Kevin Kuhn Hikikomori

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Inhaltsangabe zu „Hikikomori“ von Kevin Kuhn

Till hat alle Freiheiten: er geht auf »die freieste Waldorfschule der Welt«, seine Eltern - ein anthroposophisch motivierter Schönheitschirurg und die Kuratorin eines innovativen SchauRaums - fördern ihn, wo sie nur können. Als er nicht zum Abitur zugelassen wird, ist er plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen und beginnt nachzudenken:
Was soll aus mir werden, fragt er sich und beschließt so lange in seinem Zimmer auszuharren, bis er darauf eine Antwort weiß. Aus dem Zimmer wird ein Kokon, im Rückzug auf sich selbst glaubt er voranzukommen. Schließlich beginnt Till mit der Kreation einer autarken, nach seinen Regeln funktionierenden Separatwelt: Welt 0 - ein Zufluchtsort für alle, denen die reale Welt zu fordernd oder auch zu eingeschränkt ist. Und Till ist ihr Garant, denn er kämpft nicht nur für sich, sondern für eine ganze Generation, die in ihren Zimmern sitzt.

Ein Zimmer und ein Entschluss: die Tür zumachen, sich endlich ausklinken, für Tage, für Wochen, Monate, Jahre vielleicht. Kevin Kuhns Debütroman erzählt vom Erwachsenwerden ohne Geländer und verschränkt dabei Realität und Virtualität miteinander. Irgendwo zwischen diesen Grenzen beginnen wir, uns aufzulösen - und uns neu zu erfinden.

»Ein selten gutes Debüt: kraftvoll, entschieden, mutig — ein wunderbarer Roman eines jungen Schriftstellers.« Hanns-Josef Ortheil

»Eine krasse Geschichte von jenseits der verklebten Zimmertür, aus einer anderen Welt, einer anderen Realität. Kevin Kuhn braucht sich vor niemandem verstecken.« Thomas Pletzinger

Till zieht sich von von Familie und Freunden zurück in eine Scheinwelt, in der er zeitweise glücklich sein kann - hat mich sehr berührt

— Bellastella

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  • Ich hatte etwas ganz anderes erwartet

    Hikikomori

    Lilli33

    11. March 2017 um 11:18

    Broschiertes Taschenbuch: 224 SeitenVerlag: Berlin Verlag (10. September 2012)Sprache: DeutschISBN-13: 978-3827011169Preis: 14,99€auch als Taschenbuch und als E-Book erhältlic Ich hatte etwas anderes erwartet Vorbemerkung:jap. ひきこもり, 引き籠もり oder 引き篭り, „sich einschließen; gesellschaftlicher Rückzug“.Hikikomori ist der japanische Begriff für meist junge Menschen, die sich aus der Familie und Gesellschaft zurückziehen und fast vollkommen für sich leben sowie für das entsprechende Phänomen. Dieses ist vor allem in Japan weiter verbreitet als bei uns, da die Menschen dort einem enormen sozialen Druck ausgeliefert sind.Inhalt:Till wird nicht zum Abitur zugelassen. Für seine mehr oder weniger antiautoritären Eltern kein Problem. Für Till anscheinend schon. Denn er kapselt sich immer mehr von seiner Umgebung ab, um zu sich selbst zu finden, schließt sich schließlich sogar ganz in seinem Zimmer ein. Die Mutter stellt ihm Essen vor die Tür, kommuniziert mit ihm über Zettelchen. Die meiste Zeit verbringt Till mit Computerspielen. Online erschafft er sich eine „Welt 0“, in der er selbst die Regeln bestimmen kann. Meine Meinung:Mir fiel das Lesen recht schwer. Der Schreibstil ist nicht besonders locker, sondern wirkt zuweilen etwas verkrampft, was aber gut zu Tills Situation passt. Was mich aber stark gestört hat, ist, dass hauptsächlich oberflächlich über Tills Tage und Nächte berichtet wird, was er tut, was er nicht tut, wie er es tut. Was mir fehlte, war das Warum, das Suchen nach Lösungsansätzen. Zwischen Till und mir blieb die ganze Zeit eine riesige Distanz, ebenso zu seinen Freunden und Familienmitgliedern. Der Blick hinter das Geschehen blieb mir zum größten Teil verwehrt. Und gerade das hatte ich von diesem Buch erwartet. Tills Tagesablauf ist leider nicht besonders spannend, und auch außerhalb seines Zimmers passiert nicht wirklich viel, sodass ich mich von Seite zu Seite weiterkämpfen musste. Ganz nett war die Schilderung, wie für Till allmählich reale und virtuelle Welt ineinanderfließen, für ihn keinen Unterschied mehr machen. Insgesamt hat mir dieser Roman aber einfach zu wenig gegeben, um ihn zufrieden zur Seite legen zu können. Ich könnte mir dieses Buch gut für den Deutsch-Unterricht vorstellen, denn man kann sicherlich sehr viel hineininterpretieren und über alles Mögliche diskutieren, zumal es sicher auch viele junge Leute gibt, die so haltlos sind wie Till. ★★★☆☆

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  • Rückzug

    Hikikomori

    Marapaya

    17. September 2013 um 20:03

    Till ist nicht zum Abitur zugelassen. Seine Lehrer in der Waldorfschule, allen voran Frau König, haben ihm und seinen Eltern schriftlich bescheinigt, dass Till erstmal sein Ich neu orientieren soll. Die Eltern wollen den Abschluss einklagen, die Freunde sind empört und Till scheint tatsächlich den Rat seiner Lehrer zu befolgen: Er räumt seine Zimmereinrichtung in den Keller und will nachdenken, sich leer denken, Till wegdenken. Kevin Kuhns Figur Till ist schwer zu greifen. Man spürt seine Ratlosigkeit, seine Unfähigkeit auf sich selbst zu bauen, den eigenen Weg zu finden. Viel gibt der Autor über seinen Protagonisten nicht preis. Er zeigt uns in kurzen Momentaufnahmen die Menschen um Till herum, die ihr Leben weiterleben und unbeirrt den eigenen Weg beschreiten. Eltern, die überzeugt davon sind, dass ihr Sohn zu Großem berufen sei und daher in jedem seiner Gedanken unterstützt werden sollte. Freunde, die seinem Wunsch nach Ungeselligkeit entsprechen und ohne Till gesellig sind. Eine Schwester, die den Blick unablässig auf Laptop, Smartphone, Fernseher richtet. Fremde Menschen, die sich Nächte um die Ohren schlagen, um per Livestream ein abgeklebtes Fenster zu beobachten, verschworen im gemeinsamen Voyeurismus. Kuhns Roman ist keine Geschichte des Nachdenkens, eher des Rückzugs. Es ist eine allmähliche Verabschiedung von der wirklichen Welt mit all seinen Berührbarkeiten hinein in eine virtuelle. In eine spezielle, selbst aufgebaute Computerwelt mit eigenen aufgestellten Regeln. Und es ist eine Flucht. Ein Versuch, dem Trugschluss vom eigenen selbstbestimmten Leben zu entkommen. Gleichzeitig ist es vielleicht Tills einzige Chance, sich von aller Fremdbestimmung zu befreien und eben den eigenen Weg zu sich selbst doch aufzuspüren. Dafür reist er nicht wie seine Freunde um die ganze Welt, um sich schließlich in einem Bergkloster in Tibet selbst zu finden. Till geht in sein Zimmer und wird ein Hikikomori.

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  • Rezension zu "Hikikomori" von Kevin Kuhn

    Hikikomori

    jamal_tuschick

    31. January 2013 um 14:15

    IN DER GEWALT DER NETZSCHLÜMPFE „Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen“, sagt Blaise Pascal. Würde Abschluss tatsächlich zur Abwehr von Unglück taugen, wäre jeder Hikikomori auf der richtigen Fährte. Aber so ist das natürlich nicht. Die da den gesellschaftlichen Rückzug ins Kinderzimmer antreten und eine japanische Subkultur stiften, bleiben auch im Stadium der Einzelzeller überfordert. Nun hat der Geburtsgöttinger Kevin Kuhn der zunehmend internationalen Hiki Culture deutsche Verhältnisse verpasst. Sein „Hikikomori“, so auch der im Berlin Verlag erschienene Titel, ist ein Till ehrgeiziger Leute. Gestaltungsmonster sind diese Eltern, ins Gelingen verliebte Wüstlinge des richtigen Lebens. Der Vater hält als Schönheitschirurg die Schöpfung für unzulänglich, aber korrigierbar, die Mutter geriert sich als Galeristin. Till versagt unter dem Druck, ein besonderer Mensch sein zu müssen, passend zur mütterlichen Handtasche sozusagen. - Eine Anthroposophengucciausgabe von einem Teenager. Dabei will Till noch nicht einmal das Waldorf-Abitur gelingen. Im Sommer des Romans scheint die Sonne dunkel, Soundgarden´s „Black Hole Sun“ grüßt aus der Gruft des Grunge. Die Perspektive wechselt von der Dritten zur ersten Person und zurück. Am Anfang mistet Till seine Stube aus: „Möbel sind überbewertet“. Noch mischt er mit im übervölkerten Land der adoleszenten Verheißungen: „Alle paar Meter stößt Till mit jemandem zusammen, ein Knistern, als würden sich die aufgeheizten Körper wie im Raum kollidierende Kugelblitze aneinander entladen“. Noch ist Winter im Roman, bei Kuhn eine Jahreszeit für Geplänkel und Reisevorbereitungen. Till reist ab in die Reduktion. Sie schärft seine Sinne. Von Isolation kann aber nicht die Rede sein. Till teilt sich weltweit mit, er spielt auch mit in den Bunkern der Virtualität, gern „aufseiten der Nazis“. Er gibt Bestellungen auf. Die Mutter „mästet“ ihn mit sonntäglichen Rindsrouladen, in Erwartung einer Katharsis – und zieht auch den gewünschten Leguan an Land. Leibhaftige Freunde bleiben erwartungsfroh und halten Till auf dem Laufenden. Auch die Geaddeten (friends wie Fremde) wenden sich nicht von seinem Profil. Till steckt in einer komfortablen Uterus und allen bleibt klar, das geht vorbei „als letzte Tiefphase“ vor dem Einzug in die erwachsene Flüchtigkeit. Doch jetzt möchte Till erst einmal „Raum und Zeit selbst bestimmen und „Leerstellen“ in seinem Kopf besetzen“. Wie war das tief im letzten Jahrtausend in Bret Easton Ellis´ „Unter Null“, wie später dann in „Faserland“ von Christian Kracht? Fleischiger & berauschter in jedem Fall. Alle zehn Jahre vollzieht der Nachwuchs an der Kante des Wahlrechts einen bis dahin unerhörten Wechsel im Gebrauch der Wörter und der Wirklichkeit. Nun sind Piraten in künstlichen Paradiesen Pulsmesser des Augenblicks. Kevin Kuhn bringt Kunde aus dieser Südsee, er macht seine Sache gut. Seine Ver-rückungen und Abschweifungen sind nicht mehr surreal oder psychedelisch geflaggt. Das weltweite Netz als erste Adresse seiner Generation ist viel zu hypertroph, als dass das Soma des Surrealismus verfangen könnte. Es gibt also etwas Neues unter der Sonne und der Kevin Kuhn weiß Bescheid.

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  • Rezension zu "Hikikomori" von Kevin Kuhn

    Hikikomori

    Lutra

    03. October 2012 um 19:26

    Hikikomori (jap. ひきこもり, 引き籠もり oder 引き篭り, „sich einschließen; gesellschaftlicher Rückzug“) Till ist nicht wie seine Klassenkameraden zum Abitur zugelassen worden. Er geht erstmal nach Hause und zieht sich in sein Zimmer zurück. Doch als er nicht wieder herauskommen will, beginnen seine Eltern und Freunde sich Sorgen zu machen. Auf unbestimmte Zeit lebt Till nun in einem Mikrokosmos, der nur aus ihm, dem Zimmer und seinem Computer besteht. Abgeschnitten von allem und allen, auf niemanden angewiesen erschafft er sich eine eigene neue Welt. Das soziologische Phänomen des Hikikomori beschreibt Menschen, die sich aus der Gesellschaft zurückziehen. Beobachtet wurde es vor allem bei jungen Männern, der Begriff wurde in Japan geprägt. In seinem Debütroman erzählt Kevin Kuhn aus wechselnder Perspektive von diesem Prozess des Sich-Abkapselns. Die Konflikte in Till selber und innerhalb der Familie werden dabei in lakonischer und realistischer Weise beschrieben, in nüchterner und doch eindringlicher Sprache. Ein etwas gruseliges Buch, aber nicht übertrieben oder absurd. Beklemmend wird es vor allem, als andere Online-Süchtlinge Tills Verwahrlosung in Livestream verfolgen und er zunehmend den Bezug zur Realität verliert. Mir hat das Buch unheimlich gefallen. Die Geschichte beschäftigt sich mit einem relativ neuen soziologischen Phänomen, und wer einen Hang zu Büchern hat, die Menschen und ihr Verhalten unter dem Mikroskop studieren, wird hier nicht enttäuscht. Eine zufrieden stellende Auflösung des Problems bietet das Buch zwar nicht, aber das schadet ihm nicht besonders, weil man sich längst in der Vorstellung dieser selbst gewählten Gefangenschaft verloren hat.

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