende schon ein Königsmörder in den Startlöchern?

Ein Genre-Mix, wie wir ihn in „Dunkle Stadt Bohane“ finden, ist nicht so selten, auch wenn die einzelnen Zutaten auf den ersten Blick nicht zusammenpassend erscheinen: Sciene Fiction, Komödie, Western, Märchen, Heldensage, Dystopie und Comic – eine wilde Mischung. Was diesen Roman so außergewöhnlich macht, ist die Sprache. Es muss eine ungeheure Herausforderung für den Übersetzer Bernhard Robben gewesen sein, der den Dialekt des Originals in lesbares und verständliches, mit Rotwelsch gemischtes Deutsch, gebracht hat. Absolut beeindruckend!

Kevin Barry jongliert mit Versatzstücken der verschiedenen Genres. Es gibt Helden, aber diese sind keine Lichtgestalten. Die Geschichte spielt zwar in der Zukunft, aber das Leben in Bohane ist bar jeder technologischer Errungenschaft, keine Autos, keine PCs und keine Handys, noch nicht mal Schusswaffen. Die Gangmitglieder sind sehr jung, und ihre bevorzugte Lektüre sind Modemagazine – nicht unbedingt das, was man von brutalen Killern erwarten würde.

Laut und sexy, schrill und grell, retro und gleichzeitig futuristisch, eine Revue mit übertrieben geschminkten Darstellern, die in keine Schublade passt, so würde ich Barrys Roman beschreiben. Ungewöhnlich, anders, aber genial - und sehr, sehr unterhaltsam. Lesen!

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