Kevin Chen

 4 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor*in von Geisterdämmerung und Ghost Town.

Lebenslauf

Kevin Chen, 1976 in Changhua, Taiwan, geboren, begann seine künstlerische Karriere als Filmschauspieler und spielte in den taiwanesischen und deutschen Filmen Ghosted, Kung Bao Huhn und Global Player mit. Heute lebt er in Berlin und arbeitet als Autor für die Zeitschrift Performing Arts Review. 

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Kevin Chen

Cover des Buches Geisterdämmerung (ISBN: 9783751810104)

Geisterdämmerung

(2)
Erschienen am 20.03.2025
Cover des Buches Ghost Town (ISBN: 9781609457983)

Ghost Town

(0)
Erschienen am 25.10.2022

Neue Rezensionen zu Kevin Chen

Cover des Buches Geisterdämmerung (ISBN: 9783751810104)
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Rezension zu "Geisterdämmerung" von Kevin Chen

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Geisterdämmerung

Kevin Shih-Hung Chen(陳思宏) ist ein in Taiwan geborener Schriftsteller und Journalist, dessen Karriere allerdings als Schauspieler begann. Er hat bereits sieben Bücher in China und Taiwan veröffentlicht, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Heute lebt und arbeitet der Autor in Berlin.


Auch sein Roman „Geisterdämmerung“ bewegt sich zwischen Taiwan und Deutschland und ist insgesamt das Porträt einer dysfunktionalen Familie.

Der jüngste Sohn Tianhong dieser Familie war nach Deutschland gezogen, hat sich dort verliebt und geheiratet.

Allerdings hat er seinen Mann ermordet und kam deswegen für einige Jahre ins Gefängnis.


Als Tianhong nach seiner Gefängnisstrafe in sein Heimatdorf Yongjing in Taiwan zurückkehrt, hat sich in der ländlichen Region viel verändert. Auf den Chrysanthemenfeldern seiner Erinnerung stehen nun verwahrloste Motels, Unkraut wuchert und der lokale Markt wurde durch einen Supermarkt ersetzt

Die Eltern sind tot und die Leben seiner Schwestern und seines Bruders sind weitergelaufen und haben sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt.


Unglücklich und gescheitert sind sie alle.


Die dritte Tochter Shuqing wurde zwar als Kind bevorzugt behandelt, ist aber als Erwachsene von großem Selbsthass zerfressen und hat einen brutalen und lieblosen Ehemann, der sie schlägt. 


Sujie hat nach einem verstörenden Vorfall in der Kindheit vermutlich ein Angststörung und verlässt nicht mehr das Zimmer oder öffnet die Vorhänge. Seit Jahren. Wie lebendig begraben. Oder wie ein Geist.


Shumei lebt prekär und hasst ihren Ehemann.


„Ihren Mann mit eigenen Augen sterben zu sehen, war Shumeis größter Ansporn, selbst weiterzuleben.“


Die jüngste Schwester hat vor vielen Jahren Selbstmord begangen.


„Wie konnte nur so etwas passieren? Kein einziges der Chen-Kinder hatte es mit der Heirat gut getroffen. Was war nur geschehen, dass Tianhong sogar zum Mörder geworden war?“


Es sind die vielen lange verborgenen Familiengeheimnisse und vergessenen Erinnerungen, die Kevin Chen nach und nach In Rückblenden am Tag von Tianhongs Rückkehr entschlüsselt. Es ist auch der Tag des Geisterfestes, der die Rahmenhandlung für die Zusammenführung der Geschwister bildet.


Stilistisch ist das sehr raffiniert erzählt, denn es kommen nicht nur die Lebenden in wechselnder Besetzung zu Wort, sondern auch die Geister. 


„Auf dem Land wimmelte es von Geistern, die in den Erzählungen der Menschen lebten.“


Mosaikförmig setzt sich so ein Bild der Vergangenheit und der Ereignisse zusammen, die in der Gegenwart immer noch lange Schatten werfen.

Verbotene und versteckte Homosexualität ist dabei ebenso ein Thema wie Missbrauch, gewalttätige Beziehungen und soziale Ungerechtigkeit.



Trotz der vielschichtigen Themen, die Chen aufgreift, fällt der Roman für mich nur in die Kategorie „mittelmäßig gerne gelesen“. Seine Erzählweise und die Vermittlung des Inhalts war mir persönlich oft zu grob und ungenau. Auch den Figuren hätte meiner Meinung eine genauere Beobachtung ihrer Motivation und inneren Gefühlswelt gut getan.


In Kombination mit dem umfangreichen Figurenarsenal hatte der Roman dadurch für mich einige Längen, obwohl er abwechslungsreich und geschickt aufgebaut ist. Dass ein hilfreiches Personenverzeichnis am Ende angehängt ist, hatte ich dann leider erst nach dem Lesen bemerkt. 

Cover des Buches Geisterdämmerung (ISBN: 9783751810104)
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Rezension zu "Geisterdämmerung" von Kevin Chen

annlu
Taiwanische Familiengeschichte

Nach mehreren Jahren Haft in einem Berliner Gefängnis kehrt Tianhong zurück in sein taiwanisches Heimatdorf: Yongjing, was ewiger Frieden bedeutet, doch für Tianhong alles andere ist als das. Als jüngstes von sieben Geschwistern wuchs er mit Aberglauben, Klischees und unverrückbaren Rollenbildern auf und floh nach Berlin, in der Hoffnung, dort ein freies, selbstbestimmtes Leben als homosexueller Mann führen zu können. Doch seine Ehe mit einem Deutschen beendet er mit dem Mord an ihm. Wie konnte es dazu kommen? (Auszug aus dem Klappentext)


Das Buch bringt den Leser nach Taiwan. Dabei bekommt man verschiedene Eindrücke – zum einen ist da das ländliche Taiwan der Gegenwart. Dem gegenübergestellt wird der Ort der Erinnerung. Nicht nur Tianhong, sondern auch seine Familie gehen mit ihren Gedanken immer wieder in ihre Kindheit zurück. Obwohl Tianhong laut Klappentext der Titelheld ist, dreht sich das Buch um seine ganze Familie. Sowohl die lebenden Geschwister, als auch die Verstorbenen (als Geister) kommen zu Wort. Die Erzählung springt von einem zum anderen, macht auch zeitlich so manche Sprünge. Im ersten Moment ist es nicht leicht, ihr zu folgen. Doch langsam, langsam kommen mehr Zusammenhänge auf und die Familiengeschichte – aber auch die Geschichte von Yongjing – wird durch immer mehr Aspekte ergänzt. Dabei stellt sich eine melancholische Grundstimmung ein. Wohl auch, weil es den Geschwistern der Familie weder in der Kindheit noch im Erwachsenenalter gut ergangen ist. Viele von ihnen haben Probleme und sind eigentlich vom Leben enttäuscht worden. Über allem schwebt zudem der Tod einer Schwester, von dem der Leser erst spät erfährt, was es mit ihm auf sich hat. Auch zum Mord an Tianhongs Mann gibt es erst einmal viele Andeutungen und wenig Konkretes. 


Die Geschichte und der Erzählstil lassen sich nicht leicht erklären. Sie wirken verworren und recht zusammenhanglos. Erst langsam zeichnet sich ein genaueres Bild. Sowohl die Kindheitserinnerungen als auch die Beziehungen, die die Geschwister im Erwachsenenalter eingegangen sind, bringen eine gedrückte Stimmung hervor. Das Bild, das hier vom – ländlichen – Taiwan gezeichnet wird, ist weder idyllisch noch aufheiternd. Die Kombination aus allem ist dennoch sehr gut bei mir angekommen. Je weiter ich gelesen habe, umso mehr wollte ich dem Ganzen auf den Grund gehen und so habe ich das Buch immer wieder zur Hand genommen um weiterzulesen.


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